Kasseler Abendzeitung
Dienstag, 1. In« 1924.
Kummer 152. Einzelnummer 10 $t» Sonntags 15 Pf.
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11 * Hessische Abendzeitung
Die Kasseler Neuesten Nachrichten erscheine» «SLentltch sechsmal^ "«chmittags Der AbonnementSpreiS betragt für se» Monat Juni 2M Mk-bei freier O uneuuna ins Haus, in der Geschäftsstelle abgehalt 1.80 Mk Durch bi« »oRwwaUt4 SLOOSHf. einschliehlich Zustcllungsgebühr. Verlag und Rebaktwn: SchlachthofUrall« asm. Fernsprecher 951 und 952. Für unverlangt eüigesandte Beitrage kann die Ne daktion eine Verantwortung oder Gewähr >» keinem Falle übernehmen. Ruck Zahlung des Bezugsgeldes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht °rdnungsmäßiger Lieferung ist ausgeschlossen. Postscheckkouto Frankfurt a. Main Nummer 8880.
Einzelnummtr 10 Pf . Sonntags 15 Pf. 14.
Vorbereitung der Londoner Konferenz.
Weiter unter stnnMchem zwang. Deutsche Verbindung mit dem Aus!
Ausland.
Dauernde Ruhrausbeutung. — Die Sozialisten gegen Herriot.
Rur schöne Worte.
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«Een ent- _ ------
Paris 30. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Ein Schweizer Pressevertreter gibt ein Gespräch Herriots mit dem Vertreter einer sozialistische« Zeitung wieder. Danach hatte Herrivt gesagt, dir moralische Zusammenarbeit, die er mit Deutsch' land -nstrcbe, sei keine bloße diplomatische Höf- lichkeit gewesen. Er sei bereit, den alten Haß zu vergessen. Seine erste Tat «ach der Uevernah» me der Regierung habe deshalb darin bestanden, die Ruhrgefangenen zu befreien und die «nsgc-- wiesenen zurüükehren zu lassen. Er habe sich gewundert, daß die deutsche Presse die beiden Ta- ten garnicht gewürdigt oder falsch gedeutet habe. Er werde daran festhalten, dass Deutschland sich der, Garantieserträgen anschließen und rüden
g e n für eine Unterstützung in der Kammer be- kanntzugeben. Diese Mindestbedingungen sollen darin gipfeln, daß der Abbau der ZwangSmaß- men gegen Deutschland unbedingt von der SkcherungSfrage für Frankreich abhängig gemacht werden muffe. Herriot hat skh bereit er- klört, die Vertreter der Parteien der Rechten am Mittwoch zu empfangen.
weiden wir wohl über kurz oder lang in diesen Apfel beißen müssen, von dem man nicht weih, ob er uns nur sauer oder auch faul schmecken wird. Aber in Ruhe ihn uns darauf ansehen — das werden wir doch Wohl dürfen.
Paris, 30. K-m. (Telegraphische Meldung.) In der Kammerfitzung am Sonnabend Ijat 6te Regierung Herriot zum ersten Male die Vertrauensfrage gestellt und mit 456 gegen 26 Stimmen ein Vertrauensvotum erhalten, aber nur mit Unterstützung des nationalen Blocks. Es handelte sich um die Gewährung der R u h r- kredite vom L Juli bis 1. November im Betrage von 203 Millionen Franken. Namens der Sozialisten hatte der «bg. Blum erklärt, daß die Sozialisten trotz ihrer Freundschaft für die Regierung diese Kredite nicht genehmigen würden, weil sie die Folge einer Politik seien, die von den Sozialisten immer bekämpft wurde. Herrioterklärte darauf, daß diese Kredite unbedingt gewährt werden müßten. Gute sozialistische Regierung könnte dem Zwang der Verhältnisse auch nicht entgehen. Am Vorabend der Reparationsunterhandlungen sei es nicht möglich, die gegenwärtige Position Frankreichs zu ändern (!), denn sonst würde das linke Rheinufer entblößt und eine schwere Drohung auf dem französischen Steuerzahler lasten. Die Regierung war in großer Verlegenheit. Die Rechte triumphierte und der Abg. Bvkanvwsk, rief ironisch: „Beruhigen Sie sich, Herr Mimster- präsident, wir werden Ihnen die a u s w e ch s e l- bare Mehrheit stellen ,von der Sie nicht-? missen wollten.« Herrivt stellte darauf ziemlich wütend d,e Vertrauensfrage, und die Ruhrkredite wurden hierauf angenommen.
Radikalund £er 71 aas» - r ” .l.m “it da, i» r, die Sozialisten enthielten M der Stimmabgabe.
Herriots Abhängigkeit.
Die franz. Nationalisten stellen Bedingungen. (Privat-Telegramm.1
Paris, 30. Juni.
Nachdem die Sonnabend-Sitzung der Kammer ergeben hat, daß Herriot angesichts der unsicheren Haltung der Sozialisten bei seinen Regierungshandlnngen immer mehr auf den nationalen Block angewiesen ist, hat am Sonntag früh eine Sitzunn der im nationalen Block vereinigten Parteien der Rechten stattgefunden. Man hat beschlossen, eine Abordnung zu Herriot zu senden, um ibm die Mindestbedingun-
Auch Herriot unterfrddR die Wahrheit.
Paris, 30. Juni. (PrivattÄegratmn.) Die Humanit^ meldet: Herriot hat auf die Eingabe der kommunistischen Deputierten, zur Aufklärung der Kriegsschuld frage die französischen Borkriegsakten zu veröffentliche«,
Von den 43 300 Kilometer überseeischer Kabel, die Deutschland vor dem Kriege besaß, sind rund 37 000 Kilometer dem Vertrag von Versailles zum Opfer gefallen. Aber von allen Bestimmungen dieses Vertrages traf uns praktisch keine we-
Die Londoner Konferenz.
Ergangene Einladungen zum 16. Juli. (Telegraphische Meldung.)
London, 30. Juni.
Die Londoner Konferenz findet endgültig am 16. Juli statt. Die Kabinette von Brüs. fei und Rom haben die Einladung, die von Macdonald und Hetriot ausgehi, bereits ange- pommen. Der „Newqork Herold" meldet, daß der amerikanische Gesandte Keloog an der Londoner Konferenz teilnehmen wird, um die amerikanischen Ansprüche gegen Deutschland, insbesondere die Forderung von 1250 Millionen Dollars für die Besatzungskosten, geltend zu machen. Der Botschafter besitze indes keinerlei Vollmachten, um endgültig bindende Vereinbarungen zu treffen. Deutschland ist aber nicht eingeladen worden. „Echo de Paris" meldet, die belgische Regierung besteht auf Erledigung der Frage der Kriegsschulden im unmittelbaren Anschluß an die Londoner Konferenz:
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Die „„einen* Jnterksssntnsi.
Paris, 30. Juni. (Telegraphische Meldung.) Wie dem „Petit Parisien" aus Londorf nntgeteilt wird, finden zwischen Paris und Lnstdou, Brü- sel und Rom Verhandlungen statt, um zu bestimmen, in welcher Form und in welüsem Matze die kleinen Mächte, die ein direktes Jnter- effe an der Reparationsfrage haben, an der Kon- ftrenz teilnehmen könnten. Es gebe zwei Gruppen von Staaten. Die erste Gruppe der Süd- slavien, Rumänien und Portugal angehören, habe ein Anrecht auf Reparationszahlungen, die zweite, der die Tschechoslowakei und Polen angehören, habe kein Recht auf Reparationszahlungen. Diese beiden Mächte müßten aber als Nachfolgestaaten der Mittelmächte an dem System der Befreiungsbons teilnehmen. Sie seien also an den Verhandlungen interessiert. Es sei wahrscheinlich, daß gemäß dem Vorschlag der britischen Regierung diese fünf Staaten aufize forbert Werben würben, an bet Konferenz durch ihre in London beglaubigten Gesandten teilzu nehmcn.
Weitere Verhaftung von Deutsthen.
M a i n z, 30 Juni. (Privattelcgramm.) Am Sonntag früh wurden die Verhaftungen im besetzten Gebiet fortgesetzt. Die Zeitungen dürfen nitr Berichte bringen, die die Zensur durchlaufen haben. In Mainz sind gestern früh neu» Bürger und i« Bingen drei Bürger in alliierte Haft genommen worden.
Verlängerung der Micumiasten.
Düsseldorf, 30. Juni. (Privattelegramm) Die Vertreter des Ruhrbergbaues find gestern abend aus Berlin zurückgekehrt, um heute früh 11 Ubr die Verhandlungen mit der -..cum wieder aufzunehmen. Soweit Informationen von Teilnehmern der Sechserkvmmission vorliegen, hat sich die Reichsregierunq auch dieses Mal mit einer nochmaligen, angeblich letzten Verlängerung der Lieferungen an die Mirum einverstanden erklärt. Tie Verlängerung wird fyente von den Ruhrvertretern in Düsseldorf ausgesprochen werden.
Obwohl Deutsch'.-«» voa feinen Gegnern mit Schranken umgeben Ist, hat es stch eine Dee. kehrSm»glichkeit mit »er «uhenweit geschaffen »te durch Sie drahtlose Telegraphie erreicht wird. Darüder schreivt ein Fachmann sorgendes
Was soN werden?
Wen« Staatsmänner reden.
Bei einem Staatsmann, der schon so viel Roden und Interviews von sich gegeben Hot, wie Herriot, sollte man glauben, daß es le.cht sei, in den Hauptsachen feftzustellen, was er will. Aber gerade bei ihm ist bas krineswegs der Fall Das liegt schwerlich daran, daß der sranzöstsche Ministerpväsident sich -ms Neigung .diplomatisch- ausdrückt, sondern vielmehr einerseits an der Rücksicht, die er aus seine mächtigen Gegner in Frankreich, sowie aus seine SOIV.erttn zu nehmen hat, andererseits aber auch wohl an seiner Unerfahrenheit in der Behandlung der öffentlichen Meinung. Ein im Grunde offenherziger und dabei temeramentvover Mann vergißt leicht die Folgen einer kleinen Inkorrektheit, eines geringfügig erscheinenden Mrstver- flündnisses. Erst nachher sieht er, wie es aufgebauscht wird. Besonders peinlich mutz für Herriot die offene Differenz mit Macdonald überden verschiedenen Wortlaut der Che- quers-Kommuniauös wie über die englische Zusage einer Unterstützung gegen einen etwaigen deutschen Angriff sein. Der Franzose mochte natürlich möglichst viel Beruhigendes von der Reise mrtgrÄracht haben: aber der Engländer «der gewiß nur in sehr allgemeinen Wendungen ine Gventualhilfe versprochen hat), wird sofort von dem ganzen Parlament verdächtigt, ohne dieses die Politik des Landes gebunden zü
graphischen Einrichtungen in einer Wc:,e entwickelt, daß diese rasch imstande waren, das Erbe der verlorenen Kabel anzutreten. Außer der von der Rcichspost betriebenen Hauptsunkstelle Koni g s w u st e r h a u s e n bei Berlin, der neben btr Versorgung des innerdeutschen Radionetzes her Verkehr mit London, den nordischen Staaten, Haspal (Esthland). Danzig, Wien, Budapest und Sofia obliegt, stehen Deutschland für den Wclt- funkverkehr'die beiden Großstationen Na «en bei Berlin und Eilvese in Hannover zur Verfügung Beide Stationen sind reine Ienvest ttto- neu. während sich der Empfang in dem dreißig Kilometer südlich von Rauen gelegenen Getto w bei Potsdam abspielt. Da bei Verwendung moderner Röhrcnverstärker selbst für den Emp- ?ang aus sehr großer Entfernung nur kleine Antennengebilde nötig sind, ist Geltow nur mit enter Anzahl von Rahmenantennen ausgerüstet, deren größte, sür den Amerika-Verkehr bestimmt, nicht mehr als vier. Meter Seitenlange hat, während d-e Anken' x;e ’h»r -^»ndesti-sion Rane«..«?» zu 2i"0 Meter Höhe emporsteigen. Die -ft
Die deutsche Antwort an die Botschafterkonferenz über die alliierte Militärkonttoüe wird heute in Paris überreicht. Die alliierten Bedingungen werden angenommen. Die Roke weist aber nachdrücklich darauf hin, daß Schädigungen bet Industrie unterbleiben» unb daß bie Mitglieder der Kontrollkommission sich eng an die Grenzen ihrer Vollmachten halten müssen. Es wird weiter die innenpolitische Belastung in der Rote erwähnt und dann vor allem darauf hingewiesen, daß die Behauptung des Generals Rollet in seinem kürzlich erschienenen Interview über große Waffenvorräte in Deutschland falsch seien.
Kriegsende eingetretene ungeheure Entwkcklurg des internationalen Funkverkehrs — Rauen mb Eilvese haben nicht selten sechzig- bis siebzsi» tansend Wörter am Tage zu bewältigen — Hit es nötig Macht, den eigentlichen Nachrichtendientz
der Sende- wie der Empfangsanlage
in einer Betriebszentrale zu bereinigen. Diese Transradio-Betriebszentrale befindet sich in- Berlin mit der Funkabteilung der Reichspost zusammen in der Oranienburger Straße, gegenüber dem Haupitelegraphcnrmt. Hier, nicht mehr wie früher in Rauen, sitzen die Beamten die über eine Telegraphenleitung dfa Rauen er Antenne im Takte der Morsezeiche» ihre gewaltigen Wellen ausstrahlen lassen, hier, nicht mehr in Geltow, werden die dort ankommenden Zeichen ausgenommen, nachdem sie durch Elektronenröhren verstärkt worden sind. Die in der Betriebszentrale durch Rohrpost von der Funk- abteilung öder vom Haupttelegraphenamt, durch Boten oder unmittelbar durch den Fernsprecher einlcufenden Telegramme werden sämtlich zunächst in einen Siemens- Stanzäpparat gegeben, der sie für den Maschinensender locht. Der Telegraphenbeamte hat dann nichts weiter zu tun, als den schmalen Papierstreisen, in den die Morsezeichen in Gestaft von Lochgruppen etnge- zeichnet sind, in die Sendemaschine einzulrgen, die nun ihrerseits mit Hilse eines Relais *n der Großstation Rauen die eigentlichen Sendeeiiirich- tungen betätigt und die Antenne zur Ausst-a hing der elektrischen Wellen erregt. Ein klein, Empfangsapparat mit Rahmenantenne gibt bei Sendebeamten die Möglichkeit, dauernd Vie Rich ttgkeit des von Nauen abgehenden Telegramm- zu prüfen. Außerdem sorgen sinnreiche Um. schalteeinrichtungen dafür, daß
eine Verständigung
zwischen Empfangs- und Sendestelle möglich ist. Hat zum Beispiel der Empfangsbeamte in einem ihm zugehenden Telegramm etwas nicht verstanden, so vermag er nach Umlegen eines kleinen Hebels drahtlos die Gegenstation zu bitten den betreffenden Teil des Telegramms zu wiederholen. Die Sendegeschwindigkeit hat sich mit Hilfe der Maschinensender im Funkverkehr auf 75 bis 100 Worte in der Minute sieigern lassen, während auf dem Kabelwege nur dreißig Worte in gleicher Zeit bewältigt werden können. Die drahtlos, »via Transradio", einlaufenden Telegramme werden in Geltow durch bie auf die betretende Sendestation eingestellte Rahmenantenne ausgenommen, durch die Elektronröhren des zugehörigen Empfangsapparates verstärkt, automatisch über eine Telegraphenleitung zur Berliner Betri-bszentrale weitergegeben und
mit Fernhörer oder durch Morseschreiber dort ausgenommen. Von der Betriebszentrale gelangen die Telegramme auf mechanischem Wege in die Funkabteilung des Haupttrlegcaphen- amtes, das sie dem Empfänger entweder durch den Fernsprecher zuspricht fattf einmaligen ent- sprechenden Antrag geschieht das regelmäßig) oder über das innerdeutsche Funknetz »er Tele- paphenne- dem Bestimmungsort zuleitet. Durch nefe Einrichtungen ist es möglich geworden- die Laufzeit eines dringenden Telegramms „via Transradio" auf wenige Minuten herabzudrük- ■leti. Da sich herausgestellt hat, daß die Hälfte des gefantten überseeischen Funkverkehrs auf
durch den Justizminister erwidern lassen, daß ein Beschluß des Kabinetts hierüber nicht l«rbei- «fiiftrt werden könne, weil bie Mehrheit bet Kammer nicht bie Veröffentlichung billige. Er halte die Aufrollung bet Kriegs- fchuldftage, bie burch bie Friedensvertrage bereits gcklärj fei, für unerheblich (?), weil roener o%„ ----------- —, ■ ■ •
dem franzSsifcken Volke noch dem Wiederaufbau niger schwer Äs diese. Denn Deuftchland hatte, Europas damit gedient würde. (I) — Aber dem durch seine Absperrung vom Weltkabelnetz ge- beutfd'cn Volke würde damit gedient, weil bann Mutigen, während des Krieges Ktne sunkente.c- das alliierte Verbrechen von Versailles enthüllt °'"CT *,ntl
würde. Das will auch der sozialistische (!) Ministerpräsident Herriot verhindern.
n 9«>rb kv.e». .Herr'-d^Snei'Mrt^s'-„sitz de.fa^N"ivviews, die er gegeben hat, nchtig zu stellen. Das interessantste unter diesen ist zweifellos das mit Norman Angell, dem bekannten englischen Pazifisten. Wenn es, was noch nicht seststecht, als zutreffend anerkannt wird, dann enthält es den Plan Herriots, einen g eg inseitigen Sicherungsvertrag der Alliierten auch für Deutfchland auszudehnen, womit auch diesem »automatisch alle seine Vor. teile und seine Verpflichtungen zufallen würden." Rorman Angell, ist darob se^r erstaunt gewesen, und noch mehr, als et hörte, daß General Rollet mit dem Plan einverstanden set. Wir können beides nicht für fo erstaunlich halten. DaS Projett Herriots scheint doch die Aufforderung an DeutMaüd zu enthalten, die durch das Versailler Dittat herbeigeführte Verstümmelung des Reiches, die Abtrennungen von Millionen Deutscher aus dem Mutterlande noch einmal, und zwar freiwillig anzuerkennen und den ewigen Fortbestand dieses Zustandes zu garantieren. Wir würden darin keine „Vorteil sondern lediglich »Verpflichtungen" sehen. Es wirb sich affo in erster Linie fragen, ob ein Sicherungsvertrag ohne ein solches Zugeständnis denkbar ist. Die Regierung Euuo hatte ja selbst den Franzosen einen Rheinpakt auf unbegrenzte Zeit vorgeschlagen, der von ihnen abgelehnt wurde. Grundsätzlich kann und muß Deutschland — schon um der weltpolitischen Taktik willen — selbstverständlich sich zu Verhandlungen über einen Sicherungsvertrag einverstanden erklären. Der Skczftzismus aber gegenüber »ewigen" Verträgen ist ia nicht nur bei uns zu Hause.
Aber dies ist wahrlich nicht der einzige Punkt, bei dem wir noch nicht genau wissen, was Herriot eigentlich will. Die Räumungsfrage liegt nach tote vor rm Dunklen. In der Rückberufung der Vertriebenen unb in der Befreiung der Gefangenen ist, wenn nun etwa 50 000 Deutsche die Heimat wiÄtersehen werben, immerhin ein Schritt vorwärts getan. Wenn freilich Herriot unseren überströmenden Dänk dafür vermißt, so übersieht er, daß die rechtswidrige Gewaltpolitik, die zu jenen Vertreibungen und Verurteilungen geführt hat, bisher ja von ihm selbst ebenso gemißbilligt worden ist wie von den Engländern und wie sie von uns verabscheut wurde. Wir sollen unseren Leib und unsere Seele verkaufen und dann noch dankbar fein, wenn wir eine Abschlagszahlung, noch nicht r-mnal die volle Zalung erhalten? — Die Av- l.hnung direfter Verhandlungen mit der Reichsregierung über die Micum-Verträge begründet Herriot mit der nahe bevorstehend-en Endlösung; und er sucht den Eindruck zu mildern durch das Versprechen möglichsten Entgegenkommens. In Wirklichkeit will er offenbar die furchtbarste Härte der Micurn - Verträge als Druckmittel zur Beschleunigung der deutschen Turchführungsgesetze zum Dawesbericht ausmitzen. Als besonders freundschaftlich kön- r en wir ein solches Verhalten nicht ansehen. Wenn die Deutschen auch wissen, daß sie de« Krieg verloren haben, so sollte man ihrer Lei- densMiffkeit doch nicht zu viel zumuten! Die uns aufgezwungene neue Militärkon- rrolle, über die jetzt die zustimmende Ant- wortnote fertiggestellt ist, genügt uns für eine anze Weile! Auch das Drängen nach dem t-lkeckdund ift iebr überflüssig. Wahrscheinlich
Annahme der Bedingungen
Die deutsche Antwott zur Mtlitärkontrolle.
(Telegraphische Meldung.)
Berlin, 30. Juni.