Einzelbild herunterladen
 

Kasseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

2®8<>.

Donnerstag, 6. Mai 1926

Nummer 105. Amtliches Organ der Stadt Kassel

iei.

London, 5. Mai.

schen Arbeiter vor übereilten Entschlüssen zu­rückzuhalten, die vielleicht seinem englischen Arbeitskollegen nutzen, seine Lebensexistenz aber ernstlich bedrohen.

Amtliches Organ der Stadt Kassel 16. Jahrgang

deutscher Arbeit, der Arbeit, die uns wieder zu Ehren kommen läßt. Ich bitte Sie, mit mir einzustimmen in den Rus, der immer über die Weltmeere erschallen möge: Mit Gottes Hilfe unser deutsches Vaterland Hurra!"

Bei einem Abendessen im Rathaus begrüßte Bürgermeister Dr Petersen den Reichsprä. ssdentcn und führte u. a. aus:

Wenn wir Sie heute, Herr Reichspräsident, gleich nach Ihrem Besuch im Rathaus in unse­ren Hafen führten, so geschah das in der Er­kenntnis, daß wir den Gast, den wir lieben und ehren wollen, do draussen am herzlichsten willkommen heissen können, wo sich ienes Ham­burg am klarsten auSvrägt. für dessen deutsche Misston wir leben und arbeiten. Darum ha­ben wir unser hanfeatischFShnlcinfeft an die Stange gebunden, und wir werden es nicht herunterholen, es sei denn, wir zögen die Hlagge deS Deutschen Reiches dafür auf! Auf Hamburgischem Boden und auf Ham- burgischen Gchisssvlanken wird immer die Treue zum Reich und die Liebe znm heut« scheu Vaterland gedeihen. Wir find stolz dar- auf. Sie, Herr Reicksvrästdent. den Ehren- Bürger unserer alten Hansastadt nennen zu dürfen. Heute schlagen unsere Herzen nicht nur dem Feldherrn. sondern auch dem deutschen Bürger zu, der sich in der Treue zu seinem Volke, in der Pflichterfüllung dem Staat gegen­über, die

vorbildlich für feden Deutschen

Gegen den (Strom.

Verzweifelte Gegenwehr. Riesenverluste.

(Eigener Drahtbericht.)

London, 5. Mai.

DaS neue RegierungsblattBritish Gazette" hebt hervor, bevor der Generalstreik von seinen Führern nicht aufgehoben werde, könne nichts geschehen. Dies sei eine Bedin­gung. die jeglicher Wiedereröffnung von Ver­handlungen voraufgehen müsse. Die Regierung teilt mit, dass Freiwillige in riesigen Men­gen ihrem Rufe Folge leisteten. Der Kanal­verkehr zwischen Calais und Dover ist anf- rechterhalteu worden. In Lull streiken 25000 Arbeiter; in Cardiff erschienen die Mittags- blättcr. Die Passagiere des gestern aus New- nork in Southampton augekommenen DampfersManretania" wurden in Kraft- wagen nach London befördert. In Cork werden die Verluste infolge der Nichtaiisfuhr von Vieh, Eiern und Butter aus hunderttau­send Pfund pro Woche geschätzt. In Liver- Pool haben zwei Kriegsschiffe Lebens­mittel gelandet. In B r i st o l war der Strassen­bahn, und Autobusdienst in vollem Gange. Auf dem Dock ruht die Arbeit, doch soll das Löschen leicht verderblicher Waren gesichert werden. Die Zeitungen find nicht erschienen. In Crewe streikt die ganze männliche Bevölkerung.

Anrelgenvretle: @tnhe<mifdje ®etd)äft8«n# anzctgen Beile 20 J, Komilienon-eiaen 4 4, Reklamen die Zeile 75 Ji. Cffertge 80 «8>. Rechnungsbeträge sind innerball teil aller durch verm'orecher aufaeaeben und Plätze kann nicht garantiert werde rigem Satz 100 Prozent Umschlag. Dru stelle: Kölnische Strohe 6, gegenüber bet

Reichspräsident v. Hindenburg erwi­derte:Ich freue mich, dieses stolze Schiff be­treten zu können, das den Namen unserer $i" mal trägt Ich sehe in ihm ein Vorbild

Nun auch noch ein Flaggenkonflikt

Drohende Gewitterwoiken über öem Gmeralftreikland.

ImSchalten desRiesenttreiks

Keine Obstruktion im Unterhaus.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 5. Mai.

Infolge des Druckerstreiks mussten gestern im Unterhaus die Fragen gestellt werden, ohne dass die übrigen Mitglieder des Hauses vorher darüber unterrichtet waren Der Premier- Minister erklärte, die Vorlage zum St a a t s- hau shalt solle zur Abstimmung gebracht werden und am Mittwoch die Vorlage zur Be­stätigung der ausserordentlichen Voll­machten auf Grund deS Ausnahmezustandes Snowden teilte mit, dass die Arbeiteroppo- fition sich heute nicht der Abstimmung Über die Finanzvorlage widersetzen werde, aber so viel Zeit wie möglich den dringenderen Fragen (gemeint ist die Streiklage) zu widmen wünsche. Lloyd George schloss fich dem Standpunkt Snowdens an. Das Haus nahm dann ohne Debatte die Vorlage über die Wettsteuer an, desgleichen die Vorlage, durch die die Gültigkeitsdauer der Abgaben zum Schutze der Schlüsselindustrien auf weitere zehn Jahre verlängert wird.

wäre eine Ausgabe, die tief die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands berühren könnte Denn die' geforderten Mittel müßten aus Fonds gezahlt werden, die für andere Zwecke bestimmt sind Und da diese anderen Zwecke auch nicht vernachlässigt werden können, so wird sich das Finanzministerium nach anderen Ouel- len umsehen müssen Wie diese Quelle beißt,

Hinein in die WeN!

Reichspräsident u. Bürgermeister im Welthasen« Wie fchoo gestern kurz berichtet, ist Reichspräsi­dent v. Hindenburg gestern gegen 2 Ubr nachmittags, von der Bevölkerung und den Spitzen der Beijörden berrlich begrünt, in Ham­burg eingetrossen. Der »ieichsvräftdent schritt unter den Klänge« des Präsentiermarsches die Front der Ebrenkomvagnie ab und begrLhte dann die in Hamburg lebenden pen- ssouierien Generäle und Admirale. Der Srendentag verlief im einzelnen wie folgt:

Hamburg, 5. Mai.

Kurz vor zwei Uhr traf der Reichspräsident auf dem von Tausenden von Zuschauern um- säumten Platz vor dem Rathaus ein. An der Seite des ersten Bürgermeisters Dr. Pe­tersen schritt der Reichspräsident die Front der Orpo-Abteilung ab und verweilte längere Zeit bei den aus seinen besonderen Wunsch in großer Zahl erschienenen Veteranen. Beim Eintritt in das Rathaus erneuerten sich die Kundgebungen, die ihren Höhepunkt erreichten, als der Reichspräsident hinaustrat, um für die Huldigungen der Hamburger Bevölkerung zu danken, worauf die Menge spontan das Deutschlandlied anstimmte. Von immer erneuten Zurufen umjubelt, verließ der Reichs­präsident um 2% Uhr das Rathaus, um an Bord der StaatsyachtHamburg" eine zwei­stündige Fahrt durch den Hamburger Ha- s e n anzutreten. Alle im Hafen liegenden Schiffe, auch die ausländischen, hatten über die Toppen geflaggt. Von den festlich geschmückten Dampfern jubelten mehrere lausend Fahrgäste dem Reichspräsidenten zu. Alsdann wurden Reichspräsident und Begleitung an Bord der Deutschland" von Reichskanzler a. D. Cuno, dem Vorsitzenden des Direktoriums der Hamburg-Amerika-Linie und den Herren des Aufstchtsrates empfangen. Darauf wurde der Tee eingenommen, wobei Geheimrat Cu­no den Reichspräsidenten mit einer Ansprache begrüßte, in der er ausführte:

Herr Reichspräsident! Sie ehren, indem Sie an Bord dieses deutschen Handelsschiffes kommen, das Schiff, die Hamburg-Amerika- Sinie und die gesamte deutsche Schisfahrt. In harter und unverzagter Arbeit entstand an der deutschen Wasserkante in wenigen Jahren ans einem katastrophalen Nichts eine Handelsflotte, deren Stellung auf den Weltmeeren in dem ge­gebenen bescheidenen Rahmen wieder beach­tet und geachtet ist. Möge unser Deutsch- land, dessen Steuer in schwerster Zeit in Ihre Hand gelegt wurde, unter Ihrer starken Füh­rung durch Zusammenfassung aller staatserhal- tendeu Kräfte in steter Aufwärtsarbeit seinen Weg zu innerer Ruhe und äusserer Geltung nehmen."

Gruß und Dank der Hanseatenschaft.

Wenn bas Verhängnis nah!

Ein Menetekel im Ob-rhrmS.

(Eigene Drahtmeldung.)

Wenn zwei Flaggen wehen. Für und gegen die kommende Verordnung.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 5. Mai.

Die auf der 2. Sette mitgeteilte Flaggen- verorduung, der, wie die Blätter melden, das Reichskabinett einstimmig zugestimmt hat, wird von der deutschnationaleu und der volkspartei­lichen Presse begrüßt. In einem Blatt heisst es: Besonders aus Hamburger Han- delslreisen war die Anregung zu der Aeu- derung in der Flaggenfrage an die Reichsregie- rung gerichtet worden. DieTägliche Rund­schau" glaubt, die Mitteilung einer parlamen­tarischen Korrespondenz, wonach sich die Reichs- kabinett infolge der Bedenken der demokrati­schen und der Zentrumsfraktion erneut mit der Flaggenverordnung beschäftigen wer­de, dementieren zu können und erklärt, die Ver­ordnung werde unter allen Umständen ver­öffentlicht werden. Im Zentrumsorgan erfährt die angekündigte Verordnung eine schar­fe Kritik, da diese Flaggenverordnung ein schweres Moment der Beunruhigung in die deutsche Innenpolitik trüge. Ein De­mokratenblatt fragt: Glaubt man der Würde deS Deutschen Reiches zu dienen mit einem Zustand, angesichts dessen die fremden Staaten Überhaupt nicht mehr wissen, welche Fahne als amtliche Flagge des Deutschen Reiches anzusehen ist. Das Blatt teilt ferner mit, dass das Reichsbanner Schwarzrotgold heute abend in Berlin eine große Kundgebung gegen die Pläne in der Flaggenfrage veranstalten wird. DerVorwärts" sagt, die neue Flaggenverord- itung fei nach innen eine Herausforderung der republikanisch gesinnten Bevölkerung.

Oxford betonte, es sei ganz besonders bedauer­liche dass nunn zu einer Zeit, in der man aus internationalem Gebiet für Abrüstung cintrcte, in dem reichsten Lande der Welt einen der grau­samsten Arten von Krieg erlebe. Grubenbesitzer Lord Londonderrn erklärte, die Ansiüft d-r eng­lischen Arbeiter, daß ein direkter Angriff auf itire Lebenshaltung unternommen messe, muffe für immer behoben werden. Man müsse eine Brücke schlagen, um der Arbeiterschaft zu ermäg !»chen zu zeigen, dass sie den Einrichtungen de? Landes gegenüber vollkommen loyal sei. Lord Balfour erklärte, die augen­blickliche Krise sei ohne Bei- «p i e l. Wenn die Regierung die ganze Verant- wortüchkvtt den Gewerksä-asten üoeuaffen soll­ten, so würde sie unter dem Mantel der Rege­lung eines industriellen Streiks eine der ver- hängniHvollsten und tragis-Men Revolutionen der Geschichte vollzogen haben.

1 bleiben mutz, bewährt hat als ein Ehrenbürger des ganzen deutschen Volkes. Ressmen Sie es, Herr Reichspräsident, als einen Ausdruck kok- Wer Empfindungen, dass der Senat beschlossen

Sie ersten Glraßenkrawalle

Polizeiknüppel gegen Tumultanten.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 5. Mai.

Nachdem der gestrige Tag ohne Ruhestörun­gen verlaufen war, kam es abends in den öst­lichen Bezirken Londons zu Ausschreitungen. Autos und Lastwagen wurden verschiedentlich angehalten und die Insassen gezwungen, a u 8= zusteigen. Als die Polizei verstärkt wurde, nahm die Feindseligkeit der Menge zu. Die Polizei machte infolgedessen mehrere Angriffe mit Knüppeln. Zahlreiche Personen wurden ins Hospital gebracht. Ein Auto wurde gänzlich zerstört. In einem ande­ren Falle wurde ein Lastauto in Brand gesteckt und eine Feuerwehrspritze angehalten. Eine Autckoroschke wurde von der Menge über eilte Brücke ins Wasser geworfen.

Die tbifieler Neueste« Nachrichten erscheinen wSchenklich fechsmal nachmittag». Der AbonnemeniSvreiS beträgt für den Monat 2. Ji bet freier Zustellung <«B Saus, in der Geschäftsstelle abgeholt 1.80 J Durch die Post monatlich 2. .< ausschlietzltch Austellungsgebübr. Verlag und Redaklion Schlachihoistratze 2 Sernivrecher 951 und 952. Kür unverlangt etugesandke Beiträge kann die Re» daklion «ine Verantwortung oder Gewähr In keinem Falle übernehmen. Rück- aablung des Bezugsgelbes ober Anivriiche wegen etwaiger nicht ordnungsmätziger Lieferung ist ausgeschlossen. Postscheckkonto Srankfutt am Mat» Nummer 6380.

Wir stehen Such bei.

Frankreich- Arbeiter für Streikhilfe.

(Privat-Telegrarnrn.)

Paris, 5. Mai.

Der Vorstand des Allgemeinen Arbetterver- bandcS hat gestern alle gcsverkschaftlichen Orga- nifationen aufgefordert, die Streikbewegung in England zu verfolgen und die notwendige Propaganda in ihren Wirkungskreisen zu entfalten, sich nicht zu Manöver« herzugeben, die das Gelingen der Bewegung der engli­schen Arbeiter beeinträchtigen würden. Auch die Gewerkschaften Moskauer Rich­tung erlassen an die französischen Arbeiter einen Aufruf in dem sie erklären, daß fein Kilo Sohle nach England transvortiert werden dürfe.

Im Oberhause legte gestern Loü> Salisbury den Standpunkt der Regierung im Generalstreik .... -------- ...... ----- _ . bar. Lord Halvanc erinnerte das Haus daran,

dar weiß der deutsche Steuerzahler. Diese baff die Bergarbeiter die Leute sind, die im Crmäaunaen dürften genügen, um dem beut» Weltkriege für England gekämpft habe». Lord

Ohne Theater. - Freiwillige Eisenbahner.

London, 5. Mai. (Eigene Drahtmelduug.i Im Londoner Westend waren gestern abend acht Theater geschloffen. Die Londoner Unter­grundbahn will mit Hilfe Freiwilliger einen be^ränkten Dienst einricyten.

Das große Schweigen.

Pressekuebeluug: ein zweischneidiges Schwert. (Eigener Drahtbericht.)

London, 5. Mai.

Eine Zeitung stellt ihren Abonnenten ein kleines, mit der Schreibmaschine ge­schriebenes Blatt, das Nachrichten und Kommentare enthalten soll, in Aussicht. Das Blatt krttiflert sowohl die Gewerkschaften als auch die Regierung: eS schreibt, der Beschluß des Gewerkschaftskongresses, die Presse zum S zu bringen, gebe der Regierung, die durch i Kontrolle des Rundfunks ein vo enes Monopol in der Verbreitung von Nachrichten und von politischen Meinungs­äußerungen haben werde, ein äußerst gefähr­liches Machtmittel in die Hand.

Die Kehrseite.

Stretthilfe durch deutsche Gewerkschaften?

Bis jetzt haben die deutschen Bergarbeiter- verbände noch keine Beschlüsse gefaßt, wie sie sich gegenüber dem Generalstreik in England zu verhaften gedenken. Es machen sich jedoch in- nerhalb der Kreise der deutschen Verbände Ten­denzen bemerkbar, die für eine aktive Unter­stützung der streikenden englischen Genossen plä­dieren, sodaß die folgende warnende Betrach­tung unseres Berliner Mitarbieters gewiß einer ernsten Erwägung wert sein werden. Gewiß, als äußerer Grund für den jetzt ausgebrochenen Generalstreik in England wird von der engli­schen Streifleitung die drohende Verkür­zung der Löhne angegeben. Aber in Wahrheit entstand die Krise aus der Uuuach- giebigkeit des Kabinetts Baldwin, die bis jetzt gewährten Kohlensubsidien wei­ter auszuzahlen. Diese Unterstützungsgelder der Regierung, die neun Monate lang geleistet wurde, kam dem englischen Bergbau, seiner Entwicklung und der Ausdehnung seines Ab­satzgebietes sehr zu statten. Sie gaben erst den vielen privaten Bergbauunternehmern die Möglichkeit, fast sämtlichen Bergarbeitern Eng­lands Arbeit zu geben und von Arbeiterentlai- sungen Abstand zu nehmen. Sie gestarteten ferner den Grubenleitungen mit auslänoischen Unternehmungen in einen Konkurreuttamps einzutreten, der durch Unterbieten der Preise siegreich für den englischen Bergbau verlief. In erster Linie richtete sich dieser Konkurrenzkampf gegen den deutschen Bergbau. Man wird den ganzen Umfang des Schadens, bei uns burch dieses englische Vorgehen entstand feststellen können, wenn man bedenkt, baß die Kohlenlieferungen nach Deutschland von rund 282000 Tonnen im Januar 1S25 aus 550 630 Tonnen im Oktober gestiegen sind. Das besagt, daß durch das Unterbieten der Preise die eng­lische Kohleneinsuhr nach Deutschland inner­halb weniger Monate saft um das Doppelte zu­genommen hat.

Die deutschen Bergarbeiter haben ja an ihrem eigenen Leibe feststellen müssen, welch große Krise zurzeit der deutsche Bergbau durchzuma- chen hat. Eine Krise, die in der Hauptsache da­durch entstanden ist, daß die efsektive Kohlen­produktion Deutschlands nicht abaesetzt werden konnte. Stillegungen von Gruben, Arbeiterentlassungen und das An­wachsen des Arbeitslosenheeres waren die Fol­ge. Es wäre gut, wenn die deutschen Bergar­beiter bei der Fassung ihrer Beschlüsse vergegen­wärtigen würden, daß infolge des englischen Konkurrenzkampfes allein die Belegschastszisfer im Ruhrgebiet von 472 605 Köpfen im Januar 1925 auf 408 815 im Oktober 1925 gesunken ist. Es ist in Deutschland auch nichts bekannt ge­worden, daß die englischen Bergarbeiter sich über die leidigen Folgen dieses Konkurrenz­kampfes für ihre deutschen Kollegen irgendwie' aufgeregt haben, geschweige, daß sie dafür ge­sorgt haben, durch aktives Eingreifen in die Methoden der englischen Bergbaupolttik die ' Krise der deutschen Bergarbeiterschaft zu besei- ' Ligen. i

Der Reichswirtschaftsminister Dr. ®urti» i u s nahm bereits in seiner letzten Reichstags- rede, also zu einem Zeitpunkt, wo der englische Generalstreik noch nicht akut war, zu dieser eng­lischen Kohlenpolitik Stellung. Er erklärte, daß die deutsche Regierung die Unterstützung der deutschen Kohlenindustrie ins Auge fassen müsse, wenn das englische Kabinett die Kohlen­subventionen auch über den 1. Mai hinaus ge­währen würde. Auch Retchsminister Dr. Setn» hold hat sich in seiner Hamburger Rede ähn­lich ausgelassen. Hieraus kann man ersehen, wie ernst die Reichsregierung diese Folgen der englischen Konkurrenzmethoden ansieht. Jeder in Deutschland weiß, daß unser Haushaltsetat nur mühsam ausbalanziert ist. daß auch nur kleine unvorhergesehene Sonderausgaben genü­gen könnten, ihn wieder zu unterhöhlen. Eine solche Reichssubvention, die nur zn dem Zweck gegeben wird, die deutsche Kohlenindustrie vor den englischen Koukurrenzmanövern zu schützen.