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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

Stimmet 55. Einzelnummer 10 'BL Sonntags 15 Pf.

Sonnabend, 6. März 1926

Einzelnummer 10 PL Sonntags 15 Pf. 16. ZahkHaUg

Schweden als Rettungsengel in Genf.

Schrei aus der Tieie.

Wenn Oesterreichs Landesherr nach Genf gehl.

Kopfschüttelnd, so schreibt ein Wiener Matt, vernimmt man die Meldungen über die even­tuelle Reise deS Bundeskanzlers Dr. Ramek nach Gens. Die freudige Genugtuung, daß der Ka­binettschef die Gelegenheit des Zusammen»-, lens der hervorragendsten Delegierten aller Staaten wahrnimmt, um vor diesem Forum klarzulegen, datz die Krise des österreichischen Staates eine entsetzliche, eine furchtbare, eine lein Zögern und kein Lavieren mehr zulaffende sei, wird jedoch stark beeinträchtigt durch die in« offizielle Kommentierung dieser Fahrt. ES heißt, Bundeskanzler Dr. Ramek werde diese Reise nach Gens Sonntag den 7. d M. nur dann antreten, wenn aus Gens die Nachricht vorliege, daß eine feierliche Festsitzung anläßlich deS for­mellen EinttittS Deutschlands in den Böller- bunt) stattsinden werde. Man will also die Be­deutung der Reise deS Kabinettschefs im jetzigen Höhepunkt der österreichischen Krise von vorn­herein dadurch herabstimmen, daß man ihr den Charatter eines reinen Repräsenta­tion s a l t S verleiht, demnach einer Inhalts- leeren DemonstrationSpolilik, die höchstens von den grohdeutschen AmtSkollegen im Ministerium und von ihrem unbedeutenden Anhang mit Heilrusen begrüßt werden wird.

Anläßlich der Dezembertagung deS Völker­bundes haben wir bereits mit Nachdruck erklärt, daß die österreichische Krise zur Tat dränge. Diese österreichische Wirtschaftskrise ist das Mu- sterbeispiel einer allgemeinen StaatSwirt- schastskrise: Die unnatürlich hohen Zoll­mauern, die den in Saint-Germain geschaffenen Zwergstaat umgeben, schufen die große Absatz- krise; der Absatzkrise folgte die Produktionskrise mit einer unerhörten Steigerung der Ar­beitslosigkeit und der verminderten Kauf­kraft aller Konfumenten. Die Jnsolvenzwelle, die 1924 Hunderte und Hunderte von Jndustrie- und Handelsunternehmungen über Bord schien- berte, ist noch nicht im Abflauen begriffen. Im Gegenteil, die Zahlungsschwierigkeiten stellen sich langsam auch bei den allerersten Industrien Oesterreichs, die von den vornehmsten Finanz, instituten patronistert werden, ein.

In dieser verzweifelten Situation, in der sich Oesterreich befindet, knapp vor dem Abgrund sozusagen, aus dem eine dunkle, ungewisie Zu­kunft gähnt, haben wir keine Zeit für die hohe Politik und für noch so schöne begrüßenswerte nationale uno kulturelle Probleme. Die Ma­genfrage ist wieder einmal in Oesterreich in den Vordergrund getreten, sie verbietet jeves Zögern und jeder Zaudern» Wie kann nun der schweren Wirtschaftskrise Einhalt geboten wer- ven» D>e Beantwortung ist einfach und flar. Unsere geographische und wirtschaftliche Lage läßt nur zwei Alternativen zu: Entweder die Nachbarstaaten, die unS umgeben, entschließen sich doch noch, die Zollmauern niederzureiben, ober aber man müsse uns den wirtschaftli­chen Zusammenschluß mit Deutsch- land in irgendeiner Form erlauben. Das ist die Kernfrage, bereit Beantwortung Bundes­kanzler Dr. Ramek mit ruhiger Festigkeit in Genf verlangen muß. Man wende dagegen nicht ein, daß die österreichische Frage aus der Tages­ordnung nicht eingetragen erscheint, die gleich­zeitige Anwesenheit der prominentesten Botittkei Europas ist die beste Gelegenheit für een Kanz­ler des unglücklichen Landes Oesterre-ch, 'n pri­vaten Diskussionen diese Herren aufzuklären, daß Oesterreich keine Zeit mehr hat, zu war­ten. SS ist sicherlich lein leichter Standpunkt für den Kanzler. Wenn man die Garde betrach­tet. über die Dr. Ramek In Gens diesmal ver- sügen kann, so muß man objektiverweisr sagen, eS sind anständige, tüchtige Fachmänner aber auch nicht mehr. Hier sehlt der große Zug der Konzeption. So verarmt wir sind, ders.tgen wir noch immer über eine stattliche Reihe ganz hervorragender Finanz- und Indu­striekapitäne, die mit den notwendigen Be­ziehungen zu den maßgebenden Stellen in Pa­ris und London sowohl wie in Rom, Prag und Amsterdam durch ihre berufliche Tätigkett aus­gezeichnet erscheinen.

Wir begrüßen die Reise deS Bundeskanzlers zum Völkerbund, wir sind der Ansicht, daß diese Fahrt eine unerläßliche Notwendigkeit ist. Oester­reich kann nicht immer drohend auf die Folgen für die Nachbarstaaten verweisen, wenn hier Wirtlid) ein vollständiger wirtschaftlicher Zu­sammenbruch erfolgen sollte. ES kann nur mit Würde und Nachdruck sagen: Wir können mtt dem Heinen Absatzgebiet, von hohen Zoll- mauern ringS umgeben, unsere wirtschaftliche Existenz unmöglich finden, jetzt muß man uni

helfen, nicht etwa in ferner Zukunft. Je später man in Gens die Wahrheit dieser Worte erfas­sen wirb, desto schwieriger wird sich die Ret­tungsaktion für unser Land gestalten.

Schweden als Netter.

Die Genfer Gefahr noch einmal überwunden.

(Eigene Drahttneldung.)

London, 5. März.

Rach der gestrigen UnterhauSdebatte wird dir -olittsche Lage so aufgefatzt, daß Deutschland sei­nen Sitz im Rate einnehmen wird, ohne daß ir­gendwelche Zulagen hinsichtlich Spaniens und Polens die unbedingte BoruSfrtzung bilben müßte«. Diese» Ergebnis fei hauptsächlich Schweden zu verdanken, das durch seine Haltung die Dankbarkeft aller Bölkerbundsfreun ve in der ganze« Welt sich erworben hätte.

Shambrriatno Siern sinkt.

London, £. März. (Eigener Drahtbericht.' Ei« Leitartikel bezeichnet die gestrige Chamber lainrede als saft bcunruhigcnd bedeutungslos Das Kabinett sei jetzt zum Entschluß gelangt. Deutschland bie Verantwortlichkeit airfzuMr. de«. DaS sei der Sern der nichtssagenden Rede Möge Schweden von neuem festbleiben in dem Bewußtsein, daß eS nicht nur die «Stimme seines eigenen Landes, sondern auch diejenige Englands vertrete, ebenso wie zahlreicher an­derer Rationen. Chamberlain habe alle mora­lische Autorität verloren und habe dem Ansehen Englands beträchtlich geschadet.

Gegen den Strom.

Aber keine Einkreisung der Deutschen in Genf. tStgener Drahtbertcht.)

London, 5. März.

dem Augenblick austräte, in dem Deutschland eintteten würde. Es ist falsch, daß der Presse­feldzug in Deutschland angesangen hätte. Er bat anderswo begonnen, und er nahm einen bedauerlichen Charatter an. Wir sollen dem Geiste von Locarno treu bleiben.

VoMttbel Nacht.

Millionen für Kirche, Schule und Rothilse.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 5. März.

In einer Rachtfitzung des HaushaltSaus- schusses wurd- beim Fnnenministeretat bewilligt «. a. eine Million für kulturelle Zwecke, insbe­sondere für kirchliche Zentralen. Auf 600 C00 Mark erhöht wurde der Etatstitel für ErziebungSbeihilfen, für Freistellen an den höheren Schulen ttsw. Für die Rotge- meinfchaft der deutschen Kunst wurden Huw derttausend Mark bewilligt. Für die Tech­nische Rothilse wurden 2850 600 Mark bewilligt, aber betont, datz durch neue Wege zur Sicherung der Notstandsversorgiinq die Tech- »lische Nothilfe sich erübrigen möge. Heber Er Höhung des Fonds von 400 000 Mark zur Für- derung des Turn- und Svortwesens wurde noch nicht endgültig beschlossen.

6s brauet Bem. Gewittersturm zur Frühlingszeit.

(Durch F«nkspr»ch.t

Berlin, S. März.

Bei einem Gewitter, das bei heftigen Sturm und Hagelscktag über Berlin niederging, hat der Blitz an verschiedenen Stellen emgeschlagen. Der Sturm hat in den Gärten und Waldern erhebli­chen Schaden anqerlchtt-t. Auch Hamburg wurde gestern von einem schweren Gewittersturm beim» gesucht. Die Fernsprech- und Telegraphenler- tungrn wurden in großer Zahl zcttrümmert.

Rach Chamberlain sprach gestern Macdo- nald im Unterhaltke fein Bedauern aus, datz es unmöglich sei, der Rede Chamberlains zuzu­stimmen. Nie habe er in seinem Lebe« ei« Pro­blem gesehen, in dem sich die R a t i a n f o e i, n i g gewesen sei, wie in der Frage der Weite- rung des Böllerbundsrates. Premierminister Baldwin erklärte: Zwischen Chamberlain und den Kabinettsmitgliedern bestehe keine Mei­nungsverschiedenheit. Sie hätten vollkom­menes Bertrauen zueinander. Grotzbri- tannien wünsche bett freien und

bedingungslosen Eintritt Deutschlands in bett BöllerbundSrat. Was Spanien be­treffe. so habe Großbritannien die Z u s a gv ei­ner Unterstützung Spaniens erneuert, bie von Lloyd George- Regierung vor einigen Fahren gegeken wurde. Darüber hinaus fei Großbritannien keinerlei Verpflichtungen irgend welcher Art eingegangen. Einfchüchterungsver- iuche gegenüber Deutschland werde Großbriian- nien verhindern. Er fei überzeugt, daß in Genf ein weiterer Stein in den Friedenstempel Euro­pas eingesügt werde. (S. a. 2. S. Kasten.)

Alles ist verstimmt.

Chamberlains Sieg, eine moralische Niederlage.

(Eigener Drahtbertcht.)

London. 5. März.

Richt viel mehr als die Hälfte des gesamten Unterhauses war hei der gestrigen Völkerbund. Debatte anwesend, »ein Konservativer stimmte gegen die Regierung. Unter bett Konservativen besteht weiterhin Unznsriedenheit, obwohl bet er­ste Konservative. Lord R a r t i n g d o n, bei der Abstimmvng mit ber Regierung stimmte. Man bedauert, daß Großbritannien an Spanien gebunden sei und daß Chamberlain nickst viel bestimmter dafür eingetreten fei, daß Deutsch­lands Aufnahme in den BöllerbundSrat in Genf

Die Welt wirb weiß.

UeberaH Schneefall nach dem Gewitterfturm. (Privat-Telegramm.)

Dresden, 5.^z. Nachdem gestern Nachmittag ein äußerst heftiges Unwetter, verbunden mit Sturm und Graubel- fall, über Dresden und Umgebung niedergegan- nen war, trat heute Rackst bei starkem Tempera­tursturz Schneefall ein. Es wurde viel Schaden angerichtet. Der DampferKönigstein" wurde auf der Elbe durch den Sturm gegen einen Brückeu-Pfeiler gedrückt und mutzte schwer be­schädigt abgeschleppt werden.

Berge, Xflier und Fluren verschneit.

Freiburg tm BreiSgau, S. März. Aus den Höhen deS SchwarzwaldeS herrschen seit gestern Schneestürme. Tie Sckwa»wakdhöhen tragen wieder eine Schneedecke. Auch in den nieder» Lagen bis zur Rheinebene ist Schnee gefallen bei sinkender Temperatur. Aus dem Feldbcrg liegen gehn Zentimeter Neuschnee. Auch in der Gegend von Düsseldorf trat nach heftigem Gewitter Schneefall ein, der sich heute in der neunten Morgenstunde wiederholte.

Dle Offensive rollt.

Gegen bie gefürchteten Riffkanonen. lDnrch Funifpruch)

Mabrib, 5. Mär»

Ei« amtliches Kommunique berichtet, baß die Operattonen zur Säuberung des Frontabschnitts Xeiuatt begonnen haben. Tie Offensive wurde von Ben Larrich aus mit bedeutenden Streitkräften unternommen. Die Spanier haben das Gorguasgebirge, das erste Kampfziel, ohne ernstlichen Widerstand erreicht. Man will jetzt noch das Beni HoSmar-Gebirge neh­me«, wodurch bie Kanonen Der Riflrute, bie Xetuan beschießen, verstummen würben.

die einzige Frage bedeute,. Die geringe Mehrheit der Regierung wurde hier als Beweis angeführt, daß zahlreiche ihrer Anhänger sich bei Stimme enthalten haben und datz bie Abstimmung tatsächlich moralisch aus eine Niederlage der Regierung hinauSlies.

*

Buch Belgien auf Gki.en Svens.

Brüssel, 5. März. (Eigene Drahtmeldung.) In der Kammerdebatte gab gestern Nandervelde u. a. folgende neue Erklärungen ab: Ich denke, daß zwei Länder im Bölkervundsrat vertreten fein müssen: Belgien, dar schon im Rate sitzt, und Polen, das noch keinen Sitz hat. ES ware anstößig, wenn Belgien auS dem Rate in

Sine Balkan-Gntenre?

Jugoslawen sucht Anschluß in PariS.

(Eigener Drahtbertcht.)

Paris, 5. März.

In der zweiten Unterredung des jngosla- vischen AutzenministersRintschitsch mit Briand wurde vor allem bie Bebrohung durch einen etwaigen Anschluß Oesterreichs an Deutschlands besprochen. Es sei jedoch kein diplomatischer Att abgeschlossen worden, um Frankreichs Be­ziehungen zu Südslavien enger zu gestalten Um die vom Poincart eingeleiteten Bertrags- verhandluttgen wieder ausznnehmen, sei Rintschitsch nach Frankreich gekommen, d. h., er wolle eine Berständigungsfonnel suchen.

Berliner onäniartigen Presse nochmal die «Sch»

Selbst ist der Mann!

Wie Luther unS durch bie Krise steuert.

Der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund solle der AusgangSpuntt werden, von dem auS Deutschland im Dienste der Gesarntentwicklung seine Weltstellung wiedergewinnt. Der jetzige Abschnitt der deutschen Regierungsarbeit fei völlig beherrscht von dem Entschluß, zielbe­wußte Wirtschaftspolitik zu treiben. Die Preissenkungsaktion der Regie­rung sei keineswegs erfolglos gewesen. Wenn noch immer eine UeberpreiSspanne zwischen dem Erzeuger- und Verbraucherpreis besteht, so sei die H a u p t u r's a ch e dafür die U e b e r s ä 11 i« gung des deutschen Wirtschaftslebens mit für den wirtschaftlichen Ablauf nicht notwendige« Zwischen stellen. Reben der Arbeit att einer Verminderung dieser Zwischenstellen sei die Beseitigung der Geschäftsaussicht eine wich­tige Voraussetzung für die Gesundung der Volkswirtschaft. Die gegenwärtige schwere Wirt­schaftskrise sei zum Teil nicht der Ausdruck eines GesundungSvorgangeS, sondern beruhe auch aus ausländischen Vorgängen, be­sonders auf künstlicher Kohlenverbtl- ligung und In flation SPrei Sver- hällniffen int Ausland. Gl"ichwohk R-tbe die jetzige Krise einen großen Teil der innerlich nicht gesunden wirtschaftlichen Unternehmungen hinweggeräumt. Die Steuersenkung soll nicht nur eine Verminderung der Lasten der Wirtschaft bringen. Vielmehr ist es ebenso wich­tig, das Trugbild einer immer wieder zu neuen Ausgaben anreizenden angeblichen Lei­stungsfähigkeit der öffentlichen Verbän­de zu beseitigen. Sehr erwünscht wate zunächst die Beseitigung der Realsteuern

der Länder und Gemeinden, die die Wirtschaft am meisten belasten. DaS Reich kann schnelle und wirksame Senkungen nur bei den von ihm selbst erhobenen Steuern vornehmen und darum tritt jetzt ganz von selbst die U m s a tz st e u e r in bett Vordergrund. Der ganze SteuersenkungS- plan der Regierung setzt mit Bewußtsein aus bie Karte einer Besserung bei Wirtschast. Wir müssen aber bieses Wagnis laufen, denn gut gefüllte össentliche Kassen nutzen nichts, wenn dabei die Wirtschaft immer weiter zurück­geht. Nicht der Staat trägt die Wirtschaft, son­dern die Wirtschaft den Staat. Die Steuersenkung muß bewahrt werden, damit das Eigenleben der Wirtschast in neuen Schwung kommt. Ter Standpunkt der Reichsregierung ist durchaus kein leichtfertiger Optimismus, aber er wird freilich getragen von einem

Glauben an die deutsche Kraft, ohne den füglich deutsche Politik überhaupt nicht gemacht werden kann. Tie Reichsregierung be- gnügt sich aber nicht mit SteuersenkungSmaß- nahmen, sondern hat sich auch zu Schritten posi­tiver Wirtschastsförderung in gewissem Umfange entschlossen. Dazu gehören die Verhandlungen über den sogenannten Russenkredit und Die Bestrebungen zur Wiedergewinnung unsere- natürlichen Kohlenabsatzgebietes. Den Geldmangel der Eisenbahn, der zur Zu­rückhaltung von Bestellungen geführt Hal, will die Regierung durch Kreditgewährung beheben. Unter dem Gesichtspunkt der produk­tiven ErwerbSlosensürsorge sollen auch weiterbin einige Sondergebiete bevorzugt be- handelt werden, die für das politische Gesamt- leben Deutschlands besonders wesentlich sind. Dazu gehören Handelsschiffahrt und Wersten, zu deren Förderung Reedereidar- lehen für Neubauten noch im Frühjahr bergege» ben werden sollen. Ferner soll bie ländliche Sieblung besonders für die volksarmen Teile des Ostens stärker betrieben werden. AuS sozialpolitischen Gründen muß weiter dem

Wohnungsbau eine besondere Fürsorge zugeführt werden. Im Vordergrund steht dabei die Erleichterung ber Aufnahme langfristiger Hvpotbekenkrebite. Von größter Bebeu- tung ftnb endlich bie Maßnahmen zugunsten ber Lanbwirtschaft Der Krebil ber GolddiS- konlbank ift hter wegweisenb vorangegangen. Der Tüngemittelbezug ist auch burch weitere Maßnahmen geforbert worben. Die unerläßliche Beeinflussung ber Roggenpreise ist in Vorbereitung Alle diese Maßnahmen kosten Gelb unb ftnb deshalb neben der Steuersenkung