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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

Nummer 120. Einzelnummer IllPs^ Sonntags 15 Pf.

Die stag, 26. Mai 1925.

Einzelnummer 10 Ps., Sonnlags 15 Pf. 15. ZabkHaUg

England steht dem Gichecheitspakt fern.

Alles für den Staat.

Siresemann hält an seinem Programm fest.

Berlin, 25. Mai.

Auf dem am Sonnabend in Berlin abgehal- tenen Volksparleitag, der Reichsaußenminister Siresemann einmütig als Vorsitzender wie­derwählte, wurden interessante Vorträge gehal- ten und Entschließungen gefaßt. So z. B. sühne Abg. Oberbürgermeister a. D. Dr. M o st u. a aus: Drei Gruppen politischer Weltanschauung stoben sich gegenüber: erstens der Koiservatismu? der von pessimistischer Auffassung des Menschen­geschlechtes ausgeht, den gegebenen Zustand der Dinge erhalten, oder, wenn er urplötzlich geän­dert worden ist, zurückgewinnen will, stets aber nach Macht und Autorität im Staate strebl, zweitens der Sozialismus, der in einer optimi­stischen Bewertung der Masse die Gleichheit aller im politischen und wirtschaftlichen Änsprust verkündet, drittens der deutsche Liberalismus, der sich unter allen Umständen zum Recht, zum Gesetz bekennt. Wo aber Recht herrschen soll, muß auch eine Macht da sein, die ihm unter allen Umständen Geltung verschafft, die bas Recht gleichzeitig davor bewahrt, von außen zcr- schlagen zu werden. Darum bedeutet Libera- lismus in der Politik ein unerschütterliches Be­kenntnis zur Staatsautorität und gleichzeitig zur staatlichen Macht nach außen.

Den Höhepunkt in der sich an das Referat an­schließenden Aussprache bildeten die Ausführun­gen von Geheimrm Kahl, der u. a. betonte: Unter politischem Liberalismus verstehe ich den verantwortungsbewußten Taijacyenmut, der die aus dem unerbittlichen Ablauf der Ge­schichte sich ergebenden Folgerungen zieht und fortschreitet. Wir stehen heute vor einer absolut neuen Schichtung nicht nur deS Staates, sondern der Weltordnung und sind erst am Anfang dieser Entwicklung. Für uns ist gewiß, daß wir sesthalten an den großen geschichtlichen Gütern der deutschen Vergangenheit. Deshalb können wir auch mit klarem Blick den neuen Tatsachen ins Auge sehen. Da stelle ich an die Spitze die Achtung vor der Verfassung, wobei ich aufs Ganze sehe. Damit hängt zu­sammen dieAchtungvordemStaat. Ich denke in erster Linie an unsere Jugend, in der wir Freude am Staate me®*" wollen.

Dann faßte Reichsaußenmtnister ©tiefe« mann die Ziele seiner Außenpolitik dahin zu­sammen: Wir dürfen und wollen keine Verfas- sungskämpse über die Staatsform führen. Für uns handelt eS sich um unsere Behauptung nach außen, dem hat sich alles andere unterzuordnen. Daß wir die Dawes-Gesetze angenommen haben, hat sich als richtig erwiesen. Eine wirtschaftliche Befestigung hat sich durchgesetzt. In ausführ­lichen Darlegungen vertrat Dr. Siresemann die außenpolitischen Grundsätze der Garantiever- träae und Revisionen von denen er eine Be­seitigung und Befferung unserer Lage erwartet. Zur Präsidentenwahl erklärte Stresemann, das Ausland habe sich davon überzeugt, daß Hinden­burg nichts anderes wolle als eine Politik des Friedens auf der Grundlage der Selbst­achtung nach innen und der Gleichberechtigung nach außen Finde sich das deutsche Volk unter der Führung feiner höchstes Vertrauen ausstrah­lenden Persönlichkeit in diesem Grundgedanken zusammen, so liege darin die stärkste Unter­stützung der deutschen Politik nach außen und innen. Wir können, so erklärte Dr. Stresemann schließlich, nur den Weg weiter gehen, den wir einmal als den Weg der nationalen Real­politik im Gegensatz zur Jllusionspo- litik bezeichnet haben.

Jnbezug auf die Wirtschaftspolitik führte Dr Stresemann aus, daß es sich hier darum handele, das Primat der Politik vor dem Berussinteresie durchzusetzen und den richtigen Ausgleich zwischen dem wirtschaftlichen Einzelinteresie und dem Gesamtinteresse des Staates zu erreichen. Dr. Stresemann schloß: Der Wiederaufbau Deutschlands w'rd vorn Geistigen und Richt vom Materiellen ausgehen. Abg Schwär,banpt ließ sich über dieSage in Preußen' davin aus, daß die Einbeziehung der Dkuifchnationalen in die preußische Regierung als Folge der letzten Wahlen anzustreben se>. Das wäre fein Ruck nach rechts, vielmehr sei die Herrn ftehung aller wertvollen Kräfte zur staat­lichen Verantwortung eine liberale Forderung. Der Redner führte weiter aus: Das Zentrum wollte kein Kabinett ohne die Sozialdemokratie, wir wollten feine Reg'»»"na olm» die Deutsch- natlfralen. So entstand der Gedanke der Einigung von rechts bis links die Regie-ung der Volksgemeinschaft. In der fp'.ter angenommenen Entschließung heißt tS u a.: Niemals wird die Deutsche Volks- Partei den nationalen Ideen, die einst Bennig­sen. niemals den sozialen Ideen, die Basser- mann im Liberalismus zur Geltung brachte, un­treu werden Dem Rhcinlande wurde der Gruß der Partei entboten. Gemeinschaft des Blutes

und tausendjährige Schicksals- und Kulturge­meinschaft haben uns unlösbar verbunden. Ein Deutschland ohne Rheinland, ein Rheinland ohne Deutschland: Beides ist unmöglich.

Wo Gnolimö sterblich ist.

Gefahren für den Sicherheilspakt.

(Eigene Drahtmeftiung.)

London, 25. Mai.

Ein diplomatischer Berichterstatter legt dar, die britische Regierung auch den abgeänder- .en Entwurf der französischen Antwort auf die deutschen Paktvorschläge in seiner Ge amtheit nicht annäbmett könne und fährt dann ort, efi sei unklug und verkehrt gewesen, die An, sicht zu vertreten, daß der Abschluß eines Paktes ür Großbritannien und das britische Reich ebenso dringend notwendig sei, wie für die Kon­tinentalmächte. Hierdurch sei bei diesen Mäch­ten die Auffassung verstärkt worden, daß fte Großbritannien gegenüber ihre eigenen Bedin­gungen durchsetzen Lönnten. In Wirklichkeit aber bedeute Deutschland, das ohne Flotte und ohne militärische Macht fei,

keine unmittelbare Bedrohung

ür die Kanalhäfeu. Rach Ansicht der Staats­männer fei es viel wahrscheinlicher, daß im Stillen Ozean oder im Mittelmeer Schwierigkeiten emMuden als am Rhein oder in der Nordsee. Infolgedessen würbe eine Verstän­digung im Stillen Ozean oder im Mittelmeer, bei der die italienische Mitarbeit unschätzbar sein wuroe. Im schlimmsten Falle würde dir Sicher­heit der Kanalhäfeu in erster Linie durch eine Erneuerung der gegenseitigen Garantie der Un­verletzlichkeit Belgiens ausreichend geschützt werden können. Einem anderen Berichterstatter zufolge werde die Frage der deutschen Ostgren­zen im deutschen Awerbieten u. a. auch durch das Versprechen, auf einen Angriff zu verzichten und versöhnliche Mittel für die Regelung aller anderen Probleme zu gebrauchen, nicht auf­geworfen. Außerdem sei Polen durch die Be­stimmung geschützt, wonach die Zustimmung aller Signatarmächte für die Abänderung der Verträ­ge erforderlich ist. Wenn Deutschland im Voraus mitgeteilt würde, daß sein Ersuchen um schieds­gerichtliche Entscheidung in irgend einer von den Friedensverträgen geregelten Frage und beson- derS in der der Ostgrenzen keinesfalls erwogen werde, so werde eS fern Anerbieten eines S >- cherheitspaktes zurückziehen. Der Pakt sei also in Gefahr. Brrand wolle offen- bar zum Genfer Protokoll zurückkehren, aber Chamberlain habe da« Protokoll bereits abge- lchnt. Inzwischen fei es bedeutungsvoll, daß Amerika seinen Druck auf Frankreich und deffen Satelliten in der Frage der Rückz ah- l u n g der Schulden und Wiederaufbauanleihen gerade in den letzten Tagen verdoppele.

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tim die DerMnvigung besorgt.

Paris, 25. Mai. (Eigener Drahtbericht.) Be­züglich der englisch-französischen Unstimmigkelten m der Entwasfuungsfrage erklärt ein Blatt, daß Verhandlungen eingeleitet seien. Chamberlain habe, wie ganz natürlich sei, ge- wisse Präzisionen über die französische Ant­wort in freundschaftlichem Geiste angeforbert. Frankreich werde in demselben Geiste ant­worten, und es sei wahrscheinlich, daß eine vollkommene Verständigung ohne Schwierigkeiten erzielt werde.

Stresemann bittet und warnt.

Für eine deutsch-sranzöfifche Entspannung.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 25. Mai.

In einem Telegramm an ein Pariser Blatt hat sich Reichsaußeumiuister Stresemann dahin geäußert, daß Reichspräsident von Hin­denburg bei der Vereidigung seinen Willen zu einer friedlichen Entwicklung unterstrichen habe. Wenn man wolle, daß das deutsche Bolk in sei­ner überwiegenden Mehrheit rftejc Politik zu der feinigen mache, bann müßten die, deren Politik gegenüber Deutschlaud in entscheidender Weise das Schicksal Deutschlands beeinflusie, danach handeln. Die öffentliche Meinung in Frank­reich, die sich lebhaft für deutsche Angelegenhei­ten interessiere, habe sich oft auf den Standpunkt gestellt, daß nur das neue Deutschland ihr Ver­trauen verdiene. Wer in den ersten Fahren seines Bestehens halbe dieses neue Deutschland außenpolitisch nur slchroffe Abweisungen erlebt. Eine weitgehende Entspannung würde sich ein- bestellt haben, wenn am 10. Januar die Kölner Zone g er S u m t worden wäre und Frankreich Gelegenheit genommen hätte, das Ruhrge­biet früher zu räumen. Statt deffen warte DeutMand seit Monaten, das man ihm sage.

warum die Kölner Zone nicht geräumt werde. Wenn man von Währungsfragen spreche, spreche man oft von Vertrauenskrisen, t.c eine Wäh­rung ins Wanken bringen können. Wenn man nicht wolle, so schließt Dr. Stresemann seine Er­klärungen, daß die Beziehungen der europälschcn Länder untereinander derartigen Erschütterun­gen ausgesetzt würden, müsse man die Vertrau­enskrise/ die' zwischen Deutschland und Frank­reich nun seit Jahren bestehe, überwinden.

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Berlin nach dem 16 August.

Rotterdam, 25. Mai. (Eigener Drahtbericht.) Ein Londoner Blatt meldet aus Berlin: Die deutsche Regierung will erst nach der Nichtrau» .mung Kölns am 16. August weitere Schritte un­ternehmen. Sie wird dann im diplomatischen Verkehr auf die Hinfälligkeit des Da­wesplanes Hinweisen, wenn der Besetzungs­zustand immer noch bestehen bleibt.

Wo steckt Amnndsen?

Beunruhigung und Hilfspläne. Gutes Wetter.

(Eigener Drahtbericht.)

Rotterdam, 25. Mai.

AuS Newyork wird gemeldet: Bis heute früh ist keine Nachricht von Bmundsen eingelaufen. Es zeigt sich eine zunehmende Beun­ruhigung. Eine Hilfsaktion unter Teil­nahme amerikanischer Luftschifse wird vorberei­tet. Nordpolfahrer Mac Millan, der an­fangs Juni bekanntlich ebenfalls einen Nord­polflug antieten will, hat erklärt, daß er feine Expedition für die Nachforschung nach Amund- sen zur Verfügung stellen würde, wenn dieser sich nicht bald melden sollte. Ueber Bmundsen liegen in Oslo keine Meldungen vor. Wie das Meteorologische Institut mitteilt, find die Flugverhältnisse auf Spitzbergen nach­mittags beff er als vormittags gewesen. Der Himmel ist leicht bewölkt, die Temperatur der Lust beträgt zwei Grad unter Rull.

Tod und Verwüstung.

Japans ruinierte Städte nach dem Erdbeben. (Durch Funkspruch.)

Osaka, 25. Mai.

Nach dem furchtbaren Erdbeben (s. a. Mel­dungen auf der Beilage) ist das Feuer in Toyseka und Kinosaki erloschen, aber die bei­den Orte zeigen das trostlose Bild einer völligen Zerstörung. Sachverständige erklären, daß keine Gefahr eines weiteren Erdstoßes bestehe. Flücht­linge von den Badeplätzen an den heißen Quellen von Kinosaki teilen mit, dori seien die Erdstöße furchtbarer gewesen als an irgend einer anderen Stelle. Beinahe alle Hotels seien auf den ersten Stotz eingestürzt. Eine große Zahl von Flüchtlingen sei in dem erstickenden Qualm zusammengcorochen. An der Eisenbahnstation von Kinosaki fanden zahlreiche Reifende den Tod, darunter auch ein auf der Hochzeitsreife befindliches junges Paar. Ein Beamt« in Kinosaki erklärte, daß die Ansprüche an die Versicherungsgesellschaf­ten in Kinosaki allein zehn Millionen betragen. Das Brot öer journaliften. Empfang im Rathaus. Gehälter und Pensionen.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 25. Mai.

Bei einem Frühstück im Festsaal des Rat­hauses zu Ehren deS Reichsverbandes der deut­schen Preffe sah man am Sonnabend den Reichsinnenminister Schiele, den Stadtver­ordnetenvorsteher Hatz, den Bürgermeister Scholz und Journalisten aus allen Teilen des Reiches, aus Danzig und aus Oesterreich. Ober- bürgermeister B -> e tz begrüßte die Festversamm­lung mit einer längeren Ansprache. Bei den späteren Delegiertenverhandlungen wurde aus­gesprochen, daß der mit den Verlegern verein­barte Tarifvertrag und der Rorrnaldieustver- trag nur als Notbehelf gegenüber einer gesetzlichen Regelung anzusehen seien, die wei­terhin anzustreben sei. Die Frage der Pen­sionsversicherung, die noch nicht geklärt fei, müsse nochmals gründlich durchgearbeitet werden. Für den Fall, daß die Abmachungen mit den Verlegern betreffend Pensionsverfiche- rung der Redakteure zustondekommcn. soll diese Vergünstigung auch für die Korrespondenz- unt Nachrichtenredakteure erwirkt werden.

DasweißkSchwrimn

Amundsen und Kapitän Skott im Palasttheatcr.

Noch hat keine Kunde von Amundjens Bezwingung des Nordpols im Flugzeug die fie­berhafte Spannung gelöst, die die Augen aller Welt auf das kühne Wagnis gerichtet halt. Aber die guten Horoskope der Wetterpropheten lassen seinen Sieg und baldige Rückkehr erhosfcn. Und so wird denn Norwegens großer Sohn bald als Herr und fein Land als Gebieter der Niemands­welt an den Drehpunkten der Erdkugel zu gelten haben. Schon 1912 hatte er sich mit der Ent­deckung des Südpols den Kranz der Un- sterb lichkeit ums Haupt geflochten, den er, nut um wenige Tage voraus, seinem ebenbürtigen, aber unglücklicheren Rivalen Kapitän Walter Scott aus den Händen wand, dessen zur Weli- tragödie geweitetes, wahrhaft heroisches Schick­sal. wie von Klios Hand selber auf die Leinwand gezaubert, z. Zt. im P a l a st t h e a t e r auch von Kasseler Zentgenossen erschütternd miterlebt wer­den kann. Hier klirrt ein Heldenepos von home­rischem Rhythmus in der Wüste alltäglicher Ki- nodramatik auf, dessen Ewigkeitsgehalt zwar nicht zum Kunstwerk geadelt ist, aber doch das Promethidenlos menschlichen Forscherdran- ges umleuchtet, das im Titanenkamps mit sürch- lichen Naturgewalten zerbricht.

Noch nicht die von Kapitän Ponting oft unter Lebensgefahr, aber immer mit ergötzli­chem, frischem Humor gedrehten Szenen bei Ver­ladung, Ausbruch und Abschied der Expedition in Neuseelands Hasen und unterwegs an Bord, auch nicht die stürmische und aufregende Fahrt durchs Treibeis der Antarktis, bereit vierzig Meter hohe Eisblöcke Tob unb Verberben bro- hen, selbst nicht ber schauerliche Anblick ber ewigen, Halt gebietenben Eisbarriere am Südpolarkreis, aus ber bie Erpebition überwin­tern mutz, stnb bas große Erlebnis bieser ge­filmten Polarwunder. Das Auge freilich hängt trunken an den bei fünfzig Grad unter Rull ge­kurbelten, meisterhaft erlauschten Familienidyllen aus ber Welt ber Seehunde, Pinguinen, Raub- möven unb Raubwale, ber närrischen Ponnies unb Sibirierhunde, bie wie toll mit den Schlitten burch bie Eiswüste jagen. «SBon unwahrschein­licher Schönheit bie schimmernben Burgen unb Höhlen aus Eiskristall, bie bampsenden Vulkane, bie mystische Helle ber Mitternachtssonne, bas erste Gipfelseuer ber Frühlingssonne nach brei- monatiger Polarnacht.

Aber bas Grauen vor der weißen, schweigcn- ben Majestät bes Tabes überrieselt uns erst, alS Scott mit. seinen brei Getreuen ber zurückblci- benben Besatzung bas letzte Lebewohl zuwinkt unb seine brei Proviant-Hunbegespanne dem Sübpol unb bent grausigen Enbe entgegen» treibt... Bei den letzten Lebensmitteldepols drehen die Begleitschlitten um und nun kämpft sich das Häuflein der vier Getreuen, nachdem ihm ein furchtbarer Schneesturm bie letzten Hunbe genommen, zu Fuß burch Gletscherival- ten unb Schneeberge burch tausende von Kilo­metern, zum südlichsten Punkt bes Erbballs vor. Jetzt,' jetzt... tobesmatt stehen sie am Ziel, aber o Jammer unb Schreck... schon weht ihnen aus der Tobeseinsamkeit vom aufgeschlagenen Zelt Norwegens Flagge entgegen. Am u nd- s en hat den Pol auf kürzerem Wege vor ihnen bezwungen, unb bas Zelt wenige Tage zuvor verlassen. Unvergeßlich prägt sich uns der Anblick ber verhärmten, teibaefur ° ten Züge der pelzvermummten, abgezehrten Gestalten am zu spät erreichten fernsten Wanderziel der Erde ein. Und nun beginnt der Rückmarsch durch die Weiße Unendlichkeit, nun hebt das furchtbarste Martyrium an, als einer ber Begleiter im zer- (lüfteten Gletschereis stürzt unb berersteTote auf Nimmerwiebersehen zurückbleibt. Bald bricht nach aberhunbert Kilometern ber weite mit erfrorenen Füßen zusammen. Er verschwin- bet, um seine Kameraden nicht aufzuhalten, in den schneesmrmgepeitschten Weiten. Schritt für Schritt schleppen sich Scott, unb Dr. Wilson weiter. Umsonst, bie Kräfte versagen. Ter Proviant geht aus unb achtzehn Kilometer vor dem ersten reichgesvickten Rettunasbepot betten sie sich zur letzten Ruhe im ennen Zelt. Hier sinbet sie eine nach Ablauf ber Rückkehrsrist auf gebrochene Hilfsmannschaft nach unsialicben Mühen, finbet auch bie unermüdlich geknipsten, wie burch ein Wunber erhaltenen Leinwandb'l- ber unb Scotts männliche herbe, ergreifenbe Abschiebs-Tagebul^blätter. Unb hier in Welt- ferner Eisesnacht erhebt sich düster - gespenstisch bas weiße Kreuz über bem hohen Schneegrab ber Selben ber Antarktis, bie, nach Scotts letz­ten Worten ben Ruhm bes Jahrhunderts burch bie Ewigkeit tragen. -r«

Seefahrt tut not.

Ein Wieberschen in Hamburg.

In ber Generalversammlung bes Deutschen SeevereinS hob beflen Präsibent Staatssekretär