Einzelbild herunterladen
 

Meter Neueste Na

Kasseler Abendzeitung

Sie Kaffeier Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal nachm ttagS. Ser Abanne. mentSprei« beträgt für sie Woche vom 17. bis 23. Dezember 800Milliarden cet freier Zustellung ins Haus,in der lSeschäfrSstelle abgeBoÜ. "«Milliarden. Bestellungen werden jeder,eil entgegen, genommen. Verlag und Redaltion: Schlachlbofftratze 28/30. Fernsprecher Stummer 951 und 951 Für unverlangt eiugesandte BeUrage kann die Redaltion eine fcerant. Wartung oder Gewähr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung des Bezugsgeldes oder «nwrüche wegen etwaiger nicht ordn-mgsmitziger Lieferung ist ausgeschlossen. Postschecklonlo Frankfurt a.M. Nr. 6380.

Anzeigenpreise DeschäftSanzeigen Zeile 15 Pfennig, Familien-An,eigen Zeile 10 Pfennig, Kleine Anzeigen das Wart 2/, Pfennig. Reklamen die Zeile =0 Pfennig, Offerkgebühr 10 Pfennig (bei Zusendung der Offerten 20 Pfennig), Recl.nungsbetrüge sind innerhalb fünf Lagen zu bezahlen. - Maßgebend ist der Kurs deS Zahlung-tageS. Für die Richtig, keil aller durch Fernsprecher aufgeneoenen Anzeigen, loroie für yiufnu&mekaten und Plaue kann nicht garantiert werden. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag. Druckerei - Schlachthafstratze 28/30. Geschäftsstelle Kölnische Straße 5, gegenüber der Spohrstraße. Fernsprecher Nr. 951 und 9a2.

Hessische Abendzeitung

Nummer 295.

Einzelpreis: 150 Milliarden.

13. Zahrgan

Mittwoch, 19. Dezember 1923.

Einzelpreis: 150 Milliarden.

Deutschlands Vorschläge genügen nicht!

Hilfe oder Gefchüft?

Amerika und Deutschland.

Die amerikanische Politik scheint sich etwas zu entschleiern, nachdem sic jahrelang eine abwar­tende Haltung einnalM. Die Mission des Friedensapostels* Wilson war in Versailles vülllommen zuscrmmengebrochcn, tmb da das im Krieg satt gewordene Vankeeland direkt von den europäischen Wirren nicht berührt wurde, fast Me Staaten Europas ihm verschuldet wa­ren und sich gegenüber Deutschland einer frevel- hasten Politik befleißigten, konnte die Verleug­nung aller politischen Moral durch die echten Amerikaner mit Phrasen verdeckt werden, die die krasse Selbstsucht nicht offenbar werden ließen. In Wirklichkeit haben alle Versuche Englands, die Amerikaner irm der lieben Gerechtigkeit wil­len ihre wirtschaftliche Machtsülle gegen den Poincarismus in die Wagschale $u werfen, mit einem Zusammenbruch geendet. Immer und zu jeder Zeit verkündeten die amerikanischen Poli- .-tiker, sie bedauerten herzlich das uneinige Euro­pa, aber die amerikanische Htlje sei erst dann zu erwarten, wenn Europa sich geeinigt haben würde. Daß die offizielle amerikanische Politik in den Weltkrieg eingriff, um eine Niederlage der Entente und damit den Verlust der ihr geborgten Kapitalien zu v e r h i n d er n, hat der Admiral Sims ost ge­nug wiederholt. Nicht aus Gerechtigkeltsliebe, sondern aus ganz nüchterner Berechnung hat Amerika dem Krieg entschieden, und die gleiche Berechnung führte es nach dem Kriege dazu, die Lüge der vierzehn Punkte und den Bruch des W-lsonfriedens als nützlich und not­wendig hinzustellen.

Immer wieder hat 'die offizielle amerikanische Politik sich bemüht, moralisch zu erschünen und gleichzeista den amerikanischen Jmperialisnius zu stärken. Man hat offiziell nicht den Versail­ler Frieden verurteilt, ist ihm auch nicht beige- trcten. Dagegen hat man im deutsch-amerika­nischen Separatftieden »Deutschlands Schuldbr- kenntnis* glatt übernommen. Man bat drüben gegen den BSlkerbund Konkurrenzunternehmun- gen ins Leben rußen wollen und durch diese .Richtbeteiligung erst recht die Ungerechtig­keit der Völkerbund sentscheioungen möglich gemacht. Man hat drüben eine Abrüftungskon- fercnz von Frankreich sabotieren lassen, aber gleichzeitig di« amerikanische Flotte zur stärk­sten der Welt gemacht und einen Militaris­mus ausgerichtet, der nur im französischen ein Gegenstück findet. Die Vorstellung der Amrrika- ner, die sich »Gods own People*, Gottes eigenes Volk, nennen, sah immer im Franzosen den Un­schuldigen, durch ienen schnöden Üeberfall Ver­bitterten, im Deutschen den Intriganten und Bösewicht und in Uncle Sam den Tugendbold und Moralprediger des Welttheaterstückes, dem im Kriege das Gold Europas in den Schoß fiel für Munitionslieferungen an unsere Feinde, und der sich so «bereicherte, daß er ganz Europa hätte kaufen können.

Amerika hat ruhig zugeseb'N, wie Deutschland und Deutschösterreich litten, Wie Frcmkreich an Rhein und Ruhr Greuel beging, die Aehnlichkeit mit denen der Belgier im' Kongo Haden, aber das Weltgewrs- ien, diese patentterte amerikanische Ersin dang, regte sich nicht, und wenn England an die Tür klopft« und um Schuldenstreichung bat (Lloyd George, Baldwin, vorher Donar Law, vor allem Curzon haben diesen Versuch gemacht, um so ein« billige Lösung der Revarationsftage zu er- mögüchen), sprach der Amerikaner von Ver- pflichtungen, die erfüllt werden müßten. Amerika hat dabei ein gutes Go schäft gemacht, aber dieses Geschäft ist in Gefahr. Das russische Getreide dringt wieder auf den europäischen Märtten vor, nachdem die bolschewistische Re- gierimg heute in der Praris den Sozialismus und Kommuifismus ab geschasst hat- Die ame­rikanische Weizenproduktion, von mehr als sechs Millionen Farmen auf den Markt gewor­fen. ist unverkäuflich Heute decken die Verkaufspreise drüben nicht einen Teil der Er­zeugungskosten. Bricht aber unter den Farmern eine Krise aus. dann werden mehr oder minder alle Zweige Amerikas davon getroffen.

Eingestandenermaßen hat nur diese Urfachv dk- Regierung Coolidgr dazu gedrängt, die Ab- wartepolittk gegenüber Europa auszuaeben. Verhandlungen über einen Lebensmitteikredit für Deutschland sind aussichtsreich, weil jetzt der Abfluß der lleberproduktion nach Eu­ropa geradezu ein Lebensinteresse Äme, rikas ist. Coolidge hat sich ferner bereit er- Härt, eine nicht amtliche, aber immerhin aktivere Beteiligung an der Lösung des Revarations. Problems zuzusagen, und zwar will sich Amerika im Untersuchungsausschuß vertreten lassen. Wichts ist bezeichnender für den geschäftlichen Sinn der Amerikaner, als daß die deutsche Le> bensmittelanleihe die Priorität vor allen ande­ren Reparationsansprüchen haben soll. Mögli ckxrweise werden die Amerikaner in diesem Punkte ourckchringen. Das amerikanisch« Vorgehen, auz welchen Motiven auch inuncz es erwachsen sein

mag, bringt etwas Ordnung in das Chaos der Reparationsfrage. Das deutsche Inter­esse deckt sich jetzt mit dem amerikani­schen. Daß aber hier keine amerikanische Barm­herzigkeit, sondern lediglich Geschäftssinn vor­liegt, muß besonders betont worden, da gerade der Deittsche Moral uns Gewissen in der Politik und im Geschäft sucht oder auf die Erkenntnis bei den Gegnern hofft, wo ganz andere Motive mächtig werden. Das Ausland spricht von Mo­ral und meint Geschäft und der Amerikaner ist Ulster diesen Tüchtigen der Gewandteste. 8.

Deutschlands Vorschläge.

Poincarü ist noch nicht zufrieden.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 18. Dezember.

Das offiziöseJournal de Debats" berichtet aus Paris, daß Poincarö die deutschen Vor­schläge nicht für weitgehend genug anschcn müsse, wenn nicht die ganze französisch« Reparationspolitik gefährdet werden solle- Ob man zu einer Fortsetzung der Besprechungen mit den Deutschen komme, werde sich erst nach Ans>örung der Sachverständigen entscheide« las­sen, die für Dienstag und Mttwoch geladen seien. Es bestelle die Absicht, dem deutschen Vertreter schon vorher eine vorläufige Echwide- runq zu geben. Die Reichsregierung erwartet die endgültigen Entscheidungen aus den alliierten Hauptstädten auf die letzten deutschen Darlegimgcn noch im Laufe dieser Woche. Die Mitteilung des Pariser Botschaftsrats von Hocsch über das Poincarö übergebene deutsch« Memorandum spricht davon, daß Poincarö sich das Ersuchen an Deutschland um weitere In­formationen vorbehalten habe.

Belgien sied! einenFonsDrktt".

Brüssel, 18. Dezember. (Eigener Draht­bericht.) Der BrüsselerSoir" meldet, Jaspar und Thcunis sehen in den neuen deutschen An­trägen wesentliche Fortschritte gegen­über den stührren B«rsuchen. Ob sie diesesmal zum Ziele führen, ljänge davon ab, daß Deutsch­land ein Mindestprogramm annchmen und sofort durchführen müsse. Das System Rat Henau-Wirth, Versprechungen, aber keine Er. füllungen zu geben, dürfe sich nicht wiederholen.

9

England da!Kenntnis genommen«.

Londo n. 18. Dezember. (Eigener Drahtbe- licht.) Wie dieTimes" melden, hat die britische Regierung das deutsche Memorandum informa­torisch zur Kenntnis genommen. Eine Aktion der britischen Regie.ung habe Deutschland nicht zu erw arten, da d«S AnMbot fast aus. schließlich die Beziehungen Deutschlands zu Frankreich und Belgien betreffe. Die britische Re- gierung, die die Ruhrbesetzung juristisch noch jetzt ab le h ne, könne sich nicht gut an Ber- handlungen über diese Besetzung beteiligen.

Um Levensmtttettrkdtte.

Berlin, 18. Dezember. (Privattclegramm.) Dr. Stresemann war gestern in der engli­schen Botschaft, wo er wegen der privaten englischen Kreditangebote Besprechungen hatte. Aus London wird gemeldet: Die eng­lische Regierung hat den englischen Kreditgebern die Hingabe größerer Auslandskredite an Deutschland g c n e h m i g t. Die Genehmigung ist davon abhängig gemacht, daß Deutschland die Zustimmung der Reparationskommis- sio« umgehend herbeiführcn wird.

Llm die Arbeitszeit.

Weitere VerhanÄunge» im Bergbau. (Privat-Telegramm.)

Essen, 18. Dezember.

Im Kohlenbergbau werden voraussicht­lich in den nächsten Vagen Verhandlungen zwi­schen Arbeitgebern und Vertretern der Ar. beitnehmer stattfinden, die die Arbeitszeit für die Arbeit über Tage festsetzen sollen. Nachdem für die Schwerindustrie ein Abkommen über die Verlängerung der Arbeitszeit, das allerdings noch von der Stellungnahme der Mctallarbeiter- verbände und dem Ergebnis der im Laufe dieser Woche abzuhaltenden Urabstimmung aühängt, ge­troffen ist, kann man mit der Wiedereinführung des Zweifchichten-Brbeitstages über Tage im Bergbau rechnen. Aus Berlin wird gemeldet: Im ReichSarbeits - Ministe­rium beginnen am Freitag VerhandlunMm mit den Vertretern des Bergbaus über Neufestsetzung

der Arbeitszeit. Die Arbeitnehmervertreter Ober- schlestens und Mitteldeutschlands lehnen die noch­malige Verlängerung der Arbeitszeit strikte ab.

Dor Sem Aednsturrtrntaa.

Berlin', 18. Dezember. (Privattclegramm.) Rach den im Reichsarbeitsministerium vorliegen- dcu Anzeigen ist die allgemeine Wieder­einführung des Zehnstundentags in der deutschen Industrie zum 1. F e b r u a r in Vorbereitung, um eine Verbilligung der Produktion und damit die Absatzsteige­rung für die Produktion herbeizuführen, wo­mit vermehrte Arbeitsgelegenheit gefchaffen wird.

Des Reiches Fwamnor.

Die Steuereinziehung und Sparnotwendigkeit, ., (Eigener Drahtbericht.)

Berlin, 18. Dezember.

Im Anschluß an seine Sonntagsrcde imVer­ein Berliner Presse" hat der Reichskanzler Dtarx über den Zeitpunkt der nächsten Steuernotvcrord- mmg mitgeteilt, daß die weiteren Steuern noch vorJanuar veröffentlicht werden sollen und daß durch die Gesamtheit der neuen Steuern mindestens noch für Januar 500 bis 600 Millionen Goldmark einkommen müßten. Der Reichsfinanzminister hat in einer Aus­sprache mit den Gewerkschaften die Schulden der Reichsbahnen mit fast 650 Millionen Goldmark, die der P o st mit ungefähr ein Drittel davon beziffert und die Notwendigkeit eines weiteren Beamtenabbaues betont. Der ungedeckte Banknotendruck dürste nicht wieder nur einen einzigen Tag zugelassen werden. Man müsse die Ausgaben immer nach den Einnahmen x-chtest und nicht umgekehrt verfahren. '

VoflgewerkkKaft gegen DridaiwstisDafi.

B e r l i n, 18. Dezember. (Privattelegramm.) Die Postgewerkschast nahm eine Resolution an die Regierung an, die sich gegen die Privati­sierung der Reichspost ausfprW.

e

Die Renienmark on 2!ue;and»»Sr?kn.

Berlin, 18. Dezember. (Privattekegramm) Nach den hier vorliegenden Meldungen wird die deutsche Rentenmark im Freiverkehr in Lon­don. Newyork, Rotterdam und Amsterdam gehan­delt. Die Notierungen liegen teilweise um ein wesentliches über der Jnlandsbewcrttmg.

Stemr-DemLNZWen.

Im ReichskEnett und tm Fünfzrhncrausschuß. (Privat-Telegramm.)

Berlin. 16. Dezember.

Das Reichskabinett erörterte in seiner gestrigen Sitzung die Grundlagen der dritten Rotsteuer - Verordnung. Die Steuervorschläge des Retthsfinanzministerinms wurden nntrr Borbehcht der endgültigen Formulierung grund­sätzlich gebilligt. Ueber Einzelheiten der Auf- wertungsfrage wurde ein Beschluß noch nicht ge­faßt. Die Verordnung iitiet die Verpflichtung der AuMllung von Goldb stanzen «np der Bestimmung von Bilanzfritzen wurde ge­nehmig' Der Fünfzehnerausschutz des Reichstages setzte seine Beratungen über die zweite Sreuer-Rotverordnnng fort. In dem an­genommenen Anträge wurde der Regierung na­hegelegt, bei den im Paragraph 17 vorgesehenen Abzügen der Steuer vom Arbeitseinkommen hie Ermäßigung für die zum Haushalt d-es Arbeitnehmers zählenden Familienangehörigen auf K i u d e r bis zu 18 Jahren auszuseynen.

vem Ruhrgebiet.

Die Franzosen verbieten deutsches Notgeld. (Privat-Telegramm.)

Essen. 18. Dezember.

Die Ausgabe eines wertbeständigen Notgeldes für das besetzte Gebiet ist auf Schwierigkeiten gestoßen, da die französi­sche Besatzung der Berwirflichung dieses Plaues ihre Genehmigung bisher versagt hat. In Köln sowohl wie in Koblenz fanden nun am Sonn­abend zwischen den Bertretern der in Betracht kommenden Provinzial- und Kommunalverbende und der französischen Dienststelle Besprechun­gen statt, die aber zu keinem Ergcbnas führten. Bon französischer Seite wurde erklär', man müsse erst nähere Anweisungen von Paris chtforbern. Am heutigen Dienstag sollen die Verhanvlung n erneut wieder ausgenommen werden.

e

Das «nde des Mdrrstandes.

Essen. 18. Dezember. (Privattelegramm.) Die Gewerkschaften an der Ruhr teilten gestern dqm General Degovtt« die endgültige Beendi­gung deS passiven Widerstandes mit. Die Gewerk'ck,alten bitten den General, um sei­nerseits das erfolgte Ende des passiven Wider­standes zu vroklamüoL».

Der Kasseler Rus.

Austakt zur kommenden Stadtverordnetenwahl.

Zn der grftrig«« Stad!verardnete:,fitz»»L wnr. de »om Magistrat eiitgetailr, datz er gegen den verantwortlichen Sanpttchriftteitcr des Staffelet retä)t6 orientierte« Blattes Strafantrag gestellt hat. Bon dem nun folgenden Prorehvcrfahre» erwartet man im Magistrat, wie ein Magistrats- r t erflärt«, datz er die AtNto-phä.-e in Raffel vor allemkünstlichen Dreck« reinige.

Es war gestern Schlußsitzung der Stadtver­ordneten für dieses Jahr. Auch Weihnachts- sttzung. Aber ... kein Engel schwebte durch den schönen Saal! Gleich zu Beginn platzten Dr. Theiß und Kreiß aufeinander. Der sozialdemo- kratifche Rathausjurist griff noch einmal den Hausverkauf in der Altstadt an einen Galizier auf, der nach seiner Behauptung durch einen Deutschnattonaten erfolgt sein soll, was der deutschnationale Stadtverordnete Kreiß be­stritten hat. Dr. Theiß sagte gestern: Wie sich um die Ehre, Homers Geburtsstadt gewesen zn sein, zwölf griechische Städte stritten (sieben, so wurde er berichtigt), stteiten sich hier Deutsche V-olkspartei, Deutschnationale, Nationalsozia­listen, Denlschvölkifche, oder wer es sonst fein mag, um die Ehre, diesen Hausbesitzer in ihrer Organisation zu haben. Er, Redner, habe aber eine interessante Zusammenstellung in seiner Ak­tentasche über Verkaufe, die in den letzten Jah­ren in Kassel an Ausländer stattgefunden haben. Daraus ergebe sich eine

kolossale Nebcrfremdung des HausbefitzeS.

Im Jahre 1919 wurden vier, im Jahre 1920 be­reits elf, ein Jahr später nenn, im folgenden Jahre zweiunddreißig nnd in diesem Jahre Vier Hauser, zusammen sechzig Grimdstücke, an Aus­länder ve-ckimft» davon sieben an Galizier und Oesterreicher. Eine ganze Reihe Verkäufer scheine dringend verdächttg, deutschnattonal zu sein. (Hört! Hört!" rief Kreiß dazwischen, und Pfui!*)- Dr. Theiß ftihr ironisch fort: Ein echt völkischer Mann mag keinen Juden leiden, doch seine Scheine nimmt er gern! Stadtv. Kreiß lehnte erregt ab, mit einem solchen Manne zu disputieren, der mites scheint* undes könnte sein* als neuenTatsachen* seinen Rückzug deckt. Was würde die Sozialdemokratte sagen, wenn seine Fraktion so vorgehe! Dr. Theiß: Die Liste steht Ihnen zur Verfügung. Kreiß: Darauf ver­zichten wir! Dann kam der zweiteFall":

Der wohnungslose Obcrbaural.

Professor Hebel richtet im Namen der Freien bürgerlichen Vereinigung folgende Anfrage an den Magistrat:Ist angesichts der Vorwürfe, die in derKasseler Post* gegen den Magisttat in der Wohnnngsangelegenheit des Oberbaurats Dr. Höhle und gegen diesen selbst erhoben worden sind, der Magisttat bereit, die Stadtverordneten­versammlung über diese ganze Angelegenheit in öffentlicher Sitzung aufzuklären?» Eines Man­nes Rede, zitierte Professor Hebel den alten Rat-, Hausspruch, ist keine Rede, man muß beide Sei- len hören! Oberbürgermeister Scheidemann beauftragte den Magistratsrat Dr. Schmitz, der in ruhiger Sachlichkeit ein Bild der Vor­gänge entrollte, wie es sich ihm bei einer Nnter- inchimg aus Grund der Akten und Befragung der in betracht kommenden Persönlichkeiten ergeben hat. Der Bericht, der an anderer Stelle wieder­gegeben wird, geht auf alle Vorwürfe ein, die Redakteur Richard Weber erhoben hat, und zu denen bisher geschwieyn wurde. Gestern nun teilte Oberbürgermeister Scheidemann plötz­lich mH:Der Magistrat hat den Beschluß gefaßt, gegen di« Kasseler Post Strafantrag zu stel­len wegen Beleidigung des Oberbaurats Dr. Höhle und des Stadtrats Wittrock!* An dieser Stelle sei nur wiedergegÄien, was Dr. Theiß sagte. Dieser stellte sich auf folgenden Stand­punkt: Die Mitglieder der sozialdemokratischen Fraktion haben Verständnis für ein derbes Wort im Kampfe der Parteien. Wo gehobelt werde, da fallen Späne. Jetzt müsse gegen systematische

Herabwürdigung des politischen Kampfes und Stempelung von Persönlichkeiten ans expo­niertem Posten zu Schiebern und Trotteln Front gemacht werden. Dadurch, daß die Angriffe auf diese Persönlichkeit alle auswärtigen Zeitungen durchlaufen, werde die Stadt empfindlich geschä­digt. Es werde über Kassel wie über ein zweites Schöppen st ädt gesprochen. Ein« der unglücklichsten Folgen sei, daß die Mitschüler der Kinder des Siadtoberbanrats die in Fr ae stehenden Artikel in der Sckule unter Gejohle der ganzen Klasse vorlesen. Das sind Dinge, be- mertte Dr. Tbeiß zum Stadtverordneten Kreiß, zu denen ich Pfui sage! Weiter appellierte der Redner an die Ritterlichkeit der bürgerlichen Kol­legen aus den verschiedensten Kommissionen, zu bekennen, daß bei allen Dingen, die jetzt zum Skandal gemacht werden, alles in Ordnung zu- fling. Auch andere Leute, die in öffentlicher Wirksamkeit stehen. Geistliche, FabriLdirektsren, Gewerkschaftösickretäre aller Richtungen wurden selbst ohne Entgelt bei der Wohnungszuteilnng bevorzugt. Er persönlich bade nur zögernd seine Zustimmung zur gerichtlichen Verfolgung ge- neben. weil er Eriabiuna wisse, daß der