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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 293

Sonntag, 16. Dezember 1925,

Einzelpreis: 150 Milliarden.

13. Jahrgang

Gnzelpreis: 150 Milliarden.

£1

Auf dem Weg zur Goldwährung

den geschaffen find, in das Zentralinstitut auf, netzen werden. In dieser Richtung find Le- reits vorbereitende Schritt« getan.

Devisen. Ttentfnmcrl und Vapirrmark.

Berlin, 15. Dezember. (Privattelegramm.) Grundsätzlich besteht bei der Reichsreaiernng die Auffassung, daß der Devisenverkehr frei, zugeben ist. Man glaubt aber, die völlige Frei- gabg des Devisenverketzrs erst dann eintrctrn lassen zu dürfen, wenn die Gründung der Gold- notenbanl erfolgt ist. Der vor längerer Zeit er­wogene Gedanke, ein festes Verhältnis zwischen Rentenmark und Papiermark einzufüh- ren, ist einstweilen zurückgetreten. Vorerst glaubt man, von chnem solchen Schritt absehen zu sollen bis die Gesatzr der Inflation völlig befei. tigt ist. Di- Franz,bcabfichtigen, die Rentenmark auch im bqsetzten Gebiet anzucr- kenneu, und zwar sowohl deren Umlauf, als die Belastung des Bcfitzes als Deckung der Ren­tenmark. Hieraus ejrgibt fich ein erheblicher Vor­teil für die Sicherung der Rentenmark.

Die XaiifpolMk.

Berlin, 15. Dezember. (Privattelegramm.) Im Reichseisenbabnantt wurde gestern die ge>

Wie in jedem Bankunternehmen bildet das Archiv der Rentenbank eine Abteilung von be- sonderer Wichtigkeit. Hier hänfen sich Stöße von Zeitungen. Alles, was über die Rentenmark und die Rentenbank geschrieben wird, läuft hier zu­sammen und wird von kundigen Händen gesichtet und geprüft. Es ist unnütz zu sagen, daß jede Kritik an dem Unternehmen hier auf das sorg­fältigste auf ihre Wichtigkeit hin geprüft wird. Eine ganze Sammlung von Abhandlungen, die direkt darauf auszugehen scheinen, die neue deutsche Währung zu diskreditieren, ohne daß für die Erörterungen durchaus sachliche Gesichts­punkte maßgebend gewesen wären, heft sich be­reits zusammengefunden, und betrüblich ist es, daß diese Sammlung von Tag zu Tag eine we­sentliche Bereicherung erfährt.

Das neue deutsche G'eld i'st gut. Von diesem Vertrauen wird die Arbeit aller derer getragen, die an seiner Ausgabe und Verbreftnng Mitwirken. Möae es gelingen auch das Publi­kum davon zu überzeugen, 'daß die unglückselige Vapiermark nunmehr durch eine neue Wäh­rung ersetzt worden ist, die durch ihre Deckung vor jeder Inflation geschützt ist.

Eisenbahn, Dost, Telegraph.

Das Finanz- und Verkehrsproblem.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 15. Dezember.

Das Eiseubahnfinanzgesetz, das der BerkehrSverwaltimg im Reichstag unterbreitet wird, sieht unter anderem eine Loslösung der Betriebsverwaltung vom Reichshaus­halt vor. Die Gründung einer AMengesellschast, wie sie mehrfach angeregt worden ist, wird aus­drücklich abgelehnt. Auch eine Aenderung der Betriebsform kommt nicht mehr in Frage. Das Kabinett wird in aller Kürze zu dieser Vorlage Stellung nehmen. Auch die Reichspostver­waltung trägt sich bekanntlich mit dem Ge­danken, in ähnlicher Weise vorzugehen und die Postverwaltung vom Reichshaushalt zu lösen. Bezüglich der technischen Vervollkommnung in der Telegraphenverwaltung plant die Rcichspostverwaltung die Automatisierung der Fernsprechämter und Ausbau der KabelansMüsse letztere derart, daß die deutsllje Kabelgesellsck'ast' n eine Aktiengesellschaft gemeinwirt- chaftlicher Art umgebildet wird. An dieser Ak- ticn-Gesellschast wird die Reichspostverwaltung in hohem Maße beteiligt fein.

kommen. Selbstverständlich muß auch dafür ge­sorgt werden, daß bei der Preiskaltulation berech­tigte Jttteressen der Arbeitnehmer berücksichtigt werden. Eine sehr bedeutsame Frage ist noch, ob es gelingen wird, die von der Regierung an- gestreben Kredite im Auslande zu er­halten. Nach gestrigen Berliner Mitteilungen sollen die Aussichten dafür günstig sein. Mer trotzdem wird noch geraume Zeit darüber hin­gehen. Desto notwendiger ist für uns die be­schleunigte Selbsthilfe. K.F.D.

faulte Tarifpolitik der Reichsbahn und der Zufammenhang mit der Finanzlage und Finanz. Politik der Reichsbahn behandelt, insbefondere auch die Folgen, die sich daraus ergeben, daß die Reichsbahn mit dem 15. November von der Fi- nanzwirtschaft des Reiches losgelöst wurde und auf sich selbst gestellt worden ist. Der Ausschuß war mit der Verwaltung der Auffassung, daß gleichzeitig mit einem Preisabbau der für die Eifenbahn nötigen Stoffe, namentlich Kohle und Eisen, eine Ermaß gung der Güter­tarife anzustreben fei. Die bestehenden AuZnahmetarife sollen auf ihre Angemessenheit nachgeprüft werden. Eine Ermäßigung des zehn- prozentigen Zuschlags für die Beförderung von Gütern in bedeckten Magen konnte bei der der­zeitigen finanziell fcklechten Lage der Reichs­bahn nicht befürwortet werden.

Lio Kaiseler Neuesten s-nckrlck.ten erscheinen möchentllch <«6«mal nadim ttagä. Der ilborme- mer.ttoiets betragt für bte Woche vom 17. bis 28. Dcznnbir 800 Milliarden vet freier Zustellung ms Han-,In der Sefä/ältsiteui' odgeyou 77VMllliaro« I. Bestellungen werden jederlei! entneaen» n?noHinten, «erlag uns R-daittoii: Lchlachryofftcubr 28/30, Fernsprecher Nummer 951 und »5X Für una er langt eingesandte Beitrage tann öte Nedattion eine -.erant. roortuMa o»er Gewahr m tetnem Falle übernehmen. Rückzahlung der BezugSgrideS oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordn mgSm ikiger Lieserang Ist ausgeschlossen. Postscheckkonto Franks uri a M. Sir. 6 <80.

3n drr Rentenbank.

Das wichtige neue Unternehmen.

Sie e» in de, 9tenten6act. in dem Untee» nehmen, das jetzt für S-uts-rlan» eine ;o gi'03« Bedeutung hat, auSN-ht, schildert eia Berliner Bertü/ierfrattee wie folge < Richt im historischen Bankviertel Berlins, son­dern im Südwesten, dort, wo ein Jndustriehaus sich neben dem anderen erhebt, Fabriken und Großhandelssirmen gedrängt nebeneinander und übereinander liegen, hat die Deutsche Ren­te n b a n k ihr Heim ausgeschlagen. Dort ist in der Nachkriegszeit ein prächtiger Industriebau aus roten Backsteinen entstanden. Architektonisch ein Meisterwerk, wie es deren nicht viele in dem ausdruckslosen Berlin gibt. Im Innern scheint es, als hätte der Künstler, der den Bau entwor­fen hat, ursprünglich für die Ausstattung edleres Material vorgesehen. Nüchterne gekalkte Wände, zweckentsprechend gegliederte Räume und vor allem: Luft und Licht überall.

Ein Lichthof, wie ihn die meisten großen Bankhäuser für den Verkehr mit dem Publikum hergerichtet haben, dient hier dem gleichen Zweck. Alles ist unfettig, provisorisch eingerichtet. An den Schaltern einer Seite befinden sich mit Bunt­stift geschriebene Orientierungstafeln, die andere ist noch vollkommen unfertig. In einer Ecke sind Möbel aufeinander getürmt. Die Polonäsen de­rer, die in dem Schalterramn noch bis vor we­nigen Tagen sehnsüchtig auf wertbeständiges Geld Warteten, sind verschwunden. Nur einige Kassenboten bringen Papiergeldsurnmen zur Um- wochslung gegen Rentenmark. In der Mitte des Lichthofes stehen Tische und Stühle, einfachste Bureaumöbel, in wirrem Durcheinander.

Ebenso einfach und nüchtern fntb die Räume ausgestattet, die der eigentlichen Bu­reauarbeit, der Registratur und den bankmäßigen Buchungsarbeiten dienen. Die Möbel, die man zusamwongetragen hat, sind nickst einmal durch- iveg neu. Selbst die Dircktionszimmer machen hier keine Ausnahme. Wo sind die Zeiten ge­blieben, da jede kleine Kriegsgesellschaft nicht ohne ein Dutzend Klubsessel auszukommcn glaubte? Im dritten Stock befinden sich die Räume, die die Reichsbankabteilung der Rentenmark beziehen soll. Hier find noch die Handwerker bei der Arbeit, um sie zweckentspre­chend einzuteilen und auszustatten. Zweckent­sprechend heißt Ober auch hier: so einfach wie nur irgend möglich. Die Reichsbankabteilung wird voraussichtlich die wichtigste des ganzen Rentenbanlkunternehmens werden. Hier werden die beiden Blutströme zusammenflicßen, die die deutsche Wirtschaft auffrischen sollen.

Die Rentenbank verfügt bisher nur über eine ganz bescheidene Anzahl von Angestellten. Man hat hier nicht, wie sonst hei allen Nachftiegsgrün-- düngen, den Fehler gemacht, daß man bett wirt­schaftlichen Körper des Unternehmens von vorn­herein auft'chwemmte, um sich jetzt vor der Not­wendigkeit zu sehen, angesichts der katastrophalen Wirtschafislage Deutschlands abzubauen. Hier soll aufbauende Arbeit geleistet werden, und jeder Aufbau ist nur dann denkbar, wenn er aus kleinen und kleinsten Anfängen heraus geschieht.

itijeigenpreife ÄeschüflSanzetgen Zeile 15 Pfennig, Famckien-Anzelgen Zeile 10 Pfennig, SV ^üiiigen das Wort 2/, Pfennig, Reklamen Die Zeile .'0 Pfennia, Offertg-buhr io Pfennig (bei Zusendung ber Offerten 20 Pfennig), Re»nungSbet.iige find innerhalb fünf Tagen jn bezahlen. Maßgebend ist der Sure deS Zablung-tageS. Für die SHtcstig. tut aller durch ernfprecher anfgeqenenen Änzeigen. sowie für Siusnatzniedaten und Plätze kann nicht garantiert werden. Für Anzeigen mit besonder? schwierigem Satz hundert Prozent Aiuichlag Truckerei: Schla dlhofstiatze 28,30. Geschäftsstelle Kölnische Straße b, gegenüber der Spohrftratze. Fernsprecher Nr, 951 und 952.

sich auch dem nicht wirtschaftlich geschulten Men­schen klar geworden sein, daß unsere Lebens­haltung nur dann gebessett werden kann, wenn mehr Ware erzeugt wird. Uebersteigt das An­gebot die Nachfrage dann haben wir billigere Preise und größeren Umsatz, wobei sowohl Käu­fer als auch Verkäufer urfb Erzeuger auf ihre Kosten kommen. Vermehrte Produftion und bil­ligere Preise bringen weiter den Vorteil, daß unser Absatz nach dem Ausland, der jetzt völlig stockt, wieder zunehmen wird, womit wir eine aktiveHandelsbilanz erreichen, die Aus­fuhr also über die Einftchrziffern steigern wür­den. Der dann aus dem Ausland« kommende Geldüberschuß regelt und bessert unsere Va­luta. Dieser dem ganzen deutschen Volke zugute kommende Nutzen liegt so klar auf der Hand, daß cs unbegreiflich ist, wie sich gewisse Verbände immer noch gegen die Mehrerzeugung sträuben. Wenn jetzt die Regierung dazu übergeht, das tote Schema des Achtstundentages zu durch­brechen, so tut sie es aus der Erkenntnis heraus, daß es so wie bisher nicht weiter gehen kann. Wir seben ja, daß uns die sogenannten Errun­genschaften der Revolution nickst vorwätts ge­bracht haben. Dabei mitff en sich gewisse Leute die Lcbensanschauung, daß die Arbeit eine Strafe fei, abgewöhnen. Eine Wohltat ist sie für die Menschbett, und eine Strafe ist es für den, der keine Arbeit hat. Die Arbeitslosigkeit kann nur bekämpft werden, wenn wir durch vermehrte und billigere Ware den Absatz ver­größern und neue Aufträge hereinbe-

benn von den Vertretern der Presse hänge ein großer Teil der Gesamtwohifahrt ab. Reichstagspräsident Lobe behandelte bann das ThemaParlament unv Presse". Chefredakteur Ackermann schloß di mit, daß er sagte:Ich hab: das Gefühl, daß man in der Regierung immer noch zu viel a tf dem Standpunkt stehe, daß die Presse eine unbequem * Opposition sei. Hier müsse ein besseres Zu fammenerbeiten stattfinden. Dienst am Vaterland >u leisten sei ohne Idealismus nicht möglich, fei aber auch nicht möglich ohne gesicherte materielle Grundlage. Wenn © e, schloß er zu dieser Arbeit Mithilft leisten, werden Sie Dienst am Vaterlanbe tun*

Deutschland und Frankreich.

Reparations-, Rhein- und Ruhrfragen.

Paris, 15. Dezember.

Am heutigen Sonnabend soll zwischen de« deutschen Gescl-ästSLrägcr in Paris, v. Hösch, und dem französisckien Ministerpräsidenten Poincars eine Aussprache über die Reparationsver. Handlungen fiattfinden. In Pariser halb­amtlichen Kreisen besteht die Ausfassung, man werd: die deutsck/en Vorschläge gern entgegenneh» men, aber dftRuhrbcfetzungdürfonicht erörtert werden. (!) Die Regierungen von - ^«ris und Brüssel würden das Land, dessen

Der Weg zur GolSwGmng.

Beratungen im ReichSkabinett.

(Eigener Drahtbericht.)

Berlin, 15. Dezember.

Die Währungsfrage hat neben anderen lau­fenden Gefchästen die Reichsregierung in der letz­te» Zeit stark brfchäfkigt. I« großen Umrissen zielen die Pläne t Reichsregienmg darauf ab, daß dssr Gedanke einer Zentralgoldno- tenbanf in möglichst absehbarer Zeit in die Wirklichkeit umgefetzt werden wird, da man all­gemein der Ueberzeugnng ist. daß es sich bei der Rentenmark nut um eine Zwischenlösung han­deln kann Vor allem ist bei der Zentralgold- Notenbank auch an die Beteiligung von Aus- kanvSkapital gedacht. ES besteht berech­tigte Aussicht, daß man die erforderliche Unter­stützung des Auslandes bei bet Durchführung diefes Planes findet. Es muß damit gcretfmet werden, vast dann bis Golbnotonbanken, dir bis­her von einzelnen Ländern und Gemein-

.3n letzter Stunde.

Vorschläge, im Staatsrat zum Finanzanfbau. (Privat-Telegramm.)

Berlin, 15. Dezember.

Die Fimmzlrise hat den Hauptausschutz deS StaatsratS veranlaßt, folgende Bor'chlä-e zu machen: 1. einen Plan zur fofortigen Verein- gerung der Ausgaben durch Aufhebung, AbSnderu.g ober Aussetzung aller Gesetze .deren Durchführung nicht unbedingt notwend ge Aus­gaben erheischt; 2. einen nach Festmark v:r- anfchlagten Haushaltsplan un.er Strei­chung fämtlicher nicht unbedingt zur Fortfüh­rung der staatlichen Verwaltung nötigen Aus- gaben vorzulegen; 3. hinzuwirken auf He­bung und Verbilligung der Produk­tion durch Anwendung aller wirtfchastlich und technifch möglichen Mittel und Abbau aller un- produftiven und verteuernden Tätigkeit im staat- lickjen, kommunalen uns privaten Wirtschaftsle­ben sowie die Zuführung aller entbehrlichen Kräfte zur produktiven Tätigkeit; 4. endlich bet Der Reichsregierung auf d'« sofortige Umgestal­tung des Steuersystems unter Wiederher sicllung der Selbständigkeit der '.änter und Kom­munen hinzuwirkcn. Ferner wird die Einfüh­rung des Arbeitspflichtjahres gefordert. Der Antrag des Haupjausschuffes wurde ge­gen Demokraten, Sozialdemokraten und Korn munifieu mit Mehrheit an gen 0 mm c n.

Vor dem Nichts.

Die Wirkung ber Finanznot.

Wir befinden uns gegenwärtig in einer Zeit des Widerspruchs. Während die deutsche Wäh­rung ganz unbestreitbar auf dem Wege der Besserung ist, und im privaten Wirtschafts­leben folgerichtig mit der Marksteigerung die Warenpreise sinken, ist die Reichsverwal­tung in größter Finanznot. Das Finanz­ministerium sieht sozusagen vor dem Nichts, es kann seinen laufenden Verpflichtungen nicht mehr i.achkomrneu, da keine Mittel vorhanden sind, um die Ausgaben zu decken. Ursache dieses Wider­spruchs ist die ungenügende Vorbereitung des Reformwerks. Zwar zeigt die Markbesserung und der Preisrückgang, daß die Währungspolitik rich­tig war, als man für das neue wertbeständige Geld ausreichende Sicherheit schaffte, es nur in begrenzter Menge ausgao und gleichzeittg die Papiergelbpresse stillegte. Aber der Reichshaus­halt ist in Einnahme und Ausgabe noch nicht ausgeglichen. Sowohl Reichskanzler Marx, als auch Finanzminister Luther haben unverhüüt die Tatsache bekundet, daß die Finanzverwaltung vor einer Katastrophe steht. Di« früher sehr einträglichen Reichsbetriebe Post und Eisenbahn ersordern seit den Kriegsjahren erhebliche Zu- schüss«, die Zahl der Beamten hatte durch Neu- einstellungen, die nach der Revolution teils aus Demobilmachungsgründen, teils aus polittschen Absichten erfolgten, zugenommen, und die feind­liche Besetzung des Ruhrgebiets und ihre Folgen verschlingen ganz ungeheure Summen. Dem­gegenüber sind die Einnahmen nur sehr genug infolge der durch die langsam« Produftion »er« minderten Steuerkraft des Volkes und der ver­späteten Einziehung bei Steuern.

Was ist nun zu tun? Die Reichsregierung plant neben rücksichtslosen Sparmaßnahmen die Erhöhung der Einnahmen. Ersparnisse sollen bekanntlich erzielt werden durch Beamten­abbau, Beschneidung der Beamtengehälter, Um­stellung der Staatsbetriebe auf privatwirtschaft- liche, kaufmännische Grundlage. Auf diesem Weg« läßt sich viel erreichen. Die Not wäre nicht so groß geworden, wenn die Pläne schon ftüher durchgeführt worden wären. Daß die durch den Zwang der Verhältnisse gebotene Umwandlung geschehen muß, wird auch von den Deamtenver- bänden anerkannt. Nur ist dabei mit Sorg­falt vorzugehen, und bei allen Maßnahmen das wirkliche Slaatsinteresse voranzustellen. Es sind ja auch bereits mildernde Richtfinien für die Entlassungen gegeben worden, und in der Ge­haltsfrage sind noch Verhandlungen im Gange. Auf ein Gebier, das besonders bedroht erscheint, auf die Schule, muß aber die Aufmerksamkeit aller Kreife gerichtet werden, da hiervon auch das ganze Volk unmittelbar bettoffen wird. Von der Jugenderziehung hängt Deutschlands Zu­kunft ab. Daran darf nicht noch mehr gefpatt werden, da die Ausgaben für die Schul« schon auf das Mindestmaß herabgedrückt und über- slüssige Lehrftäste nicht vorhanden sind. Dagegen wird auf anderem Gebiete, zum Beispiel durch Zusammenlegen von Verwaltungszweigen und gemeinsame Materialbeschaffung usw. sparsamer qewirft'chaftet werden können.

Ms sehr nützlich wird sich auch die Reform der Arbeitsleistung zum Zwecke der Pro- duftionsvermehrung erweisen. Es muß alünäh-

Dee SMar unö öle Vr^ffe.

Eine politische und soziale Kundgebung.

(Eigener Drahtbericht.)

Berlin. 15. Dezember.

Im Sitzungfaale des preußischen Landtages fand gestern abend eine vom Bez rksverband des ..Reichsverbandes der derttschen Presse* ver­anstaltete. zahlreich besuchte Kundgebung statt, mit dem Thema:Schicksalsfragen der deutschen Presse". Außer dem Reichs- lan.tler Dr. Marx erschienen auch Die Reichs- taaspräsidenten L 0 ebe und Tr. Riefer, so­wie die Landtagspräsidenten Leinert und Germrsch. Vertreter aller Parteien sowie der Ministerien des Reiches und der Län­der. Der Vorsitzende deS Bezirksverbandes. Dr. D 0 v i f a t, faßte das Thema deS Abends in der Frag« zusammen:Wie können in Deutsch­land den Redakteuren, den geistigen Trägern der Zeitungen, die rechtlichen und sozialen

Sicherheiten und Voraussetzungen

gegeben werden, um den öffentlichen rechtlichen Aufgaben in voller Freiheit, aber auch in voller Verantwortlichkeit gerecht zu werden". Reichs­kanzler Dr. Marx wies in der AuS prache daraus hin, daß es fich jetzt bei dem ganzen Volke um SchickslLsftagen handele. Die innere La?« 'st ernst, die äußere nicht weniger. Die innere tonn nicht gebessert werden, bevor die Rhein, und Ruhrfrage gelöst ist. Die P r e s s e hat ein Recht darauf, im öffentlichcu Leben als ganz beson­derer Faktor angesrhen zu werden. Neber die Bedeutung der Presse jn der gegenwärtigen Politik wies der Kanzler auf die Wirkungen der irregeleiteten ausländischen Presse in den Kriegsjahren hin. Besonders im Ausland muf> die deutsche Presse Pionierbienste leisten. Der Reichskanzler erinnerte an die geradezu h - totfdto Hingabe sehr vieler Journalisten, Redak­teure und Verleger im besetzten Gebiet, A u - gcnblicklich liege das ganze Zeitungs - gewerbe darnieder. Der Re llskauzler versprach zu tun, roaS in feinen Kräften stehe, um

der Presse zu helfen.