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Kasseler Neueste NachMeu

Donnerstag, 29. April 1926

Heraus aus der Wirtschaftskrise!

Luther weift Europa die Wege. »ÄÄ

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Ruhe im Innern Wirtschaftsblüte der Völker.

Berlin, 28. April.

scrt hat, so sind wir von einer wirMchen Ge- bcr Landwirtschaft in ihrer DedrSngnis nesung unseres Volkslebens noch sehr weit ent' Möglichkeit zu helfen.

fernt. Die Zahl der Erwerbslosen sprecht _____

nur noch ein Bierzehntel

eine erschreckende Sprache und die Angliederung unserer Wirtschaft in daS Welthandelsgetriebe ist noch recht weit von den normale« Zustän­den entfernt. Nun ist schon seit Anfang 1925 die Ausfuhr tatsächlich im Steigen begriffen. Der abgelaufene Monat März dieses Jahres hat gegenüber dem Vormonate eine Steigerung von 140 Millionen Mark auf der Ausfuhrseite ge- bracht. Dennoch aber bleibt die Tatsache be­stehen, daß die Ausfuhr im Jahre 1925

In der heutigen Sitzung des Industrie- uno Handelstages hielt der Reichskanzler folgende Ansprache: Wenn unsere Lage sich auch gebes-

nährung des eignen Volkes aus dem eignen Boden sicher zu stellen. Unter dem Zwang der Verhältnisse drängt unsere Wirtschaft nach einer Stärkung des inneren Marktes. Man wird darum die Ansicht der Reichsreqiernn i billigen.

beträgt. Dennoch wäre es das Verkehrteste, wenn man mutlos würde, denn cs ist ja auch nicht richtig, daß eine neu hinzukommende zer- körende Ursache die jetzige Krise und Rot her- vorgerufen hat. Rur die Schleier sind gefallen, di- durch die verschiedenen Jnklationserjcher- nungen über den wirMchen Tarbestano gcreg» waren. Jetzt erst stehen wir ror der wirtschaft­lichen Wirklichkeit wie sie ist. Wir dür- ken jetzt wenigstens mit dem Bewußtsein an die Arbeit gehen, daß jetzt endlich die wirkliche Arbeit beginnt. (Die Rede dauert an.)

Wie können wie gefunden?

Staat und Wirtschaft als Schicksalsgenoffen.

(Eigener Drahtbericht.)

Berlin, 28. April.

Bei dem Festesten deS Deutschen Jndusttie- und Handelstages begrüßte der Präsident Fran, von Medelssohn u. a. den Reichs- kanzler Dr. Luther und gedachte des Reichs­präsidenten, der mit unermüdlicher Kraft und in hingebender Treue das beste Beispiel defür gebe, das heute jeder an seiner Stelle dem Va­terlande ,u leisten schuldig sei. (Lebh. Beif.)

Rrichsminister Dr. C u r t i u s teilte hierauf zwecks engerer Verknüpfung von Staat mid Wirtschaft neue Börsenmaßnahmen der Rcims- regierung mit. Die Hauptaufgabe sei die Be­freiung des Staates und der Wirtschaft von unproduktiver Arbeit, die Durchführung des Sparprogramms hier, der Rationalisierung dort.Die Erkenntnis der Notwendigkeit der Berwaltungsreform zieht immer wei­tere Kreise. Wir werden uns ihr nicht entzie- hen dürfen. Dabei werden wir die Berwaltuna in Reich, Ländern und Gemeinden sachgemäss abgrenzen und neu ordnen und die Tätigkeit der öffentlichen Körperschaften auf das Maß des unbedingt Notwendigen beschränken. Die

Rationalisierung in der Wirtschaft

ist in vollem Gange Der Staat muß dem Vol­ke, wo eS unter der Umstellimg leidet, soziale Hilfe gewähren. Mehr als je werden Staat und Wirtschaft zusammenwirken müssen, um diese gewaltige Krise bald zu überwinden. Erst die volle Durchführung des UmstellungSprozefles wird die Erkenntnis des richtigen Verhältnisses zwischen Staat und Wirtschaft ermöglichen. Of­fensichtlich sind dir Zeiten der sogen. Staats­wirtschaft vorüber. Auf der anderen Seite kann der Staat eine schrankenlose Freiheit der wirt­schaftlichen Unternehmungen nicht mehr dulden, die die Wirtschaft vernichten würde. Ein Mittel zwischen beiden Extremen ist das für deutsche Verhältnisse allein mögliche System. Es sei wie in einer Ehr, in der der eine Teil, der Staat. Schutz und Rührung des gemeinsamen WegcS zu übernehmen habe, während das Schaf­fen und Wirken Aufgabe des anderen Teiles sei. Sein Trinksvruch gipfelte in dem Wunsche daß Staat und Wirtschaft gemeinsam den rech­ten Weg aus unserer Rot herausfinden werden.

Trüwlis bnldigt dem Cäsarenerbe«. «« kruder Lrieutsil«. - Der Dnce am Aatotteuer. Orgie» der Begeisterung. Der Erwecker Roms. I» der Smmgoge von Tripolis.

Amtliches Organ der Stadt Kassel 16. Iahrg

Nummer 99. Amtliches Organ der Stadt Kassel

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Deutfckflono al« Frieden svroae

Moskau, 28. April. (Funkdienst.) Der deut­sche Botschafter Graf Brockdorfs-Rantzau erläu­terte einem Wolffvertreter den Berliner Ver­trag dahin: Deutschland will als Fri-densfaktor auch seine geographische Lage im Zentrum Europas dazu benutzen, eine vermittelnde Brücke zwischen den Völkern des Kontinents zu bilden. Der Vertrag soll nach beiden Sei­ten den Weg ebnen. Er ist also nicht nur ein Freundschaftsvertrag mit der Sowjetunion, sondern auch ein solcher mit Europa,

Nicht anders als ein altrömischer Cäsar auf der Höhe seiner Macht hielt dieser merkwürdige Mann seinen triumphalen Einzug in Tripolis, so schildert ein Wiener Berichterstatter seine Eindrücke im Gefolge Mussolinis. Die Stadt flammte, schrie, schmetterte in Farben. In die- en starken, ungebrochenen, barbarisch schönen Farben wie der Orient und Afrika sie gebt. Und da ritt dieser Mann, der doch einmal ein kleiner Maurer auf der Walz war, als ein neu­er Scipio Africanus aus dem eroberten Land altrömisch-afrilanischen Bezirks. Und das Volk jubelte ihm zu. Und die tausend stummen Araber hoben die Hand zum Gruß, genau nach Faschistenart. Und Kolonialtruppen zogen vor­bei, wenige weiße und viel farbige, libysche, erythräische, kabvlische Truppen, Spahls und die wundervollen Dromedarreitcr, die Meharls.

Ein Schauspiel in flammender Farbigkeit, aber ein ernstes und höchst nachdenklich stimmen­des. Das Land ist militärisch gesichert und völlig befriedet ist. Wir fuhren bis zweihundert Kilometer ins Innere des Landes hinein. Dort, vor dem Gebirge von Garian, wo angeblich diese furchtbaren Kämpfe stattgesunden haben, ist alles ruhig, kolonisiert mit fruchtbarem Gartenland, Oelbaumlandschasten, die an das Toskanische erinnern, unversehrten Hausern und Städten. Kurz, wir sahen ein Land, das eine Zukunft hat. Ein amerikanischer Kollege meinte: es gleiche dem reichen Kalifornien vor der Kolonisierung. Und wir fuhren fast im­mer mit hundert Kilometer Geschwrndigkeit, da der Duce meist s.lber auf diese Art seinen klei­nen Lancia-Wagen lenkte nach Sabratha und Zuara, nach Aziz'a (das früher türkisches Haupt­quartier war) und Garian hoch aus dem Berg­land, nach Homs und Leptis Magnas,, der wiedergesundcnen Kaiserstadt des Septtmius Severus. Ueberall an den Straßen der Dörfer und Städtchen standen, in seltsamster Huldl- anng, Araber und Berber. Neger und Mlsch- linae, Juden von jenen' Zebntausenden, bie fett Alters in diesem afrikanischen Lande leben. Sogar die Nomaden hatten an den Brunnen- vläven, wo sie sich die Nachrichten weitergeben, die Kunde gehört und waren in ganzen Trupps angeritten.

Derwische heulten und tanzten, rissen sich blutend in religiöser Ekstase die Lei­ber mit Messern auf. Frauen standen als le­bende Bilder aus flachen Dächern und grüßten mit schrill singendem Triller wie wilde Vogel. Araber ritten zu fünfhundert ihre .Fantalra auf wunderbaren Berbergäulen. Geschenke, dargebrachi wie in antiken Zeiten, häuften sich an jedem neuen Ort. Und es fehlte darunter nicht das edelste Rassepferd mit kostbarer Scha­bracke. Das war einer der unglaublichsten Triumpbzüge, die ein Staatsmann heutiger Zeit erleben kann. Wenn alles Regie war, w r es doch immerhin die ausgezeichnete Regie zu einem nie sonst aufgeführten Spektakelstück, glü­hend in Farbenpracht, barbarischem Lärm und Taumeltänzen der Beaeisterung. Der da auf den Trümmern von Leptis Magna stand, bte Lippen so charakteristischen Stolzes voll nach vorn wölbte mußte er sich nicht sagen, daß er der Erwecker versunkener Größe seines Landes sei? Alles ruft es ihm zu. Er selber bat den . Ichicksalsplauben. Er selber muß es schließlich glauben. Das ganze Problem liegt in seiner Person. *

Aus den engen meterbreiten Gassen dräng- , tcn die Männer im bunten Burnus, den Fcs aus dem Kopf. In den Türen, auf den flachen i Dächern standen die Frauen in ihren langen ; weißen Schals, die vom Kopf bis zu den Füßen i geben und so heiter feierlich aussehen. Festliche i Ausre-wna bebte an allen Ecken des großen , Fudenviertels in Trivolis. Es wirbelte, sprach , erregt durcheinander, drängte vorwärts wei­ter, weiter, zur alten Synagoge hin. Dort trat ein fremder Machthaber, seltsam in seiner

grauen Uniform und der schwarzen Mütze,

I in die allen Juden geweihte Stätte. Wer war : per Mann, der da wie ein Herrscher einher- i 'chritt? Mussolini Die alten Rabbiner : sprach"« den Will'ommcnsaruß und o feit« i "ame Welt! h brauche Segenssprüche über dieses H<-,'vt das sie solcherart ehrten. Das Volk > beugte sich. Hand an Stirn und Herz wie die Araber. Und in Homes und Zuara an der Kü­ste, in Tartuma und in Garian, dem inneren . Bcrglaird dieses nordafrikanischen Reiches, fa«

Zeichen der Genesung. Die schwerste Arbeit steht noch bevor. Hauptziele der Politik: Ruhe drinnen und draußen. Verstäudügulvg die Parole des Tages.

Viel Köpf', viel Ginn.

Der Fürstenwirrwarr und die Einheitsfront.

Die Herren Volksvertreter fanden gestern bei ihrer Rückkehr in die Reichshauptstadt eine in­nerpolitische Situation vor, die nicht gerade als einfach und durchsichtig bezeichnet werden kann. Der schöne Plan, daß der Rechtsausschuß des Reichstages, das Kompromiß über die Fürsten- absindung so fördern sollte, daß das Plenum sich sofort nach dem Wiederzusammentritt mit diesem Entwurf beschäftigen könnte, hat sich nicht verwirklichen lassen. Die Schwierigkeiten, die in dieser Frage auch heute noch nicht über­wunden sind, sind größer gewesen, als man ur­sprünglich annahm. Immer wieder mutz sich der Rechtsausschuß damit behelfen, Abstimmungen über strittige Fragen des Kompromisses und welche Bestimmungen wären hier nicht strittig! hinauszuschieben. Wie unter solchen Umständen das Kompromiß verabschiedet wer­den soll, ist heute noch eine offene Frage, zumal die Regierung an der Anschauung sesthält, daß für die Verabschiedung des Gesetzes eine Zwei­drittelmehrheit erforderlich ist.

Es ist nicht weiter verwunderlich, wenn man unter solchen Umständen in gewissen Kreisen damit rechnet, daß eine Verabschiedung des KompromitzentwurseS vor der Durchfüh­rung des Volksentscheids, den man Wohl für Anfang Juni erwarten darf, nicht möglich sein wird. Es scheint auch, als ob man eine solche Entwicklung hier und da gar nicht einmal ungern sehen würde, da man so rechnet, daß für den Volksentscheid nicht die er­forderlichen Stimmen aufgebracht werden, so­daß nach dem mißglückten Volksentscheid die Zustimmung der Sozialdemokraten auch zu ei­nem in ihrem Sinne verschlechterten Kompro­mißentwurf leichter zu erreichen wäre. Auf der anderen Seite ist aber auch gar nicht zu verken­nen, daß die Verschleppung der Vorlage im Reichstag lebhafte Beunruhigung in Streifen hervorruft, die an sich sicherlich gegen die ent« schädigungslose Enteignung sind, die aber unter dem Eindruck, daß der Reichstag zu einer posi­tiven Leistung nicht kommt, nun im Volksent­scheid für die Enteignung ihre Stimme in die Wagschale Wersen, um so zu verhindern, daß etwa alles beim alten bleibt. Außerdem sollte ja gerade durch das Kompromiß die Beunruhi­gung, die nun einmal mit einem Volksentscheid verbunden ist, vermieden werden.

Nun ist es gerade in einer außenpolitischen Frage dem Kabinett gelungen, sämtliche Par­teien hinter sich zu bekommen. Die ganz un­gewöhnliche Erscheinung einer Einheits­front von der äußersten Linken bis zur äu­ßersten Rechten war nämlich bei den Beratun­gen des Auswärtigen Ausschusses über den Russen-Vertrag zu verzeichnen. Richtig ist da­bei allerdings, daß über die Motive für bte Zustimmung zu diesem Vertrage die Meinungen geteilt sind, daß eine Mehrheit dem Vertrag zu­stimmt, weil er mit Locar>- vereinbar ist, während eine Minderheit ihn billigt, obwohl er mit den Verträgen von Locarno in lieberem« stimmung gebracht worden ist. Es ist allerdings anzunehmen, daß diese Einheiatsftont bei ande­ren Beratungen des Parlaments nicht wieder in die Erscheinung treten wird, und gerade die Deutschnattonalen haben ja keinen Zweifel da­ran gelassen, daß sie auch weiterhin in der Opposition stehen werden. Eine besonders schwierige Frage wird dabei filr den Reichstag das Sperrgesetz bilden, durch das ein Volksbegehren über bie Aufwertungsfra- g e verhindert werden soll, wenn man Wohl auw annehmen darf, daß von den führenden Organi­sationen der Wirtschaft, des Handels, mcht zu- lctzt auch der Landwirtschaft auf die Parteien eingewirkt werden wird, daß sie diesem Gesetz der Reichsregierung ihre Zustimmung geben und damit eine Beunruhigung deS gesamten deutschen Wirtschaftslebens vermeiden helfen.

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Drei Wege zum Au st eg

Durch Warenaustausch zur WirtschaftSblütc.

Wir müssen gleichzeitig alles tun, um in dem weltwirtschaftlichen Warenaustausch so start wie irgend möglich zu sein. Hierfür ergeben sich zunächst drei Wege. Das sind Handels­verträge, das sind die allgeminen Bedin­gungen für nationale Verständigu n g Wcltwirtschaftskonserenz usw^ das sind die be­sonderen privaten Verständigungsmaßnahmen, die selbstverständlich im engsten Zusammenhang mit der deutschrn Regierung geführt werden müssen. Wie notwendig das Beschreiten dcrar- tiger Weg« ist, zeigt das Beispiel der Kohle. Großbritannien und Deuts« L-rnd haben tn den letzten Monaten auf Grund staatlicher Un- -ersAtz^ngr?? in Form zu billiger Kohlcnpreise nicht nur

eigenes Bolksvermöge« verschwendet, sondern auch durch dies billigen Kohlenpreise die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Ländern erhöht. Im Mittelpunkt der Regrr- rungsarbett mutz das Bemühen stehen, durch den Abschluß von Handelsverträgen den Waren­austausch zu fürder«. Rur an einen allgemcr- nen Umstand will ich hier erinnern, daß wir immer noch auf eine Gegensätzlichkett i« der Förderung des inneren Marktes stoßen. DaS unvermeidliche Nebeneinander der Stärkung unseres inneren MartteS und unserer Ausftchr verwickelt sich hier in einer geradezu tragischen Weise oft in ein Gegeneinander. (Die Rede ist noch nicht abgeschloffen.)

D-r Kron?e braucht Auhe.

Wie Luther sich die Zukunft den«.

Ein trostreiches Zeichen nach dieser Richtung ist, führte der Kanzler weiter aus, das Ein- ctzen einer neuen Spartätigkeit. Die Höhe der Spareinlagen ist von noch nicht 1% Milliarde Mark Ende 1924 auf zweieinhalb Milliarden Mark Ende 1925 gestiegen, hat sich also in einem Jahr mehr als verdoppelt. Die Bank-Depots haben erheblich zugenommen. Von der fortschreitenden Gesundung des gesam­ten Geld- und Kreditwesens legen Zeugnis z. B. auch die finkenden Unkostensätze im Geld- und Kapitalverkehr ab. Heute scheint mir die Stun­de gekommen, wo die Wirtschaftskreise aus ihrer gestärkten Stellung die Pflicht herleiten müssen, alle Kräfte aus den

Ausbau der übrigen Wirtschaft zu verwenden. Der Gefahr, die von den neuge- stalretcn Aufwertungsbestrebungen ausgeht, die ja, so menschlich erschütternd diese Erkenntnis ist. gänzlich unerfüllbar sind, ist die Reichsregierung sofort entgegenge- trcten. Beruhigte Verhältnisse zu schäften, ist selbstverständlich die Leitschnur der gesamten Regierungsarbeit in der Innen, und Außenpolitik, damit nicht nur daS inländische, sondern besonders auch das ausländische Kapital langfristig und zu tragbaren Be­dingungen für unsere Bolksnnrtschaft flüffig wird. DaS verflossene Jahr hat sichtbare und wirkliche Fortschritte in der Besrieduug Euro­pas und der Welt gebracht. Selbstverständlich ist das Ziel der Befriedung erst erreicht, wenn auch die zweite und dritte Rhetnlandzone ge­räumt find. In der Zwischenzeit ist auf der Grundlage von Locarno nach verschiedenen Richtungen hi« eine Erleichterung eingetreten.

Mit der Festlegung des Friedens ist auch einem Wiederaufbau am wirkungsvollsten ge­dient. Wir dürfen aber auf keinen Fall in den großen Jrttum der NachkriegszeU zurüüfallen, daß'der Staat durch Beiträge die Witt- schäft am Leben erhält, also von fich aus die Wirtschaft tragen könne. Dagegen kann der Staat, wie es jetzt ja auch geschehen ist, da­hin wirken, datz bei Zuteilung der öffentiiAen Aufträge die Konjunkturverhältnisse berücksich­tigt werden. Im Gegensatz zu unserer blühen- den Vorkriegswittschast bestehl jetzt ein Zu­stand. der durch Verschiebung der Staatsgren­zen die Wirtschaftszusammenhänge zerrissen und die Gebiete ungehemmten Warenaustausches ver­kleinert hat. Darum versucht man fast Überall, die Binnenwirtschasten dahin zn bringen, datz der innere Markt alle Bedürfnisse deckt und ridi tet zu diesem Zweck hohe Zollmauern auf. Auch Deutschland hat zur Abwehr gegen solche Bestrebungen fich in der Zollgesetzgebung das Werl gefchaften, um Handelsvettragsvcr- handlungen führen zu können und um die Er-

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