Einzelbild herunterladen
 

Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

AnreigenoretteUttnbeiauschelKeschäftSan,eigen Seile20 Wo. auswärtige Äeichäfts- 6röti«en Setie 30 Vf)., Samtlienaazeigen Seile SO Pfg., Kleine Anzeigen 668 Wor i o Neklamen die Seile 76 Pfg. Offeriyebithr 10 Pfg. (bet Snfenba. der Offerten ? » «a,l?ie*2un8^etJ4e Und innerhalb 5 Tg.z« bezahlen. Maßgebend tft der Kurs öe8 SadlunoStager. ftür die Richtigkeit aller durch fternfvrecher aufgeaebenen An­zeigen. sowie für Ausnahmedaien und Plätze kann "ich, garanifert werden, ftür »."'a'M-'kt^efond. fchwterfgeM Satz 100 Pro^Aufschlag. Druckerei: Schlachtbof. kratze M/80. Geschäftsstelle: Köln.Dir. 5. gegenüb.der Soobrftr. fternfor.951 ». 952.

mjÄ'l'ie'J!6*rfchien erscheinen wöchentlich sechsmal nachmittags. maTSS betragt für den Monat 2. Mr. bet freier Zustellung

anst»i?^i^g»n'i?'E>°Ets»elleabaebolt 1.80 Mk. Dur» die Poft monatlich L00M? ^sfckiltetzli» Sustellungsgebuhr. Verlag und Redaktion Schlachtbofitratze 88/30. «periangt einaesandie Beiträge kann die Re- 8*.ae»Sf«tiafrofxrÄUn? °6<£Tt $'IDJ?t,r ,n keinem ftaüe übernehmen. Rück- bes BezugsgeldeS oder Anfvrüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger

' teterunn ist ausoefchlosten. Postscheckkonto ftrankfuri a. Main Nummer 6380

Dienstag, 7. April 1925

Einzelnummer 10 Ps., Sonntags 15 Pf. 15. Jahrgang

Sltlttltnet 82. Einzelnummer 10 Pf, Sonntags 15 Pf.

Hmiotö Stellung schwer erschüttert.

Haupt einzuberufen. Wenn auch nur eine ein­zige Großmacht der Konfrenz fernbleiöc, so sei die ganze Abrüstungsfrage gefährdet.

Man wettet auf OtrrloM Sturz

Genf, 6. April. (Privattelegramm.) Ein Pa­riser Blatt meldet: Aus den SturzHerriors bis Monatsende wettet man zehn zu eins. Die Lage hat eine Verschärfung erfahren, weil die Kammerparteien des früheren nationalen Blocks mit Forderungen an Herriot herangetreten find, die weitgehende Zugeständnisse in der Ruhrsrag« und für die interalliierten Schulden betkesfen.

Die Sünden ter Väter.

Herriot von der Schuldenlast erdrückt.

(Eigene Drahtmeldung.)

Parts, 6. April.

83ei einer linksrepublikanischen Kundgebung er­klärte Herriot, seine Regierung sei für die schwie­rige Finanzlage nicht verantwortlich. Als er die Regierung chüj chckj chckj ch Als er Ministrrpräfident geworden sei, habe die langfristige Schuld 159 Milliarden, die kurzfristige flebenunddrelßig und die schwebende Schuld einundneunzig Milliarden betragen. Da­zu käme« noch die Schulden bei den Alliierten, über die man augenblicklich verhandele. Ein Land mit einer so hohen schwebenden S«wtld sei nicht mehr vollkommen Herr seiner inneren Po­litik. Es habe auch angesichts der äußeren Schuld nicht mehr volle Freiheit über seine Au­ßenpolitik. @t wende sich an alle Franzosen, um das Unheil abzuwenden. Er habe nicht die Av- icht, sich vor den Forderungen der Privilegierten oder vor den Drolmngen der Steuerhinterzieher, die in Massen vorhanden feien, z« beugen.

Wenn da» Schiff sinkt.

Viele Freunde fallen von Herriot ab.

(Eigener DrahtbericÄ)

Genf, fx April.

Die Pariser Morgenblätter stellen fest, daß der Herriot-Block eine neue Niederlage erlitten hat. Bei der Senatswahl für Paris wurde Millrrand mit überwiegender Mehr­heit gewählt. Millerand hat sich nunmehr oer Gruppe der republikanischen Union angeschloffen, deren Führer Poincar^ ist. Mit ihm find die Senatoren Dubois in Brennier, sowie weitere sechs Senatoren der republikanischen Union beigetrcten, die bisher im Senat für die Regierung Herriot stimmten.

des französischen Staates war, die vor sechzehn Monaten Frankreichs aninatzenden Plan, Europa die Stirn zu bieten, unterbrach. Eine Verminderung der Ausgaben für die See- und Luftflotte sowie für die Armee scheine eine ge­bieterische Notwendigkeit zu fein, und so fragt der Lettarttkel desDaily Chronirle", weshalb braucht Frankreich Unterseeboote, Flugzeuge unr. Flugplätze gegen Großbritannien zu bauen?

Herrkots letzter Apekl.

Ein Zehntel des Vermögens für Sen Staat. (Eigener Drahtberichi.)

Paris, 6. April.

< Ein Pariser Blatt glaubt zu wissen, daß Fi­nanzminister d e M o n z i e. der im heutigen Ka- btncttsrat seine finanziellen Pläne unterbreiten wird, vor allen Dingen an den guten Willen aller Besitzenden appellieren wird. Er verspreche ihnen nicht für eine unfichere Anleihe hohe Zin­sen, er werde vielmehr eine frei willige Abgabe vom Kapital fordern, die vier Pro­zent Zinsen trägt. Der Staat werde keine Er­hebungen über daS Vermögen jedes Einzelnen anstcllen, er werde nur fordern, daß der Staats­bürger ungefähr den zehnten Teil seines Vermögens in vierprozentigen Papieren anlege. Er werde es ihm überlassen, die Höhe seines Vermögens abzuschätzen. Auch könne jeder ein­zelne den Zahlungsmodus bestimmen. Rur wenn der Appell an den Steuerzahler keinen haben sich noch ungefähr zehn Senatoren als Opposttionsredner zum Wort gemeldet.

sogar nur auf fünf Millionen Menschen rechnen und ich gestehe zu, daß meine Berechnung jeden- falls die Höchstzahl angibt. Die türkische Zei­tung ,Akscham" schrieb vor kurzem: »Machen wir uns keine Illusionen! Unser Land ist groß. Aoer seine Bevölkerung ist minimal. Es hat eine Oberfläche! von achthunderttausend Qua­dratkilometern, tzber nur eine Bevölkerung von fünf bis sechs Millionen Einwohnern." Der Ge. sundhettszustand dieser Bevölkerung ist trostlos.

Malaria und Sumpffieber,

Syphilis und Tuberkulose raffen Masse» dahin. Die Geburtsziffern sind so gering, daß die Re­gierung mit Prämien an die SJHHtcr von sechs Kindern und Befreiung vom Militärdienst an solche Väter vorgehl, was keinerlei Erfolg zei­tigen wird. Das Land hat keine Aerzte, keine Verkehrswege. Die kleinen, christ­lichen Kulturstätten sind zerstört Das, was früher von Fremden gebaut und beschafft wor­den war, ist zugrunde gegangen. Es wird nichts gebaut, nichts gebessert, nichts gearbeitet. Rur irojekte werden gemacht, wie seit 1878 immer

Projekte gemacht wurden.

Der Handel ist tot. Das Wirtschafisle. ben ist so kümmerlich, daß sich diese 5,5 Millio­nen Menschen in dem außerordentlich fruchtba­ren Lande nicht einmal selbst ernähren können. Dagegen wären notwendig: Aerzte, Apotheken, Krankenhäuser, Malariabekämpfung, Landwirt« chaftssckulen und Mustergüter und ... eine ehr­liche Verwaltung

Anatolien ist rin Trümmcrhausen.

Ob es sich vor dem Schicksal, eine Wüste zu wer­den, je aus eigener Kraft wird retten können, ist mehr als fraglich. Als deutsch« oder englische Kolonie wäre es in drei Jahren ein Paradies an Fruchtbarkeit, Schönheit u. Produktionskraft.

Mahmud Selim,

Der rumänische Hexenkessel.

Feindselige Stimmuna gegen Deutschland. (Eigener Drahtbrricht.)

Budapest, ü. April.

Die Blätter melden aus Bukarest, daß eS »ort am gestrigen Sonntag zu neuen deutsch- kindlichen Kundgebungen gekommen ist und zwar im Anschluß an mehrere Protestversamm- lungen gegen die Entscheidung der Reparations- kommisswn im deutsch-rumänischen Konflikt Bei den öffentlichen Demonstrationen fielen Schmährufe gegen Deutschland. Die deutsche Ge- sandtschaft war vorher polizeilich abgesperrt worden. In den Resolutionen die von den Ver- sammlungen angeno.mnen waren, wird dir so­fortige Brschlagnayme sämtliches deuttcker Vermögen bi8 zur Bezahlung der angeblichen deutschen Berpftichtungen gefordert. Die Regie- rung hat den auswärtigen Ausschuß für Mitt­woch einberufen. Im Verlaufe der Sitzung wird Mitteilung über die regen Deutschland zu ergreifenden Maßnahmen Rumäniens gemacht.

Keine Rettung aus der Krise.

London, 6. April. Die französische Regie­rungskrise und die Rückkehr Mtllerands in den Senat wird in politischen Kreisen viel beachtet und als ein »euer Schlag für die Regierung Herriot angesehen. Ein Blatt sagt, diese fran­zösische Krisis sei viel schwerer als es ftanzöstsche Ministerkrisen gewöhnlich gewesen seien. Selbst Herriots Rücktritt würde zu ihrer Lösung wenig oder garnichts bietragcn können. Ein anderes Blatt betont, daß die finanzielle Schwäche

Hochspannung in Varis.

Paris, 6. April. (Eigener Droh:bericht.) Ter Senat hat auch Sonntag nachmittag getagt, um die Beratung des Budgets für 1925 sort- susetzen. Die Besprechung des Budgets für die besetzten Gebiete wird heute vormittag fortge- etzt. Ministerpräsident Herr tat hat gestern das Ersuchen an den Senatsprästdeuten gerich­tet, die Debatte über die auswärtige dloitti! brs Mittwoch zu verschieben. Außer PoincarF haben sich zehn Senatoren zum Wort gemeldet.

Wie Da! Belgien gewählt?

Der linke Flügel im Vormarsch.

(Eigener Drahtbericht.)

Brüssel, 6. April.

DaS Ergebnis der gestrigen Wahlen für Kam­mer und Senat läßt sich zur Zeit infolge der tarken Wahlbeteiligung noch nicht vollständig übersehen. Erkennen läßt sich jedoch, daß die Sozialisten fast im ganzen Lande Erfolg davongetragen haben. Die äußerste Linke hat den Liberalen, deren Lage ernstlich gefährdet ist, und auch den Katholiken in verschiedenen Wahl­kreisen Mandate abgewonnen. Ueber die ge­wählten Persönlichkeiten läßt sich zur Zeit noch nichts Bestimmtes mitteilen.

nicht vorüber ist. In dem Programm, das drc Regierung zur Sanierung der Finanzen vorbe­reitet, spielt eine große Rolle der Gedanke einer K a v i t a l a b g ave von zehn Prozent. Gegen diese Kapitalabgabe machen sich erhebliche Wi­derstände bemerkbar. Die Loucheur -Gruppe in der Kammer hat bereits erklärt, daß sie diese Maßnahme ab lehnen wird; die Haltung der Briand-Gruppe ist noch durchaus zweifelhaft. Wenn es auch Herriot gelingen sollte, hierfür in der Kammer eine knappe Mehrheit zu finden, so Mt es doch bereits jetzt als gewiß, daß der 'Senat die Vorlage nicht annehmen wird. Was dann geschieht, darüber zerbricht man sich äugen- blicllich in Paris die Köpfe. Von vielen Setten wird die Auslösung des Parlaments verlangt.

Der Krieg wurde in Frankreich fast völlig durch heimische und ausländische Anleihen finanziert. Die Einnahmen ergaben schon 1917 eine Verminderung von 57 Prozent, im Fahre 1918 auf 47 Prozent gegenüber den Ein­nahmen von 1913. Dieser Verminderung der Einnahmen stand eine außerordentliche Steige­rung der Ausgaben für die m i l i t ä r is ch e n und wirtschaftlichen Zwecke der Kriegfüh­rung gegenüber. In den Jahren 19141918 er­gibt sich ein D e f iz i t von rund 1® Milliarden Franken, das durch Staatsschulden gedeckt wer­den mußte. Die französische Staatsschuld, die sich schon in der Vorkriegszeit (1. August 1914) auf 34,2 Milliarden Franken belaufen hatte, be­trug am 1. Januar 1919 151,1 Milliarden Fran­ken Mit dieser gewaltigen Schuld trat die französische Finanzwirtschast in die Nachkriegs­zeit ein. Zu den Zahlungen auf Grund der durch den Krieg entstandenen Forderungen kam der Anlethedienst für die für diesen Zweck auf­genommenen Schulden, die bis zur Eingliede­rung in daS allgemeine Budget wiederum durch neu» Schulden gedeckt wurden.

Hindenburg lehnt ab.

Bleibt FarreS endgültig Reichsblockkandidat? (Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 6. April.

Wie die Berliner Blätter melden, hat Gene­ralfeldmarschall v. H i n d e n b u r g die ihm vom Reichsblock angebotene Kandidatur fiit die Reichspräsidentenwahl aus persönlichen und sachlichen Gründen ab gelehnt. Er hat sich mit aller Entschiedenheit für die Kandida- turJarreS eingesetzt und den Reichsblock er­sucht, wie bisher alle Kräfte zufammenzuhalten. Die endgültige Nominierung von Dr. Jarres durch den Reichsblock am Mittwoch wird nur noch eine Formsache sein. Der Wahlkampf des Reichsblocks für Dr. Jarres wird voraussichtlich schon heute oder morgen ausgenommen werden. Am morgigen Dienstag tritt der Parteiausschuß dere bayerischen Volkspartei in München zusam­men, um endgültig Beschlüsse zu saffen.

*

Der zweite Wahlkampf hat begonnen.

Frankreich als Saboteur.

Wenn dir Abrüstungskonferenz scheitert.

(Durch Funkspruch.)

Newyork, 6 April.

Ein hiesiges Blatt wirft Frankreich vor, die von Präsident Coolidge geplante Ab r ü st u n gs- konferenz Hintertreiben zu wollen, um un ehindert eine militärische und imperialistische Politik verfolgen zu können und zwar ohne Rücksicht darauf, daß es seine Gläubiger nicht bezahlt. Wenn Frankreich sortfahre. von der Gefahr eines deutschen Angriffs zu spre­chen, so sei dieS nur Heuchelei. ES habe selbst kein ruhiges Gewissen und würde bald von der ganzen Welt isoliert sein. Auch Japan will wegen der ablehnenden Haltung Frankreichs der Abrüstungskonferenz fernbleiben Man erttärt, daß, wenn Frankreich diese Konfernez zu torpe­dieren gedenke, es leinen Zweck habe, sie über-

Ein totes Land.

Der Trümmerhaufen Kleinasiens.

(Von unserem Konstantinopeler Mitarbeiter.) Das Land bet Witwen. Alle (Sbriften a«S-

£nt rl*?nL^,,**ontn Einwohner. Gröber als Dentschland. Was dem Land fehlt. Schon die türkischen Dichter der Neuzeit hat­ten Anatolien (der türkische Name für Klein- aßen) vor dem Weltkriege das Land der Witwen genannt. Die fortgesetzten Kriege der Türken und die vergeblich versuchte Unterjochung Arabiens, die jahrzehntelange Kämpfe im mör­derischen Klima des Landes fernen notwendig machte, wurden geführt und gespeist durch den anatolischen Soldaten Schwere Verluste, entsetz, ltche Heeressenchen und ein vollkommen verlod- dertes Aushebungssystem, das arme Leute fünf- und sechsmal alsRekruten" wieder zu den Truppen steckte und dort jahrelang beließ, haben dte Bevölkerung Antatoliens dezimiert. Dazu kommt, daß feit Beginn des Weltkrieges und dauernd bis in diese Tage eine planmäßige

Vernichtung aller christlichen Volkselemente stattgeftinden hat. Die armenische Bevölkerung der Türkei bestand bei Beginn des Weltkrieges aus 1895000 Menschen. Von diesen sind im Weltkriege gefallen oder von den Türken massa­kriert worden 1396 350. Der Rest ist geflohen, diS auf einige Zehntausend, die heute noch in Konstantinopel leben. Die griechische Bevötte- rung der kleinasiatischen Türkei bestand aus rund 1500000 Menschen vor dem Kriege. Hier­von sind an dreihunderttausend von den Türken massakriert worden, der Rest ist geslohen oder ausgetauschf worden. Die Gesamtbevölkerung AnatoNeNS vor dem Kriege betrug etwa 9,5 Mil- liouen Menschen. Davon abgezogen die gemor­deten und vertriebenen Christen insgesamt 3,4 Millionen, bleiben 6,1 Millionen Türken übrig. Im Weltkriege und gegen Griechenland verlor das Land mindestens neunhunderttaufend Men­schen. So haben wir einen Bevölkerungsrest von 5,3 Millionen Menschen, die ein Land be­wohnen, das viel größer ist als das Deutsche Reich. Dazu kommen allerhöchstens zweihun­derttaufend Rückwanderer aus Europa (Ausge- tauschte). Die Sterblichkeit dieser sorglos ir­gendwo Gelandeten ist so entsetzlich hoch, daß zweihunderttaufend wahrscheinlich schon zu hoch begriffen ist. Wir kommen somit auf eine heuti­ge Gesamtbevölkerung Kleinasiens von allerhöchstens 5,5 Millionen Menschen, von denen allerdings 3,5 Millionen weiblichen Ge- chlechteS sind. Es gibt Kenner der Türkei, die

Noch während der Epoche des Wiederaufbaus der französischen Wirtschaft setzten die Versuche ein, auch das Finanzwesen zu sanieren, doch wurden die grundlegenden Resormmaßnah- meu erst im Jahre 1924 vorgenommen. Die Steuerschraube wurde in schärfster Form angezogen und vor allem das Dawesgeld, der Buttzoll deutscher Arbeit mit einer vollen Milliarde in das Budget eingestellt Wie aber und ob Senator de M o n z i e Elementels Sünden abtragen soll, die für 1925 erhofften UeberschÜsse aus der befetten Staatsmaschine herauszuwirtschaften ist fein und HerriotS Geheimnis, das dem gefamten Kabinett gleich­sam den Kovf kosten kann, de Mouzie soll fo= schon geäußert haben, daß nach seine- An- t das Kabinett Herriot nur noch einen kur­zen Bestand haben werde, und er hoffe selbst, der Nachfolger Herriots werden zu kön­nen. Er sei überzeugt, daß er durch eine kurze Arbeitszeit im Kabtnett Herriot nicht sowctt frinprimittlert werde, als daß er für den Posten des Ministerpräsidenten nicht in Frage kommen könnte. In sozialistischen Kreisen erklärt man, daß die Sozialisten entschlossen seien, der Regie­rung ihre weitere Unterstützung zu verweigern, trenn eS nicht möglich wäre, die geplante Vermögensabgabe durchzuffchren. und wenn sie insbesondere am Widerstände des Se­nat^ scheitern sollte In diesem Falle würden die Sozialisten die Auflösung bet Kam­mer und Ausschreibung von Neuwahlen fordern.

Die Deutschen unter sich.

Marxpräludium zur Präfldenteuwahl.

Berlin, 6. April.

Bor ben Vertretern des Bolksblocks führte Präsidentschaftskandidat Marx n. a. auS: Di« erste Pflicht des Staatsoberhauptes ist der Schutz und dir Wahrung der Verfassung, aus

Berlin, 6. April. (Eigene Drahtmeldung.) Eine von mehreren tausend Personen besuchte öffentliche Kundgebung des Berliner Reichs­banners, bei der Bundesvorsitzender Hör- sina eine Ansprache hielt, leitete gestern den Prästdentschastwahlkampf für den zweiten Wahl­gang in Berlin ein. Wie der .Montagmorgen* erfahren haben will, beabsichtigen die republika­nischen Parteien nicht, einen gemeinsamen Wahl­aufruf heranSzugeben. Vielmehr wird jede der drei Parteien eine eigene Kundgebutzg erlassen.

Sein oder Nichtsein.

Wird Herriot die Finanzkrise überstehen?

Die latente Krise, in der sich die Regierung Herriot seit geraumer Zeit befindet, hat akute Formen angenommen infolge des Rücktritts des französischen Finanzministers Clementel, den Herriot kurzerhand preisgab. Clemeniel hat sich zu weit borgetoagt. Er hatte, zweifellos unter dem Druck der Bank von Frankreich, sich entschlossen, den Geldmarkt durch Ausgabe von vier oder sechs Milliarden durch Han­delswechsel gedeckte Noten zu erleichtern, eine Maßnahme, die jedoch bet ihrer Ankündigung im Senat durch den Finanzminister einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen hat. Cle­mentel gibt an, daß seine Maßnahmen die In­flation bekämpfen wollen. Aber nach dem Urteil vieler anderer Leute würde dadurch die Inflation erst hervorgerufen und begünstigt.

Nach den neuesten Meldungen aus Paris hat es den Anschein, als ob die Krise noch lange