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Meier Neueste Nachrichten

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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 259.

Einzelpreis 6 Milliarden Marl.

Dienstag, 6. November 1923.

Einzelpreis 6 Milliarden Mark.

13. Jahrgang

Die Regierungssrage in der Schwebe.

Sin Äwangskurs?

Goldanleihe und papiermark.

Was sich dieser Tage an der Börse am Markte der Goldanleihe ereignete, ist ein unerhör­ter Skandal, ein Frevel an der Bolksgesamt- heit. Diese Golvanleihe wurde zu dem ausge­sprochenen Zwecke ausgegeben, den weiteren Schichten der Bevölkerung ein wertbeständiges Zahlungsmittel in die Hand zu geben. Insbe­sondere sollte aus dem Wege von Lohn- und Gehaltszahlungen bieie Goldanleihe in gröberen Umlauf gesetzt werden. Was ist aber dab.'i her­ausgekommen? Die Dinge stehen heute so, daß saft die gesamten 500 Millionen Goldmark an Goldanleihe ausgegeben sind, ohne in oen Ver­kehr gekommen zu sein. Das kam durch eine geradezu unglaubliche Zauderpolitik der Reichs- Hank, die es nicht fertigbrachte, die nach der Frei­gabe der Goldanleihe zum Kaufe benötigten Stücke in den Verkehr:u bringen. Die Spekula, tion harie es bald heraus, daß mit der Ausgabe dieser Stücke ein Riesengeschäft zu machen war. Man konnte mit Papiermark sich den Anspruch auf die erst später zu liefernden Goldanleihestücke erwerben. Da die Nachfrage mit den vorhande­nen Stücken nicht befriedigt werden konnte, setzte die unerhörte Steigerung ein.

Es muß jetzt mit allen verfügbaren Mitteln gesucht werden, diesem Treiben ein Ende zu machen. Daß die setzt verfügt- Zwangsnotienmg für die Goldanleihe mehr als eine vorübergehende Maßnahme sei, ist nickt an- zunehmen. Es muß die Spekulation vielmehr von der Derlustheite her getroffen werden, und das ist nur möglich, wenn die Reichsbank nun- . mehr mit größter Beschleunigung alle bisher ge­kaufte Gvldanleih- auf den Markt wirst, damit die Spekulation zur Ablösung ihrer Engage­ments in Papiermark veranlaßt, daß aber diese Papiermarkbeträge dann eingehalten werden, und daß auf diese Weise ein Geldmangel berbei- gesührt wird, der die Spekulation zur Lösung ihrer Engagements veranlassen muß und dann aber auch wieder Rückwirkungen-auf den Kurs der Goldanleihe und der Devisen selber hätte. Aber noch ein Zweites wird notwendig sein: Die Verweigerung der Papiermark, obwohl sie gesetzliches Zahlungsmittel ist, geschieht in im­mer größerem Maße. Hier muß zu dem äußer­sten Mittel und zwar zu dem Zwangkurs für die P a p i e r m a r k geschritten werden. Wenn daneben verfügt würde, daß die Goldan­leihe nur zu einem festgelegten Paviermarkkurs zurückzahlbar wäre, dann hätte wenigstens für die Spekulation die Goldanleihe jetzt ihren Reiz ver­loren. Gewiß sind das anormale Mittel, aber nachdem eine so anormale Lage, wie wir sie jetzt vor uns sehen, alles bisher Erlebte noch weit übertrifft und durch eine aewiffenlose Kurs­treiberei hcrvorgerufen worden ist, sind außer­ordentliche Mittel einfach ein Gebot der Selbst- erhaltung.

Run hat sich die Reichsregierung 'n einem außerordentlichen Schritt entschlossen: Die wertbeständigen Zahlungsmittel werden in ein bestimmtes Verhältnis zur Papiermark gesetzt Damit ist gewisserma­ßen ein Zwangkurs für die Paviermark seftge- legt. Der Grund dafür, daß diese Relation vorgenommen werden mußte, liegt dahin, weil die inzwischen herausgekommenen wertbeständi­gen Zahlungsmittel, insbesondere die Goldan­leihe fast vollständig gehamstert worom sind. Die Reichsdruckerei hat in den letzten Tagen in größtem Umfange wertbeständige Zahlungsmit­tel geliefert. In drei Tagen wurden über echt Millionen Goldmark an solchen Stücken heraus- gebracht. Bei dem schwerfälligen Jnstanzenzug spricht vieles dafür, daß die Stücke in der Reicks- fchuldenverwaltung, der Vorinstanz für die Reichsbank, und in dieser selbst, viel zu lange hängen blieben, sodaß im Verkehr ein Mangel an wertbeständigen Zahlungsmitteln zutage tritt. Dieser Mangel ist aber nachgerade katastrophal, weil sich selbst schon der Kleinbandelsverkehr vielfach auf die wertbeständige Zahlungswcise eingestellt hat. Welche Papiergeldmassen unter den heut'geu Verhältnissen in den Verkehr cin- geführt werden, geht daraus hervor, daß am letz­ten Samstag, Mo an einem einzigen Tage, für dreieinhalb Trillionen Mark Paipiergeld heraus- gebracht wurden. Das macht auf jeden Kopf der Bevölkerung 00 Milliarden Mark aus.

Tas Verhältnis zwischen Papiermark und wertbeständigen Zahlungsmitteln setzt das Reichsfinanzminifierinm fest. Ebenso wird von dieser Amtsstell« mich das Verhältnis selbst fest­gelegt. Praktisch stellen sich die Dinge folgen­dermaßen dar: Es wird bestimmt werden, wie­viel Papiermark zum Austausch einer Mark wertbeständigen Gelves, also einer Mark in Gold anleihe oder einer Rentenmark nötig sind. Dieses Wertverhältnis wird für die innere Preisverrechnung gesetzlich maßgebend Selbstverständlich bedingt diese Transaktion auch eine Stillegung der Notenpresse. Nun hat aber die letzte Dollarsteigrrung wieder ungeheure Summen an papiernen Zahlungsmitteln not­

wendig gemacht. Es ist somit die höchste Zett, daß die Rentenmark herauskommt, Die bann frei­lich ebenfalls von vornherein in ein bestimmtes Verhältnis der Papiermark gesetzt wird. Es kommt alles darauf an, daß man es zuwege bringt, den Verkehr derart zu regulieren, daß die durch die wertbeständigen Zahlungsmittel sich ergebenden Beträge durch die Mengen des umlaufenden Papiergeldes nach dem Stillegen der Notenpresse ausgelichen werden. Die Re­gierung lat außerdem Mittel zur Verfügung ge­stellt, um bestimmte Lebensmittel, vor allem Reis, Fett zu erwerben, die durch die Konsum- organöationen der Bevölkerung zu erttäglichen Preisen zugeführt werden sollen. J. B.

Am öse Reichsregiemng.

Die Beratung der bürgerlichen Parteien.

«Statur Drabtmkldung.)

Berlin, 5. November.

Die Fraktionsverhandlungen der bürgerlichen Reichstagsparteien haben gestern ergeben, daß die Demokraten nicht mit den Teutschnatio- nalen zusammen gehen wollen, während das Zentrum nicht unbedingt ablehnt. Bedeu­tungsvoll ist die Einberufung des Vorstandes der deutschnationalen Volkspartei für Mitt­woch. Es verlautet, daß vom Parteivorstand der Antrag vorliegt. die Politik der Deutschnationa­len gegenüber dem Kabinett Stresemann neu fest­zulegen, nachdem einer der Hauptforderungen der Dcutschuationalen, die Entfernung der sozial­demokratischen Minister aus dem Kabinett, Rech­nung gettagen worben ist. Der Rücktritt der fr.« zialdemokratischen Minister hat zu einer Wieder­annäherung der Gewerkschaften an die radikalen Betriebsräte geführt. Zum erstenmale seit vielen Monaten tagten am Sonnabend Vertreter der Gewerkschaften mit den Betrriebsräten, um Maß­nahmen gegen die Lebensmittelnot zu beschließen.

Die Frage brr parlamentarischen Mehrheit.

Berlin, 5. November. (Privattelegramm.) Die Zentrumspartet hat gestern abend Besprechungen mit allen bürgerlichen Parteien eingeleitet, um die Frage einer parlamentarischen Mehrheit für ein (reinüürgerliches) drittes Kabi­nett Stresemann einer baldigen Klärung zuzu- sühren. Auch die Bahrische Bolkspar- tei ist eifrig im gleich Sinne tätig.

Borgehen gegen Sechsen.

Brandler wegen Unterschlagung angeklagt. lDigene $rabtmel»ung.>

Dresden, 5. November.

Das Amtsgericht in Dresden veröffentlichte einen Haftbefehl gegen den bisherigen Ministe- rialchef Brandler, den bekannten Kommuni­stenführer. Er wird ber Unterschlagung von Reichsgeldern beschuldigt, weil er Gel­der des Reiches für die sächsische Erwerbslose,n- hilft in Höhe von saft. 5000 Billionen an kom­munistische Führer und Organisationen gegeben hat. Der Oberreichsanwalt weilte gestern in Berlin. Der Reichskanzler hat ein Rechtögut- achton des Justizministeriums eingefordert über die Einleitung des Hochverratsverfahrens gegen die sächsischen Minister durch das Reichsgericht.

*3tm blutige Zusammenstöße.

Dresden, 5. November. (Privattelegramm.) Die bürgerlichen Parteien des sächsischen Land­tages haben das dringliche Ersuchen an den Reichspräsidenten gerichtet, die Reichswehr weiter in Sachsen zu belassen, nachdem die Wiedererrichtung der roten Hundertschaften im gestrigen Kongreß der radikalen Arbeiterräte be- schloffen worden ist. Zusammenstöße zwi chen Kommunisten und Reichswehr führten in Bautzen und Zwickau zu schweren Kämp­fen, in deren Verlauf es wieder Tote und Verwundete gegeben hat.

Deutschland als Opfer.

Das Finanzwesen unter fremder Kontrolle.

<Si«en, Drahttneldunck.)

Paris, 5. November.

Ein Pariser Korrespondent meldet, daß die deutsche Regierung in Paris einen neuen Schritt getan hat, der nicht minder wichtig er­scheine als die Einstellung des passiven Wider­standes. Deutschland habe sich in einer Rote des Präsidenten der deirtschen Kriegslastenkom- mission Dr. Meyer grundsätzlich bereit erklärt, sein gesamtes Finanzwesen der Kon­

trolle einer interalliierten Kommis- sionzu unterwerfen und den Alliierten Einsicht zu gewähren in alle Maßnahmen, die zur inne­ren Sanierung getroffen werden. Dadurch fei einer Hauptforderung Rechnung getragen, die in Frankreich immer als Vorbedingung galt zu einer allgemeinen Konferenz, die sich mit der endgültigen Reparationsregelung befassen soll.

Dor der GacdvtrftSnöigrn-Konfetenr.

Paris, 5. November. (Eigene Drahtmel- düng.) Die französische Regierung hat für die bevorstehende Sachverständigen ko nfo - renz an erster Stelle den Bericht der Repara- tionskommission über ihre Untersuchung in Deutschland fertigstellen lassen. Dagegen habe Frankreich abgelehnt, dis Sachverständigen mit souveränen Rechten auszustatten. wie sie den alliierten Regierungen selbst zukämen.

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Gegen GrSietsvrründerungen.

Zürich, 5. November. (Privattelegramm.) Secolo meldet aus Rom, daß das italieni­sche Kabinett die Anfrage einer alliierten Macht dahin beantwortet habe, daß ebenso wie für England auch für Jalien Veränderun­gen territorialer Art in vorübergehend besetzten deutschen Gebieten nicht zu erörtern wären.

Bayerns SonöerAllung.

Nationale Militärfeiern in München.

München, 5. Oktober.

Der bayrische Kriegerbund (Bezirk München) veranstaltete am Sonntag aus Anlaß der Grund­steinlegung zum Kriegerdenkmal eine große Trauerfeier für die Gefallenen. An der Feier nahmen auch der Kronprinz Rupprecht und die Prinzen Leopold und Alfons teil. Die bayrischen Regierungsvertreter waren vollzählig erschienen, die Reichswehr hatte eine Ehren-Kompagnie entsandt. Sämtliche Kriegsveteranen- und Soldatenver­eine hatten mit ihren Fahnen Aufstellung ge­nommen, desgleichen die vaterländischen Verbände und die Hitlerkampfverbönde mit ihren Hakenkreuzsahnen, ferner die Studen­tenschaft. Katholische und protestantische Feld­geistliche leiteten den Traueraft ein. Die Geist­lichen riefen den Lebenden die Pflicht ins Ge­dächtnis, das Andenken der Gefallenen hochzuhal­ten und den Parteihader zu vergessen, Die Gedenkrede vor dem Grundstein hielt der erste Präsident des bayrischen Veteranen- und Kriegerbundes. General v. Reuter, der zum Kampfe gegen die Lüge von der Schuld Deutscksiands am Weltkriege und gegen die Le­gende von deutschen Kriegsgreueln aufforderte und mit dem Wunsche schloß, daß das deutsche Volk endlich ein einiges Volk werden möge. Darauf trat Kronprinz Rupprecht an den Grundstein und vollführte die ersten Hammerschläge mit den Worten:Aus Dankbarkeit für die gefallenen Helden und zum ewigen Andenken an sie." An der Seite des Ge­nerals v. Lossow nahm er den Vorbeimarsch der Fahnenkompagnie der Kriegervereine, der va­terländischen Verbände und der Kampfverbände ab. Der Vorbeimarsch dauerte fast zweieinhalb Stunden. Bei der Abfahrt wurden dem Kron­prinzen brausende Ehrungen dargebracht, die sich auch noch vor seinem Palais fortsetzten.

Um dir Lefehlckgewak

Berlin, 5. November. (Privattelegramm.) In der Reichskanzlei haben gestern ftüh die B c - sprechungen mit dem bayrischen Gesandten begonnen über die letzte Note der Reichsregic- rung nach Wiederherstellung der Befchlsge- walt in der bayrischen Reichswehr. Ein Er­gebnis der Verhandlungen ist aber erst frühestens am Mittwoch dieser Woche zu erwarten.

Die Nalionaisozialkstrn.

Berlin, 5. November. (Privattelegramm.) Der deutsche Pressedienst meldet, daß am Sonn­tag mittag ein zweites Ersuchen der Reichsregie­rung nach München gegangen sei, in dem die umgeheM« Enttvaffnung der nationalsozialisti­schen Verbünde in Bayern verlangt wird.

Linderung der Rot.

Maßnahmen zur Lebensmittel-Versorgung.

Berlin, 5. November. Zur Linderung der größten Not ans dem Gebiete der Lebensmittel­versorgung hat die R e i ch s r e g i e r u n g ff« die Milchvcrbilligung erhebliche Beträge den Ländern zur Vcrfüguna gestellt sowie dem Zentralausschuß für die Auslandshilfe Mittel überwiesen, die die Fortführung und Verstärkung der mit Hilfe des Auslandes durchgesührten Kinderfpeifungen sichern. Um aber.auch weiteren Steifen der unter den Verhältnissen fchwer leidenden Bevölkerung Erleichterung zu schaffen, wEd die Neichsregierung in einigen be­sonders dringenden Fällen eine Kredithilfe in die Wege leiten, damit vorhandene Lebens­mittel leicktter und möglichst billig in den Ver­sehr gebracht werden Auch auf den übrigen Wirtschaftsgebiettn hat die Reichsregieruna nachdrücklichsten

Einfluß aus die Preispolitik genommen So sind in Goldmark gerechnet, die Preise bei der Kohle um 35 Prozytt, bei den Baustoffen nm rimd 25 Prozent, bei ge­wissen Teilen der eisenverarbeitenden Industrie um 20 Prozent gesenkt worden. Die Auswir­kung dieser Preissenkungen aus andere Wirt­schaftsgebiete können sich naturgemäß nur all­mählich durchfetzen. Der Zwang für die Ver­kehrsverwaltung, im Interesse einer Entlastung der Reichsfinanzen und einer Ein­dämmung der Inflation, ihre Tarife dem Gold­werte an zupasse», muß zunächst den Preis­senkungen bis zu einem gewissen Grade entge­genwirken Es ist aber zu hoffen, daß die Ver­billigung der Rohstoffkosten ter wei­terverarbeitenden Industrie in kürzerer Zeit wie­der größere Wettbewerbsfähigkeit und damit auch wieder einen erhöhten Beschäftigungs­grad sichern wird Durch dauernde Einwirkung auf . die Preisprüfungsstelle und fortgesetzte Ueberwackmng der wirtschaftlichen Verbände werden vorhandene Mißstände im Warenver­kehr bis aufs äußerste bekänipft werden.

«Degen unverechtlgte Vreickerhvhung.

Der Präsident deS preußischen Landespolizei- amts. Grzcsinski, teilt mit: Gewisse Kreise des Handels haben den niedrigeren Markknrs an der New Yorker Freitagsbörse, der am Sonnabend früh in Berlin bekannt geworden ist, zum Anlaß genommen, ihre Preise entsprechend heraufzusetzen Ein solches Treiben ist eine ver­werfliche A»snutzung der Notlage des Volkes und nichts anderes als schamlosester Wucher. Als gültige Meßzisfer für die Geld­entwertung kommt nur der amtliche D o l latkurs vom Tage vorher in Frage. Die Ot- ganifationen des Lebensmittel-Groß- und Klein­handels haben das auch als für sich und ihre Mitglieder bindend anerkannt. Die Polizeiorgane sind angewiesen, solche» Preisansfchreitungen energisch zu begegnen und mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln gegen diesen Wucher einzuschreiten. An mich sind weiterhin Mcldun- ncn gelangt, daß einzelne .dler bereits die Papiermark als Zahlungsmittel zurück- weisen mit dem Hinweis, daß sie sebst ihren Lieferanten wertbeständig zahlen müßten. Ich mache das Publikum darauf aufmerksam, daß ein solches Verhalten ungesetzlich ist und daß die Papiermark nach wie vor als gesetz­liches Zahlungsmittel gilt. Wenn der Verkäufer die Papiermark nicht onnimmt, kommt er in Verzug, und die Käufer sind ihrer Zah- lrmgspsiicht ledig. In« übrigen ersuche ich die Bevölkerung, alle solche selbstsüchtigen Handlun­gen einzelner Händler gegen die Interessen her Gesamtheit unnachsichtig bei der Polizei zur An­zeige Ku bringen damit solHe wucherischen Ele­mente im Handel nicht nur der gerechten Bestra­fung zngeführt, sondern auch wegen der Unzn- verlässigkeit so schnell wie möglich aus dem Han­del entfernt werden können.

Die neue Politik.

Richtlinien aus den Kreisen StresemannS.

Berlin, 4. November.

Die .Zeit' das Organ Ttrchemanns, unter« streicht bie Notwendigkeit, die innenpoliti­schen Fragen, die mit einer Umbildung des Kabinetts Zusammenhängen, angesichts der drin­genden wirtschaftlichen und außenpolitischen Dinge erst in zweiter Linie zu behandeln. Darüber hinaus teilt das dem Kanzler nahe­stehende Blatt mit, daß die Posten oer aus- geschiedenen sozialdemokrttischen Minister mi Männern besetzt werden sollen, die, ohne par­teipolitisch fettgelegt zu sein, in den breiten Krei­sen des Volkes festes Vertrauen genieße». Wie der Reichstag sich zu dieser Kabinettser- gänzung stellt, bleibt Ä zuwarten. Tie Regie­rung werde wohl in ber kommenden Woche Ver­anlassung nehmen, als Abschluß der Debatte ein Vertrauensvotum zu fordern. Bringe