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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

»rueiaeiioretlt. Lindeimische AeiLäsisan,eigen ZetteÄ vtg_ ausmLrnge (Seschatts- aazeigen Zeile 20 Psa.. samtlienaiuetflen Zetir 20 Pia, «tetne Anzeigen das Wor 4 Pig_ Reklamen die Zeile 75 Pta. Offertgebübr to Psg. tbei Zulendg. der Offerten $l Pig.i Rechnunasbeiräae ffnd innerhalb 5 Ta. tu befahlen. Manaebend tft der Kurs des Zablunastaaes. Siir die Richtigkeit aller durch Sernivrecher autgeaebenen An- ceiaen iowie für Auknabmedaten und Plätze kann nicht garantiert werden. Siir Änteiaen mit bekond. schwierigem Satz 100 Proz. Aufschlag. Druckerei Schlacht hof - ktraste M/St Geschäftsstelle Köln Str. 5. geaenffb.der Soohrktr Sernkor <151 n. 952

9?UW1ttCt 103. Einzelnummer 10 Pf, Sonntags 15 Pf.

Dienstag, 8. Mai 1925.

Einzelnummer 10 Pf, Sonntags 15 Pf.

15. Jahrgang

Frankreich antwortet in scharfem Ton.

l-rnntionalen Palitr' eine* RachvrüfuiglderanfchlusseS Oesterreichs als der unterzogen wird, dmnit sich in Zukunst der-! Oftmark an Deutschland unter begeisterter all- arllge Katastrophen nlchi wiederholen, mögen sie nun auf Vernachlässigung der Verwaltung oder auf politische Motioe z^rück^usühren sein.

Da« ganze Volk in Zrauer.

Der Todes-Korridor.

Polen hat 30 Deutsche aus dem Gewissen.

Schlag auf Schlag haben sich die Eisenbahu- kraiastrophen in Deutschland gehaust. Kaum, daß die blutige Erinnerung an Herne mit dem Freispruch des Lokomotivführers zu er­loschen beginnt, haben abermals dreißig deutsche Brüder und Schwestern unter entsetz- lichen Qualen zwischen Zug- und Schienen- trümmern im polnischen Korridor ihr Leben lassen müssen. Nachträglich sind im Krankenhaus Fabrikbesitzer ktmann aus Insterburg und Professor Dr. Max Hensel ihren Verletzungen erlegen. Fünf der bei dem Unglück Getöteten, vier Frauen, ein Mann und ein zweijähriger Knabe, sind bisher noch nicht rekog­nosziert. Ter leitende Arzt des Dirschaucr Krankenhauses befürchtet, daß von den Schwer­verletzten noch verschiedene sterben werden.

Die polnische.. Versuche, das Verhängnis tnt Korridor auf Verbrecher wie staatsfeind­liche k o m m u n i st i s ch e Elemente a b z u - wälzen, die Polen in Europa diskredieren und beweisen wellte daß es für Deutschland keinen Durchgang durch den Korridor gäbe (!), wurden heute deutscherseits halbamtlich auf das schärfste zuriickgewiesen. Von polnischer Seite wurde aus­fallend schnell nach dem Unglück die Version tief» breitet, daß ein verbrecherischer An­schlag vorliege. Demgegenüber wird von Au­genzeugen berichtet, daß die Entgleisung des Z"ges auk den mangelhaften Zustand der Bahnanlagen zurückzuführen ist. Am 22. April ist der Schnellzug WarschauKrakau, wenige Tage vorher der Schnellzug Krakau- Warschau entgleist. Sollen vielleicht hierfür auch die Deutschen verantwortlich sein? Ein polnisches Blatt stellte damals fest, daß die Enr- gleisun" »ine Fc V-e des verbrecherischen Leicht i n n s und der b e i s v i e l l o s e n Nachlässigkeit der polnischen Eisenbahntier- waltung war, die die Eisenbahnschwellen ver­faulen ließ. Die deutsche Presse würde ibre Pflicht gegenüber der Oeffentlichkeit vernachlässi­gen. wenn sie nicht Liese Nebelstände geiöeln und eine größere Sicherheit für die hauptsächlich tioi Deutschen befahrene Strecke fordern würde. Un­ter diesen Umständen können die Versuche der Polen, die Verantwortung für das Unglück, die unzweifelhaft der polnischen Eisenbahn­verwaltung zur Last fällt, dem Deutschen in die Schuhe zu schiene" nur als eine uner­hörte Verleumdu.-a bezeichnet werden. Die Ansicht der Verkehrskreise ist also, daß es sich hier um eine schwere Verwal- tungssnnde handelt, da infolge der svrich- wöitlich bekannten polnischen Wirtschaft a».ch die unter preußischer Verwaltung einst erst- klassiaen techntigert Eifenkahnonlogen im Korri­dor jetzt vollständig verludert sind. Es wäre daher durchaus möglich, daß infolge der vollständigen Vernachlässigung der Strecke die Gleisanlagen in einem Maße baufällig ge­worden sind, daß eine solche Katastrophe. wie sie sich in der Nacht zum 1. Mai bei Prenßisch-Star- gard zutrug, über kurz oder lang die zwingende Folge der Vernachlässigung der Eisenbahnanla­gen durch Polen sein mußte

An>erS beurteilt man die Katastrophe in po­litischen Kreisen und zwar anf Grund von Nachrichten, die aus Danzig vorliegen. Da­nach führt man das Unglück auf ein politi­sches Attentat zurück, das von polnischen nationalistischen Kreisen ausgeht und auf oie Agitation zursickgeMrt v rb, die in den letzten Wochen von Seilt t des polnischen Westmarken- VereinS gegen D anzig und Ostpreußen b? trieben wurde In polnischen chguvenistUchen Kreisen betreibt man bekanntlich schon latwe einen Gewalt st reich sowohl aeoen Danzig wie auch gegen Ostpreußen Diele leidenschaft­liche Propaganda, wie sie seinerzeit auch vor dem Wilna-Streich beobachtet wurde, hat be­kanntlich van polnischer amtlicher Seite keine Abdämpfung erfahren Die amtlich polni­schen Pebernrftfe g-aen b-stehende Verträge ha­ben sich gerade in letzter Zeit aebäuft und liefen darauf htna"s. den soaenannten polnischen Ko-- ridor durch Einbeziehung des ganzen Danziger Freistaatgebietes und durch Erweiteruna der polnischen Grenze nach Westen hin, zu verbreitern Es ist an zuständiger Stelle längst kein Geheimnis mehr daß Polen mit irr Danziger Fra"e auch die Korridorfrage erneut av fwerfen mömte, mt der Bearü«- d'mg dost der ietziqe Zustand eine s-ch"emöüe V"-waltuna und ein» politische wie militärische Sicherung nick-t »uließe

Aus jeden Fall. mag nun die genaue Feststel­lung das eine oder andere Ergebnis zeitigen, er­gibt stch schon letzt die zwingende Forderung, daß d'c Korridorfrage sowohl vom Gesichtspunkt größter Sicherung des internationalen Durch­gangsverkehrs wie auch vom Standpunkt der in«

Berlin, 4. Mai. (Eigener Drahtbericht ) Im e i ch s t a g hat am Sonnabend Reichstags­präsident Loebe der schweren Eisenbahn-Kata­strophe im polnischen Korridor gedacht. Der Reichstag nehme teil an der Trauer und werde bemüht sein, der durch das UngliZk entstandenen Not abzuhelfen. Die Abgeordneten erhoben sich zum Zeichen der Trauer. Generalfeldmarschall v. Hindenburg richtete an die Rki.hsb-chn- gesellschaft folgendes Telegramm:Schmerzlich bewegt durch die Nachricht von dem furchtbaren Eisenbahnunglück bei Stargard bitte ich, den An­gehörigen der Opfer mein herzlichstes Bei­leid auszuspr-chen". Die deutsche Regierung wird sich an Ort und Stelle von der Ursache der Katastrophe überz-ngen, besonders auch über den Zustand des Balmkürp"rs der Stelle des Absturzes des verunglückten Eisenbahnzuges.

Die GMihe nE

In Erwartung einer scharfen Sicherheitsnote. (Eigene Drahtmeldung.)

London, 4. Mai.

Ein diplomatischer Berichterstatter erfährt, daß am Quai d'Orsay die Entwürfe der geplan­ten französischen Antwort aus die Sicherheits­vorschläge Deutschlands beschleunigt werden. Der Charakter der Note werde genauer und schärfer sein, als die von Herriot entworfene Faffung. Die Pariser Annahme, daff »ngl-'ich gleichlautende Noten von den übrigen Alliierten oer deutschen Regierung überreicht würden, sei verfrüht. Reuter meldet die Wiederaufnahme der Besprechungen zwischen Großbritannien unr Deutschland über den Sicherheitspakt. Der eng­lische Botschafter hat in Berlin mehrere Rück­fragen in Deutschland gestellt. Die Londoner Regierung sei sich mit den Alliierten grundsätz­lich über den Inhalt der an Deutschland abzu­sendenden Note einig. Ma» will Deutschland nicht befragen, welches Vorgehen es hinsichtlich gewisser Verfehlungen beabsichtige, sondern es werde auf die Art und LVeise hingewiesen, wie Abhilfe geschaffen werden müsse.

graitfreidh wählt links.

Quer durch die gestrigen Gemeindewahlen. (Eigene Deahtmeldung.)

Paris, 4. Mai.

Nach den gestrigen Gemeinderatswahlen wer­den in 31 Wahlbezirken Stichwahlen ftattsinden. Bon den 49 Gewählten gehören 39 Mitglieder der ehemaligen Mehrheit und 10 dem Kartell der Linken an. Es wurde einRückgangder kommunistischen Stimmen gegenüber den letzten Kammerwahlen festgestellt. Von Den 49 gewählten Mitgliedern gehören an der konserva­tiven Partei drei, der radikalen Partei eins, den Soz. Republikanern dreißig, den Linksre­publikanern zehn. Halbamtlich verlautet, daß im ganzen Lande die Regierungsmehr­heit in den meisten Städten ibre Position behauptet, in vielen sogar Gewinne zu ver­zeichnen hat. Ein Blatt nimmt als sicher an, daß die linksstehenden Parteien ihren Sieg vollendet haben. AuchEre Nouvelle" äußert sich in demselben Sinne, daß die Nationalisten im Rückgang, das Kartell der Linken dagegen überall im raschen Fortschritt begriffen sei.

*

Hitzige Korsikaner

Paris, 4. Mai. (Privattelgramm.) Aus Kor­sika ist cs in Saure anläßlich der Munizipalwahl zu Streitigkeiten und zu einer Schießerei ge­kommen, bei der z w e i P e r s o n e n getötet und mehrere andere verwundet wurden.

Oesterreichs deutsches Herz.

Eine machwolle Kundgebung für den Anschluß (Eigene Drahtmeldung.)

Wien, 4. Mai.

Bei einer imposanten Rheinlandfeier schlos­sen sich Vizekanzler Waber und andere Redner in ihren Huldigungen für das Rheinland als die deutsche Westmark dem Gedanken des W i e

gemeiner Zustimmung an. Professor Voltolini versicherte, daß die Hochschulen Oesterreichs sich die Aufgabe gestellt hätten, den Anschluß durch Arbeit und Pflege deutscher Wissenschaft und deutschen Geistes in den Hochschulen vorzu­bereiten. Ein Student gab kund, daß In der Studentenschaft der großdeutfche Gedanke bisher allein verwirklicht worden sei, und for­derte die Parteien zu gleicher Einigkeit auf. Mit derWacht am Rhein" schloß die Kundgebung.

Die Intriganten im Osten

Paris, 4. Mai. (Eigener Drahtbericht.) Ein Pariser Korrespondent erklärte Außenminister Benesch in Prag, daß Polen und die Tsche­choslowakei Hand in Hand in der Frage des Anschlusses Oesterreichs an Deutschland mar­schierten. Was den Garantiepakt und die Schiedsverträge anbelange, hätten Polen und die Tschechoslowakei ein vitales Fnteresse daran, daß derartige Pakte unter keinen 11 m ff ä n- den den Friedensvertrag von Ver­sailles berührten, da dann das ganze europäische Gebäude bedroht sei. Präsident M a s a r y k betonte, andere Gründe als die Wahl Hindenburgs würden eine Evolution in Mitteleuropa herbeiführen und deutete dabei auf einem Atlas mit dem Finaer auf Oesterreich, auf die Ostsee und deutsche Ostgrouz?

TreusHwur in 6er Vfalz.

Reichskanzler Luther bei der Presse.

(Privat-Telegramm.)

Neustadt a. d. Haardt, 4. Mai.

Auf dem pfälzischen Pressefest, an dem auch Bayerns Regierungshäupter teilnahmen, ge­dachte Reichskanzler Luther der großen Toten H e l f f e r i ch und Ebert und führte veitcr aus, daß die Politik des Kabinetts getragen sei von dem Berständigungsgedanken, um die Lasten, die auf den Rheinlanden und der Pfalz ruhen, möglichst bald zu erleichtern. Die deutsche Regierung sei bestrebt, nicht eher zn ru­hen. bis die deutschen Lande am Rhein jnti die deutsche Pfalz wieder rein deutsch ge- worden sind. Nach kurzen Worten des bahr. Ministerpräsidenten Held erwiderte Redakteur Hartmann: Mit großer Dankbarkeit und Be­ruhigung habe die Pfalz die Kundgebun­gen Hindenburgs und Luthers entgegengenom­men, daß die Politik der ruhigen 23 er - ständigungweitergeführtwerde.

*

Ein Scho aus 6er Tiefe.

Genf, 4. Mai. (Privattelegramm.) Der frü­here Kriegsminister Rollet verteidigte gestern in St. Denis feine Polit'k gegen Deutschland Die Fahrtausendfeier im Rheinland wäre eilt" deutliche Sprache gegen jene Reden, die an einen freiwilligen Verzicht Deutschlands auf die mili­tärische Beherrschung der Rheinlande glaubten.

E!n düsterer Prophet.

Amerika vor einer Erdbebenkatastrophe?

(Eigener Drahtbericht.)

London, 4. Mai.

Professor Bandani, ein gpotzer Kenner der letzten Erdbeben, hat für den 4. Mai in den Vereinigten Staaten ein neues Erdbeben borauSgefagt Am 14. Mai werde ein leich­tes Erdbeben die ganze Westküste Südame­rikas entlang festgestellt werden können. Einige Tage später wird in Mexiko und im übrigen Zentralamerika ein weiteres Erdbeben folgen Diese Erdbeben sollen Vorzeichen einer gewal­tigen Katastrophe sein.

Z.R.IU über dem Weltmeer.

Nach den Antillen abgeflogen.

(Durch Fnukspruch.)

Newyork, 4. Mai.

Z. R. 3 hat gestern einen neuen Dauerflug nach Port Rico (Antillen) angetreten. Das Luftschiff flog bei herrlichem Sonnenschein mit fiebenunddreißig Mann Besatzung und zweihun­dert Pfund Post an Bord. Falls die günstige Witterung anhält, will der Führer das Schiff in fechsunddreißig Stunden zurückbringen. Das Luftschiff ging bei der Abfahrt sofort 2500 Fuß hoch und verschwand bald darauf in den Wolken.

MeVräflbrntkn leben.

Interessante gesellschaftliche Streiflichter.

Stille nnb iivvige Aankees. De- burschikose Roosevelt. - Der dicke Tast. - Wilsons ehr­geizige Witwe. Wie Coolidge spart. Prunk «nb Glanz in Paris. Poincarö. Millc- ranb. Donmergne. Witwer Hindenburg.

Die Töchter ober bet Lohn'?

Im Rahmen der Verfassung pflegen die Ober­häupter der Republik ihr Leben, was Beispiele aus Amerika und Frankreich zeigen, ganz ver­schieden einzurichten. Wie bei uns sind nach den großen Kriegen, die beide Nationen geführt ha­ben, die beiden prominentesten Heerführer Staatsoberhaupt geworden. Nach dem Sezes­sionskrieg wählte man in den Vereinigten Staa­ten den siegreichen General Ulysses S. Grant zweimal hintereinander zum Präsidenten, sodaß er von 18691877 amtierte, in Frankreich aber wurde von 18731879 der Feldmarschall Mac Mahon Präsident der Republik. Präsident Grant mußte sich noch mit dem verhältnismäßig klei­nen Gehalt von fünfundzwanzigtausend Dol­lar begnügen ,das erst verdopelt wurde, als er 1873 seine zweite Amtsperiode antrat. Er repräsentierte viel, und die Beziehungen, die er im diplomatischen Corps in Washington an- geknüpft hatte, waren so gute, daß er bei der Reise um die Welt, die er nach Beendigung sei­ner Amtsperiode antrat, Üebrcill glänzend emp­fangen wurde. Sein NachfolgerHayes da­gegen lebte sehr still und zurückgezogen; in sei­nem Hause damals eine Merkwürdigkeit gab es niemals einen Tropfen Wei ti. Ihm folgte 1881 der lebenslustige Mr. Garfield, der aber schon nach einigen Monaten ermor­det wurde, dann der damalige Vizepräsi­dent Arthur, einer der gewandtesten und elegantesten Präsidenten der Union. Sein Nach­folger Cleveland war, als er mit siebenundvier- zig Fahren ins Weiße Haus zog, Junggeselle und daher diegroße Partie" der Vereinigten Staaten. Er heiratete ein Jahr später und machte zusammen mit seiner hübschen jungen Frau ein großes Haus. Das gerade Gegenteil von ihm war sein Nachfolger Mr. Harrison, auch Mac Kinley lebte sehr zurückgezogen, da seine Gattin dauernd kränklich war.

Das änderte sich, als der temperamentvolle zweiundvierzigiährige Theodore Roose­velt die Präsidentschaft übernahm. Rauhreiter, Sportsmann, gnecksilberig, war er der am we­nigsten farblose aller amerikanischen Präsidenten und hielt Presse und Publikum dauernd in Atem. Hierbei half ihm feine Tochter erster Ebe Miß Alice Roosevelt, die in allen gesell­schaftlichen Fragen und Dingen der Mode tonangebend war, bis sie 1906 den reichen Parlamentarier Mr. Longworth aus Cincin­nati heiratete. Nackifolger Roosevelts war der ganz anders geartete Mr. Taft. Dick und be­häbig trat er gesellschaftlich nur hervor, wenn er mußte. Dazu kam. daß das Nervenleiden seiner Frau diese zeitweise von jeder Geselligkeit ab­schloß. Auck« Wilson liebte es nicht besonders, gesellschaftlich hervorzutreten, bis er als Witwer im dritten Fahre seiner Präsidentschaft eine jun­ge, reiche und ehrgeizige Witwe heira­tete, die den größten Wert darauf legte, als Erste Dame in den Vereinigten Staaten" ge­feiert zu werden- Sein Nachfolger H a r - ding, der schonjnach zwei Fahren starb, lebte nicht sehr gesellig. Dasselbe gilt für den jetzigen Präsidenten C o o li d ge, dessen Sparsam­keit ein iimi-r wi-derk-hr-nd-s Objekt der ame­rikanischen Witzblätter ist. Auch seine Gattin hat wenig Neigung für Geselligkeit und konzentriert ihre Fnteressen auf die Wohlfahrtspflege.

Denfelben Gegensatz in den Persönlichkeiten der einzelnen Präsidenten und ihrem gesell­schaftlichen Hervortreten finden wir in Frank­reich. Auf den großen Politiker und Staats­mann Thiers, der schon vierundsiebzig Fahre alt war, als er an die Spitze der Re- vublik trat, folgte 1873 d«r Marschall Mac Mahon, der im fürstlichen Stile repräsentier­te, bis er 1879 zurücktrat und durch den prunk- losen schlichten Stell» ersetzt wurde. Erst als 1895 Felir Faure, der reiche Lederfabrikant aus Havre, den nur einige Monate Präsident gewesenen Castmir-Perier ersetzte, umgab er die Präsidentenwiirde mit all dem Prunk und Glanz, den heute die Franzosen von ihrem Staatsoberhaupt verlangen. Er führte die Sitte ein, daß der Präsident bei feierlichen Gelegen­heiten sechsspännig vom Sattel aus gefah, ren wird, von je einer halben Schwadron Kürassiere vor und hinter dem Wagen es­kortiert. Felir Faure war es auch, der das russische Kaiservaar in Frankreich wie ein Monarch empfing. Stattlich aus­sehend, gut angezogen und von gewandten Ma­nieren war er bis zu Deschanol der eleganteste aller französischen Präsidenten, denn sowohl