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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

D>< stqnelet «eueften S/adjtidjten ctidieinen wöchentlich ieLSmai nottimittags Det WDonutmenttoret» beträgt fär oen Monat L- Ulf. bet kreier Zustellung '"SaaA.'« Lelchätisktelle abaedoli l.HO Mk Durch die Poff monatlid) L'XiMk attiltblteMt* 3nfteaun88aebflht. Verlas und Redaktion SchlachtboMrahe 2W80. >?enif9tett>er IW1 und 952. Mr unverlangt emgefanöte Beiträge kann die Re» 'aktton et ne Beran nvortu na oder (ÄewLür tn keinem ftalk übernehmen. Rück- litolung des Be»ugrgelde8 oder Ansprüche wegen etwaiger nttfit ordnungsmäßiger Vteferunn »ft ausgeschlossen Postscheckkonto R-rnnflnrt a Main Nummer 6.W

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Hessische Abendzeitung

tPutltrt'e 6 etnjKhiiimmet 10 Ps Sounings 15 Pf

Dienstag, 20. Zanuar 1925.

Einzcttiitmmrr 10 Pf . Sonntags 15 Pf 15. Jahrgang

Frankreich und der deutsche Fleiß.

Danzigs Martyrium.

Polen gegen England und den Völkerbund.

Um Tanzig ist über Nacht ein scharfer Kon­flikt entstanden, und es sieht ganz so aus, als wenn sich eine ernste Frage daraus enttoideln sollte. Die polnische Presse schäumt üver in wütenden Betrachtungen gegen Tanzig und den Völkerbundskommistar, und die englische Presse äußert ernste Besorgnis. Ter Konslikt geht in Wirklichkeit um die Souveränität Dan­zigs. Das polnische Konsulat in Danzig hatte über Nacht tn rechtswidriger Weise tn der gan- zen Bannmeile der Stadt polnische Briefkästen anbringen lassen Diese offenkundige Verletzung der Danziger Staatshoheit hatte jugendliche Nationalisten veranlaßt, die polnischen Brief­kästen mit deutschen Farben zu übermalen. Darob große Empörung bei den Polen. Aus Warschau stellte man an Tanzig die ultimative Fordert!. j nach Entschuldigung und Genug­tuung. Der Danziger Senat bedauert in seiner Antwort die Vorfälle an sich, lehnt aber das polnische Verlangen mit großer Deutlichkeit ab und protestiert aufs schärfste gegen den Ein­griff in die Danziger Staatshoheit. Der als Schiedsrichter angerufene Völkerbundkomniifl.tr Mac Donnell schlägt vor. die Posibriefkästen wieder entfernen zu lasten. Polen habe eine vollendete Tatsache in Danzig geschaffen, es sei notwendig, die Briefkästen zu entfernen,um weiteren Zwischenfällen vorzubeugen* Ter pol­nische Vertreter lehnt indesten die Erfüllung die­ses Wunsches des Bölkerbundkommistars ent­schieden ab, und nun erklärt der Kommissar, daß er den Danziger Senat ermutigen werde, die Briefkästen zu entfernen.

Ter polnische Ministetrat tritt zu­sammen und beschließt, die ablehnende Haltung des polnischen Ministers Straßburger gegrn- über der Mac Donnellschen Empfehlung voll und ganz zu unterstützen Schließlich erklärt Polen, daß es die Vermittlung deö Völker­bundes in Genf anrufen muffe. In gleicher Weise wendet sich auch Mac Donnell darauf an d.is Generalsekretariat des Völkerbundes So spitzt sich also der Konflikt zu einer hochpoliti- scken Angelegenheit von europäischer Bedeutung zu Mit einer Schärfe und Anmaßung, die nicht zu überbieten sind, wendet die polnische Presse sich gegen den englischen Völkerbundkommistar. ja sogar gegen England selbst. Die Post­frage wird zu einer Prestigefrage gemacht. Der polnische Vizepremier droht ganz offenkun­dig Gewalt und Repressalien gegen Dan- zig an. In vollkommener Respektlosigkeit ruft er dem englischen Kommissar zu:Wir kennen jedoch keine so hohen Aemter noch so große Na­tionen, denen wir gestatten könnten, uns rechts­widrig zu behandeln, niemandem und um kei­nen Preis werden wir gestatten können, uns wie eine Negerhorde zu behandeln.' Polen provoziert also nicht nur Danzig, sondern auch den englischen Kommissar, besten Ab­be rnfung eS verlangt, und letzten Endes auch die englische Regierung. Auch für Eng­land handelt es sich jetzt um eine Prestigefrage.

Der Ausgang deS Streites, der zunächst ein Streit um Briefkästen war und heute ein Streit um die Machtbefugnifle des Völkerbundes ge­worden ist, wird aber und darüber muß sich auch der Völkerbund klar sein für das Ansehen des Bundes, ja für seine Eristenz von ausschlaggebender Bedeutung sein. Wir wol­len es gan, offen aus sprech-»: Veranlaßt der völkerbundkommistar den Sen-, der Freien Stadt zur Entfernung der polnischen Brief­kästen, wozu er rechtlich durchaus in der üag- ist, so kann er dir Verantwortung nur dann Lbernehmen, wenn er Machtmittel, nicht nur Moralischer Natur, zur Verfügung hat. um Danzig gegen einen bewaffneten Vorstoß Po­lens zu schützen. Gelingt es dem Völkerbund- kommiflar aber nicht, seine Absichten gegenüber Polen durchzusetzen, so ist damit dir Ohn- macht des Völkerbundes in seiner fetzi­gen Zusammensetzung klar bewiesen. Schon die nächsten Tage können für die getarnte internationale Lage entscheidend fein. Dt.W.R.

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Da« größte e>o oatrnvvik der Erve.

Paris, 19. Januar. (Privastelegramm) Kriegsminister Rollet hielt bet einer Kund­gebung eine Ansprache, in der er nach rfiwfleien Ausführungen über den Gedanke» der bewaff­neten Nation erklärte, die Vorbereitung für den Militärdienst fei die Vorbedingung für

die Reorganisation des Heeres, über die die Rcgiernng demnächst einen Gesetzentwcktf vorlegen werde. Diese müsse die Hauptgrund- lage der französischen Sicherheit bUden.

Der große Reparaiionstopf. Wie Frankreich die Mahlzeit »erbautn will.

(Eigene Trahtmeldt. tg.)

Paris, IS. Zanuar.

Die Kammer beschäftigte sich am Sonnabend juctft mit der Gesetzesvorlage über die Schaf­fung etnrS Amtes für die deutschen 3 a d| lie­fe r u n g c n. Frankreich hätte nach der Be­gründung durch den Berichterstatter, bis heute nur für

97 Millionen Goldmark Sachlieferungen erhalten. Diese Zahl sei absolut ungenü­gend. Schuld daran sei natürlich Deutschland, dcffkn schlechter Wille längst bekannt sei. Aber auch Frankreich hätte es bisher unterlassen, das Organ zu gründen, welches für die Ausfüh­rung der Sachlieferungen unerläßlich sei. Man fei ferner den verschiedenen deutschen Vorschlä­gen immer mit großer Gleichgültigkeit begegnet. So fei der Mangel an Organisation ein Grund dafür, daß die Sachlieferungen einet solchen Mißerfolg hätten erleiden müssen. Die Ausführung des Dawesplancs wird uns zwin­gen. schon tu diesem Fahre große Mengen deut­scher Sachlicferungen aufzunchmcn. Tas neue Organ habe nun drei Arten von Operationen vorzunehmen: 1. P r o p a g a n d a zu machen, um Bestellungen an Deutfchland tzervsrzuruieu »sw., 2. Bezahlung der Sachlicferungen -in Deutschland, 3. Cinkasfierung der Sum­men bei den französischen Unternehmungen. DaS Amt stcyt unter der direkten Aufsicht des Ministerpräsidenten und lostet jährlich 800 000 Franken Herriot bedauerte darauf, daß die voraufgegangene Regierung die Sachlieferun^en nicht ausacnutzt habe Tie er- zielten Sachiieferungcn seien außerdem nnge- redit verteilt worden, im besonderen feien Vic großen Geschädigten berücksichtigt worden. Die Regierung werde gezwungen fein, für die kleinen Geschädigten nun zu den SacHlicsernn- gen Znsliicht zu nehmen. Die gesamten Vor­lagen wurden daraufhin angenommen.

Am iBera des Schicksals.

Wie wird Dr. Luther das PartetchaoS meistern? (Prtvat-Telegramm.)

Berlin, 19. Januar.

In den letzten 24 Stunden haben sich die Aussichten Dr. Lutherö einem Berliner Mor­genblatt zufolae eher verschlechtert denn verbeflert Besonders das Zentrum, auf besten Stimme es ankommt, ist sehr ver­stimmt über Kunbgebungen rrchtSstehenber Kreise. In einer Kundgebung her christ­lichen Gewerkschaften heißt eS: Eine RechtSrrgieruna muß in sozialer Beziehung fortschrittlich sein, sonst zwinge ste alle Arbeiter, ohne Unterschieb ber Partei, mit der Sozialdemokratte in die Oppofitton zu treten.

«ampfonsoge v Sommumflen

Berlin, 19. Januar. (Eigene Drahttneldung.) Gestern fanden in Großberlin acht kommunisti­sche Versammlungen gegen die neue RechtS- regterung statt, in denen der Zusammen, schlllß des Proletariats unter kommu­nistischer Führung, die Beseitigung de« Reichs- tags und einmütiger AnschlußanSowjet- rußland gefordert wurde.

Luthers Kanzler-Debut.

Die Parteien zur heutigen Regierungserklärung. (Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 19. Januar.

DaS neue Reichskabinett ist um halb elf Uhr zu einer Sitzung zusammengetreten. ES billigt den Wortlaut der Regierungserklärung, die Dr. Luther heute Abend im Reichstag abgeben wird. Die für heute angefetzte Programmer­klärung des Reichskanzlers Dr. Luther wird auch zu den innerpolitischen Fragen Stellung nehmen, um die Zurückhaltung des Kanzlers nicht alS Schwäche mißdeuten zu lassen. Die Regierungserklärung wird namentlich auf das Zentrum Rücksicht nehmen, daS feine Vorbehalte gegenüber dem neuen Kabinett im­mer stärker betont. Die Regierungserklärung »ringe nach »olkSparteilicher Andeutung eindeu- Kn tiön Ävsdrirck, daß an eine Aenderung des icsirvon NoaierungSkürses nicht gedacht taub, u daß lediglich eine Vcrfchicbüng bet Kräfte ringetreten fei. Die Demokraten und die Sozialdemokratie werden in der Aus­

sprache offen zum Regierungsanariss übergehe». Sie sind in ihrer fchroff ablehnenden Haltung offensichtlich dadurch ermutigt worden, daß Da» neue Kabinett im Auslande und insbesondere in Amerika eine wenig günstige Ausnahme gefunden hat Außenminister Dr. ® tiefe- mann wird insbesondere den Borwurf zurück- weisen, als handele es sich bei dem jetzigen Ka­binett um eine Riwicrung mit antirepublikani- scheu Tendenzen Der Fraktionsvorstand des Zentrums ist bezeichnenderweise durch einen Wortführer des ausgesprochenen linken FlügelS, den Abgeordneten Joos, ergänzt worden, ei­nem der Anhänger deS früheren Reichskanzlers Wirth. Als erste Redner werden in der Aus- fprache Dr. Breitscheidt (Soz.), Graf We­starp (Tschn.), Fehrenbach (Ztr), Dr. Scholz (Bolksp.) da8 Wort ergreifen. Die Abstimmung über das Vertrauen- oder rich­tiger BilligungSvotumdürfte nicht vor Donnerstag ober Freitag erfolgen, wo- bei bas Kabinett eine Mehrheit erhält. Eine Mi- i'orität bc§ Zentrums und der Demokraten wird sich ber Stimme enthalte». Sozialbemokratcn unb Kommunisten werden ablchnen. Auch Dr. Wirth will für die Minderheit des Zentrums in ber Aussprache bas Wort ergreifen.

Zusklzminlster Frenken.

Gestern ernannt.. Saemtsch als Finanzminister? (Eigene Drrhtmeldung)

Berlin, 19. Januar.

Die Verhandlungen des Reichskanzlers Dr Lu»her zwecks Besetzung der noch ausstehenden Ministerposten haben bahiu geführt, baß der Oberlanbesgerichtspräsident a. D. Frenkrn- Köln baS Reichsjustizministerium übernommen hat. Berliner Blätter metben, daß mit ber Er­nennung bcS Reichsfinanzministers heute be­stimmt zu rechnen fei. Und zwar soll bet jetzig Borsttzenbe des Reichsrechnungshofes Saemifch erneut aufgefordert werden, dieses Reffort zu übernehmen. Eine Besetzung des Reichßver- kehrsministeriumS werde vorläufig nicht erfvl fien, da von verschiedenen Seiten für eine Zu amtnenlegung dieses Ministeriums mit einem anderen Portefeuille eingetreten werde.

«

Minister« Werdegang.

Berlin, 19. Januar. (Privattelegramm.) Oberlandesgerichtsprästdent a. D. Dr. Frenken wurde 1904 Geh. Oberjustizrat, 1913 Mi­nisterialdirektor, 1914 Unterstaatssekr'tär im Ministerium für Elsaß-Lothringen und 1916 Präsident des Oberlandesgerichts in Köln, 1922 trat er in den Ruhestand.

Aus gütlichem Wege.

Strefemanns weiche Hand in der Außenpolitik. (Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 19. Januar.

Dr. Stresemann ist sich, wir aus volkspar- teilichen Kreisen versichert wird mit der Partei darüber einig, daß in der Frage der Militär­kontrolle und der Räumung Kölner Zone ein Fehler sein würde, bei de. neuen Regie­rungserklärung sogleich mit einer drohenden außenpolitischen Geste aufzutreten, da dadurch der Weg tu neuen Verhandlungen aufs äußerste erschwert werden würde. Dr. Stresemann hofft, auch die Deutschnationalen davon zu Überzeu­gen, daß daS Kabinett gegenüber dem starken Mißtrauen des Auslandes versuchen müsse, die strittigen Fragen zum Gegenstand eingehender und sachlicher Auseinandersetzungem zu machen.

Variser Wirtschaftsklippen.

Trendelenburg auf dem Wege nach Berlin. (Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 19. Januar.

Der Führer der deutschen Delegation wird, wie wir hören, heute in Berlin eintreffen, um der ReichSregterung über die erneut entstandenen Schwierigkeiten Bericht zu erstatten. Einem Pariser Blatt zufolge wird fofod nach der Regierungserklärung der französische Bot­schafter in Berlin einen direkten Schritt in Sachen der veutsch-franzöfischcn HandelsvertragS- verhandlnngen unternehmen. Dagegen sei nicht beabsichtigt, über die Räumunqsfrag« und Vie Entwaffnung mit Deutschland direkt zu konferie­ren, solange diesen Fragen nicht von den Alliier­ten direkt entschieden seien. Einer Havasnotc zufolge werden am Dirnstag wieder die Sach - verständigen der Schwerindustrie zu­sammentreten. BiS Donnerstag hofft T r r n - vrkeiiburg wieder im Besitze neuer I»- ßruktionen der Rrichsrcgierung zu fein.

Die Lehre von Herne.

Wie sind die Katastrophen zu verhindern?

Das tu chtvar« Uuglttä bet Derne» fo sch eibt ans ein Mitarbeiter, lent» wieder einmal bte allgemeine Aufmerksame«.t am bie Verkehr«. nfic- etbei« und deren Abhilfe bei bet Eisenbahn. D e Gefahr wird vom PublUnm nach einem schwerem Unglück stets über chätzt, nWirtiichtei« ist die deutsche Stsrnbahn bte sicherste der Welt Man rechnet im Durchschnitt bei uns seit vie­len Jahrzehnten mit j ä h r l i ch 3500 Eisenbahn- unsällen und zwar z100 kleinere Betriebsunfälle, dagegen vierhundert

Zusammenstöße und Entgleisungen.

Wenn man beachtet, daß im Jahre 1880 genau so viele Unfälle bei der Eisenbahn vorkamen wie 1924, dann muß man von einer ganz gewaltigen Zunahme der Sicherheit sprechen, denn das heu­tige Eisenbahnnetz ist ein Vielfaches des vor vierzig Jahren. Die Zahlen geben besseren Be­weis: Damals kamen aus ein« Million gefahre­ner Kilometer achtzehn Unfälle, heute auf Der­selben Strecke vier! Auch andere Zissern kann man anführen, solche, die das Puvlikum viel­leicht mehr interessieren: In einem Abschnitt der Nordamertkanijchen Bahnen, der nach Lchiencnlänge genau den Eisenbahnstrecken des Deutschen Reiches gleichkommt, werden jähr­lich im Durchschnitt elftausend Men. schen getötet und hundertsechzigtausend bei Unsällen verletzt, während bei uns mit einer Zahl von 2600 Toten und 8200 Veretztcn pro Jahr zu rechnen ist. Das ist et ,.ganz gewaltiger Unterschied und ein l'ebeutenfc(..<-*j6erunnen iere Eisenbahn. Wer verursacht u..i> ötefe Un­fälle und Zusammenstöße, von dene^'ch im ganzen Reichsgebiet täglich zehn ereigm< Im allgemeinen gibt es drei Ursachen:

Menschliches Versagen, Materialschaden un. Naturereignisse.

Letztere sind die seltensten. Es kommt nicht oft vor, daß Züge im Ueberschwemmnngsgebiet ver­sinken, daß infolge anhaltenden Regens Damm- brllche einen Zug in die Tiefe reißen, oder daß wie jetzt in Herne, undurchdringlicher Nebel Haltesignale verschluckt. Eisenbahn­brände. Bergstürze und ähnliche Gefahren gehö» reit zu den wenig in Erscheinung tretenden Ur­sachen irgendwelcher Ungliickssälle. Viel häufi­ger ist natürlich der Materialjchaden, der auf Abnutzung oder direkte Fehler znrückzufüh- reit ist und bei dem die Achsenbrüche an erster Stelle stehen, während Schtencnbriiche säst gar nicht Vorkommen. Aber das Material ist immer noch zuverlässiger als

der Mensch, der die meisten Fehler hat, die meisten Fehler macht und die Hauptur­sache der Unglücksfälle darstrllt. Der Mensch ist leichtsinnig, oder verliert die Nerven, er eignet sich manchmal für einen Posten nicht, oder füllt ihn schlecht aus. Natürlich sucht sich die Eisen­bahn neben dem besten Material auch die ge­eignetsten Menschen aus, aber oas täuscht oft, auch die Prüfenden können Fehler begehen. Im besonderen aber kann man sagen, daß kein Land der Welt

derart geschultes Personal, einen so glänzend eingerichteten Signaldienst und derart wundervoll funktionierende Bremsen (Kunze-Knorr) besitzt als die deutsche Eisenbahn- verwaltung. Die deutsche Reichsbahugesellschast äußert sich zur Herner Katastrophe wie folgt: Man hat an uns die Frage gestellt, warum die Eisenbahnen nicht Einrichtungen treffen, um die Stellung des Signals durch ein Zeichen irgend welcher Art auf dem Führerstand der Lokomo­tive erkennbar zu machen und so die Gefahren, die aus der

mangelhaften Erkennbarkeit der Signale bei Nebel ober Schneegestöber

entspringen, aus ber Welt zu schaffen. Hierauf ist zu erwidern, daß bei allen bisherigen Versu­chen diese Apparate den Anforderungen, die an le gestellt werden mußten, nicht genügt haben. Angesichts der früheren wenig günstigen Erfah­rungen mit der mechanischen und der elektromag­netischen Uebertragungsweise wurde das neueste Mittel, die Funktechnik in bett Dienst ber Sache gestellt. Die hieraus gesetzten großen Er­wartungen haben sich leider bisher nicht erfüllt. Die Reichsbahn wird aber ttotzdem nicht ablassen, die Frage der Signalübertragung wei­ter zu verfolgen unter dem Gesichtspunkt, daß über kurz oder lang doch mit Wahrscheinlich­keit die

Signalüberlragung auf den Führerstand sich im Eisenbahnwesen Bahn brechen wird. Zweifellos wird man bei dem gegenwärtigen Stande der Angelegenheit bei unS und im AuS. land damit rechnen muffen, daß noch Jahre ver­gehen werden, bis die Aufgabe ber SignalWer- tragung so gelost ist, daß sie in vollem Umfa -ge