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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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Nummer 80.

Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf.

Donnerstag, 3. April 1924.

Einzelnummer 10 Pf-, Sonntags 15 Pf. 14. Jahrgang

Vor der Sachverstöudigea-kutschei-uus.

Sachverständige.

Cin Vorwort zum Gutachten.

Die Ueberreichnng des Sachverständigen-Be- ktchtes an die Reparationskommission steht nahe bevor. Nach den schon im voraus bekannt ge­wordenen Mitteilungen über den angebliche» Inhalt wird sich der erste Teil mit dem befassen, was Deutschland zu leiftcn imstande i ft; demzufolge behandelt er das deutsche Bud­get, die gesamten Eisenbahneinnahmen unter dem Gesichtspunkte der Garantie für eine inter­nationale Anleihe, die Einkünfte durch Garan­tien der Industrie, der Landwirtschaft, der Mo­nopole. Mir Deutschland bleiben lediglich drei Fragen zu prüfen. Die erste bezieht sich au- die Voraussetzung der deutschen Leistungsfähig­keit, vielleicht das was der Bericht das deutsche Budget nennt; die zweite wird die Höhe der Leistungen betreffen; die dritte endlich har die Leistlingsmöglichkeit zu untersuchen, im Zusam­menhänge mit den politischen Folgeerscheinun­gen Dazwischen tritt das Moratorium als Uebergangsstadium. Die Form des Moratori­ums scheint allerdings recht zweifelhafter Art zu fein; es ist ein Moratorium ohne Moratorium. Zwei Jahre lang sind lediglich Sachliefe. rungen zu leisten. Gerade diese Art der Lie­ferungen ist aber geeignet, die deutsche Wirt- schäft zu erdrosseln, wie die Micumver- trage gezeigt haben, deren Verlängerung erst in diesen Tagen der Reichsinnenminister mit aller Eindeutigkeit abgelehnt bat. Dann folgen zwei weitere Jahre mit erhöhten Leistungen, dann eine Jahresleistung von zweieinhalb Milliarden Goldmark. Die Voraussetzungen für diese Lei- stungsmöglichkeit sind lediglich hypothetischer Na­tur; aus Hypothesen aber laßt sich kein Wirt­schaftsgebäude stützen. Ob. die deutsche Wirtschaft einen solchen Aufschwung nimmt, daß der Or­ganismus diesen Blutentzug verträgt, ist frag­lich. Wenn Deutschland zu Leistungen in dieser Hohe nicht imstande ist, kann eine Ermäßigung eintreten, salls die Zahlungsunmög- li chketl erwiesen ist. Um diesen Nachweis bemüht sich Deutschland bereits fünf Jahre, und die deutsche Regierung wird eingehend zu prü­fen haben, ob eine solche Zusage allein geeignet ist, Bedenken zu zerstreuen.

Es ist ausfallend, daß sich der Kommentar nicht ohne Schärfe gegen die deutsche Presse wen­det, welche in ablehnender Kritik gegen die fran­zösischen Pressemeldungen über den angeblichen Sachverftändigenbericht Stellung nahm. In dem Borbericht aus Sachverständigenkreisen wird uns nun die Alternative gestellt: entweder Sicherung der ruhigen Entwicklung in Deutsch­land durch Annahme des Sachverständigen­berichtes oder Verlust der besten Freunde durch Ablehnung des Berichtes. Der erste Teil dieses Ultimatums hat zur Voraussetzung, daß dir Vorschläge jene Stabilisierung wirklich sickern von der oben die Rede war. Der zweite Teil bat zur Voraussetzung, daß die wirklichen oder vermeintlichen Freunde Deutschlands nach ein­gehender Prüfung des Berichtes zu der Auf­fassung gelangen, daß Deutschland frivol die An­nahme des Sachverständigeu-Gutachtens abge­lehnt hat. Auffallend allerdings ist, daß die Sachverständigenkreise diese Alternative nur für Deutschland stellen, nicht auch für Frankreich.

Der Vorbericht dürfte wenig geeignet fein, ein Wegbereiter besonderer Sympathie für das Werk selbst in Deutschland zu werden. Was zu den Vorschlägen selbst zu sagen sein wird, wird Regierung und Oefsentlichkeit in Deutschland ebenso offen, unparteiisch und un­politisch erklären, wie dies die Sachverständigen- Ausschüsse tun, denen gegenüber Deutschland in keinem Hörigkeitsverhälinis steht. Rur soviel muß schon jetzt gesagt werden: die Frage des deutschen Bud gets hängt aufs engste zu­sammen mit der Frage der Besatzung«- kosten. Der Dachverständigenbericht wird also in dieser Beziehung nicht nur zu einer finan­ziellen, fandern auch zu einer politischen Klärung dieses Systems führen müssen. Sodann ist Vor­aussetzung aller weiteren Leistungen die Fest­stellung der jetzt gemachten Zahlun­gen. Die hierüber mitgeteilten Zahlen diffe­rieren so erheblich, die Einzelposten sind so un­vollständig, daß endlich eine Klarstellung durch das Forum der Sachversttztdigen notwen­dig erscheint. Es sei nur darauf hingewiesen, daß nach der Aufstellung der Revarationskom- Mission Deutschland bis zum 31. Dezember 1923 insgesamt rund achteinhalb Milliarden Gold­mark geleistet habe, demgegenüber die deutsche Regierung erklärte, daß sich ihre Leistungen be­reits a:*" fast fünfzig Milliarden Gold­mark belaufen Nach Berechnungen des fran­zösischen Professors der Nationalökonomie Char­les Gide bat Deutschland bis zum 31. Dezember 1922 die Leistungen des Jabres 1923 sind also nicht inbegriffen vierzehn Milliarden Goldmark, nach der Berechnung des europäischen Korrespondenten der Newyork Times 15,4 Mil­liarden Goldmark, nach der Berechnung des In­stituts os Economics in Washington 25.8 M.l- liardcn Veldmack geleistet. Von keiner Seite ist

noch ein Wort darüber gesprochen worden, wie die Deutschland abgenommenen Kolonien in Llnrechnung gestellt werden sollen.

Alles das sind Fragen, an denen der Sach­verständigenbericht nicht mit Stillschweigen vor- iibergehen kann, wenn er wirklich zu einem Er­folge führen soll. Allerdings wäre nichts mehr geeignet, die sich jetzt sichtlich anbahnende Ent­wicklung zu gefährden und vielleicht auf Jahre zurückzuwerfen, als getäuschte Hoffnun­gen. Andererseits wäre auch nichts so sehr be­rufen,die Gesundung Europas endlich, wenn auch nur um einen Schritt, weiter zu fördern, als die glückliche Lösung der gewaltigen, den Sachverständigenausschiissen gestellten Aufgaben. Es man im jetzigen Augenblicke die Wieder­holung der doppelten Tatsache genügen, die vom Reichskanzler und vom deutschen Außenmini­ster in feierlicher Weise ausgesprochen wurde: Deutschland steht dem Sachverständigen-Gur- achten völlig frei gegenüber, Deutschland darf feine Reparationsprovinz werden. Daß den Worten die Tat folge, ist die Hoffnung des deutschen Volkes. m.

Die AiMandsbewegung.

Lohnstreiks der Eisenbahner.

(Privai-Telegramm.)

Berlin, 2. April.

Die Verhandlungen im Reichsverkehrsmini­sterium mit den Spitztzngewcrkschaften über Lohntarif und Lohnhöhe, die am Montag begon­nen haben, find am Dienstag fortgesetzt worden. Ein Ergebnis liegt nochnicht vor. Rach einer Meldung aus Elberfeld ist gestern nachmittag ein Teil der Eisenbahnarbeiter auf den Elberfelder Bahnhöfen in den Streik ge treten. Um die Einstellung deS Betriebes zu ver­hüten, q» Technische Nothilse eingesetzt worden. Der Eisenbahnerstreik in Baden ist im Ab. flauen begriffen. Er ist auf Mannheim, Heidelberg und Umgebung beschränkt. Im Rangierbahnhof Karlsruhe haben sämtliche streikenden Arbeiter den Dienst wieder ausgenom­men, und auch in den anderen Streikgebieten sind zahlreiche Arbeiter wieder zum Dienst erschienen. Die allgemeine Stimmung der Arbeiterschaft neigt zur Wiederaufnahme der Arbeit, und die Arbeiter werden nur durch Streikposten zurückgehalten und gehindert, die Arbeits­stätten in ihren Betrieben zu erreichen.

* * *

Forderungen der B ergarbeitcr.

Berlin, 2. April. (Privattclearamm.s Sonn­tag nachmittag fanden im mitteldeutschen Bergwerksrevier 36 Bergarbeitcrver- sarnrnlungen statt. In allen Versammlungen getaugten Resolutionen zur einstimmigen An­nahme, die die Frist für Annahme der letzten dreißigprozentigen Lohnforderungen auf den 10. April festsetzten unter Androhung des Generalstreiks der deutschen Bergarbeiter. Es zeigte sich in allen Versammlungen starker k om - munistischer Terror.

Ernste Lage in Oderschlesien.

Breslau, 2. April. (Privattelegramm. Der in Ost- Oberschlesien proklamierte Streik der Bergarbeiter hat größeren Umfang an­genommen. Im Myslowitzer Reo irr streiken 90 Prozent, im Rybniker. 100 Prozent. In Königs­hütte und Laurahütte wird noch gearbeitet. Die Arbeit soll dort heute niedergelegt werden. In Kattowitz ist die Nachricht cingetroffcn, daß sich auch das Dombrower und Krakauer Revier der Streikbewegung auschlietzen wollen. Ebenso will sich die Arbeiterschaft der Naphtaindustrie an dem Streik der Bergarbeiter beteiligen.

Vorstoß gegen Voincar«.

Die Opposition nennt Poincars Kriegstreiber. (Privattelegramm.)

Paris, 2. April.

DasJournal" meldet: Die gestrige Kam­merdebatte über die allgemeine Politik des neuen Kabinetts Poinears brachte einen scharfen Vorstoß des Abgeordneten Folgest von der republikanisch-sozialistischen Opposition. Folgest agte unter großer Unruhe des Hauses:Jedes Kabinett Poinears ist ein Borberei­tungskabinett für den nächsten Krieg, dem wir näher sind als Kammer und Volk glau­ben. Wir wollen Deutschland zur Zahlung zwin gen, aber nicht die Bündnisse mit unseren Ver­bündeten fortgesetzt erschüttern, denn die Ver­bündeten von heute können morgen unsere Gegner fein. Der Redner sprach sich dann gegen das Vertrauensvotum aus.

Die Unterstützung geführvet.

Paris, 2. April. (Privattelegramm.)Echo de Paris" meldet: Tie gestern abend ftattgefun-

benen Sitzungen der Kammerfraktionen haben der wechselnden Stimmung der Fraktionen über das neue Kabinett Poinears Ausdruck ge­geben. Die Unterstützung durch den nationalen Block erschien vorübergehend gefährdet. Der Beschluß des radikalen Flügels des Blocks, sich aus außenpolitischen Gründen in der Abstimmung nicht von den Mittelparteien zu trennen, hat dem neuen Kabinett eine, wenn auch nicht sehr große. Mehrheit gesichert.

Unter dem fremden Druck.

Der Bericht dgr Sachverständigen.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 2. April.

Der Bericht der Sachverständigen ist so gut wie fertiggestellt. Es handelt sich nur noch um einige Einzelfragen, was nicht hindert, daß der Bericht am Freitag oder nm Sonnabend der Re- parationskommission übergeben werden kann. Der zweite Ausschuß wird nur noch am Don­nerstag eine Sitzung abhalten und damit feine Arbeiten beendet haben. In Kreisen, hie der Reparativnskommission sehr nahcstehcn, wird betont, daß die Ziffern, dir bisher aus dem Schlußbericht mitgeteilt worden sind, zum größten Teil unrichtig feien, weil noch bestem verschiedene sehr wichtige Ziffern eine Abände­rung erfahren haben. Der Bankimterausschutz hat in seiner gestrigen Sitzung die Mittel geprüft, durch die die Schwankungen des deut­schen Wechselkurses verhindert wer­den sollen, die aus den Leistungen entstehen könnten, zu deren Ausführung die Sachverstän­digen das Reich für fähig erachten.

* * *

Einzelne Vorschläge.

Parts, 2. April. (Privattelegramm.) Das halbamtliche PariserJournal des Debats" teilt Montag früh in großen Linien die Vorschläge der Sachverständigen mit. Der letztveröffentlichte Inhalt durch denMalin" wird durch folgende Punkte ergänzt: Kontrollkommission m Berlin für den gesamten Staatshaushalt; unbe- ingtcS Ausscheiden von Post und Eisen­bahn aus der Staatsverwaltung; Befürwor­tung einet internationalen Anleihe ohne Auf­gabe des vollständigen Prioritätsrechtes; Mora­torium mit Anerkennung der deutschen Zah­lungsfähigkeit in der Höhe von zwei Drittel des Londoner Zahlungsplanes.

*

Neue Vrodung.

Essen (Ruhr), 2. April. (Privattelegramm.) Die gestrigen Besprechungen der Bergarbei­terorganisation mit General Tegoutte brachten die Erklärung der Mieum - Bevoll mächtigten, daß es unumgänglich notwendig sei. bis zur Regelung des Reparntionsproblemö die Mieumverträge in Geltung bleiben zu lassen. Die Einstellung der Reparationslie­ferungen am 15. April würde für die Befat- zungsbehörden die Wiederaufnahme des pas­siven Wider st andes bedeuten. Für diesen Fall würden die notwendigen Maßnah­men mit aller Schärfe getroffen. (!) Le Troeguer ist gestern abend zu einer Inspek­tion nach Düsseldorf und in das besetzte Gebiet abgereist. Rach einer Meldung der Kölnischen Zeitung ist der Sechser-Ausschuß des Ruhr­bergbaues gestern mit der Mieum zu einer Besprechung zusammengetreten.

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Wahlversammlungen verboten.

Speyer, 2. April. (Privattelegramm.) Die Besatzungsarmee hat in der letzten Woche acht­zehn Wahl-Versammlungen in der Pfalz verboten. Gründe werden nicht an­gegeben. Sechzehn Bürger der Stadt Pir­masens erhielten die A n k l'a g e vor dem fran­zösischen Kriegsgericht wegen militärischen Auf rnhrs, begangen bei der Vertreibung der Separatisten aus Pirmasens.

Rachklänge ans München.

Massenkundgebungen für Sonntag geplant. (Privat-Telegromm.)

München, 2. April.

Die Nacht ist in München ruhig verlaufen. Gegen 11 Uhr kam es noch zu vereinzelten Zu­sammenrottungen nm Stachus. Die Schutzpolizei säuberte auch hier schnell die Straßen. Die Hitleranhänget haben ihre Massen­kundgebung gegen das Urteil auf kommen­den Sonntag verlegt und zwar als Gegenge­wicht gegen die auf Sonntag geplanten sozia­listischen und kommunistischen Kund­gebungen. An einem gestern abend von der na­tionalen Jugend für Ludendorsf veran- ssalteten Fackelzug nahmen über dreitausend Personen teil. Tas Ministerium Knilling hat gestern den Antrag des Regierungspräsidenten von Kahr auf vorübergehende Beurlau­bung von den Dienstgeschäften genehmigt. Der Antrag des Herrn von Kahr ist mit einem ärztlichen Attest begründet worden.

Der Wohnungsbau.

Was in Kassel getan worden ist.

Bei der gestrigen Eröffnung der A usftsllnng S a u 6 0 a u sinb S : s d e ln n g -> l> a n" im Rnffcler Saiibeemufcum gab Sbervitrger meister Scheidemann einen Ueverbück üee die Banlütigkeil in Ben letzten Jahren Die hier gezeigten Pläne, Bilder, Photo­graphien, graphischen und statistischen Darstellun­gen, so führte das Stadtoberhaupt aus, sollen ein anschauliches Bild der Tätigkeit geben, die die Stadt Kassel in den letzten fünf Jahren auf dem Gebiete des Hausbaues und der Siedlungs­bauten geleistet hat. An der Ausstellung haben sich ferner beteiligt: die Hessische Heimat durch Darstellung vorbildlicher Haustypen in der Provinz Hessen: der Landkreis Kas- sel; die Eisenbahndirektion durch Dar­stellung charaktervolle c Siedlungsbauten aus dem ganzen Direktionsbezirk; die Beamten- Wohnungsbaugesellschaft durch Vor­führung der städtebaulich neuartigen Gruppe i- hausbauten vor der Stadthalle und an der Auguste-Viktoriastraße; das Landeskultur­amt durch Darstellung von Umlegungen; die Firma Henschel mit ihren gesunden Miet- wohnungsneubauten; die Gemeinnützige Ballgesellschaft Salzman nsha ns en durch ihre Siedlungsbauten an der Sauders- hänserstraße. Bei Betrachtung der vielen Plä.ie ist zu erkennen, was mich geleistet worden ist aus dem sehr wenig erfreulichen Gebiete der Wohnungsbeschlagnahme. Was nicht in seiner ganzen Furchtbarkeit darzustellen wäre, ist das entsetzliche Wohnungselend in Kassel. Dann sind auf diefen Plänen auch nicht dargestellt die vie­len Sorgen und Mühen, die die positiven Lei­stungen verursacht haben. Nach dem Kriege sind große Teile der Stadt außerhalb der geschlosse­nen Bebauung in Anspruch genommen worden. So erstens: Zum Zwecke einer gesunderen Be­siedlung int Flachbau, das heißt mit Wohnun­gen, die in ein- oder zweigeschossigen Häusern liegen und mit größeren Garten versehen sind, zum Beispiel die große Besiedlung des Fasa- nenhofes, des Bruchgeländes, der Touche, »cd Forstes, des Auefeldes und der Kolonie Philip­pinenhof Außerdem kommen in betracht eine Reihe kleinerer, im Weichbild der Stadt liegende Teile. Zweitens: durch eine ungeheure Vermeh­rung der Kleingärten und von Dauergärten.

Die Zahl der Kleingärten beträgt schon über zehntausend, davon sieben- tausend auf städtischem Pachtland. Die Gärten haben eine Ausdehnung, die zweimal so groß ist wie die Fläche der Karlsane. Drittens: Durch die Anlage von großen Garienkolonien, die als Eigengärten meistenteils für die Dauer erhalten bleiben werden. Viertens: Durch die Vermeh­rung industrieller Anlagen, insbesondere in Bet­tenhausen. Diese Inanspruchnahme der städti­schen Gemarkung zu bestimmten Zwecken machte es notwendig, die Unterlagen für einen gene­rellen Bebauungsplan zu schaffen, denn Plan­mäßigkeit und Voraussicht gehören zu den Grund­bedingungen zur Entwicklung einer gesunden und schönen Stadt. Es wurden angefertigt un­ter anderem statistische Pläne über den vorhan­denen Verkehr, 3er die Bevölkerungsdichtigkeit der Stadt, die Grund- und Bödenpreise usw.; der Entwurf einer neuen Bauordnung, durch den die bisherige Bebauung in wirtschaftlicher und künstlerischer Hinsicht in bestimmte Bahnen ge­lenkt werden soll; ein Plan über die

Abgrenzung zwischen Industrie- und Wohnvierteln,

eine große Reihe von Bebauungsplänen. Auf Grund dieser planmäßigen Unterlagen wird nun­mehr, da in Kürze das Städtebaugesetz zu er­warten ist, ein genereller Bebauungsplan geschas- ren werden können, durch den die Entwicklung der Stadt in wirtschaftlicher, gesundheitlicher und baukünstlerischer Hinsicht stark beeinflußt werden kann. Im Aschrottviertel im Westen ist durch die Grund- und Bodenpolitik der Stadt eine rege Bautätigkeit in Gang gebracht worden. Es ist bekannt, daß vor dem Kriege ein? voll­ständige Stagnation der Bautätigkeit eingetreten war. Es war nicht mehr möglich, selbst unter. Stundung von Baugeldern und Aufbringung von Hypotheken, die Errichtung von Wohnhäu­sern durch private Initiative zu sördern, da die, Grundstückspreise viel zu hoch waren. Durch den Erwerb eines großen Teiles des Aschrott- schen Geländes hat sich die Stadt die Mittel ver­schafft, hier in jeder Weise reformierend einzu­greifen. Es wird jetzt nicht nut gebaut im Waften, sondern es entstehen hier Bauschöp­fungen, die selbst ans den durch den Bebau- ungsplan wenig günstig gestalteten Bauplätzen noch städtebaulich gute Wirkungen herausholen. So wird der schierige dreieckige Bauplatz vor der Stadthalle durch die Bruten der B:- mnten-Wohmina.s-Baugefellschaft und der Eilen- bahndirektion einer städtebaulich bedeutsamen 'Ausgestaltung entgegengeführt. Der tiefe Bau­block gegenüber dem Roten Kreuz wird durch die umf assende Bau an läge der Kali-Gesellschaft,