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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 45. Einzelnummer ia Pf, Sonntags 15 Pf. Dienstag, 23. Februar 1926 Einzelnummer 10 Pf, Sonntags 15 Pf. 16. Jahrgang

Amerika-England stehn uns bei.

Das doppelte Seflcht

Frankreichs falsches Spiel in Gens.

Von Dr. Paul Rohrbach.

Die Politik von Socarno war für die Fran­zosen nur die vorgebundene Maske, um dahinter den plötzlichen Ueberfall mit dem Plan des pol­nischen, spanischen und brasilianischen Ratssitzes zu machen. Natürlich gibt es auch in Frankreich aufrichtige Leute, aber die französische Regie- rung hat unaufrichtig gehandelt, als sie sich der Einladung an Deutschland mit dem Hinterge­danken anschloß, sobald die Deutschen sich soweit engagiert hätten, daß sie nicht mehr zurück konn­ten, die Stimmen im Völkerbundsrat, die auf einen französischen Wink gegen Deutschland zu: Verfügung standen, um drei zu verstärken. Wenn es jeüble Methoden der alten Diplomatie* gegeben hat, so ist dies eine. Es ist heute noch zweifelhaft, ob der französische Plan in Genf gelingen wird. Der englischen Politik ist es kei­neswegs bequem, aber England ist durch die Gefahren, die ihm von Sowjet-Rußland her in Asien drohen, unter Umständen zu einer weit­gehenden Rücksichtnahme aus Frankreich genö­tigt. Frankreich hat seit dem Friedensschluß von Versailles die Methode befolgt, sich seine Nachgiebigkeit gegen englische Wünsche in Asien oder sonst auf weltpolitischem Gebiet durch eng­lische Zugeständnifle in der deutschen Frage b e- zahlen zu lasten. In einem neuen Werk von HanS Rohde wird Punkt für Punkt gezeigt, wie die Haltung Englands auf den verschiedene:. Konferenzen (bis London 1924), und ebenso beim Einbruch der Franzosen ins Ruhrgebiet und bei anderen Gelegenheiten, durch seine welt­politischen, insbesondere seine asiatischen Bedürfniffe, bedingt war, und wie jedeSmal Deutschland die Zeche bezahlen mußte.

Die englische Oesfentlichkeit ist gegen die französischen Versuche eingestellt, aus dem Völ- kerbundsrat auch nach dem Eintritt Deutsch­lands, eine schlechthin antideutsche Institution zu machen. Im Dailv Telegraph heißt es, man sei unter den Mitgliedern des britischen Kabi­netts der Ansicht, daß der Vorschlag, die Zuwei­sung eines dauernden Sitzes im Völkerbunds­rat an Deutschland mit der vorhergehenden oder gleichzeittgen Gewährung ständiger Ratssitze an andere Mächte zu verbinden,einen Vertrau­ens- und Vertragsbruch darstellen würde*. Ein anderes Blatt polemisiert gegen den Pariser Versuch, Versprechungen Chamberlain- über eine Vermehrung der Ratssitze im französischen Sinn zu konstruieren, mit den Worten: Die fran­zösische Diplomatie habe inzwischen den Versuch gemacht,die Wirkung des deutschen Eintritts in den Völkerbund durch einen Plan zur Ver­mehrung der ständigen Sitze im Völkerbundsrat aufzuheben.' Der englische amtliche Stand­punkt sei aber der, daß die Zuweisung von stän­digen Ratssitzen an Polen und Spanien (von Brasilien ist hier nicht die Rede) eine völlig neue Frage darstellt. Im gegebenen Augenblick werde die englische Politikdurch Treue zur Politik von Locarno, durch eine ehrliche Auslegung des Versprechens, die Großmachtstellung Deutschlands wieder aufzurtchten und durch Rücksicht auf di« Jntereflen des Völ­kerbundes geleitet sein*

Diese Worte, denen sich noch viel ähnliche in der evangelischen Preffe anreihen ließen, Hin­gen sehr anständig und vom deutschen Stand­punkt auS hoffnungsvoll. Ebenso wird es nicht ohne Absicht geschehen, daß die sehr deutlichen Proteste Schwedens und Hollands gegen den französischen Plan in England aussübrlick und beifällig registriert werden. Trotzdem ist für unS solange kein OptimiSmuS geboten, wie nicht der Verlaus der Dinge am 8. März in (Yens gezeigt hat, daß England imstande ist, diese seine Haltung im entscheidenden Augen­blick zu bewaSren. Man hat in dieser Be­ziehung schon mehr als einmal erlebt so auch beim französischen Einfall in das Ruhrgebiet daß den Worten keine Taten folgten, einfach weil die Kraft dazu mangelte und andere Rück­sichten eS verhinderten, stark zu bleiben. Aus jeden Fall aber ist der französische Plan ein Be­weis dafür, daß Frankreich weit davon entfernt ist, den Geist von Locarno ebenso zu verstehen, wie uns fortdauernd zugeredet wird, daß wir ihn verstehen sollten. Jedesmal, wenn Frank­reich eine Probe dafür ablegen soll, daß es be­reit ist, BriandS Redensarten wahr zu machen, daß er es als seine Aufgabe betrachte, fortan den Geist von Locarno zu pflegen, lieferte es den Beiws dafür, daß es nach wie vor das Gegenteil will. To handelt es in der Frage der Besatzung des Rbeinlandes, so handelt eS tn der Frage -er Ratsfltze, und so wird eS han­

deln, solange sein durch die Jahrhunderte tt--' wahrter und bewährter geschichtlicher Volksgcist in ihm und seinen Vertretern lebendig ist.

Wenn EnglandTtein" sagt.

London, 22. Februar. (Eigene Drahtmel­dung.) Ein Pariser Berichterstatter meldet, in gut unterrichteten Kreisen halte man es für wenig wahrscheinlich, daß unter den gegenwär­tigen Umständen außer Deutschland irgendwelche anderen neuen ständigen Mitglieder des Völker- bundsratcs gewählt werden würden. Wenn die britische Regierung sich gegen die Zulassung von Polen erklären würde, so werde die franzö- ifche Regierung vermutlich die Angelegenheit ieber fallen lassen, als sich im Gegen­satz zu Großbritannien zu stellen.

*

Mussolini HSft vip Gteigdüael.

Paris, 22. Februar. . (Privattelegramm.) Wie auS Rom gemeldet wird, hat Mussolini versichert, daß Pol.'n bei feiner Forderung eines ständigen Sitzes im Völkerbundsrat der Unterstützung Italiens sicher sei.

Die Seit ist reif.

Washington beantragt Revision von Versailles.

(Eigene Drahtmekdung.)

PariS» 22. Februar.

Aus Washington wirp gemeldet, daß Abg Berger (Soz.) eine Entschließung eingebracht hat, in der Präsident Coolidge aufgcfordert wird, eine internationale Konferenz ejnzuberu- fen, um den Versailler Vertrag im Sinne der vom Präsidenten Wilson aufgestellten vierzehn Punkte zum Heile Europas zu revidieren.

Loolidge ernsilicv erkrankt.

Paris, 22. Februar. (Eigener Drahtbericht.) Nack einem Telegramm aus Washington Hai Präsident Coolidge wegen seiner Erkältung wie­derum alle Verabredungen rückgängig gemacht.

Schert Euch hinaus!

Englische Stimmen für völlige Räumung.

(Eigener Drahtbertcht.)

London, 22. Februar.

In einer Entschließung des Nationalrates zur Verhinderung von Kriegen an Chamberlain wird die Besorgnis über die vorgeschlagenen Abänderungen im Bölkerbundsrat ausgesprochen und die Regierung aufgefordert, dem Geist des Locarnopacktes entsprechend für die Zulassung Deutschlands zum Völkerhundsrat zu sorgen. In der Entschließung wird erklärt, daß die Zeit gekommen sei, wo die Fortdauer der Besetzung deutschen Gebietes ebenso unnötig wie uner- wünscht geworden sei, da sie die Unterscheidung zwischen Siegern und Besiegten, die dem Geiste von Locarno und der Bölkerbundssatzung voll­kommen znwiderlaufe, verewige.

Stark durch Leid.

Dank- und Glückwünsche an Bonn.

(Eigener Dradrbertcht.)

Bonn, 22. Februar.

Nach einem Begrüßungsabend am Sonnabend versammelten sich am Sonntag morgen Rettoren von vierundzwanzig Hochschulen und zahlreiche Ehrengäste in der Universität zu einem Festakt. Der Rektor dankte den Studenten nnd Dozenten, die treu und besonnen in der Zeit der Not auS- grhalten hätten sowie der Staats, und Reichs­regierung, die nach Kräften geholfen hätten. Lul- tuSminister Dr.Bccker überbrachte die Glückwün­sche Preußens und deS Reiches. Sodann wurde daS Denkmal für die gefallenen 820 Angehöri- gen der Universität enthüllt. Darauf fand noch vor dem Ernst-Moritz-Arndt-Denkmal eine Ge- i>nd'tnt6feier der Snt^ewensätott fnttt. hei Der Außenminister Dr. Stresemann der schweren Zeit der Besetzung gedachte und die Hoffnung auf eine völlige Befreiung Ausdruck gab.

Deutsch feit ewig.

Ein machtvolles Bekenntnis für Südtirol.

(Eigene Drahtmekdung.)

Frankfurt a. M 22. Februar.

Die vom Oesterretchisch-Deutschen Bolksbund gestern im Sckumanntheatrr veranstaltete Kund­gebung wurde zu einem machtvollen Bekenntnis für Si'dfirol 9<minnn,rrv Abraham aus Innsbruck gab rin packendes Bild von Südtirols Leiden und Kampf um sein Deutschtum. Prof. Heinrick v. Frieker-Jnnsbruck wies nach, daß alles von Salurn bis zum Brenner seit 1500

Jahren deutsch sei. Aba. Raboldi - Innsbruck sprach in bewegten Worten den Dank der Süd­tiroler aus. Nack weiteren Ansprachen fand die Kundgebung mit dem Gesang des Deutschland­liedes ihrn Abschluß. (S. a. 2. S.

*

Andrea« yoser lebt!

München. 22. Februar. < Privattelegramm.) Zum Tage des Erschießens Andreas Hofers zu Mantua war eine Kundgebung gegen die kultu­relle Bedrückung des DeuiftumS in Südtirol ein- bentfen, die außerordentlich stark besucht war. Professor Dr. H e r r l i ch - Innsbruck und Dr. S ch w e i n i tz h a u p t zeichnete ein Bild der kul­turellen Not in Deutsch-Südtirol.

Deutsche geaen Deutsche.

Hakenkreuzler überfallen ein Stiftungfest.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 22. Februar.

Etwa fünfundzwanzig junge Burschen dran­gen am Sonntag früh in ein Hotel in Alt­landsberg ein, wo das Stiftungsfest eines Männergesangvereins gefeiert wurde. Nachdem sie den Gästen, auch Reichsbannerleuten, die Ab­zeichen fortgenommen hatten, stellten sie sich vor dem Lokal auf. Eine junge Frau, die den Tanzsaal verließ, wurde mit einem Gummi­knüppel blutig geschlagen. Als die Festteil­nehmer auf die Straße eilten, machten die An­greifer von ihren Gummiknüppeln Gebrauch. Plötzlich fielen mehrere Schüsse. Die An­greifer drangen jetzt auch in das Lokal ein, und die Schießerei nahm hier ihren Fortgang, Beim Eintreffen der Polizei flüchteten die Haken- kreuzler. Einer der Angreifer ist gestorben. Sechs Personen sind schwer verletzt.

Hyänen der Großstadt.

Ein Hochstapierkönig «nd feine Komplizen.

(Durch Funksvruch.t

Berlin, 22. Februar.

Der in Fiume verhaftete internationale Scheckschwindler Georg MartenS, der den Namen Armand Schwob angenommen hatte, hat auch in Berlin in enger Verbindung mit einer Falschmünzerbande gestanden. Zu dieser gehör­ten die Kaufleute Bruckner und Hamburger. In aut gestellten Berliner Kreisen und in Spiel­klubs gaben sic falsche Fünfzig-Dollarnoten in Zahlung. Schließlich wurde Bruckner verhaftet, während Hamburger flüchtete. Bruckner entkam, wurde aber wieder verhaftet. Er bekmn von Schwob durch Vermittlung eines gewissen Laugberg Geldmittel. Da aber Sckiwob fürch­tete, daß der in die Falschmünzergeschäste nicht eingeweihte Langberg gefährlich werden könnte, warb er zwei Männer an, die den Vermittler zu Tode prügelten. (Siehe auch .Aus aller Welt.)

Der Tag von Verdun.

Eine Dittatur der Frontsoldaten?

(Eigener Drahtbertcht.»

Paris, 22. Februar.

In Verdun wurde gestern die 10. Wiederkehr der Offensive durch Gedenkfeiern begangen. Zu gleicher Zeit mit den nationalistischen Parteien hielt die ueuaeg kündete französische-saschistische Partei ihre, wie sie sich ausdrückt, erste Heerschau ab. Es sollen viertausend Delegierte das faschi­stische Programm angenommen haben. Ein Appell besagt: Man werde die Abdankung des ohnmächtigen Parlamentarismus erzwingen, durch die ehemaligen Frontkämpfer eine natio­nale, über den Klassen und Parteien stehende Diktatur ausrichten und baldigst eine wirkliche Vertretung der nattonalen Belange in der Form zweier Parlamente, eines Parlaments der Erzeuger nnd eines der Familienväter bilden.

Der jüngste Vostrßese.

Ein neues Zentrum des Weltverkehrs. (Eigene Drabtmeldung.)

Berlin, 22. Februar.

Bei der feierlichen Grundsteinlegung des neu­en Verwaltungsgebäudes der Oberpostdirektion Berlin, in Charlottenburg, das alle ver­streuten Dienststellen aufnehmen soll, führte Reichspostminister Dr. S t i n g l u. a. aus: Ter riesige Plan ist hervorgegangen aus der in jah­relanger Prüfung erkannten Notwendigkeit, den gestiegenen Bedürfnissen des neuzeitlichen Ver­kehrs, auck auf dem Gebiete der Verwaltung ge­recht zu werden. Deshalb hat die deutsche Rcicks- vost sich nicht beirren lassen, den schon lange ge­faßten Plan trotz der Schwierigkeiten der Zeit­läufte zur Durchführung zu bringen. Den letz­ten Weihefpruch hielt der Präsident der OPT Gentzke, der mit einem dreifachen Hoch aus das geliebte deutsche Vaterland schloß.

Ritt durch die Wüste.

Jenseits von Moflul und dem Tigris.

Von

Pani Sand an-Borken.

Die folgenden Reiseeinbrücke eines hessische« Weltenfabrers bilden die ,crfte lttavr>° eines Wüstennrarsg.cs, der nns ein «tück fremder in den «nrdenkämvien nnd den sonstige« Lrient- wirren »ft aufgetauchter Erde enthüllt, lne «och oft der Schanvlatz kriegerischer trtetgniffe in den kommenden Weltläusteu werbe« dürfte.

Der gleißende Mond, der über Mossul liegt, versucht vergeblich die engen Gassen und Winkel zu erhellen, spiegelt sich im Tigris, stößt an die Hügelketten und verliert sich in der weiten Un­endlichkeit. Ein leichter Nebel senkt sich herab, der unsere Schatten, vom Mond gezeichnet, zu spukhaften Gebilden formt. Er überfällt uns, durchnäßt die Kleidung, fängt sich in unzähligen Tropfen an den Haltetauen der Zelte, dte tm Mondschein glänzen und glitzern wie Diaman­ten. Mit einemGute Nacht* geht es zur Ruhe. Der Mond versteckt sich hinter einer tiefschtoar- zen Wolkenbank. Lautlose Stille über Mossul, nur vom ewigen Kreischen der nie geschmierten Räder der Wasserhebemaschinen unterbrocken. In der Ferne, bald stärker, halb schwächer, das Geschrei der Hyänen.--Beim Aufwachen

am Morgen kündet unS ein schwacher Licht­schimmer im Osten daS Anbrechen des Tages an. Der dunkle Himmel hellt sich langsam auf, die Umrisse der Stadt und der umgebenden Steppe nehmen festere Formen an, bis schließ­lich der Sonnenball über den Wüstenrand tritt. Endlich um 5 Uhr hören wir Pferdegetrappel und an kamen

drei Rosse und zehn Kamele,

denen wir Körper, Hab und Gut anvertrauen sollten. Mit zweistündiger Verspätung ritten wir ab. Schon loderte die Sonnenfackel vom wolkenlosen Himmel, deren Hitze in den Stra­ßen sich zur Unerträglichkeit steigerte. Der Hauptbazarstraße entlang, die sich zum Tigris immer mehr verengt, am Gefängnis vorbei, geht es auf leicht abfallendem Wege zur Tigris« brücke, die unsere Karawane nur zugweise überschreiten durste; nachdem die ersten zwei Tiere einen Teil derselben passiert hatten, wur­de den nächsten zwei der Weg fteigeaeben. Ms wir Rivive rechter Hand liegen gelassen und einige Hügelketten überschritten hatten, nahm uns die grenzenlose Wüste auf. Die Sonne glüht erbarmungslos und die Lust zittert in der Fer­ne. Die Kamele zerren an den wollenen Lenk- riemen, heben die Köpfe, wittern den Wind, stoßen ihr Geschrei tn die große Unendlichkeit und gehen von ihrer saumseligen Gangart in eine schnellere über. Die Wüste, deren gelber Boden durch eine Uebergangszone unterbrochen wird, in der sich weiße Streifen, wie lang ge­streckte Bänder einschneiden, nimmt eine dunk­lere Färbung an und bleibt glatt wie eine Ten­ne. So glatt, als ob eine riesige Walze sie ge­ebnet hätte.--Finster blicken dte Ausläufer

deS armenischen Hochlandes aus uns herab. Eine Karawane taucht in der zittern­den Ferne aus, mit Baumwolle und Fellen be­laden. Während uns die Kamelsireiber mit enternMarhaba* begrüßen, ziehen sie vorüber und sind bald den Blicken entschwunden. Seit Jahrtausenden sind sie hier ihres Weges gezo­gen. Bunte Glasperlen, womit die Köpfe und Halsbänder der Kamele geschmückt werden, lie­gen längs des Weges und werden von unseren Kamelstreibern ittfgelefen. Diese kleinen Per­len zeichnen den Weg der unendlich langen Ka­rawanenstraßen und begleiten uns so wie den Däumling im Märchen die Brotkrumen. Unsere Reittiere und Kamele heben jetzt die Köpfe, ziehen die Lust ein und stoßen sie wieder auS, sie schreiten schneller, eine Gangart, die man fast rennend nennen möchte.

Sie wittern Wasser.

Als wir die in der Ferne aufgetauchten Hügel­wellen hinter uns haben, reiten wir auf sanft abfallendem Gelände in ein Tal ein, dessen mit Steppengras bewachsener Boden sich von der dunkelgelben Umgebung tote ein grüner Fleck abhebt. An zwei Brunnen wimmelt es von Pferden, Kamelen und Maultiereir. die hier in ununterbrochener Folge aus stein gehauenen Trögen ihren Durst löschen. Nach einigen Fra­genwohin, woher des Weges* teilen wir wei­ter Nach den erstkn zwei Marschstunden wech­selt die graugelbe Wüste ihr Bild und geht in eine grellgelbe Färbung über.Gazal, Gazal*, die Gazellen, schreit unser Karawa­nenführer, während wir aus vfeilfcknellen Ara- berpserden ihnen uackjagen Die kleinen feinen Tiere flüchten, wie ein Schwarm aufgescheuchter Vögel und sind bald in der zitternden Ferne entschwunden. Mit Sonnenuntergang langen