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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 251.

13. Jahrgang

Sonnabend, 27. Oktober 1923

Einzelpreis 150 Millionen Mark.

Einzelpreis 150 Millionen Mark.

Die Abtrennungögesadren im Westen.

Mälzer Vorgänge.

Die ButouomieVrvfuche.

Die Selbständigmachung deutscher Gebiets- trile ist durch die Verfassung erinöglichf, aber auch das Verfahren ist durch die Verfassung ge­regelt. Was jetzt in der Pfalz vorgegangen ist, ist mir diesen Bestimmungen nicht zu vereinbaren. Die Sozialdemokraten mach­ten allerdings gellend, daß sie an die Voraus­setzungen des Artikels 18 der Reichsverfassung sür die Bildung des neuen Gliedstaates Pfalz sich nicht gebunden zu halten brauchen, nachdem auch Bayern feine Verpflichtungen dem Reiche ge­genüber nicht mehr eifüttt habe. Aber wohin sollen wir kommen, wenn parteipolitische Instan­zen über solche Lebensfragen der Natron von sich aus das Urteil fällen. Die Reichsversassung läßt die Selbständigmachung eines Gliedstaates nur zu, wenn zuvor der Wille der Bevölkerung durch Abstimmung festgstellt ist. Dann hat die Reichsregierung dem R e i ch s t a g e ein dies­bezügliches Gesetz vorzulegen, das aber ver- fassungsändernd ist und infolgedessen der Zustim- >nung der Zweidrittelmehrheit des Reichstages bedarf. Es wäre daher für die Reichsregierung ebenso wie für Bayern unmöglich, eine Auto- nomie-Erklärung der Pfalz in der von den So­zialdemokraten in die Wege getesteten Form hin­zunehmen. Tie bürgerlichen Kreise der Pfalz wollen mit diesen Bestrebungen nichts zu tun haben. Sie lehnen das ganz entschie­de n ab. Etwas anderes freilich ist es, wie sie sich zu dem Konflikt zwischen Bayern und dem Reiche stellen. Die Mißhelligkeften Mischen Pfalz und Bayern find in letzter Zeit gewachsen/ Aber niemand in der Pfalz will den Bruch mit Mitteln, die weder von den Voraussetzungen des Rechts, noch denen der heimatlichen und gesamt- vaterländischen Gesinnung getragen werden.

Seit Jahr und Tag versucht General de Metz, der französische Oberdelegierte für die Pfalz, die Abtrennung der Pfalz vom übrigen Deutschland. Er hat die verschiedensten Methoden versucht, hat es versucht mit den po­litischen Parteien von rechts bis links, mit den einzelnen Wirtschastskreisen, mit Separatisten, hat es mit Gewalt mtd liebenswürdigster Ueber- redung versucht, mit Versprechungen und mit Drohungen. Er ist alle irgendwie gangbaren Wege gegangen, er har aber keincrzeit sein Ziel aus dem Auge verloren: Abtrennung der Pfalz vom Reich. Ncch immer bat er sich bei der vfäl- zischen Bevölkerung eine derbe, eindeutige A b - tage geholt. Nie und zu keiner Stunde war es dem ehrgeizigen, zähen und daher keineswegs ungefährlichen General möglich, in seinen Pfalz­akten zu vermerken, daß er seinem Ziele näher gekommen sei, daß er sich auf irgend welche, sei es auch die geringsten Teile der pfälzischen Be­völkerung stützen könne. Wer aber die Dinge in der Pfalz mb Aufmerksamkeit verfolgt, mußte sich darüber im Klaren sein, daß die Gefahr für die Pfalz solange nicht als gebannt gelten kann, so lange Generäl de Metz seine Pläne selbst nicht als aussichtslos aufgegeben hat. Er gehört zu den französischen Politikern in Uniform, die mit äußerster Vorsicht und größter Geduld vorgehen. Alle politischen Parteien der Pfalz sind sich dar­über einig, daß er der gefährlichste Feind der Pfalz, wenigstens in ihrer Zugehörgkeit zu Bayern und Reich ist.

Umso erstaunlicher uns unbegreiflicher ist es, daß drei Mitglieder der sozialdemokratischen Partei der Pfalz, die bisher an der Spitze des Abwehrkampfes gegen die Pläne General de Metz standen, in diesen Tagen schwerster politi­scher Not des Vaterlandes mit eben diesem Ge­neral de Metz die Loslösung der Pfalz von Bayern besprechen konnte? Wenn sie dabei mich ganz andere Zit'- verfolgten als der annexioni- siiscke französische General, so müssen sieh die drei Herren, die ans dem Gebiete der Politik keine Nettlinge mehr find, das eine sagen, daß sie damit dem General de Metz direkt in die Hänoe arbeiteten. Es bandelt sich um die sozialistischen^ Bürgermeister Kleewot-LudwigSbafen, Wag­ner - Ludwigshafen und Hoffmann-Ka:- serslantern: sie erstreben wegen der Haltung Bayerns, die LoÄösnng der Pfalz von Bayern und Errichtung eines autonomen Vfalzstaates im Rahmen des deutschen Reiches. Früher schon waren ähnliche Bestrebuna-n im Gange und Mar von einer kleinen Gruppe dir Bayerischen Volksvartet in der Pfalz, die mit der damaligen Regierung in München nicht e'n- verstandm war und deshalb die Loslösung der Pfalz von Bayern und ihre Angliederung an i e.j katholische Rheinland erstrebte.

Der damalige bayerische Ministerpräsident Hoffmann kennzeichnete solche Bestrebungen, an deren Spitze damals Justizrai Dr. Wädlinger stand, dahin, daß eine Loslösung der Pfalz von Myern, solange noch ein französischer Soldat auf pfälzischem Boden steht, gleichbedeutend mit einer Loslösung vom Reiche ist, weil die Fran­

zosen den Augenblick der Loslösung dazu benut­zen würden, um die Psalz unter französische Hoheit zu bringen. Alle politischen Parteien des Rheinlandes haben angesichi i der unver­kennbaren französischen Loslösuugspolitik in einstimmig ae'aßter Entschließung in Königs­winter feierlich erklärt, daß sie auf das Recht einer staatlichen Neugestaltung der Pfalz frei­willig so lange verzichten wollen, solange die Rheinlanoe noch von fremden Truppen besetzt sind. Auch hier war der Grundgedanke leitend, daß eine Loslösung von rheinischen Gebieten von Preußen, Hessen oder Bayern unter den gegenwärtigen politischen Verhältnissen aleichbc- deutend fei mit der Loslösung vorn Reich.

Entwicklung in der VMz.

Protest der Reichs- und bayrischen Regierung.

Berlin, 26. Oktober.

Die Reichsregierung hat gegen den unrechtmäßigen Eingriff der Franzosen in die Autonomiebewegung am Rhein und in der Pfalz gestern eine neue Protestkundge­bung an die alliierten Mächte gerichtet. Der Hauptpunkt der netten Note ist die Tatsache, daß ein französischer General dem Kreistag der Psalz Erklärungen abgegeben habe, die die pfälzische Bevölkerung zum Landesverrat nufsor- der». Weder das Rheinlandabkommen noch eine andere Vereinbarung gebe anch nur einen schein­baren Grund dafür, daß ein französischer Gene­ral das Recht haben könnte, in die Tagung einer parlamentarischen Körperschaft einzugreisen. Die bayerische Regierung hat durch den Ge­sandten von «Sieger dem Reichskanzler den auf- richtigon Dank für die Kundgebung der ReichS- regierung an die Pfalz aussprechen kaffen, die wesentlich dazu beigetragen habe, daß der Putsch­versuch in der Pfalz zusammengebrochen sei.

Sin neuer rrittftvversuty.

Mannheim, 26. Oktober. (Eigene Draht- meldung.) In KaiserAauter« hat der frühere sozialdemokratische Ministerpräsident Hoss- mann gestern einen neuen Versuch der Ausrufung derPfälzischen Republik" unter­nommen, diesmal unter der Mithilfe der Be­satzungstruppen. Dem Kreistag ist durch den französischen General bekannt gegeben wor­den, daß er den letzt«! Beschluß, der die Aus­rufung der pfälzischen Republik ablehnt, nicht anertenne und daß er nette Beschlüsse des Kreis­tages umgehend erwarte. Die Lage in der Pfalz ist zur Zeit aufs äußerste gespannt.

Die franrMcfte Einmischung.

Kaiserslautern, 26. Oktober. (Privat- telchramm.) Die französischen Garnison, behörden der Pfalz sind angewiesen worden, Reguisitionen in der neuen Republik Pfalz nur noch gegen Barzahlung in Fran­ken vorzunehmen. Ferner ist ein Konmraniw hei- fehl ergangen, der den Truppen ein gutes Ein­vernehmen zu den neuen Regierungsbehörden zur Pflicht macht. Havas meldet weiter: Die Ausrufung der Psakzrepubkik soll Sonntag in 41 Städten vollzogen werden.

Bayerns Haltung.

Auf dem Wege der Verständigung.

Berlin, 26. Oktober

Rach Schluß der Konferenz der deutschen MinisterprSüdenten im Reichsamt des Innern hatte der bayrische Gesandte von $reger eine längere Unterredung mit dem Reichskanz­ler. Dor Gesandte hat dem Reichskanzler die Erklärung seiner Regierung abgegeben, daß neue Verordnungen des bayrischen Gc- neralkommiffars hinsichtlich der Beziehungen Bayerns zum Reiche vorläufig ausge- setzt werden, um die Bemühungen des Kanz­lers, don Weg der Verständigung Mit Bayern zu gehen, nicht z« durchkreuzen.

Llm Sie s*ftonänö$5feit.

München, 26. Oktober. (Privattelegramm.) Der neue bayrische Landeskommandant von

Lossow erläßt Aufrufe zum Eintritt in die bayrische Reichswehr. General - staatskommiffar von Kahr hat, wie die Nürn­berger Morgenpreffe meldet, die Wieder- übernähme der Reichsfinanzverwal­tung und der Verkehrsverwaltung innerhalb der bayrischen Grenzen in die bayrische Landeshoheit beim Ministerium beantragt.

Der Fall Sbrdardt.

München, 26. Ottober. (Privattelegramm.) Das Reichsgericht hat gestern der bayrischen Re­gierung den Haftbefehl gegen den steckbrieflich verfolgten Kapitänleutnant von Ehrhardt be­hufs Vollstreckung zngestellt. Die bayrische Re­gierung hat beschlossen, daß dem Haftbefehl des Reichsgerichts nicht stattzugeben sei. Nach einer Meldung der Donauzeitung in Passau ist Ehr­hardt in die bayrische Reichswehr eingetreten.

Separatisten und Franzosen.

Sie versuchen weiter vorzudringen.

<©>aene Diahtmeldung.)

Düsseldorf, 26. Oktober.

Unter dem Schutze der belgischen und französischenWaffen versuchen die Son­derbündler, trotzdem die ungeheure Mehrheit der Bevölkerung ihnen feindlich gegenübersteht, ihre Stellung bis in das Ruhrgebiet vorzutrei- bcn. So kam es gestern unter anderem in Mül­heim zu einem separattstischcn Putsch für die Ausrufung der rheinischen Republik. In Bonn ist dos Rathaus wieder besetzt. Tie französische Besatzung hat den Separatisten zwei Maschinengewehre zur Verfügung

Die grstn-weltz-rvtc -Fahne n>.--rh- »rm"t gehißt und dieRheinische Republik" abermals ausgerufen. Man muß den heutigen Tag ab­warten, um endgültiges über das Schicksal der separatistischen Herrschaft sagen zu können.

Reue Srfayr.

M a i n s, 26. Oktober. (Eigener Drahtbericht.) Die Separatisten haben Mainz wieder be­setzt. Auch Wiesbaden ist in der Hand der Sonderbündler. Allgemein treten die französi­schen Militärbehörden für die Separatisten ein, sodaß diese auch Aachen, Kiefeld, Bonn und die meisten anderen rheinischen Städte wie­der in ihren Besitz bringen konnten. Die Lage er­scheint nach den bis gestern abend vorliegenden Meldungen nahezu hoffnungslos für Deutsch­land. DerMatin" meldet aus Aachen: Neue sonderbündlerische Truppen sind in Aachen und Bonn eingetroffen. Man erwartet einen neuen Vorstoß der Separatisten gegen die von den Gewerkschaften besetzten Städte.

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SinTstreflorlum".

Paris, 26. Oktober. (Eigener Drahtbericht.) DasJournal des Debats" meldet ans Kob­lenz: kÄnDirektorium der Rheinischen Republik hat sich in Koblenz konstituiert. Ihm gehören achtzehn eingeborene Rheinländer an. Ein engerer Vollzugsausschuß besteht aus vier Mitgliedern des Direttorimns. Der Vollzugs- uusschntz bereitet eine Proklamation an die rhei­nische Bevölkerung und an die Besatzungsmächte vor und die Schaffung einer eigenen rheinischen Schutzpolizei. Die Namen der Mitglieder des Rheinland-Direktoriums sind der Rheinland- kommifsion mitgeteitt worden.

Die Krise im Ruhrgebiet.

Bemühungen der Gewerffchasten.

(Eigene Drahtmeldung.)

Essen, 26. Oktober.

Gegen die Schließung der Ruhr zechen hoben die Gewerkschaften eine Mtton in Berlin und bei den Industriellen unternommen. Da die Schließung erst am kommenden Montag eintreten soll, hofft man, daß in der Zwischenzeit sich die Möglichkett findet, den größten Teil der Arbeiter doch weiter zu beschäftigen. Die Gewerk­schaftsführer sind gestern nach Hagen gereist, wo sie an den Reichskanzler die dringende Auffor­derung richten wollen, in den Konflift einzu- greifen und die für die Lohnzahlungen nötigen Zahlungsmittel zur Verfügung zu stellen.

Drsprrchuna über Sohnfraeen.

Berlin, 26. Oktober. (Privattelegramm.) Qkpern fand in Berlin eine Besprechung der Arbeitgeber und Arbeitnehmer des besetzten Gebietes statt, um sich über die Loh n- s r a g e n zn beraten. Tie Beschlagnahme der ge- förberten Kohlen durch die Franzosen ohneBezahlung von dieser Seite oder vom Reiche hat eS den Unternehmern unmöglich ge­macht. die notwendigen und ins riesenhafte gehenden Löhne für die Arbeiter aufzubringen. AlS einzige Rettung wird die Gewährung eines großen internationalen Kredits bezeichnet.

Ausruf zur Hilfe.

Die große Kasseler Hilfsaktion.

Sie große Hilfsaktion fite die Aennften bet Srtt>erb«lofen, Klein* unb Sozialrentner, «der die bereit« berichtet wurde, nahm pefteen durch eine Der ammlung der in Betracht kommenden Rreife im Raffele» Stadrver»ebneten aal fester« formen an« Das, was gestern im Stadtverordneten- sitzungssaale tagte, war ein wirkliches Stadtpar­lament: Alle, aber auch alle Kreise der Bürger­schaft sah man vertreten! Der Regierungsprä­sident und der Oberbürgermeister von Kassel hat- ten, wie es früher in Notzeiten der Fall war, die Bürgerschaft aufs Forum gerufen. Das Wort hatte Oberbürgermeister Scheidemann. Er setzte, wie er es früher schon einmal bei anderer Gelegenheit getan hatte, ausführlich auseinan­der, wie infolge des Charakters der Stadt Kas­sel als Stadt der Rentner mit einer einseitig nur auf Eisenbahnbedarf und auch Tixfilfabri- kation eingestellten Industrie, die keinerlei Aus. gleich ermöglicht, hier die Not besonders groß ist. Schon die Wohnungsnot ist geradezu himmelschreiend gesteigert. Vielfach sind die Fälle, daß zehn und mehr Menschen in einem Zimmer hausen müssen..! Das Elend der klei­nen Rentner ist leider zu sehr bekannt. Sie, bie früher selbst Wohltäter waren, sind heute auf die Wohltätigkeit ihrer Mitmenschen angewie­sen. Zu alledem ist nun die Ar b ei t s l o si g- keit gekommen. Das sechste Tausend vollkom­menen Erwerbsloser ist überschritten. Die Zahl steigt noch weiter. Tausend» sind Knrzarbefter. Schon im Vorjahre hat dieWinteihttfe", ein besonderes gebildetes Komitee, in dem be­sonders Justizrat Bartels Hervorragendes lei­stete, außerordentlich segensreich gewirkt. Es bot Winterhilfe, Kinderhilfe and Rentnerhitse.

Jetzt steigen die Anforderungen inz Ungemes­sene. Entsprechend muß auch die Kräfteentfat- tung Neses Komitees sein. Die Zeit ist vorbei, wo man sagen konnte: Wer arbeiten will, der findet auch Arbeit. Der Oberbürgermeister er­innerte daran, daß gerade die Unglücklichen, die schon lang« arbeitslos sind, dem größten Glend pvoisgegeben sind. Wer mehr als 26 Wochen arbeitslos ist, bekommt überhaupt nichts mehr. Die beste Hilfe ist, daß, und fei es zur Kurzar­beit, Arbeitslose imtergebracht werden. Sie dürfen nicht dazu kommen, die Straß« zu bevöl­kern, wo sie Einflüsterungen aller Art ausgeffetzt sind. Seit acht Tagen, auch am Sonntag, hat der Oberbürgermeister den Besuch von Depuia- fionen der Arbeitslosen erhalten. Männer und Frauen waren dabei, von denen zu befürcht«-« war, daß sie jeden Augenblick vor Hunger zu­sammenbrechen können. Alte und graue Män­ner aber auch junge Leute kamen, die ttänenden Anges berichteten: Die Kinder weinten, als wir weggingcn, wett sie nichts zu essen hatten, und wir kommen zurück und bringen nichts mit. Wir haben nichts, rein gar nichts mehr...! Vei- zweifelie Bemerkungen fielen, die keine Drobun- gen waren. Die allerdings die .Demonstra­tion" ^veranstaltete, waren meist zweifelhafte Elemente, hauptsächlich Lausejungen. Bei dieser Gelegenheit hob das Stadtoberhaupt hervor, vaß dürch das außerordentlich

geschickte und taktvolle Eingreifen der Polizei es gelungen ist, am Dienstag die Dinge so be­scheiden abrvllen zu sehen, wie Wirtes dennoch grausig genug erlebt haben. Ausdrücklich st'llte er fest: Wenn die Leute, die Treiber der Vor. kommnisse gewesen fnd, behaupten, daß Reicks, wehr aufgeboten gewesen sei, die in Stahlhelm aufmarschierte, «so ist das Lüge! Auch .merk- würdige Frauen" waren in der Menge. Wenn der Oberbürgermeister überhaupt zu diesen Leu. ten sprach, so geschah es lediglich aus der Be­fürchtung heraus, daß die wirklichen Arbeitslo- fen in ungünstig« Beleuchtuna gerückt werden könnten, deren Gros für das Tun jener Streife nicht verantwortlich gemacht werden kann. Die Not der Erwerbslosen ist jedenfalls riesengroß. Jetzt, da die Not am größten, ist leider auch bie Not der Stadt am größten. Der Oberbürger­meister bot erschütternde Zahlen dafür und be­tonte dann: Es bleibt nichits übrig, als an bte öffentliche Wohltätigkeit zu appellieren! Nor- wendig ist 1. Beschaffung irgendwelcher Arbeit, 2. Geld, 3. Lebensmittel und 4. Kleider unb Schuhe, Anweisungen auf Brot und warmes Men. So kam der Oberbürgermeister auf

die öffentliche BolkSspeisuna

zu sprechen. Im Kastell, in der Suppen« anstatt und im Boffeheirn stehen große Srü. cken zur Verfügung. Jrn Notfall kann die Stadt Feldküchen bewmmen. Der Apparat ist je­denfalls vorhanden. Es fehlt nur an den Spenden, die den Betrieb ermöglichen. Als nachahmenswertes Beispiel sei erwLhnt, daß ein Mitbürger sofort nach dem erftai Bekmim- werden der Hilfsaktion auf das Konto des Oberbürgermeisters 10 Billionen überwiesen hat! Di« Rede des Oberhauptes der Stobt Kassel wurde mit Bravorufen ausgenommen.