Einzelbild herunterladen
 

Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Die Rüttelet Neuesten 9?ac6rt<bten erscheinen wöchentlich sechsmal naLmtnas». Der AbonnementSvreiS beträgt für Len Monat 2. X bei freier Zustellung ins Haus, tn der Geschäftsstelle abaehol» 1.80 X. Durch die Post monatlich 2. X ausschließlich Zustellungsgebübr. Berlag und Redaktion Schlachthofstvatze 28130. Fernsprecher 951 und 952. Für unverlangt elnaesandie Beiträge kann die Re­daktion eine Verantwortung oder Gewähr in keinem Falle übernehmen. Rück­zahlung deS Bezugsgeldes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmähiger Uieierung ist ausgeicklosien. Postscheckkonto Frankfurt am Main Nummer 6860.

Hessische Abendzeitung

I Anzeigenpreise: Einheimische SeschästSangeigen Seile 20 4. <msn,Sp«i« DeschStt«-! anzeigen Zeile 20 4. Familienanzeigen Zeile 20 4. Kleine Anzeigen da» Wort I 4 4. Reklamen die Zeile 75 4. Ofiertgebühr 20 4 ibei Zusendung der Offerten I 80 4). Rechnungsbeträge sind innerhalb 5 Tagen m bezahlen. Für die Richtig» I kett aller durch DermpreLer ausgegebene» Anzeigen, sowie für Aufnabmedaten I und Plätze kann nicht garantiert werden. Für Anzeigen ntrt besonders fchwte- I rigem Satz 100 Prozent Ausschlag. Druckerei: Schlachtbofstrahe 28/30. Geschäft»» I stelle: Kölnische Strobe 5. gegenüber der Svohrstrabe. Fernsprecher 951 und 952. I

Nummer 44. Einzelnummer 10 Pf, Sonntags 15 Ps.

Sonntaa, 21. Februar 1926

Einzelnummer 10 Pf^ Sonntags IS Pf. 16. ZahrgaUg

Volen-Spamen bis September vertröstet.

Dor Sonnenaufgang.

Vorboten besserer Taste.

Aschgrau, sahl, sturmzerzaust und regenschwer liegt der Mtag wieder über der entgötterten Welt, seitdem Pierrotts letztes LLchela starb und ein Rosenmontagsliebcstraum v.rblaßte. In Wolkendunst und plätschernden Fluren ertrinken Himmel und Erde u. die apokalyptischen Reiter, Armut, Hunger, Verzweiflung schwingen noch immer die sausenden Geißeln über der leidenden Kreatur. Und doch flammt und weht es morgens manchmal wie von fernen Frühlingsfeuern, herbsüßen Lenzwinden von den Bergen, läßt Menschenblut und Erdenschöne in rosa-purpur- blauem Rausch erschauern, treibt den Saft der Rinde, den Schmelz der Adern jäher zu knospen- der Fülle, daß es wie lichtgrüner Schimmer über jungen Büschen und Weiden und wie ein Ab­glanz kommender Seligkeiten aus Stirn und Wangen der Menschmkinder liegt. Und habt Ahr noch nicht vor Tau und Tag die ersten ge- flügelten Boten des Südens dem heraufrollen­den Sonnenwagen maßlos verzückt entgegen- schlagen hören? Ist nicht selbst durch die toten, lärmersüllten ReichStagshallen ein frischer Lust­zug gefahren, als kürzlich Luther und seine Mei­sterschüler Reinhold-Curtius dem sanft­entschlafenen Wirtschaftskoloß neues Leben ein- zuhauchcn und über die versandeten Arbeitswü­sten den goldenen Millionenregen zu schütten begannen?

Wie lange wird es nun dauern, bis die Par­teilöwen sich an dem harten Steuerknochen die Zähne stumpsgebissen und sich endlich zu der Ueberzeugung durchgerungen haben, daß der Spatz in der Pfote besser ist als . . . der Ochse auf dem Dach. Bis die ersten Reiser am grünen Wirtschaftsstamm zu sprießen beginnen, die erste Million über die Reichsbahn und Industrie in die Arbeiterhände fließt. Bis die ersten Grund­steine für die Wohnungslosen gelegt sind, die unsägliches Elend tilgen könnten. Wie lange soll sich ein in Leid, Enttäuschungen u. Bitternis erprobtes und bewährtes Volk gedulden, bis die gewagte Steueroffensive der Wirtscheftskapitäne sich nun auch auf die Kaufkraft der Verbrau­cher auswirkt und der Lebensstandard breite­ster Schichten wieder auf ein menschenwürdiges Maß herausschraubt? Wollen die Parteimoloche von rechts und links nur aus Freude an der Opposition und aus reinen Machtgelüsten daS Kabinett immer wieder in der Patsche sitzen las­sen. wie gleich bei den ersten Abstimmungen? Sie sollten sich (man nimmt daS Gute wo man es findet! an der Pariser Kammer ein Beispiel nehmen, wo ein Warnungssignal genügte (die Lage ist bei uns nicht minder gespannt), um die ganze konfuse Gesellschaft zur Raison zu bringen.

Inzwischen hat sich auch das Srurmgewölk über Gens soweit gelichtet, daß Deutschland bis zum Herbst Wohl unbehelligt von dem polnischen Gettäfs als Völkerbundspriester seine Mission zur eigenen Rehabilitierung und zum Wiederaufbau der Welt wird aufnehmen kön­nen. Auch hier ist wieder die gesamte deut­sche Oefsemlichkeii. die Presse ohne Parteiunter­schied voran, den alliierten Klopffechtern in die Parade gefahren, die Regierung hat nachgehol­fen und .. . selbst der überlegenste Staatsmann Europas, Chamberlain, ist mit einem frommen Augenaufschlag ausgewichen, nicht ohne an das Vertrauen und den Glauben der Federgewaltigen an seine (Chamberlains!) ehrliche Absichten zu appellieren. Daß der Völ­kerbund in seiner jetzigen Gestanlt Don Qui­chotes trauriger Figur nicht ganz unähnlich sieht (tote oft ist er nicht gegen Windmühlensiü- gel angerannt) wissen wir alle. Wollen aber keineswegs bestreiten, daß er durch fundamen­tale U m a e st a 11 u na für eine fernere Zukunft daS vollkommenste Instrument für die Aufrich­tung des Weltfriedens werden kann. Rur muß jeder Staat den Einsinß haben, der ihm auf Grund feiner Volks- Wirtschasis- und Kultur- Verdienst- zukommt Sonst könnte es geschehen daß ein böser Alberich mit all seinen inferioren Kreaturen auch hier den funkelnden Rheinschatz bewacht hält (und nicht nur diesen), den wir vor den Genfer Schranken zurücksordern wollen f>igr winken Lorb-eren und Dornenkronen Welterfchütterungen und Katastrophen am grü neu Tisch von denen sich viele heute noch nichts träumen lassen. F. R.

Nur noch Äwanztglausend vei Krupp

Essen, 20. Februar. (Privattelegramm Die Kruppsche Zechenverwaltung Hanuibal 2 w (HM soll wegen Absatzmangels stillgelegt wer­den. Infolge Betriebsstillegungen bezw. Ein­

schränkung ist die Gesamtarbeiterzahl der Firma Krupp auf zwauzigtausend zurückgegangen.

Graf Alvrvvanti komm: nach Berlin?

Rom, 20. Februarn. (Eigene Drahtmeldung.) Die Ernennung pes Grafen A1 d r o v a u t i zum italienischen Botschafter in Berlin anstelle des Grafen Bosdari wird in römischen Kreisen be- ». Graf Aldrovanti hat bereits seinen Po- i Buenos Aires verlassen. Graf Aldro­vanti War früher der Kabinettschef Soninos.

Ein bitterer Trost.

Völkerbundsfltze für Polen-Spanien im Herbst.

(Eigene Drahnneldung.)

London, 20. Februar. (Eigener Drahtbericht.) Ein Blatt will definitiv Mitteilen können, daß keine Aussicht auf Aufnahme Polens in den VötterbundSrat als ständiges Mitglied im März besteht. Ein Berichterstatter schreibt: Alle Be­richte aus Genf deuten darauf hin, daß man in Bülkerbundskretsen an eine beschränkte Umbil­dung des Bölkerbundsrates im September denkt und die Aufnahme Spaniens als ständiges Mit­glied ins Auge gefaßt hat.

*

Bei Chamberlain abgeblitzt.

Paris, 20. Februar. (Eigene Drahtmel­dung.) Ein Blatt berichtet, vor kurzem habe der polnische Botschafter in London, Skirmunt, von Chamberlain eine ermutigende Zusicherung für einen ständigen Ratssitz zu bekommen sich bemüht. Er habe aber im Foreign Office kein Ohr, sondern verschlossene Türen gefunden.

©truertoirrtoarr ohne Ende.

Senat gegen Kammer. Empörte Steuerzahler. (Etgene Drahtmeldung.)

Paris, 20. Februar.

Der Finanzausschuß des Senats hat gestern bis in die Nacht hinein getagt und einen Teil der Steuergesetze zum Teil mit Veränderungen angenommen. Schließlich regte Senator Bumont an, mit dem Finanzausschuß der Kammer in Fühlung zu treten, um eine Verständigung her­zustellen. Der Vorsitzende lehnte den Vorschlag ab, über den noch abgestimmt werden soll. Die beschlossene Schließung aller Geschäfte und Betriebe für zwei Stünden als Protest gegen die Steuererhöhungen wird am 26. 2. stattfinden.

Kein neuer Minister.

Dr. Haslinde demnächst wieder im Amt.

(Privat-Telearamm.)

Berlin, 20. Februar.

Zn.' den Blättermeldungen über den bevor- stehenden Rücktritt deS erkrankten Reichernäh. rungsminister Tr. Haslinde, tritt daS Zentrums­blatt mit, daß der Minister sofort nach seiner schon in allernächster Zeit zu erwartenden Wie- perherstellung die Geschäfte wieder übernimmt.

*

Strrfemann beim Stuvenlenkommero tn «via

Köln, 20. Februar. (Privat Telegramm.) Außenminister Dr. StreseMann traf in Be­gleitung der Minister Marx, Schmrdt und Becker heute in Köln ein Der Reichsaußcn- mmifter wird heute abend an einem Kommers 6er Kölner Studentenschaft teilnehmen

Was maßt sich polen an?

Englands Presse geißelt die Großmannssucht.

(Eigener Drahtbericht.)

London, 20. Februar.

Alle Wochenschriften wenden sich energisch gegen den französisch-polnischen Plan einer Ueberfüllung des Völkerbundsrats. Der französische Vorschlag sei in sich selbst eine schändliche Unehrlichkeit. Die Kandi­datur fei besonders schamlos. ES gebe keinen Staat, der eine nationale Politik mit einer so außerordentlichen Nichtachtung der allgemeinen Wohlfahrt getriebn habe. Wenn es sich darum handelte, einen seiner kleinen baltischen Nach­barn zu brutalisieren, dann pfiff Polen auf den Völkerbund und dafür soll eS mit einem ständi­gen Sitz im "tölkerbundsrat belohnt werden? Chamberlain seihst dürfte erstaunt fein über die entschiedene Haltung der britischen öffentlichen Meinung, so heißt es an weiteren Stellen, und sich klar fein über die großen Gefahren, die sei­nen Locarnovereinbarungen drohe. Wenn

Deutschland jetzt tatsächlich die Erfahrung ma­chen sollte, so heißt es anderswo, daß das Miß­trauen der deutschen Nationalisten begründet sei, dann wird die Sache des Friedens nicht um Monate, sondern

um Jahre zurückgeworsen

werden. Polen sei seit 1918 stets das störende Element tn Europa gewesen. Polen habe alle Ausdehnungsschranken durchbrochen und die vollendeten Tatsachen der Welt aufgezwungen. Man denke an die Verschiebung der polnischen Ostgrenze hunderte von Meilen über die Curzon- linte hinaus und an die Einnahme WilnaS usw. Das Blatt fährt fort: Polen ist ein Staat von siebenundzwanzig Millionen Einwohnern, wel­che aber wahrscheinlich nur siebzehn Mil­lionen Polen sind. Aber auch flebenund- zwanzig Millionen würden nicht Anspruch auf ei­nen ständigen Ratssitz erhalten. Zwei Millio­nen von Deutschen werden sich an diesem Tag an die Warnung Tschitscherins erinnern. Das wird der Tag seines Triumphes fein, der Tag der Wiedergeburt eines deutsch-russischen Bündnisses das Polen zum Gegenstand hat und der Tag deSEttdes von Locarno.

Wenn die Flüsse Oberläufen

Hochwasser bei starkem Regen.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 20. Februar.

Aus Frankreich kommen wieder beunruhigende Meldungen über das Steigen der Flüsse infolge starken Regens. Der Stand der Seine ist vor­läufig noch verhältnismäßig niedrig, während Maas, Mosel und Orne bereits zum Teil über die Ufer getreten sind. In Belgien ist die Maas im ständigen Steigen begriffen.

*

Wrrv n Hollands Damm? wieder reißen?

Amsterdam, 20. Februar. Durch Funkspruch.) Wie aus Roe.mond berichtet wird, steigt dort die Maas bedrohlich. Verschiedene Dörfer sind mit Ueberschwemmung bedroht. Besonders ernst ist die Lage bei dem Orte Oel, da das Wasser wieder mit Gewalt durch den alten Deich­einbruch bei Merum strömt.

*

<Sln abtzeschnittenks deutsches Dorf.

Hanau, 20. Februar. (Eigene Drahtmel­dung.) Infolge der starken Niederschläge ist die Kinzig über die User getreten. DaS Dors Hirtheim bei Gelnhausen ist durch daS Was­ser von der Staatsbahn abgeschnitten.

Die Wasser steigen.

Hochwasser u. Wolkenbruch im deutschen Süden. (Privai-Telegramm.)

Frankfurt, 20. Februar.

Infolge starker Regenfälle ist die L a h n über die Ufer getreten und beginnt das Tal unter Wasser zu setzen. Da das Wasser noch fortwäh­rend steigt, sind einzelne Ortschaften abgeschnit­ten. In der Pfa 1 z haben Wolkenbrüche große Verheerungen angerichtet Die Straßen stehen unter Wasser und müssen mit Kähnen be­fahren werden. Die Regenmassen gehen in sol­cher Stärke nieder, daß in wenigen Minuten ganze Striche in Seen verwandelt wurden.

*

Auch die Mainuftr überschwemmt.

Würzburg, 20. Februar. (Eigene Drahtmel­dung.) Infolge starken Regens sind der Main und feine Nebenflüsse aus den Ufern getreten. Der Pegel zeigte hier gestern 180 und heute 230.

London ist entsetzt.

Der französisch-türkische FreundschaftSvertrag. (Eigener Drodtberlcht.)

Paris, 20. Februar.

Ein gestern von de Juvenal in Angora abgeschlossener Freundschaftsvertrag regelt die türkisch-syrische Grenzfestsetzung, die Zollbestim­mungen sowie Polizei-Trausport-Eisenbahu- fragen usw. Auch soll die Türkei einen Teil der Bagdadbahn erhalten. DaS Abkommen hat in London Erstaunen hervorgerufen. Ge­wisse Zugeständnisse hinsichtlich der Bagdadbahn wurden als undenkbar bezeichnet. Damit wird die französische Kontrolle über Bewegungen türkrscher Truppen auf der Bagdadbahn nach und von derJrakgrenzeunmöglich, was den zwischen Großbritannien und England ab­geschlossenen Vereinbarungen zuwiderläuft.

Eine Harle Nuß.

Die Hauptzeugen vor dem Femeausschutz.

Der Femeansschnb bemüht sich energisch, die veriÄluugeneo Süden in der Geldgeberasfüre für Semeorganifatione» anfznknole«. Ein kla­res Bild läbt sich aas den wid-rivruchsvolle» Ansfagen noch immer nicht gewinnen.

Berlin, 20. Februar.

Im Femeausschuß sollte sich gestern der Pro­pagandaleiter der Arbeitgeberverbände, Herr v. Zengen, über die fünftausend Mark-Affäre äußern und bekundete: Ich habe aus dem Dis­positionsfonds ein Darlehen von fünftausend Mark zinslos an die Versorgungsstelle der Landarbeiter, bezw. an Herrn Malettke ge­geben. Das war am 13. Juni 1925. Quittiert hat Behrens von der Zentralstelle. Irgend Wel­che Verbindung mit den Fememördern sollte dieses Darlehen nicht haben und hat es auch nicht gehabt. Malettke bat mich nur um ein Dar­lehen für die Versorgungsstelle zur Abdeckung einer Wechselfchuld. Mir kam eS dabei auf die Bürgschaft de bAbg. Behrens an, dem ich unbe­dingt vertraue. Der Abg. Meyer bat mid& unabhängig von dem Wunsche Malettkes, eben­falls um ein Darlehen von fünftausend Mark, um damit, wie er mir sagte, einem seiner Ange­stellten, dem Schultz, der politisch wegen des Küstriner Pulsches verfolgt würde, behilflich zu fein. Ich erklärte Meyer ftrikt, daß die Arbeit- geber-Vereinigung für diese Zwecke kein Geld geben würde. Aus Höflichkeit versprach ich ihm, mich in privaten Streifen für feine Interessen zu bemühen. DaS war aber nur eine Phrase. Tatsächlich betrachtete ich die A aelegenheit als erledigt, und als Meyer bei der Besprechung in Berlin mich fragte, wie es denn mit dem Dar­lehen fei, faßte ich, in gutem Glauben, daß er das Darlehen für die Versorgungsstelle meine, Behrens habe feine Bürgschaft zugesagt und die Sache wäre bereits erledigt. Wenn Herr Meyer gemeint hat, daß ich damit sein Darle- hensgesuck zugunsten des Schultz meinte, so ist dies falsch Daß ein Gewerkschaftssekretär bei den Arbeitgebern um ein Darlehen nachsuchte, fiel mir insofern nicht besonders auf, als auch Sozialdemokraten zu mir kamen, um Geld zu erbitten. Abg. Kuktner (Soz.) er­regt: Wer war das? Zeuge: Darüber verwei­gere ich die Aussage; das hat ja auch mit den Fememorden nichts zu tun. Der Zeuge nennt bann den Namen Erdmann. Abg. Sutt­ner (Soz.): Erdmann war nur in der Partei tä­tig. um mit Arbeitgeber-Geld korrumpierend zu wirken und ist hinauSgeworfen worden, v. Z e n- g e n: Ich habe auch nie gesagt, daß ich gewußt hätte, das Geld sollte für Schultz fein. Wenn einige Zeugen fo etwas bekundet hab-n, muß es ein Irrtum fein ober ein Mißverständnis. Un­sere Propaganda-Abteilung hatte keine politischen Aufgaben.

* * Scherz km Ernst.

Widerspenstiger Zeuge. Freund gegen Freund.

In der Rachmittagssitzung beantwortet Zeu­ge Wilhelm v. Oppem die an ihn gestellten Fragen in knapper und sehr bestimmter Art da­hin: Ich habe an Schultz mehrere Male Geld inSGejängnis geschickt, damit er sich besser beköstigen kann. Schultz ist mein Freund. Un­ter den Leuten, d-e mir Geld zur Verfügung stellen, befinden sich keine deutschnationalen Abgeordneten. Ein Mittelsmann sam­melt auf meinen Namen Gelder ein. Den Namen deS Mittelsmannes werde ich solange verschwei­gen, als es im Deutschen Reiche eS für unrühm­lich gilt, etwas fürs Vaterland zu tun. (Unruhe. Der Vorsitzende erfucht um Mäßigung.) Der Geschäftsführer Vaterländischer Ärbeiterverbän- de. Friß Hetz, erregte größte Entrüstung, weil er sich erst nach ausgiebiger Reckstsb-lebrung über die Zuständigkeit deS AuSschnf- f e s zu Antworten herbeiließ. Schließlich erklär­te der Zeuge, daß er zwar auch ein Darleben in Höhe von fünftaufend Mark durch die Arbeftge- ber-Derein:aung für seinen Verband erhalten, aber keineswegs für Femesachen verwendet ha­be Wofür er es verwendet habe, auszufagen, lehnte er mehrfach entschieden ab und verwies darauf, daß dies fa die beutfdmationnlen Abg, Schmidt und Wiedemann faoen könnten, die feinem Verbände nahestehen Die Verneh­mung des Heß verlies unter großem Lärm 'chließlich fo, daß der Zeuge erklärte, er kenne den Ausschuß nicht genügend und glaube, in ei­ner Versammlung politischer und aewerkfchaftli- fier Gegner zu sein Er wurde dann entlassen. - Zeuge ». b. 9 t n b e bekundete unb blieb da- M. daß er die Anschauung gewonnen bade sein Freund v. Zeugen habe da? Darlehen für Schultz gegeben. Verschiedentlich wäre von Seiten Zen-