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Kasseler Neueste Nachrichten

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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 76. Einzelnummer 10 Pf , Sonntags 15 Ps.

Sonnabend, 29. Marz 1924.

Einzelnummer 10 Pf^ Sonntags 15 Pf. 14. IahkgaNA ........ mm,

Vomcare bildet ein neues Kabinett.

Vor Entscheidungen.

Die Sachverstöndigen-Ausschiisse.

Das Bewußtsein, bei den Entscheidungen, die seit Jahren wie Keulenschläge aus uns nieder­fallen. nicht mitwirken zu können, hat im deutschen Botte ein gewisses Gefühl der Gleich­gültigkeit gegenüber kommenden Dingen hervor- gebracht. Niederdrückender noch als die Be­schlüsse der Siegerstaaten selbst ist seit den Tagen des Friedensdiktates die Art Und Weise gewesen, in der dem Besiegten das Mitwirkungsrecht ge- nommen worden ist. Selbst dann, wenn deutsche Vertretergehört" worden sind, hat man diesen Vorgang zu einer bloßen Geste gemacht, ohne sich irgendwie bei der Urteilsfällung beeinflussen zu lassen. Dieses System ist nach Ansicht aller ernst zu nehmenden Kreise in der Welt gescheitert. Man ist nun, da man sich zu einem offenen Bruch mit den bisherigen Methoden der Diktatpoliiik nicht entschließen konnte, zu einem Komp ro- m i ß geschritten Die eingehende Fühlungnahme des sogenannten Sachverständigen-Ausschuffes mit den deutschen Verhältnissen, teils durch un­mittelbare Beschäftigung mit der deutschen Wirt- schnstslage, teils durch Anhörung deutscher Fach­männer, ist ein Schritt zur Besserung. Nun läßt es sich aber nicht verkennen, daß die Arbeit des Sachverständigenausschuffes nach besten Rückkehr nach Paris sich «tcht so gestaltet hat, tote es im Interesse einer wirklich gedeihlichen Lösung wünschenswert gewesen wäre. Die Sachver­ständigen sind in Paris in weitgehendem Maße in den politischen Meimmgskamps bineingezogen worden, und es hat sich eine Art Parteien bildung herausgestaitet, die nidjt auf wirtschaftlichen Erkenntnissen, sondern aus politischen Zweckmäßigkeitsgründen beruht. Tie angelsächsische Gruppe der Sachverständigen kann mit der französisch-belgischen Auffassung von der deutschen Leistungsfähigkeit und mit dem ableh­nenden Standpunfte der Franzosen und Belgier gegenüber dem Bestreben, Deutschland eine Atempause zu gewähren, nicht in Uebereinstim- mung gelangen

Neben dem Kampfplatz, zu dem sich der Bo­den des Sachverständigenausschustes entwickelt hat, geht der Meinungsstreit von Kabinett zu Kabinett weiter. Die sogenannte Siche- rungssrage bietet den Franzosen Möglichkeit der Bodengewinnung. wo in den Reparations­dingen der Kamps zum Stehen gekommen tfl. Hier erwächst für Deutschland die zurzeit drohendste Gefahr. Entgegenkommen in der Sicherungsfrage als Ausgleich für die Unmög­lichkeit. Englands Wirtschastsinteresten weiter durch die Kontributtonsbestimmungen schädigen zn lasten, bedeutet für Deutschland Stützung des französischen Drängens an den Mein und über den Rhein. Eine Verguickung der bei­den Probleme würde Deutschland wiederum vor die schon so ost erlebten Entscheidungen stellen, zwischen zwei gleich untragbaren Möglichkeiten daskleinere Uebett wählen zu müssen. Die Ge­fahr besteht mm, daß bei, wenn auch gering­fügigen, Erleichterungen in der Reparatians frage ein Entgegenkommen in Richtung einer Verselb­ständigung der besetzten Gebiete verlangt wird, natürlich unter der beliebten Bemäntelung der Entwicklung mit Völkerbundsgrundsätzen. Das Schicksal der deutschen Westgebiete ist aber bsS Schicksal Deutschlands schlechthin Keine wirtschaftlich noch so vorteilhaft erschei­nende Lösung kann und darf Deutschland dar­über hinwegtäuschen, daß der Brennpunkt eines nun schon ein Jahrtausend geführten Kampfes am Rhein liegt. Hier gibt es aller politischen Stumpfheit zum Trotz noch Fragengebiete, über deren Schicksal Deutschland einfach nicht ausge­schaltet werden kann.

Vorläufig ist aber die Lage leider noch so, daß unter den Einflüssen des Posttischen Frank­reichs der Spruch der Sachverständigen wertlos geworden ist als ein Kompromiß zwischen eng­lischen und französischen Inter- essen. Diese Sachlage aber erfordert,daß Ab- änderungsmöglichkeiten bestehen blei­ben müssen, daß bei Unmöglichketten den Vcr- tretem des Deutschen Reicbes Gelegenheit ge­geben wird, diese Unmögstchkekten zu erörtern und ein Kompromiß, das wirklich tragbar ist anzubahnen. Aber schon der Spruch der Sach­verständigen greift so tief in die territoria­len und finanziellen Hoheiten deS Reiches ein, daß nur noch von einem Diktat gesprochen werden kann, das weit vner bittlicher ist als Ver­sailles. Und dennoch, wie immer, heißt es Mich dieses Mal: Deutschland soll gehört werden. Es soll sogar vor Abschluß der endgültigen Fassung gehört werden, um vielleicht in der Form der in den Grundzügen bereits festliegenden Gutachten Einiges mildern zu dürfen. Die Grundzüge aber liegen unumstößlich fest, und Deutschland hat ge- genstiber diesem Diktat der Sachverständigen nur die Wahl zwischen Ja und Rein. Dis Gleiche gilt von den Ergelmissen in derSiche- runasfrage*. Mögen auch die Militärkonven­tionspläne Poincarss gescheitert sein. Deutsch­land liegt mich ohne diese inmitten der poin- caristischen Einkreisung. Solange England und

fein vom ihm mit Machtvollkommenheit ausge­statteter Völkerbund sich nur gegen die Mili­tärverträge in der Form der Vorkriegszeit sträuben, jede andere Machtstcherung aber gut- heißen, solange wird auch die Sicherung durch den Völkerbund eine illusorische bleiben, solange hat das deutsche Volk ein Recht auf Selbstschutz, hat ein Recht, für den Bestand seines Reiches zu sorgen. Indessen können wir, da wir machtlos sind, nichts anderes tun als abtoarten. S.

ßoincare kommt wieder.

Nur eine Umgestaltung des Kabinetts.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 28. Mürz.

Wie Havas erfahrt, hat Poincars dem Präsidenten der Republik gestern abend die lei­tenden Gedanken vorgetragen, die er zur Gel­tung zu bringen gedenkt. Sie beziehen sich auf eine weitgehende Umgestaltung des seit­herigen Kabinetts, ferner auf die aus Sparsam- keitsrücksichten notwendig gewordene Herab­setzung der Zahl der Ministerien und Unterstaatssekretariate. Es kann als wahrschein lich gelten, daß folgende Minister und Unter- staatssekretäre des seitherigen Ministeriums Po- incate in das neue eintreten: Maginot, Le Trocquer, Colrat. Reidel, Eherou. DaS Hygieneministerttnu soll an baS Arbetts- Ministerium angegliedert und das Ministerium der befreiten Gebiete in ein Unterstaatssekretariat beim Finanzministerium umqewandelt werden. Die endgültige Berteilung der Aemter wird erst heute beginnen. PoinearS bleibt außer Mi­nisterpräsident Außenminister, sehr wahrscheinlich erhält Maginot daS Kriegsministerium und Le Troequer das Ministerium für öfstntlichc Arbei­ten. Von neuen Ministern werden genannt Fran- roiS Mar sh al für das Finanzministerium, Bekanowski für das Handels- und Kolo­nialministerium. Das neue Kabinett wird vor­aussichtlich heute noch nicht vollständig sein.

Wetter gegen Deutschland.

P a r i s. 28. März. (Eigene DrahtmeUmng.) Der Widerstand des nationalen Blocks gegen den bisherigen Finanzminister de Lasteyrie ist in der gestrigen Abendsitzung der Mittelpar­teien der Kammer zum Ausdruck gekommen. ES wurde aber beschlossen, PoincarsS Repa­rativ ns- und Ruhrpolltik das wei­tere Vertrauen zu bekunden, der Durch­führung bej Finanzmaßnahmen, wie sie de La­steyrie eingeleitet habe, aber Widerstand ent- aegenzusetzen. Das Schicksal des neuen Kabi­netts in der Kammer wird damit nicht von der Außenpolitik, sondern von der wetteren Steuer­belastung des französischen Wählers abhängig sein. Auch die Generalräte in Marseille und Bordeaux haben Vertrauenskundgebungen für die Ruhrpolitik Poinearös beschlossen.

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Keine Einstimmigkeit für Aoincars.

Rotterdam, 28. März. (Privattelegramm) Der Courant meldet aus Paris, im Senat wird die Wiederbeaustragung PoinraröS mit der Kabinettbildung nicht mit ungeteilter Zustim­mung ausgenommen, Die Vorstellung des neuen Kabinetts im Senat wird voraussichtlich zu einer lebhaften Aussprache über das Ver­trauensvotum führen, dessen Annahme bis jetzt auch noch keineswegs als gesichert gilt

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Eiemenceau auf der Lauer.

Paris, 28. März. (Eigene Drahtmeldung.) DerFigaro" berichtet, daß Clemeneeau so­wohl nm Montag wie am Dienstag im Etysee geweilt habe, was angesichts des Fmtbestandes des Kabinetts Poinrarö ein ungewohnter Vor­gang fei, auch wenn die Besuche nur privater und freundschaftlicher Art wären. Ter Figaro behauptet, daß Clemeneeau der Mann Mille- randS bleibe, der sofort nach den Wahlen Poincarö zu ersetzen bestimmt fei.

Dauernde Bedrückung.

Kein Vertrauen zu den Sachverständigen.

-t (Eigener Drahtbericht.)

Berlin, 28. März.

Das ReichSkabinett hat sich eingehend mit den Pariser Sachverständige »-Be­ratungen besaßt. Die optimistische Auffassung der Lage die früher während der Berliner Be­ratungen der Sachverständigen allgemein zum Durchbruch kam, ist ge sch w u n d e n. Die Be­richte, die Schacht ans Paris geschickt hat, sol­len nicht hoffnungsvoll gelautet haben. Schon die Hinausschiebung der Enffcheidungen hat mißtrauisch gestimmt. Die Reichsregierung sieht sich vielleicht gezwungen, unabhängig von den Pariser Beratungen mit Frankreich erneut in Fühlung zu kommen. Besonders pessimistisch ist man im Kabinett über die Frage der G o l d - Notenbank, deren jetzige Lösung für Deutsch­land nicht annehmbar wäre. Es besteht die große Gefahr, daß auch die Arbeiten und Untersuchun­

gen der Sachverständigen zu keiner Lösung der schwebenden Reparationsprvbleme füh­ren und die Möglichkeit neuer Konflikte wieder in bedrohliche Nähe gerückt ist,

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Die «Solddiskontdank.

Berlin, 28. März. (Privattslegramm.) Die Gründungsarbeiten für die Goldiskontoank sind der Boss. Zeitung zufolge, nunmehr soweit ge­fördert, daß das Institut etwa Mitte April feine Tätigkeit aufnehmen dürfte. Das deutsche Konsortium, das die eine Hälfte der Aktien der Bank in Höhe von 5 Millionen Pfund Sterling Übernommen hat, setzt sich aus rund 140 Banken und Bankhäusern mit ihren zahlreichen über ganzn Deutschland verstreuten Filialen zusam­men. Die Berliner Stempelvereinigung ist an der Uebernahme mit 56 Prozent beteiligt.

Unter der Mittttirlontrolle.

Berlin, 28. März. (Privattelegramm.) Ge­neral Nonllet weilt seit gestern wieder in Berlin. Mitglieder der Kontrollkommission haben sich heute stüh nach der deutschen Ostgrenze begeben.

Das deutsche Problem.

Große Verlegenheit im britischen Unterhaus.

(Eigener Drahtberichl.)

London, 28. März.

Gestern ersuchte im Unterhaus Asquith unter Beifall der Liberalen um Informationen Über die Lage in Westeuropa. Er fragte, wann Maedonald die dem französischen Gelbuch ent­sprechenden Dokumente vorlegen werde, wann die Berichte der Sachverständigen övrguegi würden mtö welches Verfahren dann beabsichtigt sei. ZweifeUos kenne Maedonald den beachtenswertenTimes^-Artikel, in dem gesagt werde, daß, während die Sachverftändigenaus- schüffe einenRepanttionsplan anfzustellen der- sucksten, französische Organisationen im Rheinland und Ruhrgebiet daran ar= betteten, ein System z« vervollständigen, das die besetzten Gebiete zu einem besonderen Repa- rationsgehege machen würde. Die vorge­sehenen Sachleisttmgen würden durch eine Me­thode geplant, die die Ind « strie deS besetzten Gebiets ruiniere. Asquith fragte weiter, ob der Times-Artikkl eine wahre Darstellung dessen fei, waS hu Rheinland vorgehe und wie Mar- donald die britischen Interessen zu schützen ge­denke, welcher Forffchritt im Ruhrgebiet gemacht worden sei, um die anSgetoiefenen Ein­wohner zurückznführen und poliffsche Ge­fangene in Freiheit zn setzen.

Mocdonolvs laue Antwort.

London, 28. März. (Eigener Drahtbericht.) Auf die Anfrage «Sqntths erwiderte Maedonald bezüglich der französischen und belgischen Witt- fchaftsorganifationen im Rheinland und Ruhr­gebiet und der Verhandlungen mit deutschen In­dustriellen, sie verstießen nicht gegen den Versail­ler Vertrag. (?) Gewisse Versuche schienen jedoch barrntf hinzuweisen, daß diese Abmachimgeu den Anlaß zu einer Neuverteilung der R e- parationen und einer erneuten Ausrottung des ReparationSvroblcms bilden sollten. Wenn das der Fall wäre, würde die englische Regie­rung gegen die Ausführung solcher Abmachun­gen unverzüglich protestieren. Mit Bezug auf die französische Sicherheit erklärte sich Mac donald überzeugt, daß Frankreich durch irgend­welche Sonderabkommen niemals Sicherheit er­reichen könne. Frankreich werde am besten ge­sichert. wenn Deutschland in den Völker- stund ausgenommen würde.

Auch Lloyd (Seorgt kritisiert.

London, W. März. (Eigener Drahtbericht.) Llokw George, der im Unterhaus nach Macdo- nald sprach, unterzog die auswärtige Politik der neuen Regierung einer scharfen Kritik. Mac­donalds Rede sei enttäuschend. Sie sei un­deutlich invezug auf die Frage der Sicherheit und der Separationen und merkwürdig hinsichtlich der Frage einer Garantie Englands an Frankreiche. Maedonald habe feine mora­lische Geste gegenüber Frankreich unterstrichen Diese Geste sei von Frankreich mit der Veröf­fentlichung des Gelstbuches beantwortet worden, diefem fehl verhängnisvollen auf dem Memo­randum Foch aufgebauten Dokument. Wenn Frankreich jetzt vorfchlage, daß feine Truppen int Rheinland zur Erfüllung der gesamten Be­dingungen des Vertrages bleiben sollten, so sei das was vollkommen neues, wogegen, soweit et wisse, die britische Regierung nickst protestiert habe. Ihre einzige Antwort sei gewesen, eine neue Militärkontrolle in Deutschland zu errich­ten und eine neue nicht int Vertrag stehende Kör­perschaft dafür vorzuschlagen.

Industrie-Tagung.'

Die Delegierte» aus dem Reiche.

®er Rrrchsvcrband dir deutschen Snbuftrto utxb dir deutschen ArbeitgeververbLnde der- anftalteit eine gemetufame Tagung in Der. lin. Aue den getttlgen Eröffnungsreden sind die folgenden Ausführungen vo t Interesse. Begrüßungsansprache Dr. Sorge.

Der Vorsitzende Dr. Sorge eröffnete die Sit­zung des Reichsverbandes der deutschen Indu­strie und der Arbeitgeberverbände mit einer Be­grüßung der erschienenen Vertreter der Reichs- unb Staatsbehörden. Er reklamiert 1üc die deutsche Industrie die Aufrichtigkeit des Wollens bei Beschreitung aller Wege, die in eine bes­sere Zukunft führen sollen. Als Zweck der Tagung bezeichnet er, ein klares Bild der Lage den Behörden und der Allgeminhett zu ge­ben. Dunkel und unsicher ist die deutsche Zu­kunft; nur ernsteste Arbeit, festester Wille, äußer­ste ©barfamleit und national« Geschlossenheit können weiteren Niedergang Hintanbalten. Der Ausstieg kann nur fortgeführt werden, wenn a n ß e n p o l i 1i s ch. der auf uns lastende Druck g em i l d e r t wird und wenn das deutsche Vott seine innere Zerrissenheit über­windet. Ohne rasche und klare Lösung der Reparationsfrage wird Deutschlands Wirtschaft in wenigen Wochen vor der schwevsten Krisis ste­hen. Untragbar sind jedenfalls die Mi cum-Verträge. Bon den «Warteten Vor­schlägen der ausländischen Sachverständigen er­hofft Dr. Sorge nicht allzu viel, wohl aber gibt er der Befürchtung Ausdruck, daß eine falsche Lösung des Weltprodlems zur Vernichtung von Millionen Existenzen, ja vielleicht zum Ruin der Welt führen wird.

Zu Optimismus ist keine Veranlassung. Jedenfalls darf die Reparationsfrage nicht zu einer vollen Preisgabe der wirtschaftlichen Selb- stiftMUeit Deutschlands führen; die von uns ge- sorderte Sicherheit kann also nur in einer ab­lösbaren Verpfändung, nicht in einer dauernden Enteignung bestehen. Vor- aussetzung bei der Durchführung aller Leistungen ist die Geschlossenheit des deutschen Volkes. Den Vorwurf, daß die Industrie nicht opferwillig ge­nug für intellektuelle Aufgaben sei, weist der Redner entschieden zurück. Als Zweck der Ta­gung bezeichnet Dr. Sorge weiter die enge und verständnisvolle Zusammenarbeit mit der Staatsautorttät, zwischen Arbeitge­bern und Arbeitnehmern. Beides be­darf in vielem der Besserung. Verschiedenheiten der Meinungen dürfen nicht identisch sein mit Verschiedenartigkeit der Gesinnung und der er­strebten Ziele. Zum Schlüsse gab bet Rebner bem Wunsche Ausdruck, baß die Tagung getra­gen sein möge vom Geiste brr Wahrheit und Sachlichkeit, itnb baß sie mit bazu beitrage, Wege zu finben, zur Gesundung unseres Volkes unb Sicherung seiner wirtschaftlichen unb kulturellen Zukunft.

Industrie- und eosiaLpolitif.

Rede des Geheimrats Dr. von Borsig.

Geheimrat Dr. von Borsig erklärte auf bet Industrie-Tagung einleitend, baß bic Vereini­gung bei deutschen Arbeitgeberverbände die Notwendigkeit der Sozialpolitik unbedingt erkenne und sich nach wie vor aus voller Ueber- zeugung zu einer gesunden Sozialpolitik bekenne, an der positiv mitzuarbeiten sic bereit sind. Diese Sozialpolitik beschränkt sich nicht auf bic Fürsorge für bic Arbeiterschaft ober einzel­ner Teile berselben, fonbern hat zur Förderung der Wohlfahrt der Gesamtheit sich in der Betreuung der einzelnen Gruppen den jewei­ligen tatsächlichen Bedürfnissen anzupasscn. Sie findet ihre Grenp: in den realen Wirtschaftlichen Verhältnissen und in den finanziellen Mitteln des Volkes. Ihrer Grundeinftellung nach hat sie bic Selbstverwaltung auf bei Giunblage eigenen Hanbelns unb eigener Verantwor­tung bet Beteiligten in ben Mittelpunkt ihr« Maßnahmen zu stellen. Ein Eingreifen bes Staates kommt nur im Falle bes Versagens bei Selbstverwaltung unb ber Freiwilligkeit unb nur soweit es ber Staatszweck verlangt, in Fra­ge. Die Vereinigung der deutschen Arbeitgebei- verbänbe bekennt sich

zum Gedanken der Vollsgemcinsck)aft. ber Verantwortlichkeit jedes Einzelnen gegen­über bei Gesamtheit unb bamit bei Verbunden­heit ber einzelnen Volksglieber untereinanber. Daraus ergibt sich bereu Eintreten für die Ar- deitsgerneinschaft, die auf den hi« gezeichneten Grundpfeilern aufgebaut sein muß. Die bishe­rige Arbeitsgemeinschaft ist zerschossen an der ge­setzlichen Regelung unb an staatlichen Institutio­nen. Eine neue Zentralarbeitsgemcinschaft muß Wieberum auf bem Gedanken der freien Verstän­digung und der Selvsiverantwortlichkett fußen und die Selbsiverwalttmg Wieder entführe«. Un­ter Wahrung ihrer Stellungnahme im Einzelfall stellen die Arbeitgeb:"verbände ihre Mitarbeit bei allen Gesetzen zur Verfügung, bic sich bic Wahrung bet Persönlichkeitsrechte, die Hebung unb Sicherung ber wirtschaftlichen und kultu --