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Kasseler Abendzeitung

-Zie Äaffeler 91eueüen ^nArtctten erfdieinen ronctientttci ^eaiSmat nactim ttagS. Ter Adonne- Tr.entäpreis betrogt färbte Woche vom 5. b:S 1L November 35 Militärs en Bei freier Zustellung ins Hau e,in der Seschastsueu« aDgeöolt 34 Milliaroea. Bestellungen Meroen j ebenen entgegen, genommen, titrlag uns Sebgitio.i: ^chlachiüo'straße 28/30, Fernsprecher Nummer 951 und 952. ,rur unverlangt eingefanbte Beiträge kann Sie Nedattion eine vereint, wortung ober Gewähr in feinem ' Falle übernehmen. Nüclzahlung bei Bezugsgelbes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht oronnngs,Nitziger Lieferung ist ausgeschlossen. Postscheck Frankfurt a M 6380. Druckerei. Lchlachthofstr. 28/30. Geschäftsstelle: Kölnische Ztr. 5.

Hessische Abendzeitung

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Nummer 260.

Einzelpreis 6 Milliarden Mark.

Mittwoch, 7. November 1923.

13. Jahrgang

Einzelpreis 6 Milliarden Mark.

Schwierigletten der Kabinettsbildung.

Schicksal der Mark.

Das LmrrchnungsverhäitniS.

Don den wirtschaftlichen Notmaßnahmen, die unter dem Eindruck eines übertriebenen Kurses für den Dollar am letzten Tage der verflossenen Woche auf die Wirtschaft niedcrprasseltcn, ist die­jenige der Schaffung eines festen Umrech- nungsverhältnisses zwischen der Pa­pi erm ark und den wertbeständigen Zahlungsmitteln die bedeutsamste. Wir heben ausdrücklich hervor: Auch Lieser Schritt kann nur aus oer Not der Stunde heraus erklärt und gebilligt werden. Nach allem, was wir mit der Goldanleihe erlebt haben, und bei dem chao- ttschen Wirrwarr, in das wir jetzt geraten sino, ist dieser Ausweg der zurzeit einzig mögliche. Die rasche, geradezu plötzliche Umstellung von der Papiermark auf die wertbeständigen Zah­lungsmittel, die zu einem förmlichen Wettrennen aus der Mark führte, ist die Hauptursache für den jetzigen Zerfall. Um wenigstens die teil­weise nicht wieder zu reparierenden Schäden gutzumachen, hat man sich entschlossen, die Mark an die Kette zu legen. Das soll geschehen durch d-e Aufstellung eines festen Umrechnnngsverhalt- niffes Mischen der Papiermark und einem wert­beständigen Ti:el, und Mar dürfte im vorlie­genden Falle nur die Go l d a n l e i h e in Frage kommen, da wir Uber andere wertbeständige Zahlungsmittel noch nicht verfügen. Es ist nicht zu verkennen, daß ein solcher Schrift sehr erheb­liche Gefahren in sich birgt. Sie werden erhöh, dadurch, daß die mit 500 Millionen Goldmark begrenzte Goldanleihe um weitere 300 Goldmil­lionen verstärkt wird, die allerdings nur als Reichsgoldschatzscheine oder in großen Stücken zur Deckung auszugebenden wertbeständigen Gel­des dienen sollen.

Hiermit ist aber der Anfang einer Jnftauon der Goldanleihe gemacht. Auch diese Maßnahme kann nur als ein Verzweiflungsschritt angesehen werden, der, sobald wieder einigermaßen Be­ruhigung auf dem Geldmarkt eingetreten ist, ohne viel Aufhebens rückgängig gemacht werden sollte. Man würde sonst das Chaos nur noch vergrößern, und die daraus sich ergebenden Rückwirkungen nur noch verschlimmern. Man mutz weiter darauf Hinweisen, daß durch eine solche Vermehrung der Goldanleihebeträge die Deckung für Me kommende Rentenmark entspre­chend verringert wird. Auch hier stehen wir ge­fährlichen Anfängen gegenüber, denen unbedingt gewehrt werden muß. Sonst haben wir eine In­flation der Rentenmark, noch ehe sie ins Le­ben trift. Und dann müßte der mit der Aus­gabe der Rentenmark abgestopvte Notendruck auf Umwegen wieder aufleben, und wir würden mit der Rentenmark dasselbe Schauspiel wie mit der Papiermark erleben, nur daß sich der Ver- loesungsprozeß in noch stürmischerem Tempo vollziehen würde, als das bei der Papiermark der Fall war.

Jetzt muß etwas geschehen, um für eine ge­raume Zeit noch die Papiermark zu hal­ten. Das Ende der Papiermark ist nicht nur für Deutschland, sondern auch für das Ausland gegeben. Newyork stellt die Notiz des Mark- kurses jetzt ein. Da wir Über andere gesetzliche Zahlungsmittel noch nicht verfügen, und da eine Entfleidung der Papiermark von ihrem Charak­ter als annahmepflichtiges Zahlungsmittel zu den schwersten wirtschaftlichen und sozialen Rück­wirkungen führen würde, muß die Gültigkeit ge- fetzlich bestimmt werden. Das ist umso nöttger, als bei einem weiteren Sinken die Massen ver­hungern würden, da sie sich nichts mehr kaufen können.

Wenn jetzt eine Relation, ein Wertver­hältnis zwifchen Papiermark und wertbestän­digen Zahlungsmitteln gemacht wird, so ge­schieht das dadurch, daß ein bestimmtes Quan­tum Papiermark gleichgestellt wird einer Fest­mark in wertbeständigem Zahlungsmittel. Damit ist allerdings erreicht, daß die Mark nicht mehr weiter läuft, denn für eine Goldmark wird man nicht mehr, aber auch nicht weniger an Papier­mark bekommen, als dieses gesetzlich festzulegend« Wertverhältnis besagt. Damit wird das Spe­kulieren auf B a i s s e der Mark a u f h ö r e n, ja es ist vielmehr damit zu rechnen, daß eine Spekulatton nach der umgekehrten Seite einsetzt. Daftir sind Beispiele in anderen Län­dern reichlich vorhanden. Es wird aber vor allem das Spekulieren mit der Goldanleihe auf* hören, denn es bat dann keinen Sinn mehr, sie im Kasten zu verschließen, sondern sie muß ihrem Zweck als Zahlungs- und Umlaussmittel zuge­führt werden. Woran wir kranken in unserer Wirtschaft, ist die Blutleere und der Mangel an Geld. Mit ein paar hundert Millionen Gold- mark kann unser ganzer Papiergeldumlauf im In- und Ausland aufgekauft werden. Was das heißt, geht daraus hervor, daß zu Friedenszeiten der Umlauf an Goldmark in die Milliarden ging. Schon mit den ausgegebencn Goldanleihe­mengen hätte es möglich fein müssen, den Zah­lungsverkehr zu beleben. Aber das unglückselige Hamstern hat Wirtschaft und Staat in eine so

unglückliche Lage gebracht. Wird durch ein festes Umrechnnngsverhältuis zwischen Papiermark und wertbeständigen Zahlungsmitteln eine sichere Grundlage geschaffen, wird demgemäß vor allem die dringend nöttge Umorganisation unserer Wirtschaft erfolgen können, dann wird sich bald Herausstellen, daß die ausgegebenen wertbestän­digen Zahlungsmii el dem tatsächlichen Be­darf vollständig genügen. es.

Das Regiemngs-Vrobrem.

Schwierigkeiten bei der Kabinettsbildung.

(Eigene Drabtmeldung.z

Berlin, 6. November

Die Frage der Regierungsbildung ist noch nicht geflärt. Die Fraktionen des Reichstags haben gestern Besprechungen gehabt und haben heute weitere Sitzungen. Bis jetzt scheint sicher zu sein, daß ein Wiederaufleben der großen Koalition im Reiche oder auch nur die Beieili- gung der Sozialdemokraten an einer neuen Re­gierung ausgeschlossen ist. Andererseits wün­schen die bürgerlichen Parteien nicht, die Sozial­demokraten in schroffe Opposition gedrängt zu sehen. Dieser Auffassung gab auch die Zen­trumspartei Ausdruck, die indessen be­stimmte Beschlüsse über ihr weiteres Verhalten noch nicht gefaßt hat. Man wartet im Zentrum die weiteren Maßnahmen des Reichskanzlers ab, und behält sich die die Entschließung, ob die Zentrumspariei ihre Minister in einem soge­nannten Rumpstabinett beläßt, und ob darin die Partei als solch« einer politische!» Kombi­nation beitritt, noch vor. Die Demokraten haben beschlossen, einer Erweiterung der bürger­lichen Parteigruppen durch die Drutschnatton»- len nicht zuzustimmen. Von den Deutsch- nationalen selbst liegen bindende Aenßerun- gen noch nicht vor Die Deutsche Volks- p artet wird heute Stellung nehmen. Der Reichskanzler wird weitere Entschließungen erst treffen, wenn er ein Gesamtbild über die Hal­tung der Fraktionen besitzt, und das wird erst heute abend der Fall sein. Der Reichstag tritt untNr diesen Umständen heute noch nicht zusammen, wird aber wahrscheinlich Anfang nächster Woche'zusammentreten.

Dr. Jarre« al« Innenminifter?

Berliu, 6. November. (Pnvattelegramm.) Zur Ergänzung des Kabinetts verlautet, daß die Wiederbesetzung des Reichsministeriums des Innern unmittelbar bevorfieht. Als aussichts­reichster Kandidat wird ein bekannter O b e r - bürgermeister aus dem besetzten Gebiet ge­nannt. (Es soll sich um den Oberbürgermeister Jarres in Duisburg handelns Bon einer Besetzung des W i r t s ch a f t s m i n i st e r i u m s wird aus Sparsamkeitsgründen voraussichtlich abgesehen werden. Neber die Wiedcrbsset- zung des R e i ch s j u st i z m i n i st e r i u m s ist eine Entscheidung noch nicht getroffen worden.

3eiiuno«toer6otf.

Der Militärbefehlshaber das 5. Wehrkreises, Generalleutnant Reinhard, hat bis auf weiteres dieJenaer Neue Zeitung" verboten. Fer­ner verbot der Militärbefehlshaber des 4 Wehr­kreises in Dresden dasBolkSbkatt" in Dresden, denKämpfer" in Chemnitz, dieSächsische Ar­beiterzeitung" in Leipzig, dieTribüne" in Mag­deburg und denKlassrnkamps" in Halle.

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Opposition der Sozialdemokrat?!'.

Berlin, 6. November. (Pnvattelegramm.) Die sozialdemokratische Reichstags­fraktion hat den Antrag de« Kommunisten nach Bildung einer gemeinsamen Kampffront gegen das Kabinett Stresemann abgelehnt, jedoch die schärfste Opposition gegen das Kabinett beschlossen. Die Sozialdemokraten wer­den im Reichstag Maßnahmen gegen Bayern, gegen die weitere Preissteigerung und gegen die Börsenspekulation beantragen. Die weiteren Richtlinien des Kabinetts wird Stresnwnn erst in der Roichstagsfltzung bekannt geben.

Die MmMahMfiemng.

Die Regicrungsmaßnahmrn find durchführbar.

(*ri»M4K«I««tMunJ

Berlin, 6. November.

In einer Sitzung beim Reichsfinanzminister hat unter Mitwirkung des Reichswittschaftsmi nister eine eingehende Besprechung mit Sach­verständigen über 6C Marksta bilifierung ftattgestrnden. Zugrunde lag der Beschluß des

Reichskabinett, ein festes Mindestumrcchnungs- verhältnis zwilchen einem wer tbe st findigen Wert und der Papiermark herzustellen. Es handelt sich dabei um ein« begrenzt« Papier­geldmenge, da bekanntlich mit dem Inkrafttreten der Rentenmark die Notenprcffe zum Stillstand kommt. Die Sachverständigen haben die Absich­ten der Regierung einmütig als prakttsch durch­führbar bezeichnet und so bestimmte positive Vorschläge gemacht, daß eine endgültige Be­schlußfassung der Reichsregierung in kürzester Frist erfolgen kann. Aus den Kreisen der Sachverständigen ist zugleich mit großem Nach­druck, gefordert worden, daß gegen ungenehmig­tes N o t g e l d mit aller Schärfe eingefchrit- ten wird, und daß das genehmigte Notgeld nach anderweiter Befriedigung des brinnenbften Bedarfs an Zahlungsmitteln sofort verschwindet.

Zn Kampfstimmung.

Sicherung der thüringisch-bayrischen Grenze.

(VrivattLelegramma

Berlin, 6. November.

Zu der bayrisch-thüringischen Frage wird mitgeteilt, daß etwaige Versuche bayri­scher Verbände, die thüringische Grenze zu überschreiten, mit vollkommen ausreichenden Ab­teilungen der Reichswehr entgegengetreten würde. Die illegalen bayrischen Verbände wür­den auf stark überlegene Reichswehrverbände sto­ßen. Die Meldungen über die Vorgänge an der bayrjsch-thüringifchen Grenze sind zum großen Teil stark übertrieben, doch ist nicht zu leug­nen. daß es sich um eine sehr beachtliche Be­wegung aller Kampfverbände handelt, hinter denen auch General von Ludendorff zu stehen scheint. Diese Bewegung beschrfintt sich jedoch nicht nur auf Bayern, sondern hat auch ihre Ausläufer in Pommern, Brandenburg, Schlesien und anderen Teilen des deutschen Reiches. Es muß jedoch immer wieder betont werden, daß die Reichsregierung, die über alle Vorgänge genau unterrichtet ist, sich mit Nachdruck und ausreichenden Mitteln dieser Be­wegung entgegenstellen wird.

Forderung der Gewerkschaften.

Berlin, 6. November. (Privattelegramm.) Tie Gewerffchaften haben heute früh der sozial- demokratischim Parteileitung das Ersuchen zugestellt, zur Beruhigung der gewerkschasttichen Arbeiterschaft sofort von der Reichsregierung die Reichsexekutive gegen die Frei­scharenbewaffnung an der bayrischen Grenze zu verlangen. Die Gewerkschaften find z« jeder Unterstützung dieser Forderung bereit, even­tuell auch im Wege des Generalstreiks.

»

Segen die Hundertschaften.

Berlin, 6. November. (Privattelegramm.) Die Polizei entfernte heute früh aus den Fa­briken Anschläge der roten Betriebsräte, in denen die Arbeiterschaft erneut zur Bildung roter Hundertschaften behufs Abwehr der Rc- attion ausgesordert wurde. In Berlin-Köpenick wurde gestern die Sitzung der revolutionären Be­triebsräte von der Polizei aufgelöst; zahlreiche Korrespondenzen u. Listen wurden beschlagnahmt.

Aus dem Ruhrgebiet.

Die Verhandlungen mit den Zechenbefitzern. lBrivat-relearmmn.)

Berlin, 6. November.

Wie von einer Herrn Sttnnes nahestehenden Seite mitgeteilt wird, hat der Reichskanzler den Stinnesvertrag mit den Alliierten jn sei­nen Grundzügen genehmigt. Hinsichtlich einiger Rebensragen dauern die Besprechungen an, die frühestens am Donnerstag zum Abschluß kommen dürsten. Außer mit Sttnnes find mit sechzehn weiteren Großindustriellen des Rhein­landes Verhandlungen von der alliierten Regie eingeleitet. Der Temps meldet aus Düsseldorf, die Verhandlungen mit den Zechenbefitzern find in ihr entscheidendes Stadium gefteten. Die Verhandlungen lassen einen günstigen Ausgang erhoffen. Zu einer endgültige» Regeluna dürste man nicht vor Ende der Woche gelangen.

«ntiaffunaen im Thyssen-Konzern.

Mülheim, 6. November. (Privattelegramm.) Wie berichtet wird, hat der gesamte Thyssen- Konzern zum 10. November allen Arbei­tern und Angestellten gekündigt, weil keine Betriebsmittel zur Auszahlung der Löhne und Gehälter mehr vorhanden seien. Vom 11. November ab fallen die Bettoffenen der staat- licheu Erwerbslosenfürsorge zur Last.

Wohnungssomen.

Regelung der Flüchtlingsunterbringung in Kassel

Die Stadtverordneten--Versammlung ersucht durch eine gestern einstimmig angenommene Ent­schließung den Magistrat zu erwägen, ob nicht im Einverständnis mit der Regierung bis zur Verwirklichung der Vorschläge des Wohnungs­amtes:

1. Prozentmäßige Festsetzung des noch für RuHrflüchtlinge zur Verfügung stehenden Rau­mes durch den Minister,

2. Vergebung des endgültig feftgefiettkn Raumes durch das Wohnungsamt unter Kon­trolle der Flüchtlingsstelle,

vorübergehend alle Tätigkeit des Woh­nungsamtes für die Flüchtlingsfursorge einge­stellt werden kann.

Diese Entschließuna war das Ergebnis einer Dringlichkeitsansrage der sozialdemokratischen Fraktion, begründet durch den Stadtverordneten Dr. Theiß. Er schilderte das Wohnungs­elend in Kassel, namentlich in der Altstadt, ro;e es der Oberbürgermeister schon gelegentlich dec Aussprache über die Erwerbslosenhilfe getan hat und machte dabei die erfchüfterndr Mittei­lung: Die Zahl der Wdhnungsuchenden in Kassel ist inzwischen auf 10000 gestiegen! Eine beson­dere Verschärfung der Lage hat sich seit der Ruhtbefetzung ergeben. Kein Mensch wird Stimmung gegen die bedauernswetten Opfer, feindlicher Gewaltmaßnahmen machen, aber das System verdient beleuchtet zu werden, durch das die Großstädte int Westen, besonders Kas­sel ungeheuerlich belastet werde. Am härtesten sind die Leute betroffen, die seit lf>19 auf der Dringlichkeit stifte stehen, und Derer sind noch viele! Die Beschlagnahmen durch die Flüchi- lmgsfiirforge haben den Vorrang vor den Maß­nahmen der Stadt Kassel. Aus diesem Gründe hat sich eine begreifliche Erregung und tiefe Er-, biü«mng geltend gemacht, zumal ohne zu ver­allgemeinern muß es festgesteM werden gewisse Kresse der Vertriebenen kein Verständnis für die Notlage auch im unbesetzten Deusschland zeigen.

Warttm?

So fragte Dr. Theiß, warum fmd in zwei Schlössern bei Hersfeld und Hünfeld, die der Regierungspräsident beschlagnahmte, feine Flüchtlinge unterzubringen?

Wie kommt es, daß ein Hochstapler, der noch nicht einmal Flüchtling sst, der sich als Offizier ausgab und wegen Spionage verdächtig ist, auf die Wohnungslifte der Fürsorge kam?

Ist es bekannt, daß in der Zeit des Beamten-' abbaues zwei neue Behörden in Kassel zu an­deren Behörden geschaffen werden, eine Aus­gleichsstelle und eine Entschädigungsstelle für Flüchtlinge?

Der Redner regte an, die Flüchtlinge mehr dem platten Lande und den Reineren Städten zuzuteilen. Zumindestens darf eine fremde Stelle, die über die Kasseler Verhältnisse^nicht unterrichtet ist, entscheidend wirken. Der Stadt, also dem Wohnungsamt, muß ein Kontrollrecht gesichert bleiben. Eine schlechte Mutter wäre die Stadt, wollte sie bei aller Fürsorge um ihre not- leidenden' Bttider die Sorge um die eigenen Kinder außer Acht lassen.

Stadtrat Professur Sa Utter

der Leiter des Wohnungsamtes erwidette u. a daß der Regierungspräsident durch die Flücht­lingsfürsorge bisher 65 Wohnungen beschlag­nahmen ließ, soviel wie die gesamte Körner­straße enthält. Der Neubau zweier Jahre in Kassel sst dadurch ausgehoben wor­den. Diese Zahl bedeutet ferner den endgiltigerr Verzicht aus die baldige Unterbringung bet: Dringlichsten von 1919. Die Stadt ist mit prak- ttschen Vorschlägen frühzeitig ausqestanden. Be­reits am 10. Februar d. I. gab sie der zuständi­gem Stelle in Berlin eine aenaue Darstellung der Verhältnisse in Kassel, beantragte, daß nur dienstlich allerdringlichste Beamte nach Kassel überführt werden und ersuchte um Ersatzleistung für entzogene Wohnränme, um Notwohnungen ausbauen $u können. In Berlin gab es Kopf- schütteln, ja Lächeln. Man sagte sich einsach: Tie Gemeinden müssen umsonst hergeben! Der Hauptvorschlag des Wohnungsdezernenten geht dahin, daß eine Schlüsselzahl festgestellt wird, nach der sich die Unterbringung in Kassel regelt und bie*te Regeluna muß unter Kontrolle durch die Regierung selbstverständlich durch oas Wohnungsamt effolgen. Eine solche Regelung dient nicht -uletzt den Flüchtlingen selbst. Was die beiden Schlösser betrifft, fo finben sich keine Flüchtlinge, bie sie bewohnen wollen, weil bte Landwirtschaft sie nicht beliefert., ihre Erzeug­nisse vielmebr lieber nach Franksutt verkauft. Stadtv Prof. Hebel (Fr. b. V.> kann sich das nicht denken, weil die Landwirtschaft besonders viel für die Ruhrsürsorgc getan hat. Auch Stadtv. Kreiß stellte sich auf diesen Stand-