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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 114

Donnerstag, 15. Mai 1924.

Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf.

Versuche einer Koalition der Mitte

Regierung und Reichstag

Das Ziel, das die Sachverständigen-Kommis, swn sich geietzt bat, wird zweifellos auch die neue, wwate Gesellschaft nickt erreichen können, der nach dem Sachverständigenplan die deutschen Eisenbahnen, sowie ein Monovol auf alle Eisen­bahnerwerterungen in Deutschland übertragen werden sollen. Allerdings will mau der deut- schen Rearerung eine Aufsicht nicht nur über den Dienst der Eisenbahn, sondern auch über die Tarife zugestehen. Aber diese Aufsicht soll von vornherein dann ausgeschattet werden, wenn durch sie etwa die Gewinne der Gesellschaft be- ^ntracktigt werden könnten. Das Kapital der Gesellschaft, das sechsnndtwanzig Milliarden Goldmark betragen soll, besteht aus elf Milliar- den erststelliger Hvpotheken-Obligationen, aus zwei Milliarden Goldmark Vorzugsaktien und mis dreizehn Milliarden Goldmark gewöhnlicher

*m Besitz der deutschen Regierung bleiben sollen. Die Obligationen sollen durch einen von der Reparationskommission zu ernen­nenden Treuhänder verkauft werden. Die Vor- zngsattien hofft die Gesellschaft selbst verkaufen zu können. Von dem Erlös erhält die Gesell-

Effen, 14. Mai.

Die Lage im Ruhrgebiet ist im Laufe des gestrigen Tages weiter krftisch geworden. In Gel­senkirchen und Recklinghausen haben sich kom­munistische Stoßtrupps gebildet, die in den Abendstunden Plünderungen versuch, tcn. Die Geschäfte schloffen bereits um 5 fthr Von den heutigen Schlichtungsverhandli-ngen wird kaum eine schnelle Lösung der Krise erwar­tet. Die Erregung ist außerordentlich groß, da sich viele Bergarbeiterfamilien in bitterster Rot befinden. Die Stimmung unter den Bergarbei­ter« wird immer erbitterter. So wird in einer Eingabe des Gewerkschastsvereins christlicher Bergarbeiter an den Landrat des Kreises Hamm und an die Stadtverwaltung Hamm die Frage gerichtet, was die Behörden zu tun gedenken, um

die ausgesperrten Bergarbeiter mit ihren ftamb lienangehörigen vor dem Hungertod« z« be­wahren. Verlangt werden Milch für die Säuglinge und B r 0 t für die Erwachsenen.

Bie Außenpolitik bleibt unverändert.

Paris, 14. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Briand und Herr tot sind am Montag in Paris eingetroffen und haben eine Be­sprechung gehabt. Die erwartete Berufung zum Präsidenten der Republik ist n i ch t erfolgt. Die allgemeine Ausfaffung ist, daß weder Briend noch Herriot die französische Ruhr- und Reparationspolitik än­dern oder mildern werden. Briand hat sich in seiner Wahlrede in Orleans am 6. Mai in diesem Sinne bereits festgelegt.

Der rüde Rationale Block.

Zürich, 14. Mai. (Privattelegramm.) Die ergänzenden Berichte aus Frankreich klären das Bild nock, nicht. Der Ratio nale Block be­hauptet, daß er weiter die Partei der Regierung bleibe; seine Anknüpfungsverfuche nach der Seite der gemäßigten Sozialisten hin werden imMa- tin" als sehr aussichtsreich beurteilt. Havas meldet, daß Poinearö bisher keine Absage sei­nes Besuchs bei Macdonald gegeben habe.

Segen den Frankensturz.

Paris, 14. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Der gestrige stanzösische Ministerrat hat den Fi­nanzminister Marshall beauftragt, alle Maß­nahmen zu treffe«, «nr einem neuen Sturz des Franken vorzubeuge«.

Das amtliche Ergebnis.

Paris, 13. Mai. Das Ministerium des In« nern veröffentlicht heute über das Wahlergeb­nis folgende Statistik: Konservative 20, Re­publikaner 117, Linksrepublilaner 52, Linksde- mokratcn 75, Radikale und Sozialistjfch-Radikale 139, sozialistische Republikaner 35, Bereinigte Sozialisten 102, Kommunisten 29. zusammen 56g

Frankreichs Kabinettskrise.

Der Kampf um die Ministersessel.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 14. Mai.

Die Tatsache, daß das Kabinett Poiurars nicht fofort, sondern erst am 14. Juli zurücktreten will, beweist nach der allgemeinen Auffassung in Parlamentskreisen, daß Porucars noch auf Verhandlungen hofft, die sein Ver­bleiben ermöglichen sollen. Pariser Mel­dungen zufolge rechnet man aber in politischen Kreisen damit, daß Herriot der zukünfti­ge Ministerpräsident sein wird. Man glaubt, daß Briand Außenminister wird, Justizministcr Leon Blum, Finanzminister Klotz, Kriegsmiui- ster Painlev-?. Neber das Programm der evtl neuen Regierung verlautet, daß es Folgen- des vorsieht :Allgemeine politische Amnestie, Re­vision der KrieqSschädcn und Kriegsschädenge- winne, Einführung der Vermögenssteuer, Er­höhung der Beamtengehälter, Aufhebung des Botschafterpostens am Vatikan und Revision der Prozesse Caillaur und Malvy.

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Variser Vresfefttmmrn.

Paris, 14. Mai Unter den Blätterstimm:» verdienen die Ausführungen derVietone* her« vorgehoben zn werden. Das Blatt, daS bekannt­lich von Millerand inspiriert ist, nennt P o i n« carS einen verbrecherischen Menschen, der durch seine Mittelmäßigkeit, durch fein« Starrköpfigkeit und einen Mangel an Führer- ergenschaften der Hauptverantwortliche an dem Nicderbruch des Dloc National sei. Die Wäh­ler hätten die Ruhrpolitik verurteilt. Nun« mehr müffe man adwarten, wie man die neue Mehrheit des deutschen Volkes und die Deutsch- nationalen dazu bringen werde, die Reparatio­nen zu bezahlen.Libertö* schreibt: Ms die Arbeiterpartei in England die Regie- rung übernommen habe, habe man eine Schwen- üng der britischen Politik und das Ende der ranzösisch-enqliscken Entente angekündigt. Nichts habe sich geändert. Die neu ans Ruder Gekom­menen hätten die Politik ihre Vorgänger fort­gesetzt. Das Schicksal eines Landes werde zu­meist von Kräften beherrscht, gegen die Menschen- wille nickt viel ausrichten könne. Frankreich ei an einem jener Wendepunkte angekommen, an dem man, um zum Z i e l e zu gelangen, mir die Pferde wcchsele.

Frankreichs Wahlen.

Poincarss Rücktritt zum 1. Juni?

Paris, 14. Mai.

In einer gestrigen Sitzung des Ministerrats wurde nach einer lebhaften Aussprache, an der vor allem Poinrars teilnahm, und in welche auch Millcrand energisch eingriff, folgender Beschluß gefaßt: Poincar6 wird am 1. Juni die Ge­samtdemission seines Kabinetts dem Präsidenten der Republik unterbreiten. Die Re­gierung bleibt, da theoretisch die alte Kammer bis zum 1. Juni besteht, bis zu diesem Tage im Amte. Paine arS verzichtet auf den ver. abredeten B e s u ch bei M a c d o n a l d am 19. Mai. Die Haltung Millerands ist noch un­bestimmt. Es wird als selbstverständlich aner­kannt, daß die Entscheidung über das Verblei­ben oder den Rücktritt des Präsidenten der Re­publik nicht in die Kompetenz des MinisterratS fällt. Die politische Lage scheint aber den Rück­tritt Millerands zu fordern.

Die Versuche einer Koalition. (Privat-Telegramm.)

Berlin, 14. Mai.

Am Dienstag Vormittag fand wieder eine Besprechung zwischen Vertretern der Deutschen Volkspartei, dem Zentrum und den Demokraten statt. Inhalt und Zweck der Aussprache sind nnr zu mutmaßen. ES verlautet jedoch, daß die Deutsche Volkspartei eine Anlehnung nach rechts nicht mehr erörtert, sondern sich auf die Wieder­bildung einer großen Koalition festlegen will. Wie die Blätter mltteile«, hat das Reichskabinett in Ausführung des Artikels 55 der ReichSver- saffung eine Geschäftsordnung für die ReichS- regierung beschlossen, welche die Beziehungen zwischen dem Reichskanzler und den ein­zelnen Ministern bei der Durchführung der Reichsgeschäste regelt und Bestimmungen über die Unterrichtung des Reichspräsidenten und für die Kabinettssitzungen trifft. Die Geschäfts­ordnung ist vom Reichspräsidenten genehmigt.

Schließung infolge Rodlenmangels.

Essen, 14. Mai. (Telegraphische Meldung.) Die Brennstofflieferung an die Gaswerke ist so stark zurückgegangen, daß nur noch für einige Stunden am Tage Gas abgegeben werden kann. Auch in Bochum. Herne und Dort- mund machte sich Gasmangel bemerkbar Der Jndustriellenve'rband Dortmund zeigt die Schließung von der Hälfte seiner Be- triebe für Sonnabend an wegen Kohlen- mangel. Die Schließung zahlreicher Betriebe als Folge des Bergarbeiter-Streiks wir- auch aus Ruhrort und Mülheim gemeldet.

Die Krise im Ruhrbergbau

Große Rot infolge des Streiks.

(Eigene Drahtmeldung.)

Dis IMcum droht mit Zwang.

Essen (Ruhr), 14. Mai. (Privattelegramm.) Gestern abend haben auch auf den von der Mi­

schast drei Viertel, die deutsche Regierung ein Viertel.

Die Verwaltung der Gesellschaft soll in der Hand von achtzehn Direktoren liegen, von denen die Hälfte von der deutschen Regierung, die ändert Hälfte von dem Treuhänder der Re- parationskommiffion ernannt wird. Ter General- gesckästsführer der Gesellschaft soll ein deutscher Staatsangehöriger sein, den die Direttoren mit einer Dreiviertelmehrheit ernennen. Ihm wird aber ein Eisenbahnkommissar zur Seite gesetzt, der von den ausländischen Direktoren allein zu wählen ist. In der Praxis wird also in Zukunft zweifellos der ausländische Einfluß in der Pr-waltung der deutschen Eisenbahnen, ins­besondere soweit die Festsetzung der Tarife in Frage kommt, vorwiegen. Für die deutsche Wirtschaft und ganz besonders für den deut­schen Export bedeutet diese Abhängigkeit vom Auslande eine schwere Gefahr.

Einzelnummer 10 Pf-, Sonntags 15 Pf. 14. ZahkgÜAA

Vollkommene Umstellung der Kammer.

Paris, 14. Mai. Es macht sich bereits in politisck)en Kreisen eine deutliche Tendenz be­merkbar, die im Land zum Ausdruck gekommene Strömung nach links auch im Parlament zum Ausdruck zu bringen. Zahlreiche Parla- mentarier, die auf Grund der rechtsstehenden Liste des Rationalblocks gewählt worden sind, erklären sich jetzt für die republikanische Idee, und man erkvartet infolgedeffen in parlamenta­rischen Kreisen, daß die Mehrheit, die zustande gekommen ist, im Parlantcnt noch durch den Eintritt von Dissidenten aus den Kreisen des Rationalen Blocks verstärkt werden wird. In sozialistischen Kreisen ist man vielfach nicht ge- neigt, an der Regierungsblidung dirett teilzn- nehmen. Ueber den Wahlausgang war man in einzelnen Ministerien sehr überrascht und zwei- fette zunächst an den Wahlergebnissen.

Sine nationale ArdettSgemeinschast.

Berlin, 14. Mai. (Privattelegramm.) Das erweiterte Präsidium der Bereinigten vaterlän­dischen Verbände Deutschlands fordert heute in einem Aufruf die Parteien, die den Wahlkampf unter der fchwarz-weiß-roten Fahne geführt ha­ben, dazu auf, unverzüglich im Reichstage eine schwarz - weiß - rote Arbeitsgemeinschaft zum Zwecke der Errichtung einer nationalen Regie­rung im Reich und in Preußen zu bilden und angesichts der allgemeinen Lage und der kommu­nistischen Revolutionsvorbereitungen alle Mei­nungsverschiedenheiten zurückzustellen.

Da« künftige Kabinett.

Paris, 14. Mai. Die Linksparteieck werden in der Kammer über eine Mehrheit von ungefähr 80 Stimmen verfügen. Das bedeutet, daß sie vollständig dem Rationalen Block gewach­sen sind und daß sie in keiner Weise mit Kom­promissen arbeiten müssen, um bei strittigen Fragen mit den Rechtsparteien zu paktieren. Der Weg für den linken Block liegt vollkommen of­fen. Man glaubt infolgedeffen, daß Herriot Frankreichs künftiger Ministerpräfi- dent sein werde. Poineare werde sich wahr­scheinlich selbst für diese Lösung aussprechen. In der Oeffentlichkeit wird auch vielfach Pa in- levo als der Mann genannt, den der Links­block als künftigen Ministerpräsidenten präsen­tieren würde. Darum ist eine Unterredung in­teressant, die Painlevö einem Mitarbeiter deS Exeelsior" gewährte. Painlevö sagte, die Vor- schlüge der Sachverständige« brauchte« nicht dem Buchstaben nach erfiillt zu wer­den, sondern dem Geiste nach. Man müsse eine loyale Zusammenarbeit der Völker vorbe- reiten, um die moralischen und wirtschaftlichen Folgen des Krieges auszulöschen.

Aus dem sächsischen Landtag

Minifterpensionen und -Gehälter.

(Privat-Telegramm.)

Dresden, 14. Mai.

Die gestrige Landtagssitzung brachte eine (tun, denlange Aussprache über einen kommunistischen Mißtrauensantrag gegen den Innenminister wegen dessen Maifeier-Erlaß, der auf eine E i «- schränkung derMajfeier hinausging. Der Antrag wurde abgelehnt. Ebenso ein Antrag derselben Partei auf Landtagsauflösung. Im Verlaufe der Aussprache wurde die interessante Tatsache bekannt, daß der im Gefängnis fitzend« ehemalige Ministerpräsident Dr. .getaner volle Ministerpension und halbes Gehalt als Landgerichtsdirektor bezieht. Ebenso beziehe der ehemalige Justizminister Reu volle Pension und volles Gebalt als Landaericktsdirekwr.

mm beschlagnahmten Zechen die Belegschaften die Einfahrt verweigert. Dadurch ist eine außerordentlich ernste Lage geschaffen, da Zwangs - Maßnahmen angekündigt sind. Der Zechenverband hielt auch gestern abend noch an seiner ablehnenden Haltung gegenüber den ver­schiedenen Einigungsversuchen fest.

den deutschen Volkswirtschaft der Vorkriegszeit möglich war, so kann man daraus nur die Fol- gerung ziehn, daß auf feiten der wirtschaftlichen Sachverständigen die Absicht besteht, die deut­schen Erzeugnisse durch zu hohe Verkehrs- unkosten derart zu belasten, daß sie aus dem Weltmarkt die Konkurrenz mit den Jn- büstrien der alliierten Länder nicht mehr auf gleichem Fuße aufnehmen können. Es scheint, daß hier besonders englische Einflüsse in dem Sachverständigen-Komitee sich geltend ge- rnackt haben.

Die Sachverständigen stellen fest, daß in Deutschland die Ausgaben der Eisenbahn noch vor kurzem ein Mehrfaches ihrer Einnahmen be­trugen, während jetzt die Einnahmen mit vieler Muhe auf die gleiche Höhe wie die Ausgaben ge­bracht worden sind. Wenn jetzt noch ein jähr­licher Ueberschutz von einer Milliarde Goldmark erzielt werden soll, so kann das nur durch ü b e r- mäßigeSteigerung aller Tarife erreicht werden. , Die Sachverständigen glauben aller­dings, einen Teil dieses Reinertrages dadurch ambrmgen zu können, daß sie die auf dem Eisen- bahnverkehr ruhende Verkehrs st euer, deren Ertrag für 1924 auf 227 Millionen Goldmark ae- schatzt worden ist, direkt an die Repara- tlonskommifsion abgeführt wissen ^°"en. Ueber die Aufbringung der übrigen acht­hundert Millionen Goldmark aber fegen sie nur M tiie Tarife erhöht werden und die der Angestellten herabgesetzt Bei alledem gibt sogar der Sach» verstandigenberickt zu, daß der deutsche Eisen- bahnverkehr durch die Besetzung der Ruhr- und Rheinbahnen ernstlich in Mitleidenschaft gezogen worden ist und schlägt deshalb vor, daß der Ueberfchuß von achthundert Millionen Gold- mark erst tm fünften Jahre erzielt werden solle, wahrend man sich im ersten Jahre mit einem Ueberschuß von vierhundert Millionen Goldmark begnügen will. Alle deutschen Sachverstän- - tgen sind darin einig, daß auch dieser Ueber» ffflut ebenso wenig erreicht werden kann wre im fünften Jahre der doppelte, eS sei denn daß man die deutschen Waren durch übersteigerte Gltterfrachtsatze vom Weltmarkt ausschließen

Die Reichsbahn.

Belastung durch dieSachverständigen".

Die Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner hat, feie wir gestern berichteten, in ihrer Kundgebung in ff affet am Sonntag gegen den Teil des Sachverftändigen-Gutachtens protestiert, der die Internationalisierung der deutschen Reichsbahn behandelt. In dem Dawes-Gutachten zur Rege­lung des Reparationsproblems bilden die Vor­schläge über die Ausbeulung der deut­schen Eisenbahn einen wichtigen Abschnitt. Der Sachverständigenbericht stellt sest, daß das augenblicklich im Besitze der deutschen Eisenbahn- Verwaltung befindliche rollende Material sowohl an Qualität tote an Quantität dem vor dem Kriege verwendeten weit überlegen fei, (?) und daß die Ausstattung der Reichseisenbahn voll auf ver Höhe der letzten eisenbahntechnischen Vervoll­kommnungen stehe. Das in der deutschen Reichs­eisenbahn angelegte Kapital wird in einem be­sonderen Bericht hervorragender Eifenbahn- spezialisten auf 26 Milliarden Goldmark berech­net. Daraus folgern die Sachverständigen, daß ein j ä b r l t ch e r R e i n e r t r a g von einer Milliarde Goldmark aus der deutschen Eisenbahn herausgeholt werden könne. Diese Annahme ist umso erstaunlicher, als der Bericht zugibt, da selbst vor dem Kriege ein s0 hoher Rein­ertrag nicht erzielt werden konnte. Wenn man jetzt versuchen will, aus den Eisenbahnen der durch einen viereinhalbjährigen Krieg, eine darauf folgende Revolutionszeit und dann durch die Jnflatton, die Ruhrbesetzung und ihre Folge- Wirkungen schwer geschädigten und ver­armten deutschen Wirtschaft eine noch höhere Summe herauszuholen, als das in der blühen-

Anzeigenpreise Seschästranzeigen Zeile 15 Pfennig, Familien-Anzeiaen Zeile 15 Pfennig, Kleine Anzeigen das Wort 2*/, Pfennig, Retlamen die Zeile 60 P'enntg, Offcrtgebuhr 10 Pfennig (btt Zusendung ver Offerten 20 Pfennig), RechnnngSbettLge sind innerhalb fünf Tagen zu bezahlen. Maßgebend ist der Kur» des Zahlung 1 la get. Für die »Heutig, leit aller durch Fernsprecher aufgegedenen Anzeigen, sowie fur iRufnaSmebcten und Plätze taim nicht garantiert werden. Für Anzeigen mit besonder? schwieligem Satz hundert Prozent Aufschlag. Druckerei r^chlachthofftratze 28/30. Geschäft« stelle Kölnische Straße 5, gegenüber der Tpohrstraße. Fernsprecher Nr. 951 und 952.

Die Bolschewisten in Berlin.

Ganze Wagenladungen beschlagnahmt.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 14. Mai.

Die bei der Durchsuchung der Sowjet- handelsvertretung beschlagnahm­ten Aufrufe, Broschüren und Geheim- aufrufe, die zur Verbreitung in der Reichswehr, der Beamtenschaft und an das Proletariat be­stimmt waren, sind von der Polizei an den Un- tersnchungSrichtev weitergeleitet worden. Zu ihrer Fortschaffung waren neun Autos not­wendig. Der Untersuchungsrichter hat übri­gens gegen die vom Polizeipräsidium auf Ser- anlaffung des Auswärtigen Amtes verfügte Wiederfteilaffung der verhafteten Russen Be­schwerde eingelegt und besteht auf Wiederfest, nähme der Beschuldigte«.