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Kasseler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
Nummer 261
Donnerstag, 8. November 1923
Einzelpreis 6 Milliarden Mark.
Einzelpreis 6 Milliarden Marl.
13. Jahrgang
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Reichswehr sichert die Ordnung im Reich.
Hochspannung.
Unnütze Erregung!
An Masten für starke elektrische Leitungen ist mitunter die Warnung zu Lesen, daß das Berühren der Leitung mit Lebensgefahr verbunden ist. Man müßte die roten Blitzzeichen und die warnenden Worte jetzt, wenn es technisch möglich wäre, überall in Deutschland anfleuch- ten lassen, wo Ursache zu Störungen gegeben wird. Hochspannung ist auf allen Gebieten des täglichen Lebens, In der Politik zitterr die Ungewißheit toie die Nädel eines elektrischen Krästemessers. Noch weiß das deutsche Volk nicht, welcher Art die künftige Reichs- regierung sein wird, ob die Mittelparteien oder die Rechtsbewegung den Sieg im inneren Streit davontragen werden. Die größere Wahrifcheinlichkeit ist, daß Reichskanzler Strese- mann mit einem sogenannten Rumpfkabinett, das heißt mit den bisherigen den Mittelparteis,i angehörenden Ministern und zwei hinzugezogenen parteilosen Persönlichreiten, die die Ministerien des Innern und der Justiz trhalten, weiter regieren wird. Notwendig bleibt dabei aber, daß ein solches Kabinett auch ein Vertrauensvotum der Reichstagsmehrheit erhält. Sollte das Vertrauen versagt werden, dann bliebe wohl nichts anderes übrig als die Auflösung des Reichstages imd die absolute Diktatur des Kanzlers, wozu ihm allerdings der Reichspräsident erst die Ermächtigung geben müßte. Es ist jedoch nicht güt anzunehmen, daß die Parteien sich kalt stellen lassen möchten, und so werden sie schließlich noch einmal den gllmäßigten Mittelweg gehen, der, ruhig und sachlich betrachtet, auch der beste wäre, weil er zur Einigung und Versöhnlichkeit führt. Wie zersetzend die Zwietracht wirkt, sehen wir deutlich in Visen Tagen.
Es war ganz zeitgemäß, daß vor einigen Tagen der „Rheinische Beobachter" die Sätze Napoleons in Erinnerung brachte, der von mehr als hundert fahren von dm Deutschen geringschätzig sagte, er habe nur seine Netze zu stellen brauchen, und sie seien selbst hinein- gelansen. „Untereinander haben sie sich erwarat und glaubten, damit endlich ihre Pflicht zu tun/ Heute begehen die Deutschen wieder dieselbe Torheit. IM Westen sind es die Separatt- st en, eine Horde gewissenlosen Gesindels, die deutsche Landesteile an die Franzosen verraten. Im Innern des Reiches befehden sich Süd und Nord in bedauerlicher Weise. Zwar sind gewisse Meldungen von der baherich-thüringi- schen Grenze, wo angeblich bayerische Truppen zum Vormarsch auf Berlin bereit stehen sollen, um eine Rechtsdiktatur zu errichten, übertrieben. Immerhin ist doch die Organisation zu beachten, da sie mit den vaterländischen Verbänden Bayerns, Pommerns und Brandenburg Interessengemeinschaft zu haben scheinen. Zweifellos wollen diese vaterländischen Verbims? nichts unternehmen, das zum Schaden des dem- schen Volkes Hein könnte, denn ibre Ziele sind ia auf die wirtschaftliche und soziale Besseruna rm Innern und die Wahrung der deutschen Ebre den fremden Unterdrückern aegenüb-r gerichtet. Die heuttgen amtlichen Mitteilungen geben zu erkennen, daß die bisherigen Nachrichten von gewisser Seite über die Vorgänge an der thüriu- gisch-haherischen Grenze übertrieben seien. Alan hcwe es bei den Bayern um N o t h e l f e r zur Verstärkung der bayerischen Landespolizei zu tun, die allerdings nationalen Verbänden au- gehören. Auch wird weiter berichtet, daß das Auftreten der thüringischen Kommunisten erst der Anlaß zu den bayerischen Maßnahuien gewesen fei. Inzwischen ist durch das Eingreifen der Reichswehr die Ordnung im Reiche gesichert. Entstände wirklich» ein bewaffneter Streit in Deutschland, dann würde der moderne Napoleon Porncarö mit größter Befriedigung zuisehen und die Wort: seines großen Vorbildes wiederholen: .Nur metzle Netze brauchte ich zu stellen und sic liefen uns wie scheues Wild selbst hinein.
Natürlich muß man bei Beurteilung der unruhigen Vorgänge auch die Ursachen einer näheren Betrachtung unterziehen. Nach verlustreichen Kriegen wird die Einigkeit des Volkes immer durch die materielle und seelische Not erschüttert. So war es nach dem dreißigjährigen Kriege, ja sogar nach dem erfolgreichen Befreiungskriege von 1813, und so ist es nach dem Weltkriege aekommen, daß Wirtschastsvecbält- nisse und Weltanschauungen scharfe Gegensätze tm Volke schufen. Kriegsanhänger und Frie- densvartciler, Kriegsteilnehmer und Kriegsgewinnler, Konservative und Revolutionäre bilden solche Gegensätze, die in normalen Zeiten im ungefährlichen Geisteskamvf ausgeglichen werden können. Befindet sich aber das Volk nach einem verlorenen Kriege in Not und ent« wickelt sich ein solches Elend, wie es jetzt schon iahrelang für uns eine Pein ist und Mr Hol- lenqual wird, dann gehört Selbstbeherrschung und Vernunft dazu, um Ruhe zu halten. So betrüblich die Gärung ist, kann man sie doch auch als ein Zeichen dafür ansehen, daß das deutsche Volk nicht so abgestumpft ist wie das
russische, das damals nicht die Kraft hatte, sich der bolschewistischen Epidemie M erwehren. In Deutschland ist noch der Wille zum Wiederaufstieg lebendig. Je härter uns die Not anpackt, desto ungestümer wehren wir uns. Aber leider wird von Bielen der Urheber dieser No« verkannt. Wie töricht ist es, daß deutsche Volksgruppen sich gegenseitig beschuldigen und befehden, so daß sie in ihrer Wut vergessen, daß der wahre Schuldige in Frankreich sitzt. Poincarös Vernichtungspolitik übt ihre furcht- bare Wirkung aus. Ihr können wir nur begegnen durch politische Einigkeit und wirtschaftliche Arbeits-Gemein. schäft! K. F. D.
Aus dem KeichökabßnM.
Besprechung schwebender Fragen.
(Eigene Drahtmeldung.)
Berlin, 7. November.
Das Reichskabinett hat sich wieder mit den bereits bekanntgegebenen Maßnahmen auf bcm Gebiete der Währungsfragen beschäftigt, dazu gehört auch der Plan des Finanzministeriums einen Neberssanashaushaltsplan auszn- stcllen, der auf der Goldbasis aufqebaut ist und bis Mim 31. März des nächste« Fabres Gtt, tung haben soll. Der Zweck dieses Plaues ist, Ordnung auch in den Haushaltsplan zu brinacn Es wird eine Reihe von Ausgaben des Reiches erheblich gekürzt werden. Eine Entscheidung ist über diese Frage im Kabinett nach nicht getroffen. Das Kabinett dürste sich heute erneut mit diesen Fragen beschäftigen und wahrscheinlich zu einer Entscheidung kommen. Weiter betchästiaie sich das Reichskabinett mit den brennenden Problemen des besetzten Gebietes.
<3m besetzten Gebiet.
Eine Bank mit internationalem Kapital? (Eigener Drahtbericht.)
Koblenz, 7. November.
Die Vertreter der rheinisch-westfälischen Gebiete sind gestern über die Grundzüge der neuen Währungsbank für das besetzte Gebiet einig geworden. Es soll eine Notenbank mit internationalem Kapital und voller Golddeckung geschaffen werden. Das wertbeständige Geld wie auch die anderen Devisen werden an ausländischen Börsen gehandelt werden. Das Grundkapital der Battk wird hundert Millionen Goldmark betragen. Auch die rheinische Sandbank wird entgegen anderslautenden Meldungen an der Ncu- gründung teilnehmen. Die Verhandlungen sollen in einer Woche abgeschlossen werden.
e e * llm Sie «SoiSonkrihe.
Berlin, 7. November. (Privattelegramm.) Da die Rheinlandkommission dem Anträge der Rcichsregierung, der Einführung der G o l d an- lei h e in das besetzte Gebiet zuzustimmen, noch nicht entsprochen hat. besteht bei einer trotzdem erfolgenden Einführung die Gefahr der Beschlagnahme. Aus diesem Grunde kann die Verfügung über die Berechnung der Zahlung der Gehalts - und Lohnbezüge in wertbeständigen Zahlungsmitteln im besetzten und Einbruchsgebiei zunächst nicht in Kraft treten. Die Beratungen, in welcher Weise auch im besetzten und Einbruchsgebiet wertbeständige Gehaltsund Lohnzahlungen durchgeführt werden können, stehen nahe vor dem Abschluß, sodaß auch dort mit einer baldigen Einführung dieser Zahlungsweise gerechnet werden kann.
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Srneuter Seidraudk
Köln,?. November. (Privattelegramm.) Infolge der neuerlichen Einstellung der deutschen Sachlieferungen haben die französischen und belgischen Besatzungsbehörden zu neuen Requisitionen gegriffen. In mehr als zwanzig Städten des Ruhrreviers erfolgten gestern „Beschlagnahmungen" von Geldern aus BanLn und öffrnttichen Kaffen. Insgesamt wurden von den Alliierten mehr Äs hundert Trillionen Mark besOagmchmt. (!)
Die Versorgung mit Geld.
Einschränkung der Notschcine.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 7. November.
Die Bersorgunq mft Zahlungsmitteln seitens der Reichsbank ist nunmehr wieder soweit sichergestellt, paß die Zahlungsmittelknapp heir fetzt als behoben gelten kann. Der Reichs- Minister der Finonzen wird daher weiterhin
Anträge auf Ausgabe von Rotgeld, die auf Papiermark lauten, nicht gcnehmi- gen. Eine Ausnahme kann nur in den Fällen zugelaffen werden, wo der Nachweis einer besonderen örtlichen Notlage erbrachst ist und durch die Geldverteilungsstelle des ReichS- bankdireftoriums eine Abhilfe durch rechtzeitige und genügende Belieferung der geforderten Beträge nickst zugesagt werden konnte. Bon der da- ftir zu erbringenden Deckung kann unter keinen Umständen abgegangen werden. Die Ausgabe nicht genehmigten Notgeldes oder die Nichierfül- lung der Deckungsbrdingimgrn oder die Ausgabe über den genehmigten Bettag hinaus ist ungesetzlich. Sie zieht die Verfolgung nach dem Reicksqesetz vom 17. Juli 1922 bett. Ausgabe von Notgeld in der Ergänzung der Verordnung vom 26. Oktober 1923 nach sich.
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WkNbrstänvigkS KoslLkid.
Berlin, 7. November. (Privattelrgramm.i Wie eine Berliner Korrespondenz erfährt, plant die Reichsvostverwaltung die HerauS- gabr wertbeständigen Geldes.
Thüringen und Bayern.
Sicherung der Ruhe durch Reichswehr.
(Privat-TelegraMM.)
Weimar. 7. November.
Nach einer Berliner Meldung der „Bossischen Zeitung" ist die R e i ch s w e h r gestern in T h ü - ringen, eingerückt. Vorläufig ist nur Rord- thüringen militärisch besetzt worden. Militärische Maßnahme« an der bayrischen Grenze sind bisher nur vereinzelt getroffen worden. —Amtlich wird gemeldet: Dem Inhaber der voll- k,i:hr.:dcn Lrwnlt in Thüringen, Generalleutnant Reinhardt in Stuttgart, der bisher nur über geringe Truppen verfügen konnte, sind mehrere Bataillone, Batterien und Schwadronen zugeflihrt worden, mn ihm zu ermöglichen, für die Durchführung seiner Anordnungen Mr Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung unter allen Umständen zu sorgen. Generalleutnant Reinhardt leitet alle erforderlichen Operationen von Stuttgart aus. — Nichtamtlich wird berichtet: An den Grenzstationen von Bayern nach Thüringen findet seit gestern eine Kontrolle der Reisenden und der Eisenbahnzüge statt.
Die Sayttsctzrn DervLnde.
Nürnberg, 7. November. (Privattele- grcmrm) Die gestern verbotene Nürnberger Morgenpreffe meldete aus München: Die bayrische Regierung hat die von Berlin aus gestellte Forderung nach Entwaffnung der nationalsozialistischen Verbände in Bayern abgelehnt, sich aber zu Verhandlungen mit Berlin bereit erklärt.
Fremde MMtär-KonLrolle.
Eine neue Note der Alliierten.
(Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 7. Ncwember.
Die Botschafterkonferenz hat dem deutschen Botschafter in Paris wieder eine Rote zugestellt. Sie bezieht sich zunächst auf eine frühere Note der Botschasterkonferenz vom 3. Oktober, in der die Wiede re insetznna der militari, schen Kontrolle über Deutschland verlangt wurde. Auf diese Rote, so stellt die Botschafter- konfcrenz fest, habe Deutschland bisher noch nicht geantwortet. Die Botschafterkonferenz meint weiter, die dchrtsche Regierung habe nunmehr wohl genügend Zttt gehabt, um die Maßnahmen zu überlegen, die sie zu ergreifen gedenke Die Botschasterkonferenz ersucht alsdann um eine Antwort bis spätöstens Mm 10. November. Dir Rote der Botschafter- Konferenz ist kurz und umfaßt eine halbe Seile.
Wiederaufnahme berArbeit.
Ein achttägiger ergebnisloser Kamps. (PrivatzEelegramm.)
Gießen, 7. November.
Der Streik in Wölfersheim ist sowohl im Kraftwerk Wölfersheim aks in Ludwigshoff- nung, Gettenau und Weckosheim nach achttägiger Dauer dadurch beendet worden, daß die Belegschaften die Arbeit bedingungslos wieder ausgenommen haben. Es wurden 46 Mann entlassen. Die Technische Nothilfr, die eingesetzt worden war, hat in diesen acht Tagen die Koh- lcnfördenmg und den gesamten Krastwerkbetrieb aufrecht erhalten. Nahezu 200 Fachnothelfer waren eingesetzt. Es gelang dadurch, die Bevölkerung Oberheffens mit Licht- und Kraststrom weiter zu versorgen. Auch zwei nichllebcnswich- tige Betriebe erhielte« auf Ansuchen der betret- senden Betriebsleitungen und Belegschaften Strom, weil sonst die am Streik unbeteiligten Arbeiter brotlos geworden wären. Die Technische Nothilfe ist nunmehr zurückgezogen.
Schlechtes Geld.
Rutzlauds Kampf um bett Rubel.
e# ist bekannt, datz die kommunistische Wirt. sktzaftSlsteorie in Ratzland adgewirtscdastet hat und dah schon lange wieder die Kapital- wtrtsthaft eins« Uhrt lst. Neber die Wandlung de» Rubel : z, B. ist nachfolgende Dar- st:Uang Fridtjof Rankens interessant zu lesen» Die Ruffen haben die Währungskaiasttophe, die jetzt Urtiere Wirtschaft und unser Lebe» bis in die Grundfesten erschüttert, schon vor uns durchgemacht; ja, die Sowjettegierung hat das Sinken des Rudels absichtlich herbeigeführt, nur dadurch .das Geld auszuschalten", wie es das kommunistische System verlangte. Aber auch sie Haden allmählich eingesessen, daß man ohne ein möglichst wertbeständiges Geld nicht aus- k o in m t und allerlei Maßnahmen gegen das schlechte Geld ergriffen, die uns gerade heute, da wir in demselben Kampfe stehen, besonders in« terefsteren. Fridtjof Nansen, der große Polarforscher, der sich in den letzten Jahren ganz der Hilfe für Rußland gewidmet und dieses Reich daher gründlich kennengelernt hat, Widmer in seinem, soeben bei F. A. Brockhaus in Leipzia erschienenen Buch .Rußland und der Friede" auch den Finanzen ein inhaltreiches Kapitel. Zunächst suchte man in Rußland das Sinken des Geldwertes durch Verordnungen aufzuhalten. Das Kommissariat für die Finanzen hatte im September 1921 festgesetzt, daß der Goldrubel nicht mehr als 30000 Sowjet- rubel wert sein solle, aber schon im Dezember gab die Staatsbank dafür oifiziell 58000. im März 1922 260000, im April 500000 Rubel. Da also
Verordnungen allein nichts nützten, verhinderte man wenigstens die mühevolle Rech- TV.tTLSt „-tyftr OTT ft/jSftrrfr;
daß man bestimmte, die 1922 ausgegebenen Rubelnoten sollten den Wert von 10080 Rubeln ans dem Jahre 1921 und die 1923 ausgegebenen den Wert von einer Million solcher Rubel haben. Wer die Tatsache, daß das Papiergeld der Sowjetregierung nicht mehr die Bedeutung normalen Geldes hat und ff ine Grundlage für die Wiederaufrichtung der russischen W-riscka^ bilden kann, zwang doch noch zu ganz anderen Maßnahmen. Im Oktober 1917, bei Seat rett der Revolution der Bolfchewiki, waren 18,9 Milliarden Pavierrubel im Umlauf, bereit Wert auf ein Drittel vermindert war. Die Notenmenge stieg rckch. Im Januar 1919 waren es schon 60,8 Milliarden, Anfang 1920 225 Milliarden und Anfang 1921 1168,6 Milliarden. Die Einführung der .neuen ökonomischen Politik" die Abkehr von der kommunistischen Wirtschaft, erforderte von neuem Geld, und so stieg die Notenausgabe im Januar 1922 auf die Notenmenge von 17539 Milliarden. Aber gleich- -ritig mit diesem Anwachsen sank der Goldwert des Sowjetrubels mit noch größerer Geschwindigkeit. Wenn man jeden Monat mehr als dir Hälfte der bisher im Umlauf befindlichen Noten neu ansaab, so verminderte der Fall des Rubels entsprechend den Wert der gesamten Notenmenge und verringerte so auch die Schuld des Staates.
Die Entwicklung des Handels, die sich im Laufe des Sommers 1922 auf Grund' der neuen, durch die Ernte gebrachten Werte vollzog, brachte rt&er eine verhältnismäßige Stabilisierung des Rubels. Das Tempo der Notenausgabe verlangsamte sich, und der Goldwert der gesamten Noienmäffe, der im Mai 1922 nur nach auf 57 Millionen Friedensrubel berechnet wurde, stieg gegen Ende August auf 135 und Ende Oktober auf 185 Millionen Frie- densruibel. Dir Sowjettegierung hat ttotz der ungeheuerlichen Notenmassen sich hoch Wittlich bemüht, ihren verhältnismäßigen ^nfamg zu vermindern, und es ist für die Entwicklung Rußlands ermutigen», die Zahlen der monatlichen Notenausgaben 1922 in Frredensrubel rtmzurechnen und sie mit der Summe der normalen Einnahmequellen des Staates in Gestalt von Waren, Unternehmungen, Steuern usw. zu vergleichen. Diese normalen Einnahmen steigen beständig. Während sie im Januar 1922 nur ein Elftel der Notenausgabe betrugen, machten sie im April schon mehr Äs ein Viertel aus, tm August mehr als die Hälfte, im Ofiotbe* mehr als drei Viertel, und in dw letzten drei Monaten des Jahres 1922 erreichten die gesamten Stenern und Einnahme» fast den Wer: der Notenausgabe, die 1143 Millionen Rubeln von 1923 entsprach. Im Juni 1922 gab die russische Regierung eine Kornanleihe heraus, deren Nennwert durch die Naturalsteuer, auf die man Vorschuß erhob, garantiert wurde. Obwohl die Bevölkerung diese Anleihe zunächst mit W6trauen aufnahm, entdeckte sie doch bald ihr« Vorteile; die KornanleiHe-Obligation stellte
einen wertbeständigen Rubel dar. Von diesen Obligationen warm am L September, dem Schlußtermin der Ausgabe, 8 Millionen verlauft; die übriggebliebeuen zwei Millionen kaufte die Staatsbank und verkaufte