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Kasseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

Mittwoch, 16. April 1924

Nummer 91

Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf.

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Einzelnummer 10 Pf. Sonntags 15 Pf. 14.

Die Alliierten.

Auseinandersetzung um Deutschland.

Das Eine steht fest: Die Sachverständigen­gutachten sind erst der Anfang der großen Repa- rationsarbeit. Das Problem, an dem die Alli­ierten seither erfolglos hermngöwunstelt haben, ist politischer Natur. Nun mutz sich die weitere Sorge darauf erstrecken, überhaupt erst die At­mosphäre zu schaffen, in der die -wirtschaftliche und finanzielle Arbeit, Vie zu einer Regelung des Reparatiousproblems nötig ist, geschafft werden kann. Aber mit den politischen Fragen hat sich eben, wie man in englischen divlomati- schon Kreisen betont, der Bericht des GenerÄs Dawes nicht beschäftigen drüsen. Man sieht kaum einen anderen Weg, als daß Mer diese Fragen direkte Verhandlungen zwischen der englischen und der französischen Regierung stattfindcn müs­sen. Die so lange aufgeschobene Unter­redung zwischen Macdonald und Poi n- c arö wird einmal stattfindeu müffeu. Aber man ist sich in den englischen Kreisen auch schon dar­über klar, daß eine solche Unterredung erst nach den französischen Wahlen, also kaum vor der zweiten Hälfte des Mai, statfinden kann. Poin- ears, der es nicht eilig hat, weil er das Rnhr- pfand besitzt und weil er den kranken Zustand der französischen Valuta mit englischer und ame­rikanischer Medizin erheblich bessern konnte, wird sich vor den Wählen nicht sprechen lassen. Er könnte auch nicht viel sagen, weil er äbwarten muß, welches die Ansichten der neuen Kammer­mehrheit sein werden. Englische Parlamentsier, die in der ftingsten Zeit Frankreich besucht haben, find der Ansicht, daß Poincarö das von ihm er­strebte Resultat einer leichten Linksverschiebung der Kammermehrheil erreichen werde und daß gewisse Punkte bei den Unterhandlungen, die Macdonald mit der französischen Regierung vor­hat, sich dann glatter erledigen ließen, Daß Poincarö auch nach den Kamimerwablen bleiben werde, nimmt man hier ohne -weiteres an. Aber auch wenn er nicht bliebe, so gibt es doch gewisse Dinge, die sich nicht ändern werden, ob der Mann, der an der "Spitze der ftanzöfischen Regierung steht, nun Poincarö, Barthon «wer Herrioi heitzt, und ob in England ein Kabinett Macdonald oder ein anderes herrschen möge.

Bei allen Verhandlungen wird England daran festhalten. daß der Einmarsch Frank- re i ch s im Ruhrgebiet sich w e d e r j u r'i st i s ch, noch politisch, noch wirtschaftlich recht­fertigen läßt, während andererseits keine fran­zösische Regierung in der Loge sein wird. Ge­schehenes rückgängig zu machen^ Ueber dies: Frage wird man sich in einem französisch-eng­lischen Zwiegespräch niemals einigen. Die Rnhr- rage ist nach englischer Auffassung eine euro­päische Frage und nur Europa kann sie ent- cheiden. Aber Europa hat keine Organi- ation, die Vereinigten Staaten von Europa ind ein ftommer Wünsch: es besteht nur ein Völkerbund, eine Rotgcburt, die aber besser ist als das bloße Nichts. Diesem Völkerbund aber gehört Deutschland nicht an: die Engländer ha­ben ihr Bedauern darüber schon ost genug aus­gesprochen. Deutschland im'lker- stunde das ist nicht das Ziel, das ist sogar die Voraussetzung und Grundlage der heutigen englischen Außenpolitik. Die Wahlen vom 4. Mai werden auch in diesem Punkte ausschlag­gebend sein.

Wohl und Wehe jedes Landes hängen vom Wobl und Wehe jedes anderen Landes ab nicht vermöge einer ideologischen, sondern ver­möge einer sachlichen Menschheits-Ge­meinschaft. Man kann die Lehre von der Souveränität des nationalen Interesses noch so laut verkünden, man muß sich doch darüber klar sein, daß die Souveränität gar nicht ohne die Solidarität bestehen kann: es kommt ja nicht auf das hohle Wort, sondern tnrf den lebendigen Inhalt an. England, das Land dergkämzendcn Vereinsamung", das so lange allen internatio­nalen Bindungen feind war, hat sich in den Völkerbund gefunden. Seine Vertreter in Genf, Lord Cecil und jetzt Lord Parmoor haben ge­zeigt, daß England es mit seinen Pflichten im VöVerbund ernst nimmt. Lord Parmoor na- mentfich arbeitet mit allen Kräften daran, den Völkerbund zu einer Wirklichkeit zu machen. Wer mit ernsthaften Engländern aller Parteien spricht, hört sie immer wieder ihr Bedauern ausdrücken, daß Deutschland dem Völkerbund nickt angehöre. Der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund, sollen sie, wäre die beste Stärkung englischer Friedenspolitik gegenüber Frankreich: er würde Frankreich den Vorwand zu seinen Rüstungen nehmen und der angelsächsischen Welt, der das aermanische Europa am nächsten steht, die Mög­lichkeit geben, den nötigen Druck auf den stan- zösischen Militärimperialismus auszuüben, in welchem die Angelsachsen jetzt den die Welt bedrohenden stellen Hund" erblicken. (Früher nannten sie Deutschland so.)

Die andere große Bestrebung von Micdo- nalds Außenpolitik, die Versöhnung mit Ruß­land, hat einen Fortschritt durch die Ankmift der russischen Delegation aemoAt_ die gestern unter

der Führung Rakowskis in London verhandelt hat. Man will auch Rußland zum Eintritt in den Völkerbund bewegen, und es scheinen Aussichten vorhanden zu sein, dieses Ziel in einigen Mo­naten zu erreichen. Das wäre die Krönung von Macdonalds anti-imperialistisch, anti-französischer Politik. In den inneren Angelegenheiten Eng­lands gefallen sich die Dinge, trotz der immer wiederkehrendcn Streiks, ruhiger. Katastrophen sind bisher durch kluges Nachgeben im letzten Angenblick vermieden worden. Es ist eine Ent­wicklung durch Krisen. Trotzdem ist dieser Zu­stand den Engländern sehr schmerzlich. Macdo­nald hofft, wie er einer Arbeiterdelegation sagte, daß eine endgültige Regelung der Repara- tionsfrage auch die wirtschaftliche Lage Englands bessern werde. m.

Prüfung der Gutachten.

Besprechung der Regierung mit den Parteien.

(Eigener Drahtbericht.)

Berlin, 15. April.

Heute vormittag zehn Uhr setzte das Kabinett die Beratungen über die Sachverstän­digenberichte fort. Die Deutschuabio- nalen hatten sich gestern beim Reichskanzler aa- gemeldrt, um über die Frage der Sachverstän- digenberichte zu verhandeln. Im Verlaufe der Besprechung überreichten sie einen Protest, der fich gegen eine Bindung der jetzigen Regierung in dec Frage der Sachverständigenberichte wen­det. mit der Begründung, daß die jetzige Reichs­regierung, die sich nicht mehr aus einen Reichs- icp stütze, das Vertrauen deS dm,ficken Volkes nicht mehr besitze. Heule empfängt der Reichs kanzler Vertreter der Sozialdemokratie nnd der Koalitionspartcien. Das Kabi­nett hat die Sachverstänigenberichte als Verhand- limgsbasts erklärt. Die Einmütigkeit zwischen Reichsregierung und Ländern wird in Berlin behauptet, in Berichten aus München bestritten.

* * *

Vorbereitung zu Verhandlungen.

Berlin, 15. April. (Privattelegramm.) Das Reichskavinett hat fich gestern für die Entsen­dung von Vertretern nach Paris enfichie- den. Zunächst wird eine schriftliche Mittei­lung bis zum 17. April an die Reparationskom- misston gehen. Später follen im Zusammenhang mit den polittschen Fragen mögliche Verhand­lungen mit den Alliierten beginnen.

Wieder ein vernünftige« Wort.

Rotterdam, 15. April. (Privattellegramm.) Westminster Gazette" bringt Sonntag einen Ar­tikel Asquiths zum Expertenbericht. Asquith schreibt, die Sachverständigenvorschläar feien sorgfältig ausgearbeitet. Deutschland sei trat zur Wiedergutmachung der Verwüstungen nn- zuhalten. Darüber hinaus gingen jedoch die Re parafionspflichten nicht. Alles, was ohne Eng- lmids Zustimmung im Ruhrrevier geschehen wäre, sei zurückzunehmen. Aber die Hal- tung des Kabinetts Macdonald gegenüber Frankreich neige wieder zur Schwäche.

*

Bis »um Weißbluten zahlen!"

JB«ris, 15. April. (Privattelegramm.) Die gestrigen Pariser Verhandlungen über die Rr- parationsfrage haben zu keinerlei Forfichrtttcu geführt, da man in Regierungskreisen zunächst die deutsche Antwort abwartet. Ge neral Dawes hatte gestern in Rom neue Be­sprechungen mit Mussolini. Das BlattIta­lia" schreibt, Deutschland werde bis zum Weißbluteu zahlen müffeu, ohue zunächst eine Milderung des militärischen Druckes zu er­fahren. (!) Bemerkenswert ist, daß die faszistikche Preffe inzwischen eine Schwenkung in ihrer Hal­tung gegenüber Deutschland vorgenommen hat und zwar in unfrenndlichem Sinne. (!)

Dielsagendes Schweigen.

London, 15. April. (Privattelegramm.) Im englischen Vnterhmfie fragte gestern ein konfcr- vatives Mitglied den Premierminister, ob die Regierung die Besetzung des Ruhrgebie­tes durch Frankreich und Belgien als nach dem Versailler Vertrag gerechtfertigt ansehe? Es er­folgte keine Antwort. Das Schweigen dere Regierung hat im Unterhause große Unruhe aus­gelöst. Auf eins weitere Anfrage über die Hal- ttmg der englischen Regierung gegenMcr der französisch-belgischen Ruhrbesetzung gab Macdo­nald die Erklärung ab. daß er darüber jede Acußerung im gegenwärtigen Artigen blick ver­schieben wolle.

(Streite und Aussperrungen.

Die fortdanernden Lohnkämpfe.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 15. April.

Aus verschiedenen Teilen des Deufichen Rei­ches treffen weitere Meldungen über Streiks

und Aussperrungen ein. In der deut­schen Metallindustrie ist die Zahl der Streiken­den nnd Ausgesperrten auf 15600 gestiegen. Die am Sonntag int Kohlenrevier stattgefundenen Bergavbeiterversammlungen haben infolge der neuerkichen Preissteigerungen die bisherigen Lohnforderungen von 30 aus 35 Pro­zent erhöht. Ein neuer Schrift beim Reichsan- beitsminister verlangt, wie berichtet wird die Bewilligung bis spätestens 28. April und droht im Weigerungsfall den Streik an. Die Annah­me der Entschließungen erfolgte einstimmig.

England und Rußland.

Friedensworte auf der Konferenz.

. ä (Eigener Drahtbericht.)

London, 15. April.

Der russische Vertreter Rakowski sagte in einer Rede auf der englisch-russischen Konferenz: Die Sowjetregierung hat wiederholt erklärt, daß nach ihrer Ueberzeugung erste Bedingung eines stabilen Friedens die Revision des Versail­ler Vertrages und der anderen damit ver­bundenen Verträge ist. Diese Verträge wieder­sprechen den elementarsten Interessen aller Na­tionen und ihre Anwendung in der Praxis hat nur zu einer Verschärfung des Kampfes unter den Nationen und zum Ruin des Wirt­schaftslebens geführt. Eine allgemeine Abrüstung fei nötig. Wie der britische Ministerpräsident Macdonald in seiner Rede sagte, gehört zu den Hauptfragen der Konferenz die Entschädi­gung der britischen Gläubiger. Auch der Ab­schluß eines neuen Handelsvertrages ist vorgcstchen. Der Premierminister betonte, die be fische Regierung »oünsche aus der Anerken­nung Rußlands die praktischen Folgerungen zu ziehen. Die nächste fei, die zwischen beiden Ländern bestehenden Rechte und Pflichten zu prüfen und festzustcqen und für friedliche nnd vorteilhafte Beziehungen in der Zukunft zu sorgen.Daily Chronicle" schreibt zur eng- lifch-rusfischen Konferenz, wer Frieden und Wohlfahrt für Europa ersehne, müffe der Kon­ferenz Erfolg wünschen. * .. _

Am die Kriegsschulden.

Sotrtwn, 18. April. (Telegraphische Meldung.) Der Londoner Berichterstatter desManchester Guardian" schreibt zu den englisch - russischen Verhandlungen, es werde erwartet, daß die gc- genfeittgen Regierungsschulden gestrichen wer­den und daß die privaten Kaufleute von der Sowjetregiemng entschädigt werden würden im Austausch gegen ein bisheriges Versprechen, Rußland bei der Erlangung einer Anleihe in London zu helfen. Die Verhandlungen dürsten einige Monate dauern. * ,

Gegen Frankreichs Teilnahme.

London, 15. April. (Telegraphische Meldung.) Macdoualp erklärte in Beantwortung einer An­frage, daß die frauzSsische Regierung zu der britisch-russischen Korfierenz nicht eingeladen worden sei, da diese Regelung rein russisch-eng­lische Fragen betreffe.

Llm die Micumlasten.

Zustimmung der Regierung unter Vorbehalt. (Privat-Telegramm.)

Berlin, 15. April.

Die Reichsregierung hat fich dem Zwange Frankreichs gefügt und die Micum-Bcr- träge bis zum 15. Juni verlängert. Die Unterschrift wird heute vollzogen. Der Reichs- finanzminister und der Innenminister haben ge­gen die Verlängerung im Kabinett gestimmt. Für die Finanzierung der Leistungen soll versucht werden, im wesentlichen a u s l ä n disches Kapital heranzuziehen. Der neue Besuch v. Hoefchs im Ministerium des Beutzeren in Paris hat, wie derTemps" meldet, P>as Teilzugeständnis Deutschlands ge- khracht, die finanziellen Verpflichtungen über die Micumverträge fortzuleisten, sofern Frank- r e i ch in eine Neuordnung der Repa­rationen auf Grund der Sachverständigen- Gutachten einwilligt. Ministerialdirektor Della Rocca habe die deutschen Borsckfläge nur zur Kenntnis nehmen können und bemerkt, daß er eine Stellungnahme, ob fie den französischen Forderungen genügen, dem Ministerpräsidenten Poincarö Vorbehalten müffe.

*

Belgiens VriorilStsanfprum.

Rotterdam, 15. April. (Privat-Tele- gramm.) DerCourant" meldet aus B r ü ff e l: Die belgische Agentur stellt auf Grund der Mit­teilungen des deutschen Gesandten zum Außen­minister Hymann fest, daß Deufichland im Prin­zip die Weiterfinanzierung der Ruhr­leistungen an die Mieum übernommen hat. In der Unterredung habe der Außenminister dem deutschen Vertreter dann Mitteilung gemacht, daß Belgien die Sachverständigenvofichlägc annehme seinen Prioritätsanspruch aber nicht aufaeben werde.

Der Kasseler Etat.

Einstimmige Annahme durch das Stadtparlament.

So wäre denn auch diesesGeschäft" erle­digt . der Etat, der Haushaltsplan der Stadt Kassel, ist unter Dach und Fack! Was en Magistratsmitgliedern und Stadtverordneten anwesend sein konnte, war da, auch der bisher ver­mißte Oberbaurat (einem on dit zufolge war er wegen Vorbereitung aus seinen Prozeß be- nrlaubfi wurde an seinem Platze gesehen, aller­dings mit dunkelster Brille vor Augen. Die Tribünen wiesen starken Besuch auf. Als je­doch die großen Reden verlesen wurden, trocken, sachlich sogar, da gab es oben nach tmd nach immer größer werdende Lücken . . .! Was Oberbürgermeister Scheidemann vom Red­nerpulte und Bürgermeister Brunner von,sei­nem Platze aus vortrugen (halb sprachen sie's. halb lasen sie's), das ist im Auszug besonders wiedergegeben. Es folgte als dritter der Spre­cher des Etatsausschusses der Stadtverordnete Magistratsrat Dr. Theiß. Der Etat, fasle er, ist von dem Etatsausschutz in zwei Sitzungen tmnSberatcn und ohne daß irgendwelche Abän- derungs-aanträge gestellt worden wären, von öcnf Ausschutz angenommen worden. Ein Beweis dafür, welche Sorgfalt aus seine Ausstellung ver­wandt wurde nnd wie sehr seine Einnahnie- und Ausgabeposten sich zwangsläufig aus den Verhältnissen, aus der Not der Zett ergeben, lind dann berichtete er, daß nur einige Aende- rungen gegeben wurden, so die beim Voranschlag des Bauamtes angesichE des Zustandes «n- jerer Straßen und Bürgerstetge, zw ihrer bessern Instandsetzung im Lause des Jah­res besondere Mittel aus dem Dersützungsver- lage bereit zu stellen, zur besseren Herrichtung der Schulhöfe, Zentralheizungen und Schui- aborte eine besondere Summe von etwa 20000 Marr bereit zu halten; für das Frö belfe­rn i n ar, falls sie angesordert werden sollte, eine- weitere Beihilfe zu bewilligen und ebenso für1 die Tuberkulosenftm'orae. Der Rest war eine« Art Leichenrede (nicht etwa auf das Stadtparla- ment, o nein, so wett sind wir noch nicht!) Auch sic ist an anderer Stelle uachguleseu, Run ka­men die

Erklärungen der FraMonen.

Zunächst bracht der Schulmann und Dichter Va- lentin Traudt aus dem Mehrheitslagcr eine Reihe wunderschöner Wünsche vor, die wir auch schon ost geäußert haben: Verbilligung der Gas- und Strompreise, Besserung des Straßenpsla- stcrs, damit den Fremden (uns nicht?) das Stadtbild angenehmer erscheint, Vervollkomm­nung der Straßenbeleuchtung in finsteren Vier­teln der Stadt, Ausbau der Gesundheitspflege, Gedenken an die trostlose Lage der Alten nsw^ Forderung der Tuberkulosebekämpsung, schärfere Üeberwachung der Schulkinder und last not least Sicherung derFülle"-Anwohnec vor Hoch- und Kellerwasser sowie Neubau be8 Stadtbaus! Alles gute Wünsche, selbstverständlich, so betont« Traudt, die nach Möglichkeit der Mit­tel zu erfüllen wären! Einen nicht weniger langen Wunschzettel hatte der Sprecher der

Fraktion der Demokraten,

Oberpostcat Leineweber, der im allgemei­nen rühmte, wie günstig der Etat ist. Verschie­dene Punkte bedürfen allerdings noch der Rach- prüsung. So sollten wieder, was der Etat nicht vorsieht, Beförderungen von Beamten vorgesehen werden, weil es menschlich zu ver­stehen ist, daß man Belohnung für sein Wirken erwartet. Vorgesehen ist noch eine Dienst­aufwandsentschädigung für den Oberbürgermeister. Lohnen würde ft*, den Etat einmal statisfiscl^ zu bearbeiten. Zu erwägen ist auch die Frage, ob cs möglich ist^ beim Magistrat ab-z Mauen. Das Verhältnis der sieben Dienstposten zu der Zahl der Beamten ist hier in Kassel allerdings als gesund zu be­zeichnen. Eine Anzahl Geschäfte der Kommissio­nen könnten im Verwaltungswege erledigt wer­den, um die Dezernenten nicht zp sehr ihren ei­gentlichen Ausgaben zu entziehen. Das Rech­nungswesen erscheint noch immer reichlich kom­pliziert. Der Fremdenverkehr muß noch weiter gefördert werden. Was bis jetzt getan wurde, ist anerkennenswert. Bedanerlich sind die schlechten EiseMahnverbindungen mit Kassel. Restlose Anerkennung gebührt dem Lei­ter des Wohnungsamts, Staidtrat Sauttcr. Wa­das Fuldubad betrifft, so bekommen wir hofient- lich bald einmal eine große deufiche Sportver­anstaltung dorthin. Leider war der Besuch gro­ßer Konzerte in der Stadthalle derart, daß teilte Aussicht aus Wiederholung ist. Die Verzögerung der Ober schulrats st eile, so erklärte der Redner, erfolgte nicht aus Grund von Verhandlungen seiner Fraktion mit anderen Fiastionen, sondern infolge der Wirtschaftslage im letzten Jahre. Also: Die Inflation war schuld daran! Hoffen wir, schloß der 2-predicr, datz auch die neue Stadtverordnetenversammlung dasBest für die Stadt tut, wie wir bemüht gewe­sen sind. Wir müssen Zusammenhalten, damit,