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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

$te Kafiller ifleueften Sladirid.ten erfdietnen rnndientlidi «ec6#mai nacäm tlags. Der Avonne- mentSBretf- beträgt für die Woche vom 10. br 16. Dezember 800 Milliarden bet freier Zuftellunz ins Sau*.in bet »efchaftsftslle ahgeöoti 770MiUiarde,. BefteBungen werden jeder,eit ent seren, genommen, «erlag uns Redaltton: Lchlachrtiofftrair 28/30, Fernsprecher Stammet 9M und 951 Für miverlanzt emgesaüdte Beiträge kann die Redattion eine ^eranl. roortiiag Oder Bewähr in keinem Falle übernehlnea. Rückzahlung des BeeugSpeldeS oder Ansprüche wegen etwatger nicht ordnnngsm mtger Sle-ernng ist ausgeschlossen. Pollscheükonio Frankfurt a M Nr. «380.

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Nummer 288.

Einzelpreis: 150 Milliarden.

Dienstag, 11. Dezember 1923.

13. Jahrgang

Einzelpreis: 150 Milliarden.

Maßnahmen auf Grund -er ErmSchtignng.

Zwei Entscheidungen.

In Deutschland und in England.

Der deutsche Reichstag fiat am Sonnabend endlich nach allerlei Fehlschlägen wenigstens die Maske geleitet. Das Ermächtigungsge­setz ist angenommen. Ter Form ist Ge­nüge geschehen, aber wie sie ausgegossen werden wird weiß heute nur Las Kabinett Marx, und wenn dem Parlament einmal der Inhalt nicht gefällt, wird ckn Ausschuß dieses Mißfallen for­mulieren können Weiter reicht die Parlament i- rische Macht nicht. Das Parteiwesen endet fol- gerichtig in der Herrschaft Weniger. Es ist in diesem Zusammenhang nicht bedeutungslos, daß Die Fragen des Reichstagswahlrechts und der Beschränkung der Zahl der Ab­geordneten die letzten Stunden des Reichs­tages beschästi-Sten. Wichtiger wäre die allge­meine Erkenntnis gewesen, Latz sich seit Jahr­zehnten die Machtverhälmiffe im Reichstag nie­mals nach den Mügeln zu verschoben, so daß der eine Poer andere eine große Mehrheit hätte bilden können. Die von Molen ersehnte Entwicklung zum Zweiparteiensystem ist in England durch die letzten Wahlen rückivärts revidiert worden; in Deutschland trägt eigentlich jede Partei den Spaltungsbazillus in sich, aber immerhin ist das Gefüge und die Bewurzelung in den Wähler­massen für jede Partei noch derart stark, daß auch Neuwahl *n Seine kompakte Majorität der jetzi­gen deutschnationalen Opposition und ebenso keine der sozialistischen ergeben hätten. Zentrum tknd Deutsche Volkspartm werden auf lange Zeit hinaus das Zünglein an der Wage bilden, und die Mittelparteien worden die Macht haben. Danttt rechnen auch dieDeutschnattonalen, dir jetzt erklären, ttotz der Annahme des Ermächttgungs- gesetz-S fei die Tür nach rechts immer noch offen. Das Kabinett Marr wird inzwischen handeln; eS wird b-reitS in den nächsten Tagen Verord­nungen erlassen, die ans vielen Gebieten refunr« mietend wirken werden Der Parlamentaris­mus ist dabei ausgeschaltet. Das ganze Maß der Verantwortung haben W Kabinettsmitglie­der in Händen

Wahrend in der deutschen Politik jetzt ein entschiedener Kurs gesteuert werden soll, voll- zieht sich auch in England eine Wendung. Die Wahlniederlage der englischen Regierung hat bem Kabinett Baldwin den Rück­tritt nahegchegt. Baldwin glaubte, durch Ein­führung voii Kampfzöllen, die sich natürlich ht erster Linie gegen den erwarteten deutschen Mettbewerh gerichtet hätten, die britische Jndu- strietäügkeit zu beleben. Aber die Mmmwoll- spinner von Sancafhire, die Cithkaufleitte, die Manckfesterleme haben ein Jutereffe daran, den Verkehr mit Mitteleuropa nicht durch Zollschwan­kungen dehl adert Ht sehen. Nur eine Anzahl von Industrien wünschten te& Schutzzoll. Dem­gegenüber war es aber ein wirkungsvolles Ar- gum.mt für die Freihändler, daß die bisherigen Schutzmaßnahmen, die für etwa sechstausend englische JndustriScrzengniffe gelten, die Arbei­ter und Fabrikanten auch in diesen geschützten Industriezwttqen nicht vor der Krise sichern konnten Aus solchen Ursachen ertiärt sich das Auftauchen und dir Wcchl von konservativen Freihändlern, was ehedem für England gerade- zu Parador gewesen wäre. Nach dem rauschen­den Feldzug für Schutzzölle, den der alte Cham­berlain geführt batte*, ist die Frage: Freihandel oder Schutzzoll sirr die englische Politik eine ZweckmäßigkeitSfrage. ES ist bezeichnend, daß die Forderung nach Sozialisierung oder Erfas­sung der Sachwerte vollkomnwn in die Ecke ge­stellt worden ist. Wette Kreise der Arbeiterpartei verzichteten sogar auf die alte Forderung einer Kapttalsabgebe

Die* englischen Massen find Von altersher in ihren politischen Anschauungen wenig beeinfluß­bar gewesen. Empfindlich getroffen werden sie nur, wenn die Wirtschaftspolitik eines Kabi­netts rin Fehlschlag ist ob* das Kabinett eine Außenpolitik treibt, die die Stellung Englands in her Welt herabdrückt. Im Parlament, ht der Presse und selbst in den Varietees ist feit Mo­naten immer Wied* betont worden, durch die Politik Poincarss sei England von sei. nem Rang als Führsenatton verdrängt wor. den. Die Art, in der PoincarS den bttttschen Stolz verletzte, hat in Englarw eine Empörung ausgelöst, die vor allem den Liberalen zugute kam. Lloyd George, dessen Rednertalent für die wredervereinigten Liberalen unschätzbar ist, bat sich in der Wahlkampagne mit ein r schneienden Schärfe gegen den Poinca- r i s m u s ausgesprochen. Nichts ist bezeichnen­der für die Grundstimmung, daß Leute wie Lloyd George ober Morel oder Trevelyan, der bei Kriegsausbruch als Pazifist seinen Minister­posten niedeilegte, zusammen mit dem frühe- reu Minister Masterman an einem Strick sieben. Masterman war während des Krieges derjenige, der am energischsten die Auslieferung der deut­schen Kolonien, der deutschen Flotsi und das Hangen des Kaisers forderte. Gelingt es den Li-

berden, mit den Arberterparteileru zusammen eine Regierung zu bildest, dann wird dte Außen- polittk Englands sicherlich eine größere Aktivität gegen Frankreich entfalten, aber sie Wird auch etwas exzentrischer und weniger behutsam sein als die der Konservativen. Poincars, bei in der letzten Zeit Wahlmache für Baldwin insofern trieb, als er allerlei Berstandiqungsmöglichkck- ten andeuten ließ, ist der 'eigentliche Gegner, an dem Baldwin scheiterte. Man kann zweifeln, ob der Freihandel in England vollkommen durchge- sührt wird. Daß aber eine etwas freiere Außen­politik nicht umgangen werden kann, liegt in der Statur der letzten Ereignisse.

Regierungs-Maßnahmen.

Finanz- und Steuer-Verordnungen.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 10. Dezember.

Auf Grund des neuen Ermächtigungsgesetzes wird das Kabinett Marx schon in diesen Tagen ohne Befragen des Reichstages, Maßnahmen treffen. In erster Linie dürfte sich die Tätigkeit der Regierung auf dem Gebiete deS Finanz- und SteuerwesenS bemerkbar märten und zwar in einer allgemeinen Steuerreform, die sich in der Richtung einer Umstellung der Steuern auf Goldbasis bewegt. Besimntlich ist eines der Hauptziele der Regierung, den gesamten Reichsetat auf Goldrechnung umzustellen und auszugleiite«. Die Bornuösetzmm für einen in Gold berechneten Etat sind aber auch in Gold erhabene Steuern. Man wird daher ht per An­nahme nicht fehlgehen, dass diese bereits für den seit November in Geltung befindlichen Ueber- gangsetat bestimmt sind.

tim das besetzte Gebiet.

Berlin, 10. Dezember. (Privattrlegramm.) In der Rheinlandfrage find zunächst noch keine Beschlüsse gefaßt und für die nächsten Tage muh nicht zu erwarten. Die Vertreter der besetzten Gebiete, die in den letz­ten Tagen mit der Regierung in Berlin verhan­delten, find wieder abgereift Die vollständige Einigung dürfte sich auch in den wenigen Punk- len, die bisher noch ungeklärt blieben, leichter erzielen lassen, wenn die wirtschaftliche Entwick­lung im besetzten Gebiet selbst noch etwas wei­tere Fortschritte gemacht hat, insbesondere dürf­en die Wirkungen der Wiederaufnahme der Arbeit im Rhein- und Ruhrgebiet von günstigem Einfluß auf die politischen, sozialen und finanziellen Besprechungen fehl, die dann noch zwischen Rheinlandverttetern und Regie­rung notwendig werden. In der Frage des Ausnahmegustandes im Reich find vorläufig keine wesentlichen Aendernngen beabsichtigt.

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Botzrkslde SonVeNoünscde.

München, 10. Dezember. (Privat - Tesi- grauMt.) Der bayrische Gesandte« von Preger hat der Reichsregierung das Verlangen Bayerns ausgesprochen, über die auf Grund des Ermächtigungsgesetzes zu erlassenden Bet- ordnungen vorher unterrichtet zu werden. Reichskanzler Marx erklärte am Samstag im Reichstag zu bayrischen Abgeordneten, er bcab. sichtige zunächst nicht, die Frage deS bayrischen KonflWS auszurollen. Vorläufig habe das Reich ernstere und dringendere Sorgen und Räte.

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Der Lederwscdunosmttzfchvtz.

Berlin, 10. Dezember. (Eigener Drahkbericht.) Der Fünfzehner Ausschuß des Reichstages, der bei Erlaß von Verordnungen auf Grund bei Ermächtigungsgesetzes gehört Werden soll, trat sofort zu einer konstituierenden Sitzung zusam­men und wählte den Fraktionsführer der Deut­schen BoSSPartei, Wg. Dr. Scholz zu feinem Vorsitzenden. Die nächste Sitzung des Ausschusses, die sich mtt dem Beaintenabbau beschäftigen soll, ist auf Dienstag, den 11. De­zember anqesetzt. Dem Ausschuß gehören im aL- gtmenten die Fraktionsführer an. Zgn Wrigen wird die Zusammensetzung i- nach der zu beratenden Gesetzesmaterie wechseln. Für die Deutschnwti anale Vollst Ort* sind der Frak- tionsvorsttzende Herat und der Abgeordnete Schulz- Bromvera Mitglieder des Ausschus­ses. Von der deutschen VskkSpartei gehören dem Ausschuß an Abg. Dr. Scholz und Brü­ninghaus, von der Bcyeristten Volksvattei der Abg. Schirmer-Franken. Die Sozialde- mokrakie sandte die Abgeonmtten Müller- Franken, Stein? eds, Dr. Herz mch We­ber, die Demokraten die Abgeordneten Koch und DeliuS, das Zentrum die Abgeordurtsn

Becker-Arnsberg. Allekottr mtd Stört* haus, die Kommunisten den Abgeordn. Bartz.

SnglanösKahinettsbirdung.

Konservative oder Arbeiter-Regierung?

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 10. Dezember.

Wie dieTimes" meldet, hegt zwar Bald, win den Wunsch, möglichst bald zurückzu» t r e t e n. es sei jedoch möglich, daß er polttischen Rücksichten von größter Bedeutung nachgeben und zunächst noch an der Macht bleiben werde. Bezüglich der Möglichkeit einer Beaufttagung Ramsay Macdonalds mit der Kabinettsbil­dung halt es die Times nicht für ausgeschloffen, daß der Führer der englischen Arbeiterpartei diese Aufgabe übernehmen werde. Ein Arbeitrr- kabinett sei zwar nicht lebensfähig, aber Ramsay Macdonald würde dann doch als Haupt einer Arbeiterregierung in Großbritannien in den Augen der Wähler zweifellos ein großes Ansehen haben, wenn man zu Neuwahlen gezwungen sein sollte. Vorläufig find alle Aeutzerungen nur Ver- muttmgen, aber die Lage kann sich schnell ändern.

Baldwin kievi cm Amte.

London. 10. Dezember. (Eigene Drahtmel- bungi) Der politische Berichterstatter der Times berichtet, daß Baldwin, der sich den ganzen Sonn­tag über auf seinem Landsitz bei London anfhielt, und dort Besprechungen Mit seinen politischen Freunden abhielt, noch immer nicht entschloffen sei, ob er seine Demission einreichen oder abwar­ten soll, bis er auch vom Parlament in die Min- öerheft gefetzt werde. Er wird heute in London zurüüerwartet, wo er dem König Bericht über seine persönliche Auffassung der Lage erstatten will. Der Kabin.ttsrat wird am morgigen Diens­tag zusammentreten und nach gründlicher Prü- fung.der Lage seine BesüMffe faffem

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Gefahr für dir Snttnte.

Paris, 10. Dezember. (Eigene Drahftnel- dung.) Der große Sieg der Liberalen und der Arbeiterpartei wird von den meisten Blättern dazu benutzt, ernste Betrachtungen über die Zu­kunft der englisch.französischen Be­ziehungen anzustellen. DerPetit Paristen" schreibt, es wäre vergeblich, wenn Frankreich sich verheimlichen wollte, daß die Entente aus den englffchen Wahlen krank hervorgehe. Wenn die französisch-englischen Auseinandersetzungen statt­finden, die ein Regierungswechsel in England unvermeidlich mache, und die überhaupt unerläß­lich feien, werde Frankreich sich Innern gegen­über befinden, die gegen di- Polittk, die Frankreich seit einem Iah' ingeschlagen habe, aufrichtige Abneigung haben, und die Verhandlungen können aus diesem Grunde sehr mühsam werden. DerMatin" faßt fein Ur­teil wie folgt zusammen:De- Freihandel hat über den Schutzzoll triumph- , eine ernste Krise ist in England ausgc nben; wird man die Arbeiterpartei, die in Wirklichkeit der Sie­ger ist, zur Regierung hinzuzichen?" Das Echo de Paris" sagt: Wir und die über Europa aufgeklärten Geister wissen sehr wohl, daß das britische Rationalintereffe lehr gut Vorteile aus der PolUik vom 1L Januar ziehen kann, aber die Entente r o r d i a l e, die die konservative Mehrheit von 1918 und 1922 in den Vordergrund schob, ist durch die jetzige Mehrheit bedroht.

'Bor&ereitiw' 3 den Wahlen

Die Auffassung in der Sozialdemokratie.

(Eigene Dradtmekdung.)

Berlin, io. Dezember.

Der »Welt aur *»- ntag" wird aus parlamen­tarischen Kreisen fit; '.Heben: Die überwiegende Mehrheit der sozialdemokratischen Fraktion ist dtzr Meinung, daß eine Hinaus­schiebung deS Wahltermins bis »um Frühjahr die Aussicht^ ' . r Partei verbessern werde. Man hofft nick,, «ar, daß bis dahin die recht beträchtlichen Meinungsvqrschiedenheilen innerhalb der eigenen Reihen mehr ausgeglichen sein werden, sondern man rechnet auch damit, daß eine Stabilität der Geldverhältnisse das $?-iebmrftarten der Presse im Gefolge haben wird, welche die der Sozialdemokratie mehr oder' weniger entfremdeten Arbeiter der Partei zu­rückführen werde. Das eine hat auf alle Fälle big Srife der letzten Wochen erbracht: Die Wahlbewegung ist eröffnet! Alle Par- teiett rüsten in der Ueberzengung. daß in den ersten Monaten des neuen Jahres Vie entschei- dende Schlacht gefchlagen wird.

ORWrautn gexen vle Sraftion.

Berlin, 10. Dezember. (Privattelegramm.) In der sozialdemokratischen Funktionärversamm­lung de» Kreises Niederbarnim wurde eine Ent­schließung gefaßt, bie der sozialdchnorratischcn ReichstaqSfraktton wegen ihrer Zustimmung zum ErmächttgungSgesetz das Mißtrauen auSspricht.

Roch fernem Lande.

Auskunft und Warnung.

k f»le*teit ®ir4fd»<if«»er»älfniffe Im ««utitk* Ian» Haben in Diele» Best Wunsch nnb die ent* ßhlogenhet« eei en lagen, in» 5>u4ta.t» jn wem- Hern, um »ort ein teffetee Leben $u finde«. E« m«8 aber darauf hiugewies n Werben, da» hier Vorsicht befonBer# dringend bonnbten ist. Wenn ein Deutscher sich nach Honolulu enga­gieren läßt und er weiß nicht, ob man ihn an­ständig bezahlen wird, wenn eine sächsische Fir. ma jemand auf Montage nach Japan schicken muß und sie weiß nicht wiesiel Pen in Tokio mm Dasein gehören, oder wenn ein glücklicher Bersiner einen reichen Onkel in Amerika beer­ben will und er weiß nicht, wie er sich dabei zu verhalten hat. dann isst das Reichsw an­der ungsamt das Mädchen für alles, diese völkerverbindende Erkenninisquelle mit dem aro* ßen Wissen und dem kleinen Bea-rntcnapparat. Die alte Mutter, deren Sokm über das Meer fuhr, und die ihm nun schreiben möchte, bevor ihre Kräfte schwinden, sie bittet das ReichSwan- terungsamt. ihren Sohn in der großen WclO^u suchen. Der Ausländsdeutsche, bet von Hin- terindien heimkehrt, und dem man die Papiere ir* gendwo im Kriege abgenommen bat, er läßt sich vom Reichswanderungsamt bestätiaeu, daH er der ist, der er zu sein vorgM. Dieses Keine Reichsamt. dessen Beamtenstab man abbaut, ohne seine Arbeit abzubauen, besitzt einen Re- kognoszierungssinn, der rttnb um den Erdball reicht, der über Santa Eruz in Brasilien nicht weniger unterichtet isst als über Wausan im Staate Wisconsin. Es ist die

flSebäxbe bonaetiaeteiSep. Beamten und der sprachenkundigen Zungen. Jeder Referent sinnt vier Erdteile und die Ver- bältiffe in einem halben Dutzend Staaten au8 langjährigen Erfahrungen. Jeder Beamte ist gleichsam ein Nachschlagewerk, das antwortet auch auf Fragen, die gar nicht gestellt wurden. In den Wartezimmern sitzen die deutschland- müden Seelen unschlüssig. Die Referenten find gleichsam die Aerzte, die den Patienten den PuIS fühlen. Viele wissen nichts weiter, als daß sic aitätoentern möchten. Sie betreten planlos das Wartezimmer, bezahlen die Gebühr, die zehnmal so hoch ist als ein Fembriesporto, Dann setzen sie sich zu den andern um den gro­ßen runden Tisch. Hastig areifen ihre Finger nach den Merkblättern und Zeitunssfiößen. Sie lesen zum ersten Male Namen wie Rio te Ja­neiro oder Milwaukee. Halten Blätter .n ihren Händen, die vor drei Wochen durch die Rotattonsmaschine virginischer oder paraguay­ischer Druckereien gelaufen sind. Die große Welt liegt ihnen in den Ohren. Dann wird man vor den Referenten geführt, ter ein Spezialist des Landes ist. das nw auf dem Anmeldezettel als Ziel der Wünsche fixiert hat Amerika ist immer noch

das Land der großen SehnsuiV. Noidamerikg mehr als Südamevika. Der Refe­rent weiß über die deutschen Vereine Bescheid, über Wohmmgsverhältnisse, Gasihauspreise und Arteftsmöglichkeiten. Er gibt Empfehlungen an Konsuln und Heimatvereine. Er hat ein fun­damentales Material vor sich liegen, das ständig wächst, ständig aktuakffert wird. Di« Gesandt, schäften halten ihn auf dem Laufenden. Mit den deutschen Klubs steht er in ständiger Korrespon­denz. Täglich, bevor er inS Haus geht, lieft et die wichtigsten Zeitungen der ihm übertragenen Staaten. Sein Grundwissen hat er vor Jahren an Ort und Stelle gefammelt, als er Konsu­lat steamter, Studienreisenter oder Wanderreb­ner war. Heusi nnitz er fick begnügen, einen GesandtschaftSsekretar auszuforschen, der frisch über ten Ozean nach Hansi kommt. Das Reichswarrdeningsamt mutz manchmal Jllufto. neu zerstören, übereilte Schritte verhüten, Schicfl salsfchlage mrfhalten Boshafte haben ihm ten Namen Reichswarnungsamt gegeben. Aber diesem Hause hinter tem Schffbauerdamvr siebt dsi Skepsis besser als ter Leichtsinn, Es übernimmt Verantwortungen; es legt den deut­schen Vereinen im Ausland Lasten auf, wenn e$ nicht Warnsignale gibt jenen Kurzftchfigen.

die drüben als Bettler

der Deutschen Botschaft zur Last fallen. ES tst von Staats Wege« ökonomischer, sie hier auf Arbeitslofenrente zu behalten. Es ist auch für da- Ansehen Deutschlands besser, wenn seine Auswanderer in ter Ferne nicht als Bettler durch bie Gassen zu gehen brauchen. Merkwür- dig sind bte Fragen, die manchmal gestellt werten und bte teilweise sogar ein Eingeborener nicht beantworten könnte Ein Industrieller, ter sich auf Ceylon, das Land der Erfüllungen und er Wunschkvsigkeit, kapriziert hat. möch­te wissen, ob er für feine keramische Fabrik, die er unter Palmen toeiterbettelten will, bei den Insulanern ten not"een Kundenkreis findet und ob er auch das Rohmaterial im Lande austrei- bea kann. Di« Referenten im WarrderungSamt