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Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

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Nummer 281.

Si«,elp«iS: 150 Milliarden.

Sonntag, 2. Dezember 1923.

«uze^reiS: 150 Milliarden.

13. Jahrgang

Die neue Regierung unter Marx.

Das Kabinett Marx.

Südlich eine Lösung.

Die politische Lage der letzten Woche frat eine so jämmerliche Verwirrung in den Berliner Partoikreisen kundgetan. daß es schwer fällt, zu der Korporation, die sich Reichstag nennt, noch Vertrauen zu hrcken. War schon die Regierungs- smrzerei ein frevelhaftes Spiel der Oppositions­parteien, so war das Drehen und Wurden, die Scheu vor der Verantwortung, um nichts besser. Es hat sich dabei erneut herausgestellt, daß letz­ten Endes doch alles auf engherzige Prinztpien- reiteret hinausläust und daß manche Leute sich nicht dazu aufichwingen können, das Vaterland über die Partei zu stellen. Als Streseuumn sein Kanzleramt medergetegt hatte, waren Jen«, ine ihm das Vertrauen versagten, nicht in der Lage, Vorschläge zur Besserung zu machen und keßen die Dinge in Hilflosigkeit lausen. Es folgte ein Suchen hin und her. Der Deutschvolksparteiler v. Kardorff paßte den Deutschnationcsien nicht, weil er einst aus der Deutschnationalen Volkspartei ausgetreten war und sich der Deut-- scheu BoWpartei angeschlosien hatte. Der mi- here Reichsminister Albert aeftel ihnen mcht weil er ein Freund des Reichspräsidenten Eber: 'seinsoll. Der Zentrumsführer Stegerwald. der zum rechten Flügel des Zentrums gehört, ge­fiel ihnen nicht wegen seiner gewerkschaftlichen Beziehungen. So lehnte die Rechte immer ab und wollte nur unter der Bedingung an der Kabinetts biflmng teilnehmen. wenn zugleich die große Kocüition der preußischen Regierung auf- aelög würde. Da« rief den Wderspruch der Demokraten hervor, die sich grundsätzlich gegen jede Rechtsschwenkung erklärten, also auch em- seitia handelten, sowie den Wderspruch des Zentrums, das neben der Reichskrise nicht noch eine preußische Krise haben wollte. Di« Hal­tung der Demokraten ist doch nicht so tragisch zu nehmen, denn sie waren bereit, im Kabinett ver­treten W fein und doch den Deutschnationalen Schiele als Ernährungs- und Landwirtschafts- Minister darin zu dulden. Dieser hat allerdings, nachdem er seine Fraktion und den Reichsland­bund gefragt hat, abgelehnt.

Endlich ist em Kabinett zustande gekom men, das vom Zentrumsabgeordneten Marx geführt wird. Senatspräfident Marx ist ein Po­litiker von milder Wesensart, vermittelnd und ausgleichend, voll Verständnis für di« Meinun­gen Anderer. Er war bemüht, die Männer zu­sammenzubringen, die er nach ihren Fähigkeiten für geeignet hält. Dabei stützt er sich auf die Parteien der Mitte. Man betrachte nun ein­mal die Ministerliste und man wird finden, daß sie vom Kabinett Stresemann nicht sehr verschieden ist. Zweidrittel der Minister find dieselben wie vorher. Dr. Stresemann behW das Ministerium des Aeußeren, das er bishxr als Kanzler iebenbei hatte, und das außer dem Inneren das wichtigste ist. Man weiß also, daß die Politik gegenüber den Franzosen un­verändert bleibt, auf die Räumung des Ruhr­gebiets und die Aenderung des Versailler Ver­trags hmarbeitet Dr. Luther behält das Finanzministerium. Vor zwei Tagen hatte er den Reichspräsidenten gebeten, ihn von seinem Amte zu entbinden, da er dieses verantwor- tungSvolle Ressort nicht in dem regierungslosen Zustand Wetterführen könne. Es seien jetzt so dringende Entscheidungen zu treffen, daß eine verantwortliche Regierung dafür einstehen müs­se. Die Verzögerung der neuen Kabinettsbil­dung bringe dem Reiche schweren Schaden. Im neuen Kabinett ist ihm nun Gelegenheit gege­ben, das Versäumte nachzuholen. Wie bedenk­lich die finanziellen Schwierigkeiten sind, seht aus seinem Briefe, den er dem Reichspräsiden­ten geschrieben hatte, hervor. Danach find die kür die Erwerbslosenfürsorge im besetzten Ge­biet und für einige andere Zahlungen ausge­worfenen hundert Millionen Rentenmark na­hezu erschöpft. Die Zahlungen sür die Bosat- zungsmächte laufen ohne Deckung durch den Urbercmngshanshalt weiter Neue Beschlüsse zur Beschaffung der Dezember-Einnahmen find schnellstens erforderlich. Was im Kabinett Stre­semann vorbereitet worden ist, muß also im Kabinett Marr weitergeführi werden. Da Dr. Jarres doch Innenminister geworden ist. trotz der Bedenken der Demoteaten, so bleibt auch diese Richtung die gleiche wie unter Stresemann.

Wo ist nun ein Unterschied zwischen dem vo rigen und jetzigen Kabinett? Außer Stresemann. Littber, Jarres behalten auch die bisherigen Minister Brauns, Geßler. Hoefle, Oeser und v. Kmritz ihre Armier. Und die neuen Minister Hamm und Emminger find Bayern. Schlüffe -ms der Person des K a n, l e r s hinsichtlich des neuen Kurses zu ziehen, ist verfrüht, denn Marr bat eine entschiedene Stellungnahme oder eine ausgesprochene Führung noch nicht erkennen las­sen. Er wird wahrschemlichs den Weisungen V3 Zentrums folgen und versuchen, möglichst

Um bas Vrmßenkabinett

Berlin, 1 Dezember.

Gefahr für die Koalition? (Eigener Drahtberichi.)

Das neue Reichskabinett.

Die Minifterliste «nter Führung von Marx.

(Privat-Telegramm.)

te« Fraktionen bevor, die unter Umständen ge­eignet wären der Koalitionsregierung in Preu­ßen doch noch ein Ende zu bereiten.

Dir Sozialdemokraten aentraL

Berlin, 1. Dezember. (Privattelegramm.) DerVorwärts" spricht die Erwartung aus, daß auch die neue Regierung «ine Politik treiben werde, die von der Rechten bekämpft und von der Sozialdemokratie geduldet wird. Deshalb behauptet er, Derr Marx sei auf der Rechten ebenso unbeliebt, wie auf der Linken persönlich geachtet, und gibt daS Versprechen ab, daß die sozialdemokratische Partei die Vorbereitung der Reichstagswahle» nicht stören und mit dem alten Reichstag ohne zwingende Rot nicht neue Krisenexperimente machen wolle.

Anklagen gegen Äeigner.

Ei« Verfahre« wegen Landesverrats.

(Privat-Telegramm)

Berlin, L Dezember.

Dee vberreicksanwalt weilte gestern in Berlin. Sein Besuch tat Reichsjustizamt be­traf die ihm zugegangenen Anzeigen gegen den früheren sächsischen Ministerpräsident Zeigner wegen Landesverrats. Dieses Verfahren schwebt unabhängig von der Voruntersuchung, die gegen Zeigner beim Landgericht Leipzig wegen Be­stechung, Betrugs, Devifenunterschlammg und anderer Vergehen geführt wird. Der Landesver­rat wird in der öffentlichen Rede über die an­geblich großen Waffenlager der Reichswehr er­blickt, die zum Beschluß der votschasterkonferenz geführt hat, die MiNtärkontrolle ta Deutsch­land sofort wieder aufz« nehmen.

mit allen Parteien gut auszukornmen. Das mag in normalen Zeiten eine kluge Politik sein, ob sie aber in der jetzigen Verwirrung viel Erfolg haben wird, muß abgewartet werden. Es ist möglich daß es Marr mit diesem rein bürger­lichen Kabinett gelingt, von der Opposition. den T-eutschnattonalen und Sozialdemokraten, eine wohlwollende Neutralität" zu erringen Das würde aber nur solange dauern, wie die Grund­sätze der Oppositionsparteien verschont bleiben. Sobaw die Notwendigkeit eintritt. wirtschafts­politische Aenderung-n vor,-unehmen, dann wer dm die neuen, richtiger gesagt, die alten Schwie­rigkeiten austauchen. Dafür möge sich der neue Kanzler mit der nötigen Willenskraft wappnen.

K. F. D.

Die Bildung der bürgerlichen ReichSrrgierung beginnt nun doch Schwierigkette« tn der preutzischenSoalition nach fich $u ziehe«. Hinsichtlich eines schärferen Vorgehens gegen die in Berlin fich aufhaltenden Somjetruffe« haben Deutsche Volkspartei und Zentrum Borhaltun­gen beim sozialistischen Minister des Innern, Severing, erhoben. Der Minister macht in der Erfüllung der Forderungen Schwierigkeiten. Wie verlautet, stehe« nunmehr Schritte der beteilig-

»er Kanzler will DerstSnbtguno.

Berlin, 1. Dezember. (Prtvattriegramm.) Reichskanzler Dr. Marx äußerte sich gestern zu Abgeordneten der Bayrischen Volkspartei: Mein Ziel ist nicht die Reichstagsaustösung, sondern die Verständigung tat Reichstag. Wenn Sozialdemokraten und Deutschnattonale außer­halb meines Kabinetts bleiben, so hoffe ich, daß die Zett sie von der Notwendigkeit überzeugen wird, daß nur der parlamentarische Burgfriede Deutschland vor der Zertrüm­merung durch das Ausland bewahren kann.

Die varteiMrer beim Kanzler.

Berlin,!. Dezember. (Privattelegramm.) Der Kanzler hat für heute vormittag dir Par­teiführer zu sich gebeten. Der «eltesten-Aus- sckmß des Reichstages tritt wahrscheinlich heute nachmittag zusammen. Der Kanzler will am Dienstag seine Regiertmgserklänmg abgebe«.

eine teuere Statt geworden

fei und ein Leben sich in den Straßen brett mache, das garnühts mit dem Wesen der alten Ksarstadt gemein habe. Wie überall versank auch hier fast mit einem Schlag der Fremden­strom, als man allerwäris nach Goldmark zu rechnen begann und die Dollar-- und Frankenbe­sitzer vieles hier noch teurer befahlen mußten, als in der Heimat. München verlor seine An- ziöhungAraft nicht eine Seele hatten ja die Fremden gesucht, die billige Papiermark hatte sie angezogen und so ganz nebenbei hatten sie zwischen lukullischen Mahlzeiten an den künst­lerischen Darbietungen genascht. München aber i wurde nicht billiger, die Teuerung wuchs ins Unerträgliche, und mit ihr die Not und Ver­zweiflung des Voltes. Die Vororizüge waren alle zur Bersten voll von Holzsammlern, abgehärmten Frauen, schmalbrüstigen Kin­dern, die sich mühsam in den umliegenden Dör­fern ein paar Pfund Kartoffeln gegen Papier­geld zusammengebettelt hatten und sie in den Rucksäcken zwischen den schweren, nassen Holz bermtrugen. Alles war in der Stadt uner­schwinglich und auch fiir Geld kaum käuflich das Brot, die Milch, die Kartoffeln und die Hausfrauen nntßten wohl oder übel Wieder, wie in den unseligen Kriegsjahren, die Halste bei Tages.

mit Anstehen und Herumlaufen

von Geschäft zu Geschäft verbringen. In all diese Not, in diesen Kampf um das Allernotwen­digste des täglichen Lebens brach wie eine Bombe der Hitlerpittsch. der das verzweifelnde Voll nach Ansicht feiner Führer auf freiere Bahnen drin- gen wollte. Aber der Weg war verfehlt. Sett diesem trostlosen Novembermorgen, der in Mün­chen vor der Feldherrnhalle das nationale jung« Deutschland im Kamps gegeneinander sah, will die Volksseele nicht mehr zur Ruhe kommen. So­gar die materielle Not wurde in den Hinter­grund gedrängt. Wo Männer zusammenstanden, wurde nicht mehr vom neuesten Dollarkurs ge­sprochen, sondern von der vaterländischen Be­wegung, und die Frauen vergaßen sich in bett Geschäften über die hohen Kartofselpreis« zu em­pören und ergriffen mit gleicher Leidenschaft Partei für oder gegen Httler. In Kund­gebungen, Umzügen, im Singen von vaterlän- difchen Liedern machte die geradezu ungeheure VoÜserregung sich Lust, und die Zwischenfälle, die sich notgedrungen dabei ereigneten, bildeten neue brennende Tagesgespräche. Jetzt hat das Straßenbild sein altes äußeres Gepräge wieder­gewonnen, aber man fühlt, es ist nur eine ganz dünne Aschenschicht, die die rote Glut der Volksletdenschaft deckt, und toeftettfern erscheint di« Zeit, wo die Münchener sich wieder eines Herzens und eines Sinnes um ihr« Maß­krüge im Hofbrätchaus sammeln werden. Tro?- dem muß der Weg gefunden werden, auf dem die jetzt gespaltenen, vaterländisch gesinnten Kreise mit dem gesamten Reich fich treffen und zur Versöhnung einander die Hand reichen wer-

<gin neue« ermüchtigungsgesetz.

Berlin, 1. Dezember. (Privattelegramm.) Wie bas Berliner Tageblatt erfährt, beabsichtigt der neue Reichskanzler, ei« neues Ermäch­tigungsgesetz beim Parlament rinzubrin- gen. Falls dieses abgelehnt Werben sollte, wird er die Ermächtigung des Reichspräsidenten zu: Auflösung tts Reichstages verlangen.

Berlin, 1. Dezember.

Der neue Reichskanzler Dr. Marx hat ge­stern abend dem Reichspräsidenten die end- gültig« Mi nister list« vorgelegt. Der Reichspräsident hat aus Vorschlag beS neuen Kanzlers die Reichsregierung wie folgt gebildet: Reichskanzler: Senatsprästdent Marx.

Vizekanzler und Reichsminister tt« Innern: der bisherige Reichsminister tts Innern Dr. Jarres.

Rekchsminister ttS Auswärtigen: der bisherige Reichskanzler Dr. Stresemann.

Reichsardeitsuttnister: wie bish. Dr. BrannS. Reichswehrmstttster: wie bisher Dr. Geßler. Rechsfinanzminister: wie bisher Dr. L n t h e r. Reichsverkehrsminister: wie bisher Oeser. Reichsemähamrgöminister: wie bisher Graf K a «i tz.

Reichspostminister: wir bisher Dr. Hoefle, zugleich mit Wahrnehmung bet Geschäfte tts Reichsministers sür die besetzten Gebiete

Reichswirtschastsminister: Bayrischer Staats­minister a. D. Hamm.

Reichsjusttzminister: Staatsanwalt Emmin­ger, Mitglied tts Reichstages.

Berliner Vrefsestimmen.

Die Beurteilung tts Kabinetts von rechts. (Eigener Drahtbericht.)

Berlin, 1. Dezember.

Ein Teil der Berliner Presse sieht diese Re- gierungsbfldung nur als eine Zwischen­lösung an. Do spricht der ,,T a g" von einem Provisorium", ttrLokal Anzeiger" so­gar von einerhöchst unglücklichen Lösung tts KonflMs". Sehr ablehnend verhält fich dage­gen bieDeutsche Tageszeitung". Sie spricht von einer .^erlegenheitsregierung", und schreibt:Die Haltung ttr ttutschnattonale« Fraktion zu einem Kabinett Marx ist, wie uns von veutschnationaler Seite mitgeteilt wird, im einzeltwn noch nicht festgriogt. Man Will natur­gemäß einmal abwarten. DieDeutsche Allgemeine Zeitung schreibt: Das Ka- btaett Marx fleht vor ttr folgenschweren Ent­scheidung, welchen Kurs es einschlagen wird. Darin besteht der Wesentliche Unterschied gegen daS Kabinett Stresemann. Dieses hatte fich in eine Lage hineinmanöörtert, die eine HilfSstel- luttfl der Rechten und der Bayerischen Volks - pattei auSschloß. Die Bayerische Volkspartei geht nur mit hcckber^Krast mit

»emokratifche Aeußerung.

Berlin, 1. Dezember. (Prevost*legramm.) DosBerliner Tageblatt" meint zur neuen Regierung, Marr werde wohl klug be­rechnend und vorsichtig handelnd alles tun, um überdenWinterderNot und ttS Elends hinwegzukommen; und wenn Dr. Strese­mann als Außenminister tat Kabinett oder im Reichstag neben ihm fitzen und feine Redegabe alles zu üttrfchwemmen drohen werbe, bann werde Marx mit beschwichtigenden Händen recht­zeitig feste Dämme Herumbauen.

Franzöfische Habgier.

Forttrungen der Mettraufbau-Gerneinttu. (Eigene Dmchttnelvung.)

Paris, 1. Dezember.

Die Tagung der Wiederausbau-Ge- meitt bett in Lille hat, laut Journal, einstim­mig die ReparattonspMittk Pouearss ge­billigt und dem Ministerpräsidenten ihr mt- begrenzies Vertrauen ausgesprochen. Die Tagung hat ferner festgestellt, daß Deutschland seit einem Iah« keine Leistungen mehr für den Wiederauf­bau ausführe, obwohl die deutschen Industriel­len ta der Lage gewesen wären, zur gleiche« Zeit dem Reiche h«nttrte von Millionen G o l d - mark zur Errichtung einer Rrntenbank und zur Ausgabe von Dollarschatzanweisungen zur Ver­fügung zu stellen. (ES ist doch selbstverständlich, daß erst die deutschen Fitranzen gebessert wer­den müssen, ehe man an die Erstattung der Re-

Münchner Stimmung

Glut unter der Asche."

Stad) »en Miinrhnee <p«tsch«agen ift zwo» bte öffentliche Ruhe »iede» elngekehrt, oder bte 9 tnimung der lebllfeeung ist noch nicht gen, beruhigt, »a die Stellung bet »eefchtedenen Sruhpsn ,u einander nech nicht geiiürt ist. Wie haben da« folgende Sti»n,nng»Sitb erhritrn

Seitdem der November mit Schneegestöber und rauhen Winden von tzen Bergen über die Jfar- siadt gefegt ist, will es unter den Frauentürmen nicht mehr ruhig werden. Es scheint als fei die Stadt wieder einmal in ihren Grundfesten- erschüttert worden, wie in jenen grauenvoll un- vegeßlichen Tagen, da die roten und weißen Truppen sich in den lieben, alten Straßen, im Dunkel der Tormauern bekämpften und die Eiu- wohner sich gleich verschüchterten Tieren hinter den geschloffenen Fenstern verkrochen. Langsam hatte München sich et bo It. Noch stand »Am Platze!" drunten das alt« Hofbräuhaus mit sei­nen Rtesensässern und Maßkrügen, da mußte das Volkslied recht behalten und bte Gemütlich, kett konnte noch lange nicht aussterben. Von München sollte die Gesundung kommen, jeder im Reiche wußte, daß es sich dort noch in den Wir. rett der Jetztzeit am besten und vor allem am sichersten leben ließ, daß seste Zügel bte über- schäumenden Roße im Zaun hielten. Irgend ein Klang aus fernen Frtedenszeiten war dort immer noch zu vernähmen, und eine weitsichtige Verwaltung sorgte für immer neue Feste und Veranstaltungen auf künstlerischen, musikalischem und vaterländischem Gebiet, damit das Leben nicht im Alltag beriiefere und München feinen Ruf als Fremden st adt sich bewahre. Mün­chen war noch in diesem Sommer während der großm. Musikststspiele die FremdensiÄtt, wie man Ue nur wünschen kann: über die Hotels, Zimmervermieter, Oberkellner und einzelne Mvdegeschäste ergoß sich der Segen der valuta­starken Ausländer, während in den weite­sten Kreisen der Bevölkerung die Klagen immer lauter wurden, daß das einst so billige und an­spruchslose München nun