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Mittwoch, 11. Juni 1924.

Nummer 135

Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf.

VerWrste Wfldentenkrise in Frankreich

Sie Staffelet 'vieuenen Äadirtd'ten etf»em«n rondientli'ti >ed>Sinal ttacbm itagt Der ilootme. menksprels betragt für nett Monat Junt 2.00 Mark bei reier Out'enun i in« Hau, in der ^efcbdftSfteUe abgeholt 1,80 Mark. Durch die Bost monatlich 2.00 Mark einschl, Zustellmigs- gebühr. 8erlag und Reda.tioa: railachihotftt. ttf/30. Fernsprecher 951 und 952. at nnoerlangi eingesandte Beiträge kann die «edaMon eine Verantwortung oder üieroabr in keinem stalle übernehmen. «iuckzahlmig de« Be»ug«gelde« oder Ansprüche roegen etwaiger nicht ordnungsmäbiger Sieferung ist ausgeschlossen. Postscheck­konto Frankfurt a. M Nummer 8380.

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Einzelnummer 10 Pf-, Sonntags 15 Pf. 14.

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Kaffeler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Deutscher ohne innere Erschütterung diesen Ar­tikel, der von dem Einfluß großer Männer auf die Geschickte handelt, lesen Den vormaligen Ministerpräsidenten P o i n c a r 6 setzt erauf die Liste der engstirnigen und eigensin­nigen Männer" und stellt fest, daß er heute nach dem mißglückten Ruhrabenteuer bereit sei, sich mit bedeutend weniger zufrieden zu geben, als Briand im Jahre 1922 verlangt habe. In Deutschland hab« er den nationalistischen Geist gestärkt. Es bestehl, so fährt Lloyd George fort, eine große Gefahr, daß selbst bei Annahme des Gutachtens der gemeinsame Protest der Nationa­listen und Kommunisten so groß sein wird, daß die Banken zögern werden, auf eine so fragliche Sicherheit hin Geld zu geben. Der Widerstand Deutschland? wird Frankreich in ein schlimmeres Dilemma bringen, als es sich jemals seit dem Jahre 1914 befunden hat. Frankreich hat dann die Wabl zwischen einer Gewaltpolitik, die seine letzte Kraft erschöpft, oder einem Rückzug, der sein Prestige zerstört. Hoffen wir, daß Frank­reich noch durch weisere Köpfe, als durch Poin- cftie, gereitet, oder daß Deutschland durch küh­lere Köpfe, als durch Herrn Hergt, geleitet wird.

Fmngois Marsal ist im Jab re 1874 in Paris geboren. Er war ftüher Offizier und wurde dann Bankbeamter. Seit 1921 ist er Senator. 1920 wurde er von dem damaligen Ministerprä- identen Millerand zum Finanzminister be­stimmt und ist dann auch in bim Kabinett Vo- incarö Finanzminister gewesen. Er hat die von der Linken vielfach als verfehlt angegriffene Stützung des französischen Franken durchgeführt und ist deshalb gerade in den letzten Tagen des Kabinetts Poincarö viel genannt worden.

Bi? ersten Eitzaiipen.

Paris, 10. Juni. (Telegraphische Meldung.) Ministerpräsident Marsal hatte gestern vormit- tag eine kurze Unterredung mit Poincars. Hier­aus begab er sich zum Präsidenten der Republik, um mit diesem in Angelegenheit des Abg. Rei­be! zu verhandeln. Diese Konferenz dauerte eine halbe Stunde. Beim Verlassen des Elysees erklärte der Ministerpräsident den Berichterstat­tern: Alles wird sehr ruhig verlaufen. Wir sind die Hüter der Verfassung und wir werden mcht gestatten ,daß sie verletzt wird. Um 4.30 Uhr nachmittags hielten die ncucrnannten Minister einen Kabinettsrat ab. Um 5 Uhr stellte Ministerpräsident Marsal dem Präsidenten der Republik das von ihm gebildete Kabinett vor. Heute wird unter dem Vorsitz Millerands im Elysee ein Ministerrat stattfinden, in dessen Verlauf der Präsident der Republik Kenntnis von seiner Botschaft ans Parlament geben wird

Paris, 10. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Noch am Sam-Stag abend berief Präsident Millerand den vormaligen Finanzminister Fran­cois Marsal, um diesem die Bildung des Kabinetts anzuvertrauen. Marsal hat an­genommen. Er erklärte den Journalisten, er würde sofort die orforoderlichen Schritte be­ginnen. Er hoffe, am Dienstag nachmittag um 3 Uhr sein neues Kabinett der Kammer vorstellen zu können. Auf die Frage, die Demission Millerands bekanntgegebe« würde, sagte er:Keineswegs." Die Botschaft, die er am Dienstag im Auftrage deS Präsidenten vor den Häusern des französischen Parlanients ver- escn werde, werde keine einfache Demissiousbot- chast sein, sondern eine Stellungnahme der Kammer erfordern. Im Anschluß hieran werde er eine kurze Regierungs­erklärung zur Verlesung bringen.

Äufani-neitetzang des Kaftineii*.

Paris. 10. Juni. (Telegraphische Meldung.) Die endgültige Zusammensetzung des Kabinetts Francois Marsal ist folgende: Ministerpräsident und Finanzen: Franeois Marsal, Justiz: Senator Ratter, Aeusscres: Abg L e f e v r e du Prey, Inneres: Senator de Selves,

Krieg: Magi not, Marine: Desire Ferry, Kolonien: Fabry, Oeffentliche Arbeiten: Le Trosguer, Arbeit: Jourdain, Minister für die befreiten Gebiete: Abg. Louis Marin, Wirtschaft: Abg. Capus, Öffentlicher Unter- richt: Abg. Landry, Handel: P. E. Flan- d i n. Bon den dreizehn Mitgliedern des neuen Kabinetts gehötten acht dem bisherigen Kabinett Poincarö an. Die neue Regierung wird heute abend 6 Uhr vor die Kammer treten.

ein kolossales Propagaudamittel

Sie konzentriert das Interesse der Welt auf ei­nen Punkt, auf das Herz des Imperiums, zu dem die Zufahrtsiraßcn aus aller Herren Lander strömen. Sie zeigt der Welt, wie unerschöpflich die taufend Hilfsquellen in den Ecken und Win­keln des Weltreiches sind. Sie zeigt dem bri­tischen Untertan, wie sich sein Reich aus Millio­nen Sichstanzen zu einer Einheit aufbaut, zu dessen Ruhme er mit seiner Arbeit beitragt. Ideell ist diese Weltausstellung die personifi­zierte Idee des Weltreiches. Einmal zeigt sie dem britischen Staatsangehörigen, daß er ein aufbauender Bestandteil in dem Chaos von Rassen und Sprachen ist, die alle zusammen die Einheit des Imperiums bilden. Und die Größe, die sich der englische Genius so konstru­iert hat, At seine Wechselwirkung auf den Fremden. Der Amerikaner, der aus seiner Hei­mat der unbegrenzten Möglichkeiten kommt, muß heute in Wembley doch die realen Werte er­kennen, die hinter der Einheit des Pfundes Sterling als Weltwährung stehen, so sehr sich der finanzielle Schwerpunkt auch von Lon­don nach Newyork verschoben haben mag. In England selbst bat der Fremde die Auswirkung des britischen Weltreichs nie spüren können. London selbst war für ihn eher ein Knoten­punkt »Europas, als daß ec den Pulsschlag eines Weltreichzentrums hier zu fühlen glaubte. Praktisch ergossen sich von den Dominions die Ströme weniger in das Mutterland, als daß sie von dem Mutterland ausgehend, in die Kolo­nien flössen. Das hängt zusammen mit dem ko­lonisatorischen Prinzip, das nur auf Sachlichkeit eingestellt ist. Dieser seltsame Gegensatz zu der Größe des Imperiums, die aus dem Begriff Wembley" spricht, muß den Fremden wieder zum Bewußtsein kommen, wenn er diese Aus­stellung sieht.

Mit Sachlichkeit und Nüchternheit sind hier Gebäudekomplexe aufgefiihrt worden, deren jeder einzelne ein Begriff ist. Hier auf diesem gewaltigen Ausstellungsgelände, zu dessen Erforschung man sechs Tage gebraucht und einen Ausstellungsführer, der wie ein- deker auch tatsächlich aus sechs Tage eingestellt ist, sieht man. daß Australien, mit seinen fast drei Millionen Quadratmeilen Zentraleuropa bequem in die Tasche steckt. Daß Kanada mit einer Bevölkerung von neun Millionen Seelen diese Aera noch um ein Drittel übertrifft. Der kanadische und australische Pavillon vermitteln diese Größe. Man sieht den monumentalen indischen Palast, der mit Höfen, Minaretts. Kuppeln und Zierbogen die ganze Zauberkraft des Wunderlandes in seiner schneeweißen Pracht vermittelt. Es ist die Personifizierung eines Landes von 294 Millionen Menschen, die briti- scke Untertanen sind. Hinzu kommen die unge­zählten britischen D o m i ni o n s, bei denen man weil man es in der Schule längst verges­sen hatte sich immer wieder klar macht, daß auch sie englischer Besitz in aller Welt sind. Das fängt bei Neuseeland und Afrika an. Geht über vie Malayen^

Frankreichs neues Kabinett

Franxors Marsal als Ministerpräsident.

tim Präsident Millerond.

Die neue Regierung mtterfiützt ihn.

Paris, 10. Juni.

(Eigener Drahtbericht.)

In der Kammer wird Marsal und im Senat Ratter die Boffchast Milleraads verlesen. Die Boffchaft wird erklären, dass der Präsident für sieben Jahre gewählt sei, daß aber die neue Mehrheit durch ihren Minisierstreik dem Präsi­denten die Ausübung seines Amtes unmög- lich gemacht habe. Das Bestrebe« der neuen Mehrheit, Millerand zum Rücktritt z« veranlas. feit, sei ein Eingriff in die BerfaffungSrechte, da das PräsidentenschastSmandat auf 7 Jahre festgelegt fei. Dem Präsidenten selbst könne man feine Berfassungsverletzung vorwerfe«, da er in Uebereinstimmung mit dem Ergebnis der letzten Kammerwahlen seine Aufgfche zu erfüllen versucht habe, Persönlichkeiten der neuen Mehr- hett mit der Regierungsbildung zu betrauen. Die Reden, die Millerand gehalten habe, seien im­mer in Uebereinstimmung «U der Politik der Regierung gewesen, und niemand habe seinerzeit die Regierung interpelliert, um gegen diese Re­den Einwendungen oder Proteste zu erheben. Aus diesem Grunde handle es sich gegenwärtig um einen wahren Gewaltstreich der Linkspar­teien. Die Boffchaft dürste daraus die Abg. und

Was wird weiter?

Die Beueteiiung de- Regierung.

Der Reichstag hat sich bis zum 24. Juni vettagt Das Kabinett Marr-Strescrnann erhielt mit 64 Stimmen Mehrheit die Billigung , seiner Außenpolitik und die Möglichleit, damit . fortzufahren. War das viel oder wenig?Wie ; ich es auffasse" Der Tag setzt die große Ueber- , schrift; Schwache Mehrheit für die Regierung - ' das Berliner Tageblatt dagegen ebenso- fett: Starke Regierungsmehrheit. Der Widerspruch löst sich wohl so. daß die Zustimmung der Baye- ; rischen Volkspartei und der Wirtschaftlichen Per- : einigung zu dem BtlligungSanttag de" Mittel- , Parteien dem Kabinett eine größere Mehrheit , verschafft hat, als die meisten erwartet hechten, daß dagegen auch diese Mehrheit immer noch zu schwach und vor allem z u u n s i ch e r ist, um auf ihr eine dauernde und zielsichere , Regierungspolftik aufzubauen. Abgesehen da- , von, ob man eine Zweidrittelmajorität für die­ses oder jenes der jetzt in Ausarbeitung befind­lichen Durchführungsgesetze zum Gutachten brau­chen wird oder nicht darüber soll, wie es heißt, demnächst der Hauptausschuß entscheiden , unter allen Umständen werden sehr bald die . wirtschaftlichen und innerpolitischen Fragen in den Vordergrund treten.

Die Sozialdemokraten haben sehr deutlich ihren Anspruch daraus angemeldet, daß nun, wenn sie die Außenpolitik der Regierung unterstützen, sie auch bei der LastenverteUung das entscheidende Wort mitsprechen wollen. Wie denkt man sich da eine Einigung zwischen der Sozialdemokratie und den bürgerlichen Mtttel- barteien? Die Deutschnationalen haben sicher nicht unrecht, wenn sie darauf rechnen, daß man sich bald wieder an sie wenden wird. Graz Westarp droht zwar in derKreiszeitung" mit einer Recktsregierung, die durch Einigung der Deuffchnationalen mit den Nattonaffozialitten und durch Hinzuziehung der Deutschen Volks­bartei und des Zentrums zustande kommen solle, aber ernsthaft dürfte er wobl selbst nicht an die Möglichkeit glauben, diese Parteien unter einen Hut zu bringen. Er will damit Wohl nur einen Druck auf die Wiederaufnahme der Verhand- liwgen ausüben, die zu Beginn der vorigen Woche gescheitert sind.

Verschiedene gewichtige Stimmen aus dem Auslände beweisen, daß die schwane Stellung des deutschen Reickskabinetts, dem die gesamte Rechte als Opposition gegenübeffteht. den frem­den Geldgebern keine genügende Bürg­schaft ftir die Stabilität der Verhältnisse im Reich bietet. Aber sie zeigen cmdcrerseftS in überraschender Weile mich, wieviel Kritik noch an dem Dawes-Gutachten in der Welt geübt wird und wie außerordentlich ernst die Lage Deutschlands angesehen wird, falls es uns bei den bevofftebenden Verhandlungen nicht g-- lingt, weitere Klarheit zu schaffen und wese-ir- licke Erleichterungen für uns durchtzuletzen. Eine vrominente Persönlichkeit aus amerikanischen Bankkreisen" hat einem Mitarbeiter der D. A. Z. gegenüber u a. folgendes geäußert:Man ist sieb auch in Amerika darüber flar, daß manche Einzelheiten des Berichtes noch einer sehr auf« merksamen Durcharbeit bedürfen, bevor sie in die Praxis umsetzbar sind. So wird Deutschland in seiner Forderung, entweder die Zahlungen zeitlich zu begrenzen, oder eine Höckstsumme festzusetzen, sicherlich Verständnis finden. Und auch über andere Einzelheiten wird man diskutieren können." Ferner ist jetzt in der englischen MonatszeitschriftForeign Affarre" der Wortlaut der Entschließung des Exekuttv-Eo- mites der Vereinigung für demokratische Kon­trolle erschienen, der bekanntlich eine große An­zahl rührender Parlamentarier und auch ine Mitglieder des fetzigen englischen Kabinetts an- gehören. In dieser Enffchließung wird zwar die Annahme des Dawesberichtes gebilligt, an» deverleits jedoch mit äußerster Schärfe betont: daß die Polittk und dir Grundsätze, wie sie auch nock in diesem Gutachten zum Ausdruck kommen, so ,. B. die Tatsache, daß weitere ungeheure Summen auf dem Wege einer Tributlei- stun g tüt eine ungenannte Zahl von Jahren von dem deutschen Volke an die siegreichen Staaten weiterhin bezahlt werden müssen, ein moralisches Unrecht, eine politische Un­klugheit und ein wirtschaftliches Verhängnis be- deiften." Das Comite fordett ferner einen Ver­zicht Großbritanniens ans weitere Anteile an den Reparationsleistungen und eine foromelle Vereinbarung darüber, daßkeine getrennte Ak­tion seitens einer der Signatarregierungen für den Fall einer erneuten deutschen Verfehlung oder einer Kahlungsunmöglichkeit unternommen werden darf".

Man wird dieser Erklärung keine erhebliche vrattische Bedeutung zusvrecken dürfen, aber als Stimmnngsmomeni ist sie dock bemerkenswert. Dasselbe gilt von dem neuesten Artikel Lloyd Georges, der ja als internationaler Journalist eine ganz andere Polittk treibt, wie als engli­scher Premierminister. Trotzdem wird kein

Die Allöftrhten bei der Abstimmung.

Paris, 10. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Für die heutige Kammerfitzung rechnet man mit einer kleinen Mehrheit von 25 bis 30 Stimmen für das neue Kabinett. Das Umfallen der ge­mäßigten Sozialisten bat die Aussichten der Re­gierungspartei merflich gebessert.

Senatoren auffordern zu erklären, ob sie diesen Gewaltstreich genehmigen wollen oder nicht.

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Stellungnahme der Opposition.

Paris, 10. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Die Stellungnahme der verschiedenen Patteien im Verlaufe der historischen Sitzung von morgen abend ist noch nicht genau festgesetzt. Die S o - z ialdemokraten haben vorgeschlagen, so­fort nach Anhörung der Botschaft einen Antrag einzubringen, worin die Kammer sich weigern s o l l t e, die Botschaft überhaupt zu diskuttereu, indem sie Millerand vorwirft, die Regierung außerhalb der Mehrheit gebildet und somit die Verfassung verletzt zu haben. Die Radikalen wol­len die DiSknssion nicht ablehnen. Der end- qültige Enffcheü, der Linksparteien wird heute in einer Plenarsitzung der Mehrheitsfraktionen gefaßt werden. Die Radikalen befürworten ins- besoichere die Einreichung einer Interpellation, die sofort besprochen werden soll und die in einer der Präsidentenbotschaft entgegengesetzten Er­klärung gipfeln würde.

Man erwartet Milleranvs Rücktritt.

Paris, 10. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Die beiden Abstimmungen in Kammer und Senat über die Boffchaft deS Präsidenten heute abend werden die enffckeideude Machtprobe über daS Schicksal des Präsidenten darstcllen. In politischen Kreisen erwartet man, daß unm.ttel- bar auf die Abstimmung, das heißt noch heute abend, Millerand seine Rücktrittserklä­rung abgeben wird. Ein anderer Ausweg scheint für Mllerand nicht mehr offen zu fein. Es ist charakteristisch, daß in der gestrigen Aus­gabe, d. -- am Tage vor der Abstimmung, der .Matin", den man als das Sprachrohr des Prä- denten Millerand anzusehen gewöhnt ist, em Wochenprogramm veröffentlicht. Der Anhalt des Programms läßt erkennen, daß der Mattn Millerand aufgegeben hat.

Milderung der gemüßigten Sozialisten.

Paris, 10. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Die gemäßigten Sozialisten haben be Massen ihre' bisherige Kampfstellung in der Präsidentenfrage aufzugeben. Sie werden entweder sich der Stimmen enthalten, oder für Millerand eintreten nnd zwar aus verfaffungs- rechffichen Gründen.

Roch Hoffnung.

Genf, 10. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Nachdem sich alle Fraktionen im Senat in Be­sprechungen sowohl für als auch gegen das Ver­bleiben Millerands im Elysee ausgesprochen ha­ben, hofft dasJournal", daß im Senat eine einfache Mehrheit für die Präsidentschaft Miüe- raitbS vorhanden sei und eine weitere Mehrheit für das Kabinett Marsal.

Britische Ausstellung.

Wembley, er« Symbol britischer Größe.

Bei London ist vor lnrz-r Zeit die «rotze An«, stell«»« eröffnet worden, die die Erzeugntffe ans allen L.«der« »es britischen Weltreiches znsammenfatzt. De- nachstehende Bericht NN- sereS Mitarbeiters gibt ein ungefähres von der Grötze des Unternehmens:

Die Weltausstellung daff, was ihre Au^ maße betrifft, den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, die größte zu sein, die jemals veranstÄ- tet wurde. Eine vollständige Ausstellungsstadt ist weit draußen, vor den Toren Londons, neu erstanden Niemand anders als die britischen Behörden werden beutteilen können, ob die Gesamtkosten dieses Riesenkomplexes mit zehn Millionen Pfund Sterling richtig emge- schotzt sind oder nicht. Diese Summe sei hrer- lier gesetzt, weil es für den Leser immer ein an­genehmes Gefühl ist, zu sehen, wie hier mit vie­len Nullen um sich geworfen wird. Vielleicht aber vermittelt diese Zahl dem Fernstehende« das Gefühl für die Größe des Werkes. Uns neben diese Zahl eine zweite gesetzt: die Be­sucherz ah l von 25 Millionen, mit der man mindestens während der Monate April bis Ok­tober rechnet. Was diese Zahl betrifft, so hat der Laie schon eher ein Mittel in der Hand, ihre Richtigkeit zu überprüfen, resp. sie zu kor­rigieren. Und Henle, da die Ausstellun erst tot ersten Monat geöffnet ist, steht es fest, daß diese Millionenzahl Besucher wahrscheinlich unter- schätzt worden ist. Denn einzelne Lage weisen schon jetzt die Rekordzahl von 150000 Besuchern auf. Die Sonntage, an denen die Auss-ellung geschloffen ist, werden durch die Veranstaltungen im Stadion wettgemacht, das allein 125000 Menschen saßt. Und noch hat der Besuchsstrom des Auslandes, den man für die näckfften Mona- ie erwartet, nicht voll eingesetzt. Praktisch be deutet die Ausstellung für Großbritannien atfo