Einzelbild herunterladen
 

»tueiaeroretfe; G-schätls-An,eigen Seile 15 PfenniL KamiUen-Anzeig«. Sette 15 Pfennig, Kleine »nietgen das Wort 2'/, Pfennig, Reklamen die Sette 60 Pfennig. OffertgebüHr 10 Pfennig, (bei Suienduna der Onerten 2l> Pfennig) Rechnungs. betrüge sind innerhalb 5 Tagen ,u be,Men. Maßgebend itt der Kurs deS Sahlungs- tage». Für die Richtigkeii aller durch Sernsvrecher aufgegebenen Änzeigen sowie für Auinabmedaren und Plage kann nicht garantiert werden. Für Änzetgenmn besondersschwierigem Satz 100 Prozent ÄufWag. Druckerei: Scklachthofstr S8/80 ®efd)ärtafteue: Köln.Stratze5.gegenüber derSvobrstrabe. Fernsprecher051 u. 952.

Die Kasseler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchenttich sechsmal nachmittags. DerAbonnementsvreis beträanür den Mo n atSeote mberLM Lb e i kreierSustellung ins Haus, in der Geschäftsstelle abaeholi 1.80 Mk. Durch die Poft monatlich 2.00Mk. ausschließlich Suftellungsgebühr. Verlag und Redaktion «chlaÄtdofftratze 2^0. Sernsvrecher 951 und 952. Für unverlangt eins «sandte Äeitrage kann die Re­daktion eine Verantwortung oder Gewähr in keinem Falle übernehmen. Rück­zahlung des Bezugsgeldes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungSmätziger Lieferung ift ausgeschlossen. Postscheckkonto Frankfurt a. Main Nummer 6880.

Kasseler Neueste Nachrichten

Staffelet Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Nummer 230. w w. «>-<-»« is»,Dienstag, 30, September 1924. io oi, «-»">»»- a w. l4. Jahrgang

Kritische Enkwiülung der Regierungssrage.

Negierungsfragen.

Die Erweiterung des Reichskabinetts.

Wie man sich auch zu der Deutschnattonalen Dolkspariei und ihrer gegenwärtigen Leitung stellen mag: niemand kann bestreiten, daß die Partei jetzt vor der wichtigsten Entschc'dung steht, die sie bisher zu treffen hatte. Und wer sich bemüht, die politische Entwicklung nicht von irgendeinem Parteistandpurckt aus zu betrachten, der tnutz doch anerkennen, daß die Deutsch- nationalen sich in einer ungemeins ch w i e- rigen Lage befinden. Der Uebergang ans einer jahrelangen Opposition in die Beteiligung an der Regierung ist an sich schon ein schweres taktisches Manöver. Das wird erleichtert durch eine starke Verschiebung der parlamentarischen Mehrheitsverhättnisse; doch hat auch Herriot feine ernsten Sorgen mit der Erfüllung seiner einstigen Versprechungen. Roch schlimmer ist Mac Donald daran, der ganz und gar auf das Programm seiner Partei verzichten muß, wenn er nicht sofort wieder gestürzt werden soll Am heikelsten aber ist die Lage der Deutschnationa­len, wenn diese nun in eine Koalitionsregierung eintreten sollen, die von vornherein durch andere große Parteien auf das heftigste bekämpft wird.

Hinzu kommen die traurigen finanziellen und politischen Verhältnisse in dem besiegten und ge­knebelten Reich. Wer bei solchen Zuständen sich bereit erklätt, dte Verantwortung mit zu tragen, beweist damit ein nationales Pflichtgefühl. Ministerposten sind heutzutage wirklich nicht so verlockend, daß man die Sehn­sucht nach ihnen als Triebfeder für eine große politische Schwenkung annchmen dürfte. Will man das Pflichtgefühl allein nicht gelten lassen, dann könnte man vielleicht sagen, die deutsch- nationale Patteileitung hat eingesehen, daß auf die Dauer große Massen nicht in der Opposition zusammenzuhalten sind, wenn eine radikalere Oppositionspartei derselben Richtung baueben steht. Die Gründung der Völkischen Pattei hat die logische Folge, daß die Deutschnationalen sich über kurz oder lang positiv einstellen müs­sen. Selbstverständlich geht das nicht ohne Rei­bungen und Konflikte ab. Man muß die ganze patteitaktifche Polemik außer acht lassen, wenn man die Lage objektiv betrachten will.

Den Sozialdemokraten hat man, solange sie an der Regierung teilnahmen (oder noch teil« nehmen), immer zugestanden, daß sie zugleich sozusagen oppositionellen Lärm schlagen dürsten, um ihre Anhänger nicht an die Kommunisten zu verlieren. Dieselbe Konzession mußte man den Deutschnationalen machen. Sie vollzogen ihre Schwenkung unter den allergünstigsten Umstän­den tat schweren feindlichen Feuer, konnten ihre Truppen nicht vorher instruieren und fürchteten bis zum letzten Augenblick einen sozialistischen Hinterhalt. Der Zwang zum schnellen Ent­schluß war aber durch die geforderte Zweidrittel­mehrheit tat Reichstag gegeben. Es ist ganz klar, daß die Patteitaktik in einem solchen Fall die Teilung der Fraktion gebot, daß die über­raschte Wählerschaft sich zunächst an die Nein­sager hielt und daß auch jetzt noch die wieder­willig Folgenden durch allerlei »sozusagen oppo­sitionelle' Aeußerungen festgenagelt werden müssen. Auf diesem Gebiete liegen die Haupt- schwierigkeiten nicht. Stellt sich der Vertretertag der Deutschnattonalen auf den Standpunk der gegenwärtigen Parteileitung, dann wird auch eine KoalitionSpolitik mit ihnen mög­lich sein. Ernst dagegen ist die Frage der außenpolitischen Wirkung zu nehmen. Der Einmischungsversuch freilich, den Herriot wieder einmal in einer Unterredung mit dem «Borwätts'-Bettreter unternommen hat, dürste eher die entgegengesetzte Wirkung ausüben: man hat ja soeben in der Völkerbundssrage gesehen, daß Hsrrtotnicht imstande ist, der deut­schen Regierung der Mitte irgendwie entgegen» |U#smmen. Aber die .sozusagen oppositionellen" Aeußerungen deutschnationaler Blätter über eine Kursänderung mitten natürlich außenpolitisch schlecht.

Ernst ist auch die innerpolittsche Situation, weil die Sozialdemokraten protestieren und weil man die Demokraten falsch be­handelt. Dadurch wird der linke Flügel des Zentrums in seiner Agitation gegen die Deutschnationalen noch bestärkt So ist tatsäch­lich noch nicht zu übersehen, ob die neue Koali­tion überhaupt zustande käme, auch wenn der Vertretettag am 30. September die Teilnahme an ihr beschlösse. Die deutschnationale Patteileitung hat in ihrer letzten Erklärung die Absichten der Deutschen Volkspartei und auch des Reichskanzlers Marx als ernsthaft und ehr­lich angenommen. Gewiß mit Reckt! Wie aber, wenn der Vcttretettag sich daraufhin zum Kom­promiß entschließt und am Ende doch der neue Block am Widerstand des Zentrums scheitert? Können bann die Deuttcknationalen noch Oppo- sitton machen gegen eine Politik, der sie doch hat­ten zustimmen wollen? Das ist eine verteufelte Zwickmühle. Man wird aucku bedenken haben, daß die Parteien der Witte nicht mehr

st> stark wie früher den Abmarsch von Wählern nach rechts fürchten. Soweit sie -en Zusammen- schlutz mit den Deutschnattonalen wünschen, be­ruht das auf der allgemeinen politischen lieber» zeugung, daß die im Marsch befindliche Annähe­rung der rechts stehenden Massen an den anderen Staat sich vollziehen müsse und daß bann die Durchführung der wirtschaftlichen Aufgaben leichter fein werde.

Die Kabinett-Grweilerung.

Bemühungen nach rechts und links.

(Eigener Informationsdienst.) vettin, 29. September.

In der innerpolitischen Lage dauern die Be- mübungen wetter an, obwohl vor der offiziellen Beschlußfassung deS Sertrctcrtagcd der Deutsch- nationalen keine neuen Tatsachen vorliegen, die üt die Regierungsumbildung entscheidend fein könnten. Beschlüsse anderer Parteien sind biS zur Stunde noch nicht bekannt geworden. Rach Erklärungen, die Dr Marx Parteifreunden gegenüber am Sonnabend gemacht hat. will er mit den Deutschnationalen und auch mit den Sozialdemokraten verhandeln Ein Rückrtitt des Kabinetts steht ebensowenig in Frage wie etae Auflösung des Reichstags. Die demokratischen Zeitungen, vor allem bet Börsen, tarier, bringen Hinweise auf die Möglichkeit einer Regierungsumbildung nach links statt nach rechts und es werden auch bereits die Namen Witth and Breitscheid genannt.

A Dor einer Jt Qierur>a«frife?

Berlin. 29 September. (Eigener Informa­tionsdienst.) In maßgebenden parlamentari- chen Kreisen ist man davon überzeugt, daß cs innerhalb der nächsten drei Wock>cn zu einer R e. gierungskrise im Reiche kommen werde. Man hält eS für ganz undenkbar, daß die Deutschnationalen darin einwilligen werden, daS Kabinett Marx-Stresemann in feiner bisherigen Gesicht beizubehalten und es lediglich durch Auf- nafttne von zwei Ministern zu ergänzen Aus den Aeußerungen der führenden deutschnationa­len Kreise geht unzweideutig hervor, daß die deutschnationale Pattei darauf besteht, maßgebenden Einfluß auf die Regierungs­politik im Reiche zu gewinnen. Hinzu kommt noch, daß die Deutschnationalen in der Person des Reichskanzlers Dr. Marx ein Hindernis für die grundsätzliche Rechtsorientierung der Re­gierungspolitik erblicken. Den Verlauf der tarn» inenden Auseinandersetzungen stellt man sich in deutschnattonalen Kreisen etwa ko vor, daß der Reichskanzler mit den Deutschnattonalen nicht zu einer Einigung gelangen wird, sodaß auch die Deutsche Volkspartei gezwungen sein würde, die Neubesetzung des ReichSkanzlerpostens zu fordern. Dadurch würde ein parlamentarischer Konflikt entstehen, der nur auf dem Wege einer gänzlichen Neubildung des Reichskabinetts über­wunden werden kann In den der Regierung nahestehenden Kreisen denkt man sich allerdings die Lösung des Regierungsproblems viel ein­facher. Man rechntt nock immer mit der Mög­lichkeit. daß sich die deutschnationale Pattei zu der Fortsetzung der bisherigen Politik bekennt.

*

Bssryervkvck oder Bott«aemel»sckwtt.

Berlin, 29 September. (Privattelegramm.s Im Gegensatz zu der bekannten Entschließung des Fraktionsvorstandes der Detttschen Volks. Partei für die Erweiterung der Regierung schrei­ben deutschnattonale Blätter, daß eS im Reich imb in Preußen um die Herstellung einer Pofi. tik gehe, die ntti den WortenBürgerblock" zu kennzeichnen sei. Es aehe nm die Abkehr von den bisherigen Grundsätzen in der äußeren und in der inneren Politik. Andernfalls fei die Kabinettserweiternng wertlos.

Die teuere fremde Aufsicht.

Endlich etaeßerfonataerminberung.

(Eigene Drabtmeldnng.l

Paris, 29. September.

Die Reparativ nskomrnisfion bat, wie der Temps rnttdet. nach teflweise sehr stür­mischen Verhandlungen sich über das Erspar­nisprogramm, dessen Durchführung nach Angabe des Generals Dawes stch als notwendig erwies, geeinigt Die Kommission, die bis jetzt Unterhaltungskosten von 600 000 Goldmark m o- uatlitfi von Deutschland in Ausdruck genom­men hat will stch von nun an mit 300 000 Gold- matt begnügen. Um diesen Zweck zu erreichen, ist, nach dem Mattn, u. a. bestimmt worden: Der Garantieausschuß wird ausgelöst. Die finanziellen sowie die juristischen Sachver­ständigen und der Nachrichtendienst würden ebenfalls beseitigt. Die Personalabtei- lung wird entlassen und das Generalse- kretariat in seinem Personalbestand wesent­

lich verringert. In de« eiuzelueu in der Repa- rattonskommisfio« vertretenen Delegationen wird nur noch der zweite Delegierte anwesend sein und demgemäß bezahlt werden. Die Reform soll biS zum 31 Dezember durchgeführt lein.

Deutschland und Völkerbund

Um die deutsche Denkschrift.

(Eigen« Drahtmeldung.)

Genf, 29. September.

Die Pariser Sonntagsblätter nehmen bereits zu der deutschen Denkschrift Stellung. Der Mattn" bringt Auszüge über die deutschen Vorbehalte, die sich im Allgemeinen mit dem decken, was aus den Reden ©ttefemannS und Marx bekannt geworden ift. Eine Veröf- fenüichmig de« deutschen Memorandums durch die offiziöse Haoasagentur liegt bis zur Stunde noch nicht vor. DerTemps" behaupttt, daß auf Wunsch Deutschlands vorläufig auch keine Ver­öffentlichung in Aussicht genommen sei. Dem Echo" zusolge wird das französische Kabinett, da die Frage der Bedingungen für den Eintritt Deutschlands als hinlänglich geklärt miMsehen sei, erst am Mittwoch dazu Stellung nehmen. Die großen Blätter behaupten» daß Frankreich über die deuffchen Haupfforderungen nach einem ständigen Sitz im Bölkerbundrat und der Her­stellung deutscher Kolonialmandate nichts be­schließen werde, da es stch ausschließlich um An­gelegenheiten des Völkerbundes handele.

Die Ausschuß-Beratungen.

Genf, 29. September. (Eigene Drahtmel­dung.) Tas Wochenergebnis der Bölkerbnnd- tagung ist, daß die Kommffyons - Beratungen über Schiedsgerichtsbarkeit, Sicherheit und Ab­rüstung abgeschlossen find. Die kleinen Neutra­len und auch Japan haben wesentliche Vor­behalte gegen die automatische Auslegung des Begriffs Santtionen gemacht und mit Erfolg die Souveränität jedes Staates über seine eigenen Streitkräfte verlangt. In der juristischen Kom­mission ist über die Auslegung deö Begriffs An­greifer eine Einigung zustande gekommen. Die heutige Vollversammlung beginnt um 1 Uhr. lieber pen Schluß der Tagung hat stch das Prä­sidium bisher nicht schlüssig gemacht, obwohl die meisten Delegatiomn nur noch mit einem Drittel ihrer ehemaligen Stätte anwesend find.

Geringe Aussichten In Genf.

Basel, 29. September. (Privattelegramm.) DieBaseler Nachrichten" bringen aus Genf folgendes Telegramm Die Berliner Bedingungen in dem deutschen Memorandum, die für den Ein­tritt Deutschlands in den Völkerbund gestellt werden, mitten einfach ernüchternd. Sie werden als teilweift so grotesk (?) bewachtet, daß man nicht mehr ernsthaft von der Auf- nahmesrage spricht. Der Baseler Anzeiger meldet Der Eindruck des neuen deuffchen Schrit­tes ist vorwiegend pessimistisch. Kurz vor Schluß der Tagung ist nicht mehr Zeit zu langen Son­dierungen in Paris, London usw. Deutschland habe den sychologischen Moment versäumt, nach­dem Herriot vor 14 Tagen bereit war (?) Deutschland genügend entgegenzukommen.

Reichsbahn und Notenbank

Die zweite Feststellung der Repko.

(Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 29. Sept.

Am 5. Oktober wird die Reparationskommis- sion die zweite Feststellung hinsichtlich der Durch­führung der Londoner Abmachungen zu machen haben. Bis zu diesem Termin muß die lieber» gäbe der Reichsbahnen an die neue Reichs» vahngesellschaft und die Errichtung der neuen deutschen Goldnotenbank vollzogen sein. Wie wir hören, ist die Durchführung der Gesetze über die Reichseisenbahnen und über die neue deutsche Goldnotenbank einen: für Deutschland befriedigenden Sini.c geregelt In den Berliner Regierungskreisen stellt man fett, daß die bedenklichsten Gefahren einer Benach­teiligung Deutschlands vermiede« werden könn­ten. Insbesondere betont man die wichtige Tatsache, daß bei der Ernennung der Berwal- tungSratmitglieder der neuen Reicksbahngefell- schaft die deutschen Interessen volle Berücksichtigung gefunden haben und daß von der Berufung des Schweizer Bankiers Dubois, durch die die dcuffchc Dreiviertelmehr- beit im Verwaltungsrat gebrochen worden>e, A b st a n d genommen wurde. Rach der Durch? führnng der zweiten Feststellung der Repko wer­den nunmehr die Anleiheverhandlun- gen zu Ende geführt werden können, Sie, nach den Informationen der Reichsregierung, zur Auflegung der Anleihe in der zweiten Hälfte des Monats Oktober führen dürsten.

Technische Nothilfe.

Zum fünften Jahrestag.

®ie über das ganz« Reich verbreit«»« vrgaoi- faiion, Mc so »ft «ingegriffeo hat, wen» da« öffentliche Leben durch Streik gefithrdet wurde, blickt auf folgend« Ergedniffe zurück.

Am 30. September 1924 kann die Technische Nothilfe zurückblicken auf fünf Jahre erfolgrei­cher Arbeit., Unbestritten in ihre Neutralität hat sie dem deutschen Volle in Zeiten der Hoff­nungen und Hoffnungslosigkeit, der Erschütte­rungen und der Enttäuschungen als treuer Ekke­hard zur Seite gestanden, für viele unsichtbar und doch für alle unentbehrlich, von manchen vettannt und verleumdet, dock mehr noch be­gleitet von Dankbattett und Anerkennung b;r Mehrheit des Dolles. In einer Zeit, die Völker und Staaten im Tiefftcn aufwiihlt, hat die treue Nothelferschaft den Staatsgedan- ken, ja fast den Bestand des Staates in entschei­denden Augenblicken durch mutiges Eintreten gerettet, wenn tr im Chaos der Geisftr und Ge­walten unterzugehen drohte. Der Steuer­streik in Württemberg 1920, der mit Stil­legung bedeutender lebenswichtiger Betriebe den Staat zur Kupitulation vor einer Interessen­gruppe zwingen wollte; der Eifenoahner- st r e i k 1922, der über Nacht den gesamten brut­schen Eisenbahnverkehr und damit den Blut­kreislauf des deuffchen Dolles und Staates still­legte; die Unterbrechung des gesamten Noten­druckes anläßlich des Streiks in der Reichs, drucke re i, wo die Technische Nothilfe den Druck der erlösenden Rentenmark bewerk­stelligte; das sind markante Beispiele rettender Nothilfetat, wo Tausende treuer Nothelfer den Schutzwall bildeten gegen die hereinvrechenden Fluten der Unvernunft.

Ebenso wenig wie auf staatspolittschem Ge­biete ist die mit Tat und Wort eingreifende Tä­tigkeit der T. R. aus der Entwicklung der deut­schen Vottswirffchast nach dem Kriege fottzu- denken. Die gewaltigen Mttschastskämpfe in der Landwirtschaft der Nachkriegszeit in Mittel-, Nord- und Ostdeutschland machten in 2084 Fällen ein großes Aufgebot an Nothelfern notwendig, um Ernte und Vieh vor dem Verder. ben zu retten und damit weitere Erschwerungen der ohnehin so bedrohten Ernährungslage des deutschen Volkes zu verhindern. Der gewaltige Binnenschifferstreik im Jahre 1920 und zahlreiche Wirffchaftskämpfe in den Hafenbetrie­ben, besonders in Bremen irttb Hamburg, stellten höchste Anforderungen an die Nothelferschaft, um auf dem Transport befindliche Lebensmittelmen- gen vor dem Verderben zu schützen und dem Verbrauch zuzuführen. 71 Einsätze aufZechen und Hütten, 449 in Mühlen, Z uckerfa- briken und anderen Betrieben des Nah­rungsmittelgewerbes, 795 Einsätze im Transport- und Verkehrswesen haben zu ihrem Teil dazu beigetragen, größere Win- schastskämpfe in ihren Folgen für das Dolks- ganze zu mildern und dauernde Schäden zu ver­hindern.

Dem Einzelnen am sichtbarsten, für dir Volksgesundheit und die öffentliche Sicherheit am unentbehrlichsten waren die 334 Einsätze in den Elektrizitäts-, Gas- und Wasserwerken; sind diese Werke doch in ihrer neuzeitlichen Entwicklung die Lebens- guellen jeder städtischen Gemeinschaft geworden, deren Funktionen nicht ohne stärkste Rückwirkung auf die Lebensbedingungen jedes Einzelnen un­terbrochen werden dürfen. ck

Die Technische Nothilfe hat es stets als ihre vornehmste Aufgabe betrachtet, den Rothilfge- danken in alle Kreife des deuffchen Volkes hineinzutragen und alle Vollsschickten zur Mit­arbeit heranzuziehen. Wie sich Millionen deut­scher Volksgenossen öffentlich zum Gedanken der Tccknffchen Notbilfe bekannt haben, sind Hun­derttaufende dem Rufe der Nothilfe -Tat ge­folgt. Techniker und Ingenieure, die mit 22 Pro­zent vertreten sind, reichten dem Arbeiter die Hand, der 11 Prozent der Nothelfersckaft stellt. Der Landwirt 121 Prozent) steht neben dem Handwetter (10 Prozent), Studenten und Schü- ler (6 Prozent), Frauen (9 Prozent), Männer aus freien Berufen (21 Prozent), alle umschlingt der Gedanke der Technischen Nothilfe, die stete Hilfsbereitschaft, der Wille, in dieser Zeit der Not nichts gegen einen Volksgenossen, jedoch alles für alte Volksgenossen zu tun.

Dle Verwaltung der Reichsbahn.

Aus der ersten Sitzung.

Berlin, 28. Septemb.n.

Am Sonnabend fand die erste Sitzung des Verwaltungsrates der deutschen Reichsbählige- sellschast statt. An ihr nahmen die von der Reichsregierung und vom Treuhänder ernannten Mitglieder teil. Zum Präsidenten des Verwaltnngsrates wurde Dr.-Jng. Karl Fried­lich v. Siemens gewählt, zum 1. Vizepräsi­denten Staatssekretär a D. Stielcr, zum 2. Vize- rräsidenten Sir William Ackworth. Es folgte die Wahl des Generaldirektors. Alle