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13. Jahrgang

Sonnabend, 3. November 1923.

Einzelpreis 1,5 Milliarden Mark.

Nummer 257

Einzelpreis 1,5 Milliarden Mark.

Lte KaOeler Neuesien NaErirl ten erscheinen wnLentlicb iechSinal nackm UagZ. Der Adonne- mentLprels beträgt für die Woche vom 28. Oft. bis 3. Nov. 8 Milliarden bei freier Zustellung ins Haue,in der (SeschLftsueUe abgeboU7,8 Milliarden. Bestellungen werden jederreir entgegen, genommen, «erlag und Redaition: Schlachkhosstratze 28/80. Fernsprecher Nummer 951 und 952. ftür unoerlangi eingefanbte Beitrage kann die Redaktion eine «erant. roOrtung oder iSeroäbr tn keinem Ialle übernehmen. Nuckzahlunz de» SeiugSgelbeS ober Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung ist ausgeschlossen. Postscheck Krankfurta M. 8380. Druckerei: 2chlachtyofstr.S>iM. DeschäftSstelle: Kölnische Str.5.

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Meter Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

markt hat auch in dieser BcrichtSwoche keine Bes­serung erfahren. Es mutzten weitere Entlas­sungen von Arbeitskräften, Einführung von Kurzarbeit und Betriebsein st ellun- gen in fast allen Industrie- und Gewerbszwei- gcn vorgenommen werden. Auch die Lage in der Landwirtschaft hat eine weitere Verschärfung er­fahren. Jur Bergbau kam es infolge des neuen Streiks im mittÄdeutscl-en Braunkohlenrevier zu größeren Entlastungen. Wo noch voll gearbeitet wird, wird wegen des geringen Kohlenabsatzes in nächster Zeit nur noch in Teilschichten gear­beitet werden. Die von den einzelnen Gemein­den in Angriff genommenen Notstandsarbeiten mutzten wegen Geldknappheit und wegen der Uederteurrung der Baumaterialien zum grötz- tcn Teile wieder eingestellt werden.

2Iuföe6una der orelchsverordnung.

Berlin, 2. November. (Pridattelwramm.) Der Reichspräsident Hai, nachdem inzwischen in Sachsen eine neue Regierung gebildet worden ist, durch Verordnung vom heutigen Tage die am 29. Oktober auf Grund des Artikels 48 der Rcichsverfastung erlassene Verordnung zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Gebiete des Freistaates Sachsen wieder aufgehoben.

und dass anck sie ihre Forderungen stellen könn­ten. Er halte es für das Beste, daß auch die bürgerlichen Parteien, die in der Koalition ver­treten sind, zu der Sachlage sich äutzern. Erst dann würde er seine Entscheidung dem sozial- drmokratischen Parteivorstand Mitteilen. Die Besprechungen der Fraktionen finden heute na h- mittag 2 Uhr statt. Bis dahin ist die innerpo­litische Lage in der Schwebe. Es deuten jedoch keine Anzeichen darauf hin, datz die Sozialdemo­kratie mit ihrer Drohung wirklich Ernst machen wird und es liegen auch keine Anzeichen vor, datz Reichskanzler Stresemann vor einem Ulti­matum der Sozialdemokratie weichen würde.

Einr Wirischafrskvnfrrrnz.

Paris. 2. November. (Eigene Drahtmel- düng.) Paris unterbreitete telegraphisch einen Entwurf zur Einladung Amerkas, der in allgemeinen Ausdrücken gehalten üft. Er ent­halt nichts, was das Verfahren der Experten­kommission beschränken würde. Poincarss Be­dingungen gelten hier nur als Wünsche, welche für die anderen unmaßgeblich sind, wte Bestimmungen über die Methoden uno Kompetenz der Komifsion steht der Repa- rationskomEission zu. London und Wäching- ton, die in c-ngrm Einvernehmen stehen, haben bestimmt die stille Hoffnung, die Kommis,ion werde sich schließlich doch zu einer großen Wirtschaftskonferenz entwickeln.

AnNartzett in Sachsen.

Proteste gegen das Minderheitskabinett.

tAigenei Drahtbericht.)

Dresden, 2. Roveinber.

Der Reichskommiffar Dr. Heinze erklärte, datz er sein Amt noch nid# nirdergclegt habe, wie fälschlich verbreitet worden sei. Erst nach Einreichung der neuen Ministerlitze, um die er ersucht habe, werde er die Entscheidung der Reichsregierung zu der neuen Sachlage übermit­teln können. Wie verlautet, hat die deutsch- nationale Fraktion im sächsischen Landtag beschlossen, beim Reichspräsidenten unb beim Staatsgerichtshof Protest gegen die Wahl des sozialdemokratischen Minderheits-Kabinetts eiu- zulegen mit der Begründung, datz die Geschäfts, ordnung des sächsischen Landtags in einer großen Anzahl von Fällen verletzt worden sei. Auch die Kommuni st en haben denselben Antrag ge­stellt, sodatz noch einige Tage vergehen werden, bis die Dinge in Sachsen geklärt sind. Mittler­weile setzt die Reichswehr ihren Vormarsch in Sachsen fort. Sie hatte gestern eine Linie zwischen Bautzen und Dresden erreicht.

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Drrfcvlerdterung der QJr&elWmorKe«.

Dresden. 2. November. (Privattclcaramm.) Tie trostlose Lage auf dem sächsischen Arbeits­

eine mit der Verwaltungsarbeit tn ihrer, Ge­samtheit unbedingt vertraute und das Gesamt- gebiet der Steuer übersehende Persönlichkeit, nicht nur Spezialisten tätig sein müßten. Als sol­cher Währungsdittator war der Direttor der Darmstädter Bank Schacht ausersrhen. De daS Projekt sich verwirklichen läßt, hängt wieder von gewissen bürokratischen Hemmnissen ab,, die sich wie überall, iw auch in dieser Frage star­geltend machen.

Ferngespräche.

Immer noch neue technische Erfindungen.

Auf Bern Gebiet« der Telegraphie und Tel«« phonie mit und ohne Draht werben wie wieder durch eine neue SrSnoung überraicht, ttber die man nu« folgende« berichtet»

Die Versuche, mehrere Gespräche zu g l e i » cher Zeit über einen Draht zu leiten, haben gme Erfolge ergeben. Wenn die nötigen Ein­richtungen in zwei verbundenen Städten bestän­den, etwa in Hannover und Berlin, tönnten sechs bis acht Personen gleichzeitig auf den Draht ein» reden, ohne daß das eine Paar von den Anderen etwas bemerkt. Das hier angewcndete Verfah­ren stellt wahrhaft eine technische Nothilfe dar. Man kann es kennzeichnen als drahtlose Tele- phonie mit Draht; denn es werden elettrornagne- rische Schwingungen hierbei verwendet, die am Draht entlang ziehen. Die gegenwärtige Unzulänglichkeit der Fernsprechnetze nicht nur in Deutschland, sondern in allen Ländern der Erde ist bekannt genug. Es kann angesichts der ge­waltigen Kosten nicht daran gedacht werden, in absehbarer Zeit einen genügenden Ausbau der Leitungen herbeizuführen. Da schwingt die Fern­meldetechnik ihren neuesten Zauberstab die Hochvakuum-Senderöhre, und die Leitungen vervielfachen sich von selbst, schreibt Artur Fürst in seinem verständlich geschriebenen Werke. Die Eigenschaft der Aetherwellen, bei ihrer Ausbrei­tung die Richtung wettgedehnter leitender Flächen zu bevorzugen, wird hier systemattsch ausgenutzt. Sind Sende- und Empfangs-Appa­rat, zwischen denen ein drahtloser Verkehr statt- sinden soll, auf irgend eine Art oder aus irgend welchem Grunde durch ein leitendes Medium miteinander verbunden, so tonn genügende Reichweite schon mit einem so kleinen Sender erzielt werden, wie er sonst nicht ausreichend wäre. Eine gut isolierte Drahtleitung dient der Strahlung als ein Schienenweg, an den sie fest geführt wird. Der Draht ist, wenn der Sender in geeigneter Weise mit ihm in Verbindung ge­bracht wurde, von einem elektromagnetischen Hochfrequenzfeld umgeben, das an ihm haftet, aber nicht in ihn eindringt. Das wunderbarste ist, daß mehrere solcher Hochftequenzselder

um denselben Draht gelegt werden können, ohne daß das eine von dem an­deren gestört wird. Bedingung ist nur, daß die Sender mit verschiedenen, nicht einmal so sehr tvett auseinanderliegenden Frequenzen arbeiten. Die Photosphäre der Sonne ist ein überaus viel­fach unterteilter Sender, der elektromagnettsche Schwingungen der verschiedensten Wellenlängen . strahlt. Nachdem alle diese Frequenzen in einem Sonnenstrahl gemeinsam den Weltraum durch­eilt haben, trennt man sie mittels eines Prismas sauber voneinander und nimmt mit einem viel­fältig abgestimmten Empfangsapparat, dem Auge, die einzelnen Wellenlängen getrennt als verschiedene Farben währ. Diese physikalischen

Uebergang zu Golölöhnen?

Vorläufig noch keine Umrechnung.

(Eigene DrabttnÄdung.)

Berlin, 2. November.

Im Rel-b8nrbettsministerium wurden die ** * .«innen über die Frage der Berech- g der Löhne in Goldmark mit den Vertretern der Spitzenverbände der Arbeitneh­mer und der Arbeitgeber fortgesetzt. Wenn sich auch in einzelnen Fragen eine Uebereinstimmung zwischen den beiden Parteien ergab, so konnte doch keine völlige Einigung erzielt werden, je­doch sollen die Verhandlungen fortgesetzt wer­den. Bon Seiten des Reichsarbeitsrnt- nisteriums wurde der Standpunkt zu dieser Frage näher dargelegt. Der Uebergang zur Goldrechnung sei grundsätzlich berechtigt, doch müsse der Zeitpunkt der Umstellung unter Berücksichtigung der besonderen Lage der ver- schiedeneu Industrie- und Gewerbezweige vor­sichtig gewählt werden, auch könnte die Höhe der G«Ü>löhne nicht einfach durch eine Umrech­nung der gegenwärtigen Papiermarklöhne fest- gestellt werden, da sich sonst auf diese Weise ein Zufallskurs ergebe. Vielmehr müßten die wirt­schaftlichen, sozialen und finanziellen Verhält­nisse der einzelnen Industrie- und Gewerbe- zweige sorgfältig geprüft und zur Grundlage des Goldmarklohnes gemacht werden. Der gegen- wärtige Stand der Gütermengen mW der Gü­tererzeugung lasse Goldmarklöhne nach dem Matzstab der Friedenslöhne noch nicht erreichen.

Die Zahlungsmittel.

Zu vielerlei «eldsorten.

Nachdem jetzt die Zwischenscheme der G o l d- a n I e j h e und teilweise auch diese selbst schon in Untivtf gekommen sind, nachdem aber die Goldanleitxe an sich auch nur eine Zwischen - lösuna bedeutet und zwar als Uebergang zur Renten mark benutzt wird, und nachdem die Rcntenmark selbst wiederum nur eine Vorstufe zur Goldmarknote ist, haben wir gegen­wärtig ein ungemein buntes Bild der Wäh-- lungslage vor uns. Gesetzliches Zahlungsmit­tel ist nach wie vor die P a P i e r m a r k. Jedoch hort es mit der Gleichung: Mark ist Mark jetzt endgültig auf. Daß man so lange an dieser Gleichung festhielt, ist mit die Hauptursache für unser jetziges Elend. Zwar nicht gesetzlich, aber doch amtlich sanktioniert ist neben der Papier­mark die Goldanleihe in ihren provisorischen, wie in ihren endgültigen Stücken als Zahlungs­mittel. Diche Goldanleihe kommt zunächst für den kleinen Verkehr in Frage. Daher wer­den wir jetzt im Handel mit Lebensmitteln und täglichen Bedarfsgegenständen eine doppelte Preisberechnung und Preisauszeichnung vor sich gehen sehen. Die Waren müssen sowohl in Papiermark, wie in Goldanleihcmark ausge­zeichnet werden. Für Berlin ist zum Beispiel die Anweisung getroffen, daß bis zum Mittag des lausenden Tages der amtliche Kurz vom Tage vorher anzurechnen ist, während in den Nachmittagsstunden der mittags herauskom­mende amtliche Kurs des laufenden Tages gilt. Für den größeren Verkehr kommen die Dol- larschatzanweisungen, kurz im Sprach­gebrauch die »Schätze", als drittes Zahlunas- mittel in Frage.

Tas sind aber nur sozusagen die für das ganze Reich einheitliche geltenden Zahlungsmittel. Sic- werden mit dem Inkrafttreten der" Rentcnmark

Vorgänge entsprechen genau den Geschehnissen bei der Hochfrequenz-Mehrsach-Telephonie. Sind die verschiedenen elektromagnetischen Brücken in Gestalt von Wellenzügen erst einmal längs des Drahtes aufgebaut, fo kann man über jeden ein­zelnen dieser Wege Sprachschwingungen schrei­ten lassen. Gleichzeitig tonn

der gewöhnliche Fernsprechverkehr durch den Draht selbst ungehindert stattfinden. Mrd eine Doppelleitung verwendet, wie sie ja heute in den weitaus meisten Fällen zur Ver­fügung steht, so ist das Gegensprccheu allen Tcle- phonierenden gewährleistet. Zar Einrichttmg eines gleichzeitigen Hochsrcquenz-Sprechverkehrs in beiden Richtungen ist es nicht einmal notwen­dig, daß für das Hin und das Zurück die beiden Drahte derselben Telephonschleise benutzt wer­den. Seit langem schon werden auf einer Dop­pelleitung zwischen Berlin und Frankfurt a. M. mittels übergelagerter Hochsrequcnzschwingnngen drei Siemens-Schnell-Telegraphen sechs bis acht Stunden lang täglich in beiden Richtungen be­trieben. Denn in dersel^u Weise wie für T e - lephonie lassen sich die Hochsrequenzeinrich- tungen auch für die Telegraphie vertoendrn. Die hierbei erreichte Wortleistung stellt einen Rekord dar. Es können nämlich nicht we­niger als 4500 Buchstaben in der Minute be­fördert werden. Auch die Oberleitungen von Straßenbahnen und alle anderen gut iso­lierten Leitungen können für die Führung von Hochfrequenzschwingungen benutzt werden. Be­sondere Beliebtheit dürfte sich in den nächsten Jahren die Drahtwellen-Telephonie im Bereich der Eisenbahn erwerben. Sie schafft eine Wun­derbare Möglichkeit, in Zukunft auch

aus dem fahrenden Zuge heraus jeden Teilnehmer an dem Fernsprechnetz einer Stadt erreichen $u können, die an ver durchfahre, nen Strecke liegt. Bei einer solchen Gelegenheit kann gleichzeittg aus dem Zug zum Bahnhof unb vom Bahnhof zum Zug gesprochen werden. Die gleiche Art der Drahtwellen-Telephonie eignet zich auch vorzüglich für den Eisenbahudienst und zur Zugsicherung. Die Einsamkeit des lehrenden

um ein weiteres vermehrt. Dazu kommt dann i später die Goldmark. Wenn wir vorläufig bei diesen eben genannten Zahlungsmitteln verwei- - len, so müssen wir uns aber auch Rechen schlaft darüber geben, daß ee kursmäßig wesentlich von einander verschieden sind. Von dem Hassenden Kursunterschied der Papiermark zu allen genannten weiteren Zahlungsmitteln ist ja nicht mqhr zu reden. Aber auch die Goldanleihe steht in einem anderen Kurs zu den Dollarfchatz- anweisungen, wird aber auch ganz zweifellos einen anderen Kurs zu der kommenden Renten­mark erhalten. Denn auch die Gleichung: Goldanlcihe ist gleich Goldanleihe wäre falsch. Allerdings soll das anders werden. Die Reichs- 1 finanzverwaltung hat erklärt, daß die Golidau- 1 leihescheine im Laufe des Monats Januar auf i Wunsch gegen die von der Deutschen Renten- 1 bank auszugebenden Rentenbankscheine u m ge­tan s ch t werden. Tann gilt eine Mark Golo- < anleihe gleich eine Rentenmark. Es liegt im i Interesse der Renrenmark, daß die Goldanlcihe ' so rasch wie möglich verschwindet und von der kommenden Rentenmark aufgesogen wird. Der Kurs der Goldanleihe ist- sehr charaktevi^ftck Noch vor kurzem hatte sie immer eine schürfe Tendenz zur Unterwerfung gegenüber dem Dol­lar. Es entstand also ein stärkeres Disagio. Das ist in demselben Augenblick weggefallen, als die Reichsbank ihre neue Stützungsakfion durch­führte. sodaß der Kurs der Goldanlcihe heute mit dem Dollarku's gleich, bisweilen darüber ist. Die weitere Entwicklung wird nun davon ab- hängen, daß die Rentenmark unbedingt sicherge- siellt wird unb daß sie in kürzester Frist in Ver­kehr kommt.

Neben diesen amtlichen Zahlungsmitteln be­stehen aber uoÄ Dutzende von anderen Formen. Die Reichsbahn und neuerdings auch die Rcichsp ost geben eigene Noten aus. Nun kommen die Städte und die Länder mit eigenem wertbeständigem Geld, dazu die Industrien und dergleichen mehr. So hü­tet sich das deutsche Währungsbild ungemein kunterbunt dar. Es muß daher Sorge dafür ge­tragen werden, daß möglichst bald eine Ein- heitli chkeit in diesen unhaltbaren Wirr­warr hineingebracht wird. Denn Die Verbält- nissc, wie sie sich heute herausgebildet haben, sind ia nur ein schwacher Abglanz gegenüber dem Deutschland vor der Zeit des Zollvereins mit seinen etwa fünfundzwanzig Währungen. Die ben Verkehr erschwerende Vielheit zu beseitigen ist der Wunsch der Reichsregierung. Man hält es für notwendig, daß diese Tinge nich< voll­ständig dem Frerverkehr überlassen bleiben. Beispielsweise hat es sich herausgestellt, daß die Goldanleihe schon wieder gehamstert und hintenherum mit Aufgeld ' erkauft wird. Ein Rolwes Verfahren ist strafbar. Dollarfchätze siüd überhaupt kaum auszutteiben. Sie werden als D-vifenersatz geflissentlich zurückgehalten. Seit längerem wird daher in politifchen Kreisen die Frage erhoben, ob nicht ein Währung s- dj ktator eingesetzt werden soll, der unmittel­bar an der Seite des Reichssinanzministers zu stehen hätte. Jedenfalls ist es die Meinung aller unterrichteter Kreise, Daß im Finanzministerium

Dke 3tegäening^oalitton.

Besprechungen beim Reichskanzler.

(L:s»ne DrahtmeldunaJ

Berlin, 2. November.

Die gestrigen Abenddesprechungen der So­zialdemokratie mit dem Reichskanz­ler waren nur von kurzer Dauer, da der Reichs­kanzler noch unpäßlich war und sich schonen mußte. Aus der Unterredung wird mitgeteilt, daß der Reichskanzler tatsächlich keinen Versuch gemacht hat, die sozialdemokratischen Minister von ihrem Entschluß, ans der Regierung auszn- treten, abzubringen. Hinsichtlich der sozial­demokratischen Bedingungen crftäric der Kanzler, daß die bürgerlichen Par­teien in der Koalition gleichberechtigt feien

LLm dke ZMungsMmkett.

Prüfung durch die Gläubigerstaaten.

(Eigene Drabtmekrung.)

Paris, 2. November.

Havas meldete gestern amttich, daß Poin- r a r e ber Einladung Amerikas zur Prüfung der deattschen Zahlnngsfähtgfett z u o est i m m i habe vorbehaltlich der Bedingung, daß in den Text der Einladung vor das WortZahlungs­fähigkeit" die Bemerkungaugenblickliche" ein­gefügt wird. Die Aendernng des Textes bet Einladung ist darum wesentlich, weil die Be­grenzung ber Aufgabe des Untersuchungsaus­schusses auf die gegenwärtige Zahlungsfähigkeit Deutschlands die Herabsetzung ber von Deutschland zu fordernden Endsumme ver­hindern soll. Die Herabfetz- ~irb zwar sowohl von London wie von Washington für dringend notwendig erachtet, aber von Poineats als undiskutabel bezeickmet.

5ALZS der NuhrrndMne.

Die Verhandlungen mit den Alliierten. (@ieetu ®rabtmelburtfl.)

Düsseldorf, 2. November.

Ucber die Jndustrieverhandlungen wird be­richtet, daß die Schwierigkeiten, ein Abkommen zwischen den deutschen Industriellen und ber In­teralliierten Jngenicurkommisfion zu treffen, darin bestehen, daß die Industriellen voll­kommene Aushebung der Rnhrblocka'de ordern, damit sie in ihren Gesck-äften mit :=em unbesetzten Deutschland und mit der übrigen Welt nicht behindert seien. Frankreich will aber dieses Zugeständnis nicht manchen. Es will nur versprechen, daß die Ansfuhrerlaub- nisscheine in loyalster Weise behandelt werben sollen, wonach aöe Nachteile ber Ruhrblockade be­seitigt werden. Die Düsseldorfer Berichterstatter bei Pariser Zeitungen hoben die energische Haltung von Hugo Stinnes bei den Ver­handlungen hervor. Er sei ebenso fest oufflctre- ten, wie im Jahre 1920 bei der Konferenz von Spa. Allgemein geben die Pariser Blätter ber Hoffnung Ausdruck, daß bas Abkommen mit Hugo Stinnes und feinen Freunden mn heu­tigen Tage unterzeichnet ^werden könne.