Kasseler Neueste Nachrichten
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Hessische Abendzeitung
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R«mmer 283. Einzelnummer IN Pf. Sonntags 18 Pf. Freitag, 4. Dezember 1925 Einzelnummer IN Pf. Sonntags 15 Pf. 15. Jahrgang
Loucheur's ZnflMonsrezept: Mehr Steuer».
Schein und Sein.
Wie es hinter den Pariser Kulissen zugehl. Bon Dr. Paul Rohrbach.
Herr Briand, gegenwärtig französischer Ministerpräsident, läßt ein Wort von sich verbreiten: fortan werde sein Leben nur noch der Auf- gäbe gewidmet sein, „bie Politik von Locarno weiter auszubauen". Allerdings hat er nicht dazu gesagt, was er unter der Politik von Lo- carno versteht. Für die Franzosen heißt Politik machen immer so viel, wie auf einer Bühne agieren. Man stellt eine Dekoration hin und setzt sich davor in Pose. Nur darf niemand denken, daß mit dem Schauspiel stets auch die Handlung hinter den Kuliflen getroffen sei. Frankreich agiert jetzt die Rolle, die Briand mit „Ausbau der Politik von Locarno" überschrieben hat. Dazu gehört die Kulisienstellung der Versöhnungsbereitschaft, der Friedensliebe, der „europäischen" Gesinnung. Dazu gehört aber auch Vermeiden alles Eingehens auf solche Punkte, an denen speziell in Deutschland die Ernsthaftigkeit der Reden geprüft werden könnte. Ma muß bei Frankreichs heutiger Politik die Triebfedern unterscheiden, die im französischen Charakter liegen, und die Symptome, die aus dem Zwangscharakter der äußeren Lage folgen. Diese letzteren äußern sich nicht in dem Spiel aus der Szene — sondern in dem anderen hinter der Szene. Briand hat die Kabinettsbildung übernommen, nachdem die Sozialdemokraten im letzten Augenblick sich zurückgezogen hatten, da sie rücksichtslose Besteuerung des Kapitals forderten. Aber der jetzige französische Kapitalismus wird sich unter keinen Umständen gutwillig dazu verstehen, nachträglich die Kosten des „Sieges" zu zahlen.
Zur Zeit handelt es sich in der inneren französischen Politik um die Frage: Wer wird der Zahler? Run hat zwar gestern Loucheur in der Kammer eine verkappte Inflation vorgeschlagen, die er durch starke Steuererhöhungen parallvsteren will. Aber ohne die nahende Finanz- und Wirtschaftskrise wird es sowieso nicht abgehen, denn die Entwicklung ist schon zu weit vorgeschritten. Bis aus weiteres aber sind alle Parteien darin einig, die Stunde der Entscheidung hinauszuschieben. Sie wird beschleunigt, wenn der Franken rasch weiter fällt, und die Beschwörungsformel, mit der es Briand dagegen versucht, ist die Proklamation der „Politik von Locarno" als „Lebensaufgabe". Biel Glück wird er dabei nicht haben, weil man In London und in Washington keine Proklamatioen zu hö- rett, sondern Maßnahmen der Abrüstung zu sehen wünscht, und weil da» französische Kapital. aus dessen Angstverkäufe der Fall der Valuta ja auch zurückgeht, sich bereits mit einem so stürmischen „rette sich wer kann" aus demFran- ken flüchtet, daß in der ganzen Schweiz in keiner einzigen Bank noch ein einziger Tresor oder ein Schließfach zu mieten ist.
Das Unglück der Franzosen, da- in ihrem Charakter liegt, ist ihre Unfähigkeit, eine Politik der Mäßigung und der besonnenen Hand zu machen, wo sie machtpolitisch im Sattel zu sitzen g l a u b e n. In großem Maßstabe haben sie das mit dem so gründlich zusarnmengebroche- neu Poincarismus in Deutschland erfahren und in kleinerem erfahren sie es — immerhin schmerzlich genug — jetzt in Syrien, wo die Lage immer peinlicher wird. Ein christilcher Syrier und politischer Führer hat kürzlich in einem Bries eine lebendige Illustration zur Lage h i n- fer den Kulissen der Pariser Bühne gegeben. In diesem Briefe heißt es: Alle unsere Pro- teste gegen französische Gewalt wurden als .Aufruhr" behandelt! Die arabische Geduld war erschöpft, als bie französischen Militärs Schwarze ans Afrika in unsere Städte und Hütten einquartierte« (also auch Syrien protestiert gegen die schwarze Schmach) und verlangten. daß jeder Distrikt eine .Weiberquote" für sie liefern solle. Danach blieb für die Araber nur noch eine Waffe :d:r Aufstand. . . . Frankreichs Kolonialpolittk ist reine AuS- beutungspolitik. an der die milit.rischen Stellen direkt teilnehmen. Ich habe viel versucht, um dem französischen Auswärtigen Amt die Lage Nar zu machen, erntete ober nur Abweisung und wurde schl^ßlich arretiert. Nach meiner Flucht wurde ein Preis auf meinen Kops gesetzt, und die französischen Behörden fuhren mit ihrer Gewaltpolitik fort. Schließlich waren Tausende von Arabern im Gefängnis zusammen mit Dieben und gemeinen Verbrechern.....
Sogar die arabischen Heiligtümer wurden entweiht. Frankreich svielt mit den. Feuer. Durch seine barbarisch n Methoden In Syrien bringt es die mohammedonische SHt in Wut Es regt die Geoensätz? von Rasse und Religion ouk. nickn nur in Syrien, sondern auch in anderen Teilen der Welt. Es denkt nicht daran, daß Syrien zum
Hinterland Arabien hat, und ich selbst kann als Christ nur mit Schrecke« an die Folgen denken, wenn erst einmal der Fanatismus der arabischen Wüste durch die Kunde von den französischen Brutalitäten aufgeregt ist.
Wir verkennen nicht die Aenderungen, die sich jetzt im Tert und in der Melodie des Bühnenspiels in Paris vollziehen, und wir nehmen gerne Kenntnis von den faktischen Erleichterungen im Rheinland. Wir wünschen auch keine Schwarzmalerei zu treiben und wollen nicht behaupten, daß Briands Spiel unehrlich ist. Wirkliches Vertrauen könnten wir aber nur haben, wenn wir uns überzeugten, daß nicht nur die Umstände, sondern auch die Gesinnungen sich in Frankreich geändert haben — und hier steht das Fragezeichen.
Die Schraube zieht an.
Loucheur stopft das Loch durch Steuern.
(Eigener Drabtbertch».)
Paris, 3. Dezember.
Finanzminister Loucheur hat die Kammer um die Ermächtigung ersucht, den Vorschuß der Bank von Frankreich an den Staat um sechs Milliarden zu erhöhen. Außerdem wird die Genehmigung nachgesucht, den R o t e n u m • lauf von 51 Milliarden auf 58% Milliarden zu erhöhen. Um eine Deckung dieser Erhöhung heibeizuführen. fordert der Gesetzentwurf, daß alle am 31. Dezember 1925 rückständigen Steuern um zehn Prozent erhöht werden. Außerdem wird die Grundsteuer für bebauten oder unbebauten Besitz um fünfzig Prozent, die Steuer auf Industrie und Handel um fünfzig Prozent, die Steuer auf den Pachtzins von Bergwerken um hunvert Prozent und die allgemeine
Einkommensteuer um 20 Prozent erhöht. Ferner sollen um fünfzig Prozent erhöht werden die ®teuen: auf mobile Werte, die der Stempelsteuer unterliegen, sowie von französischen Attien und Obligationen, die auf den Inhaber lauten und von ausländischen der Stempelsteuer unterliegenden Akti-n und Obligationen, gleichviel, ob sie "Uf den Namen oder Inhaber lauten. Finanzminister Loucheur erwartet von den Steuern eine Mehreinnahme von 3 Milliarden.
£ou1four» Programm angenommen.
Paris, 3. Dezember. (Privat - Telegramm.) Bei der Gesamt-Abstimmung über das Finanzgesetz wurden 257 Stimmen dafür und 229 dagegen abgegeben.
In Berlin nichts bekannt.
Strrsemann geht nicht nach Paris. — Rücktritt (Eigene Drahtmeldung.)
Berlin, 3 .Dezember.
Amtlich wird mitgetrilt, daß von einer beabsichtigten Reif« Strefemanns nach Paris an den hiesigen maßgebenden Stellen nichts bekannt sei. DaS Kabinett wird nach Blättermeldungen voraussichtlich am Sonnabend zu- rücktreten. ES verlautet weiter, daß die Suft- fahrtkonferenz sich um einige Tage verschoben habe.
Hohe Ziffern.
Wieviel Truppe« am Rhein bleiben. (Privat-Telegramm.)
Pari», 3. Dezember.
Laut Pressenotiz wurde gestern abend ver kündet.daß dir Besatzungstruppen nunmehr auf folgende Effektivb Sände zurückgeführt würden: Belgien 10000 Mann, England 30)0 Mann, Frankreich 50 000 Mann. (Anmerkung der Red.: Hinsichtlich Belgiens ist bereits in der k-ovz-sisch-n Nr-st» die niedrigere Ziffer von 7000, hinsichtlich Großbritanniens jedoch eine höhere, nämlich von 8000 Mann genannt worden.)
Knigge in der polilff.
Lltther-Strcsetnann als Gäste im Unterhaus.
(Eigene Drshtmelbu-a.)
London, 3. Dezember.
Die Unterzeichnungödelegierten erledigten gestern Besprechungen. Besuche ufw. Reichskanzler Dr. Luther sprach in Downingstreet Nr. 10 vor. wo er eine kurze Besprechung mit Baldwin hotte, «ähr nd Bondervelde, vencsch und Scia. lofa einen Besuch bei Sir Austen Chamberlain machten. Nachmittags wohnt-n Dr. Luther und D». S t r e s e m a n n auf kurze Zeit in der
Fremdeuloge deS Unterhauses der Erledigung der kurzen Anfragen bei. In der Tatsache, daß sie bei der Anfrage wegen der Kadaverangelegenheit sofort die Tribüne verließen, ohne Chamberlains Antwort anzuhören (f. a. 2. S.), hat man den Wunsch erblickt, den Eindruck zu vermeiden, als feien fie zu 6-m Zweck: ins Unterhaus gekommen, um Chamberlains Derne n t i in der K adaverangelegenheit anzuhören.
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Zirm Tee bei Macdonald. Abends bei Baldwin.
London, 3. Dezember. (Eigene Drahtmel- dung.) Gestern nachmittag nahmen Dr. Luther und Dr. Stresemaun bei Ramsay Macdonald den Tee ein. Abends gab der Premierminister in Downingstreet Nr. 10 ein Essen, an dem etwa fünfzig Gäste, darunter die britischen Minister, auswärtige Diplomaten ufto. teilnahmen.
Keine Inflation ohneDeckung
Loucheur läßt nicht mit sich handeln. (Eigener Dra! werickn.»
Paris, 3. Dezember.
Die Kammer trat nach 11 Uhr abends in die allgemeine Beratung des Finanzgesetzentwurfs ein. Dbg. 6a ft ag not greift den Finanzmi- nifter Loucheur persönlich an. Loucheur erklärte darauf, als er zum ersten Male von Briand in fein Kabinett berufen worden sei, habe er nur unter der Bedingung angenommen, daß er feinen ganzen Kriegsnutzen zurück- zahle. Francois M a r f a 1 habe als Finanz- minifter den Scheck in Empfang genommen. Er könne also seinen Kopf hochtragen. Abg. Bo- konowsk: betonte, wenn man nichts anderes tue, als den Notenumlauf und die Steuern zu vermehren, dann könne man der Finanzkrise nicht Herr werden. Briand bat, den Gesetzentwurf an sich zu beurteilen und konkrete Kritik zu üben. Abg. BokanowSki schlägt vor, eine halbe Milliarde des Notenumlaufs zu bewilligen unter der Bedingung, daß die Erhöhung der Steuern fortfalle. Loucheur entgegnete, er habe keine Inflation Vorschlägen wollen, ohne zugleich neue Einnahmequellen zu erschließen. Er wolle daS Budget ausgleichen.
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Louchruk « Anträge dringen durch.
Paris, 3. Dezember. ((Eigener Drahtbericht.) Ncha dem Finanzexpose Loucheurs wurde Im Katnrnrrausschtch ber Vorschlag gemacht, die Erhöhung der Borschüffe der Bank von Frankreich an den Staat und die Erhöhung des Notenumlaufs anzunehmen, jedoch die Artikel 1, 2 und 3 des Gesetzentwurfs, die sich mit der Steuererhöhung beschäftigen, abzutrennen. Dieser Antrag ist nicht durchgedrungen. Der Ausschuß hat hierauf Paragraph 4 und 5 betreffend die Erhöhung der Borschüffe und des Notenumlaufs mit 16 gegen 10 Stimmen angenommen, ebenso unverändert den Artikel 1.
ES insoweit.
Auch Dandervelde für schleunige Abrüstung. (Eigene Drabtmeldung.) »
London, 3. Dezenwer.
Ein diplomatischer Sorrefpondent meldender belgische Außenminister Bondervelde habe ihm gegenüber geäußert, (ein Problem sei jetzt dringender oder wichtiger als das der Verminderung der Rüstungen. Ich habe zu denen gehört, die stets der Meinung waren, day ein Land in fo exponierter Lage wie Belgien an eine ve- nächtliche Verminderung der Rüstungen nur denken könne in oem Maße, wie auswärtige Garantien seine Sicherheit gewähr- leisten Jetzt aber, da solche Garantien erlangt sind, werden keine De'rgierten beim Böl- kerbund eifriger bei Den AvrüstungSvorschlägrn im Völkerbund fein, als die unfeigen.
(Sin zerstobener KriegSspuk.
Wahrheit heilt den Schmerz ... (Eigene Dravtmeldung.»
London, 3. Dezember.
Zu Chamberlains Erklärung in Sachen der „Kadaververwertung" bemerkt ein Blatt: DaS Greuelmärchen fand selbst in den bittersten Stunden deS Krieges in England nicht allgemein Glauben. Es ist sehr bedauerlich, daß die Sache wieder hervorgeholt wurde, während die Welt die Leidenschaften deS Krieges dringend zu vergessen wünscht. Aber ans dem Bösen kann Gutes entstehen, wenn die herzliche Zustimmung des britischen Volkes bei Erledigung dieser Loche zu« Ausdruck gebracht wirb. (S. Dep. 2. S.)
Sürlt und Volk.
Reichstagsdebatte über Hohenzollcrnabfindtmg. Nach (vrleDignna der Handelsabkommen tfiebe 2. S.) schritt geifern der Reichstag anr eilten «erahnte des son den Demokraten eingebra»- ten Gesetzentwurfs über die oermögensrechtlicke Anse.nauderietznua mit den früher regierenden SürüendSuier« und deS von den KvmmuuiktLU beantragten Geletzenimuris über eine entfchsdl anngölok Enteignung. Die teilweise sehr stürmische Debatte nerllef wie folgt:
Abg. Dietrich-Baden (Dem.) betont zunächst bei der Begründung des Gesetzentwurfs, daß die vcrmögensrechtliche Auseinandersetzung mit den Fürsten vor den Gerichten zu ganz unhaltbaren Zuständen geführt habe. Besonders schlimm lägen die Verhältnisse in Thüringen. Dort müßten nach den Reichsgerichtsurteilen dem Herzog von Gotha ein Wald- bestand von zwanzigtausend Hektar, dem von Altenburg zwölftausend Hektar, dem Fürsten von Schwarzburg-Sondershausen neunzehntausend Hektar ausgeliefert werden. Eine solche Herausgabe in Verbindung mit den hoben, den Fürsten zugeb illigtrn Renten würde die Finanzen Thüringens aufs schwerste e r s ch ü 11 e r n. Die Abfindung in Preußen, so fährt der Redner fort, können wir unmöglich den Gerichten überlassen, denn eS handelt sich hier überhaupt nicht um vrivatrechtlichc, sondern um staatsrechtliche Fragen. 1 (Beifall linkS.) Das hat mit größtem Nachdruck Fürst Bismarck betont, als es sich um die Auseinandersetzung mit dem von Preußen de- pofledierten Welsenhause handelte. (Sehr richtig! links.) Wir wollen mit unserem Gesetzentwurf den Rechtsweg ausschließen bezüglich der grundsätzlichen Frage und der Höhe der Entlchä digung. Die Erfahrungen mit den politischen Prozessen der letzten Zeit haben uns gezeigt, wie bedenklich es wäre, wenn die Weltgeschichte nachträglich von Gerichten gemacht oder korrigiert wird. (Lebh. Beifall links, Zischen rechts.) Abg. Neubauer (Komm.) begründet den Gesetzentwurf seiner Freunde, der die entschädigungslose Enteignung der früheren Fürstenhäuser fordert.
Abg. Scheidemann (Soz):
Es ist keine Uebertreibung, daß jetzt Millionen unserer Volksgenossen hungern. Nach allen Berichten ist das Elend überall im Steigen. Und dieses in Not und Elend versinkende deutsche Volk soll nun viele Hundert Millionen jenen F ü r st e n zahlen, die die H a n p t s ch u l d an dem jetzigen Elend unseres Volkes tragön. Die Fürsten haben offenbar kein Verständnis für die milde Art, mit der das Volk bei der Revolution mit ihnen umgegangen ist. Noch ärger ist ober das Verhalten deutscher Gerichte. Das Oberlandesgericht in Braunschweig hat sich nicht gescheut, einen Vergleichsvorschlag zu machen, wonach dem cumberländer Herzog eine Jahresrente von 350000 Mark gezahlt wer- den sollte. (Hört, hört.) Die Hohenzollern haben nicht weniger als 5,7 Millionen jährlich gefordert, ein Betrag, mit dem 34 000 erwerbsunfähige Invaliden ernährt werden können. Bei der Auseinandersetzung mit dem 1866
entthronten Kurfürsten von Heffen hat B i S rn a r ck mit allem Nachdruck festgestellt, daß solche Dinge nicht privatrechtlicher, sondern staatsrechtlicher Natur seien. Heute sehen wir die Anhänger ber Hohenzollern, der Wit- lelsbacher und anderer Dynastien sehr tätig gegen die bestehende Staatssorm für die Wiederherstellung deS früheren Zustandes. Wir verlangc.i nicht einen Abwehrfonds nach Art des WelfenfondS, aber die Republik darf sich nicht zum Gespött ber ganzen Wett machen, indem sie ihren Feinden noch die Kampfmittel liefert. Unser armes Volk lebt im Elend, in das es durch die Fürsten gestoßen worden ist. DaS Land ist den Fürsten nichts schuldig, die Fürsten dem Lande alles (Beifall bei den Soz.) Ter demokratische Antrag bildet ein: brauchbare Grundlage zur Lösung der Frage. Die ReichStaasabgeordneten haben jetzt ;n beweisen, baß sie Vertreter des deutschen Volkes sind, nicht aber Fürstenknechte. (Lebhafter Beil fall bei den Sozialdemokraten.) Aba. Dr. v. Lindeiner-Wildau CTti.): Tie Frage ist lediglich eine R echtstrage. Es ist eine Frage des guten Geschmacks, wie der Reichstag die Angelegenheit beboitdeln will, lieber den Geschmack streite ich nicht mit Scheidemann, der als Staatsbeamter ja auch die monarchistische Staatssorm kennen gelernt hat. (Heiterkeit rechts). Die deutsche Republik wird nicht verleugnen können, daß ihre Vorfahren und ihre Beraanaenheit monarchistisch sind. Man könnte also leicht das Wort onwendcn vom Voael. ber fein eigenes Rest beschmutzt. Wir verlangen nichts weiter, als vast bie Mitglieder der ch- maligen Fürstenhäuser ass gleichberechtigt.- Staatsbürger behandelt werden. Der demo-