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SHutntner 14 Einzelnummer 10 Pf„ Sonntags 15 Pf.
Sonntag, 17. Januar 1926
Einzelnummer 10 Ps„ Sonntags 15 Pf. 16. Jahrgang
Leipzig als Richter im Fürstenstreit?
wird man in Berlin den Augenblick nützen? Aber in der Wilhelrnstratze hat man zur Stunde
und Parteiliebhabern überlassen sollte. Hier -heißt eS, wenn auch verstohlen und unauffällig, gerodet, gepflügt, gesät und zwar von amts- wegen. In Wien ist die Plattform geschaffen,
den Kopf noch voll ernsterer Dinge. Da muß man sich über Preisabbau, Erwerbslosen-, Wirtschafts- und tausend andere Nöte auf ein Programm einigen, muß die Zauberformel für den Fürstenherensabbath finden, muß die groben außenpolitischen Signale hissen: Abrüstung, Rhein- und Saarbefreiung, Dawesreviston, Kriegsschuldrehabilitation und wie sie alle beißen. Wobei man denn dem ehemaligen Vorturner Luther nur raten möchte, mit seiner Ba- lanzierstange (Sozialisten und Rechtsparteiler) nicht vom schwanken Drahtseil der „Mitte" allzu früh abzurutschen. Die Spuren des letzten Großen Koalitionsfiaskos sollten ihn ebenso schrecken, wie sie uns davon überzeugt haben, daß der ganze Partei- und Parlamentsapparat brüchig und reparaturbedürftig ist. „Wenn ich noch dreimal in diesen Reichstag gehe, werde ich Faschist!" rief neulich ein für seine gut demokratische Gesinnung weithin bekannter Europäer aus. Das Trägheitsgesetz im Fraftions- und Parte'wesen hindert heute voll-
Wo Men Wir?
Wirrwarr in Berlin. — Vernunft in Wien.
Die mit dramatischen Konflikten geladene Komödie der Irrungen und Wirrungen im Berliner Regierungspalast scheint wieder ein- mal auf einem toten Punkte angelangt. Zur Stunde balgt man sich um die Sitze des Reichswehr- und Innenministers, sodaß es schon gestern fast zum Scheitern der Luthermission gekommen wäre. Anscheinend wollen die Demokraten von vornherein gegen einen Rechtskurs des Kabinetts Dämme bauen, während andererseits die Volksparteiler die Verbindungen nach rechts nicht völlig abbrechen wollen. Trotzdem baut man auf das diplomatisch« Geschick Luthers und di« bessere Einsicht der Parieirivalen, die das Staatswohl nicht um ein oder zwei Ministerportefeuilles ausS Spiel setzen werden.
Inzwischen hat sich auch Wien, wenn auch nicht erst nach siebenwöchiger Krise, stark gemausert, hat vor allem den als Deutschenfeind und Völkerbundlakaien übel beleumundeten Außenminister M ata ja endlich an die Luft befördert und sich neue Finanz, und Landwiri- schastsminister verschrieben, deren Portäts im Artikel auf der vierten Spalte der Seite einprägsam abkonierfeit sind. Mataja war stark westlich orientiert, erwartete alles Heil von den Völkerbundevangelisten, die ihn aber weidlich zappeln ließen und noch heute nicht ganz auf die Kontrolle über Oesterreichs Finanzen verzichtet haben. So hat ihn denn der von ihm gefürchtete Grobdeutschlandsturm von der Bildfläche gefegt und Bundeskanzler Ramek übernimmt selbst die äußer« Leitung, von der in den Händen des nüchternen, rechtlich und gewissenhaft denkenden ManneS zwar keine vorwärts reißenden Ideen, aber auch keine unliebsamen Ueberraschungen zu erwarten sind. Daß Oesterreichs Wirtschaft trotz aller Völkerbundpillen genau so darniederliegt wie die unsere, daß das von Zoll- und Paß- Drahtverhauen umstarrte gänzlich isolierte Ländchen an der Donau eine Versailler Spottgeburt ist, die nicht leben und nicht sterben kann und eines Tages vom Slavenmeer aufgesogen wird, wenn eS sich nicht in die stärkeren, liebend auSgestreckten Bruderarme wirft, ist ein offenes, hier öfter ventiliertes Geheimnis. Und wenn die Uebernahme neuer riesiger Arbettsbalai- lone, die Verpflanzung lotkranker Industrien und verelendeter Volksgruppen auf unseren eigenen blutleeren Organismus auch fürs erste keinen physischen Kräftezuwachs, sondern vielmehr ein gewagtes Experiment und Staatsproblem allergrößten Stils bedeutet: Der mora- lische und kulturelle Gewinn wäre un- berechenbar. Der jetzt nur spärlich fließende geistige Güteraustausch schösse zu überquellenden Lebensströmen zusammen. Wiener Verträumtheit, Grazie und lächelnde Melancholie würden wie lauer Südwind über die Streusandbüchse preußischer Nüchternheit und Verstandesschärfe und Berliner Feuergeist wie Sturmsignale in die Stadt der Walzer, hängenden Gärten und müden Beschaulichkeit fahren. Den erschrockenen Nachbarn aber würde die Lust zu allerlei Händeln ebenso vergehen, wie der deutsche Götz' denn auch wirklich mal mit der Eisenfaust auf den Genfer Tisch schlagen könnte.
Hier liegen weltgeschichtliche Keime, deren Pflege und Hut man doch nicht nur privaten
kommen eine freimütige Erörterung politischer Uebel und drängt zu Reformen, über deren Dringlichkeit sich heute Führer in allen Lagern, in der Presse und der öffentlichen Meinung einig sind. F. R.
Der Stein der Weisen.
Ein Schiedsgericht für die Fürstenabfindung? (Privat-Telegramm.)
Berlin, 16. Januar.
Ein Blatt meldet, daß zwischen den Führern der Mittelparteien des Reichstages gestern eine Bereinharung über die Fürstenabfindung zu- standegelommen sei. Im Reichstage soll ein Gesetzentwurf eingebracht werden, der die Einsetzung eines besondern Schiedsgerichts beim Reichsgericht in Leipzig vorsieht, das aus Berufsrichtern und hohen Berwaltungsbeamten zusammengesetzt sein und über alle vrrmögens- rechtlrchen Ansprüche der ehemals regierenden Häuser zu entscheiden haben soll. Auch ein anderes Blatt hält es für wahrsckieinlich, das; unter Zurückziehung des demokratischen Antrages ein derartiger Kompromitzantrag eingebrachi wird.
Der Bauer als Reformator.
»erlitt, 16. Januar. (Privat - Telegramm.) Der Reichslandbund hat in einer Erklärung eine Reihe von Wünschen ausgesprochen, darunter Vereinfachung des Verwaltungsapparates, Verminderung der sozialen Abgaben, Befreiung von einem Lohnsvstem, das die Löhne nivelliert und dadurch die Gesamtarbeitsleistung mindert und eine Zollpolitik, die nicht aus Parteirücksichten wertvolle Produktionsgrundlagen opfert.
Diele Köche...
Doumer läßt über Steuern mit sich handeln. (Eigene D»ahlmeld»ng.)
Paris, 16. Januar.
Der Kammeransschuß beschloß, die Prüfung des Finanzgefetzentwurfs der Regierung wieder aufzunehmeu. Die Regierung erklärte sich nach
entzogen haben. Dr. Geßler ist bekanntlich schon seit längerer Zeit amtsmüde und sein Entschluß scheint unwiderruflich geworden zu sein. Die Lösung der Krise hängt jetzt an den Personalfragen. Der Zentrumsabgeordnete Dr. Kammertz soll mit aller Bestimmtheit den Posten eines Reichswirtschaftsministers ab gelehnt haben. Der thüringische Finanzminister Reinhold kommt nicht mehr in Betracht. Das Zentrum soll neben dem Ar- beitsmtnister Brauns durch Marx als Just i z m i u i st e r und Minister für die besetzten Gebiete und durch das Wirtschaftsmini- sterium vielleicht auch durch das Ernährungsministerium Vertretung im Kabinett erhalten. Der für letztere« genannte Zen- trumsmann Warm bald hat anscheinend ab- gelehnt. Und es wird wieder der jetzige preußische LandwirtschaftSminister Steiger (Ztr.) genannt, andererseits aber auch der Vorsitzende des Reichslandbundes Abg. Hepp (Vp.). Die größte Schwierigkeit ergibt sich aber aus der Besetzung des Innenministeriums. Darum streiten v. Kardorff (Vp.) und Minister a. D. K o ch - Weser (Dem.). Am Abend hieß es, daß in dieser Situation Dr. Luther daran denke, das Reichsinnenmittisterium zu neutralisieren, d. h. mit einer unpolitischen Persönlichkeit zu besetzen. Die Verhandlungen mußten abends abgebrochen und auf heute vormittag vertagt werden.
Gurova soll w eder blühen
Neue Kreditquellen und neuer DaweSplan?
(Etgener Drahtv-'icht)
London, 16. Januar.
Ein Newyorker Pressevertreter schreibt zur Amerikareise des Gouverneurs der B a u k v o n England, Montagne Norman: Die vereinigten Hilfsquellen Englands unv Amerikas sollen benutzt werden, um eine BundeS- refervebank für Europa zu errichten, die den Nationen in wirtschaftlicher Beziehung auf die Beine helfen und dadurch eine Stei-
Havas bereit, mit dem Finanzausschuß an einer Abänderung des Entwurfs mitzuarbeiten. — Die Abg. der radikalen Linken erklärten gestern, sie würden heute einen Abänderungs- anrrag einbringen, durch den die bisherige Umsatzsteuer und die geforderte Sonderumsatzsteuer durch eine einheitliche SteneranfdiePro- duktion ersetzt werden solle. Finanzminister Doumer hatte diesen Vorschlag als annehmbare vermitelude Lösung bezeichnet.
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3n Varis mutz der Beamte schwe gen
Paris, 16. Januar. (Privattelegramm.) Für morgen, Sonntag, hatten die Beamtengewerk- schasten eine große Kundgebung zu Gunsten einer Erhöhung der Gehälter angesetzt. Der Polizeipräsident hat diese Kundgebung verboten.
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Auf Oer Suche nach Oer Zauberformel.
Paris, 16. Januar. (Privattelegramm.) Ein Blatt glaubt, daß di« Bemühungen des Finanzausschusses um eine vermittelnde Formel zwischen dem Regiemngsentwnrf auf der einen Seite und dem Eentwurf der Linksparteien auf der anderen Seite, einige Tage in Anspruch nehmen wird, sodaß sich das Plenum der Kammer ver- tmttlich am Donnerstag damit beschäftigen kann.
gerung der Nachfrage nach Fabrikwaren Hervorrufen soll. Die nächsten Bemühungen würden sich wahrscheinlich auf D e u t s ch l a ud ersttecken, das zum ersten Male seit dem Kriege eine günstige Handelsbilanz aufweisen konnte. Es werde angeblich eine Revision des DaweSplanes ins Auge gefaßt, wonach der Betrag der deutschen Zahlungen nach Maßgabe der deutschen Handelsbilanz festgesetzt werden würde.
Zollkrieg zwischen 2apan-2ndien?
London, 16. Januar. (Eigene Drahtmeldung.) Ein Blatt meldet aus Bombay. Vie Gefckür eines Zollkrieges zwischen Japan und Indien werde akuter durch die Erwägungen Japans, eine höhere Abgabe auf indisches Roheisen zu »ean. Jap--n sei einer d->r besten Kunden für Eisen auS Bngalen gewesen. Die Agitation für Gegenmaßnahmen durch Abgaben auf japanische Baumwollwaren nehme zu.
WEngton läßt ab.
Ein Dauerabkommen mit Paris in Sicht.
(Eigener Drahtberich«)
London, 16. Januar.
Höher geht es nicht.
Mussolini... der Minister für Alles.
(Eigener Drahtbertcht.)
Rom, 16. Januar.
Durch königliches Dekret wurde Außenminister Mussolini, der bisher daS Kriegs-, Ma- rine- und Lustfahrtminifterium interimistisch verwaltete, zum Inhaber auch dieser drei Ministerien ernannt Ein neues Gesetz ermöglicht eS dem Premierminister andere Ministerien dirett zu übernehmen.
Partei gegen Partei.
Reichswehr- und Innenminister hart umkämpft (Siflener JnsormottonSdiensi.)
Berlin, 16. Januar.
DaS gestrige DerhandlungSergebnis zwischen Luther und den Parteien ist als negativ zu bezeichnen. Fest steht nur, daß Reichswehrmi- nister Dr. Geßler und ErnShrungsminister Graf Kanitz fich einer neuen Kandidatur
Ein Blatt meldet aus Washington: Amtlich verlautet zur Ankunft des neuen französischen Botschafters Verenge r, daß eine Regelung der französischen Schuld erreicht werden wird. Es werde angedeutet, daß Strenger günstigere Bedingungen ungebeten werden sollen, als die seinerzeit Cailliux gewährten. Man hoffe, die fünfjährige Bereinbarung durch eine endgültige ersetzen zu können.
Der Tag von Finsterwaide.
Ein Maffenprozetz gegen Landfriedensbrecher.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 16. Januar.
Ein Blatt meldet aus Kottbus, daß dort gegen fünfunddreitzig Arbeiter Auflage wegen Landfriedensbruch erhoben wurde, die am 2. Oktober 1925 in Finsterwalde einen Stahlhelmfackelzug überfallen haben. Es find fünsundachizig Zeugen geladen worden, während die Verteidigung der Angeschuldigien über hundert Entlastungszengen geloben hat.
SowirömanMinkster
Handlungsgehilfe u. „Andreas Hofer" in Wien.
Hebet die beiden soeben «e» i» das öslerreichilche Kabinett eeroäblten Minister ß o l I m a » » (Handel) «nd Tbaler (Landwirtschast) weib ei» Wiener Blatt sebr ergötzliche nnd nnge- wöbnliche Züge 3« berichte», die zugleich.»»» »en bundesbrüderlichett Setbalfttiflee einen in jeder Beziehung guten Besrm geben. Wohl selten wird ein Mensch mit voller Be- rechtigung sagen können, daß alles, was er in seinem Leben geworden ist, er nur aus eigener Kraft erreicht hat, wie der Bürgermeister und Nationalrat Josef K oll mann, der soeben in das umgebildete Ministerium Ramek aufge- nommen worden ist. Die Karriere, die Josef Kollmann in rund dreieinhalb Jahrzehnten gemacht und die den einstigen schlichten Handlungsgehilfen bis zum M i n i st e r s e s- s e l emporgeführt hat, ist in ihrer Art ein bisher bei uns für unmöglich gehaltenes Unikum. Man kennt aus Amerika die Geschichten vom Ausstieg eines Zeitungsjungen zum mächtigen Jndustriekönig, aber in Oesterreich dürste es zum erstenmal Joses Kollmann geglückt fein, sich vom einfachen Kleingeschäftsangestellten zum Finanzminister emporzuarbeiten. Als vor rweiunddreißig Jahren Josef Kollmann als schlichter, armer, unbekannter Handlungsgehilfe nach Baden bei Wien kam, hat er Wohl selbst in seinen kühnsten Träumen nicht gedacht, daß er in einem Vierteljahrhundert der gefeierte Bürge rm ei st er dieser Stadt sein wird, ja daß ihn das Vertrauen seiner Wähler und seiner Partei zum Minister machen Wird. Damals beftanb sein ganzes
Besitztum aus einer UnteroffizzerSuniform, einem sehr schmeichelhaften Empfehlung s- schreiben seines Regimentskommandanten und einer — großen Portion Mut uni> Selbstvertrauen. In dem Heinen Kurort an den Hängen des Wienerwaldes wollte der landfremde Gottscheer darangehen, sich ein kleines Plätzchen in der Welt zu erobern. Baden hatte er sich deshalb auserwählt, weil er hier Per- wandte besaß, an welchen er eine Ansangs- hilse im LebenKkamPs zu finden hoffte. Und so trat er in das Schnittwarengeschäft seiner Verwandten ein. Kollmann war durch die Heirat mit seiner Base selbständiger Geschäftsmann geworden und begann, sich nach der Tagesarbeit tn den Abendstunden politisch zu betätigen, sprach in Versammlungen, betätigte sich organisatorisch in der chr i st l ich s o z i a « len Partei, die rasch die großen Fähigkeiten in dem jungen Parteianhänger erkannte. Koll- manns Aufstieg begann. Im Laufe der letzten dreißig Jahre ist aus dem eitrftigen schlichten Handelsmann eine der
prominentesten Führergestalten unseres öffentlichen Lebens geworden. Seit dem Umsturz steht Kollmann in der ersten Reihe der Parteiführer. Er ist eines der schweren Geschütze seiner Pprtei, die ihn immer bann ins Feuer schickt, wenn die kleineren Kaliber bereits versagt haben und wenn es um etwa- Entscheidendes geht. Der großen Oeffentlich- keit ist der Name Kollmanns deshalb aus seinen wichtigen Stellungen in allen bedeutenden Parlamentsausschüssen wohlbekannt. In all diesen für die meisten anderen Schultern viel zu schweren Aufgaben wird immer der .Retter Kollmann", wie er im Nationalrat heißt, berufen, weil man nicht nur sein großes Vermittlungstalent und seine an das Wunderbare grenzende Einfühlungsgabe, sondern auch seine Unerschrockenheit und feine Ueberzeu- gungStreue kennt. Kollmann hat den Mut, seine Person auch für eine total unpopuläre Sache einzusetzen, wenn sie ihm für das Volks- wohl notwendig erscheint, er scheut keine Angriffe und Fehden, ihm geht es niemals um seine Person, um seine Popularität, sondern immer nur um die Sache.
Das ist einmal ein^L a u d Wirtschaftsminister, den man sogar in seinen eigenen Grund und Boden loben kann, der im Tirolischen liegt und aus dem seit undenklichen Zeiten die Thallers sitzen. Der letzte Thaller Ä aber irgendwie auS der Art geschlagen. Ihm genügte Pflügen, Säen und Ernten, Vieh- und Milchwirtschaft nicht, und als guten, wenn auch nicht stark tirolerischem Akzent sprechenden Redner, der er ist, schickten ihn die Bauern bald als ihren Vertreter in den Tiroler Landtag, wo er zu den bei Freunden und politischen Gegnern gleich beliebten Abgeordneten zählte. Sein Fach, die Landwirtschaft, versteht er. das mutz ihm auch der Neid lassen — ob er sich auf dem glatten und gefährlicheren politischen Parkett mit ebensolcher Sicherheit bewegen wird wie auf dem heimischen Boden, wird er fetzt zu zeigen genug Gelegenheit haben. Andreas Thaller ist das, was man ein schönes Exemplar seiner Rasse nennt, schlank und hochgewachsen, mit ganz merkwürdig feinen Händen, die gar