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Meier Nemste Na

Kasseler Abendzeitung

Hessische Wen

Zte Saffeler Sleuefien Siadiriditen erfcbdnen rondbentftth tedi#mat nadmr ttagS. Der Abonn«- mattfcrelS beträgt färbte Woche oom 12. 61818. November 100 Sttutarben bet freier ?,ufteUimr, ütS HMl-.tLder SeschLstSttelie abgebalt »7 Milliarden. Wertetenaen werden jederlei! entgegen- genommen. B erlag uns RedgMon: Lchiach: Hoist raß- 28/30, Fernsprecher Nummer 951 und 952. Für unverlangt eingesandte Beitrage kann die Redattion eine Berani. roortmtg ober Gewähr tn feinem Falle übernehmen. dtüHzahlung des Beiugsgeides oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Sieferung ist ausgeschlossen. Postscheck Frankfurta». WM. Truckerei: Schlachthosstr. 28./30. BeschSstssielk-! Kölnische Str. ä.

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Nummer 267.

Einzelpreis: 20 Milliarden.

Donnerstag, 15. November 1923. Einzelpreis: 20 Milliarden.

13. Jahrgang

ParkeiMage zur politischen Regelung.

Neue Einstellung.

Ei« klarer Weg «ach bestimmtem Ziel.

Die politischen und wirtschaftlichen Nebel, die bisher den deutschen Leidensweg durch Gegen­wart und Zukunft verhüllten, sind augenblicklich gewichen. Es ist, als brächen sich die Strahlen der Erkenntnis plötzlich Bahn nnd öffneten uns einen freien Ausblick Mit der Erkenntnis pflegt 'das Vorwärts und Aufwärts zu beginnen, und so ist uns immerhin ein klein wenig Hoffnung ge­stattet. Als der Reichskanzler am Sonn­tag in Halle gesprochen hatte, durfte man Zm verficht zu seiner Polittk hegen, denn er hat die innere Lage Deutschlands und die Beziehungen zum Auslande in strenget Sachlich,kett und mit mannhaften Worten dargelegt Sehr erfreulich waren vor allem seine Ausfiihrunaen über das Verhältnis Deutschlands zu den Alliierten, wo­bei er in erster Linie die Franzosett in Betracht zog. Es war eine offene Antwort auf die unverschämten Forderungen Psincar^s, als Stresemann sagte, der Fieberzustand Deutschlands sei letzten EndeT eine Folge der außenpolitischen Bedrückung Wenn die französische Politik derart wäre, daß sie rms leben ließe, würde der Radikalismus bald aufhören. Frankreich glaubt mit Deutsch­land nur im Wege der Fristfestsetzung, des D i V tats, sprechen #u können. Dagegen haben wir erklärt, auf diese Weise verhandeln wir nicht, macht was ihr wollt." Es ist sa auch nach allen Erfahrungen unmöglich, mit Frankreich zu ver­handeln. weil die Franzosen schon mit der Ab­sicht an den Berhanvlungsttfch kommen," alle Angebote als ungenügend abzulehnen.

Unverständlich fft daher, tote Manche Deutsche heute noch glauben können, wenn wir den Fran, zosen mehr anböwn und mehr zahlten, würden wir auch zu einer Verständig»«;; kommen. Diese Auffassung ist kindlich. Solange Deutschland auf. seiner berechtigten Selbständigkeit besteht, bleibt Frankreich ablehnend, denn es will nur ein staatlich zerrissenes arme? deutsches Volk, das ohne polttischen Willen end ohne wirtschaftliche Kraft ist, neben sich dulden. Poincar^ träumt von Zuständen, wie sie zu Zeiten Napoleons des Ersten waren. Wenn demgegenüber im deut­schen Volke die Erinnerung lebt, daß auf 1806 ein 1813 folgte, so ist auch der Wunsch selbftvckr- ständlich, daß auch in der Gegenwartsgeschichte wieder ein Tag der Befreiung kommen möge. Und er wird kommen. Das Wie und Wann ist allerdings Äne Frage der Zeit. Mit Gewalt läßt er sich natürlich nicht Herdeiführen. Da helfen nur Klugheit und Geduld, Vorbe­reitung durch geistige und sittliche Erneuerung des Volkes zur Einigkeit.

Daß die Ursache unserer Not in Frankreich liegt, geben endlich auch linksstehende Führer mit besonderer Betonung zu. Der sozialdemokrati­sche preußische Innenminister Severing hat vor einigen Tagen ausländischen Preflevertte- tern gegenüber ähnliche Aeutzerungen getan wie Stresemann, «16 er das französische Rhein- und Ruhrverbreckeu geißelte. Severing erklärte, daß Frankreichs Politik die Hungersnot in Deutsch­land verursache, deren Folgen nicht allein Deutsch­land, sondern ganz Europa tiefe wirtschaftliche Wunden Magen werde. Auch die sozialdemo­kratischen Minister im seffherigen Reichskabi­nett sind in der Außenpolitik mit Stresemann der gleichen Meinung gewesen, da die Schuld Frankreichs klar zutage liegt. Diese Erkenntnis auf der Seite der Linken ist unbestreitbar ein Fortschritt, und sie hätte manchen Zwist zwischen links und rechts verhüten können, wäre sie schon früher so frei geäußert werden Aber die Rück­sicht wirf die Parte--Anhängerschaft verschloß ihnen oft den Mund, v-ftn es war fa eine Zeit- lang üblich, daß in den Porige:: der Linken die Führer zwar andere deutsche Volksgruppen be- Mmpfen durften, aber die Franzosen febenen mußten. Dies- Schonung hat setzt, wie hier und da vernehmbar ist, «ufqeliott. Es macht sich ganz allgemeft: doch wieder mehr deutsches Selbstbewußtsein im Volke geltend.

Wir scheu besonders im Reichskanzler einen Mann, der fest entschlossen ist. die deutsche Ehre zu wahren Ein Beweis dafür ist unter ande­rem, daß er zum Reichsinnenminister den frühe­ren DniSburger Oberbürgerinei »er Dr. Jar- r e s ernannt bat, der die französische Willkür im Rubrgshftt am eigenen Leibe erfahren hat und dessen Liebe zum deutschen Volke auch wir in Kastel aus feinem Vortrag über die feindliche Besetzung kennen. Dem Rhein- und Ruhr- gebiet wendet das Reichskabinett nach wie vor besondere Fürsorge zu. berni es ist der Teil Deutschlands, der die meisten Qualen erleiden muß und den wir doch beim Wiederaufbau nicht entbehren können. Wieviel Kraft wir noch zum Wiederaufstiea haben, muß sich zeigen, wenn wir am Werke sind Der finanzielle Ausbau soll nun durch den neu ernannten Wäbrunaskommisiar Dr. Schacht beschleimigt werden Daß dieser Mnnn da? vearmtwortungsvolle Amt übernom­men Hw, darf schon als ein Zeichen der Zuver­

sicht zu einer Besserung gelten. Dieses Ver­trauen wird sich weiter ausbreiten, wenn erst ein Erfolg sichtbar wird. Einen hoch zu veranschla­genden Erfolg hat Stresemann jedenfalls schon dadurch gehabt, daß es ihm gelungen tst, die cms- einanderstrebenden Kräfte zu zügöln, die Schä­den der exttemen Bewegungen einzudämmen und die Neichseinheit zu erhalten. Dazu gebührt ihm stärkste Unterstützung. K. F. D.

Noch keine Neichötagsfltzung Reue Anträge der Parteien.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 14. November.

Zur Frage der Einberufung des Reichstages erfahren wir, daß der gegenwärtige Zettpunkt zu einer Einberufung «mgesichtzs der ungeklärten Lage nicht geeignet sei. Es wäre nicht daran z« zweifeln, daß bei einer polttischen Aus­sprache im Reichstag gegen die Berhättnisse in Sachsen, Bayern usw. die schwersten Angriffe gerichtet würden. Die Folge solcher Angriffe wäre zweifellos, daß die extremen Elemente be­sonders in Bayern zusammengeschweißt würden, was wiederum der verfassungsmäßigen Gewalt in Bayern und auch der Reichsregierung Schwierigkeiten bereiten würde. Auch die Klärung des Verhältnifles Bayerns zum Reich könnte dadurch keinerlei Förderung erfahren. Die Reichstapssitzung dürfte also auf einen geeig­neteren Zeitpunkt, wahrscheinlich nächste Woche am Dienstag, verschoben werden. Da die deutfcknationale, die sozialdemokratische und die kommunistische Fraktion die baldige Einberufung des Rechstages beantragt haben, so berät der Aeltestenausfchuß em Freitag darüber.

Störungen in der Malz.

Sonderbündler proklamieren das Standrecht.

(Eigene Drahtmeldung.)

Speyer, 14. November.

Die Separatisten haben in einem heute Nacht veröffentlichten Aufruf das Standrecht in der Pfalz proklamiert. In dem Aufrufe wird gesagt, daß die Besetzung der öffentliibcn Ge­bäude durch die neue Regierun in über dreißig Städten der Pkalz in den nächsten Tagen vollzo­gen fein würde. (?) Weiter heißt es:Sie Regierung verpflichtet sich, alle Attentate uns Angriffe auf Personen und Eisenbahnen mit aller Strenge zu verfolgen. Gegen Personen, die sich strafbar machen, wird unnachfichtlich vor­gegangen werden. Die Separatisten dieser Städte konnten bislang wegen deS starken Widerstandes der Arbeiterschaft keine Besetzun­gen vornehmen. In Ludwigshafen wurde gestern der Oberbürgermeister Dr. Weiß von den Fran­zosen verhaftet und nach Landau abttansportien. Die Gründe der Festnahme sind nicht belannt.

Die Gokölohubeweguua.

Widerstand gegen die erste Festsetzung. (Privat-Delegramm.)

Berlin, 14.. November.

In der Berliner Textilindustrie droht ein Lohnkampf, weil der Schiedsspruch, der zum erstenmal Goldlöhne Vorsicht, wegen der niedrigen Sätze auf den Widerstand der Arbeiter stößt. Nach diesem Schiedsspruch soll der unge- Irrnte erwachsene Arbeiter 28 Goldpsennige Stun­denlohn erhalten. Bon den Arbeitern wird an­geführt. der Lohn sei nicht höher als die Er- werbsloftnunlerstützung, die ein Arbeitsloser mit zwei Kindern erhält. In den Betrieben der Berliner Textilindustrie wirb augenblicklich eine Urabstimmung vorgenommen, die zur Ablehnung des Schiedsspruches und möglicherweffe auch zum Streif der Textilarbeiter führen dürste.

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Dersuchsldefse ttfnWtrnno.

Berlin, 14. November. (Privattelegramm.) Der Goldlohnbeweguug haben sich nunmehr auch die im Afabund organisierten Angestellten der chemischen Industrie angeschloffen. Bon den Arbeitgebern waren Grundsätze für die Ein­führung von Goldrechnungsgehältern aufgestellt worden, wonach sich der Arbeitgeberverband grundsätzlich bereit erklärte, über eine de r su ch s- roeife Einführung von Goldgehältern mit den Organisationen der Angestellten zu verbandeln. Es war aber hinzugcfügt, daß beim Ac Hergang Vie Sätze unter den Friedensgehältern bleiben müßten, um zu erproben in welcher Hohe die Goldgehälier tragbar seien.

Der Berliner Xeikstrett.

Auch am Dienstag noch keine Zeittmge«. (Privat-Telegramm.)

Berkin, 14. November.

In der Reichsdruckerei konnten der Be- ttieb gestern erheblich erweitert werden. Im

Lause des Vormittags meldeten sich zahlreieche Buchdrucker und Hilfsarbeiter, die wieder ein­gestellt wurden. Außerdem stMe die technische Nothilfe 300 Arbeitskräfte zur Verfügung. Auch in den privaten Druckereien kommt der Bettieb langsam wieder in Gang. Infolge der großen ArbeitslosWett im graphischen Gewerbe haben sich.. zahlreiche erwerbslose Buchdrucker gemeldet, die auch eingestellt wurden. Es ist anzunehmen, daß aus diesem Grunde die Streik­leitung selbst zur Wiederaufnahme der Arbeit raten wird, da die Zahl der erwerbslosen Buch­drucker in Berlin int Augenblick sehr groß ist. Der Streik in den Zeitungs drucke! ei en dauerte auch am Dienstagnachmittag an. so daß nur derVorwärts" erschien. Auch die Mittwoch-MorgxWläfter konnten noch nicht hcrauskommen. Es ist sogar, nachdem es nach­mittags schien, als ob der Streik abzuflauen be­ginne, wieder eine gewisse V.e-r,f chä rfung in der Str «klage eingetreten.

Bayern und das Keich.

Bestrebung zu föberaiiftifdter Umgestaltung.

(Privat-Telegramm.)

München, 14. November.

Amtlich wird erklärt: Der Putschversuch vom 9. November hätte, wenn es nicht gelungen wäre, ihn niederzuMagen, Volk und Staat, Reich und Bovern ins Unglück gestürzt. Die Staatsregie­rung bettagt die Opfer dieser Wahnsinnstat. Die Roichsrcgierung hat »m 9. November die voll­ziehende Gewalt und alle militärische Gewalt auf General von Seeckt vereinigt. Die besonde­ren Verhältnisse in Bayern erfordern, daß bet bayerische Ausnahmezustand unverändert fort besteht und die gesamte vollziehende Gewalt in einer Hand zusammenge- fatzt bleibt. In Beantwortung eines Schrei­bens des Reichskanzlers an den Kardinal­erzbischof F a u l h a b e r in München ist dem Kanzler eine Zuschrift des Kardinals zu- gegangcn, worin erklärt wird, die Kirche empfin­de es als eine Gewiffanspflicht, an der sittlichen Wiedergeburt des Bottes mitzuarbeiten. Der Kmdnal erklärt weiter, daß er die föderali­stische Umgestaltung der Weimarer Ber- saffung für eine staatsmännische Rotwendigke* halte. Er habe nie verhehlt, daß die Treue des bayerischen Bokkös zu seinem Königshaus das Recht der völkischen Selbstbestimmung für sich in Anspruch nimmt. Dies alles dürfe aber nur an verfassungsmäßigem und unblutigem Wege ge­schehen. Der Brief schließt mit dem Wunsch, daß es gelingen möge, tn erster Linie dem deut­schem Botte Brot und Arbett zu geben, mit den Nachbarvöttern zu einem friedlichen Aus­gleich auf dem Boden der Gerechtigkeit zu kommen «nd einen Bürgerkrieg fernzuhalten.

Gegenden drohenöenHunger

Ausgabe wertbeständigen Notgeldes.

General von Seeckt, per Inhaber der voll­ziehenden Gewalt hat wlgende Verordnung am 12. November erlassen:

Der Mir durch Erlaß des Reichspräsidenten vom 8. November erteilte Auftrag, alle Anord­nungen zur Sithorima des Reiches zu ttesfen, ist nur durchzuführen, wenn dem drohenden Hun­ger vorgebengt wird. Der erngctreltne Frost erlaubt feine langen Ueberlegungen mehr. Bevor durch die Sicherung der Währung eine durchgreifende Beffernng der Lebensmittewer- forguna durchgesübrt ist. ordne ich als Inhaber bet vollziehenden Gewalt nachstehendes an:

§ 1. Die Länd er, Provinzen und Kommunen sind berechttgt, wertbestän­dig es N o tgelb zur Beschaffung von Lebens­mitteln auszngeben. Die Ausgabe barf nur zu dem Betrag erfolgen, der v.-m Reichsfinanz- miirifterhnn als gehörig gedeckt anerkannt wird. Das Rcichsstnanzminrsterium wird Anträge der ausgebenben Stellen mit größter Beschleunigung prüfen.

Innerhalb der Ausgabebezirke ist bas Not­geld als gesetzliches Zahlungsmittel anzunehmen.

8 2. Wer die Annahme dieses Notgeldes verweigert ober anbere zur Verweigerung zu bestimmen versucht, wirb nach 8 4 bet Berard nmta des Reichspräsidenten vom 36. Oktober 1923 bestraft.

8 3. Diese Verordnung tritt mit ihrer Ver­kündung in Kraft.

Aus der Versenkung.

ic Hebung vonA 32".

Wie in den RachkrtegSfahren fcten mehrere ehe- mal« beut ete »erfenkle Schiff« von anbeten Rar onc't gehoben und ab-esthleppt worden find, fo haben Esten sich ein beutfdK# Torpedo- boot an.geeigne . Darüber wird n»S berichtet: Gleich toten Schatten lehnen grauschwere Wolken Wer dem gurgelnden Meer, um de» flachen Küstenstreifen von Rohrküll vor Hapsal treiben die Winde ihren Teiiselsspuk. Sterbens­traurigkeit umhüllt das große Trümmerfeld des einsttgen russischen Kriegshafens. Meeresbrausen, Regengswölk und peitschende Winde. Auf tan­zendem Wasserspiegel, hinter Regenschleiern taucht ein formloser Schatten auf. Ist es ein Riesentier aus Meerestiefen? Ein Geisterschiff? Da werden Schriftzeichen an dunklen Flanken sichtbar:A 32"! Durch deutsche Herzen zucken wunde Schläge. Das deutsche Torpedo­bootA 32". Ein Stück zerschellter deutscher Seemacht fand hier an Estlands Gestaden im Jahre 1917 ihr Grab Es war das Geburisjabr derA 32" und wurde auch ihr Todesjahr: zwi­schen den Inseln Ossel und Dago war das deutsche Torpedoboot aus eine Untiefe gelaufen; es wurde von der Besatzung einige Seemeilen weitergeschleppt und in höchster Not verlassen. Seinen Inhalt konnten die Deutschen damals zum Teil in Sicherheit bringen. Sie waren durch den Soelasund in die Kassarbncht gekommen.

Fast zu derselben Zeit gelang eine der gro­ßen Seeoperationen der Deutschen, von denen noch viele offene und gewitzte Kopse im verschla- fcnön '' r cf ? tl J i fr r fr 1 fr*

ten auf Kosten der russischen Flotte erftih- len. Die Russen, die einen Angriff im südlichen Teil der Insel Oesel erwarteten, hielten diese Küstengewässer scharf besetzt. Nun nahmen aber die deutschen Vorpostenschiffe einen anderen See­weg, nämlich durch den Soelasund, um in die Kassarbucht zu gelangen. Hier stießen sie im dichten Nebel auf russische Wachtschifse. Die Russen kamen durchaus nicht ans den Einfall, daß sie es mit Deutschen zu tun hätten, und frag­ten gemütlich und harmlos:Kennt Ihr die Ein­fahrt?" Worauf in gutem Russisch ebenso ge­mütlich geantwortet wurde:Fahrt nur voraus.' So fuhr das ruffifche Wacktschiff voraus, führte die Deutschen hübsch vorsichtig und aufmerksam durch die Minenfelder der Kassarbncht und war höchst verwundert, als es in größter Gemütlich­keit überrumpelt wurde, und der Feind dreist imd ungefährdet landete. Als den Russen der geradezu klassische Irrtum ausging, war es zu spät. Von diesem Heldenstückchen hat kein Hee­resbericht gemeldet und wird auch kein Helden­buch künden. Aber die Russen sind selbst mit die Verbreiter dieses lustigen Seestückchens.

Vor Rohrküll-Hapsal ist in diesem jüngsten Oktobertagen das TorpedobootA 32" glücklich gehoben worden. Es war eine zähe und anstrengende Bergungsarbeit, die in nicht ganz sechshundert Stunden geleistet wurde, trotz­dem sie durch die böse Witterung häufige Stö­rungen erlitten hat. Der Rumpf derA 32" hotte sich tief in den Meeresboden gewühlt, war ver­schlammt. verschlickt. Da aber das Wasser etwa siebeneinhalb Meter Wer das Deck hinweg ge­spült war, hatte das Eis mehrere Winter nur geringen Schaden verursachen können. Die est- ländische Marineverwaltung scheint sich ihrer ge­glückten Bergungsarbeit zu freuen, und die est- ländische Presse erzählt den Lesern alle Einzel­heiten darüber. Sie erklärt, die Hebung hätte sichrn jedem Fall gelohnt", da nur kleine Geld­summen bei denkostenlos zur Verfügung stehen­den Hilssmitteln" nötig gewesen wären. Wären diese Hilfsmittel nicht ansgettieben worden, so wäre eine Hebung gewiß fraglich gewesen, denn für die beiden Pontons, die zur Bergung erfor­derlich waren, hatte das BSrfenkomftee in Riga eine Million Emk Mete beansprucht. (Sin Dol- lar gleich 337 Emk.) Jetzt ist dieA 32" nach Reval geschleppt worden, nachdem sie vor RohrDill-Hapsal vom letzten Schmutz gesäubert war. And in Reval ist die estländische Presse feierlich zu einer Besichtigung des deutschen Tor­pedobootes eingeladen worden. Sie rühmt die großartige Bauart, die technisch vollendete Ein­richtung und erwähnt ausdrücklich als das Neueste an Technik" die Turbineneinrichtung mit Zahnradübertragung. Sie berichtet ferner, wie hoch die Turbinenkraft ist und vergleicht sie mit der des mächtigsten estnischen SchiffesDnnr Töll". Man erfährt, daß dieA 32" mit zwei W-Millftneter-Kanonen und einem Minenappa­rat ausgerüstet ist und daß sie sich großartig er­halten hat.Selbst die Maschine hat nur wenig gelitten und das Leck am Rumpf ist mit Ersen' pflastern langst geheilt.'

Endlich interessiert auch der Kostenpreis und Wer: derA 32", der nach englischen Friedens­preisen berechnet, aus etwa dreißig Millionen §mk sich belaufen soll. Noch drei andere ge- prenate Torpedoboote kennt man hier im Lande, wagt die Hebung jedoch wegen der Kosten nicht. So hat der tote russische Kriegshafen noch einmal eine kurze Zeit arbeitendes Leben gesehen. Müde