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Mckr Mmste Mchnchtm

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Nummer 169. Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf.

Sonntag, 2V. J«u 1924.

Einzelnummer 10 Pf . Sonntags 15 Pf. 14. IahkgaN

Amerika im Vordergrund der Konseren;.

Nebel an der Themse.

©et?atme oder offene Diplomatie?

Zwei Seelen wohnen, ach, in ihrer Brust: eine politische und eine wirtschaftliche Seele und selbst in der politischen Seele tobt der Zwie­spalt, so daß der Körver unter dieser Last zu. sammenzubrechen droht. In Deutschland erkennt man diese Tatsache fast möchte man sagen lei­der erst th diesen Tagen, weil es eben der Deutsche nur selten versteht, den ihm angebore­nen Optimismus mit dem ihm eigenen Krit-zie- mus aus einer Kompromißlinie zu vereinigen Wie lange wird nicht schon der Silberstrr'fen am Horizont gezeigt, der sich gar nicht erheben will, den immer wieder düstere Wolken ub-r- decken? Und als die Wahlschlacht in Frankreich geschlagen war, da glaubte manch deutsche- Mickel, daß es nur noch der einigenden Formel bedürfe, um diesem Kriege endlich, nach zehn Jahren ein Ende tu bereiten, lind so trug man den Optimismus hinaus ins Land, ohne eigent­lich Berechtigungsgründe sür denselben anzu­führen.

Der Herriot küßt den Macdanald dann ist alles wieder gut Zwar küßten sie sich 'N Chegners. begrüßten sich in Paris, um jetzt in London mit nassen Augen, blassen Wangen nut» herzuschleichen Denn es kam alles so ganz an­der? und wenn man heute in Berlin bei den maßgebenden Stellen anfrägt. erhält man eine recht wenig befriedigende Antwort. Man erklärt daS Auswärtige Amt sei augenblicklich nur auf die Pressestimmen angewiesen, die sich doch recht widersprächen. Das ließe den Schluß zu, daß der deutsche Botschafter in London. .<berr Sthamer, dessen Verbleiben im Amte zuletzt noch von maßgebender Stelle geflissentlich be­tont wurde, augenblicklich in Urlaub weilt. Das ist aber kaum anzunobmen, da Botschafter ber solchen Auläffen nickt abzureisen, sondern da- zubleiben Mienen. Wenn aber Hetr Sthamer wirklich nickt berichtet, dann hätten jene Reckt und es aehören reckt einflußreiche Hande's- kreise zu ihnen. welche nickt erst beut? oder gestern den Rücktritt des denticken Botsck.iibrs in London verlanoten, der noch vor wenden Tagen erst eine Art Vertrauensvotum beautraUe akS er großen Wert darauf legte, im Falle der Einladung Deutschland, binzi'oe'.ogeu zu wer­den Außer Herrn Stbamer sind uock aud're Politiker in London haben auck diese ni-*ts erfahren, nickt? berichtet« Oder übt man hier eine Art (Y e h e im di ol om atie . wie sie in London seßt vorherrscht Moodonald bat r't diese den schönen Ausdruck offene Divlom'ti- aber nicht mit Pavaaeiengesckwätzigleit erfunden und damit eine neue Tieraatt"na in der Diw". matie eingeführt, bei der mm bislang nur Füchsen und oewiffen Einbul-rn svrack. Allo- die deutsche Re"ier"ua wird ffcker etwa? wissen und das will die Oefsentlickkrtt ohne oll- Sckminke erfahren maa e? a"ch Enttäuschungen hei den vorschnell MlondonSl-lioen geben.

Klar be-te daß die Lo-dpn-' Konstren'. Wenn sie sihmbauvt *tm stiele nur mit eine*»* Kompromiß zwischen tf>T?r eigenen Zweite'len-Tbeorie enden kann E? ist nt»* öfme Interesse, sick gerade jetzt daran tu erin­nern das- alle Kouserentm nach Pe-ckaill-s ent waren ein Febffcklga fein mußten. Der Grund bierffir ist leickt ersichtlich: olle Kon- serenren hg"ten sich oui genau wie London au' de- Gewaltpolitik de? Verfail- ler DiktatS und aus d-r e^'w-moen-n Sck"ldlüae Meu-glf und Nnwabrbeit a''er können nie eine freM'Mee Gr-mhlaoe abfi'b Man ersetze sie e-st durck Mer-chfigkeit und «»echrbeii dtwu erst kann -ine K-nstrenz Ziele führen. Denn da? Sacke,»en3nbigena"t- achten ist urcke«ch«,dee seiner Bedeutung "nd Iwbcfcknder des tiefen Ernste? und des bellen MnNen? f-iner Ver'affer immer aus der ytrnndwurrel von Ber'ailles b-rw'Soewach'eu' e? ist nut eine f-enndsickere lrnNgr,, ^itte boff- nünasfrettdiger- K»li«e nick» und nt* weniger Eine Arbeit, die d-rw-nen nur voll­endet werden konnte, weil ibre "»er'asser M*t die lehte Konfeo"eni aezo->en basten tmd &aff m<,z5ien wo Nneiniok-it anstno und w" hte Lm- hnn»r Konferenz beginnen mußte. Hätten die Sachcrerstünvi/ren g"ck M» vofftticke ^eite erle­digen müffen ibr Aorsit-ender hätte Me^ ira die erfreuliche Einmütigkeit in seinem Prolog sestst-llm können

R'm wird es sich enfsch-id-r! w-lcke Seele in London sieot und ob hie Konferenz denn ick'r- baw't ejne belebende ^eelx erbäst W-nn N'ckf dann war das Sackverstönhio-n-Gntficktm eine Doktor.ck-ü übst e*ne u.znioßige Dpera- iion. die vielleicht out verlausen wär- und mit dem Tode des Potiente" geendiot frstte. Roch kann man ebenfo sehr hoffen wi> fürchten -h-r einmal muß dieser stustnud vol'ti r*»r Lethargie ein Ende nebmen. bei der der Dinlnmatenar,,^ ^.eusto? ouid de nocte1'' (Wie fvät 'st es nnh was gibt« N-ue« Mnsten?' Mo^e geworden Xu sein scheint Es aibt viel Reue», ober es ist schon reichlich spät. Es wird in Loudon alles

davon abhängen, wer die zähere Geduld, die widerstandsfähigeren Nerven und die größte Ge­schicklichkeit besitzt. Deutschland hat das Seine getan, um mit aller wünschenswerten Demlich- keit sein gutes Recht klarzulegen und muß jetzt abwarten, bis offizielle Ergebnisse Vortiegen. Jede vorellige Stellungnahme oder unvorsichtige Aeußerung unserer führenden Politiker kann, so­lange die Dinge im Fluß sind, angesichts der französischen Verdrehungsmethoden nur schaden.

Amerika in Front.

Es unterstützt Frankreichs Taktik. ((Eigener Drahtbericht)

Rotterdam, 19. Juli.

Der Courant meldet aus London: Kurz nach zwei Uhr erschienen Bonn« und Logan im Hotel der französischen Delegation und legten Hernot einen Entwurf vor, der einen Ausgleich zwi scheu dem französischen und dem engli­schen Text darftellt, über den gestern in der ersten Kommission verbandelt wurde. Der ame­rikanische Vorschlag ist dem französischen Stand- punkt sehr günstig. Danach verlangen die A m e= rikaner, falls Sanktionen eintreten, für die Beträge die während d»r Sanktionszeit timt Deutschland gezahlt werden, oder die sich ans den Sanktionen selbst ergeben, ein Prioritäts. reckt für den Zinsen dien st. Frankreich behält dagegen das Recht, gegebenenfalls Sank­tionen gegen Deutschland auszuüben, nm seine Reckte und seine Sicherheit zu wabren.

« *

Sine Falle svr DTtccöona?.

Rotterdam. 19. Juli (Prlv ettelegramm,

Ein Londoner Blatt verzeichnet Gerüchte über Verhandlungen zur Durchfühning der deutschen Anleihe mit dem Hinzufügen, dass sie den Tat- sacken erheblich vorauseilen. Das Schicksal des Anleihevlanes hänge durchaus von dem Verlaufe der noch ungeklärten politischen Ver­handlungen ab. Erst wenn eine Einigung zu- standekommt. werden die Einzelheiten des An- leibevlaneS zur Entscheidung stehen. Der ame­rikanische Eingriff verfolgt offenbar den Zweck. Macdvnald ein Rackmeben zu erleichtern, da er einem gemeinsamen Vorschlag Ame- rikas und Frankreichs weit schneller zu folgen vermöchte, als wenn er nur einem fran­zösischen Vorschlag gegenüber stände

t?.ine stimme an« st-m 2^xitzen Kau«

Rotterdam, 19. Juli. (Privattelegramm) Aus Newvork wird gemeldet: Senator Johnson er­klärt in der World, die in London ausgesprochene Wtederteilnahme Amerikas an den Sitzungen der Reparationskommiiston rci solange nickt bindend, bevor der amerikanische Senat ckr zugestimmt bat. Daß eine Mehrst ei 1 für die aktive Teilnahme Amerikas an einer Ein­richtung des von Amerika nickt angenommenen Versailler Vertrags im Senat vorhanden sei. bezweifelt Iovnion. erklärt aber daß vieles von der Botschast des Präsidenten abstänoia sein würde. Dis dastin bleibe die Bereitwilligkeits­erklärung in London eine reine platonische Geste.

Ku^Ne« al« steinerner oe-nst.

Genf, 19. Juli. (Eigene Drasttmeldunq) Aus Newvork wird gemeldet: Staatssekretär H u a b e 8 bat sich gestern nack Europa eing:- schisst Er wird am 23. dieses Monats in Lor. den eintreffen. Vor seiner Abreise bat Hugh;' den anwesenden Pressevertretern erne.irt ver­sichert. daß er nicht nach Berlin reist und keinerlei polifische Aufgaben in London habe

IPer v k "enonmie

London. 19. Juli. lEigene Trabtmeldung.s Ans Washington wird gemeldet, daß die repu­blikanische Partei den Gang der Londone- Kon­ferenz mit großem Interesse verfolge, weil durck einen Erfolg der Konferenz da« Vrestiae des Generals Dawes her bekanntlich repu- f-nfnnlfiter Kandidat Mr die Vi»evräsident- ichaft ist, bedeutend gehoben würde

Dke erflen EonfsMe.

Für und wider die Santtionen.

(Eigener Drasttberick' l

Rotterdam, 19. Juli.

Hefter die Londoner Konferenzberatungen lie­gen nur die Stimmungsbilder her großen Lon­doner Zeitungen vor. Auck die KommissionS- beratungen sind für streng vertrau lick er­klärt worden. Der erste Ausschuß, der sick mit der Frage eines deutsckenVerzuas ftefaftt. tagt noch. Der troeite Ausschuß, der die Frage der Wiedersterftessung der wittschaftlicken und fiskalischen Einheit Deutschland» untersucht, Hot -estt seine Vorarbeiten beendet. Der dritte Aus­schuß, der die Methoden für die Nestertragni'a der deuttcken Zahlungen an die «länftiaerländer erärtert, hat gute Fortschritte gemacht. In

dieser Kommission für die Verfehlungen und Sanktionen ist der

englisch-sranzösische Gegensatz ossenzutage getreten. Perroti della Rocres Entwurf wurde von den englischen Delegierten in der Kommission nicht genehmigt. Diese satzten einen Gegenvorschlag ast. In einem Teil des französischen Entwurfs konnte eine Einigung erzielt werden und es wurde fteMosien, daß der amerikanische Delegierte, der im Falle einer Verfehlung ernannt werden soll, von der RcparationSkommission gewählt wer­den wird. Wenn aber die Revarationskommisston sich üster die Persönlichkeit des Amerikaners nicht einigen könnte so würde der

Präsident des Haager Schiedz. gerichts als Schiedsrichter angerufen. Im einen wie im anderen Falle würde die Ernennung für zwanzig Fahre gelten und könnte erneuert werden. Der zweite Teil des französischen Vorschlages dagegen gab Anlaß zu einer langen Debatte. Schatzkanzler Snow­den erklärte, daß die enalische Delegation den ftauzLfischen Text nickt annestmen könne, da die Verfehlungen gegen den Versailler Dettrag und die Berfrstlungen gegen den Plan Dawes unter­schieden werden müßten. Snowden führte wei­ter auS, daß die englisch-sranzösische Note vom 9. Juli die Regierungen nickt binde und er verlas darauf einen englifchen Gegenvor­schlag. der jeden Eingriff in die wirt­schaftliche und fiskale EinheitDeutsch- l a n d S a b l e st nt. ES darf auch keine Besetzung deutscher Gebiete außerhalb der Zonen vorge­nommen werden, die im Artikel 428432 vorge­sehen sind, außer wenn einslagranteSVer- fehlen Deutschlands gegenüber dem Plan ^awcs und dem Versailler Vertrag notifiziert wild und wenn bicfeS Verfehlen außerdem von der RevarationSkommifsion festgestellt worden ist. Durch diesen Vorschlag versucht die eng­lische Delegation die

Wiederkehr der Besetzung der Rustr z« verhindern.

oder wenn neue GebietSbesetznugen stattfinden sollten dieselben von Instanzen abhängig zu machen, die stck offenbar gegen territoriale Be­setzungen auSsprechen würden. Da man sich nicht einigen konnte, will man eine Kompromiß­formel zu dieser Frage ausstellen.

Feankreicst schon im Hintertreffen?

Paris, 19. Füll. (Eigene Drahimeldung.s Die Opvositionsblätter stellen bereits fest, daß Foavkreick in London an Boden verliere. Be­sonders in der Frage der Sanktionen werde Frankreich ins fvintertreffen kommen. Pertinax scheibt: Wir bewrcklen. daß die französische Diplomatie in der Frage der FeOstellung der Nichicrfüllmm übettölvelt worden ist. Der Kor­respondent stellt fest, daß Herriot sick verrechnt stabe und damit Fraukr-ick in London bereits eine empfindliche Niederlage erlitten hab; ES habe feine Vorherrschaft hi der R- varationssymmission etnaeftüf4. Die Delegier­ten bemühen sick nun noch, die sekundären Po­sitionen zu halten.

Ekachaeben aeaenllffer Amerika.

Pari«, 19 F'cki. (Pttvattrlegramm.s Zu hem in der ersten Kommission einaebrackten Komvromißporscksaa der amerikmischen D;l'- "ietten in den Sankst an «fragen wird ans Lon­don gemeldet, franzöüsckerfeits begreife man vollkommen, daß e«. um den Erfolg der im Sack- r-erständigenßerickk vorgesehenen Anleihe -u sickern, unerläßfick fei, den Gläubigern Garantien zu bieten, die allerdings ni*t vo- ffstfcher. sondern stnauzieller Att fein müßten. Zn diesem Zweck sei von der ftelgifcken Defeag- tion mit Unterstütz,ma der amerikanischen S-ck- verständsaeu aeffern vormittag der ersten Kom­mission voraelchlaaen worden, den Zeicknern i-nd Gläubigern ber Achthundert » Mi!- li o n en anlethe absolute Priorität I zuzusprechen. «

Drei «grd'ng'frooen.

, London. 19 F»li. (Eigene Drabtmelbmia.^ Sckwu setzt kann gesagt w-rden, daß also drei I *P r o ft! e m e die größten «ckwttriakeilen b11 reff tett. Es st,,;, hie* Ab«>au ber m-fftättschen unh wirffckaftlicken Sanktionen, die Wieberan- menmma von Saukstanen im Falle einer deitt- kcken Nickterfülluna nutz bie Form, in ber man sick Dentfchlonh gegenüber über ein Ergebnis ber Londoner ffouferenz verständigen soll Noch den neueren Difnoffstouen dürfte eine Vollsit- uug bet Konferenz Montag nachmittag ffafffinben. Mnn recknet damit, daß die Arßei- fen der Konferenz Ende nächster «Locke znm Ab- icklnß gelangen werden. Die Beröffcntkickima über den Konflikt in der SankstonSfrage ist aus stne Indiskretion fettens elneS Londoner Be rickttrstatlerS zurückznfüß-en und hat bei den sraniösiscken itnb englischen Delegierten viel stöfeS Blut gemacht und gegenseitiges Mitz- trauctt verursacht.

Frei wollen wir sein.

Geld, Gut und Arbeit fürs Vaterland.

Don

Staatssekretär z. D. Freiherr v. Rheinbaben.

Zn bem zweiten seiner von uns gestern am gekiindig en und erstmalig veröffentlichten Ar­tikel ftechk StaatSsekretSr Frhr. v. Rheinbaben mir dem Diitk des Dipiomären ftte Wrsenliiche« die deutsch - rangöffsche Gerechtsame gegenein­ander ab und erhebt vor aller Wett, nach Preisgabe der letzte brutschen llter den Stuf nach Freiheit und Ehre des deutsche« Namen» Man hat in Deutschland das von srüheren Konferenzen her bekannte Wort »Atmosphäre^ offen kritisiett und verspottet. Trotzdem hat diese sWort auch für die Londoner Konferenz durchaus aktuelle Bedeutung, die fo leicht nicht Werschätzt werden kann. Selbst wenn gewisse Endergebnisse erst aus solchen internationalen Konferenzen selbst erzielt werden können, so wis­sen wir aus Erfahrung, daß ohne eine grund­sätzliche, vorherige auf dem üblichen Wege vertraulichen diplomatiscken Verkehrs zu erzielende Vorverständignng positive Ergebnisse überhaupt nicht hcrauskommen können. Hieraus erklärte sich die Wichtigkeit, wenigstens auf zwei Gebieten den Willen zur

Verständigung schon vor der Konferenz sichtbar zu zeigen, damit die Konferenz felbsik überhaupt in einer »Atmosphäre" abgehalten werden kann, die auf anderen Gebieten der Hoffnung auf praktische Resultate überhaupt Raum läßt. Auf deutscher Sette war es bie For­derung nach Freigabe der Gefangenen und Rückkehr der Vertriebenen. Auf französischer Seite war es die gemeinsam mit den Alliierten gestellte Forderung nach einer nochmaligen letz­ten Generalrevision der Militär­kontrolle. Viel schwerer war es für Deutsch­land, die angeblich nur den Frieden und der Er­neuerung Eurovas dienene Forderung nach nochmaliger militänscher Konttolle zu erfüllen. Ich habe persönlich über die angebliche Notwen­digkeit dieser natürlick in erster Linie französi- scheu Forderung die Ansichten von einer ganzen Reihe französischer Persönlichkeiten aus den ver­schiedensten Lagern gehört. Mit ganz wenigen Ausnahmen vernahm ich die Legenden von dem in Deutschland vorbereiteten »Revanchc- kriege" und bei diesen fehlte niemals der Hin­weis darauf, daß eine Befreiung des Ruhrgebiets von militärischer Be. s a tz u u a Deutschland in kürzester Frist instand setzen würde, diesen Kriea mit Aussicht auf Er­folg zu fiihren. Und in diesem Zusammenhang enthielt ganz abgesehen von der unglücklichen Zeitlage kurz vor der Londoner Konferenz die Art und Wei'e ber deutschen Antwort nicht wehr und nichtr weniger als ein entscheidendes Mo­ment sür die Erreichung des größten deutschen Zieles dieser Taae und Wochen:

ber militär scheu Räumung der widerrechtlich besetzten Gebiete.

Sie ist gewiß auck beute nack der deutschen Zustimmung zur letzten Militörkonttolle keines­wegs sscker und muß durch unsere Politik ge« ''sitzt aus richtige Einstellung unserem ganzen Volke in sckw'eriae» Verbandl"ngen erst wirklich errungen werden. Aber eins ftebt fest: Sie wür­be ohne die deutsche Zustimmung zur letzten Mitttärkontrolle niemals auch nur einen Schritt m der deutschen Hauptfordenma nach vöMger Befreiung gefördert werden können. Das ist da« für uns Aus'chlangebende in ber Mlitär- eontrofffraae. Der von Frankre'ch geäußerte gro­teske Wunsch auf beschleunigte Verabschiedung ber sogenannten drei ..D-iweS-Gefxtze* noch vor bent 16. Juli war natürlich vöffig imd'skutgbel. ~atfn*e ist, daß die jetzige Regierung Marr« Stresemann die Znstimmnng einer wie bie Dinge nn heutigen Reickstaa liegen erbebli- cken Mehrbeit für die gnmbsätzficke Weitetfüh- mna ber Regelung her Reparationsfrage auf ser Gninbfgqe des DaweS-GutacktenS erhalten 11 rtt. Sie ist also paff nnd ganz verhanblungs- 'öbia und wirb hofentlich auch unter allen Um­stäuben

cufgeforbert werden, an ber Lonboner Konferenz vielleicht '« bereut dritten Stadium durch bevollmächtigte Vertre­ter teilzuneßmen.

In Streifen ber Reparati onskommission rechnet man überbauvt erst mit ber Gesamtvorlagx oller drei Gesetze (Eifen ßahn-, Bank- und Industrie- Obligationenl in der zweiten Inlihälfie. Was 0 nun der letzte Hintergrund der frauzöstscheü Wünf-ffe itnb wie wäre die Einstell'.mg der beut* sicken Politik doru? Nickt« anderes als ein aus beiberseitiges starke« Mißtrouen begründetez! Perlannen nack Durckfübntng der sogenannten Zng-Km-Zug-Boltfik' Herriot drängt auf bie Votierung ber Gesetze. Demgegenüber steht bas unabweisbare Verlangen Deutschlands, n' ch t mit gebundenen Händen auf ber Londoner'Kon­ferenz zu erscheinen, sondern für die kaum er»