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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Äu»elgenpretse: Einheimische Oeichailsan»eigen Zeile 15 auswärtige GeschSftS-

anzeigen Zeile 20 Psg, .ramuteiiauietueu Zeile 15 Kleine Anzeigen ba8 28ort 2i. »iti- Reklamen die Zeile 75 P,g. Orsertgebübr 10 Pta. ^^!,^^?^a. ber Osferten 20 Pig.i Rechnungsbeträge sind innerhalb 5 Tg. zu bezahlen. Maßgebend Nt der Kurs des Zablungsiages. Mr die Richtigkei! aller durch ^eriisprecher auiaeaebenen An­zeigen sowie für Äuinabmebaten und Plätze kann nicht garantiert we^den. Mr Anzeigen mit belonb. schwierigemKae 100 Proz.Äussttzlag Druckerei. »chlachtbof ktratze >Z Si .Geschäktsstelle Köln Str. 5. qeqenüb.ber Spobrftr fternfpr.951 u. 95. .

SQitwe* e 2.

Sonnabend, 3. Januar 1925.

Einzelnummer 10 PI SonmaaH In PI

Einzelinimme, 10 Pf S#nntnn8 15 Pf

15. Jahrgang

Ali Kasseler Alt im Skaaksbanlslandal.

Gchiebergewinne.

Preise, Kredite und. .. Parasiten

Zu interessanten Schlüssen führen die Unter­suchungen eines unseres Mitarbeiters, dem wir zwar keineswegs in allem beipflichten, die aber ein sehr aktuelles Problem auch einmal von der anderen Seite her beleuchten. Er schreibt:Ille produktiven Stände in Deutschland leben in einer unglaublichen Notlage. Das Produkt ihrer Mühen und Ärbeil bringt nicht die Sicherung der Existenzmöglichkeit und der Konkurrenz­fähigkeit. Die Preisdrucksolitik beginn: sich auf die produktiven Kreise gefährlich aus­zuwirken. Um trotzdem die Wirtschaft nicht zum Stillstand kommen zu lassen und in der Hoff­nung, durch viel Aufwand von Sorge und Arbeit eine freie Existenz wieder zu erringen, hat M unsere gesamte produktive Wirtschaft zur Inanspruchnahme umfangreicher Kredite drän­gen lassen, um die S^khstloste« der Produktion wieder verbilligen zu können. Aoer die Kredite nehmen als Zinsen weit mehr in Anspruch, als jemals zu irgendeiner blühenden Wirtschafts - epoche aus der Produktion an Ertrag heraus­gewirtschaftet werden konnte, ungefähr das fünffache dessen bei besch-eidenen Zins­sätzen was heute in der Produktion tatsäch­lich erworben wird. Jeder Zinsanspruch hat seine Grenzen, und die Höhe der heutigen Zin­sen für entliehenes Kapital bedeutet mühe­losen Gewinn, denn die Zinsen gehen weil darüber hinaus, was das Kapital im Produk- tlnpsprozeb hervorbringt.

Die Kreise, denen es heute güt geht, nähren sich fast ausschließlich nicht von produktivem Erwerb, sondern vom mühelosen Gewinne. In großem Umsange dauern die P e r g e n s - Verschiebungen an. Die Statistik zeigt beinahe so viel H a u s v e rk ä u s e, als in der Zeit der sogenannten Inflation. Zahlreiche Ausländer, die für ein paar hundert Ma r k deutsche Grundstücke erworben haben, haben iie inzwischen an Deutsch« zurück verkauft und haben nicht nur für diese paar hundert Mark, die sie hineingesteckt haben, mehr als doppelt so viel tausende Mark erhalten, also ihr Kapital ungesähr verzwanzigfacht, sondern an diesen Geschäften verdient auch noch eine un­geheure Menge von Agenten und Vermittlern dieser Transaktionen weit mehr, als seinerzeit der deutsche Grundstückseigentümer für fein Wertobjekt erhalten hatte. Diese mühelosen Gewinne genießen also den Ertrag der Ar­beit der produktiven Stände und zwar den Er­trag. der diesen durch Preisdruckpolitik und Kre- dilkontingentierung entzogen wird. Es ist nicht nur der Ertrag des Unternehmers, dessen In­anspruchnahme durch den Eigentümer der Leistung durch die Preisdruckpolitik verhindert wird, es ist auch der Ertrag der Arbeit, der dem Arbeiter entzogen wird, denn auch sein An­teil an der Ware wird durch die Preisdruck­politik geschmälert. Aber gerade das, was die Eigentümer der Leistung für ihre tatsächlich produktive Arbeit nicht erhalten dürfen, das geht in die mühelosen Gewinne, das kommt ucbt dem deutschen Volke zugute, sondern irgendwel­chen Parasiten, zum großen Teil ausländi­schen Schiebern, deren Begünstigung selbst durch Staatsbanken nunmehr auch durch die Barmat- und Kutiskerikandale der Oefsentlich- keit bekannt geworden ist.

Man soll sich immer vor Augen halten, wel­ches die furchtbaren Auswirkungen der amtli­chen deutschen Preisdruckpolitik sind. Durch pro­duktive Tätigkeit der produktiven Stände ent­steht in jedem Falle der Wert, dessen Inan­spruchnahme durch die Eigentümer der Leistung die amtliche Preisdruckpolitik verhindert. Aus diese Weise, da der Wert sich doch irgendwie äußern mutz, wird das, waS ehrlicher Arbeit ge­hört und durch rechtmäßigen Verbrauch wieder so und so vielen deutschen Volksgenossen Beschäf­tigung geben könnte, in mühelose Gewinne, in die Hand von Schiebern gepretzt. Es sieht sehr sozial aus, daß die Regierung angeblich im Interesse des deutschen Volkes die Preise herab­zudrücken sich bemüht. Aber dem deutschen Volke wird aus seinem Wir1schafts«mlaus die Summe der Preisdifferenzen entzogen, um mühelose Ge­winne möglich zu rnnckien. die sonst nicht existie­ren könnten, sodaß mit oüer Einschränkung der produktiven Elemente in Deutschland nichts an­deres verbunden ist, als gewissenlosen Sch ehern und Spekulanten gute gew'nnreiche Geschäfte und ein parasitenhästes Leben zu fundieren. Wir hören, datz die Regierung von ihrer Preis- senkungspolitik nicht abgehen will und Rückz h- lung kurzfristiger Auslandskredite in Devisen, für deren Vorhandensein die Reichsbank in großem Umfange vorgesorgt Hal, wird dazu fuh­ren müssen, das Kontingent der produktiven Kre-

dite weiter zu verengen, weil die Kreditinan­spruchnahme für die Rückzahlung kurzfristiger Auslandskredite das von der Reichsbank für Kredite festgesetzte Kontingent erheblich belaßet. Wenn so die Inanspruchnahme der geschaffenen Werte durch die Leistenden selbst verhin­dert wird, so werden sie mühelos enen zufallen, die das deutsche Volk aussaugen. E. P.

Kassel im Staats ankdrama

Geheimrat Hellwigs Flugzeugtransport.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 2. Januar.

Die Afsäre Kutisker-Preutzifche StaatSbank hat gestern eine neue Ausdeh­nung erfahren. Geheimrat Hellwig und Ministerialrat Paultz sind nach ihrer Vernehmung verhaftet worden Der Gegen tand der Anschuldigung ist Verbrechen im Amte.

Geheimrat Hellwig ist von Kriminalbeamten in einem Flugzeug von Kassel abgeholt worden, wo er sich erholungshalber aushielt. Ter Abflug erfolgte auf dem Waldauer Flug­platz. Die Polizei in Kassel hat dem mit dem Flugzeuge erschienenen Staatsanwalt zuerst Be­denken entgege,--. gebracht, da man daran zwe:- elte, es mit einem wirklichen Staatsanwo.lt zu tun zu haben. Erst nach tel-phonischer c'nfrag- heim Berliner Polizeiprä dium gab men

dem Staatsanwalt Kasseler Kriminalbeamte bei, die Hellwig sofort im Flugzeug nach Berlin brachten. Er wurde noch in der Neujahrsnacht vernommen. Tie Nnsiduldtgnngen ge en das wesene Vorstan smitglied sind schwer. In der lebten Nacht wurde von der Kriminalnoliz i auch der Vierte der Gebrüder Barma< verhaftet. Ferner find in der ersten Mo gensiun- de eine Anzahl Angestellte der zum Barmat - Konzern gehörenden Untcrueh- inungen nach Moabit gebracht worden. G e - l, e i m r a t H e l l w i g wird unter anderem vor- arworfen, daß er mehrfach versucht hat, zu ttn- g misten der Staatsbank dem Barmat-Kon» z e r n finanzielle B o r t i l e zuzuwenden.

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le FKSr^cnt tz r ' r omn*.

wahren Frieden herbeisehne, den Frieden, der begründet sei auf der Gerechtigkeit und Achtung des Rechtes eines jeden einzelnen. Man müsse in der Welt den Geist der Solidarität un* der Zusammenarbeit, besser gesagt der Riichsten- ..cve wünschen, daß jeder Dag mehr die Be­ziehungen der Völker unteretnandcr mit diesem Ideal durchdringen werde. Der Präsident der Republik Toumergue erklärte: Man müsse den Frieden in internationalen Abkommen befesti gen und den so fruchtbaren Gedanken der Schiedsgerichtsbarkeit nutzbar machen. Man müsse den Respekt der Verträge, die die poli­tische und wirtschaftliche Charta der Well seien, sicherstellen. Frankreich habe die Ueber- zengung. im. Laufe des abgelatssenm Jahres nach dieser Richtung der gesitteten Welt ein Bet­spiel gegeben zu haben. (!)

Profit N .jistt in Wafvingion.

Newyork. 2. Januar. (Funkmeldung.) Staats­sekretär U u g h e s empfing gestern die Mitglie­der des diplomatischen Korps. Später fanden in den fremden Botschaften die üblichen Emp­fänge der Landsleute statt. Die Besucher wa­ren überall sehr zahlreich erschienen, zumal die diplomatischen Vertreter alkoholische Ge- tränke ausschenken durften.

Von Mund zu Mund.

Die Külnverhandlungen im Gange.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 2 Januar.

Außenminister Dr. Strcsemann hat in feinen hochpolitischen Erklärungen Presseveltre- te-m g-qenüber angekündigt, daß Deutschland über die Räumungsfrage Verhandlun­gen fordert, bei denen alle Meinungsverschie­denheiten ausgetragen werden können. Damit ist eine ganz neue Situation geschaffen. Es ist kaum anzunehmen, daß die alliierten Regie­rungen über das deutsche Verhandlungsangebol hinwegsehen können, nachdem bereits seit eini­gen Tagen lebhafte Vermittlungsversuche im Gange sind. Außer einem diplomatischen Meinungsaustausch ist auch eine direkte Fühlungnahme zwischen Deutschland

und Frankreich eingeleitet.

Berlin, 2. Januar. (Privattelegramm ) In der fürstlich eingerichteten Barmatschen Billa stießen gestern Kriminalbeamte auf nicht weniger als achtzehn Geheimtressors, die wettere wertvolle Schuldbewerse enthtel-en. Ferner fand man in einer regelrechten Schatzkammer viel ko st bare Geschmei­de, Brillanten, Diamanten und andere Edel­steine, die einen ungeheuren Wert darstellen und von der Polizei beschlagnahmt worden sind.

Vor neuen GnthMungen.

Die Politik in der Standalafsäre.

Berlin, 2. Januar.

Die Merkur-Bank a. G., ebenso die übrigen Banken des Barmat-Konzern haben Freitag früh ihre Zahlungen einstellen muffen. Für Zeit wird der Handelsverkehr Barmats von Holland nach Deutschland von der Staatsan­waltschaft nachgeprüst. Die Skandalasfare, die auch Führer einer politischen Partei in die Er­örterungen gebracht hat, dürste auch noch einen politischen Knall-Effekt bringen.

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Stürme auf die Merkurbank .. Reue Sünder.

Berlin 2. Januar (Eigener Drahtbericht ) Im Finanzskandal der preußischen Staatsbank ist die Zahl der Verhafteten auf 29 ge­stiegen. Für heute werden weitere Ver- Haftungen erwartet. Auch gegen eine Anzahl nichtverhafteter Beamten der Staatsbank, so- wie des Kutisker- und Barmat-Konzerns ist das Strafverfahren eröffnet worden. Nach der Ver­haftung der Gebrüder Barmat begann ein Rennen der Etnleger der B a n - (en, besonders der Merkurbank. Die Au8- zahlungen konnten glatt 6eleistet wer­den, da die Staatsanwaltschaft flüssiges Kapttal nicht beschlagnahmt hatte.

Frankreich als Pharisäer.

Neuiahrsempfang in Paris.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 2. Januar.

Bei dem Rerjahrsempsang des diplomatisck n Korps durch den Präsidenten der Republik Doumergue hielt der Doyen Nuntius Ceretti eine Ansprache, in der et darauf hinwies, daß man noch mehr als im »origen Jahre diesen

die immerhin einen gewissen Einfluß auf die weiteren Entscheidungen der alliierten Regie­rungen haben dürfte. In London hatten sich die Staatsmänner auch darüber verständigt, im Falle neuer politischer Komplikationen einen persönlichen inoffiziellen Mei- nungsaustausch zu p,iegeu, um dadurch etwaige Schärfen der Gegensätze mildern zu können. Das ZentrumsblattGermania" erin­nert jetzt den französischen Minisiriprästdenten an das von ihm gegebene Versprechen, von Staatsmann zu Staatsmann freimütig und ehr­lich zu sprechen. Die Reichsregierung besteht nicht etwa auf der Abhaltung einer neuen Kon­ferenz, sondern sie würde sich auch damit begnü­gen, datz diese Verhandlungen lediglich auf diplomatischem Wege erfolgen.

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Berlin, 2- Januar. (Eigener Informations­dienst.) Die Note der Botschafterkonftrenz dürfte spätestens am Sonnabend in Berlin überreicht werden. Der Wortlaut der Note ist bereit» sertiggestellt und dürste gegenwän.g den Ge­genstand von weiteren Unterhandlungen unter den alliierten Regierungen bilden.

Europas Pioniere.

Amerika-Deutschland als Handelsfreunde.

(Durch Funkspruch.)

Rcuyork, 2. Januar.

Der Präsident des deutsch - amerikani­schen Handelskammer, Metz, hat er- klärt, datz im laufenden Jahre eine große Aus­sicht auf eine

starke Ausdehnung

des deutsch-amerikanischen Handels beständen. Es unterliege keinem Zweifel, daß Deutschland im laufenden Jahre kurz- oder langfristige Anleihen gewährt würden. Ame­rika habe ein großes Interesse daran, durch sol­che Anleihen die deutsche Produktionsfä- higkeit zu heben. Deutschland hat auch AuSsichlen, in Rußland ein unbegrenztes Feld für seine Tätigkeft zu finden. Amerikani­sches Kapital, deutsche technische Geschicklichkeit und amerikanisches Organisationstalent würden, wenn sie zusammengefaßt würden, in der Welt Wunder verrichten können.

Die Staatsbank.

Die Schicksale der preußischen Seehandlung.

D.e Stanbalaffäte d r Pr.ugii-tzrn Staats- ban:, bie int Ans and a>s dasRisfeupana- tna von Berit ", am posaunt wird, masbt e» notwendig, u ter« Leser über Oie Staats- bank uno ihre Sch dfate zu nnrerr ihren. Im Wandel der Schicksale, die die preußische Staatsbank, die Seehandlung des alten Fritz, während der hunderlfünfzig Jahre ihres Beste­hens erlebt hat, ist nie zuvor ein Fall vorgekom­men, der so peinliches Aufsehen erregt hat, wie die in Verbindung mit den Schiebungen des li­tauischen Finanzmamts Kutisker erfolgte Ver­haftung eines der höchsten Beamten des Insti­tuts. Man muß sich klarmachen, was diese Maßnahme bebutet: Galt doch seit langem bie Seehanblung sozusagen als bas vor ne hm sie unter allen preußischen Finanzinstituten, bellen Geschäftsführung unb Beamte als über jebetn Zweifel erhaben angesehen tourben. Diese ge­wiß zum Teil nur gefühlsmäßige Wertschätzung bankte bie Seehanblung ber Reserve, bie sie sich in ihren Transaktionen seit jeher auferlegt hat­te, bankte sie betn Umstand, oaß sie als preußische Staatsbank vorwiegenb als

Bankier des preußischen Staates galt, dessen sehr bedeutende bare Mittel sic in erster Linie verwaltete Es handelte sich hier früher, als Preußen in feinen Staatsbcftnen noch den größten Geschäftsbetrieb ber Welt be­saß,,um Summen, bie bie Seehanblung inst-nb setzten, jeberzeit als Gclbgebcr größten Stil. e- gulierenb an ber Börse einzugreifen, Fi:., n;, Hanbel unb Jnbustrie mit bcbeutenben Si'-euUett zur Seite zu stehen.

Grndnng unb Name ber Seehanblung ent­stammen Absichten, bie in ber ursprünglich ge« dachten Art eigentlich niemals verwirklicht wor­ben finb. Als Friedrich der Große durch Privi­leg vom 14. Oktober 1772 die Seehandlung in Form einer Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 1,2 Millionen Talern ins Leben rief, ver­folgte er de.i Zweck, der Kontinentalmacht Preu­ßen Mittel und Wege zu weisen, durch bie ber wirtschaftlich mehr unb mehr erstarkenbc Groß­staat Anschluß an ben übeseeiscken Hanbel fin­den sollte. Es war die Zeit, da Englands Macht durch den Handel mit seinen überseeischen Be­sitzungen ebenso wie sein Reichtum immer mehr anwuchs, und Friedrich, ber auch in bieser Hin­sicht als toeitblidenbe, überragenbe Persönlich­keit bie Bebeutung des Ueberseehcmdels auch für fein Land sehr wohl erkannte, hoffte ba wieder anlnüpscn zu können, wo bie schon hundert Jah­re zuvor vom Großen Kurfürsten angcrahntcu überseeischen Handelsbeziehungen aus Mangel an Mitteln im Sande verlausen waren. Zunächst erbielt bie Seehandlung bas ausschlüssige Recht des Ankaufs von spanischem, englischem und sranzösischem Salz, bas si) allein auf eigenen Schiffen einsührcn unb wiederum nach Polen unb Litauen verkaufen bürste. Außerdem erhielt sie ein Privileg für den Handel mit polnischem Wachs und seiner Wiederausfuhr nach Sp^ nien, ferner Zollsrciheit für polnisches Schiffs­baubolz, schließlich Begünstigungen für bie Ausfuhr von Seinen aus bem preußischen Staat. Auch tourben ber Seehanblung in Stettin unb anberen Häsen geeignete Plätz« zur Anlegung von Werften unb Lagerhäusern zngewiesen. Im wesentlichen war also bie Seehanblung ur­sprünglich eine Reeberei im Besitz staatlicher Handelsmonopole. Die zugleich mit ihr begrün­dete privilegierte Ieesalzhanblunasgc- sellschasi wurde drei Jahce ipäter mit ber Seehanblung verschmolzen. Im Jahre 1794 rourben bie Geschäftsbefugnisse der Seehanblung bebeutenb erweitert unb zugleich würbe ihr Mo, nopol auf ben Wacks.handel aufgehoben.

Große Gewinne vermochte bas Institut, hef­ten Verwaltung in ben Hönben einer vom Mi­nisterium abhängigen Direktion lag, im ersten Vierteljahrhundert seines Bestehens nicht zu er. zielen. Es fungierte fcfcrn bamals als Bankier des preußischen Staates, ber zu Beginn ber na­poleonischen Kriege große Krebite bei ber See- handlung aufnahm. Als bie Regierung bem In­stitut im Jahre 1806 einen Krebit von fast acht­zehn Millionen Talern nicht zurückzahlen konn­te, geriet bie Seehanblung in schwere Verlegenheiten unb wurde zofttoeil g zahlungsunfähig. Sie konnte dadurch auch ihrerseits ihre Gläubiger nicht befriedigen, und der Staat mußte 1810 das ganze Unter­nehmen auk eigene Rechnung fortführen. Tas aeschah in der Weise, daß sämtliche Aktion unb Obligationen in Staatsschuld scheine verwandelt wurden, wobei die Seehandlnna den Charakter einer reinen Stoatsanstalt erhielt, die als besondere Abteilung des Finanzministcri- ums verwandelt wurde. In dieser Eigenschaft betrieb die Seehandlung ein Jahrzehnt hindurch alle Geld- und Wcchsclgcschäste für den Staat.