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Nummer 218. Ei»«<»»mm 10 Pf. s»»n»«s is et. Dienstag, 16. September 1924. io Pf. scnmmi»» w. 14. Jahrgang

Die Kasseler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechSrnal nachmiltagS. DerÄbonnementsvreis beträgt für üen MonaiSeplemberLMk.bei freierSustellung ins Hau», in der Geschäftsstelle abaeboU 1.80 Mk. Durch die Potz monatlich 2.00 Mk. ausschließlich ZuttellungSgebützr. Verlag und Redaktion: Schlachtbofstrahe 28/30. Fernsprecher 951 uud 952. Kür unverlangt einaesanöte Beiträge kann die Re­daktion eine Verantwortung oder Gewähr in keinem Kalle übernehmen. Rück- zahlung des Bezugsgeldes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmätziger Lieferung Itz ausgeschlossen. Postscheckkonto Krankfurt a. Main Nummer 6880.

Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung -- Aesfische Abendzeitung

keine Absendung der kriegsschuldnote?

DerBesatzungsabbau

Die Franzosen weichen nur langsam.

Man muß anerkennen, daß bisher für das besetzte Gebiet einige Erleichterungen ge­schaffen worden sind. Der Paßzwang ist aufge­hoben, die Zollgrenze ist gefallen, das wider­rechtlich besetzt gewesene Ruhrgebiet kann wieder zmn Deutschen Reich gezahlt werden, ist ohne Schwierigkeiten zu erreichen, die Verbindungen sind wieder normal, der Güterverkehr kommt wieder in altgewohnten Gang. Das Leben im Ruhrgebiet beginnt aufs neue zu pulsieren. Zahlreiche Betriebe, die sich bis aufs äußerste eingeschränkt hatten, beginnen wieder lebhaftere Produltion. Die überaus große Arbeitslosig­keit im Ruhrgebiet läßt immer mehr nach. Es hat den Anschein, so wird von überall berichtet, als ob man befreiter atmet und Handel und Wandel. Arbeit und Leben wieder ungehemmter geworden ist. Und doch ist noch n'.cht alles geschehen, um dem Ruhrgebiet die alte, in Lon­don vereinbarte Freiheit zu geben. Noch ist die französische Besetzung nicht in dem Maße abge­baut, daß sie unsichtbar geworden ist. Tie fran­zösischen Soldaten sind, wo das Militär noch nicht zurückgezogen ist, genau wie früher in den Straßen zu. sehen, noch immer müssen die Rndrbewobner dem alten Befehl folgen mib Vor französischen Offizieren den Hut ziehen, noch immer verlangt der französische Soldat Anerkennung seiner Autorität. Obwohl täglich Züge mit militärischem Material, Son- derznge mit abgebauten Soldaten, mit den übrig werdenden Regie-Eisenbahnern, mit den angeworbenen französischen Aushilfsarbeitern nach Frankreich abgehen, ist das Bild der Be­satzung noch nicht wesentlich verändert. Das lotnmtt in der Hauptsache daher, weil die Be­satzung sich zu sehr auf lange Frist ein­gerichtet hat und weil sic so umfangreich gewesen ist, daß ein langwieriger Abbau zu erfolgen hat, ehe man tatsächlick von einer Räumung des Ruhrgebietes sprechen tonn.

Roch ist übrigens eine Hauptbedingung des Londoner Abkommens nicht erfüllt. Wohl sind eine Anzahl Hastentlassungen erfolgt, sind zahl­reiche politische Gefangene wieder heimgckehrt, aber die Amnestie noch nicht in der Weise durchgeführt, wie es vorgesehen war. So ist es Aufgabe und Pflicht der deutschen Regierung gewesen, in Paris zu protestieren gegen die Ver­zögerung der Amnestie. Nicht mit einem Schlage, wie es zunächst von französischer Seite angekün- digt wurde, wie man es auch in London verein­bart hatte, bat man die Gefangenen aus dem Kerker entlassen, sondern einzeln, gewissee- maßen unter genauer Prüfung der einzelnen Persönlichkeit werden die Gefangenen in die Freiheit gesetzt. DaS muß selbstverständlich bei der Ruhrbevölkerung große Empörung h'r- vorrufen und bei kbr den Anschein erwecken, als ob die Franzosen nickt die Absicht hätten, bereit- willigst den Abmachungen von London zu ent­sprechen. Auck die Rückkehr der Ausgewiesenen wird von manckerlei Hemmungen begleitet. Wenn auch bereits gestattet ist. daß alle A it s - gewiesenen zurückkedren dürfen bis auf ein­zelne. die besonders genannt worden sind, so überrascht es dennoch, daß immer neue Ver­fügungen cntweber französischer Behörden oder der interalliierten Meinlandkommission ergehen, die nur einer b e st i m m t e n A n z a h l die Ein­reise gestattet. So ist von den vielen Beamten, die die Regiestellen aufgeben mußten. die »bge­schoben worden sind oder sich in Sicherheit brach­ten, um nicht verhaftet zu werden, nur einer Zahl von 500 bisber die Rückkehr erlaubt. Wenn französifcherseits auch ^sichert wird, man müsse in dieser Angelegenh.it langsam Vorgehen, so widerspricht das dock nach unserem Empfinden den Londoner Vereinbarungen, die ganz anders lauten. . ,.

In Berliner maßqebeiAen Kreisen hört man, die Absichten Herriots seien ehrlich gewesen, er sei aber machtlos gegen die Willkür der französischen amtlichen Stellen, die sich das Recht anMrßen, Befehle von Paris nach ihrem Willen auszulegen und bis zuletzt den Deutschen ihre Macht zn zeigen Wie wir unterrichtet sind, bemüht stck die Berliner Re­gierung dauernd, mit sanftem Druck in Paris durch die Verhandlungen mit den in Frage kom- menden Besayungsbebörden die Londoner Ver­einbarungen durchzuführen. Und es kann gesagt werden daß sie aus keinen Widerstand stößt, frei­lich immer wieder bör NMß. daß technisch. Gründe sie verpflichten, gkündlicke und überlegte Arbeit zu leisten Bis eine Räumung des Ruhr­gebiets in dem erwünschten Maße erfolat, wird tatsächlich eine lange 3»it vergehen. Bis die Anfheburig aller überflüssigen Bestimmungen zur Tatsache geworden ist, wird der W i n r e r berankommen Man mnß jedenfalls aus den Erfahrungen, die diese Erscheinung bringt, den berechtigten Schluß ziehen daß die letzte Räu­mung des Ruhrgebiets, das heißt, der Abzug aller Besatzungstruppen nicht vor einem Jahre erfolgen wird uub die von Herriot mit

allen Mitteln verfochtene Jahresfrist einzuhaltcn das Bestreben der militärischen französischen Kreise sein dürste. Wenn Außenminister Dr. Stresemann im Reichstage der Hoffnung Aus­druck gab, es sei wahrscheinlich, daß der letzte französische Soldat bereits lange vor Abschluß eines Jahres das Ruhrgebiet verlassen habe, so lehrt uns der Vorgang, den wir jetzt im Ruhr­gebiet beobachten müssen, daß diese Hoffnungen des Außenministers zu großen Optimismus be­sitzen und nur dann eine Berechtigung erhalten iverden, wenn vielleicht nach geraumer Zeit ein Druck von England aus oder von feiten der Geldgeber Frankreich veranlaßt, etwas schneller die kostspielige Restbesetzung zu beseittgen.

Um die Knegsschuldnote.

Die Aösevlmnß an die Mächte wird verschoben.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 15. September

Heute vormittag 10% Uhr beginnen die w- lamentarischen Besprechungen beim Reichsaußcn minifirr. Dr. Strejemann hat am Sonnabend engeren Parteifreunden gegenüber wiederholt, paß er jetzt n o ch n i ch t den Zeitpunkt für geeig­net halte, die Kriegsschuldnote zu notifi­zieren. Damit bestätigt Dr. Stresemann alle Auslandsmeldungen der letzten beiden Wochen, die von der Bertagm g der ganzen Angelegenheit auf zunächst unbestinimte Zeit sprachen. Bon großem Interesse itz auch eine gestern früh in Pa­ris ausgegebone Hviasnote aus Berlin, in der versickert wird, daß sämtliche diplomatischen En- tentevertretcr in SSerlin Die Ueberzeugung zuw Ausdruck gebracht haben, daß die von der dent- schen Regier« rg angewndigte Absendung einer Note über die Frage der Kriegsschuld unterblei­ben werd«,

3tecW$ orteten gegen Girefemann.

Berlin. 15. September. (Eigene Drahtmel­dung.) In Kreiferr )«r Rechtsparteien hat Dr. Stresemanns nachträgliches Zurückweichen vor der geforderten Absendung der Kriegsschuldnotc keine ueberraschung ausgelöst. Schon den ersten Presseveröffentlichungen Stresemanns, daß er an der Kriegsschuldfraqe unbedingt festhalten werde, war man mit größtem Zweifel begegnet und hatte darauf hing-wies en, daß Stresemann gleich energische Erklärungen sowohl vor der Londoner Konferenz wie vor V'r Einstellung des Ruhr- kampses abgegeben hatte, um dann immer wieder im letzten Äugcnö licke umzufallen.

Sitzung 6er Retchsregierung.

Berlin, 15. September. (Privattelegramm., Die heutige Sitzung des R-ichskab metts ist auf 12 Uhr mittags anberanmt worden. Es verlau­tet, daß auch Reichspräsident E b e r t vor Ablauf seiner Kur von Bad Frevdenstein nach Berlin zurückkehren roirh, um ar den weiteren Be­sprechungen des Rc'chskabinctts zur außen- und innenpolitischen Lage teilz inehmen.

5Aus dem besetzten Gediet.

Die Erleichterungen schreite» langsam fort. lEigene Trabimeldung i

Düsseldorf, 15. September.

Tie Räumungsvorkehrungen im Ruhrge­biet werden fortgesetzt. So treffen seit gestern in Rubrori und Homberg die Belgier Vor­bereitungen zum Abmarsch. Im Verkehr mit dem Elsaß sind die bisherigen strengen Einschränkungen aufgehoben wor­den Auch der Zutritt aus Baden, in dem laut Berfailler Vertrag besetzten Brückenkopf von Kehl und in das Borgekände von Straßburg, abgesehen von den bei Festungen üblichen Si- cherheitsniaßnahmen. ist keinen Beschränkungen mehr unterworfen. Mehrere aus dem Elsaß ausgewiefine Deuttcke haben die Erlaubnis zu ihrer Rückkehr erholten.

Ser 5t»i<65minifler in KS!n.

Berlin. 15. September. (Privattelegramm.) Wie der ..Lokalanzeiger" meldet, ist Reichsinnen- minifter Jarres in Köln eingetrosien Er hat bei der Jahresversammlung der Bereini­gung Kölner Industrieller eene fliehe gehalten, in der er die Londoner Entscheidung als sehr bitter fftr die Regierung bezeichnete. Die Industrie habe ein Reckt auk Vertrauen in dem Augenblick, wo die Konfslidiernng beginne. Unglaublich »er zögere sitz, die Gefange­nen-Befreiung und die A m n e st i e.

3-ntn'm?-Bsrtrouen mi Morx

Berlin. 15. September. (Privattelegramm.) DieGermania" bringt eine Meldung aus

Köln, in der mitgettilt wird, daß der erwei­terte Ausschuß der Kölner Zentrums-Par­tei gestern eine Entschließung angenommen ha­be, in der dem R e i ck S k a n z l e r für seine er­folgreiche Politik daS Bertraue n ausgespro- chen und die deuttcknationale Forderung aus Rücktritt des Reichskanzlers zurückgewiesen wird.

Frankreichs Militarismus.

Wie man gegen Deutschland hetzt.

(Eigener Drahtberichl)

Baris, 15. September.

DasEcho de Paris" veröffentlicht eine Acutzernng des Generals Boncurl, des Präsi­denten der Armeekommifsiv t des Senats, über die Sicherheitsfrage. Der General bekämpft zu­nächst den Vorschlag, die M i l i t ä r k o n t r o l l e in Deuffchland an den Völkerbund zu übertra­ge«. Er ist der Ansicht, wenn dies geschehe, werde dadurch eine Fassade geschissen, hinter der Deutschland ungestraft tun könne, was ihm be­liebt. Es sei im Uebrigen schon so seit 1922. (?) Der Versailler Vertrag habe etwas Wichtiges vergessen, er habe nämlich Deutschland nicht ver­boten, ohne Erlaubn is der Alliierten neue Eisen­bahnen zu bauen. Deutschland habe aber unter wirtschaftlichen Vorwänden mehrere strategische Eisenbahnlinien gebaut, die schließlich alle dafür angelegt worden seien, deutsche T uppcn-Konzen- trationeu zu erleichtern. (?) Der Vertrag habe weiter die Bildung von S P o r t v e r e i n c n, die doch nur verkappte militärische Vorbereitungen seien, (?) auf dem linken Rheinuser nicht verboten. Wenn die Bölkerbnndkontrolle eiufit führt würde, so könnten allerdings Manöver aus dem linke« Rheinufer und omf) der Bau von Festungen verboten werden, was alles öffentlich zu feilen fei. Es e aber dem Völkerbund unmöglich, die Verkappen Organisationen festzu stellen, denen es leicht möglich fei, im Falle einer Gefahr die rheinischen Eisenbahnen, wodurch die französischen Truppet an den Rhein geworfen werden könnten, zu Mutieren. Die Sache werde noch verschlivimert, wenn England Köln nicht mehr besetzt habe und wenn Frankreich nicht be- rechtigt werde, an Stelle von England zu treten. Wenn aber paS Rheinland völlig geräumt wer­den müsse, so bedürfe Frankreich einer bedeutend grötzercn Armee. um die veränderte Siche­rung auszugleichen. (!)

Xsoincites Ärrstnn.

Paris, 15. September. (Eigene Drahtmel­dung.) Bei der Einw ihung eines Kriegerdenk­mals in Sedan hat Poincars gestern eine neue Rede gegen Deutschland gehalten, in dcr er unter anbei em sagte: Jrn November 1918 mußten die Deutschen auf offenem Schlacht­feld kapitulieren. Den dritten Teil ihrer Armee ließen sie an Toten, Verwundeten und Gegange­nen in unseren Hürden. Nur der Hochherzigkeit der Alliierten (?) verdankt Deutschland, daß es nicht die größte militärische Katastrophe erlebte. Es wäre unser Recht, ihm noch ärgere Bedingun­gen aufzuerlegen. (!) Aber es muß letzt verlangt werden, daß es wenigstens diese Bedingungen er­füllt, die es unserer Hochherzigkeit (!) verdankt und daß es nicht ständig den unerträglichen Wunsch äußert, sie zu revidieren.

Die Kölner Herbstmesse.

Gute Beschickung und gute Qualität. lPrivat-Telegramm.)

Köln. 15. September.

Die Kölner Herbstmesse wurde gestern ohne besondere Fcierlickkeiten eröffnet. Tie Beschif­fung her Messe in in allen Gruppen vorzüglich, aualitativ besser als auf der Frühjahrs­messe. Zumal auf der technischen Messe treten verschiedene Neuheiten hervor, darunter solche, die zum ersten Male auf dem Markt erscheinen. Auch die zum ersten Male auf der Kölner Messe vertretene Ausstellung der Sowjetrepublik findet reges Interesse. Die große Nebcrsichtttch- feit der Messe sowie die stark diirckg-führte Glie­derung fällt als wefentlichrr Fottfchritt gegen­über der ersten Kölner Messe defonders günstig auf und wird von Ausstellern wie von Käufern allgemein anerkannt. Dis äußere Kennzeichen der Messe ist ihr^lommerzieller Charak- t e r. Maßnahmen bc-3 Messeamtes zur Fernhal­tung des fchaulustigen Publifnms bewirken, daß die Messe nur von Jntereffenten besucht ist. Ter Besuch setzte schon zm Eröffnungsstun­de ein und hat sich in steigender Stärke bis zum Schluß des ersten Geschäftstayes auf fehr befrie­digender Höhe gehalten. Auf dem Ausland wurden Befuche aus England, Belgien, Däne­mark, Schweden und tot allem Ms Str Schweiz und Holland feftgestellt.

Die Verbilligung.

Et« Appell an die Privatwirtschaft.

3m Anschlag an Die vorgestrige Ankündigung der Neiwsregiernng, eine Berd.lligung einzn- letten, richtet der Reichsfinanzminifter einen Appell an die Privatwirtschaft.

Berlin, 14. Sept

Der ReichsfinanMiniestr Dr. Luther ge- währte gestern einem Pressevertreter eine Unter­redung über die Vreisabbanaftion. Die Unter­redung verliei wie folgt:

Frage: »Welche Wirkungen versprechen Sie sich, Herr Reichsmintsjer, von den angekün­digten Maßnahmen der Reichsregierung zur Erleichterung des Wirtschaftslebens?"

Dr. Luther: .Darauf muß ich Ihnen zu. nächst ontto orten, daß ich mir keine Wunder­wirkungen verspreche. Die Zeit der Illusio­nen ist vorbei. Jetzt muß dl« zähe, mühsame Wiederaufbauarbeit beginnen. Diese Wiedernus- bauarbeit wird zweifellos allmählich Früchte tragen, und zwar dauerhafte Früchte. Die Leute freilich, die zu meinen schienen, nach Annahme der Gesetze über das Londoner Abkommen werde bei uns sozusagen über Nacht ein riesiger wirt­schaftlicher Aufschwung einsetzen, waren ebenso große Illusionisten, wie die anderen, die glaubten, wir hatten unser Leben als Wirtschaft und Volk aufreckterhatten können, wenn wir das Londoner Abkommen ablehnten."

Frage: »Sind die Voraussetzungen für den allmählichen Wiederaufbau nicht aber schon durch die Martstabilisierung im vorigen Herbst geschaf­fen worden?"

Dr. Luther: »Ja und nein! Ohne die Maßnahmen des vorigen Herbstes und Winters, also besonders ohne die Schaffung der Rentenmark m,d ohne die harten finanz­politischen Eingriffe durch Steuererhöhungrn und Ausgcrben-Drosselungeu würde heute für den Wiederaufbau jede Grundlage fehlen. All das aber waren Notmaßnahmen Deutsch­lands mit den letzte« Retten feiner eigenen Kraft, die dnrck den Ruhreinbruch an der wich­tigsten Stelle abgebunden und durch die unselige Inflation völlig ansgezehtt war. Jetzt dagegen wird Deutschland nntti dem Londoner Ab­kommen nack und nach wieder in den Besitz seiner eigenen Wirtfchastskraft kom­men, soweit sie durch den Vertrag von Versail­les ihm belassen ist. DaS

Verschwinden der Binnen-Zollinie im Westen ist der erste Schritt nach dieser Richtung Tie Rücküberiragiing der ganzen Zollverwaltung des besetzten Gebietes an die deutsche Regierung wird folgen, ebenso die Wiedervereinigung des Eisenbahnnetzes «nd andere Wieducher- stellungsmaßnabmen. Von besonderer Wichtig­keit wird die Wtederzulassnng der vertriebene'.! Beamten und damit die Wiedererrichtung einer unabhängigen deutschen Verwal- tun g auch im besetzten Gebiet sein Außerdem aber wird Deuffchland jetzt wieder eine Wäh­rung erhalten, die. um mich so auszudrücken, die internationale Währung? spräche spricht. Deuffchland braucht die Goldwäh­rung, weil es feine Bevölkerung nicht au? dem eiaenen Boden ernähren kann, und deshalb auf den internationalen Wirtschaftsverkehr angewie- sen ist Auf der Grundlage dieser Währung die wegen ihrer international anerkannten Form in sich stärker ist als die Rentenmark, wird es für die Wirtschaft möglich fein, Kredite in grö­ßerem Umfange zn erhalten als bisher. Die Renfenmar! war für Es -e Zwischenzeit die denk­bar beste Lösung und wird vor iedem objektiven geschichtlichen Urteil bestehen. Für den eigent­lichen Wiederaufbau ober brauchen wir die Goldgrundiaae."

Frage:Wenn Sie von diesen allgemeinen Gesichtspunkten ansaehen. so können die Maß­nahmen. die die Reicksregiernng soeben bekannt­gegeben hat. dock nur erste schritte auf der Bahn des Wiederaufb-'ut? darstellen, nur sozusagen einen Keil, der ins Wirtschaftsleben hineingetrieben wird?"

Dr. Lutber:Diese Bemerkung ist völlig richtig. Aus dcr Bekanntmachung der Reichs- re'gierung klingt denffick heraus, wieviel davon abhängt, daß der Geist, in dem diese Sckritte der Aceichsregiernng getan sind, nun recht schnell Allgemeingut des deuffchrn Volkes wird. Dir ganze Wittschast mnß im gleichen Sinne handeln. Im ganzen öffentlicken Leben mutz der Grundsatz größter Spaffamkeit gelten.

Wir müssen den Zahlentaumel der Inflation nun endlich hinter uns lassen. Es muß in der ganzen Wirtschaft wieder heißen: Großer Um­satz, Reiner Nutzen. Sollten etwa auch jetzt noch Zwischenglieder des Wirtschaftslebens die Preise festbalten. statt die Vorteile der Preissenkung dem Verbraucker znzlfführen, so würde das sehr bedenkliche Folgen zeitigen. Auck die Reicksregiernng selbst wird, sobald nur irgend möglich, alle noch sonst erfor­derlichen Schritte tun. Besonders im Steuer-