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Kasseler Abendzeitung

13. Jahrgang

Einzelpreis 6 Milliarden Mark.

Sorruabend, 10 November 1923

Nummer 263

Einzelpreis 6 Milliarden Mark.

an

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Meta Nemste Nüchrichlm

Hessische Abendzeitung

Sin bayrischer Umsturzversuch.

lkerung eine Los-linksravikalen Führer wurden veryasrer. «»s 7 intmifante

'M gibt und daß bäubeu wurden schwär'-weih-rote Fahnen aufgezogen. Starke Hrtlertrvchpen machttden

zu entziehen.

Varteifidunsen.

Endlich hat man auch in Paris erkennen müs­sen. daß Vie Ausrufung der sogenanntenRhei­nischen Republik" mißglückt ist. Trotz der jahre­langen Vorbereitungen dieses entscheidenden Schrittes durch dasComits de la rive gauche du Rhin", hinter dem bekanntlich der Quai d'Orsay steht. Es hat sich trotz aller schönen Vorkehrun­gen nicht vermeiden lassen, daß man im gesam­ten Ausland durch die Putsche derer von Deckers und Konsorten darüber aufgeklärt wurde, daß es in der rheinischen Bevölkerung eine n * °

-ran-öfische Regierung kann keinerlei Verantwor­tung übernehmen für die Entschließungen, die in voller Freiheit von der pfälzischen Bevölke­rung gefaßt sind". Die Entschließung des Sveherer Kreistages lautete einstimmig auf Ablehnung der von dem General de Metz ausgesprochenen Autonomie der Pfalz. Meinte Poincarö diese Entschließung? Das ist

will er der Wett Weismachen, daß tatsächlich in der rheinischen Bevölkerung eine Bewegung be­stehe, wie sie das von Frankreich ausgehaltrne Verbrechergesindel vortäuschen soll. Wie oben er­wähnt, hat sich die Welt über die Vorgänge in den Rheinlanden bereits ein Urteil gebildet. Hinter den Verbrecherthpen Matthes, Deckers, Dorten und Genossen steht nicht ein Hun­dertstel der rheinischen Bevölkerung. Mn sei­ner Note und mit seinen sonstigen Maßnahmen, wie sic durch das Verhalten der französischen Be- satzungsbrhörde zum Ausdruck kommen, will Po-

Willen und nur gedrängt durch die französische Auffassung, daß eine vollziehende Ge­walt der b a h r i s ch e n Staatsregierung in der Pfalz nicht mehr bestehe und daß infolge­dessen die bayrischen Beamten in der Pfalz keine Soheitsbcfugnisse mehr hätten. So loyal hat General de Metz gehandelt, sodaß es nur von ber Bescheidenheit Poincares zeugt, wenn er in seiner Antwort an di: deutsche Regierung diese loyale Haltung" des Generals übergeht.

Poincarö nimmt aber die Gelegenheit wahr, Deutschland einen weiteren Beweis seinergerecht rung" zu geben. Er machst der deutschen Regie­rung zu geben. Er macht der deutschen Regie­rung Mitteilung von derAuslösung der sepa­ratistischen Aktton" in der Rheinprovinz, an der Frankreich weder vorbereitend, noch später för- ernd beteiligt gewesen sei. Es steht ihr völlig fern, da er anscheinend aber annimmt, daß Deutschland über die Dinge im Rheinland nicht genügend unterrichtet ist, so teilt er mit, daßder Wille der Bevölkerung unzweifelhaft vorhanden ist". Welcher Wille? Poincarö sag vorher:Die

rechte zu respektieren. .

Jetzt hatPoincars auf d-.e,en Protest g e - antwortet. Nur ein Optimist hat erwarten können, daß diese Antwort der deutschen Auffas­sung gerecht werden würde. Nach Poincares Be­hauptung hat sich General de Metz lediglich als fürsorglicher Vater für die ihm anvertrauten Psalzkinder bewiesen, denen er alle Leiden und Beschwerden, die ihnen die deutschen Behörden bereitet haben, aus dem Weg räumen wollte. ..Ein Kind, kein Engel ist so rein" wie dieser General de Metz. Er hat nie und nimmer irgendwie und irgendwann etwas mit der Pfalz­bewegung zu tun gehabt, nur, als man ihn drängte und inständig bat, da hat er sich ganz bestimmt nicht leichten Herzens dazu entschlossen, dem Kreistag in Speyer mitzuteilen, daß die Pfalz sich von Bayern getrennt habe und ein autonomer Staat geworden sei gegen seinen Willen, ohne sein Zutun? Und als ihm der Kreistag in Speyer nicht einmal, sondern zwei­mal einstimmig erklärte, daß die pfälzische Bevöl­kerung 'sich zu staatsrechtlicher Aenderung der pfälzischen Zugehörigkeit nicht geäußert habe, und sich nicht äußern werde, solange noch ein Franzose auf pfälzischem Boden steht, da erklärte General de Metz, wiederum ganz gegen seinen

Dem Reichskanzler Stresemann wurde die ÄieüWa« über die Münchener Vorgänge ge­gen Mitternacht überbracht. Er berief sofort eine Kabinettssitzung ein. Kurz nach 12 Uhr trafen in Kraftwagen die Minister in der Reichs kanzlei ein. An der Kabinettssitzung nahm auch der Staatssekretär von Maltzan teil. Seit Mit- ternach sind die Drahtverbindungen mit München plötzlich unterbrochen. Der Reichskanzler er­klärte heute srüh Parlamentarieren gegenüber, patz die Reichsregiernng alle ihr zur Ver. ügnng stehenden Machtmittel emsetzrn werde, um so schnell wie möglich wieder verfas­sungsmäßige Zustände in Bayern herzustellen. Der Einst der Lage sei keinesfalls zu verkennen, zumal der Streit ungeklärter Köpfe außenpolitisch wiederum schweren Schaden verursachen kann.

Berlin. 9. November. (Privattelegramm.) Die Deutschnationale Reichstagsfraktion ist noch iur Laufe der Rächt zu einer Frattionssttzung zu- sammengetrercn. Die Zentrumsfraktion tritt am Dienstag zusammen. Die Aussprache übe» die politische Lage wird dann fortgesetzt werden.

Srgendrweguna der ArbeiterfGaft.

Berlin, 9. November. (Privatteelgramm.) Der Deutsche G e w e r k s ch a f t s b u n d ist für heute nachmittag zu einer Sondersitzung einbe­rufen, um einen Beschluß hinsichtlich der Auf­forderung an die bayerische Broeiterfchast zum Generalstreik gegen di« Regierung Hitler- Kahr zu fassen. Laut Meldung auS Koburg kam es heute früh zu Gegenaktionen der Ar­beiterschaft in R o r d b a y e rn. Aus F ü r r h sind die Hitlrrgarden verjagt. In Anspach gab es bei einem Zusammenstoß drei Tote und zahlreiche Verwundete.

Die FttiHHweyr «egen den vutfch.

B e r l i n, 9. November. (Privattelegramm.) Gegen zwei Uhr nachts sind zuverlässige Mel­dungen eingegangen, wonach die bayrischen Garnison en derReichswehr an dem Hit- lerputsch nicht teilgenommen haben. Auch die Münchener Garnisonen haben es bisher ab- gelehnt, ibren der Reichsregierung gelei­steten Gib »U brechen. Die Kontrolle der bisheri­gen Meldungen ist sehr erschwert, obwohl dir letzten Meldungen aus einwandfreier Quelle zu­gegangen sind. Aus Augsburg wird gemeldet: Die Garnisonen in Augsburg, Re­gensburg und Nürnberg verweigerten die Anerkennung der Regierung Hitler-Kahr unter Berufung auf ihren dem Reich geleisteten Gib.

Zn den Westgebieten

Die Franzosen und Sonderbündler.

lieber die bayrische» Vorgänge gingen noch folgende Nachrichten ein:

München, 9. November, (Privat - Tele­gramm.! Gegen acht Uhr gestern abend begann die Stadt unruhig zu werden. Truppen von Hitlerleuten durchzogen die Straßen und riefen bei den Propyläen Ludendorsf zum Diktator aus. Von anderer Saite wird diese Meldung mit Entschiedenheit bestritten, jedoch zugegeben, daß Lndendorff in das Triumphiat Hitler, Ludendorff. Kqhr Eintreten wird. Haupt­post und Telegraphenamr sind tu» Land. ^Polizei besetzt. Ueberall standen gestern abend Gruppen aust»eregter Menschen zusammen. Hitlertruppen durchzogen mit Musik und dem Gesang von Heil dir im S-eaerkranz" die Straßen, die zum RcgicrungSviertel führen. Die Proklamation Hitlers erfolgte im Bürgerbräukeffler. Herr von Kahr hatte dort seine angekündigte Rede gehal­ten. Gr war noch nicht zu Ende, als Hitler mit 600 Mann in den Saal stürmte und aus-

daß Frankreich die Errichtung einer Dik­tatur in Deutschland nicht dulden wurde. Dieser Beschluß bedeutet den Sieg der interven­tionistischen Strömung innerhalb der sranzost- 'chen Regierung.

Die ReiOsreglemng.

Maßnahmen gegen den bayrischen Putsch.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin. 9. November.

durchzogen noch abends mt MufiL die Straßen der bayrischen Hauptstadt Alle Straßen werden von aufgeregten Menschen durchflutet. Das Bild der Straßen gleicht den» der Tage vor dem 9. November 1918. Dre Llmsturzbe^ Wogung hat bereits, soweit noch Nachrichten vorttegen, aufd e r e b a h rrs cke S t ä die übergegrrffen. Die Drahtverbindungen zwischen Bayern und 2-ord- deutschland sind seit letzter Nacht unterbrochen.

ÄnLeninsAmtsraum.

Rußlauds Diktatur als Modell.

Das Lrb«' des Bolfchewisten.Dtttatsrr Len n ist voll nnanqrnehnirn Arbeiten. Se ist i<t>le«ig;am »nd verdrossen. Ot t »uifif*« Bildhauer gibt etocit EinvttS in sein All- tagSl den,k>orttdrr folgendes berichtet wird r

ir-cars nichts anderes, als dem organisierten landfremden Derbrechergesindel ein Heimat- uns Aktionsrecht in den Rheinlanden zu verschasscn, um sich dann mit seinen weiteren Maßnahmen darauf zu stützen. Da er in der Bevölkerung der Rheinland- keine Unterstützung für seine Los- irennungsabsichtzen fand, muß er nch dieses aueye« haltenen'Gesindels bedienen. Daß er Dieie Absich­ten allen Ernstes verfolgt, das beweist er durch seine jüngste Pfalznote. Er gesteht bnrnt indirekt selbst zu. daß die Bevölkerung alle Franzostc- rungsversuch« .ablehnt.

lösungsbewegt/ng nicht gibt und daß das. was man als eine solche Bewegung hinstellt, nichts anderes ist als organisierter Terror von land- und volksfremden Banden. In französischen halbamtlich verbreiteten Meldungen wurde zwar vonrheinischen Truppen" gespro­chen. Ein ausländischer Journalist, nämlich ein Times-Vertreter, hat dieserheinischen Truppen" aber auf Grund persönlicher Beobachtungen, Feststellungen und Unterredungen mit ihrem Führer", einem polnischen Franzosen, als das bezeichnet, was sie wirklich sind: Verbrechergesin­del. zusammengestoppelt aus- den verwegensten Verbrcchertvpen Polens. Rumäniens, Frank­reichs und Deutschlands. Ein weiterer Beweis hierfür ist ihreruhmreiche Tätigkeit" in den Ta­gen ihrer Herrschaft. Aber für Herrn PoincarS sind das liebe gute Kinder, denen man alle Liebe beweisen untT Freude bereiten müßte. Die deutsche Regierung hatte sich mit einer Protestnote an die französische Regierung wegen des völkerrechtswidrigen und vertragsver­letzenden Vorgehens des Generals de Metz in der Pfalz gewanöt und ersucht, diesen Genera! an- zuweisen, die deutschen und bayrischen Hoheits-

Nach einigen Minuten des Wartens." so er­zählt der Bildhauertrat Lenin ein. Ein Mann von kleiner Statur mit gelbem Gesicht und hellkchimmerndem Bart. Ein Viertel deS Gesichts bedeckt eine Mütze: die Augen blicken lebhaft, aber schwermütig. Lenin spricht so gut wie nichts und beginnt unmittelbar nach dem Betreten des Zimmers mit der Arbeit. Ich kam und ging, wann ich wollte. Bei meinem Eintreten begrüßte er mich stets mit einem leise gesprochenesGuten Tag. Genosse Altmann. Lenin speist im Kreml pünktlich um 1-2 Uhr zu Mittag in Gesellschaft der Voftsbeaustragten. Die Mahlzeit wäbrt knapp zebn Minuten. Jeder Einzelne muß sich Teller, Besteck und das Essen selbst aus der Küche holen. Der Speisefette, ist durchaus bescheidener Art: eine Fischsuppe und einiae Scheiben entsetzlich gewürzter und ge- mlrckner Wurst. An Festtagen wird diese Spei­senfolge um ein Fleischgericht bereichert. Lemn sitzt auch während des Essens verdrecken da. Ge­sprochen Wird so gut Wie nichts: »r beantwortet nicht einmal die Fragen, die an ihn gerichtet wer­den. Sehen will er überhaupt nie­manden Die einzige Abordnung, die er während meiner Anwesenheit emvftng, war eine Delegation türkischer Kommunisten, die einen Waagon mit Lebensmitteln nach Moskau beglei­tet hatten. Eine Ausnahme Von der Reackl, nie­manden zu emvkangen. macht er nur zugunsten einiger armer Schlucker, die als kommunistische Fanatiker den Führer zu begrüßen wünschten und dessen Rock sie inbrsinsttq küßten. Meist tft Lenin stumm wie ein Fisch und ön'net den Mund nur, um im Kommandoton einen kurzen Befehl zu erterlen. Ich habe es nie erlebt, daß einer der VokkSbeauftragten sich gegen einen solchen befehl mtfgeiebnt oder, einen Widerlvruch ge­wagt bätte Als cinmel ein lieh r Kommissar etwas lebhaft erwiderte, saate Lenin mit t'anfter Stimme zu seiner Sekretärin: .Bitte Kfadcn Sie ibn -um Teufel, aber tun Sie es böslich

Als Modell isf Lenin die unleidlichste Perlon, die mir begegnet ist. Er sitzt keine Minute sttll und bewegt beständig den Kovf von recktts nach links und von oben nach unten, so­daß ich oft genug nur das Kinn oder di- Mutze -,u sehen bekam. Als ich mich darüber beklagt«, stellte sich Lenin taub. Während der ganzen Ditzimgen störte er nicht ftiif, leise vor sich hinzu- vftiken Eines Tagcks wurde ihm ein Brief überreicht, den er los, daun mit lautem Lachen eitVgmmenknüllte und in die Tasche steckte. Die Sache batte ibn so heiter gestimmt, daß er da­durch mitteilsamer acwordckn war. als er zu fern pflegt. .Er kommt von dm Mitgliedern der ländlichen Kameradschaft." erklärte er mir,einer kommunisftfcken Gemeinschaft, die in der Umae- gend von Nowgorod gegründet worockn ist. ^ne beklagen sich über einen merkwürdigen Fall ^chr Bolksbeaufttaater hat nämlich nichts Besseres ru tun gewußt als sich aus dem Gefängnis in Nowgorod eine dort sitzend« Gräftn. herauszn« Iholen und sie zu heiraten. Die ^nassen schrei-

München, 9. November (Privattelegramm). Gestern abend ist ein ttmsturz versucht worden. Hitler hat sich zum Reichöchef auvgeru- fen und dann von Kahr zum batzrrschen Landesverweser^proklamrert. Gene­ra! von Ludendorffsoll die Leitung des Reichsheeres übernehmen, General von Lossow soll Reichswehrminister und Oberst vonSersfer RelchsPolr- zeiminister werden. h n e r wurde zum Ministerpräsidenten ernannt. Ger bayrische MinifterpräsidentKnillina und Znae-:minister Schweher sind verhaftet. Alle Regierungsgebände find in der Hand der Hrtlertruppen. planmäßig von allen Seiten in das Innere der Stadt^vorrSetten. Hitler pro­klamierte die deutsche nationale Diktatur und erklärte dre Revoltttron^M es nach fünfjähriger Dauer sirr beendet. Die sozialdemokrarischen nnv s-linksradikalen Führer wurden verhaftet. Auf 6^-

nicht der Fall; er spricht vorher von derAus­lösung der separattstischen Attion" und möch'e in seiner Note den Eindruck Hervorrusen, als habe die gesamte pfälzische Bevölkerung sich ein­mütig für die Loslösung der Pfalz ausgespro­chen. T«s ist ein Irrt» m, wie die noch in ganz frischer Erinnenmg haftenden Ereignisse be­weisen.

Poincars beabsichtigt also mit seiner Note zweierlei: erstens will er die ungesetzliche Rolle, die General de Metz bei seinem zweiten Psal-putsch spielte, vertuschen und zuu: anderen

rief, daß die nationale Diktatur errichtet werde. General Ludendorsf sei LandosbefehlShaber. Hitler sei politischer Leiter. Polizeipräsident Pöhner sei Landesverwcfer. General von Los- i fern Wvhrminister. Darauf haben «turmkolon- nen von Hitlertruppen in weitem Nmkreis die Skegierungsgebäude abgesperrt. Schon am Nach­mittag hatten sich, von den Vororten kommend, Truppen der Hitlerschen Nationalsozialistrer nach dem Fnneren der Stadt bewegt.

Dir drwassst-tkn IrattvnaifvzialMn.

München, 9. November. (Eigene Draht- Meldung.) Schon gegen 3 Nhr gestern nachmit­tag haben bio Ansammlungen der bewaffneten Nationalsozialisten auf der Theresienwiese und an der Rubmeshalle begonnen. Gegen 6 Uhr setzten sich die ersten Züge nach der Stadt in Bewegung Voran zogen Fahnenträger nut schwarz-weiß-roten Fahnen. Die Fahnenabfei­lungen wurden geschützt durch Maschinengewehr­abteilungen. Die MusiNavellen spieltenHei! dir im Sieaerkranz". Bahnhof und Tekegravhen- nmt wurden ohne Widerstand besetzt. Schon um 7 Uhr rückten starke bewaffnete Verbände in das Regierunflsviertel ein. Um 9 Ähr waren sämt­liche Rögierungsgebäude Münchens von Sturm- truvps besetzt. Zu gleick>er Zeit stürmten natio­nalsozialistische Truppen das GewerkschaftShous. Bon dem sozialdemokratischen GebSude wehte um 10 Uhr bereits die scknvarz-weiß-rote Fahna. Die Truppen waren auf Befehl des Landeskom- mnndanten in de» Kasernen zurückgehalterr. Die Führer der Gewerkschaften, bei sozialdemokra­tischen Partei und bet Kommunisten sind aus ihren Wohnungen herausgeholt worben. Sie befinbcm sich seit 10 Uhr abends im Regierungs- aebäude, wo Hitler sein Quartier hat.

Frankreich duldet keine Diktatur.

Paris, 9. November. (Eigene Trahtmeldung.) ras Fournal meldet: Die Führer des französi. : schon Ministerrates haben gestern durch den fran­zösischen Botschafter in Berlin erklären lassen.

Der Bildhauer N. Alttnann, der vor einigen Monaten gelegentlich seiner Anwesenheit in Moskau durch Vermittlung Lunatscharskis Lenin vorgesiellt wurde und von diesem das Zuge­ständnis erhielt, ihm zu einer B ü st e zu sitzen, har einem Mitarbeiter des PariserLiberty interessante SDHtteitunflcn über den Eindruck ge- i er im persönlichen Verkehr von dem bolschewistischen Diktator gewonnen hat. Tie Sitzungen fanden in Lenins Arbeitszim­mer statt Es ist dies ein halbrunder, nicht eben umsrngreicher Saal int Kreml. Die beiden Fenster gehen auf den Hof hinaus. Zwischen ihnen hängt ein Spiegel. Die Wände sind nut Regalen und Karren bedeckt. Auf einer Sette befindet sich ein großes, mit rotem Leder bezoge­nes Sofa: in ckir-er Ecke stand eine Büste von Karl Marr die später durch ein Basrelief ersetzt wurde, in dem der Bildhauer Szenen aus der russischen Revolution von 1905 dargestellt hat. Fn der Mitte dos Zimmers sieht man einen gro­ßen Tisch, auf dem sich unaufgeschnittene Bücher und ungelesene Zeitschriften und Papiere aller Art zu Bergen häufen Da Lenin beständig tele- pboaiert. befindet sich selbstverständlich auch ein Telephonapparat im Zimmer .Hin und wieder klingt von der Straße herauf die Militärmuick vorbeiziehender Truppen, an der aber Lenin kein besonderes Vergnügen zu nehmen scheint. Der Raum hat drei Türen, von denen eine nach dem Arbeitszimmer de-- Sekretäre, die zweite zur Telepbonzentrale des Kreml führt, wahrend sich die dritte auf einen gckdeimen Gang öffnet, der Lenin gestattet, jederzeit unbeobachtet zu _ ver­schwinden und sich jedem Attentatsversuch sofort