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Kasseler Neueste Nachrichten

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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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Dienstag, 4. Mai 1926

Nummer 103. Amtliches Organ der Stadt Kassel

Amtliches Organ der Stadt Kassel 16. Za^rqaug

Englands Ultimatum an die Bergarbeiter.

Der Generalstreik unvermeidlich.

Alle Maßnahmen für die große Machtprobe find getroffen.

London, 3. Mai. (Eigener Drahtbericht.) 1.35 Ahr früh. Amtlich wird gemeldet: Die Kohlenverhandlnngen sind abgebrochen worden.

London, 3. Mai. (Privattelegraph.) Der Generalrat des Gewerk­schaftskongresses beklagt sich in seiner Antwort an den Ministerpräsidenten darüber, daß feine aufrichtige Bemühung, eine ehrenwerte Rege­lung zu erreichen, durch dar «uerhSrte ültimatum der Regierung vor- läufig hoffnungslos zu Nichte gemacht worden ist.

Wer ist der Stärkere? . Der englische Generalstreik in Sicht.

Nach an dramatischen Zwischenfällen reichen Ausgleichsverhanidlungen ist die soziale Kris« in England durch die starre Haltung der Berg­arbeiter und das ungenügende Entgegenkom­men von Regierung und Grubenbesitzern zum offenen Konflikt geworden, dessen Folgen un- überschbar sind. Es ist der Weite große Streik der Bergarbeiter. Der erste, der am 1. Mai 1921 begann hat der englischen Industrie schwere Wunden geschlagen; im Vorjahre ist ein Streik der Bergarbeiter nur dadurch vermieden wor­den, daß dt« Regierung Baldwin die unrentabez «ewordene Kohlenindustrie finanziell unter« ützte. Diese Subvention will und kann bu englische Regierung nicht weiter zahlen, da sie nicht daS Budget einem Defizit ausliefern will Um die Rentabilität des Kohlenbergbaues wie­der herzustellen, hatte ein« unparteiische Kom­mission bestimmte Vorschläge gemacht, die die Bergwerksbesitzer sowohl tote di« Bergarbeiter nachzugeben veranlassen wollten. Es sollten eine Reihe von schlechtgelegenen Gruben still- gelegt werden. Die Rationalisierung des eng­lischen Bergbaus erforderte a.er auch eine Er­höhung der Arbeitsleistung des einzelnen Berg­manns unter gleichzeitiger Anpassung der Min­destlöhne von 1921 an die erheblich gesunkene Indexziffer. Di« Bergarbeiter-Gewerkichaft Hai das abgelehnt und die Delegiertenkonferenz von 205 anderen Gewerkschaften ist dem Beschluß beigetreten, sodaß am 1. Mai der Streik be­gann, der durch Sympathiestreik aller an­deren Gewerkschaften, vor allem der Eisenbah­ner, der Elektrizitätstrbeiter, zu einem Ent- scheidungSkarnpf werden kann. Die eng­lische Regierung hat dagegen Notstandsgesrtze und Maßnahmen ergriffen, von deren Zweck­mäßigkeit das Schicksal Englands abhängt.

Der. industrielle Riesenkampf auf der briti­schen Insel mag enden wie er will, er kann aber die in Debtschland zu wenig beachtete Tatsache auch für die Arbeiter nicht aus der Welt ,chas- fen. daß England die Führerrolle in der Industrie unb auf dem Kohlenmar't endgül­tig verloren hat. Das Jahr 1923, da in­folge deS Ruhrkampfes die englische Kohlcn- ausfuhr glänzende Geschäfte machte, weshalb auch die englischen Bergarbeiter es ablehnten, mit der Tat für ihre deutschen Gencfsen einzu- Heten, war der einzige Lichtblick in dem engli­schen Niedergang. Der Inlandkohlenverbrauch, der bis zum Krieg« jährlich um zehn Prozent stieg, ist infolge der Oelfeuernng ufw. auf den Verbrauch von 1910 ge funken. Von 1904 bis 1914 war die englische Kohlenaussuhr nm dreißig Prozent gestiegen, aber von 104 Millio­nen Tonnen sank sie 1925 auf 85 und 1925 aus <67 Millionen, d. h. sie ist auf achtundsechzig «Prozent der Vorkrtegsausftchr gesunken. Nock .verhängnisvoller für die Briten war aber, daß sie der Welt nicht mehr die Kohlenpreise vor- schreiben konnten. Bis 1870 hatte England auf dem Weltkohlenmarkt ein Monopol; es förderte zwei Drittel aller Kohle, aber 1880 waren es nur vierzig Prozent, 1900 nur dreißig und 1925 gar nur zwanzig Prozent. Während früher die britische Kohlenausfuhr ein Drittel des Kohlenverbrauchs der Welt einschließlick der Schiffahrt deckte, befriedigte die englische Kohle 1923 nur noch zehn Prozent. 1924 nur neun und 1925 sieben Prozent. England, dessen Industrie bis jetzt auf drei Pfeilern. Baumwolle, Eisen Kohle stand, sieht also, daß seine Produktionsmengen und -Stät ten gegenüber der Nachfrage zu groß sind. Dke englische Industrie, die bisher ans der Mono­polstellung Vorteile zog und deren Gewerkschaf­ten diese Monopolstellung -uch auf Kosten der festländischen Arbeiter w wahren suchten, bat nicht umgelernt. Der Riesenkampf in der bri­tischen Industrie wird nicht der letzte sein, der den Briten zu Gemüte führt, daß ihre toirt« fchastliche Vormachtstellung dahin ist.

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Oteoltrvna argen ®etoerff<naften.

London, 3 Mai. (Eigener Drahtbericht.) Rach dem Arbeiterblatt hat die Regierung be­reits ihre Pläne für die Proklamierung des RotzustondeS vollendet. Die Regierung habe sich anscheinend dafür entschieden, die Grn- benbesiüer bei ihrer Forderung nach nie­drigeren Löhnen und längerer Arbeitszeit zu unterstützen. Rach einem liberalen Blatt wür­den die Bergarbeiter gegebenenfalls die vollste Unterstützung. wenn nötig mittels allgemeinen Streiks, von fünf Millionen Arbei- ter, vonseiten des Gewerkschaftskongresses er­halten. 1000 Delegierte der Gewerkschaften hät­ten sich gestern um Mitternacht in diesem Sinne verpflichtet. Der Abbruch der Verhandlungen im Kohlenbergbau wurde dadurch herbeige­führt. daß sich die Bergarbeiter weigerten, wäh­rend der Reorganisation der Industrie vermin­derte Löhne anWnehnwn

Die Regierung hat dem GewerkschaftSkon- gretz folgende Entscheidung zugeftellt: Tie Re- gierung glaubt, daß keine praktische Lösung der Kohlenindusttiekrise erreichbar ist, wenn nicht der Bericht der Kohlenkom- mission aufrichtig angenommen wird. Die Androhung eines Generalstreiks für Dienstag sowie offene Handlungen, die einen schweren Eingriff in die Freiheit der Presse darstellen, bedeutet eine Herausforde. rung der konstitutionellen Rechte und Freihei­ten der Ration. Die Regierung mutz daher, be- vor sie die Verhandlungen fortsetze,, strnn, von dem Gewerkschaftsausschutz verlangen, daß er die erwähnten Handlungen verurteilt und sofort und unbedingt die Anweisung zu einem Generalstreik zurückzieht. (Ueber die schwere Lohn- und Wirtschaftskrise wird noch im Kasten der 2. 'Seite berichtet.)

Aus alles gefaßt.

Appell an die Bürgerschaft. Wer hat Schuld? (Eigene Drahtmeldung.)

London, 3. Mai.

Eine kurz vor Mitternacht abgegebene Er­klärung deS Minister« des Inneren besagt, daß England fich auf den Generalstreik ge- fatzt machen müsse. Die Regierung tue alles, um die Versorgung mit Lebensmitteln, Brenn­stoffen und Beleuchtung ausrechtzuerhalten. Alle loyalen Bürger sollten fich bereithalten, der Regierung zu helfen. Die Arbeiterpartei be­schloß, heute eine Debatte über die KrisiS zu verlangen. Der Gewerkschaftskongreß erklärte: Die Regierung und Grubenbefitzer hätten eS unterlassen, irgendwelche annehmbaren Bor- schlüge zu machen, die eS den Arbeitern ermög­licht hätten, ohne neue Beeinträchtigung ihrer Lebenshallung und ihrer Arbeitsbedingungen noch länger in den Betrieben zu bleiben.

Gewehr frei Fuß.

Hilfsaktion der deutschen Bergarbeiter?

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 3. Mat.

Wie derVorwärts" aus Bochum berichtet, wird die Hallung des deutschen Bergarbeiter­verbandes zu dem englischen Kohlenstreik be- stimmt durch die Brüsseler Entschließung, die nötigenfalls eine internationale Hilfs­aktion zu Gunsten der streikenden englischen Bergarbeiter vorsieht. Bis Sonntag abend lag beim deutschen Bergarbeiterverband noch kein Antrag über eine derartige Hilfsaktion vor.

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Dir ersten 3u ammenstvtze

London, 3. Mai. (Reuter - Telegramm.) Im Hydepark zerstreute gestern berittene Polizei Gruppen von Faschisten und Kommunisten, als diese ins Handgemenge miteinander ka­men. Bei dem Maiumzng in Glasgow griff ein Trupp Männer eine Arbeiterabteilung an. Es entwickelte sich eine Schlägerei, bei der mehrere Personen verletzt wurden.

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Setzer gegen Redakteur.

Loudon, 3. Mai. (Eigener Drahtbericht.) Das Druckerviperfowil eines Blattes erhob Ein- wände für einen zur Veröffentlichung am Man­ag bestimmten SeitorttteL Als der Heraus» iiber daran Aeuderungen vorzunehmen ab- tehnte, legte das Personal die Arbeit nieder.

Zauberfpmch von Locarno tz^uch Rom ist nicht an einem Tage erbaut (Eigener Drahtbericht.)

Paris, 3. Mai.

Kammerpräfident Herriot betonte in einer Rede in Champagne, betreffs der interalliierten Schulden habe man mit Unrecht erklärt, daß

deren Regelung mit der Regelung der Ruhr- angelegenbeit hätte verbunden werden kön­nen. Zur Regelung der S i ch e r h e i t s f r a g e, die man allen Völkern in Aussicht gestellt habe, sei ein loyaler Versuch gemacht worden. Wenn die Formel von Locarno auf Hindernisse stoße, so sei es für einen vernünftigen Mann doch nicht verwunderlich, daß der endgültige Frieden nicht in zwei Jahren an die Stelle der jahrtausende- alten Gewohnheit des Krieges gesetzt werde.

Geheimnisvoller Besuch.

Was wollen Frankveichs Häupter in London?

(Eigener Drahtbericht.)

London, 1. Mai.

Ein deutscher Berichtersisitter erfährt, daß die Andeutung, der bevorstehende Londoner Besuch Dannöergues und Briainds könnte als eine Ant­wort auf den deutsch-russischen ©ertrug gedeutet werden, in maßgebenden britischen Kneifen für vollkommen unbegründet erklärt wird. Es werde bemerkt, daß, je eingehender der Berliner Bevtrug geprüft wird, umsomehr hervortritt, daß er juristisch vollkommen einwandfrei fet

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Heb r London nach Senf

Paris, 3. Mai. (Eigener Drahtbericht.) Laut Pressenotiz handelt es sich bei dem heutigen Besuch des sranzöstschen Abrüstungsdelegierten Oberst Requin in London darum, aus das Pro­gramm zurückzukommen, das die Entwaffnungs- kommisston im September 1925 festgestellt hat.

Heute RaGt Generalstreik.

Keine Aussicht aus Versöhnung.

(Eigener Drahtbericht.)

London, 3. Mai.

Die Minister verließen Downingstreet um 12,30 früh. Wie verlautet, ist kein Abkom­men erzielt worden. Der Minister des Innern gibt bekannt: Obwohl die Verhandlungen noch fortgesetzt würden, müsse sich das Land aus den Generalstreik für Montag Nacht vorbereiten. Es werden weitere Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Versorgung der Be- völkerung mit Lebensmitteln ergriffen.

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Die Regierung (ft gerüstet.

London, 3. Mat (Eigener Drahtbericht.) Der Hydepark wurde von Mitternacht ab für daS Publikum geschlossen, da er von der Regie­rung Im Falle eines großen Streiks als Mittel­punkt benutzt werden.wird. Die zehn Kommis­sare, die von der Regierung mit Vollmachten versehen worden sind, um die Versorgung mit Lebensmitteln aufrechtzuerhalten und die die Notstandsorganisation leiten, sind auf ihrem Posten eingetroffen. Lloyd Ge­orges sagte gestern in Cambridge, eS handele sich um einen ehrlichen wirtschaftlichen Streik.

Sechs Tage Feist.

Ein scharfes Ultimatum an Abd el Krim.

(Eigener Drahtbericht.)

Puris, 3. Mai.

Hier wurde folgeiwes Kommunique ausge geben: Die spanischen und die französischen Dc legierte« haben den Rifleuten bekanntgegeben bafi, wenn bis zum 6. Mai spätestens eine grundsätzliche Annahme der Bedingungen nick- verfolgt fein wirb, und wenn außerdem nickt lämüich« im Rifgebiet zurückgehaltenen Gesa« lenen vor diesem Zeitpunkt zurückgegeben fein werden, die beiden Regierungen am 7. Mai ihre volle Aktionsfreiheit wieder nehmen werden.

Nie wieder!"

Quer durch die Salons der großen Welt.

Zum Teebei Hindenburgs". - Schwiegervater und Sckwiegerrochter. Stan Sttelemannö gto- tzes Haus. - Der trauernd« ReichskanUer. Minister und Priester. - Loebe nnd d,e anderen.

Kathinkas" volMscher Salon.

Zum ersten Mal feit dem Umsturz gab es in der soeben beendeten Wintersaison 25/26 in der ReichsHauptstadt wieder ein über allen Kreisen und Parteien stehe« des Haus, das Palais des ReichsPräsDenten, tu dem sich Rechte und Linke unterschiedlos zusam- menfauden. Denn beim Reichspräsidenten Ebert traf man nur ganz selten einmal einige Vertreter der Rechtsparteien, tote zum Beispiel die Reichs« tagsabgeordneten Helfferich, Hergt und Hoetzsch, ober den Kammerherrn Grafen Rantzau, Bruder des Botschafters in Moskau, und den General von Winterfeld. Daß das ReichSprästdentenhaus jetzt den Mittelpunkt der Berliner Geselligkett bildet,beruht aber nicht nur auf der überragenden Stellung und Persönlichkeit des Marschallpräsi- deuten, sondern auch auf der gesellschaftlichen Ge­wandtheit seiner liebenswürdigen und channan- ten Schwiegertochter Frau Margarete von Hin­denburg geborenen Freiin von Marenholtz, die die

Honneurs im Hause Wilhelmsstraße 72 macht. Seine Aufmachung ist nur in einer Bezie­hung eleganter als früher. Die Diener tragen Kniehosen und Livree, während sie früher Frack und schwarze Beinkleider anhatten. Im übrigen ist Herr von Hindenburg von der bisherigen Ein­fachheit des reichspräsidentlichen Haushalts nickt abgegangen und gibt wie sein Vorgänger bet keinem Diner mehr als fünf Gänge (Suppe, Fisch, Fleisch, Speise und Käse). Neu dagegen sind die wöchentlich einmal an einem beftinunten Tage stattfindenden Empfänge, die die junge Frau von Hindenburg allein abhält. Nur manch­mal, gegen Ende des Empfanges, der von fünf bis sieben Uhr zu dauern Pflegt, erscheint ihr Schwiegervater zu einer kurzen Begrüßung der lhm schon bekannten Gäste. Von den Mitglie­dern des Reichskabinetts hat der Außenminister Dr. Stresemann das größte Haus gemacht. Da der Reichspräsident und der Reichskanzler ver­witwet sind, ist Frau Stresemann vom Stand­punkt amtlicher Kreise aus gesehen

die erste Dame der Republik;

es liegen ihr deshalb besondere gesellschaftliche Verpflichtungen ob Dazu kommt der Verkehr mit dem diplomatischen Korps,den zu pflege« die besondere Aufgabe des Reichsaußenministers unp seiner Gattin ist. So haben denn Herr und Frau Stresemann in der Wintersaison 1925/26 eine große Zahl von Bällen, Routs, Diners und Frühstücken gegeben Außerdem hatte Fran Stresemann jeden Montag nachmittag -inen Empfang, der stets stark besucht war. Die Gattin des Außenministers ist eine geborene Kleefeld, Schwester des einiae Tage vor der Revolution vom König von Württemberg geadelten Kammer­präsidenten des Fürsten Christian Kraft von Ho- benlohe Dr. Kurt von Kleefeld. Weit weniger Geselligkeit als Herr und Fran Stresemann gab der Reichskanzler Dr. Luther, der ja noch einen Teil des Winters in Trauer war. Denn erst Weihnachten vor einem Jahr ist seine reizende junge Gattin, eine Tochter des Kunstmalers Wolfs, nach langem

qualvollen Leiden gestorben.

Dagegen hat der Reichsminister Dr. Gehler diesen Winter zum ersten Mal in seiner Amts­zeit in seiner schönen Dienstwohnung im Reicks- toehrministerium in der Königin Augustastr. em­pfangen. Nur Herrengesellschaften gibt der Reichsarbeitsminister Dr. B r a u n s, der be­kanntlich katholischer Priester ist und sein weltli­ches Amt als Reichsminister mt besonderer Er­laubnis des Papstes versieht. In der Zahl der Reichstagsabgeordneten finden wir nicht allzu viele, die eine Rolle im gesellschaftlichen Leben spielen Ein großer Teil von ihnen wohnt in Ber­lin, ein anderer ist so mit Berufs- und parla­mentarische^ Arbeiten überlastet, daß daS Wort »ausgehen' überhaupt keinen Platz in ihrem Wörterbuch findet. Viel Geselligkeit machen von sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten der Reichstagsvräsident Loebe, den ja schon sein Amt hierzu verpflichtet, und der Reichsminister a. D. Dr. Hilferding, dessen Gattin außerordent. lich gewandt ist. Von deutschnationalen Abge­ordneten treten gesellschaftlich am meisten big Herren Fürst Bismarck, von Dryander, Hergt, Hoetzsch und von Lindeiner hervor, von volkspar­teilichen Reichstagsabgeordneten machen große Häuser der Staatssekretär z D. Freiherr von R h e i n b a b e n. der Reichsminister a. T. von Raumer und der Vizepräsident des Reichstags Geheimrat Rießner. Berührt durch seine inte­ressanten Sonntagnachmittagsempfänge ist der demokratische Reichstagsabgeordnete Reichsminß,