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Kasseler Neueste Nachrichten

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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

orummer 22.

Einzelpreis 15 Pfennig.

Sonnabend, 26. Januar 1924.

Einzelpreis 15 Pfennig.

14. Jahrgang

Abwartende Haltung in der Außenpolitik.

len hat gestern dem Schreiben des Finanztnftriss gelung der europäischen Angelegenheiten ohne

Verzögerung in die Hand zu nehmen. Die Frage der Anerkennung Rutzlands wird wahr­scheinlich unmittelbar darauf besprochen.

Abbau Der Löhne und Sehölter.

Berlin, 25. Januar. (Privattelegramm.) Der Verband der Berliner Jndustriel-

sters für den weiteren Abau der Löhne und Ge­hälter entsprechend der -Herabsetzung der Be­züge für Beamte und Reichsarbeiter zuge. stimmt. In der Sitzung wurde mitMteilt. daß infolge der immer noch zu hohen Gestehnngs- kosten die Auslandsaufträge seit Mitte Dezember kaum noch zehn Prozent der noch vor einem Jahr eingelaufenen Aufträge erreichen.

.. * * *

Wie die Wahrheit un erbrüttt wirb.

Speyer, 25. Januar, dprivattelegramm.) Der franzöflsckfe General de Metz hat das Dezer­nat für Auswerfungen derautonomen Pkalzregiernng" übertragen. Aus Speyer sind 43 Bürger und Beamte, aus dem übrigen Gebiet der Pfalz an 200 Personen aus gewiesen worden, dir sich an den Unterredungen mit dem englischen Generalkonsul Clive beteiligten.

45; Frauen- und Webeblätter etwa 160, gewerb­liche und Handelsblätter rund 800 und wissen­schaftliche. periodisch verschiedene Schriften an­nähernd 2000. Die Zahlen vor dem Kriege waren durchweg dreifach höher! Die An« zahl der Ende 1920 erschienenen Fach- und Zeit- schristen stellte sich unter Abzug von ElsaßLo- thringen wieder auf 6000. Die Veränderungen

im Bestände der Tageszeitungen

waren fast noch bedeutender als bei den Wo­chen- und Monatsschriften. Man zählte 1918 m »Deutschland rund 1850 Tageszeitungen. Auf Preußen entfielen 1113, auf die übrigen Staate» 726 Bayern besaß 167, Sachsen 121, Württem- berg 95. Baden 89, di« thüringische» Kleinstaa­ten 72, Hessen 41, die beben Mecklenburg 31, Ellaß-Lothrniaen 29, Oldenburg 18. Braun­schweig 14, Anhalt 14. Hamburg 9, Bremen 7, Lübeck 4 usw. Berlin besaß naturgemäß die meisten Tageszeitungen, Großberlin insgesamt 57. An zweiter Stelle ftand München mit 14, dann BreÄan mit 10, Frankfurt a. M. 9. Leip­zig, Köln, Hamburg mit je 8. Die meisten Orte besaßen nur ein Blatt, etwa ein Drittel zwar Plätter. Ende 1920 waren die Zahlen wieder, Wie bei den Zeitschriften, i» einzelnen Orten erheblich gestiegen. So zählte man»in Groß-Ber­lin rund 100 Zeitungen, das heißt Blätter, die mehr als einmal wöchentlich erscheinen! Mün­chen brachte es auf 18. Hamburg 15, Breslau auf 15, Frankfurt a. M. auf 12, Stuttgart auf 11, Dresden auf 10, Leipzig, Köln, Königsberg

*

Noch keine Rsichslrifissitzung.

Berlin, 25. Januar. (Privattelegramm.) Eine vorzeitige Einberufung des Reichstags ist nicht in Aussicht genommen, weil es für zweck­los erachtet wird, in parlamentarische Verhand­lungen einzutreten, solange die Pariser Sachver­ständigenkommission ihre Arbeiten noch nicht ab­geschlossen hat. Bus diesem Grunde soll auch der in Aussicht genommene Zusammentritt des Äns- wättigen Ausschusses hinausgeschoben werden.

Sm Sparausschuß.

Berlin, 25. Januar. (Pirvattelegramm.) Im SparauSschuß des Reichstages wurde eine Ber-

anf 8.

Jngesamt zählte man in Deutschland zu demselben Zeitpunkte schon Wieder rund 3500 Zeitungen, d. h. Blätter, bie öfter als einmal wöchentlich herauskamen Die größte Z u n a h' me feit dem Kriege hatten Brandenburg und die Prodi», Sachsen zu verzeichnen. Es erschienen in Brandenburg anstatt der 144 Blätter von Ende des Jahres 1918 jetzt 300, in der Provinz Sackssen 211 gegen 101, in Bayern 245 gegen 167, im Freistaat Sachsen 150 gegen 121, im Rheinland 258 gegen 200, in Ostpreu­ßen 87 gegen 54 usw. Die meisten Blatter er­schienen dreimal wöchentlich. Es folgten dann die sechsmal wöchenttich erscheinenden. Wöchten- lich sieben mal ersehenen verhältnismäßig we­nige. Das höchste war das wöchentlich fünf* und zwanzigmalkge Erscheinen. Einen ärgeren Stoß noch als der Krieg gab der 1922 emset- zende Wöhrungs verfall dem deutschen Zeitungswesen, und in den Notjahren 1922 und 1923 zauste der Sturm

Tausende von Blättern zum Tode.

Die verheerenden Folgen sind noch nicht zu übersehen. Erwähnt mag nur sein, um emtge krasse Beispiele heranzuziehen, daß alle Blatter, wie die Fliegenden" vorübergehend ihr Er­scheinen einzustellen gezwungen waren. Orte, n denen Zeitungen ersche nen, gab es 1920 mehr als 2500 in Deutsch'and. Heute ist das Rau­schen des deutschen Blätterwaldes, der jetzt noch etwa 1200 Orte zählt, merklich leiser. Karolus.

Die Willkür in der Pfalz.

Französische deutschfeindliche Maßnahmen.

(Eigene Drahtmeldung.)

Speyer, 25 Januar.

Die französische BesatzungSbehörde hat über Speyer die Brieszensur verhängt. Der Sonderberichterstatter derTimes" in Trier sendet seinem Blatt einen eingehenden Bericht über die deutschfeindlichen Maßnah­men der Franzosen. Er schreibt, nur in der Pfalz seien die Franzosen in der Unterstützung der Separatisten noch offener gewesen als in Trier. Die Separatisten könnten in zehn Mi- mtten hinausgeworfen werden, aber schon zwei­mal, als sie von der Menge angegriffen und ihre Flaggen heruntergeholt wordert seien, hätten die Franzosen berittene Spahis eingesetzt, die mit roher Rücksichtslosigkeit gegen die Menge vor­gegangen seien. Der Berichterstatter schließt, die verabscheute rot-weiß-grüne Flagge werde von den Franzosen überall beschützt, und zwar im Moseltal und Rheinland, von Koblenz bis zur Pfalz. Was General de Metz anlange so habe er sich so sehr mit den Separatisten eingelassen, daü die Franzosen deren Unterftftfmnq nicht ohne Ablösung oes Generals einftellcn könnten.

Neichfinanzen unöWirttchaf

Ueberschlkß der Reichs-Einnahmen.

(Privat-Telegramm.)

sfflacdvnalds Äurückttaltung.

London. 25. Januar. (Eigene Dvahtmel- dung.) Daily New« meldet: Der neue britische Ministerpräsident Macdonald hat sich in der Ar- beitergewerkschast dahin ausgesprochen, die Zu­stände in der Pfalz müßten geändert werden, man müsse aber auch den A n s ch e i n vermeiden, als ob man ein Gegner Frankreichs wäre. Macdonald warnte des­halb vor schnellen Enffchlüffen. (!)

Die Hypotheken-Busweriung.

Entscheidung des FinanzminifterS.

Berlin, 24 Januar.

Reichsfinanzminister Dr. Luther hat nun, wie zuverlässig mitgeteilt wird, seinen ursprüng- tichen Plan eines Verbotes der Aufwertung von Hypotheken auf dem Verordnungswege f a l- len gelassen. Der Finanzminister stand von vornherein auf dem Standpunkte, daß ein solches Verbot nur möglich sein könne, wenn hierüber im Reichskabinett Einigkeit bestehe, Da das, wie bekannt, nicht der Fall ist. ist der Minister von seiner ursprünglichen Absicht abgekommen. In welcher Höhe die nun als sicher anzu­nehmende Auswertung von Hypoth^en er­folgen wird, steht freilich noch nicht feft Du- Hypothekengläubiger Werden aber gut tun, sich keinen Illusionen hinzugeben. Man r

Englands neue BolM.

Die erste Sitzung des Kabinetts Macdonald. (Eigene Drahtmeldung.)

London, 25. Januar.

Das neue Kabinett ist jetzt formell in fein Amt eingeführt. Gestern morgen wurden die Mit­glieder der alten Kabinetts vom König in Audienz empfangen und übergaben diesem ihre Amtssiegel. Darauf empfing der König im Bei­sein des Prinzen von Wales di« neuen Mini­ster. die ihren Eid ablegten und die Amts» siegel erhielten. Den Zeitungen zufolge wird das neue Ministerium seine Arbeiten zuerst auf die Fragen der Arbeitslosigkeit, der Wohnungsbeschaffung urtb die Zustan­de in Europa konzentrieren. Macdonald leitete gestern die erste Kabinettssitzung Äs Premier­minister in seiner neuen Amtswohnung in Dow- nin Street Besprochen wurde das Arbeitspro­gramm der neuen Regierung. In der aus­wärtigen Polittk beaWchttgt Macdconakd mit der Hilfe der beiden Spezialisten für aus­wärtige Fragen, Haldane und Parmoors, zu­erst bie Reparationsfrage und die Re-

Das Zeitungssterben.

Folge« der allgemeinen Not.

es ist bekannt, daß bie dentskhen Zeitungen tm er dem verlorenen Kriege und dem Währungsverfall fthwer gelitten haben. Weniger ist aber bekannt, wieviele Blätter ihr erfO)einen ein stellen mutzten. Man schreibt uns: Der Weltkrieg hauste be­denklich im deutschen Blätterwald«, und manch kräftiger Stamm fiel im Sturm jener bösen Zeit Es wäre müßig, jener Anzahl wehmüti­ge Worte zu widmen, die in sorgloser Vorkriegs­zeit den Stolz Deutschlands bildete. Ms er- ieulich muß die Tatsache bezeichnet werden, daß btt 1920 einsetzende Wiederaufbau unseres Wirt­schaftslebens besonders deutl'ch im deutschen Fach- und Zeitschriften-, wie auch im Zeitungs­wesen sichtbar wurde. Die ärgste Zeit, abge­sehen von dem noch zu berücksichtigenden letzt­vergangenen Zeitabschnitt, war kurz nach der Re' volution 1918. Man zählte hier nur noch etwa 4500 Fach- und Zeitschriften, darunter befanden sich 180, die rein unterhaltenden Zwek. Den dienten. Militärische Zeitschriften gab eS

Minderung des Beamtenstabs des Auswärti­gen Amtes um 520 Köpfe festgestellt, was einen Abgang von 18,2 Prozent bedeutet. Vom Personalbestand des ReichsfinanKMintsteriums »vurden vom 1. Oktober bis 31. Jammr an Be­amten 14 Prozent, an Angestellten 18 Prozent abgebaM. Im Laufe der Aussprache ersuchte der Ausschuß die Reichsregierung die n M der Finanzämter, Hauptzolläntter und Zoll- ä m t e r zu verringern.

schastliche Gütererzeugung ihrer hohen Ausgabe keineswegs voMommen gereckt werden können, umso weniger, wenn der Preisfall der ländlichen Erzeugnisse, wie vorauszu- sehen ist. sich 'ortsetzen sollte.

Was die Aussichten der Landwirtschaft be- ttisft, so glaubte kürzlich ein demokratisches Ber­liner Börsenblatt feststellen zu können, daß oe- gsnwÄrtig ein doppelt so hohes Be­triebskapital erfordert werde wie in Vorkriegszeiten, die Preise der landwirtschaft­lichen Erzeugnisse blieben aber nicht unerheblich hinter den Vorkrisgspreisen zurück: es sei also mit mathematischer Genauigkeit anszurechnen, wann die landwirtschaftliche Produktton zum Erliegen kommen müsse. Tatsächlich beträgt der Preisrückgang gegen die Jahre 191113 für die Tonne Getreide etwa 35 bis 40 Goldmark: auch die Schlrnhtviehpreffe sind gesenkt worden, wenn anch nicht ganz im gleichen Verhältnis wie die Getreidepreife. Höher stehen lediglich die Preise der Molkereierzcugnisse und der Geflügelzucht, die aber gegenüber den Haupterzeugnissen kamn wesentlich" ins Gewicht fallen. Man braucht den Pessimismus des Berliner Börsenblattes bezüg­lich des Erliegens der landwirtschaftlichen Pro- dnftion nicht vollkommen zu teilen, wird aber die Gefahr nicht unterschätzen dürfen, die nahe- aerückt ist. daß die Betriebsnttternebmer von der intensiven zur ex'ensiven Bewirtschaftungsweise übergeben, wenn "ihnen wie jetzt di« Prodnktions- Mittel wegaesteuert werden.

Niemand verkennt die Finanznoi des Reiches, der Länder und Gemeinden, niemand die drin­gende Verpflichtung, nach einer langen Periode der Pinuvwirffchast Einnahmen und Ausgaben wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Aber wich­tigste PorauSsetzung dafür ist doch, daß dieses Atel durch den Erttag unserer Arbeit erreicht wird. Stenern aus unbeschränkte Zeiten hinaus aus der Vermögenssnbstarr; zrr zahlen, führt not­wendigerweise zur Produktionsvermin-

Die Landwlrlschast.

Produktionsstetgernng und Steuerpolitik.

Aus allen Teilen des Reiches ertönen immer lauter die Notrufe über die steuerlichen Nöte der Landwirtschaft. Auf Grund von Ermittelungen, die kürzlich der Reichs-Laüd- bund einer-, das Kalisyndikat andererseits ver­anstaltet haben, ist festzustellen, daß schon bie Grundsteuer vielfach nicht nur den Rein-, sondern auch den Bruttoertrag des Bodens weg- steuert. Dazu kommen die Einkommen-, Vermö­gens-, Umsatzsteuer, die Rhein- und Ruhrabgabe, bie Zwangsanleihe, bie sozialen Versicherungs­beiträge unb sonstigen amtlichen Gefälle. Schon zu Ende bes Jahres waren bie Einkommen aus der letzten Ernte, wie die anfangs Januar einbe- rufette Landesversammlung des Hess. Bauern- l'undes einmütig betonte, -vielfach aufgezehrt, so

daß die weiteren Zahlungen aus der Vermögens- substanz genommen werden müssen urtb die Be­wirtschaftung des Grund und Bodens allen Ernstes im kommenden Erntejahre i n Frage gestellt ist". Das Kalisyndikat hat angesichts der unbestreitbaren Notlage der lano- wlrtschaftlichen Unternehmer die Preise für alle Kalierzeugniffe schon auf ein Mindestmaß herab­gesetzt: es muß erwartet werden, daß auch die Fabriken von Stickstoff, phosphorsaurem Ammo­niak und Thomasmehl dem löblichen Vorgehen des KMsyrtdikates folgen werden, damit die Be­strebungen der Landwirtschaft zur JntenMe- tuttg der Bodenkultur keine Unterbrechung er­fahren. Die Landwirtschaft ist sich ihrer natio­nalen Pflicht di« Gütererzeugung bis zur höch­sten Leistungsfähigkeit zu steigern, voMommeu bewußt.

Zugegeben muß weiden, daß der Landwirt­schaft durch die Inflation während hei Nach­kriegszeit Gewinne zu geflossen sind. Den größ­ten Gewinn stellt zweifellos die durch entwerte­tes Geld ermöglichte Hypothekar! scheEnt- schuldung dar. Andererseits hat aber die ra­sende Inflation des letzten Jahres auch von der Landwirtschaft die schwersten Opfer gefordert. Die Landwirte verkauften ihre @neugittffe zu einem scheinbar angemessenen Preise, mußten aber oft innerhalb weniger Tage erleben, daß Mer Erlös seine Kaufkraft nahezu Vollkommeti emgebüßt hatte. Beim langfristigen Bezüge von Maschinen, Geräten und namentlich künstlichen Düngemitteln mußte er sich auf die Klauselfrei, bleibend" verpflichten, während er selbst fast re­gelmäßig zum Tagesvreise verkaufte. Nickst sel­ten mußten größere Bestellungen rückgängig ge­macht werden, weil die Landwirtschaft infolge der Währungswirren nicht mehr über die erfor­derlichen Mittel verfügte und der Kredit so gut wie ausgeschaltet war. Es ist eine mehr oder weniger bewußte Irreführung der öffent- ftchen Meinung, wenn gewisse lcmbwirtfckafts- feindliche Kreisle noch immer von dem Kapital- reichtum der Landwirtschaft fabeln. Tatsächlich leidet auch dieser Erwerbsstand unter einem Geldmangel, der katastrovhal werden muß, wenn ihm nicht mit billigen Krediten unter bie Arme gegriffen wird. Mit den dazu beantragten 600 Millionen Goldmark dürfte die landwirtk

derung, wühreud doch allgemein eine nach- haltige und kräftige Produktionssteigerung Äs Lebensbedürfnis des deutschen Volkes anerkannt hnrben muß. Es wäre vielleicht erwägenswert, ob sich der Staat nicht die auf billige Weise er­folgte hypothekarische Entschuldung der Land­wirtschaft in steuerlicher Beziehung nutzbar machen sollte, gleichwie es beim HauZbesitz beab- iidjtigt ist Dabei durste natürlich nicht daran gedacht werden, die vorkriegs-zeitlichen Schuldver- HAtnisse wiederberznstellen, nur mit der Abände- rmiL daß an die Stell« der privaten Gläubiger der Waat tritt; Wohl aber könnt« es sich ermög­lichen lassen, in mäßigem Umfange amortisier­bare Staatshhpotheken zu errichten. Die gegenwärtige Besteuerung darr jedenfalls nicht auftechterbalten werden, weil sie die Gütcr- erzeugung in höchstem Maße gefährdet. Täusche man sich an maßgebenden Stellen nicht über den Ernst der Lage! Dr. v.

DeMWlmws VichrnpoMtt.

Die Beratttngen im Reichskadinett.

. (Eigener Drahtbericht.)

Berlin, 25. Januar.

RrichSbankprösident Dr. Schacht ist heute von seiner Pariser Reise zurückgekehrt. Der deutsche Geschäftsträger, Herr v. H o e s ch, wird erst nach Paris zurückkehren, nachdem in seiner Gegenwart in gemeinsamer Aussprache zwischen dem Reichskabinett »nt> Dr. Schacht die Richt­linien sestgcsetzt worden find, die in Zukunft sür die deutsckfe Außenpolitik und bie Gc- famtbehanylu"g des Reparations-Pro­blems als maßgebend gelten sollen. Die Reichsregierung hat noch keine Beschlüsse über ihre weiteren Schritte in den deutsch-französi- schen Verhandlungen gefaßt. Die vom Kabinett in den Erunbzügen angenommenen neuen beutschen Vorfchläge, betten man in po­litischen Kreisen große Bebeutung beimißt, kön­nen erst formuliert werden, wenn bie Neugestal­tung der politischen Gesamtlage im Auslanb und besonders die Neubildung des englischen Kabi­netts eine klare llebcrsicht gestatten. Dadurch wird sich auch bie Ernennung des Herrn v. Hoesch zum Pariser Botschafter, sowie die Ernennung eines Brüsseler Gesandten noch einige Zeit verzögern.

Berlin, 25. Januar.

Anch im zweiten DrUtel bes Januar haben bie Reichseinnahmen rund fünfzehn Pro­zent Ueberschuß über bie Ausgaben'ergebe::. Die Eisenbahnen werden vorattsstchttich am 12. Februar die Gütertarife weiter ermäßi­gen. Der Antrag der Rentenbank, bie Bezah lnng der Besatzungsrosten im Interesse der Stabilttät bet beutschen Währung eintu stel­len, findet, wie zuverlässig gemeldet wirb, in­folge der autzenporitischen GeMneinmenbungen des Außenministers, Herrn Stresemann, keine Mehrheit im Kabinett.

Nlacdonaw üßlt zur Entente.

Brüssel. 25. Januar. (Eigene Drahttnel- bitng.) Der BrüsselerSoir" veröffentlicht bett Depeschenwechsel zwischen Macdonald und den belgischen Gewerkschaften. Macdonald spricht in seinem Autworttelegramnt von der Treue Englands gegen seine Berbündeten im Weltkriege. Dieser Treue würde auch das neue Kabinett in allen Handlungen Rechnung traaen.