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Kasseler Neueste Nachrichten

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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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Sonnabend. 20. März 1926

^UMMet 67. Einzelnummer 10 Pf. Sonntags Pf

Einzelnummer 10 Pf.. Sonntags 15 Pf. 16. Alt ZkHNNg

Ein Bonner Wort aus dem Weißen Haus.

DasKümmklblättchrn

falsches Spiel hinter den Bölkcrbundkul-iflen.

Von Dr. Paul Rohrbach.

Es gibt einen Buchstaben im hebräischen Alphabet, an der dritten Stelle, der heißt Gtmel, nach dem Aamen des Kamels, nnv er sieht aus wie ein halbes Kamel: zwei Beine uni> ein langer Hals. Die vereinfachende Gau« nerjprache hat aus ihm einen .Kümmel» ge­macht. Ta sitzen ein paar und spielen mit drei Karten, harmlos und unverfänglich! Drei Blätter fallen gleichzeitig, und man soll sagen, wo ein bestimmtes davon liegt. Nichts ein­facher als das, denkt der hinzutretende Dumme. Er hat ja gesehen, wie oft die Spieler vor ihm richtig ansagten und ihren Gewinn einstrichen. Mit einem Mal schlagen die Karten anders. Er ist in die Falle gegangen, ohne zu ahnen, daß die vor ihm mit einander verabredet waren. Er berliert. zieht gerupft davon oder sieht zu, wie er gute Miene zum bösen Sviel macht.

Naive Leute halten die Diplomatie für eine hohe Wissenschaft. Manchmal aber ift sie auti nur eine .Kürnmelblättchen'-Wissenschaft und nicht einmal höhere, sondern eine ganz ge­wöhnliche. Talleyrand bat bekanntlich gesagt, die Sprache sei dem Menschen gegeben, damit er seine Gedanken verbergen könne. In Lo­carno saßen die Staatsmänner der Entente zu­sammen, Herr Chamberlain und Herr Briand voran, und redeten Deutschland zu, eS solle kommen und im Völkerbund mitspielen. Wir waren grundsätzlich bereit, sagten aber, wir hätten unsere Bedingungen. Das Ende war, daß man uns ein kleineres Stück nachgab und für das größere sagte: Ihr müßt Vertrauen haben! Bei dieser Vertrauensabrede blieb es. Chamberlain und Briand zeigten sich als Schwimmatlethen in Glück und Rührung. Wol­ken von politischem Wohlgeruch wurden ausge- scküttet. Der neue Geist I Der Geist von Lo­carno! Der wahre Friedensschluß! Sie Sprache Europas ist entdeckt, fortan wird nur noch europäisch gesprochen. Kümmelblättchen war es. nichts ckls Kümmelblättchen. Heimlich hinter der Szen zappelte das Gimel mit seinen zwei Seinen und wackelte mit dem Hals den Takt dazu.

Ueberlegt man sich diese Zusammenhänge, die jetzt ja deutlich genug hervortreten, so muß der gewöhnliche Verstand doch staunen, welch eine Verstellungs- und Schauspiel- k u n ft im Franzosen steckt. Mit dieser heim­lichen Abmachung mit Polen in der Tasche einer Abmachung, die ein richtiger Schiebertrick war, um Deutschland im entscheidenden Mo­ment .hineinzulegen' hat Briand seine Re­den in Locarno und London gehalten und sei­nen pathetischen Schwur in der franrösischen Kammer geleistet, fortan werde sein Leben nur noch der Verwirklichung desGeistes von Lo­carno' gewidmet sein. Aber schließlich, Briand ist Franzose, wie Talleprand auch, und bei allem Reden von Versöhnung wird er im Herzen doch immer Deutschland als den Gegner betrachten, gegen den alle Mittel recht sind, um einen Vor­teil zu gewinnen. Der Mann aber, bei dem das Verständnis versagt, ist Chamberlain Wie konnte dieser, der in der englischen Politik und Geschichte doch keinen ffe>en Namen zu vertreten bat und zu einer Naiton gehört, die zwar im Krieae auch jedes Mittel für erlaubt erklärte, im Frieden aber stolz auf ehrliche» Sviel ist. zu diesem Stück neuen Deutschland fick hergeben! Es kann natürlich nicht anders fein, als daß zwischen briand und Chamberlain auch die Frage behandelt worden ist, was Deutschland tun würde, sobald ihm die Schic buna klar wurde. Die französtsche Antwort in solchen Könen ist ein für alle Mal gegeben Iie lautet:Wenn man ordentlich drückt, geben die Deutschen nach: außerdem sind in Deutsch­land immer Leute vorhanden, denen .Verstän­digung' um jeden Preis ein Lebensbedürfnis ist. und die der nationalen Opposition das Ge­gengewicht hält.' Ter erste, der nach diesem Svft-m verfuhr, war Clemenceou in Ver­sailles. der gegen die Bedenklichkeit Englands und Amerikas immer nur die Versichcruna batte: die Deutschen werden unterzeichnen' Allerdings batte gerade er es auch verstanden vorder durch feine Politik der planmäßigen Dorspieaelnng falteer Hoffnungen die offen* lidr Mein'-na in Tcut'ckland mürbe zu machen

Der Kernpunkt der offen zutage lie­genden I n t ri g u e war, den nicht mehr ver­meidbaren veutschen Sitz im Rar durch einen, eben'alls permanenten, polnischen möglichst be­deutungslos zu macken In seiner brutalsten Form, einfach alS dauernde polnische Bet. michung zum Rat und als eine unverhüllt aeg<>n Deutschland gerichtete Maßnahme, wurd- der Angriff abgeschlagen. Die anderen Batte­rien. die der Gegner auffuhr, die Kandidaturen Svaniens und Brasiliens. waren zur Schein­kanonade bestimmt, itm den polnischen Ein­marsch zu decken. Es scheint, als ob man die

Geister, die gerufen wurden, um wieder zu ver­schwinden, wenn man sie nicht mehr brauchte, iich nicht zurückscheuchen ließen. Vielleicht ging die französische Intrigue auch noch tiefer. Wir haben es vorgezogen, beim Schluß der Komödie die Brücken nicht abzubrechen. Man kann das billigen, aber mit dem .Geist von Locarno' ist es einstweilen gründlich vorbei. Die parfü­mierte Wolke tat sich verzogen, und das darun­ter gelegen hat, das riecht so schlecht, wie Un­ehrlichkeit und Schiebung stets riechen. Deutsch­land hat einen schlechten Vorgeschmack vom Völkerbund auf. der Zunge...

Soll Europa vrrverbm?

Amerika verdammt Frankreichs Machtpolitik.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 19. März.

Ein Blatt berichtet ans Washington: Nach dem Bericht, den der Londoner Botschafter H o u g h t o n, dem Präsidenten C o o l i d g e und dem Staatssekretär Kellogg über dir Lage in Europa und die Genfer Ereignisse ge­macht hat, sind die amerikanische Regierung und da-5 amerikanische Volk bestürzt über das ent­worfene Bild. Honghton erklärte, Hs» europäi­schen Staatsmänner hätte«

nichts vom Kriege gelernt

Der Völkerbund, weit davon entfernt, ein wirk­liches Friedensorgan zu werden, fei auf t:m Wege der Wiederbelebung der Alli­anz von 1815, ohne die Hoffnung auf Ge­währleistung einer vierzigjährigen Ruhe in Europa zu bieten. Augenblicklich sei Frank­reich der Führer, dem gereifte Trabenten­staaten Vorschub leisten, während die bri­tische Regierung widerstrebend mitgc- zogen werde, weil das Zusammenwirken mit Frankreich im nahen Osten und anderswo wün­schenswert fei. Die Mächte des europäischen Kon­tinents wünschten nicht wirklich abzurüsten und wollten gar keine amerikanische Beteiligung in ihren Drähten. Honghton kommt zum Schluß, daß keine Hoffnung zum Abrüsten be­stelle, bevor der augenblickliche Wahnfinn vorüber sei und die drohende Katastrophe eine energische Sinnesänderung herbeiführe.

Soo!i6ae Bat f inen Baier verloren

Plymouth (Nordamerika), 19. März. (Kabel­telegramm.) Der Vater dus Präsidenten Coo- lidge ist heute gestorben. Der Präsident ist be­reits im Trauerhause eingetroffen.

Das jüngste Gericht.

Was die Neue Welt der Alten prophezeit.

(Eigene D»ahtmelbung.)

London, 19. März.

Reuter berichtet auS Newyork: Washing­toner Berichterstatter gaben über die Konferenz zwischen Coolidge, Honghton, Gibson und Kel­logg über die Lage in Europa unoffizielle Schilderungen. Ein Blatt erklärt, Da# die bei­den Diplomaten ein düsteres Bild von dem zu feinem alten Vorkriegssystem des Mächtegleich, gewichts zurücktreibenden Europa entworfen hätten. Nicht nur die Abrüstungskonferenz, andern auch die amerikanische Einschätzung des Völkerbundes bleiben anscheinend in ber Schwebe. Honghton und Gibson hätten er­klärt, der Völkerbund falle der Ohnmacht an­heim. Europa werde nur durch wirtschaftliche Erwägungen davon wbgohalten werden, in einen neuen Krieg zu treib/n.

Die Arbeitsminister am Sie!«

Heute nacht in London unterzeichnet. (Eigener Drahtbertcht.)

London, 19. März.

Die im ArbeitSminifteriiim tagende Arbeits- stundenkonferenz wurde heute früh nm '4 3 Uhr beendet Das erzielte Uebereinkommen wurde von Deutschland, Großbritannien, Belgien u. Frank­reich von den bett. Ministern unterzeichnet.

Das brennende Meer.

Feurige Szenen im Hafen von Livorno.

(Eigener Trodtbertckn.i

Mailand, 19. März.

Rach der Löschung eines Benzindampfers im Hafen von Livorno war eine große Menge Ben­zin ins Meer geflossen und zufällig in Brand geraten. Im Rn bedeckte das Feuer den Wasser­spiegel. wo zahlreiche Schiffe und auch ein Pefro- leitmdam fer verankert waren. Die riesige Rauch­wolke und das große Feuer verbreitete ungeheu­eren Schrecken und gefährdeten auch die Mann

sihasten einiger anderer Schiffe Die Sirenen der Dampfer begannen zu heulen und im ganzer Hafen entstand Schrecken und Aufreg,mg. Der gesamte Betrieb wurde eingestellt und alles lief davon. Die Schiffe verließen den Hafen. Ein großer Segler geriet sofort in Brand; die Mannschaft konnte sich nur mit knapper Not ret­ten. Das Feuer griff auch auf eine Reihe Gü­terwagen über. Feuerwehr und Truppen konn­ten den Brand eindämmen. Bier Fischer und ein Kind sind ums Leben gekommen.

Saure Wochen, froh? Feste.

Am Montag Genfer Reichstagstheater.

(Eigene Dral/tm-louny.)

Berlin, 19. März.

Laut Beschluß dcS AeltestenrateS wird ber Reichstagsplan bis Ostern sich wie folgt gestal­ten: Nach Erledigung vcs ReichswirtschastSetats heute und morgen wird morgen der (hat de: Reichspräsidenten und des Reichskanzlers bera­ten. Am Montag soll der Etat des Auswär­tigen Amtes folgen, mit dem zugleich die De­batte über die G nfer Konferenz verbunden sein wird. Dic Etat-Beratungen sollen möglichst bis Sonnabend, den 21. März, abgeschlossen wer­den; andernfalls wird der Reichstag bis zum 31. März zusammenbleiben. Auf seden Fall die Etatberalung vor dem 1 4. abgeschlossen fein.

SS öndert sich nichts.

Weiter mit Kurs auf Locarno und Genf.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 19. März.

lieber die gestrige Sitzung des Reichskabinetts weiß ein Blatt mitzuteilen daß die Rcichsregte- rung nach Anhören des Berichtes des Kanzlers und des Reichsaußenmlnistcrs davon überzeugt fei, daß die anderen Vertragmächte von Locarno den dort abgeschlossenen Vertrag als gegenseitig wirksam ansehen, trotzdem der Vertrag erst durch den Eintritt Deutschlands in den Völker­bund rechtskräftig werden sollte. Weil die Ver­ständigungspolitik für das Reich eine Lebens­frage sei, könne eine Zurückziehung des Aufnah- mcgesuchs Deutschlands nicht in Frage kommen, da durch einen solchen Schritt die Voraussetzung für den Locarnovertrag beseitigt würde.

Ein vkeibegehrier Gast.

Moskau nochmals zur Abrüstung eingelttden.

(Eigener Drahtberickt.)

Genf, 19. März.

Der Völkerbundsrat hat in vertraulicher Atzung den Worttaut eines Schreibens an Tschitscherin ausgestellt, in dem der Rat den lebhaften Wunsch bestätigt, auf die Mitarbeit SowfetrutzlandS in der Abrüstungskonferenz zählen zu können. Der Rat erinnert an die formelle Zusicherung der Schweizer inbezug auf die Sicherstellung des Aufenthaltes in Genf.

*

Tschitscherin tagt zu, aber nicht für Genf.

Genf, 19. März. (Eigener Drahtbericht.) Der russische Atchenkommifsar Tschitscherin hat dem Völkerbund als Delegierten für die Weltwirt- schastSkonferenz den Ingenieur Krzya- n o re S k i vorgeschlagen, der als Leiter der gro­ßen Elektrifizierungsarbeiten einer der besten Kenner der russischen Wirtschaft sei. Der Aus- sckmtz dürfe jedoch auskeinen Fall in die Schweiz einberufen werden.

Locarno und... Geld.

Was die Kammer von Briand erwartet.

(Eigene Drahtmcldung.)

Paris, 19. März.

In der gestern angenommene» Tagesord­nung heißt cs: Die Kammer ist fest entfmloffcn, eine Politik der internationalen Verständigung, der steuerlichen Gerechtigkeit und der Finanz­sanierung zu unterstützen und spricht der Re­gierung daS Vertrauen aus, daß sie in kürzester Frist die Verabschiedung eines ausgeglichenen Budgets simerstellt und die mit Ungeduld er­wartete Militärresorm sowie die Sozialversiche ungsgesetze verwirklichen werde. (S. a. 2. S.)

*

Geht ee mit Fehrenback) w Ende?

Freiburg i Br., 19. März. (Privattelegramm? 'm Befinden des ehemaligen ReichSkanz'ers ~ehrenhaft) ist infofern eine Verschlecht r" i^ "ingetreten, als der Kräftezustand o6nimr.it. D." Kranke ift zeitweilig ohne Bewußtsein.

Glücklich entwischt.

Flucht über Venedig auS Südtirol.

Einer unterer Mitarbeiter, ber in Tirol zu« StUaitf weilte, wurde als deutscher Journalist von de» Faschisten verfolgt. Er schildert die uu» ertbrlc« Leiden der Tiroler und seine drama­tische Stacht über Venedig folgender matzen:

Der tiefe blaue Himmel der hochaufragenden Tolomitenwelt hatte es uns angetan. Dreißig Mitglieder des Skiklubs Sauerland schwelgten in Wolkenstein im Grödner Tal in den winterlichen Freuden hohen Schnees, blau­en Himm.ls und den tausend Farben der Son­nenstrahlung im abendlichen Gebirge. Es war schön, so weltabgeschieden schön, daß das nebel­graue Westdeutschland wie in ferner Traum der Arbeit hinter uns lag. Und Tag an Tag hät.e sich zu glücklicher, sonnerfüllter Kette gereiht, wenn es eben nicht Südtirol gewesen wäre, das Land der Knechtung und Unterdrückung durch die Italiener. Wir baben den Terror, un­ter dem Tirol seufzt, selber erlebt und wissen, daß der Faschisten-Fanatismus diesem Land mehr zusetzt, als au Die Oefentlichkeit kommt. Daß in unseren Hotels bereits Faschisten unter­gebracht waren, als wir eintrafen, das berührte uns einigermaßen unangenehm. Mit eisiger Häflichkcit beggnetn wir den Offizieren, die mit einigen zwanzig Mann sich oben im Grödner Tal

für ein Lumpeugcld einguartiert

hatten, um .militärischen' Skilauf zu treiben. Ihr Führe war ein junger Baron mit dem fabelhaft italienischen Namen Altenburg aus Bozen, sein Adjutantore ein Bürschchen, das im Elsaß erzogen worden war und seltsa­merweise kein Wort Deutsch mehr verstand, dabei aber ein Spitzel eomme il faut, ein Luchs, ein treuester Diener seines Herrn Mussolini. Ein paar Tage ging dies eisige Höflichkeit. Dann aber steckte die Faschisten unsere deutsche Lustig­keit an und sie erschienen eines Mittags mit an* gewinkelten Ellenbogen und stellten sich vor, um mit uns gemütlich zu sein. Die Wirtin rang draußen die Hände. Wir waren im italieni­schen Südtirol, was blieb uns übrig, als auch unsererseits so zu tun. als wenn uns die Be­kanntschaft riesengroße Freude machte. Nach ein vaar Tagen hatte dir Grödner Bevölkerung ein Fest. Die Musik feierte ihren Ball ein Mal im Jahre tanzen die Leute nur. Buntes Le­ben, tiroler Landwein, eine Holzschnitzerjungen- Kavege mit dreistündigem Programm. Beim Eintritt bekam man ein Tanzbändchen.

Blaue Schleife oder Trikolore.

Einige unserer Herren griffen nach der b l a u e n Schleife. Ohne sich etwas dabei zu denken. Ick trinke meinen Roten, als mich ein Mann berührt. Unauffällig fohe ich mich um und ent­decke unter einem Iägerhiilcken einen fchwarzen Kopf. Angekcklobter Bart. Brille. Aha der adjutandore. Spitzel, verdammter . .. Für uns war das ein Grund, bald zu verschwinden, und die Grödner bis sechs Uhr früh unter sich zu lassen. Am anderen Tage lockte der Schnee uns am Vormittag hinaus auf die weißen Hän­ge. Als in uns rem Hotel der Gong läutete und einer nach dem anderen heimkehrte, fing man uns on b-r Türe ab: Die Herren möchten sich um zwei Ubr zur V e r ne h m u n a bereit« ballen. Da war ertra imseretwegen ans Klau­sen dem Künstsernest im Eisacktal, der Kom­mandant der Karabinierie nach S'lva hinauf gekommen, eskortiert von drei Gendar­men und einem Dolmetscher. Dazu die Herren Schwarzhemden. Wir hätten die Trikolore der« weigert das fei -um inMten eine N'cht'ch'ung ''er Gastfreundschaft Italiens usw., ufw Glück- sfcherweife konnten wir einige der dreifarbigen m-m,Händchen oufw-ifen, was dem Fafckiftm- Offiiier »inen f-Ttrnmen Bftck de? commo>ore »infrirg. 5rmm-rbin betonten wir, daß die Wahl der Tanzschfeife a-nz ohne ?rflieht geschehen« rc. Damit gab man sich scheinbar zufrieden. ^k>er am letzten Allend. ha wir in gemütlichem Schluß unfer» Tclomitenfohrf h-*nben wollten, "raaTi fick hock etwas anderes. Nach guter Sitte

Rheinlandes fr-fffen di- Bowl-nhech-r und 'wischen den mit harten Liren erkauften Tän- en wurden die sckänen aTge gefeiert. Und 'm? Herz geht nach solchen Tagen schon mal ^nrck stche ick von einembesonderen Dank' n di- Südtirol-r gesprochen Das genügte: ^as Wmst Südtirol gibt es in Italien nicht ~efnr. K"um hatte ich meine Worte beendet, da standen dir beiden finsteren

Carabinierien im Dreispitz hinter mir und forderten mich auf, herausznkom« men. Peinliche Wiederholun meiner Worte. Das Fest wurde abgebrochen. Sofoart alles schlafen. AufbiuL Peinlicke Situation um "'ckts. Aller m n f'-tte biefn Streich vorberei- sei, to tl eb-i, d deutsche Gesellschaft den Schir. V;. irn ein Dorn im Auge war. Hier