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Freitag, 24. April 1925.

Einzelnummer 10 PI-, Sonntags 15 Pf. 15. FaHrgüNg

Drummer 95. Einzelnummer 10 Pf, Sonntags 15 Pf.

Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung «as Hessische Abend-eituna

flmetgenereile. EMbeimilcheÄe,«ä,iSamcigen Zeil?2u tf e_ auSwarttae«e'chmt»- an,eisen Setie 3» Wp. .»amilirnan^ise» «eile 211 Ifta., «leine '21h,einen °as War > 4 Psg. Sieflomen »le «eile 75 Vf«. Ofiertgebühr H> t<fg. (bei «ufenDg. 6erÖrterten »i Pta., ReLnunsSbeerSae finh 'nnervalb 5 t«. ut befahlen. »tanaebenö ift bet «urs oe8 «oblunebteae«. Mr bie Ri<d>isteii aller aurrb iVernforetber aufqeqebenen An» ittoen foroie für »lufnabmebaten nnb *lä6e kann sich' aarantieri werden. Mr #1n,eiaen mit belonb. ftbmitrigem ®a8 UM'Lro,.-Iutf*laa. Druckerei i L-chlachibol- ftrabem/si1 Mekch«k'Sllelle Söln Dir.5. neaeniib.ber »oohrftr i^emfor '151 n. flfi?

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Achverinng auf 201° vorn Reichsrat beschlossen

voll!

achtS

und für die e

Berlin, 23. April.

dereS Blatt

notwendi vert von den, wo

auen stoßen. Ein an- levs hatte vor sich die

Schuld und Sühne.

Die Todesurteile im Leipziger Tfchelaprozeß.

Minister im Ruhestand.

Kabinettswechsel in Republik und Monarchie.

Aus 20 Vrozent aufgetoertet

Was der Reichsrat gestern beschloß.

lEtgener Drahtbericht.)

Berlin, 23. April.

Es wurde bereits die Frage aufgeworfen, ob «S nicht brinnenb geboten fei, bie TodeSur - teile auf bem Knaben Wege in ancere Strafen umzuändern ES hanbelt sich fetzt nickt um bie grundsätzliche Frage der Staatsaator:- tat, die im Zusammenhang mit den letzten Kom- munistenprozeffen immer wieder aufgeworfen wurde, sondern es handelt sick in erf*er Linie darum, inwieweit der Staat von der Mensch­lichkeit unb der Großmut Gebrauch mn* chen kann gegenüber den Opfern kommunisti­scher Versckwörermetboden. gegenüber benjettt- gen verführten Elementen, die bei der voüständi gen Perwirrnna der Reckts'-eariffe der Mei­nung sein sollten, ihrer politischen Uebeczeu gungstreue Waen ts müssen. Diese Gedanken- ^Le'^srdev zuri^tt tu den maßgebenden Po-

m insbesondere der Retchsrc-

AprU bereits ___ _ _ ______ . . .

sein wird. Man wird demnach spätestens bis Montag mittag übersehen können, welcher von den Kandidaten gewählt ist. Die Reichs­regierung wird am Tage des Amtsantritte«, wir wir hören, eine Protlamatio« erlassen.

Mehrheit, die geneigt war, es zu unterstützen, ohne es zu billigen, und eine Oppofition, dir eS für nützlich hielt, gewisse Teile seiner Erklärung gut zu heiße«, dir fick aber angesichts der Zu- fammrnsrtzung des Ministeriums in der lln- möglichkett bchr.br. es zu untcrstünen. Das ist die Erbschaft, die Herriot hinterlassen hat.

Wann ist er gewählt?

Sonntag Rächt daS Ergebnis der Wahl.

lEtgener Informationsdienst.)

Berlin, 23. April.

Bon zuständiger Stelle wird mitgeteilt, dc das vorläufige Ergebnis der Wahl vom 2

ige Geld finden kann. Aber man for- i feinen Gegnern, daß sie Brrtraurn ha-

v. Schlieben: Zu diesem Beschluß habe ich zu erklären: Das Reichskabinett wird sich morgen mit der Frage beschäftigen, ob dir Borlage überhaupt noch für die Reichsregierung tragbar ist, nachdem ihr Charakter jetzt

republik zu errichten.

Es wurde in Deutschland eine Tscheka nach r u s s is ch e m Vorbilde gegründet. Oertlich: Terror-Gruppen waren schon, hauptsächlich im Südwesten, in Mannheim, Baden-Baden und Heidelberg vorhanden. In Mecklenburg und Pommern entstanden die sogenannten Parti­sanengruppen. Ein Mitglied der Kom­munisten, genannt H e l m u t h, hat nach einer Persönlichkeit gesucht, die geeignet wäre, die

gierung selber sehr eingehend erörtert. Man hält die Verurteilten lediglich für Opfer der Partei. Man erinnert daran, daß namentlich der Hauptangeklagte Reumann, der den Mord an Rausch begangen hat, eine absolut weichliche Natur ist. die lediglich durch die Ausstachelung wilder Instinkte zum Mörder geworden ist. Anders liegt die Sacke aber bei dem zum Tode verurteilten Russen Skoblewsky, der als Offizier der Roten Armee und Beauftragter Moskaus den Umsturz organisieren sollte. Daß Skoblewsky niemand anders ist als der russische General Goreff, kann nach Auffassung der maßgebenden Regierungskreise nickt bezweifelt werden. Er wird als das eigentliche Haupt oie- ser kommunistischen Berschwörerorganisation angesehen, der eine Begnadigung nicht verdient habe. Man kann sckon fetzt voraussehen, daß die russischen Sowfetregierung al­les versuchen wird, diesen Skoblewsky freizube­kommen und ihn auf dem Auslieserungsversah- reu nach Rußland hinüberzuretten, und zwar im Austausch gegen drei funge deutsche Stu­tz e n t e >> die wahrscheinlich in Moskau zum Tode verurteilt werden, und die im wahren Sinne des Wortes als G e i f e I n für den pol'- tischen StaatSverbleckr Kkoblewsky von der ruf- fischen Regierung festgehaUen werden. F. R.

munisten, genannt H Persönlichkit gesucht, ... Sache in die Hand zu nehmen. Er hat einen hervorragenden Funktionär von großer Jntelli- genz dafür gesunden, nämlich den Angeklagten Reumann. Helmuth machte Reumann mit den Aufgaben der Tscheka-Gru'.pe bekannt, die darin bestanden, Spitzel in den Reihen der Partei zu beteiligen, weiter prominente Persönlichkeiten außerhalb der Partei, die der Partei gefährlich werden könnten, eben­falls zu beseitigen, wobei unter Beseitigung Tötung verstanden wurde. Reumann wurde von Helmuth beauftragt, geeignete und ent­schlossene Persönlichkeiten für die Gruppe heran­zuziehen. Helmuth ist nun nach Ansicht des StaatsgerichtSboss zweiielSsrei personengleich mit dem Angeklagten Skoblewski. Dann werpen bie Angeklagten ber Morde und Mord- absickten als überführt bezeichnet. Bezüglich der Hochverratsdelikte waren die Stra- fen dem schwersten Gesetz zu entnehmen.

Der Vorsitzende verkündet hieraus, indem sich die Anwesenden von ihren Plätzen erheben das an anderer Steve mitgeteilte Urteil. Der Ang> klagte Hallup und andere Angeklagte rufen: .Nieder mit dem Blmgericht" und .Hoch di« Kommunistisch» Partei". Die Ruser hallen sich bann so. daß sie im einzelnen nicht mehr auseinanderzuhalten sind. Während die An­geklagten aus dem Saale geführt werben, wer- de» auch im Zubörerraum Ru e laut, wie: »Heil Moskau' unb .Selb tapset. Genossen". Einige Äuböret werten den Angeklagten rote Nelken zu Ein Zwischenrufer wird abgetühn. Damit hat die Verhandlung im Prozeß gegen bie Kom- ntunistifche Tscheka, einem der größten, bie je ftaitpefunben haben, nach enter Tau-r von mehr als zehn Wochen ht v», be erreicht.

verlegen unb bis zum vollen Betrage die Aus­wertung fordern, was über bte Kraft ber Witl- «chaft in weitem Maße hinausgeht.

Wie weiter unten berichtet, hat das Reichs­gericht gestern Nachmittag nach wochenlangen Verhandlungen über die Angeklagten im Tsche- kaprozeß Todes- unb schwere Zuchthausstrafen verhängt. Das schwere Urteil in diesem Mou- streprozeß, der die Augen ber ganzen Welt aus sich gezogen unb nach ben verhängnisvollen @r- eignlssen in Bulgarien erhöhte Bedeutung gewonnen hat, ist von dem Staatsgerichtshoi natürlich eingehend begründet worden; denn bte Gefahr bestaub und ist auch durch die überwal- tigenben Beweise für die schuld ber Angeklag­ten nicht völlig gebannt, baß durch das Urteil Märtyrer geschaffen wurden, die der Be­wegung von neuem Zündstoff und Nahrung geben konnten.

In derBegründung heißt es u. a.: Spätestens im Dezember 1923 ist bie kommunistische Partet- zentrale Moskaus bazu übergegangen, bie Vor­bereitungen zum Sturze ber deutschen Regie­rung als zu einem in bie Nähe gerückten Ziel zu treffen. Die Partei entwickelte sich in biefer Zeit zu einer staatsfeindlichen Verbindung. Es wurden Hundertschaften usw. gebildet und diese Bewegung führte schließlich am 20. November 1923 zum Verbot der K. P. D. Trotzdem führte bie Partei ihre Pläne Wetter; sie wurde damit neben einer staatsfeindlichen auch zu einet geheimen Verbindung. Jeder, der an dieser Verbindung sich beteilige, mußte sich sagen, daß er sich damit im Sinne des Republit-Schutzge- strafbar machte. Es ist voll der Einwand ' ' ß vie Parzet damals nicht die Ab- tit Gewalt ihre Ziele zu Verwirk­

schutzantrag, der durchweg eine zwanzigprozen­tige Aufwertung vorsieht, angenommen. Hierzu erklärt ReichSfinanzminiper Dr. v. Schlte- b en, daß er sick eine besondere Vorlage darüber vorbehalte. Als Termin für die Rückwirkung der AufwertungSansprüchr wird der

15. Dezember 1922 festgesetzt.

Zu der Ablösung öffentlicher Anleihen bean­tragt Finanzminister Höpker - Aschoff 1. bie für Altbesitzer von Kriegsanlechen vor. gesehenen besonderen Rechte auf alle Altbe- utzcr von öffentlichen Anleihen auszudchnen, 2. Die Vorteile der Vorlage auch denjenigen Kriegsanleihezeichnern zukommen zu lassen, bte nickt mehr im Besin her Anleihen sind. Beck- Anträge Werben trotz scharfen Widerspruchs des ilöitii er<5 angenommen. Tn vor der zweiten Lesung gegen bie Ausdehnung der Aufwertung auf bie Richtmehrbcsttzet Be­denken geltend gemacht werden, wirb dieser An­trag in zweiter Lesung abgelehnt und nie Regierungsvorlage wiederhcrgeftellt. Der erste preußische Antrag wird dagegen auch tn zweiter Lesung angenommen. Der Abschnitt btS Gesetzes, mit dem das Reich einen Zwang aus die Länder und Gemeinden zur Auswertung »bt. hehetttef eine VerfosfunasS-dernng und findet die verfaffungsändernde Mehrheit.

Scharfer Widerstand der IRtoterung.

widerlegt daß ... r...----,---

sicht hatte, mit Gewalt ihre Ziele zu vetWi litten, sondern lediglich die fa | ch istische G e - fahr abwenden wollte. ES hat sich vielmehr einwandfrei daß die Partei allerdings die faschistischen Gegner vernichten wollte, dar­über hinaus aber die Absicht verfolgte, die Räte-

Die feindlichen Brüder.

Zusammenstoß SchliebenS mit Höpker-Aschoff. (Eigener Drahtbericht.)

Berlin, 23. April.

Reichsfinanzminister v. Schlieben erklärte im gestrigen ReichSrat weiter: Ich möchte nicht verschweigen, daß wir die Annahme dieses An­trages durch den Reichsrat benutzen werden, um zu betonen, daß der Finanzausgleich anschei­nend noch zu günstig für die Länder ist. Preußischer Finanzminister Höpker-Aschoff: Tie Länder haben daß Recht, die Vorlagen der Reichsregierung einer Prüfung zu unterziehen, bei ber sie nur ihrem eigenen Urteil unb Ge­wissen verantwortlich sind Der Reichsfinanz­minister weiß genau, baß ber Finanzausgleich durchaus n l ch t a u S r e i ck t, um den Fi­nanzbedarf der Länder zu decken. Der zweite preutztfchr Antrag wird bain mit 32 gejen 31 Stimmen angenommen. NeichSfinimzminister

Berlin, 23. April. (Privattelegramm.) Jrn Reichsral erklärte gestern Staatssekretär Joel zum Auswertungsgesetz: Während die Regie- ! rungsvorlage eine Aufwertung von 15 Prozent ..... trfitn Hypotheken eine Zusatzausw-r. tung von 10 Prozent vorsteht, wollen die A u S - schußbeschlüsse durchweg eine Auiwertung von zwanzig Prozent aus alle Hupotheken Die ReichSregienmg behält sich in diesem Punkt eine Gegenvorlage vor. Die Regierung wendet sich dagegen, daß die ReicksraiSbeschlüsse bm rüdtoirfenben Termin auf ben Sb Juni 1922

Flugblatt-Krieg.

Präsidentenwahl bei den Nankees und uns. iHtefettfatmat i« Amerika. Ja der Wabl- tomtebe Muablalt und Seriammlunpen in Deutschland. Volks- und Neichsblock als Agitatoren. Es gebt in die Millionen.

Arbeit sür die Sirahenkebrer.

Der Unterschied zwischen deutschen und ame­rikanischen Wahlmethoden ist, wie wir in einem Berliner Blatt lesen, in die Augen springend. In Amerika entfalten dir großen und be­herrschenden politischen Parteien eine seit Mo­naten bis ins kleinste vorher technisch und organisatorisch festgeleate großartige Kam­pagne zugunsten ihrer Kandidaten, bei der mit Geldmitteln wahrhaftig nicht geknausert unb iebes erreichbare publizistische Mittel in Anwen- »ung gebracht wirb. In ben Parteihauptguar­tieren arbeitet ber zum Leiter der Kampagne bestellte Manager mit einem nach Hunderten von Personen zählenden Stabe daran, den Feld­zugsplan am zweckmäßigsten zu entwersen. Oberstes Prinzip ist dabei, ben Wählermassen unentwegt von früh bis spät den Namen des betreffenden Parteikandidaten so lange einzu- hämmern, bis er sich im Gehirn jedes Zeilungs- lesers unerschütterllch festgesetzt hat. In den Wohnungen, in den Fabriken, in ben Theatern auf Eisenbahnstationen usw. werben die Wäh­ler teils von ben Kandidaten selber, teils von rebegewanbten Parteianhängern bearbeitet und zwar immer mit anerkennenswertem Verständ­nis für die augenblickliche psvchologische Einstel­lung des einzufangenden Wählers.

Damit vergleiche man nun die deutschen Methode n her politischen

Kung. Däe deutschen Wahlmeiyooen stnö 1 das alte und so ziemlich verbrauchte Schema der Versammlungen und Flugblätter noch nicht hinausgediehen. Diese Verhältnisse bedingen ganz natürlicherweise einen Hochver­brauch von Papier, so daß wir wieder einmal in den nächsten Tagen, wie schon so häufig, gewis­sermaßen in einer wahren Vapierslut versinken werden. Die reinliche Scheidung bei dem zwei­ten Wahlgang in einen Volksblock und einen Reichsblock hat es zuwege gebracht, daß für den Endkampf am 26. April diesmal die Parteien nicht isoliert mit Propagandamaterial hervor­treten, londern die beiden Sammelblöcke das an ihrer Statt tun. Sowohl der Reichsblock, wie der Volksblock haben diesmal als geschlossene unb einheitliche Organisation bie Zentrali­sierung der Fkugblattpropaganda übri­gens nickt nur dieser streng durckgeführt. Es bedarf keiner Begründung, daß dieses Verfahren im Hinblick auf die sehr erheblichen Propagan- dakofien unbedingt zu Ersparnissen geführt hat, die wieder an anderer Stelle im Wahlkmnpf Verwendung finden können.

Eine Berechnung wieviel in diesem Wahl­kampf die Papierfluten verschlingen, läßt sich kaum aukstellen, weil die Parteien sich darüber aussckwiegen. Wir haben allerdings ein paar Anhaltspunkte aus den Wahlen der allerleylcii Zeit. Die Zentrumspartei beispielsweise hat auch diesmal wieder fünf verschiednee Flugblät­ter herausgebrackt, die für das ganze Reich eine Auslageziffer von fünfzehn bis zwanzig Millio­nen wohl erreichen dürften. In den ersten drei Tagen kämest zirka 2500 Plakate allein von der Berliner Zentrale an die Landesgeschästsstellen zur Versendung. Eine Partei selbst wie die de­mokratische, die in bezug aus Organisation. Wählerzahl usw. längu nicht mit den großen dominierenden Parteien zu konkurrieren ver­mag, hatte noch bei den letzten Reichstagswah­len im Dezember 1924 einen Flugblattbedarf von sechs bis acht Millionen für das ganze Reich. Ganze Züge von Autos aller Parteien durchfuhren bei dem ersten Wahlgang bie Stra­ßen und bewarfen die Passanten mit Wagenla­dungen von Flugblättern, die gleich pakeiweise auf die Straße geschleudert wurden und dort liegen blieben, bis sie die Straßenfeger als Makulatur beiseite schaufelten.

fterrioto Kammersieg.

Painlev-s Nachfolger. - PainlevöS Zukunft. (Eigene Drahtmeldung.)

Parts, 23. April.

Rach längerer mehrmals unterbrochener Sit­zung, bei welcher fich unerhörte T u m u 11 f z e - nee abspielten, hat bie Kammer gestern, unter Stimmenthaltung ber Opposttion, mit 266 von 267 abgegebenen Stimmen Herriot zu ihrem Präslbenten gewählt. Zu ber gestrigen Regierungserttärung P a i n l r v e s schreibt ein Pariser Blatt, dir Rechte habe fich durch fie h e r« ausgesorbert gesülcht. Das Kartell ber Linken hat für baS Ministerium gestimmt, das es trotz feiner Regierungserklärung, die eS nicht befriedige, für fich in Anspruch zu nehmen be- hauptet. Jede der beiden Gruppen glaubt, g e täuscht zu fein. Die Anwesenheit eines Man­nes und die Erinnerung an seine Vergangenheit waren daran schuld. Mit Recht ober Unrecht hat Caillaux, um ben eS sich handelt, einen Teil ber öffentlichen Meinung davon überzeugt, daß er vielleicht der einzige Mann fei, der daß

Der Tag des Gerichts.

Todesurteile und Zuchthaus im Tfchelaprozeß.

(Eigener Drahtbericht.)

Leidig, 23. April.

Im Leipziger Tfchelaprozeß wurden gestern verurteilt: Reumann zum Tode unb acht Jahren Zuchthaus: P o r g e zum Tobe unb sie­ben Jahren Zuchthaus; Skoblewski zum Tobe unb zwölf Jahren Zuchthaus; M a r g i r S zu fünfzehn Jahren Zuchthaus; Szo» zu elf fahren ZüchjhgnSr Koenig zu fünfeinhalb Jahren Zuchthaus; Diener zu fünf Jahren unb einen Manat Zuchthaus, Deus zu brei Jahren Zuchthaus; MoerSner zu einem Jahr unb neun Monaten Zuchthaus; Mayer zu sechs Jahren Zuchthaus; Kuhls zu zwei Jah­ren brei Monaten Gefängnis; Huke zu sechs Jahren unb neun Monaten Gefängnis; Hal- l u p zu zwei Jahren Gefängnis; I n t o t f zu anberthalb Jahren Gefängnis; Leßniffe zu einem Jahr Gefängnis: Paul zu fünf Jahren Gefängnis. Gegen fämtlichr Angeklagten wür­ben außerbem Geldstrafen diS zu fünfhundert Mark verhängt. Noch Bekanntgabe beS Urteils traten bie kommunistischen Betriebsräte Grotz- brrlinS zusammen. Die Abgeorbnetrn nahmen baran teil. ES Würbe beschlossen, bie Bollstrek- kung ber Leipziger Urteile mit ben schärfsten Machtmitteln beS Proletariats zu verhin­dern unb einen internationalen Protest ge­gen ben Leipziger UrteilSfpruch zu erheben.

Bulgariens Bollwerk gegen die Bolschewisten

Paris, 23. April. (Privattelegramm.) Die Balfchafterkanferenz Hot beschlossen, Bulgarien zu gestatten, feine Armee umfiebeniaufend Mann zu erhöhen, um ben kommunisti­schen Unruhen entgegentreten zu können. Die Erlaubnis gilt vorläufig nur bis zum 31. M a i u. kann innerhalb 8 Tagen zurückgezogen werben

Die Vorwürfe, als ob bie Republik sich teurer stelle als bie Monarchie, werden amtlich damit entkräftet, daß nur ein verschwindend kleiner Teil der republikanischen Slaalsminister bei feinem Rücktritt vom Amre P enft on er­hält; bie aus bem Parlament herbprgegangenen Minister, bekommen nur ein kurzfristiges lieber» gangsgehatt unb haben keinerlei Penswnsan- spruch. Dieser Anipruck erwächst bei Nichtbe- amten erst nach einer Reihe von Dienüjahren, bie als Minister abgeleisiet worben find. Auch in der Monarchie hat ein sehr erheblicher Teil der StaalSminister nur eine recht kurze AmtSzett gehabt und wurde vorzeitig mir Pension in den Ruhestand versetzt. Die kürzeste Amtsdaper hatte im Jahr 1848 das Kabinett v. Arnim-Boitzen-