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Kasseler Abendzeitung

Tie Saffeler SieueftfflJlactrtrtiten erscheinen wnchenMch nadim Hag«. Der «dann-,

mentopret« betragt für bett Monat Juni 2.00 Mark bei dreier Ruoetluna >n- Sau', in der iSeM'nftSftelle abgeholt 1.80 Mark. Durch die Poft monatlich 2.00 Mark einschl, SufleHimgO. gebühr, Verlag und Redaition: -«lachthokstc. 28/30. Fernsprecher 951 UNS 951 ur nnverlangi etnjefanbte Beiträge kann die Nedaktton eine «sergntroortung ober Gewahr m lewem Palle übernehmen. utuckjahlung bei Beeugsgelbe« ober Ansprüche wegen etwaiger nicht orbnungimägiger Lieferung ist ausgeschlossen. Postscheck, konko Frankfurt a.M. Nummer 8380.

Hessische Abendze Lung

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dillHinter 129. Einzelnummer 10 Pf. Sonntags 15 Pf.

Dienstag, 3. Juni 1924. Einzelnummer 10 Pf-, Sonntags 15 Pf. 14. Jahrgang

Die ungelöste Negierungs-Frage.

Entwaffnungszwang.

Allii-Lten-Wilkkür.

Trotzdem im englischen Unterhause offizielle Mitteilungen aus Anfragen in zwar äußerst ge­wundenen Worten doch bestätigen mußten, daß die militärischen Möglichkeiten des Deutschen Resches gleich Null seien, und daß die Entwaff­nung vollkommener durchgefüchrt sei, als es vielleicht eine Kontrolle überhaupt vermöchte, stellt die neuerliche Note auf die deutschen Vor­schläge hinsichtlich der Beendigung der Militär- kontrollr fest, daß Deutschland zwei Jahre fast unkontrolliert gewesen sei und Gott weiß was für Rüstungen habe vornehmen können. Was an Tatsächlichem aus dem ganzen Phrasengcwirr der Antwort aus der Botschvfterkonserenz übrig bleibt, sind formaljuristische Prinzipienreitereien und Prestigefragen. Leider kann Deutschland nicht mit einer loyalen Erledigung rechnen, denn cs hat schon zu bittre Erfahrungen mit Vertragserfüllungen gemacht, sonst könnte es dem Beispiel Griechenlands folgen im italie­nisch-griechischen Konflikt. Eine größere De­mütigung durch eine kleinere abwehren. Ja, soweit ist Deutschlands Ansehen schon ge- funken, daß es nur noch die Wahl zwischen bei­den hat.

Aber wenn sich die Botschasterkonserenz be- teit erklärt, die Militärkontrolle in einem mög­lichst kurzen Zeitraum zu beendigen angedeu­tet wird eine Generalinspektion von drei- bis viermonatiger Tauer so bieten den» die be­rüchtigten Klauseln, daß keine Obstruktion statt- finden dürfe imd daß sich keine Verletzung des Versailler Vertrages ausweisen laste, genug Möglichkeiten die Beendigung der Militär- kontrolle als unrunlich zu erklären und sie weiterhin zu verewigen. Dabet handelt e§ sich bei dieser offiziellen Beaufsichtigung der Deutschen Wehrmacht doch lediglich um «ine Prestigefrage Frankreichs, besten Militärkontroll- vorsttzender in glänzendem Siegesschimmcr noch einmal auf seinem alten Platze erscheinen möch­te. Denn genau wie England durch seinen in­offiziellen Ueberwackungsdienst über die militä­rischen Verhältnisse in Deutschland unterrich­te t i st, so ist das bei Frankreich noch weit mehr der Fall, da e§ auch über die Spionageorganisa­tionen seiner Verbündeten verfügen kann.

Die Antwort der Botschafterkonkerenz hat also ehr ganz anderes Gesicht. Sie ist im Grunde die schärfste Herabwürdigung der deutschen Staatsautorität. die bisher erfolgt ist. Denn sie nimmt dem Deutschen Reiche jegliches Recht auf eine Appellierung an die geschlossenen Verträge. Die Note bestreitet ausdrüel- lich die Möglichkeit einer unmittelbaren Anwendung des Artikels 213 des Versailler Ver­lages, indem sie aus den Bestimmungen des Teiles V deS Versailler Vertrages dem Deut­schen Reiche nur eine mittelbare Anwendung zu­billigt. Den Alliierten steht allein das Recht zu, die Vertragserfüllung festzustellcn, den Alliierten steht dem entsprechend allein auch das Recht zu, den Zeitpunkt der Beendigung der Militärkon- trolle festzusetzen die Alliierten lehnen jede Un­terstellung unter eine überparteiliche Instanz, unter den Rat des Völkerbundes ab. Das ist von wesentlicher Bedeutung für die Frage, was Deutschland überhaupt vom Völkerbund zu er­warten hat. auch wenn er zu einem Machtinstru- ment Englands geworden ist.

Ta für die Entscheidung des Botschafter­rates die Mitwirkung Englands erforderlich war, so geht schon daraus hervor, daß die eng­lische Völkerbundspolitik Macdonalds kläglich gescheitert ist vor den machtpolitischcn Belangen der französischen Interessen. Die sich wieder anbahnende englisch-französisclte An­näherung hat sämtliche außenpolitischen Kräfte Großbritanniens nach dieser Richtung bin völlig gelähmt. Umso mehr ist zu er­warten, daß England, wie es ja auch in seinen Unterhauserklärungen bereits geflissentlich Rück- f-ift auf die französischen Belange nimmt, auch in all den Fällen die Hoffnungen täuschen wird da eine Entscheidung des Völkerbundes herbei­zuführen, gegen die französischen Interessen sich richtet. Wenn auch die Antwortnote der Bot- schafterkonferenz formaljuristisch ein deutsches Recht auf Beendigung der Militärkontrolle be­streitet und die Gewähnmg einer solchen als ein hohes Entgegenkommen der Miierten kennzeich­net, so bedeutet die Bereitwilligkeitserklärung der Dotschasterkonferenz, unter Annahme ihrer

Bedingungen zu einer Beendigung der Kontrolle zu kommen, weiter nichts als die Ausschal­tung der im Friedensvertrag ausdrücklich vor­gesehenen gesetzlichen Instanzen, den Ausschluß des geraden Rechtsweges, die Verhängung einer der entwürdigendsten Prestigeknechtschast.

Am Sie Regierungsbildung» Eine Entschließung der Deutschen VoUspartei.

lTelegraphifche Meldung.)

Berlin, 2. Juni.

Zur Außenpolitik hat die Fraktion der Deutschen Volkspartei eine Entschließung angenommen, die sich mit der Person Dr. Ltrcsc- manns besaßt. Sie lautet:Die Fraktion der Deutschen Volköpattei weiß die anläßlich der Re­gierungsbildung gegen ihr Fraktionsmifglied, den Reichsaußenminister Dr Strcscmann, erhobe­nen Angriffe auf das schärfste zurück. Sie betont aufs neue, daß sie seine politische Tätigkeit und vor allem seine Brbcit als Reichsaußenmini­ster durchaus billigt und sein Verbleiben in diesem Amte solange fordert, als Herr Dr. Stresemann selbst seine Dienste in diesem Amte dem Daterlandr zur Verfügung stellt. In dieser Haltung wird sie vor allen Dingen durch die Er­kenntnis bestimmt, daß es auch sachlichen Grün­den geboten ist, im Jnlande und im Auslände durch einen Wechsel der Person nicht den An - schein einer außenp als tischcn Knrs - änderung aufkommen zu lassen.

Der Gtandp;nkt ter Demokraten.

Berlin, 2. Juni. (Telegraphische Meldung.» Der Vorsitzende der Demokratischen Partei und RcichStagsfrattion, Minister a. D. Koch, 6e«r< teilt die Lage dahin, daß rhni weitere Ver­handlungen aussichtslos erschienen, nachdent die D c u t s ch n a t i o n a l e n mit der in den wochenlangen Verhandlungen immer zr rück- gehaltenen Erklärung hervorgctretcn sind, daß auf dem Gebiete der Außenpolitik eine Kurs­änderung erfolgen und zum Ausdruck kommen müsse. Jede A e n d c r u n g der bisherigen Außenpolitik erscheine der Deutschen demo­kratischen Partei als eine Gefährdung der angebahnten Verständigung und alS eine Ver­zögerung der von der deutschen Wirtschaft so dringend geforderten Lösung.

Einschränkung der Deuischnoiioualen.

B e r l i n, 2. Inns. (Telegraphische Meldung.) Zu dem Beschluß der dcutschnationalcn Fraktion wird von deutschnationaler parlamentarischer Seite mitgeteilt, daß dieser Beschluß n i ch t c i n e Absage an den Gedanken des großen Bür- pe r b l o ck s als solchen bedeutet, sondern nur ge­faßt wurde, weil nach Ansicht der Fraktion die Verhandlungen mit Dr. Marz keine Aussicht auf Erfolg mehr böten. Daß irgend ein anderer Weg gesunden würde, *ft nach Ansicht der deutsch- nationalen Fraktion noch möglich.

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Das Lrnkrum für einen MitteibioS.

Berlin, 2. Juni. (Telegraphisch? Meldung.) Die Zentrumsfraktion, die am Sonnabend eine Sitzung abhielt, stellte sich einmütig auf den Standpunkt, daß eine andere Möglichkeit, als eine Koalition der bürgerlichen Mittrlparteien nunmehr keine Aussicht mehr auf "Grfots habe.

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Die boyrifche Dolkopottek.

Berlin, 2. Juni. (Privittelegramm > Die Bäurische Bolksvartei bat ihm Mitglieder für heute nach Berlin zu einer F r a k 11 o n S - S i t. z n n q berufen. Solange nicht die Entschließung der Bahrischen Bolkspariei «srliegf, wird auch eine Entscheidung der anderen Parteien zur Frage der neuen Regierungsbildunz nicht mög­lich sein. Nach einer heute früh aus München eingeoangenen Meldnna bleibt der rechte Flügel der Partei auf einer Ablehnung eittet Regie rungskoaliton, die die Deutschaationalcn ons- schließt, bestehen. Er ist aber in der Minderheit.

Frankreichs Kabinettsfrage.

Die Linksparteien gegen Millerand.

(EtgenN Drahtbericktn

Paris, 2. Juni.

Die Millerand-Krife hat nach den letzten Pa­riser Telegrammen insofern eine Aktualität be­kommen, als die Beschlüsse sämtlicher Linksparteien ausdrücklich gegen Prä­sident Millerand Stellung nehmen und dessen Rücktritt verlangen Millerand wird noch andere Versuche machen, nm eine Regierung zu- standezubringen. Jedenfalls wird sich durch den nunmehr eröffneten Kampf zwischen der Kammer und Millerand die Regierungsbildung um meh- rere Tage verzögern. Im Falle eines Rücktritts des Präsidenten muß der nationale Kongreß in Versailles einberufen werden. Tas Journal meldet: Präsident Millerand bat für Mon­

tag mittag Herriot in das Elysee berufen. Da auch B r i a n d für Montag abend zu Mil­lerand berufen ist, glaubt man in unterrichteten Kreisen, daß die Regierungskrise heute und mor­gen noch nicht gelöst sein wird.

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Unmögliche Zusammenarbeit."

PariH, 2. Juni. (Telegraphische Meldung.) Die sozialistisch-republikanisch: Kammergruppe in Gemeinschaft mit Mitgliedern der rechtsstehen­den sozialistischen Partei, die als Hospitanten in die Fraktion cingetrrten sind, haben eine Tages­ordnung angenommen, in der gesagt wird, daß es absolut, tut m ö q l i ch fei auch nur die ge­ringste Zusammenarbeit mit dem Präsi­denten der Republik Millerand durchzusüy- rcn, der die Pflicht seines Amtes dadurch ver­kannt habe, daß er die Leitung der Außen- und Innenpolitik in einem Sinne durchgeführt habe, den daö Land verurteilt hat.

VottttsOe? Mordversuch.

Der österreichische Kanzler Seipel verwundet.

(Eigener Drahtbericht.)

Wien, 2. Juni.

Auf Bundeskanzler Dr. Seipel, der von einer Reise zurückkam, wurde gestern ein Revolveran­schlag verübt. Der Bundeskanzler erhielt einen Lungenschuß. Der Attentäter, dessen Name noch nicht feststeht, richtete dann die Waffe gegen sich und verletzte sichgleichsallsschw eY Ueber die Einzelheiten des Attentates berichten die bis heute morgen eingelaufenen Meldungen folgendes: Bundeskanzler Dr. Seipel war auf dem Südbahnbof begrüßt worden. Als er die Treppe des Bahnhofs herunterging, trat ein un­bekannter etwa vierzig Jahre alter Mann auf ibn zu und gab, ohne ein Wort zu sagen, schnell hintereinander drei Revolverschüsse ans ihn ab. Die in der Rahe postierten drei Poli zeibeamten stürzten sich sofort auf den Attentäter, konnten jedoch nicht verhindern, daß dieser die Waffe gegen sichselbtz richtete. Der Kanz­ler hatte sich an einen ihn begleitenden Polizei inspektor angelchnt. Als dieser die Frage stellte: Sind Exzellenz verwundet, antwortete Prälat Dr. Seidel, daß er nichts spüre. Der Kanzler ging dann noch einige Schritte mit dem Inspek­tor bis er bewußtlos zusammensank.

3m Krankenhaus operiert

Wien, 2- Juni. (Eigener Drahtbericht.) Ein Arzt, der dem gleichen Zug entstiegen war, un­tersuchte den Bundeskanzler und entdeckte eine ^Schußwunde in der rechten Lungengegend, sowie einen Streiffchuß in der linken Brustseite. Der Kanzler kam rasch wieder zu sich und stellte die Frage ,LLo bin ich". Mau sagte ihm, daß er sofort in ein Krankenhaus befördert werde Gleich darauf trafen auch die ersten Rettungswagen rin und der Kanzler wurde in bas nächstgele­gene Krankenhaus gebracht. Gleich darauf er­schien der herbeigerufene Wiener Prof. Eisrls- berg, der eine Operation vornahm. Bei einer zweiten Operation, der Prälat Seipel unterzo­gen wurde, konnte die Kugel noch nicht o<-tt,nden wrdcn. Infolge des Schwächezustandes muß­ten weitere Versuche verschoben werden. Um Mitternacht wurde folgender ärztlicher Be­richt ausgegeben: Dr- Seipels Befinden ist ver­hältnismäßig zufriedenstellend. Er hat nur ge­ringes Fieber, auch die Nahrungsaufnahme ist genügend. Irgendeine Lebensgefahr besteht für den Bundeskanzler, sofern keine Komplikationen hinzntreten, nicht.

Der Derbretvee.

Wien, 2. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Me dieReichspoft" meldet, hat die Polizei er­mittelt, daß der Attentäter, Karl I a w o r e k, feit 1922 Mitglied der kommunistischen Partei ist Weitere polizeiliche Ermittlungen befinden sich noch in der Schwebe. Jaworek war bis 1 Uhr nachts noch nicht vernehmungsfähig. Eine Durchsuchun, der Wohnung des Attentäters in Bottenstein ist seit Mitternacht im Gange. Ja­worek war, wie inzwischen ttsifzestellt worden ist, früher Mitglied der österreichischen Bolkswehr, wurde aber wegen kommunistischer Agitation vor zwei Jahren entlassen. Man fand bei Ja­worek einen Brief, in dem er schreibt, daß er seine Fra« und seine Kinder bedauere, daß er aber nickt anders handeln könne, weil er zur Ausführung des Attentats bestimmt sei. Er war in dem betreffenden Zuge mitgr- fahren, hatte sein Abteil beim Hatten des Zuges schnell verlassen und ermattete sein Opfer nm Bahnhossausgang, wo er den Anschlag ausfühtte.

33efu<6 des deutschen Gesandten.

Wien, 2. Juni. (Privattelegramm.) Ter deutsche Gesandte begab sich, sobald er von dem Attentat ettabren hatte, zu dem Spital, um sich nach dem Befinden des Bundeskanzlers Dr. Seipel zu crkundiacn.

Zungdeutscher Orden. Kundgebung gelegentlich des Deutschen Tags, g«n Rahmen des Deutfckien Tags in Staffel ver» onftaltete der Jnngsrutsü»? Orden seinen Reichs» ordenstag. Hochmeister Mahrann hielt tu der StadthaUe eine Rede, in d r er den politischen Parteien Kampf ansagte. Er enttoictelte erneut die Idee des sungdentschenDoitsstaats. lieber die tocitircn Reden berietet unser R-Mitarbeiter»

Feierlich und leuchtend grüßten ringsum von den Emporen die eilten Rcichsfarben, dazwischen die blauweißen und das schwarze Lroenskriuz auf weißem Grund, schwangen sich Tailnengir- landen von Balkon zu Balkon, als am Sonn­abend die jungdeutschen Scharen den großen und die kleinen Stadthallensäle zum Brechen füllten. Ter Willkommcnsgruß zum Deutschen Tag ward entboten und dann schwanken über den Häuptern der in warmem Maiabend und Feststimmung erglühten Scharen die Bundes- ttanöarten unter ihren straffen Trägern im Wir­bel der Trommeln, schmetternder Marschmusik und begeistertem Händeklatschen zur Bühne em­por, deren Hintergrund sie füllten.

A Leo Schlageters letzter Frontkorn- mandeur im Baltikum, Freiherr von Me­dern, sprach zuerst, legte die Wurzeln ger­manischen Volkstums und deutscher Größe blos in den durch die Jahrtausende bewährten Stam- mestugenden der Treu zu Volk und Land, der Gottesfurcht und der Familienbande, wie sie in Schlageters Leben und Sterben als ehernes, ehr- furchtheischenves Denkmal vor uns ausgerichtet sind. Das Bild Schlageters als Meiisch und Soldat ward ergreifend lebendig in den drama­tischen Szenen aus der Erstürmung Rigas, die der Artillerist Schlageter an seinem Geschütz in tödttckem Wazchinenzewehrfeuer zum Siege wandte. Mit diesem großen, in heißer Vater­landsliebe schlagenden' Herzen ist er am sran- zöstschen SÄandpfahl verblutet. Mit seinem Blute hat erS seinem Volke ins Herz geschrie­ben, daß Deutschland leben muß, und wenn wir sterben müssen. Tann stand ent Gast aus Oesterreich,Kamerad Schnürschuhs, der hier schon bekannte Heinrich D i st l e r, auf der Kanzel. In hinreißender Beredtsamkeit, die ost ein wienerisches Lächeln umspielt, brachte er Kunde aus Ostensreich, wo ein Brudervolk, auch dieses in den Bergen unbesiegt, am Riesenbau deutscher Kultur und deutscher Einheit rastlos zimmert. Ein Kranz unsterblicher Namen zeugt von den gewaltigen Strömen deutschen Geistes, die uns bekannt und unbekannt dort rauschen. Unerschöpfliche Reichtümer der Industrie und Schätze der Erde treten dort zutage. Und unaus­löschlich brennt den Millionen Brüdern, an deren Stadttoren und Tünnen das Kreuzzugrittersym­bol seit jenen alten Tagen prangt, das Heim­weh nach dem Mutterland im Blut, zu­mal das habsburgische Wappen letzt zerbrochen und der Weg. nach Nord und West offen steht. Fürwahr, wir wissen zu wenig von dem leiden- schaftlickien Willen unseres Bruderstammes, den Glanz und die Größe des deutschen Namens wieder cnfzurichten, und tote es ein treudeutscher Priester hoch im Alpenklofter gelobt, ihn wieder zu Ehren zn bringen,so wahr uns Gott helfe".

Tas Hohelied von deutscher Art und deut­schem Wesen sang dann die Dichterin Maria Kahle in Worten und Versen von blühender biS zn dramatischer Wucht gesteigerter Gestal- tungskrast. Wie jeder mit seinem Blut und Wesen verstrickt und unlöslich verwachsen ist mit weitbinabreichenden Geschlechtern seiner Art- gleich der Welle mit der Meeresflut, wie er ihre ibatue Entwicklung, den Mensch und Wisse», die Erbschaft der Jahrtausende in sich trägt, und- toie jeder Deutsche, losgerissen vom Lebens- stanrm seines Volkes und verpflanzt in heimat­lose Erde, verdorrt und abstirbt für die Gemein­schaft .. das wurde ans Matta KablcZ klang« und bilderreicher Apotheose des Germanentums offenbar. Mit unerbittlicher Logik folgerte sie dann ans diesen Grundelementen für ein starkes, freies Volkstum die ganze trostlose Entartung, Verelendung. Verblendung, der die abtrünnigen Grostadtmassen, eingekerkett in starre Fabrikjron und lichtlose Hinterhäuser, naturnotwendig ver­fallen müssen. Dem Götzen und MolochGeld" haben sie sich verschrieben, dessen Fluch schwer auf den ihrem heimatlichen Dorf- und Banernglück längst entfremdeten Großstadtopfern lastet. Zu ihrer Rettung in Form großzügiger Tiedlunas- und anderer Hilfstoerke rief Maria Kahle mit leidenschaftlicher Inbrunst auf, toemt anders diefe Millionen der deutschen Sache nicht ver­loren sein sollten. Und mit gleichem feurigem Schwünge setzte sie sich für die schon fast ver- aessenen, gewaltsam losgettennten Volkstetle in West, Süd und Ost und die in alle Welt zer- ftreitten Ausländsdeutschen ein, von deren vierzig Millionen bettle nur noch traurige Spuren zu finden sind. Für das Häuflein tavserer Sieben­bürgen warb sie, die dieser Tage hilfesuchend in Kassels Mauern weilen. Nach Maria Kahles flantmendem Appell an das jungdeutsche Gewis­sen, der zugleich eine rednerische Melsterleist'tng von erlesenem Genuß war, löste sich aus den Instrumenten und den Lippen spontan das