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Meier Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

Sonntag, 11. Januar 19?5

Nirminei 9.

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Zinanzmimster Luther als kommender Mann

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von einem bevorstehenden scharsen Zollkrieg.

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Berlin, 10. Januar

Jahre 1902 i n Kraft.

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französischen Vor­provisorium ab-

Zerrissene Wiltichastöfesseln

Der vertraqslose Zustand mit Frankreich. (Eigener Jnsormationödienst.)

Mit dem heutigen 10. Januar tritt der Deutsche Zolltarif vom

Wird es Dr LuPer gelingen r Erbitterung in den Kreisen der Linksparlciler. (Eigene Drahtmelsung.)

Krisen ohne Ende.

Ohne Regierung, Köln und Handelsvertrag.

wirtschaftspolitische Handlungsfreiheit gegenüber Frankreich zurückerlangt. Selbstverständlich kann damit noch nicht von dem

W le® »Wils »in Milt*

Berlin, 10. Januar. (Prwat-Telegramm). Nach einer Hntettebung des Reichsprafidenlen mit Dr. Stresemann ist dem Reicksfinanz- Minister Dr. Luther die Regierungsbildung angeboten worden. Dr. Luther erbat fich jedoch eine Bedenkzeit und versprach dem Reichspräsidenten, sofort eine Sondierung bei den parlamentarischen- Führern vorzunehmen. Seit heute früh hält Dr. Luther ununterbrochen Besprechungen ab.

Der gegenüber Frankreich dir deutsche Regierung den schlag über ein Wirtschaft l e h n t, hat also das Reich fe

Heuerlichen Ansinnen Frankreichs bezüglich eines neuen Wirtschaftspaktes die klaren und unan­tastbaren Belange des deutschen Wirtschafts- lebens entgegensetzt. Der ehemalige Oberbür­germeister von Essen ha- als Finanzpolitiker Proben eines energischen, zielbewußten Willens abgelegt, den ar nun in größtem Maßstabe totrD betätigen können.

tinter toter Bugen

Pariser Geplauder der Finanzminister.

(Eigene Drahimeldung.»

Paris, 10. Januar.

Die Delegierten, die gegenwärtig in Pri­vatunterredungen über die amerikani­schen Ansprüche unterhandeln, erklären, daß bis zur Stunde kein Ergebnis erzielt wor­den ist. Beide Parteien verteidigten hart- nfttfifl ihren Standpunkt In London ein­getroffene Meldungen besagen: Man glaubt, daß wieder die Amerikaner die erste Geige spielen, während Clernentel eher die Rolle eines Beobachter« erunehme. In den Unterhandlungen E h u r ch i l l s mit Cle­mente! und T h e u n i 8 stnd wahrfchenilich die französisch-belgischen Prioritätsrechte zur Sprache gekommen. $n der gestrigen Kon- erenr unter HerriotS Vorsitz hat auch ein Meinungsaustausch über jene Probleme stattgefunden, die nickst auf der Tagesordnung der Konferen, stehen, die jedoch Gegenstand der Unterredung zwischen Churchill und Clemente! waren. In einer Unterredung zwischen der belgischen und ber französischen Delegation stver BelgienSAnsprüche gingen die Meinun­gen stark auseinander. Der Unterschied zwischen ter belgischen und bet französischen Ansfaffung beträgt zweihundert Millionen Gold­mai k ftngtnnb ist dafür, daß da? belgische Prioritätsrecht so rusch als möglich ausgelöscht wird, sodaß nachher die prozentuale Einteilung klar «regelt werden könnte. Die Frage der mlgischen Priorität ist dadurch zum Angel­punkt der Unterhaltung geworden.

Der Rus des Volkes in seiner schwersten Stun­de ergeht an sie zur Abwehr eines R.chtsbruchs, wie er seit den Tagen von Versailles, seit P o i n. car^S Raubzug an die Ruhr, nicht schändlicher an uns verübt wurde. Gibt es ein ehrenvolleres, leuchtenderes Ziel für einen Diplomaten und Patrioten zugleich, als einem vetgewalt'gten, toi^ von Ruten gezüchteten Volk beizuspringen und es durch ein Notes Meer des Leids in ein beste- res Ziikrinstsland zuführen? D--nn diese Er­kenntnis wird heute auch jedem Versöhnungssa- natiker und Weltsriedensträumer wie ein Schwert durchs Her, gehen, daß für Monde hm- aus alle trotz unerhörter, täglicher Demüti­gungen gesponnenen Friedenssäden zerrissen und zersetzt am Boiden liegen. Und die Hand des Deutschen, die sonst bei einem ähnlichen Faust schlag ins Gesicht in teutonischem Zorn ans Sckwert gefahren wäre, ballt sich in der Tasche zur Faust, um sie bann . .. abgetoanbten Blickes den Pharisäern am Rhein entgegenzustrecken, ^enn was bleibt uns anderes übrig, als mit kühlem Kops und heißem Herzen sich den Versail» ler Marterinstrumenten zu entwinden, die mit ihren oierhundert Paragraphen, wie selbst englr. sche Blätter in seltener Ehrlichkeit zugeben, uns in ewige Fesseln schlagen können..

Inzwischen ist D e u t s ck> l a n b dem Mach­und Schandwerk der Botschafter-Kolnnote die Antwort nicht schuldig geblieben, wenn b*e wuchtige und überzeugende Sprache au8 dem Munde einer rechtmäßigen Regierung auch lauter um den Erdball gehallt hätte. Auch die ersten Worte der nengewählten Reichs- und L a n d I a g s p r ä s i d e n 1 e n galten ent­rüsteten Protesten gegen diese Verlängerung der Qual am Rhein, wenn man auch gewünscht hat­te. daß beide Parlamente geschlossen und Wie ein Mann gegen diesen Volkssrevel aufge­standen wären Von leidenschaftlichem Schnur-a erfüllt war auch die K ö 1 n a 11 a d e des M l n v sterpräsidenten Braun im Landtag. Schade nur, daß ihre Stoßkraft an Parteiklippen

Berlin, 10 Januar.

Bei den Bemühungen Dr. Luthers am ein neues Kabinett hat inzwischen die deutsch- nationale Partei di- deutsche Bolkspartei wiffen taffen, daß sie btret ,et, an der Regie­rung teilzuneumen. wenn ihr

vier Ministerstne im Kabinett dngeräumt nut den würden. Die Deutsche Bolkspartei dürfte die Ansprüche Der Deutschnationalen «merken- nen Eine entsch.-idende Rolle spielt die Frage, wie sich das >z e n t r « m verhalten wird, Denn ohne Zentrum werden b;- Rechtsparteien fchwerltch eint parlamentarische Mehrheit zu- standebringen Rachd-m bet Reichskanzler roe- g,n bet volksparteilichen Ankündigung -inet verschärften Oppostion feine Be- mnhilngen eingestellt statte, herrscht in ben Krei­st n des Zentrums die größte Erbitterung Die Sprache des Zentrnmsblartes beweist, wie außerordentlich groß die Berstimmunq in den Zentrums kreisen .st und daß man mit der Möglichkeit einer Sabotage bet Regierungsbildung durch da« Zentrum zu rechnen haben wird. In ben Linkskretsen rechnet man mit einem

Scheitern Der Bemühungen des Ministers De tuttjer

und sucht nunmehr den R-ichspräsibenten dahin zu beeinflussen, daß er einen Sozialdemokraten mit ber Kabinettsbildung beauftragt.

Worum Marx verzichtet.

An ber VokkSpartei und Dr. Luther gescheit-rt.

Rings um den Dom.

Ein Spaziergang durch die Breslauer Altstadt, e.nee unterer Mitarbeiter plaudert im folgen aeuSteiiebrtef vo.deu ft im mbereeteii,f;ommen Wunoeru im Schar.en ve Bresiaue. D-rnc«, die t6m nacQ eine- rafth gefcb offenen SReifebe- kann»,«haft ein kattzott|chee«e.ftt.therd-rm.tieite

Breslau, im Januar.

Es war ein klaret Winternachmittag. Der Schnee hatte jedes Stücklein vorspringenden Mauerwerkes mit weichem Finger nachgezeich- uet, scharf hoben sich die Zacken und Firite von dem dunkelnden Himmel ab. Hinter den gott- ;"d,-en Spitzbogen fenstern flammte das Licht aus. ilHan sah in warmtönige getäfelte Zimmer. Hin- :er grünen Tischen saßen die Väter der «ladt, und berieten über ihr Wohl und Wehe.

.Sie werden sich wundern," sagte der Pater, daß man die kleinen Veriaussbuden vor dieser Perle gotischer Baukunst stehen läßt. AVer oas ist ganz fein ausgeklügelt. Wenn man sic weg- nähme, würden die umliegenden hohen Gc- schäftsgebäude das arme, zierliche Rathaus er­drücken. Durch diese kläglichen Bauten wird die vermittelnde Linie zwischen ihm und Sem inodernen Bauten gezogen. Der Fremde konnte sich nicht von dem anziehenden Anblick losreißen.Ich habe das nicht für Mötzlich ge­halten", sagte er erstaunt,wir Kaufleute au» dem Westen kennen ja vom Osten nur die Lano- larte und die Baynhöse."

.Jetzt werde ich Sie in mein ureigenstes Reich geleiten," sagte der Geistliche lächc'nd, ins Domviertel". Sie gingen dura; ne schmalen,Straßen der Altstadt, die nichts be>oa- deres au.weisen, die verräuchert und winklig sind, wie viele in den alten Städten der vcur- 'chen Lande. Bis sie plötzlich vor einem ur- alten Kirchlein standen, das eher einer Miniatur Festung, als einem Gotteshaufe glich- Es war die M a r t i n i k i r ch e, die älteste der Stadt, die das Einsallstor zur Dominsel bil­det. Aus ihrem Mauerwerk bröckeln die Steine. In halb erblindeten, winzigen Fensterscheiben brickt sich das letzte Licht des sinkenden Tages. Die morsche Tür hängt schief in den Angeln, und das schlichte Holzkreuz ist vom Sturm und Regen arg mitgenommen, rüber tritt mau in den angrenzenden Hof, wo alte Fässer und aas- rangierte Kastenwagen ein beschauliches Dasein iühren, und hohe Nußbäume ihre schneeschweren. Aeste neigen, da guckt durch eine Miuerlücke der nadelspitze Turm der Kreuzkirche. In 1 oanz unwahrscheinlicher Schlankheit steht er oa. i Werkwürdig still ist es in den verschneiten Gas- : sen des Domviertels. Sogar das Spiel der lol- . lenden Kinder wird hier nicht laut und lär- i mend. Im Hintergründe stehen warnend die : Domtürme, und ihre strengen Finger zeigen I ernst und verweisend zum Himmel empor.

Bu Kaneiei »ttuenei. Mad>tid)ieii mdirinei. mo<6eiitlldi >cd>emei aatijmuiage Bei #Ibonnemeiii9prei» beträgt Hh oen Monat 2. DU bet rerer Zustellung tn« vaue in ber itielcbäiioiieUe abgebob >.ni»Mk. Durch die Pob monatlich 2JKI fflt ausichiieniich rfufteUiin«8>iebübi Berlao und Redaktion Lchlachtboistratze 2H/30 .ternfpreiber i)5i lind »52 Mr unverlangt eingefanbte Beiträge kann die Re- ttiftion eine Berantwortun« ober Gewähr in feinem stalle übernebmen. Rück- flbiung des Benugsgeldes oder «nivriiche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger .'teirrnnn« nnSoeirhlonen -Hottfäterffontn Aranffur' a Main Nummer 63H(i

legung des Versailler Vertrages beruhen. (!) Es handelt sich nicht um eine Frage der Ver­längerung der Besetzung alsSantion", sondern um eine Weigerung, die Besetzung zu beendigen, da Deutschland die Bedingungen des Vertrages nicht erfüllt habe, wobei zu bemerken fei. daß efetzung auf fünfzehn Jahre festgesetzt wor- Jci mit dem Versprechen allmählicher Räu­mung in Etappen, vorausgesetzt, daß Deutsch­land seine Verpflichtungen erfülle. Man sei der Meinung, daß es nicht Sache Deutschlands sei, Darüber zu urteilen, ob die deutschen Verstöße so besckiafsen seien, daß sie die Schwere der von den Alliierten getroffenen Entsckreidung rechtfertigen.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 10. Januar.

Der Entschluß des Reichskanzlers Marx, feinen Auftrag zur Kabinettsbildung zurückzugeben, ist zur Reffe gelangt, nach- dem die Deutsche Bolkspartei erklärt hatte, daß sie sowohl gegen ein mehr aus Zen itum und Demokraten gebildetes Kabinett tute auch gegen ben Fortbestand bes jetzigen Kadi- netts unter Ergänzung durch Staatssekretäre die schärfste Opposition machen wirb, nachdem auch die Bayerische Vollspur- t e i und die Wirtschafispartei sich ab­lehnend verhalten haben und endlich auch Mi­nister D r. Luther erklärt hat, baß er in einem nur burch Staatssekretäre ergänzten Ka­binett nicht verbleiben werde. Gestern abend gegen 6 Uhr hat Reichskanzler Marx dem Reichspräsidenten ben Auftrag zur Kabinetts­bildung endgültig zurückgegeben.

Ausbruch e i n es Z o 11 k r i e g e s zwischen Deutschland und Frankreich gesprochen werden. Diese Gefahr roürro erst akut werden, wenn die französische Regierung jetzt ihrerseits einen A b- bruch der Wirtschastsverhand.ungen herbcifüh- ren und ben französischen Zolltarif gegenüber Dentschlanb erhöhen sollte.

Poris, 10. Januar (Privat-Telegramrn.) Dir Handelsaussckuß sür das Saar- gebiet hat in einer Vollsitzung eine Ent- ,»Hebung angenommen, worin die Ent- sindung einer saarländischen Delega­tion nach Paris gefordert wird, um an den deutsch - sranzösischen Handels­vertrags - Unterhandlungen teil» , unebmen. Die sranMsche Prcffe hosst, daß Treudelenburg mit einer günstigen Ant­wort in Bezug aus den modus vivendi in MrriS eing troffen ist. Andere Blätter sprechen

Einzelnummer 10 Pf Sonntags IS Pk 15.

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Rotterdam, 10. Januar 'Privattelegramm.) AuS Paris wird gemeldet: Der belgische An- trag, der in der gestrigen Sitzung der Finanz- kommifsion begründet wurde, sieht ein Pro­visorium für das kommende Jahr und den

Zusammentritt einer neuen Konferenz vor. Ein Berichterstatter schreibt: Wir haben den Eindruck erhalten, daß, wenn die Gegen- sätze zwischen Frankreich und Amerika tut- überbrückbar erscheinen, man den belg-scheu Antrag als willkommenen Ausweg begrüßt.

Die GGnssfss-r- unterwegs.

Bor dem endgültigen Bericht.

(Eigene Drahtmeldung.)

Genf. 10. Januar.

Der PariserWatin" meldet auS Berlin: Die Sontrollkommisfion wird am Montag wird-r nachBcrlin rnrückkebreti. Sie mir» alsdann das Ergebnis ihrer Kontrolle deS deutschen Luftschiffbaues fertigst«llcn, ber noch vor ber nächsten Woche na» PariS ab- geften soll. Dann wird der vorläufige Abschluß der Kontrolle in Deutschland unrliegcn und die Alliierten »erben zu endgültigen Schlüssen ge­langen können Die nächste Sitzung des Bvt- schasterrates wird am Freitag kouimeuder Woche ftattfinben.

zerbrach.

Hier hat also jede neue Regierung den Hebel anzusetzen, denn der endgültige Kontrollbe- richt wird noch viel schwereVerfehlungen Deutskchlands in die Welt posaunen u. die zweite Entwaffnungsnote spicken. Darum:Kanzler werde hart!" Erlöse uns von Niedertracht und Schnüffler, <tib uns Ruhr und Rhein wieder und ringe Dem gallischen Hahn auch seine Winschasts- klauseln ab. die er uns, ähnlich wie das Versail­ler Diktat, wieder übers Haupt stülpen möchte. Tenn nach dem Bericht des Delegierten Staats­sekretärs T r e n d e! e n b u r g ist das von Frank­reich ausgearbeiteteProvisorium" nichts _al§ eine dreiste Herausforderung und enthält gänz­lich unannehmbare Vorschläge mbezug aus Mei t- begünsttgung. Zolltarife usw. So tritt benn also auch h>er von heute ab der v e r t r a g 1 o s e Z « staub ein. bei dem Frankreich ausnabrnswetie einmal ben Kürzeren zieht, ba Deutschland jetzt, ohne etwas zu verlieren.setne Tarse in Kraft setzen kann. Freilich tragen aus beiden «eiten bte Konsumenten dre bitteren Kosten.

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QIu<h ttn Skandpunk in btr Kvlnfraye.

«nnbon, 10. Januar. Reuter meldet aus Paris, bie- Botsckmfterkonferenz halte bte juri­stischen Beweisgründe in ber brutschen Antwort­note für wertlos, da sie auf einer falschen AuS-

Ja und da ist der Tom nun selbst. Ein ro­mantisches Portal, in dem frühgotische Fabel­tiere herumkriechen und den Besucher forschend mustern. Die zwölf Apostel behüten den Ein­gang. Die heilige Hedwig Breslaus Schutzpatronin lächelt milde und gütig. Eiv segnender Christus breitet seine Hände. Haid, dunkel träumt das schmale Mittelschisf. Durch die hohen bunten Spitzbogenfenster rieselt letztes fahles Schneelicht. Rot glüht die ewige Lampe. In einer Seitenkapelle wird gebeichtet. Flü- sternde Stimmen durchraunen den stillen Raum. An dem rotblonden Haar einer knieenden Frau fängt sich ein verirrter Lichtstrahl. Goldene und silberne Statuen blitzen geheimnisvoll aus dem Dämmern. Zu einem Seitenausgang gingen die beiden Herren hinaus und wendeten sich bann der Treppe zu, die zur Kreuzkirche empor­führt. Unter ihnen lag die w u ch 1 i g e M a s s e ves Domes. Allerlei Stile waren da zusam- mengefiigt und bildeten dock» ein einheitliches Ganzes. Uebcr einer von Grünspan leuchtenden Kuppel schwamm die silberne Gondel des jun­gen Mondes. Aus dem abseits liegenden, breit» ragenden Barock des Konviktes schallten fvsche Knabenstimmen empor. Da ein Glocken­zeichen, und alles war still! Sie stiegen hinab und gingen gedankenvoll und schweigend durch die ruhenden Straßen. Die breiten Fronten der Kurien lagen matt erhellt. Ein Johannes von Nepomuk streckte seine flehenden Arme be­schwörens gen Himmel. Aus einem geöffneten Fenster fielen die sckmeichelnden Klänge eines Mozartmenuetts. Kaum eine Autohupe tönte aus der Ferne. Die Ober wälzte ihre trägen Wellen mit ganz leisem, heimlichen Rau- sehen. Ein verlaffener Kahn schaukelte unter den kahlen Westen einer tief geneigten Trauer- weide.

Sie gingen über die geschwungeneDom- brücke. Als sie an den stetnernen Gewalten Johannes des Täufers und der heiligen Hcdwtg vorbeikamen wandte sich der Geistliche an seinen Begleiter:Ich werde mich hier von Ihnen der- abHtiebe«, denn ich wohne im engsten Bann­kreis dieser Heiligen, in der Rahe des fürst- bischöflichen Palais."

Nun sind auch die letzten Bemühungen des Reichskanzlers gescheitert, ein überparteiliches oderBcamtenministerium" zusammenzuvrtn - gen und das von uns schon gestern aiigedeuleie Ereignis eingetretcu, daß Finanzminister Dr. Luther mit der Kabinettsbildung beauftragt worden ist. Wie seine Bemühungen auslaufen werden ist nodi völlig ungewiß, sodaß wir auch am Ende dieser dunklen Woche kaum noch em Licht am Horizont aufblinken sehen, daß nun endlich wieder Ordnung in das Chaos bringen soll. Auch ob den in die Bresche tretenocn neuen Männern eine lange Lebensdauer als höchste Reichsbeamte beschieben sein ivirb, steht dahin, wenn auch die großen Verdien st e Luthers um die Sanierung der deutschen Wirtschaft und Reichssinanzen zu manchen Hoff­nungen öerecht'gen. Und gerade die gegenwär­tigen Handels- und Finanz) rodleme schreien ja nach einem hellen und überragenden Kops, falt nach einem Finanz- und Wirtschastsdiktaior, der den in Paris versammelten Finanzkapilä- nen scharf aus die Finger steht und dem unge-

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