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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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Stummer 275

Einzelpreis: 150 Milliarde».

Sonntag, 25. November 1923.

Einzelpreis: 150 Milliarden.

13. Jahrgang

Lim eine neue Reichsreglenmg.

Deutsche Einigkeit?

Der Rcgierungs» und Parlamentskampf.

Reicht Euch, wie wir Alten es 1866 auch getan haben, über die Gräber der auf bei­den Seiten im festen Glauben an ihr gutes Rech Gefallenen hinweg zur Versöhnung die Hände. Unser armes Vaterland bedarf in seiner größten Not doppelt der Einig­keit. v. Hindenburg.

Mit dieser Mahnung, die in den letzten Tagen Genrralfeldmarschall Hindenburg durch die deutsche Presse veröffentlichen ließ, sprach er in Bekundung seiner Vaterlandsliebe, ohne partei­politische Gebundenheit, zum deutschen Volke. Er ist dazu umso mehr berechtigt, als er sich von den Wirrnissen der Politik ferngehalten und den alten soldatischen Geist bewahrt hat, nur dem Volksganzen zu dienen. Seine Stimme verdient auch deshalb ernste Beachtung, weil er ans einer Zeit heraus spricht, die uns zugleich eine Warnung und ein Beispiel sein kann. Er har die Jahre 1864 und 66 mit erlebt, hat ge­sehen, wie damals die Zerrissenheit der deutschen VoWstämme den Bruderkrieg entfesselte und wie danach, als Vernunft die Oberhand gewann, die allgemeine Versöhnung zur Einigung und Größe Deutschlands führte. Wir befinden uns jetzt in einer ähnlichen Zeit wie in den Jahren 1864 bis 66, als Preußen mit den anderen deutschen Staaten in Fehde lag. Glücklicherweise ist es jetzt nicht so weit gekommen, daß, wie damals, deutsche Armeen gegeneinander kämpfen, und -s wird wohl auch nid): dazu kommen, weil das deutsche Volk als Gesamtorganismus innerlich vollkommen miteinander verwachsen ist. Wenn trotzdem ein scharfer Zwiespalt zwischen Preu­ßen und Bayern, sowie zwischen Preußen und ist dieser Stielt doch mir auf gewiss- Bolksteile beschrankt, die nicht berechtigt sind, sich etwa als das gesamte Bayern oder Sachsen zu bezeichnen. In Baye rn ist eS eine rechtsstehende, in Sachsen eine linksradikale Gruppe, di« gegen die von der Reichs- regierung ausgeübte Polst ik der Mitte Stel­lung nimmt. Ihre Ziele sind auch nicht ein Auseinandertreiben der deutschen Staa en, son­dern sie erstreben vielmehr, ihren Willen, ihre be. sonderen politischen und wirtschaftlichen Formen dem ganzen deutschen Volke aufzuprägen. Es ist nur na iirlich, daß dadurch Reibungen entstehen, die zu bedauerlichen Zerwürfnissen Anlaß ge­il eben haben, aber es dürfte nicht soweit kom­men, daß ein gewaltsamer Umsturzversuch wie in Bayern oder Umsturzpläne wie in Sach­sen unternommen wurden. Würde wirklich durch kürzlich ige Heißsporne und Politiker ein Bruderkrieg herausbeschworen, bann kämen wir wieder in das Stadium der beschämenden Klein­staaterei und des wirtschaftlichen Zerfalls. Es würde der Zustand werden, den unsere Feinde, hie Franrosen, herbeiwünschen. Man denke immer an Elemeneeaus brutalen Ausspruch, daß in Deutschland zwanzig Millionen Menschen zu­viel seien.

Welche Befriedigung muß es den Franzosen bereiten, wenn sie den fortwährenden inner­deutschen Streit beobachten. Wie werden Ri sich auch über die politische Komödie freuen, dgß dir deutschen Links- und Rechtsparteien das Kabinett der Mitte voller Wut bekämpfen. Für uns ist es allerdings eine Tragödie, daß d?e Kommunisten und die Deutschvölkischen die Zwietracht schüren, sich geaenseiftg auf- schärfste befrirwen und andererseits doch gemeinsame Sache machen, um die Reichsregierung zu stür­zen. Die Beseitigung des Kabinstts Stresemann ist ihnen in der gestrigen Reichstagssitzung gelungen. Was aber nun kom­men soll, ist noch nicht klar Das Spielen mit dem Gedanken einer Rechts- oder Linksdiktatur ist so töricht, daß man etz nicht ernst nehmen kann. Jede dieser extremen Gruvpen würde, falls sie istre Macht erproben wollte, so starken Widerstand finden, daß an ein geordnetes Staats- und Wirtschaftsleben nicht nt senken wäre. Me die Verhältnisse heute liegen :i das Reich vom aeregelten Gang der Wirtschaft ab­hängig, und so kann die Reichslcktung nur -ch Erfolg arbeiten, wenn alle Gruppen zus» mengefatzt werden können, wenn sie ob"e tiefgreifende Sonderbestrebungen am gemeinsam men Ganzsn Mitwirken. Dies zu erreichen, ist nur eine Regierung, oder sei es auch eine Dik­tatur*. imstande, die vom grüßten Teil der Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Organisationen unterstützt wird und außerdem das ReichshceP zur Seite hat. Man konnte am Kabinett ~'rcfe« mann viel bemängeln, weil es mancherlei er­strebt, ober nicht erreicht bat, aber ob eine neue Regierung, die von den Parteien abhängig ist. erfolgreicher sein wird, ist »ine offene Fraae.

Während der Reg-eruna di« Richtlinien ftir die Innenpolitik klar vorgezeichnet sind, bestehen nach wie vor die äußeren Schwi eri g- keiten durch die französischen Zerstörungsab- ''ichten Voßncars muß allerdings in der letzten .reit wirksame Einsprüche der anderen alliierten

Mächte dulden, die ihn zu einem bemerkenswer­ten Rückzug veranlaßt haben. In der Frage der Mrlitärkontrolle und der Kronprinzcn-RüSkehr besteht er nicht mehr auf seinen vorherigen weit­gehenden Forderungen, aber man muß sich im­mer vergegenwärtigen, daß dies nur Teilfragen sind, die die Schwere des ganzen Versailler Ver­trags nicht mildern. Und doch haben Wir Ur­sache, vom weiteren Gesichtspunkt aus das Ver bältnis der Alliierten untereinander aufmerksam zu betrachten. Es ist nicht« zu verkennen, daß sich in England, Italien und Amerika endlich eine Stimmung gegen die schrankenlose Selbstüber­hebung Frankreichs, also zu Gunsten Deutsch­lands. entwickelt. Dabei Ist natürlich das eigene Interesse jener Länder maßgebend, aber indi­rekt nützt es uns doch. Letzten Endes ist Eu. ropaS Befriedung das gemeinsame Interesse. Das ist die Stelle, an der d e deut sehe Diplomatie einhaken mutz, mit aller Vorsicht natürlich, aber doch ein bestimmtes Zel verfolgend. Um in d'eser Richtung mit Aussicht auf Erfolg arbeiten zu können, ist zunächst Ste­tigkeit im Innern notwendig. K. P. D.

Nach Stresemaans NüMritt.

Das Suchen nach neuen Männern.

(Eigener Drahtberich".)

Berlin, 24. November.

Im Reichstag herrschte gestern nach der Ab­stimmung völlig« Unklarheit über die Wege zur Lösung der Kabinettskrise Von den So- zialdemokraten wurde am frühen Morgen schon mitgeteilt, daß der Reichspräsident, der dem Kanzler die Ermächtigung zur Auflösung des Reichstags gegeben hatte, diese Ermächti­gung aus unbekannten Gründen schon vorge­stern abend zurückgezogen habe. Damit war der Sturz des Kabinetts Stresemann von vornherein entschieden. Es wurden gestern abend noch im Reichstag verschiedene Persönlichkeiten genannt, die für die Nachfolgeschaft Dtre. semannS in Frage kommen, es find dies jedoch nur Mutmaßungen, da über die Wege, die der Reichspräsident in dieser Sache gehen wird, kei­nerlei Mitteilungen zu erhalten waren

e

Vortelsadrer beim JtzeissiByrSflfientkn.

Berlin, 24. November. (Vrivattelegramm.) Reichspräsident Ebert hat gestern abend gegen 10 Uhr den Reichstagspräsidenten und den Zen­trumsführer Geheimrat Marx empfangen. Die Führer der anderen Fraktionen waren für heute vormittag geladen. UmZO Uhr erschienen die Sozialdemokraten unter Führung von Hermann Müller, danach die Demokra­ten und um 10 t!6r die Deutsche Volks- Partei beim Reichspräsidenten. Frühestens heute nachmittag dürfte wohl die Entscheidung d«S Reichspräsidenten über die nächsten Schritte, die er zu »ntörnehmen gedenkt, fallen.

2lus ötr Arbeitsgemeinschaft?

Berlin, 24 November. (Privattelegranrm.f Das Zentrum wünscht, wie dieGermania" schreibt, daß ein neues Kabinett aus den Partei­en der Arbeitsgemeinschaft gebildet wirb, die durch ihre Parteizusammensehung den Anschluß nach rechts möglich machen, sodaß es von den Deutschnationalen unterstützt werden könne. Auf jeden Fall tritt das Zentrum für ein parlamne- tarisches Kabinett ein und lehnt dcm Gedanken an ein unpolitisches Geschststskabinett ab.

<tin Rablnett 6er üIUtteLporleier. ?

Berlin. 24. November. (Eigener Draht- bericht.) Innerhalb der Deutschen 23olfSpartet Hai, wie btcZeit" noch gestern abend schreibt, der Gedanke einer bürgerlichen Koali. tion den stärksten Anhang, doch lehnt die Mehr, heft ein offizielles Zusammengehen mit den Deutschnationale» noch ab. Die Deutsche BolkS- eartei wird ein unparteiisches und unpo- itlschoS Geschäftsministerium nicht ablehnen. Unbedingt ablehnen werben anschelnend auch die Sozialdemokraten ain solches Mtnifterium nicht. Sie rechnen nicht mit einer Wiederherstellung der letzten kleinen Koalition, sondern sind vorwie­gend für die zur Zeit beste Lösung zu haben, eine Regierung der Mittelharteren.

Lmksmöttarer Widerstand.

Gegen die Auflösung der Kommunistenparlei.

(Privat-Telegramm.)

Berlin. 24. November.

Die Aushebung her kommunistischen Organi­sationen im Reich durch den Miliiärbesehlshaber General von Seeckt bat die radikalen Be«

triebSräte auf de» Plan gerufen. In einer großen Versammlung, die gestern abend statt- fand, wurde einstimmig beschlossen, dcm Auf- lösnngöbefehl keine Folge zu leisten und die Arbeiter zur Abstimmung über den Eintritt in den politischen Generalstreik aufzurufen. In den Berliner Betrieben soll die Abstimmung bereits am Montag, im übrigen Reich Dienstag beginnen.

Neue Kanzler-Kanditaten.

Wer wird die Regierung bilden? (Privat-Telegramm.)

Berlin, 24. November.

Wie das Berliner Tageblatt berichtet, wurde in den letzten Stunden vor der Abstimmung leb­haft über die Bildung eines neuen Mini­steriums gesprochen. Die verschiedensten Na­men wurden genannt: Der Reichswehrminister Dr. Getzler, der frühere ReichIschatzminifter Dr. Albert, der Kölner Oberbürgermeister Dr. Adenauer und der roürttem&erqif*e Mini­sterpräsident Dr. Hiebet. Tas Zentrum ließ auf Sondierung immer wieder erklären, daß eS auf keinen Fall den Reichskanzler stellen werde. Vor allem kommt der jetzige vielgenannte Reichsarbeitsminister Dr. Brauns nicht in Frage, der schon aus seiner Stellung als frühe­rer Geistlicher heraus nicht das Odium auf sich laden möchte, im Falle eines Patsches oder Kru- walles auf das Volk sckießen lassen zu müssen. Walles auf das Volk schießen lassen zu müssen, man noch bis gestern abend wer^ns zweifeln durfte, war unabwendbar geworden.

Aus Berliner prestestkmmen Kein Bedauern um das Kabinett.

s$ (Eigener Drahtberichi.)

- Berlin, 24. November.

Dem Kabinett Stresemann wird in den Ber­liner Morgenzeitungen leine Träne nachgeweint. Die Blätter bemerken im allgemeinen, daß noch nie ein Reichskanzler mit so viel schönen Worten und Versprechungen die Kanzlerschaft übernom­men habe und so kläglich mit allem gescheitert fei wie Stresemann. DerVorwärts" stellt fest, daß das Kabinett Stresemann das Kabinett ge­wesen sei, das den Brotpreis von sechzig Millio­nen Mark auf dreiviertel Billionen gebracht habe. Das Kabinett fei ziel- und planlos gewefen, habe schwankend gehandelt, um der Dollarbewegunc Herr zu werben. Das Blatt glaubt, daß nicht diejenigen Männer das Reich in den sicheren Ha­sen bringen, die immer Reden halten und Ver­sprechungen geben, sondern nur jene, die schwei­gen können über das. was sie vorhaben, dafür aber endlich dem Volke die Verbilligung der Lebensmittel bringen. (Sind demVorwärts" Männer bekannt, die das können?)

Die bäurische Fruge.

Zentrum und Sozialdemokraten gegen München. (Privat-Telegramm.)

Berlin, 24. November.

Im Rechtsausfchuß des Reichstages wurde zur bayrifchen Frage einZentrumsanirag angenommen, wonach für den Fall, daß die Ver­handlungen der Reichsregierung mit Bayern über den Ausnahmezustand nicht alsbald zu einem befriedigenden Ergebnis führen, die Entscheidung des verfassungsmäßigen Staats- geri chtshofs über die Rechtsgültigkeit der bayrifchen Ausnahmeverordnungen herbeigefuhrt werden fall. Die fozialdemokratifche Fraktion des preußischen Landtages hatte den Antrag eingebracht, daß der bayrische Aus­nahmezustand mit sofortiger Wirkung auf= ;ehoben Werben solle. Gin anderer Antrag der- elben Fraktion betrifft die Einsetzung eines par­lamentarischen Unterfuchungs-Ausschus- f e S über die Vorgänge am 8. und 9. November. Ferner wird beantragt, daß sämtliche Staats­beamte, die bei der Vorbereitung und Durchfüh­rung des Ludenborsf-Litler-Putsches beteiligt Waren, vorläufig außer Dienst gestellt werden.

AusLhüringenunöSochsen.

Weitere Tätigkeit ber Reichswehr. (Privat-Telegramm.)

Weimar, 24. November.

Entgegen der bereits verbreiteten Nachricht, daß verschiedene Formationen ber Reichsweh, wieder von Weimar abrücken, erfährt der Thü­ringer Landesdienst einer Pressekorresponden-,, daß lediglich ein Abzug von verschiedenen Stä- den in Betracht kommt, die Reichswehr selbst aber in Weimar verbleibt. Aus Dres­den wird gemeldet: Die Reichswehr ist in Auerbach und Falkenstein eingetroffen. In Falken stein wurden fünfzehn Personen ver­haftet, die größtenteils ber Kommunistischen Partei angehören. Der Geschäftsführer vom Textilarbeiterverband in Klingenthal fowie ber Stadtverodnetenvorsteher Schlotte, sämtlich Mit­glieder der Bereinigten sozialdemokratischen Partei, wurden ebenfalls verhaftet.

MangrlndeSichechkit

Zustände im heutigen Berlin.

Da-> Schwind«» be* Hutoritat nnb Me Slot ber Seit hat in den ®r»6ftäbteu Me »ffent. I chs Sicherheit start vermindert. ®e schreibt OKo1« SRuni äber da« unruhige 'Berlin bc« Rachsolgenbe im Berliner Letalanzeiger ; Man braucht bloß vor einer Anschlagsäule haltzumachen, die neben der Verbreitung von Boxkämpfen, Nackttänzen und anderen höchst er­zieherischen Volksbelustigungen der Aufnahme von kriminellen Fahndungsanzeigen dienen. Es sind ihrer so viele, daß man unschwer die Si­syphusarbeit der Polizei ermessen kann. Aber trotz aller ihrer Hilfsmittel, trotz ihrer um­fangreichen Archive und findigen Detektive for­dert ber Tod von Berlin immer neue Opfer. Der Hydra wachsen mehrere Köpfe, wenn man ihr einen abschlägt Der kranke WirtschaftSkörper ist ein furchtbarer Nährboden für die Bakterien des Verbrechertums, und ein lokaler Eingriff bringt keine Heilung. Trotzdem darf es so nicht weitergehen. Man kann nicht mehr sein Haus verlassen, ohne befürchten zu müssen, es bei der Heimkehr ausgeplündert wiederzufin­den. Man darf nächtlicherweile keine Straße be­treten, ohne gewärtig zu fein, um die nächste dunkle Ecke gebracht zu werden. Ueberfülle auf dem Kurfürstendamm sind an bet Tagesord­nung. Der Passant ahnt nichts Böses und sieht sich plötzlich einem Mann gegenüber, der ihn seines Ueberrockes und feiner Brieftasche ent­kleidet. Das Hansaviertel wird seit Monaten von einem Fassadenkletterer beunruhigt, und in Steglitz, in Lichterfelde, in Dahlem, in Zehlendorf und in anderen Vororten wird es bald kein Haus geben, wo nicht schon Einbrecher wüteten. Kinder werden bet helllichtem Tage auf offener Straße ausgeraubt,

und junge Damen von den Fahrrädern gerissen. UebeWll. taucht der Rowdy auf oder derGentle- manverbrecher", der bei der Ausübung seines Gewerbes sogar mit Sophismen und Nihilismen aufwarten kann. Zur Verbrecherromantik ge­hört, daß an der nächsten Straßenecke ein Auto wartet. Und neben dem Hauptakteur gibt eS selbstverständlich Statisten, denen die bescheidenere Aufgabe zufällt, Schmiere zu stehen und beim Transport des geraubten Gutes mitzuhelfen. Die Preise für das Kino sind teuer geworden; aber man kann jetzt bie gleichen Sensationen ha­ben, wenn man spät abends die Straße passiert. Freilich riskiert man, den Genuß mit dem Leben zu bezahlen. Die Polizei ist ost weit und breit nicht zu sehen und kommt erst, wenndas Opfer liegt und die Raben steigen nieder". Es trifft sie sicherlich keine Schuld.Der" Schupo, dem umfangreiche Häuserviertel zur Bewachung ob­liegen. kann nicht an mehreren Orten zugleich fein: Man hat auch bie Sicherheit abgebaut, itnb es fragt sich am Ende, ob der S chutz d e r G e - fetze, den der Bürger genießen sollte, wcht doch über alle Sparsamkeit hinausgehen müßte. Was kann geschehen? Soll bie Bank­notenpresse stillaeleqt und mit dem Druck von Wasfenpässen beauftragt werden, damit ber Bür­ger neben seiner Brieftasche den Revolver mit sich führen kann? Sollen die Wohnungen mit SicherheitAvorkehrungen ausgestattet werden wie sie von ber Polizei gern gezeigt und wegen ihrer hohen Kosten nicht mehr angeschafft werden, kön­nen? Alle Ausnahmezustände, auch wenn sie zur Regel geworden sein sollten,

erfordern Ausnahmevcrlügungen. .

Im Kriege hat es ein Standrecht gegeben. Wir leben im Kriege. Der Tod schreitet durch bie Stadt, und die Menschen sterben am Wege, gleichviel, ob sie der Hunger zu Boden streckt, oder noch vorher eine tückische Kugel umwirft. Sterben müssen wir, aber wir wollen uns nicht drängen lassen. Für die Bekämpfung des H u n- gers werden und müssen alle Kräfte mobil ge­macht werden, für die Sicherheit der Perfon und des Eigentums geschieht jetzt viel zu wenig. Es wird nicht einmal eine Besserung der Stra­ßenbeleuchtung ungeordnet, tie vielleicht schon geeignet wäre, das Treiben mancherlicht­scheuer" Elemente alnuwehren. Die Theater, die Restaurants und Kaffees werden gemieden, und bie Arbeitslosigkeit läßt sich dort nieder, wo früher eine blühende Fremd enindustrie ihre Nah­rung fand. In Hamburg werden Menschen vor das N'rsnahmegericht gestellt, bie aus Hun­ger ein Pfund Brot gestohlen haben. In B er- l i tt lausen Mörder. Einbrecher und Fassadenklet­terer oft keine große Gefahr, weil die Entwer­tung des Geldes auch eine Entwertung ber bür­gerlichen Moral und des Strafgesetzes mit sich gebracht hat. Man wird aber mit dem Wieder­aufbau der persönlichen Sicherheit nicht matten dürfen, bis der Wiederaufbau der Wirtschaft im Gange ist. Der Tod von Berlin schreit nach Ab­wehr. Es muß etwas geschehen?

Da« Notgeld neun wie vor vollwertig.

Eine amtliche Mitteilung.

Die kürzlich veröffentlichte Nachricht, daß die Reichs bank vom 22. dieses Monats ab Not-