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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Stummer 280

13* Jahrgang

Sonnaöend, 1. Dezember 1923.

Einzelpreis: 150 Milliarden.

Einzelpreis: 150 Milliarden.

Vie Schwierigkeiten für die Regierung

i

Die Zahl des Nachwuchses sinkt

trauvnswürdiger Quelle in München erfahren

Inhaftierung Ludendorffs getroffen würde«.

Französische MederaufbauvorfchEsfe.

Genf, 30. November. (Privattelegramm?, Der Matin meldet: Der der Kammer zugegan- genc Reparationsbericht des Kabinetts schließt mit einer Grfamtfordrrung an Wiederauf, bauvorschüssen zu Lasten Deutschlands von insgesamt zwei Milliarden Franken.

fort ein Bcflerwerden der deutschen Marl in London und Rcwyark zur Folge gehabt. Beson­ders der Newporler Markt reagiert auf ein Auf­hören der Soz alflierungs- und Enteignungsver. suche in Deutschland. Die liberalen Londoner Kreise erhoffen von einem reinbürgerlichon deut­schen Kabinett eine Berstär'nng der ong scheu Stellung aeaen die französisch^ Annektionsbewe­gung im Ruhrrevir und Rheinland.

Bayrische Vorgänge.

Um die Schutzhaft des Abg Dr. Roth. (Privat-Telegramm.)

München, 30. November.

Ter ständige Ausschuß des Landtages hat gestern einen Antrag der Bayerff^-n Mittel­partei ,den Ersatzmann des Ausschusses, den Abgeordneten Dr. Roth, aus der durch den Generalstaatskommissar über ihn verhängten Schutzhaft zu entlassen mit Stimmen. Gleichheit abgelehnt, lieber die Gründe der Verhängung der Schutzhaft wurde von Regie­rungsseite mitgeteilt, daß Dr. Roth in Bamberg eine aufreizende Rede mit unwahren Behaup­tungen über die Vorgänge in München gehalten und von Kahr beschuldigt hat, an dem Blutbad in Münchne Schuld zu sein. Da zu befürchten war, daß Dr. Roth auch in den Kampfverbän- den sich in derselben hetzerischen Weise betätigen würde, sei die Schutzhaft verhäuK worden.

Marx mit Mrefemann.

Berlin, 30. November. (Privattelegramm.) Die Verhandlungen des Abgeordneten Marx über die Kabinettsbildung stehen vor dem Ab­schluß. Voraussichtlich wird Dr. Mar- schon beute mittag dem Reichspräsidenten d-e Mini- ierliste überreichen. Dr. Stresemann hat ich auf das Ersuchen der Parteien der Arbeits­gemeinschaft bereit erklärt, die auswärtige Politik zu führen. Außenpolitisch wäre dem­nach die Richtung des neuen Kabinetts vorge­zeichnet. Dr. Marx hatte sich zuerst an Strese­mann gewandt und von dieser Zusage die Ueber- nahme der Kabinettsbildung abhängig gemacht.

Scharfe VerorSnungen.

Die Polizeivorschristen für den Kleinhandel. (Privat-Telegramm.)

Berlin, 30. November.

Der preußische Minister des Innern gab den Polizeiverwaltungen Auftrag, gegen alle Händ­ler und Kaufleute schärsstens einzuschreiten, die Waren nicht verkaufen wollen, weil sie nur gegen wertbeständige Zahlungsmittel oder gegen De­visen Neuanschaffungen vornehmen können. ES soll im Wiederholungsfälle die sofortige Schließung der Geschäfts lokale erfolgen. An Ber­lin haben gestern in der inneren Stadt Polizei­razzien in den Lebensmittelgeschäften begonnen. Das Amtsgericht Werder verurteilte einen Händ­ler, der die Abgabe von Eiern und Butter nur gegen Auslandsgeld vorgenommen hatte, zu 1 Jahr Gefängnis bei sofortiger Verhaftung.

Segen Lubendorss.

Köln, 30. November. (Privattelegramm.) DieKölnische Zeitung" will aus durchaus ver-

Volkspartei, Zentrum und Demokraten) ein neues Kabinett zu bilden imb --war unter Rüh­rung dos Zentrums. Voraussetzung für dieser Kabinett, daz allein über keine Mehrheit im Reichstag verfügt, wäre, daß die Sozialdemv- frort to-e Fraktion sich in Wohlwollen der Neutra- lttät verhalt. Bestimmte Zusagen Hierüber ha­ben die Sozialdemokraten noch nicht »»"eben, da deren Fraftionsleitung die Mitglieder der Frak­tion erst für heute nachmittag telegravhisch zu einer Fraktivnssitzuna gerufen bat.

Herr Marr begab sich im Laufe des Nach­mittags zur Besprechung der Lag» zum Reichs­präsidenten. DerVorwärts" schreibt in seiner Isbendnummer vom Donnerstag, daß nach dem Scheitern des Kabinetts Stegerwald nur die Bildung einer Regierung übrig bleibe, die von der Sozialdemokratie unterstützt oder geduldet werde. Ob die Sozialdemokratie an der Rrgie-

Die Seutfiö nationale et.

Berlin, 30. November. iPrrvatwlegramm.) Die Sensation des Kabinetts Marr ist die Be- ruftmg deS dentschnattonalen Reichstagsaügc- ordneten Schiele in das Kabinett. Dr. Marx hat gestern abend erklärt, er habe Schiele ars hervorragenden Fachmann kennen gelernt und ihm deshalb das Reichsminißerium Mr BolkS- ernährung und Landwirtschaft angeboten. Dr. Schiele hat noch gestern die deuffchnationale Fraktton des Reichstags befragt. Die Fraktion gelangte aber noch zu keinem ittttsckluß, da sie beabsichtigt, vor ihre endgültigen Stellungnahme den Reichslandbund anzuhören. Sie bestehen vor allem auf einem rein bürgerlichen Kabinett.

rung direft beteiligt sein soll,: oder ni*t sei eine Frage zweiter Ordnung. Schließlich hat Dr. Marr sich bereit erklärt, die Kabinettsbildung zu übernehmen. Mbg. Marx hofft, wie mitgetctlt wird, dem Reichspräsidenten noch im Laufe des heutigen Tages seinen Vorschlag zur Bildung einer Regierung unterbreiten zu können, die sich auf die M i t t e l p a r t e i e n des Reichs­tages stützt. In dem neuen Kabinett wird, wie unser Berliner Telegrammdienst meldet, vor­aussichtlich Dr. Stresemann das Außenministe­rium übernehmen. Weiter Werren die Minist>.>r Branns und Höfle im Kabinett verbleiben. Das Justizministerium soll mit einem Zentrums­mann beseht werden. Für da? Innenministe­rium kommt der demokratische Abgeordnete Koch in Frage.

BoWpartei), Innenminister Koch Demokrat (früher Oberbürgermeister von Kassel), Reichs­wehrminister Getzler hat sich bereit erklärt, sein Ministerium wieder zu übernehmen, Finanz­minister Dr. Luther, Postministex Dr, Hö­fe le, Iustizminister der bahrrische BolkSpartei- ler Emminger, der aber noch nicht endgültig zu­gesagt hat, Arbeitsminister Dr. Braun (Ztr.) Ernährungsminister Dr. Schiele (deutsckmtl.), dessen Erklärung noch aussteht. Die Verband, hingen über die Besetzung bc§ ReichIwirtschaftS- ministeriums und X6 Verkehrsministeriums sind noch nicht abgeschfr,--

Um dir Rutzrau«deute.

Genf, 30. November. (Privattelegramm.'

-lr. t, isift txrr italienische Bot schaster gestern im Auswärtigen Amt gleich­falls die Zuziehung Italiens zu den Ver­handlungen über die R u h r a u s b e u t e in of­fizieller Form beantragt habe. Das italienische Ersuchen stützte sich auf die Teilnahme Italiens an der Ruhr- und Ingenieurkommission und auf den Versailler FriedenS-Berlrag.

Keine NeichLtasrauflösung.

Berlin, 30. November. (Privarwlegramm.) Reichspräsident Ebert erklärte gestern abend dem Zenttnrnsführer Dr. Marx, eine unbedingte Er- mächttgung zur Auflösung des Reichstags für den Fall eines ScheiternS der i nten Regie, rung müsse er ablehnen. Neu- Reichstags- Wahlen würden im besetzten Gebiet die Gefah­ren vergrößern. Eine VerMndiglU^ im Reichs­tag müsse möglich sein.

Die Keife im Reiche.

Schwierigkeiten der Kabinettsbildung.

Infolge der Sortierungen der Deutsch- nationalen Partei, betreffend die Auf­lösung der großen Koalition in Preußen als Bedingung für den gintritt der Deutschna­tionalen in ein bürgerliches Reichsabinett wa­ren die Verhandlungen zur Beendigung der Krisis gestern vormittag eine Zeitlang in den Preußischen Landtag verlegt. Demokraten, Zenttum und Deutsche Volkspartei hielten im Landtag FrakttonSsitzungirn ab, deren Ergebnis Beschlüsse waren, worin das Verlangen der Deutschnationalen Wenigstens von Seiten des Zentrums und der Demokraten ganz bestimmt abgelehnt wurde, während die end­gültige Entscheidung der Deutschen Dolksvattei erst für den Abend erwartet wurde. Wie wir hören, wollt.' auch die Deutsche Vollsvarte! sich für eine Ablehnung der dentschnattonalen For- gerung, allerdings in gemäßigter Form enffchei- den. Der Beschluß, den die demokratische Frak­tion des preußischen Landtags in der Frage der großen Koalition gestern gefaßt hat. lautete fol- gendermaßen: .Die Lanbtagsfraltton der deut­schen Demokratischen Pattei lehnt :s ob, letzt auch noch in Preußen eine Regierungskrise her- beiznführen." Ter Beschluß der Zrntrums- sraktion des Preußischen Landtages lautete wir folgt: »Nachdem alle anderen Versuche zur Bil­dung eines Reichskabinetts gescheitert sind, er­kennt die Preußische Landwgsfraktion des Zen. trmns den Versuch, eine Reichsregierung unter Hinzuziehung der Deutschnationalen zu bilden, als richtig an. Sie bält aber einen sach­lichen Grund nicht für gegeben, in der p r e u ßischen Regierung jetzt eine Aenderung -untre, tert zu lassen. Tie Entwicklung der Verhältnisse

Deurteklung in England.

Zugunsten eines bürgerlichen Kabinetts.

(Eigene Drahtmeldung.)

Loudon, so. Novenwer.

Die Londoner Gesckjäftswelt ermattet viel von einem reinbürgerlichen Kabinett in TeutscUand, besonders h nsichtlich der deutschen Währun«. Die ersten Nachrichten haben fo»

anjdsenpreife: <3 r u n o p r e t « für bte Ze.le SO Mark, für Reklamen 200 Mark malSchlüs. fetiaSIür das deutsche Zeitwigrgew rbe ,. 3t. 1401 000000), auf Familienanzcigen und Kleine Anzeigen 2-,"/, N.ichlaß. Auf alle nicht bis zum Avmd de- auf den Ausgabetag folgenden Tages bezahlten Anzeigen erfolgt ein RechnungSau schlaa von 10»/^ Bei dieser Rechnung«, -r-eilun ist d r Betrag innerhalb Tagen zu zahlen. Rach Ablauf dieser Arift ist Per Anzeigen, grnnooret mit d m am ZahlungStage gültigen Anzeigenfchlufsel zu ve.vielfachen. Laufend- «n- zeigen werden mit dem TageZzeil.npr-is berechnet, zur die Richtigkeit aller durch erniprecher aufgegebenen Anzeigen, oroie für Aufnahmedatcn und Plätze kann nicht garantiert werden.

von Jahr zu Jahr. Im Jahre ><*13 waren mehr als 35 Prozent der Bevölkerung Kinder von i - ; .- ----- .....s 015 Fahren, im Jahre 1921 waren es noch

haben, daß in Landsberg Vorbereitungen zur 28 Prozent, bei der jäten Geburtenabnahme der Inhaftierung Ludendorffs «rfroffen würde«, > letzten Jahre werden es in einem Jahrfünft un^

die öffentliche Gesundheitspflege so gering, daß sie gar nicht in. Betracht kommen. In Preußen kamen 1921 von den Zuschüssen, die der Staat den einzelnen Verwaltungen bewilligte, auf die Medizinalverwaltung noch nicht ganz ein halbes Prozent. Es ändert sich nichts, ob ein solcher Posten gestrichen wird oder nnverän- terf VkttÄti «vor %.. . dieser geringe«,

Ausgaben sind mttzeiörventltch groß. Nur der vom Staate durchaeführien

Otganisation der Seuchenbekämpfung verdanken wir es zum Beispiel, daß unser Land von den schweren Seuchen im wesentlichen ver­schont geblieben ist, die in dem letzten Jahrfünft an unseren Ostgrenzen herrschten und durch Ver­ringerung des Grenzschutzes, durch Rückfluten des Heeres, Rückkehr der Gefangenen usw. immer wieder eine schwere Gefahr bildeten. Wenn man aber die wichtigsten Vorsichtsmaßregeln für die Erhaltung der Volksgesundheit vernachlässigt, dann entstehen gewaltige Schädigungen, gegen die die Ausgaben überhaupt nicht ins Gewicht fallen. Ein charakteristisches Beispiel dafür sind die Folgen einer TypHns-Epidemie im Waldenburger Bezirk 1921. gewesen, die durch mit geringen Kosten zu beseitigende Schäden der Wasserleitung bervoroerufen wurde. Es starben in den fünf Monaten der Epidemie zweiundsech­zig Menschen, zweieinhalbmal so viel wie im ganzen Jahre an Tuberkulose. Die Unterbringung der 639 Erkrankten im Hospital kostete die zwei Gemeinden eine Dumme, die fast e i n Viertel hres Jahresbansbaltes betrug und sir die eine auf viele Jahre drückende Anleihe aufgebracht werden mußte. Man hat berechnet, daß durch diese leicht zu vermeidende Seuche 27 000 Arbeitstage verloren gingen, darunter die von 126 Bergleuten, deren Arbeitsunfähigkeit

einen 85 er lüft der Kohlenförderung von acht- tausend Tonnen, gleich zwanzig Güterzüqe zu vierzig Wagen verursach^. Man ersieht aus einem solchen Beispiel, wie wichttg die öffent­liche Gesundheitspflege ist, und wo ett a Erspar­nisse und Einschränkungen vorgenommen werden sollen, ist es dringend geboten, medizinische Sachverständige darüber entscheiden zu lassen, nicht nur von engen Gesichtspunkten aus­gehende Finanzpolitiker Auch in den großen Gemeinden machen übrigens die

Ausgaben für das Gesundhettswesen mit Ausschluß der Krankenhäuser nur wenige Hundertteile des Ges amt bau shalte 8 aus. stehen hinter den Ausgaben für Schulen und Straßen­bau weit zurück nd betragen etwa so viel, wie die Kosten für Schmuckplätze. Vor allem muß dem Gebiet des modernsten Zweiges der Gesund- hettspolitik, der Vorbeugen den Gesund­heitsfürsorge, nickst abaedaut, sondern ausgebaut werden. Diese Maßnahmen, die Krankheiten verhüten sollen und die gesundheit­lich bedrohten Bevölkernngsschichfrn unter dau­ernd sachverständig- Beobachtung und Beratung stellen, arbeiten mit den wohlfeilsten Mitteln und haben schon »roße Erfolge «zeitigt. Dabei Han- wlt es sich besonders um Kleinklndersür- o rge, Schulgesundheitspflege, GesundheitS- ürsorge für die schulentlassene Jugend, plan­mäßige Tuberkulosefürsorge.Wir haben die Pflicht," sagt Prof. Gottstein,trotz der wirt­schaftlichen Ohnmacht Deutschlands eine Gesund­heitspolitik auf lange Sicht zu treiben.

Ti« Kastrier Sieuefien 9iad.rl*ten erfdieinen rondientltc" ledbtmai nackm ttagS. Der Abanne- mentSprei« betragt für »te Woche oom 26. Nov. bis 2. D-z 800 Milliarden oei freier llukiellun- tnä Hau-,i» der (Sefd)aTt<ftei:e abgebott TTOmtUiaroen. Bestellungen .Verven febenelt entaeoen. genommen. S.tiag und Reduitio.i: --chiachtbofstratz.- 28/30 flernsprecher Nummer 951 und 952. -ar unverlangt eingekandle Beitrags kann die Nedukkiou em» ^erant. Wartung ober Gewähr in keinem ,lalle übernehmen. Rückzahlung de- BezugSgelde» oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmitziger Lieferung ist guSaeschloffen. Postscheck Frankfurt a M «380. Druckerei' Dchlachthoiftr. 28/30. WeschüftSstelle «ülnjsche Str 1

Volksgesundheit.

Mehr Fürsorge ist «Stig.

®ie Slot und «nldehrung au« den Krieg«, unk «aehtriegsjahren haben den «efundheiisstand im d-ntsetzen Seite bekanntlich sehr schädigend deeinfiutzt. Zn den nan ftehendenAuSsüh.nngen w rd eine beachtenswerte Ermahnnn, gegeben.

Bei den notwendigen Einschränkungen, die in unserer Verwaltung vorgenommen werden müs­sen, wird es sich vor allem darum handeln, occh mit dem Ueberftüssigen und Entbehrlichen nicht auch einiges von dem entfernt wird, was zur Fristung unseres Daseins als Volk nich! zu ent» behren ist. Dabei wird es sich in erster Linie um die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ge. sundheitspflege handeln, die ja die Grund­lage jedes staatlichen Gedeihens ist. Einer un­serer hervorragendsten Hygieniker, A. Gottstein, macht darüber in derKlinischen Wochenschrift" sehr beherzigenswette Ausführungen. Lluf dem Gebiet der Heilkunde ist neben der Erhal­tung der Forschungsmöglichkeit und der Ausbil- düng und Fortbildung der Aerzte die Gesund­heitspflege das wichtigste. Der Staat hat sich da­bei nur einige Aufgaben Vorbehalten, unter de­nen die Seuchenbekämpfung die wichtigste ist, während die anderen Pflichten den Gemeinden, der sozialen Versicherung, den Wohltätigkeitsver­bänden auferlegt sind. Dank der sehr guten Or­ganisation sind die Ausgaben des Staates für

im Reiche bleibt abzuwarten." Rach Mel­dungen einiger Abendblätter haben die Deutsch- nationalen in Preußen das Ministerpräsidium für Hergt und den Poften des Ministers des Inneren für den General von Gaul beansprucht.

An den Reichspräsidenten bat die deutsch- nationale Reichstagsfraktion fol­gendes Schreiben gerichtet:Nach dem Rücktritt des Kabinetts Stresemann hätte es der parla­mentarische Brauch erfordett, daß eine der Op­positionsparteien mit der Kabinettsbil­dung beauftragt worden wäre. Das ist nicht geschehen. Vielmehr haben Sie. Herr ReiSS-- Vräsident, auf den verschisdenften Wegen Ver­suche zur Neubildung einer Reichsregierung un­ternommen, die gescheitett sind Inzwischen ha­ben sich sowohl die außenpolitische Lage des Reiches, wie auch die wirtschaftliche und seelische Not des deutschen Volkes so verschärft, daß eine weitere Hinauszögerung der Kabinettsbildung nicht verantwortet werden kann. Daz deutsche Volk in feiner übergroßen Mehrheit erwartet Abwendung von der bisherigen Regierungsme­thode und eine Neuorientierung nach rechts. Wenn der Reichstag in seiner übereiferten Zu­sammensetzung nicht fähig ist. dieser Stimmung des Volkes Ausdruck zu geben, so müssen Sie, Herr Reichspräsident die Entscheidung des Vol­kes anrufen und der neu zu bildenden Regie­rung die Ermächtigung übergeben. Unter sol­chen Voraussetzungen stellen wir unz zur Re­gierungsbildung zur Verfügung."

Im Laufe des Nachmittags blieb d'.e Lösung der Regierungskrise noch immer eine Frage. Die Deutschnationale Frattion des Reichstages er- kiätte, daß sie nach Ablehmmg ihres Verlan­gens, die große Koalitton in Preußen ent- sprechend zu ändern, keine Möglichkeit mehr hchbe, sich an einem Kabinett Stegerwald zu beteiligen, denn eine wirklich nationale Poli­tik im Reich erscheine undurchführbar, wenn die Sozialdemokratische Pattei in der Regierung vettreten sei. Dadurch war daz Kabinett Ste­gerwald als erledigt zu befrachten. Herr Stegerwald hat darauf dem ReiechIprSsidemen endgültig seinen Verzicht mitgeteilt. Die Ver­handlungen zwischen den einzelnen Parteien liefen nunmehr fortgesetzt weiter. Im Vorder­grund stand die Bemühung des Zentrumsvor- sitzenden Marr, auf der Grundlage der soge­nannten kleinen Koalition (Deutsche

Der RegßerungS-Mrrwarr.

Rach Stegerwald versucht es Dr. Marx. (Eigener Drahtbericht.)

Berlin, 30. November.

Der Reichspräsident hat gestern den Zeu- frumsführer Marx empfangen und ihn mit der Kabinettsbildung beauftragt. Marx ist sehr op. timistisch. Er hofft dem Präsidenten Ebert noch im Laufe des heutigen Tages feir.v Vorschläge zur Bildung der Regierung, die sich auf die Mir- telpatteien stützen würde, zu unterbreiten. In später Abendstunde ging im Reichstage eine Ministerliste um, die aber nicht als voll­ständig angesehen werden kann, weil die Ver­handlungen über die Bildung des Kabinetts noch im Gange sind. Danach wird Reichskanzler Dr. Marx (Zentrum), Nttchsminister des Auswär eigen Dr. Sttefeiuanu _r,v

DeMfchlcmö als Opfer.

England will Nnabhängigkeft von Frankrttch.

(Eigene Drahtmeldung.)

London. 30. November.

Die gestrige Sitzung des gesamten Kabinetts hat vier Stunden gebauert. Nach einem kurzen Berickst in derTimes" undWestminster Gazet­te" hat sich eine Schwenkung Englands vorbereitet. Es wurde Handlungsfreiheit für Bradbury in der Neparationskommiff on flstge- legt. Bradbury selbst hat an per Sitzung teilge­nommen.Westminster Gazette" schreibt, da England weder den Alliierten noch Deutschland Zugeständnisse machen, sondern sich ausschlieUich auf den Boden des Versailler Vertrages stellen werde. Die Ruhr- und. Rheinpolitik Frankreichs und Belgiens finde in diesem Ver trag aber keine rechtliche Stütze.