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Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

13. Iahrga«g

Diens ag, 27. November 1923

Nummer 276.

Einzelpreis: 150 Milliarden.

Einzelpreis: 150 Milliarden.

Sie Versuche zur Regierungsbildung

WiMrurmselenö im Sandel

Dix Zustande in den Berliner Markthallen.

..te Siatieur l'ieucben ad.rtd'ten erfaieinen irncfientlr 'eai«mai natt.m ttagä. Der Abonne- mentSpreis btir-.gtfür 6te Woche oom*. "Ion. 6 8 2. Dez 800Milliarden ue. ircter ;?ufieUunr in» Hau ,in der uiefa/attbui.e abgeholi '70 JlUiattiei. Bettellunge-: .jetoer jeder»,i: entcerm. genommen. Verlag und Redultion: g/lach:bofftrgß: 28/80 sternfprecher Nummer 951 und 951 rur mtoerlangc eingefanot« Beiträge kann die 'itebattton em» eranr. roortuna oder <Sernähr tn keinem 'alle übernehmen. Inckjahlmig des BerugOgelbe« oder -Ansprüche wegen etwaiger nicht ordn ingsmättger Siekerunq tft auSgefd)[offen. PoMcheck »kranlfurt a M 8380. Druckerei SchiachtiwI'tr. 28/30. eefd)äft#fleUe: Kölnis che Str. >,

Noch keine neue 'Regierung.

Ergebnislose Beratungen am Sonntag. (Eigener Drahtberichr.)

Berlin, 26. November.

Am Sonntag wurden die Besprechungen der Parteiführer beim Reichspräsidenten Ebert fort, gesetzt Nur die Sozialdemokraten nahmen daran nicht teil, da ihre Führer, Germann Müller und Wels, Berlin verlassen hatten. DieWelt am Man ag" glaubt heute früh an die Möglichkeit einer Rülkkehr de? Kabinets Stresemann. In diesem Falle würde Stresemann eine Koa- lition ohne die Sozialdemokraten zustande zu bringen versuchen. Tatsächlich ist Stresemann ge- stern noch einmal gefragt worden, ob er geneigt sei, die Neubildung des Kabinetts zu überneh­men. Er hat ff di jedoch noch nicht dazu bereit finden lassen. Es ist nicht »u erwarten, daß vor heute mittag oder nachmittag etwas Entsäieidrn- des zur Lösung der Krise geschieht. Die S o < zialdemokraten haben übrigens am Sonn­abend Herrn Ebert gegenüber erklärt, daß die Deutschnationalen zur Uebernahme der Regierung moralisch verpflichtet seien. Die viel umstrittene Frage der Reichstagsauflö-

gangen. 8eigner verneinte jedoch nicht, daß er einen Teil der unrechtmäßig erworbenen Devi­sen erhalten und für eine Vergnügungs­reise in die Schwei, verwendet habe. Zeig- ner erklärte, daß auch die a n d e r en Mitglieder feine? Kabinetts Geschenke und Aiffmerksamkei. ten in vielen Fällen entgrgengenommen hätten. Besonders fdwer belastet ist der frühere Poli- zeivräsident. Der Antrag Feigners auf Haftent­lassung wurde abgelehnt, da mit Zuchthaus be. drohte Verbrechen Olegenstand der Untersuchung seien und deshalb Fluchtverdacht begründet sei-

Gin neuer Versuch?

Der frühere Reichsminister Albert beauftragt. (Eigene Drahtmeidung.)

Berlin. 26. November.

Da sich in den gestrigen Besprechungen beim Reichspräsidenten herauSgestellt hat, daß eine Koalitionsregierung nicht zustande kommt, hat Herr Ebert den früh."en Wiederausbauminister Albert mit der Kabinettsbildung beauftragt. In dem Schreiben Eberts heißt rS:Ich sehe nur die eine Möglichkeit, eine Regierung be­währter Männer zu bilden, die entschlossen sind, unter Zurückstellung von persönlichen und vartei- uoliftschen Rücksichten Hre ganze Kraft für die Lebensnotwendigkeiten unseres Landes ein,tu» fetten. In dieser schweren Stunde appelliere ich nochmals dringend an Ihr vaterländisches Bftichtgeftihl. Ohre mir geäußerten und auch von mir gewürdigten Bedenken zurückzusetzen und die Bildung einer solchen Regierung »u über, nehmen." Anschließend batte der Reichspräsi. deut eine Bcsu.rech'mg mit dem Reichsminister Albert, -n d-r->u sn-rmtf M*fer den Auftrag zur Kabinettsbildung übernahm.

dir sich nicht zu helfen weiß, ist gleichbedeutend mit Neustärkung der radikalen Tenoenzen, die. aus der ] ovalen* wirtschaftlichen und nationa­len Unzufriedenheit erwachsend, den Umsturz epstrebm. S.

Die Nenlenpfennige.

Neue Münzprägung.

Sn aBeenä<6fte» Zeit schon foO, ka kio Renton, tu art (Papiermart einoeUhrt ist, anch ko» 9tenten]»fe..nig (Metall) kern Verkehr übergeben werden. Leder die -erstellnng in kn staat­lichen Miinze wirk uns Folgende« der chter,

In der staatlichen Münze in Berlin herrscht Hochbetrieb. Vom einfachen Arbeiter -bis zum iCircftor sind alle Hände voll beschäftigt, die neuen Rentenpfennige. Zweipftn. nige, Fünf Pfennige, Zehnpfennige, Fünf- z i g Pfennige, dem Lichte der Welt. d. h. in die­sem Falle der Reichsbank zu übergeben, die die Zuteilung an die Bevölkerung besorgt. Und auf den Lippen aller Besucher, die bisher in die Münze kommen, schwebt die bange Frage: Wird sie Rentenpfennigerzeugung Schritt halten mit dem Bedürfnis der Bevölkerung oder itnrb auch dieses Hartgeld wie"o viele seiner Vorfahren in irgendwelchen Hamstertaschen verschwinden und wird das Portemonnaie weiter m Unehren ge­lassen werden? Mit Ueberstunden wird in den Werkstätten der Münze gearbeitet. Seit acht Ta­gen werden täglich etwa sieben Zentner Ein­pfennigstücke, dcis heißt etwa 150000 Stück, her- gestellt. An einzelnen Tagen ist es etwa- we­niger, an einzelnen etwas mehr, wie gerade das Metall geschweißt ist. Don den Hirsch-Kupfer- Aerken (Reinickendorf), vom Mansfelder Berg:- bau, Heddernheim, kommen die Kupfer-. Alu­minium- und Zinkblocks. Aufgestapelt liegen sie m Tresor.

vordanvrn sind wie Ne vieumch, iy20 vrr ">e- j sinnung des Volles entsprach. Heute aber , würde bei einer Neuwahl manche Verschiebung , stattfinoen. In diesem Mißverhältnis -wischen ; Rüchstagsmeinuna und voliwcher Notwendig- 1 feit liegt die Unfähigkeit des Reichstags. >u ge­stalten. Ebenso ungünstig »wäre die Lage, wenn ein Beamten!-, binett mit parlamentarisch-" Dm- dung oder gar etne Wederkehr einer fr»fieren Koalition in die Erscheinung träte. Was könnte diel? Regierung tun? Sie würde sicherlich un- ' ter radikalem Einfluß stehen und den Bela- : -e-ungszustand abbaurn. Di« Folge wäre die:, ' fei fit ein Konflikt mit den Rechtsstehenden, i sicherlich aber ein Stocken aller Maßnahmen, eie i wr Sanierung unserer Währung und Wirtschaft ' schon in Angriff genommen waren.

^as kranke Fundament unserer Politik ist ine Wirtschaft. Teile dieses Fundamentes, die sogenannten Sachwette, berausreif.en und in den Racken deS Defizits werfen, lediglich, um den schematischen Achtstundentag aufrechtzuerhalten, wäre eine verhängnisvolle Politik. Gerade weil wir zu roenia produzieren, und vor allem di.- Produktion selbst mit im Parlament ausgeklü­gelten Lasten versehen haben, sinv wir ans der Weltkonkurren, auSgeschalt et und itrtere Bettiebe finden heute feine ^et'iebe- mittel mehr. Wie will die Reaieruna z. B. veeisgsstaltend wirken, wenn der fleme Händler demnächst nicht mehr so viel Betriebskapital bat. um neue Ware einzukeufen? Weil w-.r zu teuer produzieren, weiter unter dem Papiergeld- schwindel stockt imsere gesamte Wirtschaft und haben wir die Massen der Arbeitslosen. Das Wtttfchaflsprogramm, wie es Sttesemann am- . gestellt, von den Linksvatteirn aber verworfen wurde, ist der eigentliche Anlaß der Krise tnt Reichsparlament Dieses Wirt'schaftSvro. g r a m m war aber die notwendige unerläßlich« Ergänzung der Währungs« und Finanz­reform. Wird von diesem Programm abge- gangen, dann wird die neue parlamentarische Regierung mit allen Mitteln dabinftteben mm- sen. schon um toer die nächsten Wocken binwea- znkommen, die Rotenvresse wieder 'm ihre Ge- walt zu bekommen. Wiederkehr der alten Koa­lition mit den alten uno nickt aufoegebenen Programmpuntten ist Wiederkehr einer neuen Inflation. Es gibt kein anderer Mittel, um di« Politik nach dem Sinne einer solchen Regie­rung tu gestalten.

Das ist das Furchtbare drr Lage. Jede tut- jetne Partei bat darum innerlich vor der Ent. scheidung gebangt. Mit Ausnahme der Deutsch, nationalen, die sich im Prinzip für die national: Diktatur, zwar für Sttesemanns Metbode (nvfl für feine Person, weil sie die Methode mcht scka-s genug vurchqeführt hättet ansspracheu. hat keine der Orpofltionspatteien Andeutungen gemacht, wie sie die Politik gestalten will. Aber die deutscknattonale Absickt ließe sich wegen des Widerstandes der Mehrheit nicht durchfuhren. Eine ziellose Polittk in dem Augenblick, da bte ReformtÄigkeit bereits begann. Wiederkehr d:r alten Methoden, die der Reichstag durch da» Ermäcktigungsgeseh selbst alS abgebraucht und schädlich verworfen hatte, hieße die Unachen der Anarchie, in der jetzt Deutschland liegt, noch vermehren. Erne neue Parlamentsherrschaft,

v. scarnorff q«Keltert.

Berlin, 26. November. (Privattelegramm.) Ter erste Versuch zur Neubildung der Reichs­regierung, der durch den Auftrag des Reichs. Präsidenten an Herrn v. K a r d o r f f unternom­men wurde, ist bereits wenige Stunden später gescheitert. Die deut sch nationale Frak­tion ließ Herrn von Kardorff mittrilen, daß sie ich nicht an einem Kabinett unter seiner Füh­rung beteiligen könne. Die Gründe dafür liegen in der gekamtpolitischen Einstellung des Kanzler, kandidaien, der bekanntlich früher der Deutsch- nationalen Partei angehörte, vor drei Jahren aber zur Teuschen DolkSpartei übertrat und sich schließlich nach links entwickelt hatte.

Di« dllrsrrftivrn Parteien.

Berlin, 26. November. (Privattelegramm.) Der deutschnationale Abgeordnete Hergt hat sich einem Vertreter deS Berliner Lokalanzeigers aegenüber geäußert, daß die Deutschnativ- nalen bereit feien, mlls sie aufgefordert würden, die Kabinettsbildung zu übernehmen. Die erwarten allerdings, daß sie dann gleichzei- ttg die Ermäckttgung zur Auflösung deS ReickStaaeS erhalten Aber auch obuedteS wür­den sie den Auftrag übernehmen. Mittlerweile haben die Demokraten und das Zentrum erklärt, daß sie aus ihren Reihen einen Kanzler nicht stellen werden.

Frankreich gibt keine «rleichiernng.

Paris, 26. 'November. (Eigene Drcchttnel- dung.)Journal des Debats" bespricht in fei­ner letzten Ausgabe den Kanzlerwechsel in Deutschland. Das offiziöse Organ nennt die zu- rückgetretene Regierung Stresemann die Regie­rung ziel- und wertloser Experimente, um Frank, reich von feinen Hauptforderungen abzubringen. Stresemann hätte als erfahrener Politiker wissen müssen, daß Frankreich keine Konzes, sionen an Deutschland ohne Bezahlung des letzten Pfennigs zugestehen würde.

Der 3eigner-6lanöaL

Ein teilweises Geständnis deS Angeklagten. (Privat-Telegramm.)

Dresden, 26. November.

Der frühere Ministerpräsident Dr. Zeig «er hat im Untersuchungsgefängnis in Leipzig ein teilweises GeständntS abgelegt. Er aab die Annahme von Geschenken in über sechzig EmzelfäUcn zu, da er in großer finanzieller Be- drängnis gewesen sei (?) verneinte jedoch, alS Gegenleistung amtliche Begnadigungen zugestan- ben zu haben. Auch die Depot, und Deviseube- ' kchlagnahmnngen bestreitet Zeigner bis jetzt. Diese Berfel?lungen hätte der frühere Polizei- präsident von Dresden. Brandler, persönlzch be-

Der Gang ihrer Bearbeitung

.st etwa folgender: Die Zaine, d. h. die recht­eckigen Dtetallklumpen, die ans den Blicks ge­schnitten werden, werden gewalzt und gelocht. Die so her gesellten Stücke werden bann provi­sorisch gereinigt, aussortiert, gerändert, hiernach ins Prägswerk, weiter zur Abwägung und chließEv nach dem Zahlamt, wo die Stücke ge­zählt und gebeutelt werden, und von wo ste plombiert ihren Schlußweg im internen Krei­der Münze nach der Kaffe autteten. Der Laie staunt, wie schnell und übersichtlich sich dieser Herstellungsgang abspielt. Und doch in keinem »er technischen Betriebe irgendwelche Haft oder Ucberstürztmg. Oft sitzt so ein Arbeiter gewisser, maßen mitten in einem Zweipsennghaufen. um ihn herum liegen die goldig-glänzenden Stücke, und eS sieht aus. als wenn Spielmarken aufge- schfchtet wären, die nur auf die Kinder watteten. Seins der Stücke geht verloren; schon kommen rudere Arbeiter und sammeln das Metall (eS sind Stücke. die noch nicht geprägt und nicht ge­reinigt sind), um sie von neuem nach der Schwei­ße zu befördern. Mit der Herstelltmg von 10» und 50-Pfennigstücken hat man sich bis heute noch nicht beschäftigt Man will erst einmal ge­nügend kleinstes Rentengeld anfertigen, um dem gehaßten Kleingeldmangel vorzubeugen. Ne­ben Berlin arbeiten mit Hochdruck die wette­ren staatlichen Münzen in Hamburg, Stuttgart, München, Karlsruhe und M u l d en h ü t t e. Alle Mann sind in den Mün­zen auf Deck, um diesmal ganze Arbeit zu lei­sten und endlich einmal eine Finanzgesundung vorzubereiten. An Metall ist kein Mangel. Die Schwierigkeiten, die man in den letzten Tagen mit der Kupferzufühttmg hatte, sind behoben. Auszahlungen an Banken beispielsweise sind be­reits in Rentenpsennigcn erfolgt. Mögen die Tag« deS Portemonnaies bald gekommen fein!

Sturm aus die Reichsbank.

Der Umtausch von Papiermark in Ren­tenmark hat am 15. d M. begonnen, und Mar 'winde, wie vorauszuseben war, hiervon gleich in sehr erheblichem Umfange Gebrauch gemacht. Die Reichsbank hat an sich nichts damit zu tun, stellte aber bereits am 17. November ihre Schal­ter in dem Hauptgebäude des Kontors für Wert­papiere in Berlin zur Verfügung, und es dau­erte nicht lange, so entwickelte sich dort ein Ver­kehr, wie wir ihn vor kurzem vor den Verkaufs­stellen für Dollarschatzauweisungen und Geldan­leihe erlebt haben: Draußen die bekannten lan­gen Schlangen, drinnen Kops an Kops die Menschen. ®Ht großen und kleinen Paketen, mit Taschen jeglichen Formats, mit Körben, die ihre Herkunft aus Fisckhandlungen, Kolonial- Warengeschäften und ähnlichen für die Umstehen­den besonders merkbaren Bettieben nur zu leicht verrieten, rückten sie heran, um den Inhalt an mehr oder weniger appetitlichen Papierscheinen auf den Tisch des Hauses anszuschütten und da­für die neuen sauberen Rentenmarklcheme m Empfang zu nehmen. Welche enorme _ Arbeit »llkin schon dazu gehört, diese Pakete usw. auf hre Richtiokeit bin zu prüfen, davon macht sich per Fernstehende kaum einen Begriff. Täglich kommen neue Mengen der Rentenmark, scheine in den Verkehr, und bald dürste bte vernünftige Nachfrage befriedigt fein. Man darf auch nicht vergessen, welche enormen Massen täg­lich in die Provinz ab gehen, wo ein nicht mitt»

Süniet ienpreife: <B r u n f p r e t « für bie Ze le 60 W. art, für fRetlamen 200 Mart mal Tchlüf. feUaüI u da« deutsche Z-Nuaa«aew rbe z. 3t. 140 > 000000), auf flamMm-m,eigen unb «eine Sn-eigen 5 »/ N .chlad. Auf alle nicht bis zum Arnd de« auf den Ausgabetag f olgende, Tages bezahlten Anzeigen erfolgt ein Rechnnngllau schlag von IO0/«'- dieser Rechnung»- er eltun istk r Betrag inner mlb Tagen zu zaile i. fach Äbtau- dieser Frist ist Mt Unzeigen- grunoaret mit6 >n am -sahfungLtage üiitigei Anzeigmfchlusselzuve vielfachen. Laufende An­zeigen werden .nU d.-nt Tages,eil . pr.'liS berechnet zur die Rlchtigtelt aller durch i«ernsprecher unfgegeaenen Anzeigen, oroie für Aufnabmedaten und Plähe tann nicht garantiert werden.

(Sin dunkler Weg.

Reichstag und Politik.

Die Ratlosigkeit des Reichstags hat ein, dabei negatives, Ziel: Sturz einer Person. Hierum drehte sich der Redekampf der letzten Tage. Ob Wels oder der Multimillionär der Friedenszeit, der Raüikalsozialist Rosenfeld, die sozialistischen Auflagen formulierten, ob Scholz von der Deutschen Volkspartei, Hergt für die Deutschnationalen, der Domkapitular Leicht für oie Bayerische Volkspartei oder Erkelenz spra­chen, immer wieder war der Weisheit letzter Schluß: Aus bieiiem Reichstag heraus kann keine aufbau ende Politik mehr ent­stehen. Der Versuch Stresemanns, ge­gen den Reichstag AusLauarbeit zu leisten, ist mißglückt. Man vergegenwärtige sich, was Stresemanns Programm war: Umstellung des Staates auf die ökonomischen Notwendigkeiten. Also Vermehrung der Produttion, Deschneid t'to des Verwalt'.mgsapparates, Einrichten nach dem Gelde das dem Staat künftighin zur Verfstg-- ung steht. Nebenmittel sind: Belagerungszn- stanv, Kampf gegen die Extremisten. Ta aber jede einzelne Maßnahme das Programm irgend einer Parier verletzt, deren Wäh.er trifft, vor allem aber, da gewisse 'Parteien immer noch an ihren vergeblichen Hoffnungen festhalten be- zeich-nend dafür ist der Abgeordnete Erkelenz, der am Freitag an die französischen Demokra­ten und an die liberale Tradition Frankreichs appellierte mußte der Kampf mit einem Phr- rfinssiea dieses Reichstags und seiner Tendenzen enden. Da der Reichspräsid-ent Ebert Sozialist ist, kann er nickt bis zum letzten geben und den Reichstag auflösen. .

Mr haben das groteske Bild, daß di: Par­teien des RetchPags in einer Zuscimmensetz mg

sung zwecks Beendigung der Parlamentskrise/.Widerstände mackzen fich^bereits bemerkbar.

ist am gestrigen Sonntag un Reichstag m.hrsuu, erörtert worden. Die Parteien glauben nicht, daß eS möglich ist, Brikel 48 zufolge den Etat durch neue Steuern balmtzieren zu können.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 26. November.

Die völlige Zerrüttung der annzen innerpoli. tischen Lage wird tnb'tr* grell be'-'tchtet. daß am Sonnabend in den Berliner M a r k t h a l len fast alle cua der Umgegend gekommenen Rerk'n'er sich meinerten, Rentengeld in ^mpwno zu nehmen. Sie verlangten attsschließ- lick Devisen. Sflbst Eier, die »iS vierhundert Milliarden Mark kosteten, wurden nur gegen Devflen abgegeben Da« empörte Publikum, dos die Polini herbeibolte, mußte sich von den Be­amten ritten lassen, daß sie erst Mc Rechtmäßig feit des Rerkftttta ireo-n Devisen von der PreiS- Prüfungsstelle prüfen lassen müßten Ein sofor­tiges Eingreifen wurde abgelehnt.

2fusf<6reltiina Wege« vrrlsrrdvdung.

Berlin. 26. November. (Privattelegramm) Ohne Rücksicht auf den Stillstand des Dollars sind nm Sonnabend alle Preise ht den Markt­hallen Berlin? fastverdoppelt worden. In einzelnen großen Marfthallen kam es deshalb tu stürmischen Auseinandersetzungen zwischen Ländler und Publikum. Die Erregung wegen der völligen GleichgülttAeit der Regierungs- organe ist sehr groß. In Reinickendorf und Tfleißensee kam es zu Plünderungen.

Ausschreitungen an derRuhr

Hungersnot und Plünderungen.

(Privat-Telegramm.)

Gelsenkirchen, 26. November.

Die Unruhen in Gelsenkirchen haben eine Ausdehnung erfahren und bereits zahlreiche Opfer gefordert. In Geffenkirchen sind bisher sechs Tote zu verzeichnen davon drei in Rott- hauftn. In den KrankenhSusern befinden sich über zwanzig Berwundete,die zum Teil schwer verleg nnd, darunter auch einige Frauen tmb Kinder. Diese Zahl gibt aber durchaus kein NareS Bild der wirNichen Opfer, denn eS ist auch der Arbeitersamariterdienst in Tätigkeit. Außer­dem ist ein großer Teil der Verwundeten nicht in d'e Krankenhäuser, sondern gleich in die Woh- nun"en gebracht worden. Biele Bäck-r-, SchtSch- ter- 'unb Kolonialwarenländen wurden ausge­plündert, auch Bäcker- und Gemüsewagen.

(Süruna In drn Städten.

Essen, 26. November. (Privattelegramm.) Im ganzen Ruhr gebiet herrscht eine außer­ordentlich große Erregung, weil die starke Geld­entwertung der letzten acht Tage in einem gis­sten Mißverhältnis zur Teuerung mW zu den Löhnen steht. Namentlich ist der B r o t p r e i S ganz außerordentlich gestiegen. Ein großes Brot kostet zwei Billionen, während viele Ar­beitslose nicht einmal diesen Betrag ausgezahtt bekommen haben. Infolge dieser Stimmung kam eS i» verschiedenen Städten zu einzelnen Demonstrationen, die von den Fran­zosen mit dem Kolben gesprengt wurden.