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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Sonntag, 6. Juni 1926

Rümmer 130. Amtliches Organ der Stadt K affel

Amtliches Organ der Stadt Kassel 16. Jahkgan

Bricht der Polenvulkan wieder aus?

Wege ins Dunkel.

Sorgentage für die Innen- und Außenpolitik.

Man kann nicht sagen, daß das junge Ka­binett Marx den Regierungskarren mit nervigen Armen schon ein Stück vorwärts geschoben hat. Es ist leider wie alle Minderheitsregierungen zur lahmen Taktik des Abwartens verurteilt und allzusehr aus die schwersälligen Parteikrücken von rechts oder links angewiesen. Zwar hat man den deutsch-dänischen Schicdsvertrag unter Dach gebracht und damit einen glatteren und er­giebigeren Grenz- und Handelsverkehr mit dem meist sehr gereizten Düppelnachbarn erzwungen. Zwar hat man durch den eifrigen Hoesch Briand, den unentwegten, aalglatten,ewigen" Kammer­virtuosen, bei seinem verpfändeten Ehrenwort nehmen und dem hartgesottenen Klopffechter wegen des ungeheuerlichen Besatzungsskandals bart zusetzen lassen, indem man zugleich die Tat­sache der auf achtzigtausend Mann angeschwolle- ne Rheinarmce vor aller Welt anprangerte. Zwar will man, Len Blick nach innen ge­wandt, eine gerechte Fürstenlösung noch vor dem Volksentscheid int Reichstag durchdrücken und strebt mit vollen Segeln der Einheitsslagge zu. Aber wie ein Alp liegt doch das nahende Verhängnis des V o l k S e n t s ch e i d s aus allen Ministerhirnen, dessen Gelingen zu leicht di? Grundfesten des Staates erschüttern könnte, zu­mal die Linke auf der Durchführung des Volks­willens unbedingt beharren, die Regierung da­gegen die Rcichstagsbeschlüsse in Kraft setzen will. Und was bleibt dann übrig? Reichs­tag s au slö su n g, Neuwahlen, hie ben mit weiser Hand vom Reichspräsidenten zusam mengeschlosienen Volksblock in Haß, Mißtrauen, Wut, Rache gegeneinander peitschen. Und das zu einer Zeit, wo ein Volk in Schweiß und Qualen ins Frete drängt, wo aus dem Meer der Not die Arme bei Ertrinkenden starren, wo die Führer der Nation als Aerzte und Seelsorger dem tot« siechen Lande beispringen sollten, anstatt sich in ehrgeizigen Parteigelüsten zu verzehren und die Klaffen- und Masseninftinkte bis zur Unversöhn­lichkeit aufzustacheln.

Oder soll es noch auf Jahre hinaus unser Schicksal und die Hauptarbeit unserer Volksver- tretet fein, sich zwischen Rechts- und Linksregie­rungen, zwischen monarchistischen und republika­nischen Gladiatoren, zwischen Farben- und Ver- sassungsfanatikern zu zerreiben, anstatt diese tau­send Eigenwünsche und Parteiintereffen vor dem Wohl des Volksganzen zurückzustellen und auf breitester Gemeinschaftsbasis den Regierungs­und Wirtschastsbau zu errichten, in dem w i r alle wohnen können. Wie will man praktische Staatsarbeit leisten. Wenn die Regierungshäup- ter erst um allmächtige Parteigötzen scharwenzeln müssen, ehe sie entscheidende Schritte wagen dür­fen, immer in Gefahr, von denen verlaffen und . . . kompromittiert zu werden, die gestern noch Hosiannah schrien. Wo bleibt, von den schon er- »oähnten Sysiphusarbeiten zu schweigen, die Re­gelung der Verwaltung-, Schul-, Wahl- und Verfassungsreform, wo Schulgesetz, Preisabbau, Wirtschaftsankurbelung? Zwei Ministerseffel. zwei hohe Beamtenplätze stehen leer; Marx wagt keiner Partei vor den Kopf zu stoßen, weil er sie für größere Ausgaben braucht. Abwarten ist auch hier Losung. ,

Ueher aller Wirtschasts- und Parteimisere tm Innern aber dürfen wir vor den andrängenden außenpolitischen Sorgen nicht die Augen ver­schließen. Daß Wir von unserer Abrüstungs- offensive wenig oder gar nichts zu erwarten haben, gerbten uns Wie mit Peitschenhieben die beiden letzten Niederlagen in den Genfer Unter­kommissionen ein, in denen niemand oder nur ein paar unzertrennliche Freunde uns zur Seite traten. Diese Boykottierung unseres Abrüstungs- evangeliums wird aber unsere Anstrengungen nur verzehnfachen, zumal nicht allein unser Wie­deraufstieg, sondern di« Weltstellung Eu­ropas von einer Lockerung des Kriegspanzers, und einer engeren Verknüpfung der Weltwirt­schaft abhängt. Im Zeitalter der Erschließung und Einbeziehung fernster Weltteile in den Luft­verkehr der Zeppeline und des Fernhörers, die Menschen weltenferner Zonen vielleicht eines Tages sogar unseres Nachbarplaneten zusam­menrücken lasten, sollten auch die chinesischen Mauern der Politik und Wirtschaft in Europa acht Jahre nach dem Weltkriege fallen, die die Völker wie vor hundert Jahren die Dörfler SWeier benachbarter Bergtäler auf ewig trennte. Leider scheint nach dem letzten Kammersieg B r i a n d s auch die innerpolitische Entwicklung in Frankreich aus dienationale Eini­gung" hinzuarbeiten, die noch immer aus Ko­sten einer deutsch-französischen Verständigung ins Leben trat Man wird also stärker als bis­her von Zweifeln befallen, ob die Gegenpartei es wirklich ernst mit ihrem bis zum Ueberdruß

im Mund geführten Friedens- und Abrüstungs­willen meint. F. R-

Brandfackel Wer Bolen.

Der Ausnahmezustand im Westen verhängt.

(Eigener Drahtbericht.)

Warschau, 5. Juni.

Der Ministerrat hat den Innenminister er­mächtigt, über Polen und Pomerellen den Aus­nahmezustand zu verhängen. Ueber Pome­rellen wurde nun tatsächlich der Ausnah­mezustand verhängt und zwar auf Grund von Vorstellungen des T h o r n e r W o- ywoden, der dieses Verlangen mit der u m - türzlerischen Agitation der Chauvini­sten und anderer Staatsrücksichten begründet.

*

Sin Staatsakt ohne Gar'allsten

Warschau, 5. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Der Obmann der sozialistischen Verbände er­klärte das Fernbleiben der Sozialisten bei der Vereidigung des neuen Staatspräsidenten da­mit, die Verlegung des Schwuraktes in das Schloß müsse als Bestreben aufgefaßt werden, die gesetzgebenden Körperschaften zu übergehen,

Millwnen für den Krieg.

Wie Muffolini Italiens Vermögen verschleudert. (Eigener Drahtbericht.)

Rom, 8. Juni.

Das Gesetz, das den Finanzminister ermäch­tigt, Darlehen zu äußerst geringen Zins­sätzen an diejenigen Industrien zu verteilen, die sich mit der Landesverteidigung befas­sen, ist feit zwei Tagen in Kraft. Es wurden daher an mehrere Fabriken der Schwerindustrie Darlehen verteilt, die sich zwifchen fünfunddrei- tzig bis fünfundfünfzig Millionen Lire halten und für fünfzehn bis fünfunddreißig Jahre bei einem Zinsfuß von 5,25 Prozent gewährt sind.

Auch die Drusen geworfen

Eine blutige Schlappe in Syrien.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 5. Juni.

Nach einer Havasmeldung aus Beirut ist eine französische Abteilung, die im Südteil des Dschebel Drus die Säuberungsaktion durch­führte, bis nach Maschkuk vorge st osten. Die Drusen hätten lebhaften Widerstand geleistet, seien aber unter Zurücklaffung von 120 Toten geflüchtet. Die französischen Verluste betrügen drei Tote und einige Verletzte.

*

Xodeskampf der Rifstämme

London, 5. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Die Kämpfe in Marokko dauern trotz Abd el Krims Gefangennahme noch an. Die Spanier finden noch heftigen Widerstand der Eingebore­nen. Einige der Stämme glauben noch nicht an das Ende von Abd el Krim.

Aufmarsch für Senf.

Chamberlain und Briand unterwegs. 4 Tage?

(Eigener Drahtbericht.)

London, 5. Juni.

Chamberlain wird heute früh London ver­laffen, um sich zur Bölkerbundstagung nach Genf zu begeben. Tie Vertreter Schwedens und Brasiliens sind bereits in Genf eingetroffen. Briand wird erst morgen erwartet und hat sein Hotelzimmer vorläufig nur für zwei Tage, Chamberlain bis Mittwoch bestellt. Die Ver­handlungen sollen biS Donnerstag beendet fein.

Der Frieden ist gesicheri.

Briand bezeugt Deutschlands Friedlichkeit.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 5. Juni.

Am Schluß der Kammerdebalte erklärte Briand daß mit Loearno allein die Aufgabe noch nicht beendet sei. Man brauche noch Wirt­schaftsabkommen, denn auf dem Gebiete der Wirtschaft würden Krieg geführt. Wir verlan­gen, daß der Loearnovertrag und das Völler- bundsstatut respektiert werden, und wenn Deutschland erklärt, daß es sie respektieren wer­de, dann glaube ich das. Er wolle den Frieden konsolidieren und Alles fördern, was Frankreich vor einem neuen Kriege schützen könne. Was Deutschland anlange, so könne man sichere Beweise über Deutschlands Fried­

fertigkeit anführen. Er glaube nicht, daß das deutsche u. französische Volk dazu verdammt seien, sich fortgesetzt zu zerfleischen. Im Völker­bund werde Deutschland bald bemerken, daß es ich dort dem Milieu anpaffen müsse. An dem Tage, so schloß Briand, an dem Frankreich feine völlige Sicherheit garantiert habe, sei er bereit, wie die anderen Nationen abzurüsten. Bis dahin wolle er den Vertrag von Locarno weiter entwickeln. Schließlich wurde die Rati­fizierung mit 272 gegen 6 Stimmen angenommen.

Belaien für den Achisiundeniag.

Brüflel, 5. Juni. (Privattelegramm.) Die Kammer hat mit 111 gegen 3 Stimmen die Washingtoner Konvention über den Acht­stundentag ratifiziert.

* * *

Aber die anderen hetzen.

Rur die Deutschen niederhalten!

Paris, 5. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Dor der Schlußubstimmung führte der radikale Sena­tor B o u r g o i s aus: Locarno habe nur Be­deutung, wenn Deutschland den Vertrag von Versailles erfülle. Seit einem Jahre habe sich die militärische Lage Deutschlands wesentlich ge­bessert. Sobald Deutschland in den Völkerbund eingetreten sei, werde es sicher die militärische Gleichstellung mit den anderen Ländern fordern. Die Art und Weise, wie Deutschland den Ver­sailler Vertrag ausführe, müsse mißtrauisch ma­chen. Ein anderer Redner fürchtete, der Traum Mitteleuropa" würde Wirklichkeit werden. Deutschland dürfe nicht den Krieg gewinnen durch Annektion Oesterreichs.

Vreußens Schrcksawtag.

Sieg oder Niederlage in der Hauszinssteuer. (Privat-Telegramm.)

Berlin, 5. Juni.

Arn Mittwoch soll im Landtag die Entschei­dung über die Hauszinssteuer fallen. Diese Entscheidung steht auf des Messers Schneide, da für die Hauszinssteuer nur die Regierungspar­teien sind, alle anderen Parteien sind dagegen. Gestern abend haben die Oppositionsparteien mit oem Antrag, die Vorlage nochmals an den Hauptausschuß zu überweisen, die Möglichkeit einer Obstruktion in Aussicht gestellt.

Sind Sie eingetragen?

Einblick in die Abstimmungsliste erwünscht.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 5. Juni.

Beim Volksentscheid am 20. Juni find nur diejenigen Personen stimmberechtigt, die in einer Stimmliste oder Stimmkarte eingetragen find oder einen Eintrageschein befitzen. Tas Ver­zeichnis der Stimmberechtigten wird in allen deutschen Gemeinden in der Zeit vom 6. b i s 13. Juni zur allgemeinen Einsichtnahme offen ausgelcgt. Jeder Stimmberechtigte ist befugt, Einsicht in diese Liste zu nehmen, die für die Bewertung des Abstimmungsergebnisses aus­schlaggebend find. Amtlich wird die Einsicht­nahme in die Stimmlisten und Sttmmkarten er­wünscht, unabhängig davon, ob der Einzelne sich an der Abstimmung beteiligt oder nicht.

Der Vuttch spukt weiter.

Auch das Kabinett interessiert.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 5. Juni.

An einer Abendsttzung des Kabinetts nahm gestern auch Außenminister Dr. Str es e m a n u, der von feiner Reise wieder zurückgekehrt ist, teil. Laut Pressenotiz waren auch der preu­ßische Ministerpräsident und Ministe­rialdirektor A b e g g hinzugczogen, die über die Polizeiaktion in Preußen berichteten. Die Sitzung bezweckte, das Reichskabinett über die Einzelheiten der preußischen Polizeiaktion ein­gehend ins Bild zu setzen. Ein Beschluß in der Angelegenheit wurde indjt gefaßt.

Luch der Lessingkrach noch nicht zu Ende.

Hannover, 5. Juni. (Privattelegramm.) Das Professorenkollegium der Technischen Hochschule wird heute zu einer Sitzung zusainmentreren Man nimmt an. daß eine Resolution zu der Er­klärung des Kultusministers über den Fall Lessing gefaßt werden wird.

Wie Fürsten leben.

Glücklichere Kollegen der jüngst Entthronten.

Die Schicksale der 1918 Entthronten sind hente in aller Munde, aber niemand weih etwas »o« ihre» «lücklicheren Kolleaen, den 1801, 1808 nnd 1S0G ihrer SouveriiuitätsreLte beraubten deut­sche« Fürsten und Grase«, di- man M e d i ° - t i, i e r t - nennt. Sie alle habe« ihr «rohes Hans- »ad Krongnt behalte« n«b könne« des­halb meist dos sorglose Lebe» vornehmer La«d- Magnate« führe«, ,a teilweise weit «ehr Glanz entfallen als manche regterenden dentsche« Für­sten vor 1918. Unser Mitarbeiter schreibt:

Die reichsten der Mediatisierten sind die Fa­milien Hohenzollern und Thurnund Taxis. Die Erstgenannten, die ihre Souve­ränitätsrechte erst 1849 an Preußen abgetreten haben, bilden die ältere Linie des prentzl,cheu Königshauses, die nach einem witzigen Wort Friedrich Wilhelms IV. nur nicht so rasche Karriere gemacht hat Wie die jüngere Wah­rend die Hohenzollern einem alten deutschen Herrengeschlecht entstammen, sind die Lhurn und Taxis eine kleine italienische, nach Deutfch- land ausgeWanderte Adelsfamilie, die erst 1512 den Reichsadel erhielt. Ein Taxis richtete 1516 die erste Post zwischen Wien und Brussel ein. Einer seiner Nachkommen wurde 1595 Ge- neralpostmeister des Reiches. 1615 Wurde die Familie gegraft, achtzig Jahre später m den Reichsfürstenstand erhoben und mit dem Post­regal für ganz Deutschland belehnt. Dte>es Monopol hat der Familie große Reichtümer ge­bracht, die von ihr klugerweise immer Wieder in Wald- und Landbesitz angelegt wurden. Dazu kamen die großen teils in bar, teils tu Land gezahlten Entschädigungen, die sie vor ungefähr hundert Jahren erhielt, als die ein­zelnen Bundesstaaten eigene Post errichteten und gezwungen waren, das Taxis sche Po»- Monopol abzulösen. Der jetzige Ebes des Hau­ses Fürst Albert von Thnrn und Taxis, der noch heute einen Majoratsbesttz vvn sünfunddreißig Quadratmellen mit mehreren Millionen Mark jährlichen Ein­künften hat, ist zur Zeit

der reichste Mann Bayerns

und lebt in Regensburg im Stile eines regie­renden Königs. Er ist umgeben von em.'tn großen Hofstaat, hat die große Mittelloge im Stadttheater, dem er beträchtliche jährliche Subventionen gibt, und reist, Wenn er auf feine Jagdschlösser oder im Winter an die Ri­viera fährt, im E x t r a z u g mit einem Ge­folge von zwanzig Personen. Ihrem Reichtum entsprechend haben die Fürsten von Thurn und Taxis in den letzten Jahrzehnten nur große Heiraten gemacht und dadurch engste Be­ziehungen zu den regierenden europäischen Fürstenhäusern geknüpft. So war die Mutter des Fürsten Albert eine Herzogin von Bayern. Schwester der verstorbenen Kaiserin Elisabeth von Oesterreich und der Königin von Neapel, seine Gattin ist eine österreichische Erzherzogin, seine einzige Tochter aber hat den Prinzen Friedrich Christian von Sachsen, Tia genannt, geheiratet, der ohne die Novemberereigniffe 1918 sein älterer Bruder ist bekanntlich katho­lischer Priester geworden Kronprinz von Sachsen Wäre. Auch der Fürst von Hohen­zollern, der in Schloß Sigmaringen residiert und sich in zweiter Ebe mit einer Tochter des letzten bavrischen Königs Lud­wig III. vermählt hat, lebt in glänzendem Stil. Ihm gehört ein großer Teil der Hohenzollerit- fdjen Lande als Privatdomäne. Außerdem be­sitzt er große Herrschaften in Schlesien und in der Mark Brandenburg. Fast eben so reich Wie die Hohenzollern und Taxis, Wenn auch nicht so prunkvoll in ihrem Auftreten, sind die Urenbergs, Fürstenbergs und Ho­henlohes. Die ersteren, die im rheinisch- westfälifchen Industriegebiet außer Land- und Waldbesitz Berggerechtsame und Bergwerke ihr Eigen nennen, sind die typische Familie des internationalen Hochadels. Sie sind auch in Belgien angesessen, so daß der Chef des Hauses, der mit einer belgischen Prinzessin von Signe verheiratete Herzog Engelbert von Arenberg. teils in Bonn, teils in Brüssel Wohnt. Eben­falls in zwei Ländern angesessen sind die Für­sten Fürstenberg. Ihnen gehört die große Herr­schaft Pürglitz in Böhmen und der umfang» reiche Land- und Waldbesitz in Baden, der sich um die entzückende

kleine Residenz Donaueschingen gruppiert. Von dem jetzigen Chef des Hauses, Fürsten Max Egon, der Wilhelm II. freund­schaftlich nahe stand, pflegte der Kaiser zu sagen:Gr ist der einzige Mensch, der nichts von mir haben wiK." Zwei wundervolle Pa­lais in Prag und Wien dienen der fürstlichen Familie als Winterresidenz. Dagegen haben die Hohenlohes ihr Schwergewicht in Deutschland. Auch ihre Reichtümer bestehen ^n der Hauptsache aus Land und Bergwerken. So gehören ihnen in Schlesiern die 311 lammen über hunderttausend Morgen großen Herrschaften