Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Sie xaneiei xeuefteii SiedmAten erscheinen wöchentlich lecbbmai nacvmuiap» Der ÄbonnemenlSvreis beträgt tüt een Monat 2.— Mk. bei 'Teter äufteUung tn« Hans. in eer WefAäfHiteüe abgebolt 1.0» Mf. Durch die Po« monatlt® outkchltekltch Suftellunpagebüht. Verlag und Webaftion Schlachiboiftra«e 2H/8U. fternf»red>er s)51 nnb 9K2. Rür unverlangt etngefanbte Vettrnae fann bte Re- >afttan eine Verantwortung ober (Seroähr in feinem Kalle übernehmen. Rück» ladinna be» #te«te»aelbe8 ober »niorttche wegen etwaiger nicht orbnunaSmähieer t'telernno I« anSaelckloden. #oftf*e<ffonto Kranffnr' a. Main Nummer 6SW
Hessische Abendzeitung
ÄMetgenorelfe; 6tnbetmlf4e Sefd)äft5an»etgen tietie») die. auswärtige an-eigen Zeile 20 *fg.. ,-amiitenan-eigen Heile 30 »rg, »leine Änwigen «Ml®ort i vti. Wenamen bie Zeile 75 »ig. Drfenaebüht »> «k (bei dntenbo. ber öfter en gnytg.i Nechnnn^beitaae fin> innerhalb 5 Tagen ,u begabten. K»r bie Ri»ttg. fett aller durch Kernfarecher antaeaebenen «n-eteen. iamle s»r »nfuabmebaten und »läbe rann nick- garantier' werben, khiir «n»eieen mit befanberem ichwte- tigern Sa, iNO Proieui fluffAlaa. Dtnderei: ^le*t6,flh«be W»>. weftBäfte fteae- ffblntfibe Strafte 5. aeaenüber her Svebrftrafce Rerntnreeer OM und "n
Freitag, 29. Zanuar 1926
NlMMter 24. Einzelnummer 10 Pf, Sonntags 15 Pf.
Einzelnummer 10 Pf., SonntagS 15 Pf. 1 6. AttÄrgaNg
Unser Schicksal ficht aus dem Spiel.
Zn schwebender Vein.
Es acht um das Schicksal deS Kabinetts.
Berlin, 28. Januar.
Die Opposition hat schon am ersten Tage der Eröffnung der großen Aussprache über die Programmerklärung des neuen Kabinetts die Offensive begonnen und ihre Mitztrauensanträge eingereicht, die nunmehr heute zur Abstimmung gelangen werden. Trotz dieser gesährlicken Situation, die durch eine Zufallsmehrheit der Oppositionsparteien zum Sturz des neuen Kabinetts führen kann, ist man in de» Kreisen der Regie rungskoalition recht zuversichtlich gestimmt. Man glaubt mit Bestimmtheit damit rechnen zu können, daß die Mißtrauensanträge der A b l e h- nung verfallen werden müssen. Immerhin ist es ein merkwürdiges Vorzeichen, daß man in den regierungsfreundlichen Kreisen schon setzt von der Möglichkeit spricht, Dr. Lutyrr werde zur Auslösung des Parlamentes sch-ei- ten, wenn seine Regierung eine Niederlage erleiden sollte. Soweit wir unterrichtet sino, hat Reichskanzler Dr. Luther bis jetzt noch keinen derartigen Beschluß gefaßt, aber es dürste ihm nfcfctS anderes übrig bleiben, als die Reichstagsauflösung. wenn er in dieser völlig verworrenen Situation ein parlamentarisches Mißtrauenvv- tum erhalten sollte. Wie uns von maßgebender parlanientarischer Seite versichert wird, besteht nach dieser Richtung hin allerdings eine sehr ernste Gefahr, die für die bürgerlichen Parteien eine ganz neue Situation schaffen muß; denn die Linke würde die Neuwahlen zweifellos unter der Parole der „Enteignung der Fürsten' führen und eine riesenhafte Propaganda entfalten.
Am gefährlichsten für das Kabinett Luther ist der deutschnationale Mißtrauensantrag, der so allgemein gehalten ist, daß die gesamte Opposition für ibn stimmen kann. Der deutschnationa- le Antrag lautet nämlich: Die Regierung besitzt nicht das Vertrauen, dessen sie nach Artikel 54 der Reichsversas- snng bedarf. Voraussichtlich wird dieser deutschnationale Antrag die Zustimmung der Völkischen und der Kommunisten, sowie eines Teils der Wirtschaftspartei finden. Bleibt noch die Sozialdemokratie, die ihre Mitglieder verpflichten müßte, Stimmenthaltung zu üben, wen dieser deutschnationale Mißtrau- ensantraq zu Fall gebracht werden soll. Es kann sich dabei um zwei oder drei Stimmen handeln, und die Regierung wäre gestürzt! Daß unter solchen Umständen wenig Anlaß dazu vorliegt. die Situation optimistisch zu beurteilen, ist selbstverständlich, denn bei der Unberechenbarkeit der politischen und parlamentarischen Schachtüae kann auch die beste Regie versagen.
In seiner zweiten Rede hat Dr. Luther klar zu erkennen gegeben, daß er sich nur mit einem unzweideutigen Vertrauensvotum zufrieden erklären könnte. Diese Feststellung wird gerade >m sozialdemokratischen Lager nicht mit allzu großer Freude ausgenommen worden sein. Zwingt sie doch die Fraktion, in ihrer Stellungnahme zum Kabinett Dr Luthers Nipp und klar F a r - be zu bekennen. Sie wird sich überlegen müssen, daß bei dem Stimmenverhältnis, das zurzeit allerdings nur sehr schwach zu erkennen ist, eine Stimmenthaltung der Fraktion der jungen Regierung da? Leben kosten könnte. Nominell verfügt das Kabinett in seiner parlamentarischen Grundlage über 171 Stimmen. Die Deutschnatianalen, die Völkischen und die Kommunisten, also die unbedingte Opposition, liefert 170 Stimmen. Die Wirtschaftliche Vereinigung ist sich noch nicht über ihre Haltung bei der Abstimmung klar. Rechnet man die Hälfte ihrer Stimmen zur Koalition und die andere Hälfte zur Opposition, dann wird das Bild, daS die beiden gegenüberstehenden „Ja'- und „Neinparteien bieten, auch nicht verändert. So kann unter Umständen ein einziger Keuchhusten bei den Deutschnationalen oder ein Schnupfen bei den Demokraten das ganze Kabinett 'usammen- pürzen laff-n. Die Sozialdemokraten müssen allo, wenn sie den Weiterbestand der Regierung wünschen, wohl oder übel einige Stimmen ins Lutberlager entsenden.
V * *
MN kleinem -Vorsprung durch« Ziel«
Berlin, 28. Januar. (Privattelrgrannn.) Ein BokkSnatteiblatt schreibt: Die Abstimmungsge- fahr für d»S Kabinett Luther ist dadurch gemil- dett worden, daß die Wirtschaftliche Verein i q u n g ihre« Mitgliedern die Stimmenabgabe frei geben will Ohne diese Srim- menfreigabe hätten die Koalitionsparteien mit 170 -benfoviele Stimmen der Opposition, ve stehend aus Dentschvölkifchen. Dentschnattonalen und Kommunisten gegenüber gestanden. Es ist
jetzt die Möglichkeit gegeben, daß die Regierung Luther Ijeute eine kleine Mehrheit erhalt.
*
Weiße Karten von link«.
Berlin, 28. Januar. (Privattelegramm. Ein RechtSblatt schreibt: Obgleich die Entscheidung noch nicht gefallen ist, ist es bisher noch wahrscheinlich, das- die Sozialdemokratie be, der Abstimmung weiße Karten abgeben wird, sodaß von ihr eine Unterstützung für das Vertrauensvotum nicht zu erwarten ist. Jedenfalls ist das Abstimmungsergebnis nach wie vor in Frage gestellt, und wenn es der Regierung gelingt mit Hilfe der Wirtschastspartei eine Mehrheit für daS Vertrauensvotum der Mittel- Parteien zu bekommen, so wird es sich nur um ganz wenige Stimmen handeln.
Vertrauen oder... Diktatur.
Die Parteien sollen heute bekennen.
(Privat-Telegramm.»
Berlin, 28. Januar.
In der gestrigen Reichstagsrede deS Reichskanzlers, in der Dr. Luther eine positive V e r - trauenserllärung forderte, sieht ein Rechtsblatt einen völligen Linksumfall. Auch ein Schwcsterblatt erblickt darin einen Appell an dir Sozialdemokratie und den Uebertritt Dr. Luthers und seiner Kollegen zur verkappten großen Koalition. Ein drittes Rechtsblatt dagegen gibt der Meinung Ausdruck, daß der Kanzler angesichts der gegebenen Sachlage unmöglich eine positive Mehrheit für die Regierung bei seiner Forderung im Auge gehabt haben könne. Das Blatt bezeichnet bw Auflösung des Parlaments als überaus bedenklich. Das Bolksparteiorgan urteilt: Alles in allem, kein demütiges Betteln um ein paar Stimmen, die zur Mehrheit reichen, sondern die Offensive derjenigen, die die Verantwortung übernommen haben und von den Anderen fordern, daß sie klar bekennen, ob sie das Kabinett stürzen oder stützen wollen. DaS Zen- trumSblatt erklärt, diese Regierung mutz unbedingt bleiben. Verweigert ihr der Reichstag das Vertrauen, dann mutz sie sich vom Reichspräsidenten unverzüglich neu bestätigen und den Reichstag auflösen lassen Dann wäre auch der Moment da, wo diese Regierung von den Vollmachten deS Artikels 48 der Reichsverfaffung Gebrauch machen könnte. Für den Fall, daß die Regierung in der Minderheit bleibt, hält auch ein Demokratenblatt die Auflösung des Reichstages für wahrscheinlich. DaS Berliner Tageblatt unterstreicht, daß der Reichskanzler den deutschnationalen Antrag über den Nichteintritt Deutschlands in den Völkerbund mit aller erforderlichen Klarheit entgegentreten werde. Der Vorwärts hebt die Leidenschaft hervor, mit der Dr. Luther sich für Locarno und zum Völkerbund bekennt und erklärt, hätte der Reichskanzler für seine Innenpolitik die logi- chen Folgerungen aus seiner außenpolitischen Haltung a-rooen. so wäre die Aufgabe ><■’• sozialdemokratischen ReichStagSfraktion leicht. Ein Mißtrauensvotum werde sie jedenfalls nicht einbringen und auch für keines stimmen.
Krieg dem Kriege!
Amerika tritt dem Weltgerichtshof bei.
(Dm» Fmrkspruch.)
Washington, 28. Januar.
Bei der Aussprache über den WeltsicrichtS- hof kam eS im Senat zu erneuten Auseinandersetzungen über den Völkerbund und die Politik Wilsons. Folgender Ergänzungsantrag wurde eingebracht: Unter keinen Umständen dürften die Entscheidungen deS WeltgcrichtShofeS mit kriegerischen Mitteln durchgesetzt werden. Senator Lenroot wandte sich gegen diesen Vorbehalt, der den Weltgrrichtshof zu einem Bollwerk des Unrechts statt zu einer Stätte der Gerechtigkeit machen würde. Alsdann stimmte der Senat dem Beittitt der Bereinigten Staaten zum Weltgerichtshof mit 76 gegen 17 Stimmen zu.
Abrüstung. ..sürdie anderen.
Painlrvk hält das Pulver trocken.
^Eigener Dradtbertchl.»
Paris, 28. Januar.
Kriegsminister Painleve hat gestern Pressevertretern über drei HeereSentwürfe berichtet. Eine Abänderung deS A u f b a u s der Armee fei notwendig, um die Herabsetzung der Dienstzeit durchführen zu können. Doch dürfe diese Herabsetzung nur in dem Maße erfolgen, daß die Widerstandskraft der Ration gegen jeden Angriff erhalten bleibe. DaS Gesetz sei von Marschall Petain ausgearbeitet und
einstimmig vom Obersten KrirgSrat angenommen worden. Frankreich habe seine FriedenS- esfektivbestände sowie die Dienstzeit von drei Jahren auf achtzehn Monate herabgesetzt. Um noch weiter zu gehen, sei Frankreich für die Herabsetzung der Rüstungen eingc- treten, die demnächst auf der Abrüstungskonferenz besprochen werden sollen. Wenn aber Frankreich zu den von den Völkern übernommenen Verpflichtungen auch Vertrauen habe, so beabsichtige es jedoch keineswegs seine Wider- standskraft gegen jeden Angriff zu verringern.
Stimmen des BMts.
Ueber Grotzdeutschland zu Paneuropa.
(Elgener Drahtbcttcht.)
Wien, 28. Januar.
Im niederösterreichischen Landtag erklärte Abg. Dr. Gasse lich, die Schaffung eines einheitlichen BerwaltungSgcbieteS Oesterreich wäre die beste Vorbereitung deS gewünschten Anschlusses an daS Deutsche Reich. Redner meinte, wenn man diesen Anschluß an den national gleichen Staat nicht erreiche, werde Oesterreich zu dem höheren Ziel einer Bereinigung aller Staaten zu einem einigen .Europa »och viel weniger kommen.
Faule Steuerzahler.
Wie sich der Franzose drückt.
<($iaene Drahimeldung.)
Paris, 28. Januar.
In der Finanzdebatte erklärte der radikale Abg. Dum es nil, die Einkommensteuer erbringe wesentliche Summen: sie habe 1924 bereits sechs Milliarden eingebracht. In Frankreich könne man ähnliche Ergebnisse wie in England erzielen, wo man 1923'24 Einkommensteuer in Höhe von sechsundzwanzig Milliarden Franken vereinnahmt habe, während man in Frankreich nur drei Milliarden erhoben habe. In Frankreich ergäben die mobilen Wette ein Jahreseinkommen von dreiundzwanzig Milliarden. Hiervon seien im vergangenen Jahre nur sechs Milliarden deklariert worden. Die Deklarierung de» Einkommens müsse also Obligatorisch werden.
*
Das Brot der Inflation.
Paris, 28. Januar. (Privattelegramm.) Wie bereits gemeldet, wird der Brotpreis in Frankreich in den nächsten Tagen von 1,70 auf 1,75 Francs pro Kilogramm erhöht werden. In einer Interpellation werden Maßnahmen gegen diese Preistreiberei gefordett.
Das brodelnde Edina.
Zwischen den feindlichen Fronten.
(Eigene Drahimeldung.)
London, 38. Januar.
Der Eisenbahnverkehr zwischen Peking und Hankau stockt vollständig. ES verlautet, daß die Eisenbahnlinie nördlich von Hankau a b g e - s ch ni t t e n ist. Unterdessen finden starke Truppenbewegungen von Hankau nach Honan statt. Eine größere Anzahl Truppen, die sich als un- abhängige Armee bezeichnen haben gegen Kuo- minschun (die Regierungsgewalt) gemeutert.
Baldwin beugt vor.
Für Lohn frieden in der schwarzen Krise. (Eigener Drahtbericht.)
London, 28. Januar.
Baldwin erklärte gestern in einer Rede zu der Lohlenkrists, er unterschreibe jedes Wort, Lord Londonderrys, der erklätt hatte, eS bestehe kein Grund dasür, daß Ende April, wenn die Sohlensubvention aufhött, ein Konflikt auS- brechen müßte. Die Kohlenförderung müßte ohne Herabsetzung der Löhne und ohne Verlängerung der Arbeitszeit erhöht werden. ES seien öttliche Vereinbarungen zwischen Bergwerks befitzern und Bergarbeitern erforderlich.
. *
Taufreden beim Schuldenvertrag.
London, 28. Januar. Bei der Unterzeichnung des englisch-italienischen Schnldenabkom- menS führte Churchill u. a. auS: Man habe darauf Rücksicht genommen, daß Italien keine großen natürlichen Mineralfckätze habe, und einen verhältnismäßig kleinen Anteil an den deutschen Reparationen erhalte. Das Abkommen werde zweifellos zur Wiederherstellung des italienischen Kredits beitragen. Graf Volpi er. widerte, die Regelung stelle ein williger und ehrenhaftes Kompromiß dar.
Wie es Such gefällt.
Regierungs- u. Flügelparteien lprben das Wort.
öebrtnba* beiabt daS LntSerorosramm. — Ruf »an links: „Oeran» mit der «mache! — Der Sebdebandschub van rechts: Steen Strelemann und Innenpolitik.
Berlin, 28. Januar.
Auf der Tagesordnung im heutigen Reichstag stand die Besprechung der Regierungserklärung. Abg. Fehrenbach (Ztr.) stimmt dem außenpolitischen Teil der Regierungserklärung zu. Er knüpft daran den Wunsch, daß die Verhandlungen über die Herabsetzung der Besatzung in der zweiten und dritten Zone recht bald zum Ziele führen möchten. Wittschastlich sei Teutich- lantz angewiesen auf eine Steigerung seiner Ausfuhr und auf die Stärkung des MtttelstandeS. Die angekündigten Reformen auf dem Gebiete der Sozialpolitik (Arbelter- schutzgesetz und Arbeitszeitgesetz werden vom Zenttum gebilligt. Abg. Müller- Franken (Soz.) bedauert, daß auch Fehrenbach nicht das unzulängliche Programm Luther? ergänzt ha-'e. Wenn Dr. Luther für seine Minderheilsregic- rung die Unterstützung anderer Parteien sucht, dann durfte er nicht ein so wenig präzises Programm vortragen. In der Außenpolitik ist Deutschland selbstverständlich an Locarno gebunden. Der Reichskanzler hätte erklären müssen, daß der Eintritt in den Völkerbund keinen weiteren Aufichub mehr verträgt. Wir werden die Außenpolitik der Regierung Luther unter» Kn, solange sie dem Kurs von Locarno treu t. In der Frage der Fürstenabfindung hat erst daS unerhört erpresserische Vorgehen der Fürfic'i und ihrer An-r-aUc den üu» den für den Volksentscheid vorbereitet. Der Redner geht dann aus die Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit ein und fordert durchgreifende Hilfsmaßnahmen. Deutschland, sei kein Boden für einen Diktator. Mussolini? Reden sind dar blöde Kraftmeiertum eine? geistig und sittlich Entgleisten. Die neue Regierung könne nur bestehen, wenn sie Farbe bekennt. De?halb Herr Reichskanzler, heraus mit der Sprache. Abg. Graf Westarp (Dntl.): Die Außenpolitik der letzten Jahre ist gekennzeichnet durch da? Wott: Von Illusionen zu Enttäuschungen, von Enttäuschungen zu neuen Illusionen. Dieser Politik setzen wir unseren Widerstand entgegen. Wir wollen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sehen, ehe Deutschlands Eintritt in den Völkerbund vollzogen wird. Das bezieht sich beson- derS auf die BesatzungS-frage. Wir müssen vor einem Eintritt die Anerkennung der deutschen Auslegungen von Locarno fordern, ferner eine entsprechende Regelung deS Verfahrens bei Völkerbunds-Exekutionen, die Zurücknahme der Kriegsschuldlüge, Garantien für den Schutz deuticher Minderheiten, Beseitigung der Mili- tärkontrolle, freie Luftfahrt. Der Außenpolitik, deren Träger Dr. Srresmann ist, bringen wir das größte Mißtrauen entgegen. Die ganze Art der Regierungsbildung hat im Volke einen tiefen Widerwillen gegen da? parlamentarische System erzeugt. Unser Mißfallen richtet sich im Innern in erster Linie gegen den unheilvoll len Einfluß, den die Sozialdemokratie auf diese? Kabinett haben wird. Da? gelte auch von den D e m o k r a r en, die drei Ministersitze außer Oeser und Schacht innehätten. Von einem solchen Kabinett müsse man eine Politisierung der Reich?wehr, de? Umerrichtsweien? und der Justiz in schädlichem Sinne befürchten.
* * * 3a oder nein.
Luther stellt die Vertrauensfrage.
Reichskanzler Dr. Luther erwiderte alsdann auf die vielen Fragen nach Einzelheiten: Es handelt sich jetzt nur um die Frage, ob der Reichstag dieser Regierung die Möglichkeit zu praktischer Arbeit geben will. Dir Bildung einet MehrheitSregierung ist nicht möglich gewe- fen. Irgendwie mutz doch Deutschland regiert «erden! DaS Vaterland befindet sich in einer Lage, in der der g r ö ß t e E r n st eingesetzt wer» den muß, nm überhaupt durchzukommen. Wie soll denn eine neutrale Regierung aussehen, wenn sie nickst die verschiedenen Parteien der Mitte umfaßt? Die Sozialdemokraten verlangen von mir eine Narr Stellungnahme; ja. warum hat denn die Sozialdemokratie sich nicht rattchittien, in dir Regierung hineinzugehen? Dann hätten wir eine Mebrküeitsregiernng und eine Grundlage zur Arbeit. Heute müßte eigentlich daS ganze deutsche Volk den Parteien der Mitte dankbar fein, daß sie sich
alS Rotgemeinschaft zusammengeschlossen haben, nm überhaupt die Existenz einer Regierung zu ermöglichen. Ich habe mit voller Deutlichkeit ausgesprochen: Hier steht eine Minder» heitSreijiernng und ich weiß, daß man auch mit einer kotzhen nicht regieren rann. Es ist unmöglich, daß diese Regierung in dieser schweren Zett ihre Arbeit auf der Hintrrtrcvpe abgelehnter Mißtrauensvoten über»