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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Nummer 132. Einzelnummer 18 Pf, Sonntags 15 Pf.

Mittwoch, 10. Juni 1925.

Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf. 15. Jahrgang

Das große Ereignis von Genf.

Vrobe auf's (Stempel.

Ein sozialistisch-katholische Kabinett.

(Brüsseler Brief unseres Mitarbeiters.)

Brüssel, 9. Juni.

Was vorauszusehen war, ist nach zweimonat­licher Dauerkrisis nun eingetroffen; in Belgien ist heute kein anderes Kabinett möglich als ein solches, das die demokratischen Elemente der beiden großen lebendigen Parteien, der katho­lischen und der sozialistischen, umfaßt. Es ist nicht von ausschlaggebender Bedeutung, ob der Chef, der an die Spitze dieses Kabinetts tritt, der Katholik Poullet oder der Sozialist Ban- aervelde ist, aber dies ich wichtig; in beiden Männern und in den Gehilfen, die sie sich wählen, lebt der demokratische und soziale Ge­danke. Mögen die Ansichten darüber, wie die Menschori materiell und sittlich höher zu entwik- Irfn seien, zwischen Kahtolikcn und Sozialisten auch noch so geteilt fein, darüber sind sie sich doch wiederum einig, daß jeder Zwang auszu­schließen, alles der freien Entwicklung durch die freie Schule zu überlassen fei.

Belgien ift das Land der Schul- und Un­terrichtsfreiheit, und mag diese Freiheit auch ost mißbraucht werden, so betrachten sie doch alle Belgier aller Parteien als das kostbarste Gut. Rur diese Freiheit, die sich alle Parteien gegen, seitig garantieren, macht es möglich, daß Mei Parteien von so verschiedener Weltanschauung, wie Kahtoliken und Sozialisten, es ohne Bei- mengung des sonst vermittelnden liberalen Zu­satzes riskieren können, die Regierung zu über­nehmen. Es handelt sich in diesem Falle nicht um das, was man für gewöhnlich unter einer Koalitionsregierung versteht, also um ein Ge­bilde, wo jede Partei ihre Ideale zurückstellt, sondern es handelt sich um ein von positiven Zielen erfülltes Bündnis der demokratischen und sozialen Elemente der beiden großen Parteien.

Zugegeben, daß das etwas Phantastisches haben mag, aber Belgien ist ja das klasftsche Versuchsland. Ein solches Experiment ist natür. lich nur dort möglich, wo auf beiden Seiten der Wille zum Realen, zur Verwirklichung vorhan­den ift. Diese Geiftesrichtung ist nun aber gerade die echt belgische. DerVooriut", die Schöpfung der Sozialisten Eduard A n s e e l e in Gent, und der über ganz Belgien verbreitete, unter geistiger Leitung stehende Landbund haben beide eMas Gemeinsames: diesen aus nahe Verwirklichung gerichteten realistischen belgischen Geist. Der Kommunismus bat bei den Wahlen keinerlei Er-solge erzielt. Änseele hat einmal von seinem sozialistischen Konsum­verein Vooriut gesagt: ex bombardiere das Ge­bäude der bürgerlichen Geseschaft mit Kartof­feln und Käsestullen. Gegen solche Realistik kommt der Moskauer Kommunismus in diesem Lande nicht auf. Das katholisch-sozialistische Ka­binett wird eine flämische Färbung haben. Poullet ift trotz des französisch klingenden Na­mens immer ein Vertreter des Flamentums ge­wesen, und Vandervelde ist zwar durchaus von französischer Kultur durchdrangt, aber dennoch kein Wallone, wie cs sein leidenschaftlicher Freund Jules Destrüe durch und durch ist. Man wird den Flamen große Zugeständnisse machen müssen und andererseits auch den Wallonen, um sie mit den Zugeständnissen an die Flamen aus- zusöhnen. Es kann fein, daß unter diesem Ka­binett der Gedanke, das Land in einen flämi­schen und einen wallonischen Verwaltungsbezirk zu zerlegen, wieder auftauchen wird. Auf jeden Fall werden die Flamen die Amnestie für alle wegen politischer Vergehen während des Krie­ges Verurteilten erhalten und ihre Bewegung wird an innerer Kraft zunehmen.

Man kann im Ganzen mit einer Verselbst­ständigung der belgischen Politik rechnen. Die Ausschaltung des frankophilen und zentralisti­schen liberalen Elementes wird sich bemerkbar machen. Freilich erhält die liberale Partei eine gute Rolle als Kritikerin und als Sr. Majestät getreueste Opposition. Aber es ift doch recht zweifelhaft, ob diese Partei, in der es nicht an ausgezeichneten individuellen Talenten und an Finanzspeziali-sten fehlt, noch die geistigen Fonds aufbringt, um sich wieder einmal auf den Regierungssitz zu schwingen. Diese Partei hat keinen Nachwuchs. Was noch au jun­gen Talenten in ihr blüht, wird sich wahrschein­lich den lebendigen Parteien zuwenden, eine Wendung, die Belgien wieder zum Zweivar- teiensystem zurückführen und ihm damit solche Dauerkrisen, wie die eben vergangene, für die Zukunft ersparen könnte.

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Italien gegen Frankreichs Hebt)reffe

Rom, 9. Juni. (Eigener Trabtbencht.l Ein Telegraphenbüro bringt eine Veröffentlichung gegen die neueste Art der französischen Presse, falsche Nachrichten zu verbreiten, die der beut* schen Botschaft in die Schuhe geschoben würden. Derlei Manöver riefen in Italien den peinlich­

sten Eindruck hervor, weil man dadurch auch die italiensche Politik zu kompruomittieren suche. Solche Tendenzmanöver würden aber schließlich nur tiefstes Mißtrauen gegen diejenigen säen, welche sich solcher Mittelchen bebitnen.

Der Oorantiepakt ist fertig.

Bon Chamberlain gutgeheitzen. Bor Uebergaöe. (Eigene Drahtmeldung.)

Genf, 9. Juni.

Der englische Außenminister Chamber­lain überreichte gestern Briand die Antwort per englischen Regierung auf die Note über Briands zweiten Garantiepaktentwurf. Presse­vertretern gegenüber lieh sich Briand dahin aus, daß Frankreich und England sich über die Ant­wort, die Frankreich Deutschland auf sein Me­morandum über den Sicherheitspakt übermitteln wird, vollkommen einig sind. Auch die anderen interessierten Regierungen, so insbe­sondere die belgische, ist mit der Antwort einverstaudcu. Es wird alles geschehen, um der Rcichsregierung die Antwort bereits in den nächsten Tagen zukommen zu lassen. Die Darlegungen in der französischen Antwort sind so lohal, weitgehend und freimütig, daß es mit Deutschland zu einer Einigung kommen muh. An die Aeußcruna Briands knüpfte C >) n m berlain die Erklärung, datz die erreichte Der» ständigung die Grundlage zu einem außerordent­lich festgefügten Friedenswerk biete.

Der Rhein als Kriegsgrunb

Genf, 9. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Das Pariser halbamtliche Depeschenbüro erklärt,.das erzielte Abkommen stellt den formellen Be­schluß Großbritanniens fest, die Rheingrenze von Versailles zu garan­tieren und jede Verletzung der territorialen und militärischen Klauseln, die die Rheingrenze garantieren, als Casus belli zu betrachten. Was die Ost grenzen Deutschlands betrifft, so bleibt England der Stipuiierung des Ver­trages von Versailles treu. Die Garantie für die Rheingrenze erstrecke sich nicht auf die Grenzen von Polen und der Tschechoslowakei, die unter Schutz des Völkerbundes ständen.

Die Genfer Sensation.

Frankreichs Jubel. . . . Englands Mißtrauen. (Privat-Telegramm.)

Genf, 9. Juni.

In den Delegierten- und Prefsekreifen ist man geteilter und fogar gegensätzlicher Meinung über die Bedeutung des französisch-englischen Sicher­heitspaktes. Aus französischer Seite wird natür­lich allgemein die außerordentlich rasch zustande gekommene Einigung als ein Sieg Frankreichs ausgelegt. Gegenüber der These, daß England Frankreich in allen Punkten nachgegeben habe, wird an die allgemeine politische und wirt­schaftliche Lage Frankreichs erinnert, die es dem Lande nicht mehrerlaube, ohne jedes Ent­gegenkommen auf seinen Standpunkten zu »er- harren.Jn anderen, teilweise ziemlich vessimisti- schen Aeußernngen wird darauf hingewiesen, daß man den voraufgegangenen Schriftwechsel zwi­schen England und Frankreich ebenso wenig im einzelnen kenne, als die Grundlagen der schnel­len Einigung. Der Pakt scheine mit Deutsch­lands Vorschläge im allgemeinen nur noch wenig Berührungspunkte zu haben.

Deutschland will Sicherheit.

Sckpirfe Kritik an Chamberlains Verhalten.

(Eigener Drahtbericht.)

London, 9. Juni.

In der Aussehen erregenden eitglisch-sran- zöstschen Einigung in der Sicherheitsfrage schreibt ein Berichterstatter, der Havasberichl enthalte keine Andeutung, datz der Palt gegen, eilig fei, und daß Großbritannien sich ver­pflichte Deutschlands Westgrenze.n eine (Garan­tie zu geben, die es bereit ist, Frankreich und Belgien zu geben. Gegenseitigkeit sei aber die Grundlage der ursprünglichen Vorschläge und auch der britischen Politik gewesen, zweitens ei bemerkenswert, daß nichts von einem Ein­fluß Italiens in den Pakt erwähnt werde, dem Mussolini gleichfalls beizutreten wünschte. Zwei andere Korrespondenten betonen, der Grundsatz der Gegenseitigkeit, sei der Kern des Paktes. Rach der Pariser Meldung werde der Pakt obre ein einseitiges Bündnis von einer Art, für das England ebenso wenig Meinung habe wie Amerika. Man hält es für sehr unwahrschein­lich, datz eine derartige Umkehrung der briti­schen Politik von der britischen Regierung ge­billigt werden würde. Wenn Chamberlain feinen Impulsen folgen könnte, schreibt ein anderes Blatt, so würde er Großbritannien weitgehen­der verpflichten, als die ösfentliche Meinung es

billige. Es fei aber zu erwarten, daß Cham­berlain bei seinen Kollegen Widerstand finden werde, jedoch müßte dieser durch öffentüdK Kri­tik unterstützt werden. Ein anderes Blatt der JsolieruugSpolitik trägt am Kopf die fettge­druckte UeüerschriftGroßbritannien nimmt die Rheingrenze an", bewaffnete Streitkräfte wer­den bis zur äußersten Grenze verpflickftet. Groß britannien erklärt sich zur Kontinentalmacht und verpflichtet sich zum militärischen Einschreiten. Es handle sich um eine epochemachende Verän­derung in der britischen Politik.

Schmiede der Zukunft.

Berlin zwischen zwei Roten.

(Eigener Drahtbericht.)

Berlin, 9. Juni.

Mit der nunmehr bevorstehenden Ueberrei- chung des Sicherheitspaktes wird die Sicher- heitSfrage in den Vordergrund treten, sodaß die alliierten EntwaffnungSforderungen im ällge- nteinen nur noch als diplomatisches Druck­mittel eine Rolle spielen werden. Deutscher­seits wird man vor allen Dingen klarstellen müs­sen, ob die Räumung der nördlichen Rheinland­zone sofort nach dem Zustandekommen einer Ei­nigung zwischen Deutschland und den Alliierten oder erst nach vollständiger Durchführung der Entwasfnungsforderimg eintreten soll. Im letz­teren Falle könnte nicht vor Ablauf diese« Jah­res geräumt werden. Für die weitere Behand­lung der alliierten Entwafnungsnote wird je­doch in erster Linie der Umstand maßgebend sein, inwieweit die alliierten Regierungen es ihrer­seits für erforderlich halten werden, die durch die Ueberreichung der Rote eingetretene Span­nung zu mildern oder die teilweise Ableh­nung der Forderungen aufs Spiel zu setzen.

(Sr ist zufrieden.

Chamberlain baut aus den Sicherheitspakt. (Eigener Drahtbericht.)

London, 9. Juni.

Chamberlain erklärte gestern einem Renter- vertreter in Genf: Tatsächlich seien beide Re­gierungen von Anfang an in grundlegenden Fragen Über den Sicherheitspakt eins gewesen. Man habe die endgültigen Striche machen müs­sen und dann habe er Briand die Rote über­reicht. Dieser habe sie angenommen und erklärt, wir befinden uns in voller Ueberein- stimmung. Die Frage, wann die Rote nach Berlin gehen solle, sei Sache der französischen Regierung. Sie gehe als sranzösische R o- t e, die in Uebereinstimmung mit den Alliierten erfolge. Das Schreiben fei in einem höflichen und freundlichen Ton gehalten und müßte zum Erfolg in den Verhandlungen führen.

Sturm aus den Kanzler.

Was wird nach der Entwaffnungsnote?

(Eigener Jnformationsdienst.-

Berlin, 9. Juni.

Im Reichstag versammeln sich alle Fraktio­nen, um zu der politischen Lage Stellung zu nehmen. Wie wir hören, .werden die Regie­rungsparteien eine nenerlüche Rückfrage mit dem Reichskanzler Dr. Luther herbeiführen. um die Frage zu klären, bis zu welchem Zeitpunkt die Reichsregierung die Annahme oder Ablehnung der alliierten Entwasfnnngsnote bekanntgeben soll. Das Kabinett hat von den Berichten der diplomatischen Vertreter über unternommene Demarche in Paris, Brüssel, London und Rom Kenntnis genommen. Reichskanzler Luther hat sich dahin geäußert, daß Deutschland seine Vor­behalte und Kritiken in einer Rote an die Alli­ierten niederlegen werde und daß die Absen­dung dieser Note sofort erfolgt nachdem die französische Sicherheitsantwort im Berliner Auswärtigen Amt eingegangen ist.

Kein Luftschiff zum Nordpol'

Warum Amerika ablehnt.

Washington, 9. Juni. (Funkdienst.) Der Marinesekretär teilt mit, daß die Bitte der nor­wegischen Luftfahrer, die Los Angeles oder die Shenandoah zur Aufsuchung der Amundsen- Expedition auszusenden abgelehnt werben ist. Tas Marinedepartement halte ein solches Un­ternehmen für untunlich u. nutzloses Bemühen.

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3 3t III fn Nvken

Lakehurst, 9. Juni. (Funkspruck.) Rach Rückkehr von dem unterbrochenen Flug nach Munesato war das Luftschiff Los Angeles wegen des herrschenden Windes und Nebels ge­zwungen fünfundzwanzig Landungsversuche zu machen, bis es in der Halle geborgen werden konnte. Zwölf Stunden lang mußte das Luft­schiff in der Nähe der Halle manöverieren.

Der Held des W.

Abd cl Krims Freiheitskampf gegen Europa.

Reisebrief von Eugen Szatmari.

lieber der heilige« Stadt. Add et Keims Werder. Ganz Aordalrika keuai ib«. Auch Tunis und Algier bedroht? Das Ge­heimnis des Atlas.

Fes, im Mai.

Ich siebe am Borj Sud, an der alten Feste, die Sultan Achmed el Mansour e( Dehbi vor mehr als dreihundert Jahren erbauen ließ. Europäische, Weiße Sklaven haben die mächti­gen, Steinquader aufeinander geschichtet, Ge­fangene, die von den berüchtigten, gefürchteten Piraten von El A r a i f ch bierhergebracht Worden sind, um dem nächtigen Sultan zu die­nen, dessen Reich sich über den ganzen Westlichen Teil von Nordasrika erstreckte. Er residierte in Marrakesch, aber Fes war die heilige Stadt und die Schätze, die von den verwegenen Fahrern der Galeassen mit der schwarzen Piratenslag.ze zusammengescharrt worden sind, wurden zum größten Teil hierhergebracht, um Moscheen und Paläste zu schmücken. Die heilige Stabt liegt unten auf dem flachen Plateau von Djedid, auf den Terrassen, die sieh zwischen den beiden Flüs­sen Fes und Zitum erheben, gleißend weiß leuchtend im grellen Sonnenlickt. Die flachen Dächer und die niedrigen Kuppeln des alten Fes liegen still und ruhig da, aus den fattgrünen Gärten

ragen die Paläste und Moscheen, die zehn Dynastien islamitischer Herrscher hier errichtet haben, hervor. Von hier aus sieht man nicht mehr dir Automobile und Kinos, die Zei« tungsverkäufer, die Brasserien und die euro­päischen Geschäfte, in denen Me Erzenginssr W"' den Fabriken von Paris und Lyon feilgebote» werden. Nur ganz nach links breiten sich die Villen der neuen Stadt aus, und die großen Kasernen von Dar Mahrös. Weit hinter der Stadt aber steigen blänlich-gran, verschwommen, die hoben Bergketten der Tieballa auf. Die hei­lige Stadt ist Marschall Liantev's Hauptquartier gegen die Truppen Add el Krim«, die drüben, von den bläulich schimmernden Bergen her, die Kasernen der heiligen Stadt bedrohen. Es war den Riflenten gelungen, den Onerghaflnß an verschiedenen Stellen zu übersetzen und nur die aus Algerien schnellstens herbeigeschassten Verstärkungen haben sie znrückznschlägeii ver­mocht. Daß aber der Kampf noch lange nicht zu Ende ist, bestätigen alle Nachrichten, die ans dem Kamvfgebiet langsam dnrchsickern. Die Agenten Abd el Krims haben unter den wilden Stämmen des TjcbaffagcbirgeS keine halbe Arbeit getan drei mächtige Stämme, die Djebel Habud, die Boni Arns, und die Boni Kaver, die bisher neutral waren, haben sich ihnen angeschlossen und Abd el Krim hat seinen eigenen Bruder zu ihnen gesandt, um sie militärisch zu organisieren. -Die Zahl der Aus- stänvischen ist schwer anzugeben, aber die An- bänger Abd el Krims zählen sicherlich mehrere Hunderttansende, von denen selbst nach gering gegriffener! Angaben mehr als fünszigt.nisenv inilitärisch ausgebildet und bewassnel sein sol­len. Tenn Abd el Krim ist kein Brigant, wie Raiftili es war. Er ist nickt der Nackstomme der Zeepiraten von El Araifck, sondern ein Freiheits­kämpfer. Wenigstens stellt er seine Bewegung als einen Freiheitskampf dar und die Freiheit war das Losungwort, mit dem er die Berber­stämmen des Djeballa für sich gewann. Er ver­kündete den Kampf gegen die ungläubigen Ein­dringlinge. Es ist gar nickt unmöglich, daß das Wort des Telbstbestimmungrecktes der Völker auch ihm bekannt ist. In den kleinen arabischen Cafös der Souks, der engen Gäßchen, wo die Messerschmiede und Lohgerber, die Männer in Turban und Burnus ihren Kaffee schlürfen und leise politisieren,

gilt er als Freiheitsheld.

Ick habe seinen Namen schon in Tunis gebärt, man sprach von ihm mit Siebe und Hoffnung, als er die Spanier in so vielen Schlachten schlug. Gr ist ein Großer der islamitischen Welt geworden, und sein Name wird in Nord- asrika weit bekannter, als der Mustafa Kemals. Abd el Krim bat gewiß nicht nur in seinen wil­den Bergen Anhänger, sondern auch in den weißen Städten, und in den kleinen Dörfern, wo in verlassenen Maralmts weiße Einsiedler begraben liegen. Sein Name ist durch ganz Nordafrika gedrungen, vom großen Ozean, in dem einst Okba den Nafi sein Pferd getränkt hat, bis zum palmenbewachsenen Golf von Gabes. Und hierin liegt für Frankreich die Gefahr, die nicht abzuschätzen ist. Denn wenn der Aufstand Abd el Krims zu einer Freiheits­bewegung werden würde, so würde er an den Grenzen Marokkos kaum Halt machen. Tie französische Kolonialpolitik bat klugerweise in Algier und Tunis den Eingeborenen viel Frei- beit gelassen und dadurch sich selbst gefestigt, aber wer kann wissen, ob die kickturell sehr hoch