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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

SQtlttttttCt 303. Einzelnummer 19 Pf. Sonntags 15 Pf.

Mittwoch, 30. Dezember 1925

Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15Pf 15*

Lin Lutherkabinett am 7. Januar?

Opfer der Zeit.

' Was die Berliner Selbstmordstatistik lehrt.

Die ernste schwere Zeit, die die heutige Ge­neration in den letzt.m acht Jahren durchmachen mußte, hat sie zu einem harten, verbitterten Ge­schlecht gemacht, das imstande war, die denkbar schwersten Prüfungen zu bestehen und dir er- schütterndsten Leiden und Entbehrungen zu er­tragen. Jetzt hat aber die allgemeine soziale Not eine derartige Zerrüttung b er Volkskrast hervorgerusen, daß die schlimm­sten Elendserscheinungen immer sichtbarer an die Oberfläche treten. Kürzlich hat der zweite Bürgermeister der Stadt Berlin, Dr. Scholtz, in einer Rede die erschütternde Mitteilung ge­macht, daß der elfte Teil der Bevölkerung der Reichshauptstadt auf soziale Unterstützungen angewiesen ist und daß die Anforderungen, die an die öffentliche Wohlfahrtspflege herantreten, von Tag zu Tag gesteigert werden. Kein Wun­der also, wenn die Zahl der Selbstmorde täglich anschwillt, wenn sie zu einer Epidemie auswächst, die immer weiter um sich greift und die immer mehr Opfer fordert. In der Woche vor Weihnachten zählt die Selbftmordstatistik allein vierundsiebzig Fälle innerhalb von sieben Tagen, eine Zahl, wie sie vor dem Kriege kaum in einem Jahre in ganz Berlin er­reicht worden ist. In den beiden Weihnachts- seiertagen selbst gab es vierundzwanzig Selbstmordfälle, und man muß sogar annehmen, daß diese Zahl nachträglich durch weitere statistische Erhebungen wesentlich höher ausfallen wird. In den letzten Monaten dürf­ten durchschnittlich pro Monat etwa 150 Selbst rn y rde in der Reichshauvtstadt vorge- i.vtKiimT''|vT»i, pF 'vut> dkk- ueri ut'«.

Behörden immer mehr auf das wachsende Elend unter der Bevölkerung gerichtet wird. In den meisten Fällen ist das Motiv des Selbstmordes die soziale Not, die Arbeitslosigkeit, der Mangel an Eristenzmöglichkeiten. In etwa achtzig Prozent aller Fälle sind es lediglich so­ziale Gründe, die die Opfer in den Tod getrie­ben haben. Den weiteren Teil stellen diejeni­gen, die sich aus Liebeskummer oder we- gen unheilbarer Krankheit das Leben nehmen. Es ist ein unendlich trauriges Register, dieser Polizeibericht, der knapp und nüchtern die Tat­sache angibt. Ms vor wenigen Wochen die be­kannte Jnrjewskaja in Andermatt Selbst­mord beging, berichteten die Zeitungen tagelang über alle näheren Umstände dieses tragischen Schicksals. Wollte man über die Tragödie der zahllose» Selbstmörder berichten, von denen die amtlichen Berichte melden, so könnte man gan­ze Seiten von Zeitungen damit aus- flitten. Heute ist der Selbstmord kein Einzel- schicksal mehr, er wird immer mehr zur Maffen- erscheinung, zu einem Ausdruck der Verzweif­lung und der harten Not weitester Volkskreise. Meistens sind es die alten Leute, die nicht mehr die notwendigen dürftigen Mittel besitzen, um ihre letzten Lebensjahre einigermaßen vor Elend geschützt verbringen zu können. Man hat unglücklicherweise die Altershilfe nicht großzügiggenug ausgebaut, um die Alten vor dem Verhungern zu schützen, und so ist man Zeuge der erschütternden Tragödien der Ver­zweiflung, die sich fast täglich in Berlin und in den anderen Großstädten des Reiches zahlreich ereignen.

Am tragischsten sind jedoch diejenigen Fälle, wo ganze Familien aus dem Leben schei­den, wo Vater oder Mutter von der Verzweif­lung so weit getrieben werden, daß sie ihren un- schuldigen Kindern daS Lebenslicht ausblasen, um die armen Geschöpfe vor der schlimmsten Verelendung zu schützen. Solange tote allge­meine Notlage anhält, solange zu befürchten steht, daß die Wirtschaftskrise noch schärfere For- men annimmt, wird man mit dem Ueberhand- nehmen der Selbstmorde leider wie mit einer feststehenden Tatsache zu rechnen haben Die Eristenzmöglichkeiten für die große Maffe des Volkes sind tatsächlich ernsthaft bedroht, und man sollte sich nicht darüber Hinwegtäuschen, daß es zu einer Katastrophe kommen muß, wenn nicht bald eine Besserung der wirtschaftlichen Gesamtlage eintritt. Man mutz daher immer wieder an das Pflichtgefühl der Witt- schafts- und Regierungskreise appellieren, denen das Schicksal der Nation anvertraut ist. Es muß etwas Ernsthaftes geschehen, damit alle Kräfte ausgerüttelt werden, um weiteres Unheil zu ver­hindern. Mit dem Mitleid und der Anteil­nahme aegenüber den beklagenswerten Opfern ist es nicht getan. Man darf die ErwerSmög- lickckeiten einer Sechzig-Millionen-DolkeS nicht derart herunterkommen lassen, daß es zu Ver­zweiflungsakten größten Stils kommen muß, Und nichts würde im gegenwärtigen Augenblick

mehr Unruhe im Volke Hervorrufen, wenn eS etwa zu neuen Hungerkrawallen kommen sollte. Es wird endlich an der Zeit, daß dem pro- grammäßigen Abbauen der Erwerbsmöglichkei­ten der Gesamtnation Einhalt geboten wird!

Luther in Urlaub.

Kabinettsauftrag am 7. Januar?

(Privat-Teleararnm.)

Berlin, W. Dezember.

Reichskanzler Dr. Luther, der sich auf eine kurze Erholungsreise begeben hat, wird laut Pressenotiz am 7. Januar wieder «ach Berlin zurückkehren. Das Blatt nimmt an, daß er dann vorn Reichspräsidenten endgültig mit der Re­gierungsbildung betraut werden wird.

Wenn der Rhein frei ist.

Schlichte Feiern bei der Hindenburgreise.

(Privat-Telegramm.)

Köln, 29. Dezember.

Pressenotizen zufolge ist beabsichtigt, bei der Reise des Reichspräsidenten von Hindenburg in die befreiten rheinischen Gebiete, die in den Monat Februar fallen dürste, angesichts der ernsten wirtschaftlichen Lage die Veranstal­tungen auf das unbedingt notwendige Maß zu beschränken. Es seien Besreiungsfeiern nur für Köln und Bonn geplant.

Kein RückNM Bliondü.

Auch nicht wenn Doumer fällt.

(Eigener Drahtbett 4t i

Paris, 29. Dezember.

Hebet die Finanzgesetze Doumers betonte Ministerpräsident Briand Pressevertretern ge­genüber, daß er alles versuchen werde, um eine Einigung herbeizuführen. Aus feinen Aeutze- rungen scheint hervorzugehen, daß er nicht daran denkt, von der Regierung zurückzu- treten.Ich bin zu oft zurückgetreten," so erklärte er,daß ich das Recht hätte, das jetzt wiederum zu tun. Ich habe alle meine Fähig­keiten, zurückzutreten, erschöpft."

Die Nacht wird zum Tage.

Paris, 29. Dezember. (Eigener Drahtbericht.) Die Kammer, dir gestern nachmittag die Be­sprechung des Budgets des Arbeitsmini- steriums begonnen hat, setzte sie in einer Nachtsitzung fort, die um 5 Uhr noch andauerte.

Kommen die Minister selbst? Rutzland-Amerika auf der Abrüstungskonferenz.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 29. Dezember.

Ein Blatt mißt der am 15. Februar begin­nenden vorbereitenden Abrüstungskonferenz große Bedeutung bei. Da die Vereinigten Staa­ten vermutlich hervorragende Staatsmänner wie Kellog, Hughes und Hoover entsenden wer- dne, sei es wahrscheinlich, daß Briand und auch die Außenminister der meisten Mächte persön­lich an der Äonfeten» teilnehmen werden. Viel­leicht werde auch Rußland, das seit der Ermor­dung Worowskis in Lausanne keine Pässe mehr nach der Sl^veiz verlangt habe, nach Genf kom­men. Es seien neunzehn Staaten eingcladen. In Washington find vom amerikanischen Ge­sandten in Genf vollständige Jnforumtione» über die Vorkonferenz in Genf eingetroffen. Es wird jedoch kein endgültiger Schritt getan werden, bevor Kellog nach Neujahr aus seinem Heimatort Minnesota zurückgekxhrt ist.

Nur zehn Monate Soldat.

Belgien will die Dienstzeit kürzen.

(Eigener Drahtbericht.)

Brüssel, 29. Dezember.

In der .Kammer erklärte gestern bet Vertei­digungsminister: Die RegieAing werde die Herabsetzung der Dienstzeit für die Infanterie auf zehn, und für die Kavallerie auf dreizehn Monate laut Kabinettsbeschlüffe beantragen.

Die Hintertür in Locarno.

BriandS Plädoyer in bet Kammer.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 29. Dezember.

Den Gesetzentwurf über die 2ocanw#erträge begründete Ministerpräsident Briand in bet Kammer wie folgt: Et habe nicht zugelaffen,

baß burch die Reihe der Abkommen, die in So» carno angekutt-u worden sind, Frankreich ge­zwungen worden sei, sich von seinen polni­schen und tschechischen Verbündeten zu trennen. Briand schloß: Eine europäische Zu­sammenarbeit ist unmöglich, wenn nicht daS Gefühl der Animosität und des Mißtrauens ver­schwindet, das bereits zu lange die Beziehun­gen der europäischen Völker gestört hat.

Die Flusse steigen stündlich.

Ueberschwemmte Rheinwerften. Toter Verkehr. (Privat-Telegramm.)

Köln, 29. Dezember.

Hochwaffernachrichten von gestern Abeno: Metz 4,40 Meter mit weiteret Steigerung, Saar­brücken 5,59 Meter (steigt stündlich vier Zenti­meter), Trier 5,91 Meter (steigt stündlich vier Zentimeter), Koblenz 5,84 Meter (stünd. licheSteigerungnennbiszehnZen» tim et er). Vom Oberthein wird eine stünd­liche Steigerung von sieben bis acht Zenttmeter gemeldet. In Koblenz find die Mosel- und Rheinwerft bereits überschwemmt. Die Lagerhäuser wurden geräumt Der Hafenvcrkehr am Rhein wird langsam ftillgelegi.

Hochwafferalarni am Main.

Frankfurt a. M., 29. Dezember. Im Main» gebiet mußte Hochwasserdienst eröffnet werden. Vom Oberlauf werden bereits Ueberschwemmun- gen gemeldet Von den Nebenflüssen führen

. uv Mvda fl'hr firrkeS Hochwasser. Die ^...'ffahrl auf dem Main wurde eingestellt. Es wird auf ein weiteres Steigen des Wassers um 5 bis 6 Zentimeter stündlich gerechnet.

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Das Wasser schon In ven Straßen.

Köln, 29. Dezember. (Funkdienst.) Der Waffetstand des Rheines am hiesigen Pegel be­trug heute früh 6,49 Meter, in der Altstadt zeigt sich Bereite Grundwasser. In Köln-Deutz bespült der Rhein schon die Uferstraßen.

Weltgeschichte in Napallo.

Mussolini will Chamberlain besuchen.

(Eigene Drahtmeldung.)

London» 29. Dezember.

Rach einer Agenturmeldung aus Rom ver­lautet dort von zuverlässiger Seite, daß Musso­lini heute in Rapallo mit Chamberlain eine Unterredung haben werde. (Hoflentlich beruht auch diese Meldung nicht wieder auf einer ähn­lichen Kombination, wie sie vor Weihnachten über eine Zusammenkunft Chamberlain-Tschit- scherin in die Welt hinausging. Die Redattion.)

Nicht die Nerven verlieren.

England glaubt nicht an die Türkengefahr. (Eigene Drahttneldung.)

London, 29. Dezember.

Ein Blatt schreibt: Amtliche Kreise in Lou­don teilten n i ch t die B e s o r g n i s s e der Blät­ter wegen der englifd)--tür£if: vezieyung-i! ES werde nicht angenommen, daß im Hinblick auf dvn bevorstehenden Beginn der englisch-tür- krschen Verhandlungen irgend ein übereilter Schritt der türkischen Regierung zu erwarten fei.

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Rur Verhandlungen tonnen Helsen

Konstantinopel, 29. Dezember. (Durch Funl- spruch.) Außenminister Tewsik K u ch d i Bey hat sich Presseverttetern gegenüber über feine Besprechungen mit Briand, Paschitsch und Hintschitsch äußerst befriedigt erklärt. Seiner Ansicht nach könne der Beschluß des Völkerbun- des in der Mossulfrage als eine Phase für neue Verhandlungen betrachtet werden.

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Wie Rußland Afghanistan bezwingt.

London, 29. Dezember. (Gig. Drahtbericht. Ein diplomatischer Berichterstatter schreibt: In Londoner diplomatischen Kreisen werde der Mel­dung von dem russisch-afghanischen Grenzzwischenfall keine große Bedeutung zuge- messen. ES habe bereits lange vor der Besetzung Buchara« durch die Sowjettruppen Streit wegen bet Grenzlinie gegeben. Sowsetrußi-md erstrebe wohl nur die frieblicke Durchd ingung Afghanistans ist dem Emir aber feindlich gesinnt

Aufwertung.

Ein Wort in letzter Stunde. Drohender ! Rechtsverlust für Hypothekengläubiger mit dem Ablauf des 31. Dezember 1925.

Von 4

Justizrat Dr. Heaßner-Kassel.

Mit dem 31. Dezember 1925 läuft eine bet wichtigsten Fristen des Aufwertungsgesetzes vom 16. 7.1925 ab. In ben Kreisen der Rechts­unkundigen ist man nicht im Klaren darüber, wem mit Ablauf der bezeichneten Frist Rechts­nachteile drohen und was zur Vermeidung drohender Verluste zu geschehen hat. Nach­stehende Ausführungen mögen dazu beitragen, in letzter Stunde manchen vor nie wieder gut­zumachendem Schaden zu bewahren. 1. Der Rechtsverlust tritt ein, wenn bis zum Ablauf des 31. Dezember 1925 keine Anmeldung der Ansprüche bei der zuständigen Anfwertungs- stelle erfolgt ist. 2. Nicht affe Gläubiger, die einen Aufwertungsanspruch haben, brauchen eine solche Anmeldung vorzunehmen, sondern nur solche Gläubiger, deren Forderung durch eine Hypothek gesichert ist. 3. Die Anmeldungs­frist trifft aber nicht sämtliche Hypothekengläu­biger. Solche Hypothekengläubiger, denen das Kapital noch nicht zurückgezahlt ist, behalten ihre Aufwertungsrechte ohne Anmeldung.

Rur die Hypothekengläubiger, denen das Ka­pital bis zum 14. Februar 1924 zurückgezahlt worden ist, müssen zur Wahrung ihrer Rechte dafür sorgen, daß bis zmu Ablauf des 31. De­zember 1925 eine Anmeldung der Ansprüche bei der zuständigen Aufwertungsfielle er- folgt ist.

Es kommt nicht darauf an, ob nach erfolgter Zurückzahlung des Kapitals die Eintragung der Hypothek im ch. ««Mcht tpnrheu H.

oder nicht. Jever Hyvvtyeleng»imi.<iger, dem das Kapital zurückgezahlt ist, verliert den Aus- wettungsanspruch, wenn er seine Ansprüche nicht bis zum 31. Dezember 1925 anmeldet, ganz gleichgültig, ob die Hypothek im Grund- buch gelöscht oder ungelöscht ist. Der Hypothe­kengläubiger. der bis zum 14. 2. 1924 das Kapi­tal zurückerhalten hat, tut gut, sich den Kopf nicht darüber zu zerbrechen, ob der Schuldner mit der erfolgten Zahlung die schuldige Lei­stung bewirkt hat, ob in feinem, des Gläubigers Verbalten bei Bewirkung der Zahlung ein Vorbehalt der Aufwertungsrechte liegt ober nicht und ob die Zahlung innerhalb der Rück­wirkungsfrist (15. 6. 1922 bis 13. 2. 1924) er­folgt ist. Der Hypothekengläubiger, der das Hy­pothekenkapital vor dem 14. 2. 1924 zurücker- balten hat, meldet zweckmäßigerweife den ding­lichen Anspruch (Hypothek) und den persönlichen Anspruch (die Forderung) vor Ablauf des 31. Dezember 1925 unter allen Umständen an und überläßt es späterer Erörterung, ob ihm tat­sächlich ein Aufwertungsanspruch zusteht oder nicht.

Aufwertungsstelle ist baS Amtsgericht.

Zuständig für die Anmeldung ist dasjenige Amtsgericht, bei dem das Grundbuch geführt wird, in bas die Hypothek eingetragen ist. Zu­ständig ist danach dasjenige Amtsgericht, in dessen Bezirk das mit der Hypothek belastete Grundstück liegt. Eine bet dem unzuständigen Amtsgericht und somit bei der unzuständigen Aufwertungsstelle erfolgte Anmeldung ist rechts- unwirkfmn. Die Anmeldung kann durch ein einfaches Schriftstück ober burch Erklärung zu Protokoll des Gerichtsschreibers des Amtsge- richts (Aufwertungsstelle) bewirkt werden. Die christliche Anmeldung kann von dem Hypothe- fengtäubiger selbst ober einem Bevollmächtigten unterzeichnet fein. Die Vollmacht kann auch nach Ablauf der Frist nachgeliesert werden. Die Haurtsache ist, daß der anmekdende Stellver­treter vor Maus der Frist vom Hypotheken« gläubiger tatsächlich bevollmächtigt war.

Der Inhalt der Anmeldung

ist sehr einfach. Es genügt zur Wahrung der Auswertungsrechte, wenn aus der Anmeldung erkennbar ist, erstens, um welche Hypotheken- sorderung es sich handelt und zweitens, daß der Hypothekengläubiger seine Ansprüche zur Aus­wertung anmeldet. Keineswegs ist die genaue Grundbuchbezeichnung des belasteten Grund- stücks erforderlich: auch bedarf es nicht der An- nabe des Eigentümers des belasteten Grund­stücks oder des Schuldners der persönlichen Forderung. Auch bedarf es keiner Angabe eines Ziffernmäßig bestimmten Aufwertungsbetrages und keines Aufwettungsantrages. Es genügt zur Wahrung der Rechte eines Hypotheken- ' läubigers beispielsweise folgende Anmeldung:

Ich der unterzeichnete Privatmann A. melde hierdurch meine Ansprüche ans der tut mich auf dem Hause Kaiserstraße Nr. 332 ein­getragenen Hypothek von 46000 Mark zur Aufwertung an. Unterschrift."

Affen Hypothekengläubigern, denen das Hypo. thekenkapital vor dem 14. 2. 1924 zurückgezahlt