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Kasseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

16. Jahrgang

Donnerstag, 18. Marz 1926

Einzelnummer 10 Pf- SointagS 15 Pf.

Brasilien hält Europa in Gchach

Er!

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s guten EuropäertumS. Uebrr- Mittel wollten sie ihren Geist

menarSeil und des

all und durch alle

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Zwang der Stunde gehorchend, beugen, um des liehen europc

willen. Nur als nun außer

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MMUNsslos m Friedens en sich auch

Dunkle Femegelder.

Was hat die Untersuchung bisher erbracht?

Urber Europas Kraft. Brasilien bleibt unerbittlich. Eine Tragikomödie bet Weltgeschichte. Paris beschimpft Deutschland. Wird Briand weggefegt?

des Imperialismus durchsetzen (l), so ungerecht dieser Geist auch immer sein möge.

Wie man dleWohrbkit Michl

Paris beschmutzt die deutsche Ehre.

tEigene Draytmelduna.)

Paris, 17. März.

Die Mehrzahl der Blätter stellt fest,, daß der Völkerbund bei dem ersten ernsten Konflikt sich als ohnmächtig erwiesen hat. Die Vertagung aus sechs Monate wird als Zusammen-

DopV?N geknebelt.

Ein Genfer Pakt gegen Großdeutschland. tEtgene Drahtmeldung.)

Grüne Vagabunden

Rußlands verwahrloste Jugend.

Was ble Zettnasen enthülle«. Million

Berlin, 17. März.

Im FemeanSschuß berichtete gestern Abg. Kutin er (Soz^ über die Vernehmung des Oberleutnants Schulz, daß dessen Aussage

PJlttltfflCt 65. Einzelnummer lll Pf, SonntogS Pf.

Die flafleler Reuellen NaLriibken «rschetnrn wöLenllilb tkLsaral nadimittasS. Der Abonncmemsoreis beiragi iür den Monat 2. Jt bei freier SutteUuna <ns Haus, in 6er GeiÄStrsitelle abgebolt 1.6U Jt. Durch die Post monatlich 2. Jt ausschließlich Aultellunaögebübr. Berlaa und Ncdaklion Schlachtbolstrabe 2»S<». gerniorecher 951 und 952. ftiir unoerlongt einaefanbte Beiträge kann die Re» Sakiwn eine Verantwortung oder Gewähr in keinem ftatle üdernebmen. RLck- tablung des BezngSqeÄes oder ÄNloröche wegen erwaiger nicht ordnungsmätziger Lieferung ist eucgeidiloiien. Poitlcheclkorno Krankruri am Main Rutnmer 63S0.

GnSgülttg geschettrrt.

Brasilicns Standpunkt unerschütterlich.

sEtgener DratzrbertLi.)

Genf, 17. März.

Der brasilianifche Botschafter Mello Franco verlas nach Eröffnung der heutigen Sitzung durch Chamberlain mit vor Erregung zittern­der Stimme eine Erklärung, aus der heroorgetzt, oaß der Entschluß Brasiliens» sich der Gewäh­rung eines Ratssitzes an Deutschland zu wider­setzen, unerschütterlich sei. (Loucheur hört -angestrengt zu und nickt verständnisvoll zu den Sätzen Mello Francos.) Im Ganzen erklärte JHtuo Franco, daß die zur Entscheidung stehen­den Fragen nicht durch Einzelablommen gelüst werden könnten, sondern nur durch gemeinsame Verträge aller Staaten. Das Werk von Lo­carno ülüsie in den Rahmen des Bülkerüuvdcs eingrfügt werden und nicht umgekehrt, der Völ­kerbund in den Rahmen des Vertrages von Lo­carno. Am Schluß betonte Mello Franco noch, daß die amerikanischen Nationen im Rate eine bedeutendere und zahlreichere Vertretung eln- nehmen müßten als bisher. Mello Franco schloß:Die Mitglieder drS Relles werden also unsere Loyalität nicht bestreit« können."

Auf Wiedersehen im Herbst.

Chamberlain schlägt die Vertagung heute vor.

(Eigener Drahtberichr.)

Paris, 17. März.

HavaS meldet auS Genf: Der Bölkerbunds- rat hat beschlossen, daß Chamberlain in sei­ner Eigenschaft alS Berichterstatter der politi- scheu Kommission heute der Vollversammlung deS Völkerbundes Vorschlägen solle, die Aus­nahme Deutschlands und die Frage der Erwei- terung des Bölkerbundsrates bis zum kom­menden September zu vertagen.

Zer Völkerbund ohne Deutschland

Aufnahme erst Im Herbst / ES lebe Locarno!

b u n d gestellt worden sei, indeS erscheint es für die gesamte öffentliche Meinung der Welt von größter Bedeutung, daß bei der nun erfolgten Entwicklung keinerlei fehlerhaftes Verhalten Deutschlands mitfpielte.

Chamberlains Beileid.

Dir Locarnomächte sind sich einig ...

Genf. 17. Mär». Auf die Ausführungen Mcvo Francos folgte eine von sichtbarer innerer Bewegung getragene Erklärung Chamberlains. Deutschland habe von Anfang an eine naIür» liche und vernünftige Bedingung an seinen Eintritt geknüpft, die Erlangung eines ständigen Ratssttzrs, der ihm mit Rücksicht «uf Ieine große Bedeutung in cet Welt unb.binm zukomme. Es sei eine Pflicht der Loyalität gegenüber Deutschland, zu erklären, daß die bt-- bäuerlichen Mißverständnisse und Schwierigkei­ten, die sich bei den Verhandlungen in Genf auf beiden Seiten gezeigt hätten, durch das Zusam­menwirken oller Beteiligten aus dem Wege ge­räumt seien. Der Beifall erhebt sich zum Sturm als Chamberlain den Edelmut Schwedens und der Tschechoslowakei pries.

Das Werkvon Locarno seidadurch gerettet und die Gefahr vermieden worden, daß Eurova von neuem in zwei Lager gespalt , wurde. Er sei bitter enttäuscht, daß trotz dreier Uebercinstimmung die Aufnahme Deutschlands nicht setzt vollzogen werden könne. Er schloß mil dem Ausdruck der vollsten Ueberzeugunq daß die Vertagnng zur Sicherstellung des deutschen Eintritts in den Völkerbund 'ui der nächsten Session dienen werde. Briand sckloß sich unter starkem Beifall den AiiSführun- gcu den englifchcn Außenministers an.

bruch der Politik von Locarno bezeichnet. Ein Blatt meint, das wichtigste Ziel, die Besei­tigung deS französisch-deutschen Konflikts sei er­reicht. Zwei Blätter schieben die Schuld am Scheitern der Verhandlungen Deutschland zu. Die laute Stimme Deutschlands und seine Sucht zu Intrigen und Schikanen haben das zerbrechliche Gebäude drS Völkerbundes erschüt­tert. Den Deutschen fehle der Geist der Zusam-

11m den im ganzen Lande vagabundierenden Kindern, deren Väter und Mütter entweder int oder unbeiankit sind, zu helfen, ist der sogenannte .Leninschatz^ gegründet worden. Die Bolsche­wisten in Rußland und die Kommunisten in anderen Ländern Haden große Summen ge- jpendet, um die samilienlosen russischen Kinder vor dem Untergang durch Hunger, Kälte und Krankheit zu bewahren. Wie aber die amtliche Sowjetzeitung in Moskau, die ^svostia", be­richtet. sind mehr alS achtzig Prozent der Gel­der verwendet worden, um Literatur über die iicie Liebe, das schraruenlose Ausleben der Ge­schleckter, drucken und in der kommunistischen Fugend verbreiten zu lassen. Statt den ärmsten oer armen Jugend zu helfen, verwandte man die Gelder zur Vermehrung der Zahl dieser Aermsten durch politische .Propaganda*. Der Mißerfolg der Versuche, mit dem .Leninschatz' die Lage der wie Schwärme von .Heuschrecken und Krähen- boS Land nach den Worten der ^svestia" und .Prawda" durchziehenden Kin- dersckaren zu bessern, ist nicht neuen Datums. Jeden Monat hat in den letzte» sechs Jahr,» in Moskau ein Kongreß getagt, aus dem die Lage der vagabundierenden, heimatlosen Kin- ver gründlich beraten wurde, aber immer gab es nur endlose Debatten und die Frage selbst blieb ungelöst Jetzt berichtet aber amtlich die Jsvestia", daß die fortschreitende Zeit dqS kmdcrelend aus der Welt schafft. 1918, unmit­telbar nach der Revolution, habe sich die Zahl der umherschweifenden russischen Kinder auf sünsundsiebzigtausend belaufen. In der " des Terrors und der Bürgerkriege sei die Zahl auf 125 000 im Jahre 1919 und auf vierhun- tausend im Jahre 1920, dem Jahre vor Aus­bruch der großen Hungersnot gestiegen. Im Hungerjahr 1921 stieg die Zahl der

.Stalen als trrohizftyer?

London, 17. März. (Eigene Drahtmeldung.i Ein Blatt bemerkt ironisch, ein Staat in der Lage Brasiliens könne kaum eine wider­spenstige Haltung in europäischen Angetegenhei. ten annehmen, ohne irgendeiner Zusicherung kräftiger Unterstützung von außen Es bestünden Anzeichen, vag Die verborgene Hand, bte die augenblickliche Lage herbeigesühlt habe, Italien gehöre.

Str Rat vr.m Leichenschmaus.

Gens, 17. März. (Privattelegramm.) Bei dem gestrigen Festdiner für die Mitglieder des Dölkerbiindsratcs. zu dem auch Generalsekretär Drummond und Gemahlin geladen waren, machten die Teilnehmer den Eindruck von Leu­ten. die sich zu einem Leichenschmaus begeben Zu Ehren der S a a r d e l e g a t: o n gab Staatssekretär von Schubert ein Essen im Hotel Metropol.

Genf, 17. März. (Privattelegramm) Die Vertreter deS Locarnopakts stellten gestern abend fest, daß sie tm Begriffe waren, zu einer Urber- elnstimmung zu gelangen. Falls jedoch, wie zu befürchten ist, die eingangs erwähnten Schwie­rigkeiten fortbrstehen sollten, würden sie bedauern, daß sie im gegenwärtige« Augen­blick das von ihnen angestrebte Ziel nicht er­reichen können. DaS FriedenLwerk von Locarno bleibt in feiner ganzen Kraft be­stehen und wird dadurch nicht berührt. Sie sind fest entschlossen, sich gemeinsam dafür einzusetzen, es aufrecht zu erhalten und fprtzuentwik- kein. Sie bleiben bei der veberzeugung, daß bei der nächsten Völkerbundsversamm, lung die gegenwärtigen Schwierigkeiten über­wunden fein werden und daß die Verständigung für Deutschlands Eintritt verwirklicht wird.

London, 17. März.

Ein Genfer Sonderberichterstatter erfährt, daß Frankreich, Italien und Iugosla- v i e n die Grundlage eines Paktes bezüglich der Fragen Mitteleuropas geschaffen haben. Die Delegierten legten die Uebereinstimmung ihrer Ansichten in der Frage der Verhinderung einer politischen Union zwischen Oester­reich und Deutschland nieder.

Lazewenvrttl«: Einhermilibe GttLSftsanzeiatn Seile 20 4. aueroärttge ©efdtfft»» anzeigen Zeile 20 Ji. Lamilienanzeiaen Seile W i. «kleine Ängeiaen da» Dort 4 Ji. Reklamen Die 3eile 75 ll. Cfiermebüür 2» ll (bei Zusendung Der eiferten 80 4t. Rechnungsbeträge sind innerhalb 5 Tagen «n befahlen. Sur die 3hd)ta­ten aller durch iserni»reäer ausgegebenen Anreisen, sowie für Hnfnabtnebaten und Plätze kann nicht aarantiert werden. Äür Anzeigen mit besonder» schwie­rigem Sa6 IINI Prozent Ausschlag. Druckerei: SeblaAthofftrafte 28'30. Geschäft», stelle: Lölnische ©trabe 6, gegenüber bet ©eobritrafee. fternfpretber 051 uiti 053.

Rumänien noch in den Völkerbundsrat drängte, wies man das ungeh'euerliche Ansinnen aufs schärfste zurück.

Aber auch dieses letzte schwerste Hindernis hätten die geschickten Renner Chamberlain- Briand genommen, wenn nicht Brasilien nach in scheinbar an langer Hand vorbereitetem Plan die (Sprengbombe in das friedlos« Euro- patheater geworfen hätte, dessen dunkle Machen- schaiten noch blitzartig durch den Pakt erhellt werben, der unter den Augen bet Konferenz zwischen Rom, Prag, Belgrad und Au­la r e 6 geschlossen wurde. Die Pläne Musso­linis, ein Zusammenschluß der Balkanstaaten gegen die deutschen Interessen, stellte also keine Politik auf lange Sicht dar, sondern haben sich sehr schnell verwittlicht.

Deutschlands Stellung zwischen den Weltmächten ist selbstverständlich durch die Nie­derlage ln Gens schwer erschüttert. Die Par­lamente. soweit sie die Locarnovenräge bereits angenommen haben, sind nur an ihre Beschlüsse gebunden, sofern vor Gültigkeit der Locarnover- träge Deutschlands Eintritt in den Völkerbund erfolgt. Völkerrechtlich hängt deshalb die Zu­sage der Rheinlandmächte, das Wett von Locarno bleibe in Kraft, vollständig in der Lust. Es bestehen für Deutschland keine Rechte. Auch an weitere Auswirkungen aus die besetzten Gebiete ist nunmehr nach Berliner Auffassung nicht zu denken. Die Zukunft gähnt dunkler als jemals. Wie werden die deutsche-, Vertreter vor dem Reichstag vaL Chaos zu meistern suchen? -r*

Durch BrrrMien gesprengt!

Deutschland trifft kein Verschulden.

(Eigener Drahtberichr.j

Gens, 17. März.

In den Kreisen der deutschen Delegation wird ausdrücklich festgestellt, daß die vorher bestehenden Hindernisse, mit denen man sich u. a. noch gestern vormittag befaßt hatte, beseitigt waren. Die Ursachen des negativen Ausgangs find daher außer­halb der Locarnomächte bei einem s ü d a m e - rika nischen Ratsmitglied zu suchen (gemeint ist Brasilien). Die deutsche Dele- gation überläßt es der Meinung der Welt, die Schlüsse zu ziehen. WesenUich ist jedoch, daß das Werk von Locarno mit seinen Boraus- setzungea. Rück- und Auswittungen unter den Partnern bestehen bleibt, und daß sie es alS ihr gemeinsames Ziel betrachten, die jetzt bestehen­den Schwierigkeiten bezüglich des deutschen Ein­tritts in den Völkerbund biS zur nächsten Voll­versammlung zu beseitigen. Bus dieser Auf- faffung wird von manchen Seiten in Genf der

mnherfchweisenden Kinder aus 600 000!

Seitdem sagt das Sswjetblatt. ist die Zahl ra­pide gesunken und dürfte sich gegenwärtig auf 225 000 bis 250000 Kinder belaufen. Das bolschewistische Amtsblatt gibt die Quellen die­ser Anaaben nicht an, ebensowenig wie «8 sagt, wievieie dieser allerännsten Kinder In staat­lichen Waisenhäusern untergebracht sind. Im­merhin können andere Angaben der kommuni­stischen Presse zum Vergleich heraugerogen wer­den, das bolschewistische Kommissariat für Ge- sundheitswesen hat verschiedentlich die Zahl der auf den russischen Landstraßen Vater-, mut­ter-. heimaia. und nahrungslos sich herumtrei­benden Russenkinder aus achthundettiausend bis zu einer Million angegeben. Jedoch ist die Sterblichkeit unter diesen umherschweisenden Scharen so stark, daß sich die Zahlen schnell nach unten bewegen. Die Krankheiten, die m diesen verlumpten, verlausten, verhungernden und frierenden Kinderscharen grassieren, lösen die schwierige irraoe. Der Sowietkommissar für Gesundheitswesen, Semashko, berichtet, daß alle diese Kinder trank sind. Während des jetzigen Winters hat mit Unterstützung der Gesundherts- behörden die Moskauer Polizei iebe Nacht bis hundert dieser Kinder auf den Straßen ausge­griffen und ärztlich untersuchen lassen. Achtzig von hundert dieser Kinder waren ausgemergelt, und man kann sagen, daß ihre Tag: rnfolge der erlittenen Entbehrung gezählt sind. Der Rest litt an Skorbut, galoppierender Schwindsucht, RbachitiS uf». Ter Sowfetkormnissar für Er- ziehungswesen berichtet, daß infolge der

entsetzlichen Wohnungsnot in Moskau

die Familienleben unmöglich macht,

Schuld daran ist, daß alljährlich tausende von Kindern verschwinden, und zu den umher« sckweisenden Kinderscharen sich gesellen. Wenn sie kalte Jahreszeit herannahte, wanderten diese Scharen zu hunderttausenden nach dem wärme­ren russischen Süden. Eine Lokalnotiz der Moskauer .Pravda* besagt: Die Pol'zei nahm zehn vaaabundieiende Jungen fest, die alle un­ter fünfzehn Jahren waren. Sie hatten in Pousakowa, einem Flecken bei Moskau, vierzehn Bauernhäuser und Scheunen angezündet und naben als Grund an. sie wollten sich an den ^öcktern der rächen. In d-n russischen

Dörfern und Kleinstädten, wo die Kircke wieder Einfluß petoaiut. ist die Verkommenheit der ftugend nicht so groß wie in den Zentren der Kommunismus.

Fahrt wohi, Kolonien!

Rechtsansprüche nur im BölkerbundSrat.

(Eigener Drahtvenck».)

Paris, 17. März.

Havas veröffentlicht folgende offiziöse Er­klärung: Man erklärt in autorisierten Kreisen, daß niemals davon die Rede gewesen sei, Deutschland jetzt ein K o l o n i a l m a n d a t zu- zuteilen. Briand habe in Gens vor Presse­vertretern lediglich vorauf hingewiesen, daß Deutschland dadurch, daß es in den Bölker­bundSrat eintritt, das allen Mitgliedern zu­erkannte Recht genieße, eventuell ein Ko­lonialmandat erhalten zu können.

Alles umsonst.

r Deutschland kehrt mit leeren Händen heim.

So scheint es denn im Rat der Parzen be­schlossen, daß Luther-Stresemann heute mit leeren Koffern den Berliner Sonderzug be­steigen und sich mit kühlem Händedruck von den Genfer Intriganten verabschieden werden, nicht ohne sich des gegenseitigen Vertrauens aus eine baldige Verständigung ... im Herbst sowie des innigsten Beileids für die soeben begrabene Völ­kerbundleiche versichert zu haben. DaS Unglaub­liche ist geschehen: uiian hat Deutschland in Lo­carno den Eintritt in den Völkerbund, wie er damals bestand, eidlich verbürgt, hat dann bte elften Vertreter des Volks zur Aufnahme nach Gens geladen, hat sie zehn Tage In den Vor­zimmern zum Allerheiligsten warten lassen, um sie dann von einem mischfarbigen Lakaien aus den Tropen ... auf die Straße befördern zu lassen.

DaS politische Verbrechen liegt also darin, den Rechtsonjpruch Deutschlands sabotiert zu haben. Nachdem Briand sich Polen verschrieb und die deutsche Delegation erst zu Zugeständ­nissen gepreßt werden sollte, war es ganz natür­lich, daß Deutschland sich dieser unfairen Hand­lungsweise stark widersetzen mußte. Chamber­lain und Briand hatten Die Friedensangeln au§* geworfen und die Schatten von Locarno be­schworen. um die deutsche Delegation aus das Glatteis der Kompromisse zu locken. Nichts ist v»S in diesen Tagen erspart worden. Die bri­tische Heuchelei, der sranzösische Haß, die Wut alter nicht n.urralen und an Ratssitzen iitteres- fietten Nationen ist einheitlich gegen uns gelenkt Worden und diplomatisch verwertet worden. Man braucht nur einen Blick in die französische Presse zu Wersen, um zu erkennen, daß nichts als Gift und Haß die Feder gegen Deutschland führten. Der deutsche Michel forcht sich nicht und hatte selbst für die verwegensten Gauklerstücke der Locarnofreunde noch immer ein höfliches Interesse. Selbst der Umwandlung des Rat?, dem Rücktritt alter und der Ausnahme neuer Mitglieder wollten sich unsere Unterhändler, dem