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Kasseler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
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Nummer 135. Einzelnummer 10Pf„ Sonntags 15Pf. Sonnabend, 13. Zuni 1925. Einzelnummer 10 Pf.. Sonntags 15 Pf. 15. Jahrgang
Moskau wirbt um Frankreichs Gunst.
Gefährliche Rivalen.
Rußland-England im Fernen Osten.
Von Dr. Paul Rohrbach.
I» den neunziger Jahren sagte einst Fürst Uchtomski zu mir: Rußland hat seine Zukunft in Asien; wir könnten eher aus Einfluß am Balkan verzichten, als in irgend einem Teile Asiens! Eine Vorbereitung für die Formel: „Rußlands Hand über ganz Asien." Große Eisenbahnprojekte waren dazu bestimmt, China in Abhängigkeit von Rußland zu bringen. „Hat Rußland einen maßgebenden Einfluß in China, so kann es von dort aus auch einen unwiderstehlichen Druck gegen Indien ausüben!" Mit diesen Worten tat der Fürst seinen letzten breiten Strich an dem Gemälde der russi- schen Zukunft in Asien. Japan hatte in diesem Bilde noch keinen Platz. Sehen wir davon ab, so bemerken wir deutlich, wie sich die Grundlinie der russischen Politik auch unter noch so veränderten äußeren Verhältnissen von neuem os- fenbaren. Heute sind es nicht mehr Eisenbahnbauten, mit denen man China unter russischen Einfluß bringen will, und heut: kann auch I a - p a n aus dem weltpolitischen Spiel um Asten nicht mehr mit einer Handbewegung ausgeschal- tet werden, aber im Prinzip ist die Politik, die der Sowjet-Gesandte Karacban in Peking macht, dieselbe, wie sie einst Fürst Uchtomski ma- ujeu wollte.
Wenn jetzt der Sowjet-Gesandte bei der chinesischen Regierung das chinesische Volk zu seinem Wider stände beglückwünscht, wenn Trotzki in Moskau den Chinesen zurufi, sie sollten dem Beispiel Rußlands folgen und das Joch der europäischen kapitalistik-nen Ausbeutung abwerfen, wenn die gesamte Sowjetpresse kein Hehl daraus macht, daß nach ihrer Auflassung letzt China die Sache des Bolschewismus im fernen Osten führe, so ist der Hauptgegner, gegen den sich alles richtet, wiederum — Eng- l a nd. Wie vor einem Menschenalter, so ist aber China wiederum nur eine Etappe auf dem Wege zu dem eigentlichen Angriffsziel, Indien. Es ist schwer zu sagen, welche von beiden Seiten, die englische oder die russische, sich bei diesem Kampf in der Offensive fühlt. Im Grunde ist der Angreifer Rußland. Der Bolschewismus ist seiner Statur noch noch aggressiver und expansiver als der Zarismus. In der Zeit zwischen dem russisch-japanischen und dem Weltkriege schrieb General Kuropatkin seine berühmte Denkschrift an den Zaren, in der er nachwies, daß nicht die Verteidigung, sondern der siegreiche Angriffskrieg das geschichtliche Grundelement der rufstschen Politik sei. Heute gesellt sich zum Panflavismus nach der Bolschewismus. Nachdem aber die moskowitischen Machthaber durch die Erfahrung belehrt sind, daß keiner der großen europäischen Staaten aus direktem Woge von ihnen ernsthaft erschüttert werden kann, nachdem insbefondere die lange gehegte Hoffnung auf die Bolschewisierung Deutschlands endgültig fehlgeschlagen ist, haben sie den m- irekten Weg gewählt, und aus diesem ist das vorläufige Ziel Indien.
Warum Indien? Weil sich in Indien die große Hoffnung öffnet, England zu treffen. England ist eigentümlicherweise der einzige unter den europäischen Großstaaten, der für die Bolschewisten angreifbar ist, und nicht nur der einzige, sondern auch der stärkste und mächtigste. Die neue englische Regierung hat ihre Politik unzweideutig gegen den Bolichewisnnis eingestellt Die vertrauliche Denkschrift Chamberlains vom Februar diese? Jahres, die vor einiger Zeit in Amerika auftauchte, spricht -das mit klaren Worten aus. England will eine große antibolschewistische Front aufrichten. Auch Deutschland sollte rm weiteren Verfolg des Vorschlages, den der Botschafter Lord v'Abernon dem Außenminister Stresemann machte, mit für den Eintritt in die Reihe gewonnen werden. In Moskau betrachtet man das als Offensive. Formell mag es eine sein. Tatsächlich ist es ein Verteidigunasmittel der englischen Politik. Ein englischer Gelehrter hat die Defination der Lage richtig dahin gegeben, daß der Ausgang des von Moskau eröffneten Kampfes gegen Enalanv die Entscheidung über die politische Zukunft des Bolschewismus bringen wird. Von Moskau aus wird jetzt mit allen Mitteln darum gekämpft, Dcuflchland auf einer Linie festiuhal- len, die nicht zu einer näheren Verständigung mit England führt. Umgekehrt wäre es eine wirksame Methode, die Entwicklung der Ttnge im Westen, die Form des Sickerheitsp altes, die Abwicklung der Entwasfnungsfrage, ja >ogar die Grundlagen des englisch-französischen Verhältnisses zu beeinflussen, wenn Dcutichland sich entschließen würde, eine Entscheidung zwischen Rußland und England zu trefsen. Die Lage ist,
wenn auch in verschleierter Form, ähnlich wie in den Jahren von 1899—1901, als die Engländer um das Bündnis mit uns warben und Bülow und der Kaiser unter dem Einfluß Holsteins sich nach langen Erwägungen für den Platz zwischen den beiden Stühlen entschieden.
Moskaus stumme Rolle.
Mit Frankreich gegen England.
(Privai-Telegromm.)
Moskau, 12. Juni.
Hier verfolgt man aufmerksam den Verlauf der Sicherheits-Verhandlungen. Die Sowjctregie- rung begegnet den polnischen Annäherungsversuchen mit Entgegenkommen und verteilt seine wohlwollende Haltung auch auf Frankreich. Zeitungsartikel greifen die wie sie sagen selbstsüchtige P o l i t i k E n g l a n d s an, das die Isolierung Frankreichs und Rußlands anstrebc. l.c schlechte Politik Poincarss habe dazu geführt, daß Frankreich die Beherrschung des Kontinents an England verloren habe. Die einzige Möglichkeit für Frankreich, der Iso- lierung zu entgehen, sei der Anschluß an Rußland. Ein Uebereinkommen Frankreichs mit Rußlandd hinsichtlich der Oricntfrage werde für die beiden Staaten ein Gegengewicht gegenüber England in Asien geben. Frankreich würde durch einenSicherheitspakt daran gehindert werden, den polnischen und tschechoslowakischen Freunden im Falle eines Krieges mit Deutschland zu Hilfe zu kommen
GugMuder gegen Ehinejen.
Ein blutiger Dag. — Drohender Generalstreik. (Durch Funkspruch.)
Hanlau, 12. Juni.
Nach ernsten frerndrnfeindlichen Unruhen griffen die chinesischen Aufrührer das Arsenal der britischen Freiwilligen an. Als die Feuerspritze nichts fruchtete, wurde auf die Angreifer Maschinengewehrfeuer eröffnet, wodurch acht Chinesen getötet und viele verwundet wurdeir. Ein Londoner Blatt berichtet aus Schanghai, di Lage sei ernst. Auf einer Versammlung von zwanzigtausend Chinesen wurde der Bei«!’•_ den Streik fortzusetzen, bekräftigt. Es wurde ferner der Boykott britischer und japanischer Ware beschlossen. Ein das gesamte Land umfassender Sfreif drohe. Aus dem ganzen Lande treffen in Schanghai tudenten zur Unter- stützung der Streikenden ein.
*
Boykott und drohende Worte.
London, 12. Juni.,. (Eigene Drahtmeldung.) Aus Peking wird gemeldet, die chinesischen La- denbesitrer lehnen es ab, britische und japanische Banknoten anzunehmen. Einige weigern sich überhaupt, mit Ausländern in Verbindung zu treten. Die Preffesehde gegen England und Japan dauert fort. Ein Telegramm Fengyuf- h i a n g s wirft dem britischen Konsul vor, er vertrete nicht den Gerechtigkeits-, sondern den Machtstandpunkt. Wenn keine Genugtuung bei Schanghai gegeben würde, so würde er die Bewegung der chinesische« Kaufleute unterstützen.
Staatsstreich in Achen?
Rücktritt des Kabinetts.
(Eigene Drahtmeldung.)
Paris. 12. Juni.
Wie Havas aus Athen berichtet, ist das griechische Kabinett zurückgetreten und zwar we- gen der drohenden Haltung der Offiziere von Armee und Marine, die, wie verlautet, einen Staatsstreich vorbereiten. Marine- und Jnnen- ministerium sind mit einem starken Polizeiaufge. bot umgeben worden. In die Umgebung von Athen wurden Truppen entfandt. Die Aufständischen fallen beabsichtigen. eine Fünfmänuerre- gierung einzufetzen zur Programm-Erfüllung.
Das 2Hte war besser.
Frankreich auf dem Wege zur Wahlreform.
(Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 12. Juni.
Fn der gestrigen Kammerfitzung brachte der radikale Aba. Lambert eine Entschließung ein, die die Beseitigung des jetzigen Wahlgesetzes und die Rückkehr zur Arroondifsementswahl fordert. Selbst der Senat habe sich mit großer Mehrheit für die Rückkehr zur Arrondifsimentswahl ausgesprochen Der Abg. B a r e n n e (Soz.) betonte, in Srenoble habe der Ministerpräsident Painlevü dir Dringlichkeit ber Wahlreform betont. Es sei notwendig, den Resolutionsan- nag Lamberts anzunehmen. Diese Entschlie
ßung dem Ausschuß zu überweisen, wurde ange- nommen und ein Bericht eingefordert.
Gin neuer Wind.
Frankreich muß die Gegenseitigkeit anerkennen. (Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 12. Juni.
Nach Briands Rückkehr geben die Morgen - blätter zu, daß der Sicherheitspakt einen gegenseitigen Charakter trage. England verspreche heute Frankreich, wenn der Pakt abgeschlossen würde, so schreibt ein Blatt, mit allen seinen Streitkräften gegen jeden Angreifer an Franl- reicks Seite zu treten. Es sei zwar wahr, daß es Deutschland das. gleiche Versprechen gebe. Aber diese Gegenseitigkeit könne keinen Franzosen beunruhigen, weil es absurd wäre, Frankreich in der Rolle des Angreifers zu vermuten Die Nationen hätten jetzt alle das größte Interesse daran, den Frieden zu konsolidieren. Die Westgrenze fei die verwundbarste. Sie müsse zuerst garantiert werden. Der westliche Sicherheitspakt könne Belgien. Großbritannien, Frankreich und Italien als Garantie genügen. Italien, dessen Sorge am Brenner liege, werde gewiß eines Tages unter irgendeiner Form beitreten, wenn es etwa das Ziel des Angriffs werde, an dem Oesterreich sich beteiligen würde.
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Gewehr bei Fuß
London, 12. Juni. (Eigene Drahtmeldung,) Eine Versammlung der liberalen Parteiführer hielt es für verfrüht, einen Schritt gegen den Sichetbeitsvakt zu unternehmen Es verlautet, daß Sir Alfred Mond heute bei einem Frühstück in Manchester sich gegen den gevlanten Patt wenden und erklären werde, Großbritanien müsse sich von den Bündnissen freihalten.
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SooUdge« kalter Wasserstrahl.
Washington, 12. Juni. (Funkdienst.) Die amerikanische Regierung betonte unformell, daß sie an dem vorgeschlagenen europäischen Sicherheitspatt nicht teilnehmen werde. Es seien keine Vorschläge gemacht worden, an den dabei vor- aesehenen Kommissionen teilzunehmen. Diese Verlautbarung hat auf die Ansicht, daß Amerika als Treuhänder des Sicherheitspaktes fungieren werde, wie ein kalter Strahl gewirkt.
Anter den Kanonen.
Die hartbedrängte Front. (Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 12. Juni.
Im Marokkobericht heißt eS: Die französischeit Posten bei Quezzan sind beschossen worden. Im mittleren Frontabschnitt werden die französftchen Truppen noch immer durch feindliche Stämme belästigt. Tie feindliche Bedrohung gegen ßln e r r n m a o n verstärkt sich, da sich eine feindliche 11000 Gewehre starke feindliche Truppen- abtcilung, deren Atigriff bevorsteht.
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England wartet ob.
London, 12. Juni. (Priltatielegramm.) Ein Londoner Blatt erklärt, daß die britische Haltung passiv sein werde. Briftsche Schisse würden an den Blockademaßnahmen bei der Blok- kade der Risftüste nicht teilnehmen. Die Haltung Großbritanniens gegenüber Frankreich und Spanien sei eine solche der Sympathie und wohlwollender Neutralität, aber eine Beteiligung der britischen Flotte oder des Meeres liege außerhalb der Möglichkeiten.
(Sin neues Fiasko.
Zwei belgische Minister lehnen ab. (Eigener Drahtberichl.)
Paris, 12. Juni.
Bei der belgischen Kabinettsbildung haben sich im letzten Augenblick Schwierigkeiten ergeben. Nicht nur der Kolonialminifter, Carton, hat sich geweigert, das Portefeuillebeizubehalten, sondern auch der Landwirtschafts- und Arbeitsminister De Liedekerte hat nachträglich abgelehnt.
Der erste am Vol.
Aufbruch Mac Millans am 17. Juni.
(Eigene Drahtmeldung.)
Washington, 12. Juni.
Flottensekretär Wilbur rrllärte, daß die Mac Millau-Erpeditton bei ihrer Abfahrt nach der Polargegend am 17. Juni keine besonderen Anweisungen bei der Beanspruchung irgendwelcher entdeckter Gebiete oder beim Fliegen über strittige nicht okkupierte Gebiete erhalten würde.
Darmats Ruin.
Vernehmung durch d. Ausschuß in der Wohnung
Wie man sich kennen lernt. — Ein Bild v».n Evett. — Die falschen Milchgewickte. — Die abgelehnt«» Aktien. — Es «ar vieles faul.
Die getänfchte Staatsbank.
In seiner Wohnung am Kursürstendarnm wurde gestern Jul. Barmat vom Vorsitzenden des Barmatausschusses Abg. Leidig int Beisein von dessen Verteidiger D o m b o i s, dem jetzigen Präsidenten der Seehandlung Schröder, der Finanzräte Rühe, Hellwig und Rugge usw. vernommen. Die Vernehmung gestaltete sich nicht 'einfach, da Julius Barmat kränklich ist. Keim Internationalen Kongreß, Ende Mai 1919 habe er, so bekundete Barmat, die deutschen Sozialdemokraten Wels und Müller kennengelernt. Später habe ihm H u p s m a n s, der belgische Sozialist, einen Brief an Ebert gegeben, den er in Berlin dem Adressaten überreicht hat. Heilmann habe er als Korrespondenten der holländischen Zeitung „Forwards" in Berlin kennen gelernt. Mit dem ehemaligen Reichs» kanzler Bauer ist Barmat anläßlich der gegen ihn in der „Berliner Volkszeitung" gerichteten Angriff bekannt geworden. Bauer wollte von ihm Aufklärung über die Ursachen die- sei Angriffe, die damals auch gegen die Regierung gerichtet waren. Vom Reichspräsidenten habe er nur eine
Karte mit dem Bilde des Reichspräsidenten bekommen. Dann stellt der Vorsitzende die konkrete Frage: Wie sind Sie in die 8J e,f.e r u u» gen mit den Reichsstellen gekommen? — m-r-e - mat: Ich bin zum Minister Schmidt gegangen und habe ihn gefragt, ob ich nicht an den Lieferungen teilnehmen könne. Schmidt hat mich an Pritschow verwiesen. Ich bot Pritschow an, ihm gegen Akzepte auf sechs Monate zu liefern. Meine Lieferscheine lauteten „abzunehmen da und da, bei der und der Firma". Die Akzepte für meine Lieferungen wurden erst sechs Monate später freigegeben. Ueber die bekannten Milchgeschäfte befragt, gibt Bar- mat, wie schon früher, die Erklärung ab, wenn von einigen Fabriken geringeres Gewicht geliefert worden fei, so sei dies nicht auf seine Anordnung geschehen. Dann schildert Bar- mat, daß er mit Empsehlungen von Bauer und Gradnauer, Anerkennungen für seine Lebensmittellieserungen für Deutschland, zur Preußischen Staatsbank gekommen sei. Mit erhobener Stimme erklärt Barmat: Ich war fünf Monate im Gefängnis, weil ich meinen Verpflichtungen nicht nachgekommen fein sollte. Ich kann ober aktenmäßig beweisen, daß ich es getan habe. Ich habe noch in Gegenwart des Untersuchungsrichters Nothmann der Staatsbank gewisse Aktienpakete als Deckung angeboten mit dem Bemerken, daß er sie nehmen möchte, weil sonst alles kaput gebe. Deren Vertreter behauptete jedoch, sie fei nichts wert, obwohl das nicht stimmte. Ich will vor allem die Oeffentlichkeit davon überzeugen, daß ich ein Opfer des Antisemitismus und politischer Hetze geworden bin. Minister Höfle habe er durch den Abg. Lange-Heger- mann persönlich kennen gelernt. — Geh. Oberfinanzrat Rugge gibt dann an, bei einer Prüfung habe sich herausgestellt, daß Barmats Betriebe nicht untereinander abgestimmt waren. Es befanden sich , wertvolle Betriebe darunter, aber auch solche, die zweifellos besser nicht gekauft worden wären. Man habe den Eindruck gehabt, für die ganze Sache sei
nicht der richtige Untergrund vorhanden.
Bei den späteren Kreditverhandlungen habe Barmats Vertreter schließlich erklärt, der Bar- mat-Konzern sei im Moment fest gefahren. Eine Urberschuldung sollte aber auch da noch nicht vorhanden gewesen sein. Von da ab galt der Kredit jeden Tag für fällig. Im November, als die Presseangrifse begannen, habe die Sache ein anderes Gesicht bekommen. Aber auch im Dezember war die Situation noch so, daß die Staatsbank nicht glaubte, daß sie etwas verlieren würde. — Präsident Dr. Schröder bestätigt diese Angaben. — Barmat hebt noch her- vor, daß er habe annehmen müssen, daß seine Kredite von der Staatsbank bis ?nm März prolongiert worden seien, weil die Post den von ihr ber Staatsbank gegebenen Kredit genau in der Höhe des Barmatschen Kredites auch bis zu diesem Termin verlängert hatte. Nächste Vernehmung am kommenden Mittwoch.
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Wie Hoefle abwinkle.
Berlin. 12. Juni. (Privattelcgram«.) Ge- heimrat Rugge führt zum Sckstuß der Barmat- sitzung noch an, daß er gemeinsam mit dem Abg. Lange-Hegcrmann den Minister Hoefle gebe-
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