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Meier Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

Sonntag, 27. Juni 1926

einhalb Milliar

ranken.

setzes Vie Angehörigen der Fürstenhäuffer nicht anders behandeln als andere Staatsbürger.

den Schuld wird

trifft uns den 2Bi legen? Ist man

regierung als eine furchtbare, aber leistungs­fähige Tyrannei, die an die Stelle einer furchtbaren, verdorbenen und verräterischen Tyrannei getreten sei. Es sei aber unmöglich, nur mit Ländern Handel zu treiben, mit deren Regirrungssyftem man einverstanden sei. Der Führer der Arbeiterpartei Macdonald for­derte neue Handelsabkommen mit Rußland.

Chamberlain sich z» ernsten Rügen sah. Lloyd George bezeichnete

rS fchntte» Geschäfts. . un» 052.

len let«

Die gestern erwartete Sowjetdebatte im Unterhaus hielt sich tief unter dem üblichen parlamentarischen Niveau und brachte nicht viel Neues. Churchill war bezeichnenderweise nicht anwesend. Die Mitglieder der Arbeiter- und Liberalen Partei sprachen sich nicht für die Regierungspolitik aus, während die Angriffe gegen Chamberlain meistens von seiner eigenen Partei kamen, und zwar teilweise so stark, daß

,eit ts-

Nrrinmer 149. Amtliches Organ der Stadt Kaffe!

eg in den Völkerbund zu ver- sich über die Wege klar, so-

Amtliches Organ der Stadt Kaffe! 16. Jahrgang

Nur ein Weilchen Geduld. Finanzdebatte später. Schwächere Besatzung? (Privat-Telegramm.)

Paris, 26. Juni.

Finanzminifter Caillaux vertrat im Kabi­nettsrat gestern den Standpunkt, daß die Dis­kussion der Finanzinterpellationen bis zum 6. Juli ausgeschoben werden müsse. Wenn die Kammer es wünsche, soll jedoch schon vorher eine allgemeine politische Debatte stattfinden. Das Schatzamt verfüge über die notwendigen Mittel, um seinen Verpflichtungen nachzukom- men. Die Regierung beabsichtige, die Stärke der Bcsatzungstruppen herabzusetzen.

Seile 20 X anSwSrftae Geschäfts.

20 A. Kleine Anreisen da? Wort übr 20 A «bei Zusendung der Offerten 5 Tagen ju heja&Ien. ßür die Richtig-

Auch der Sberfee läuft Ober.

Hemfurth, 26. Juni. (Privattelegramm.) Durch andauernde Niederschläge ist das Becken des Edersees bis an den Rand gefüllt, sodaß ab und zu Wasser aus den Ueberläusen herabflotz, ein im Sommer noch nie gesehener Anblick.

Mühsam beherrscht

Chamberlains Wut gegen die Streiksreundc.

Hierauf ergriff Chamberlain das Wort und sagte u. a. noch: Hinter der Sowjetregierung, der Roten Internationale und den russischen Gewerkschaften stehe eine andere Körperschaft, nämlich das politische Büro, das in Wahrheit die wirklich regierende Autorität in Rußland sei. Man verlange von ihm, daß er den Zensor über die Ausdrücke seiner Kollegen spiele. Er könne nur sagen, daß es für einen Staatssekretär des Aeutzeren besser sei, sich weniger scharf zu äußern, als er es nach Lage der Dinge tun könnte. Wenn die Arbeiterpar­tei von ihm die Erklärung verlange, daß das nach England gesandte Geld kein von der Sow­jetregierung gesandtes Geld sei, so sei er nicht bereit, dies zu tun, denn der Vorsitzende der russischen Gewerkschafts-Union sei ein Mitglied des vorher erwähnten politischen Büros. Neue Abkomme« seien solange zwecklos als die alten Abkommen nicht eingehalten werden. Ein Ab­bruch der bereits bestehenden Beziehungen würde uns bei der Bekämpfung von Unord­nung oder Umsturz innerhalb unserer eigenen Grenzen schwächen, außerdem die Furcht vor der Unsicherheit in Europa vergrößern.

nur um Einzelheiten, auf die hiuzuwÄsen ich mnsoweniger Anlaß habe, als ich mich bei der Unterredung ohnehin mrif die Bestimmungen des Entwurfes bezog. Auf eine Anfrage des Abg. Rosennfeld (Soz.) antwortete Stttatssekre- tär Joel Die Tendenz der Rechtsprechung gehe dahin, daß bei der Aufwertung immer der Geldwert des geschuldectn Betrages zur ~ " der Schuld zu Grunde gelegt werde. Die R_____

sprechung dürfte nach dem Wortlaut des Ge-

angeno mmen.

Mit demselben Stimmverhältnis wurde § 11 ohne Aussprache angenommen. § 12 stellt fol­gende Grundsätze für die Verteilung der Streitmasse auf: Die Verteilung der Vermö­genswerte erfoli ' die wirtschaft^ Teile zu berücks

hat in Zukunft nur Kredite bei diesem Bank-« Konsortium zu beantragen. 3. Das Konsortium ist der Ansicht, daß die gesetzliche Höhe der Banknoten-Ausgabc, das sind achtundfünszig Milliarden Mark, verwirklicht werden soll. Es empfiehlt eine neue Ausgabe von vier-

Laut Pressenotiz werden die Finanzsachver­ständigen folgende Vorschläge unterbreiten: 1. Die Verwaltung der schwebenden Schuld wird einem Bank-Konsortium übertragen Dieses Konsortium wird im Staatshaushalt einen g e w »f s e n Kredit zur Verfügung zu stellen haben, außerdem die deutschen Eisenbahn - Obligationen und Kre­dite an die Bank von Frankreich. 2. Der Staat

Ein Dollargoldftrom aus Amerika

Reichskanzler Marx im Großkampf um Sie Fürftengelder.

4 A. Reklamen btt <u «. - 80 «$). Rechnungsbeträge sind tn leit aller durch tzerrrlvrecher oitfi _ -------

und Plätze kann nicht garantiert werden. Für A rigem Sag 100 Prozent Aufschlag. Druckerei: Sch!

Am Gnöe der Kraft.

Die Bergarbeiter bitten um Waffenstillstand.

(Eigener Drahtbericht.)

London, 26. Juni.

Die Morgenblätter weisen darauf hin, daß Bergarbeiterführer Cook gestern einenWaf­fenstillstand" empfahl, während dessen die Ar­beit in den Kohlengruben unter den alten Bedingungen wieder ausgenommen und inzwischen neue Vereinbarungen getroffen werden sollen. Man sieht in Cooks Aeutzerung einen Friedensfühler und hofft, daß sich oie Führer der Bergarbeiter von der Notwendig­keit einer Aenderung ihrer Haltung überzeugt hätten, uinsomehr, als sie fürchten müßten, daß auf Grund deS neuen Lohnvorschlages über­nächste Woche eine große Zahl feiernder Berg­leute zur Arbeit zurückkehren würde.

Der Bodensee veor sich bedenklich.

Konstanz, 26. Juni. (Privattelgramm.) Tas Hochwasser des Bodensees ist tn den letzten vier- undzwanzig Stunden aus 5,51 Meter gestiegen.

Stnjeigenpreife: Einheimische Geschäfts« «njeigen Seile 20 " ~ '

rungskrise müsse unter allen Umständen vermie­den werden. Die Rechtsführer sind der Mei­nung, daß die Regierungsparteien nicht auf die Unterstützung der Sozialdemokraten unbedingt angewiesen seien. Man rechnet damit, daß dir heutige erste Lesung im Rechtsausschutz glatt von statten gehen wird und mit grötzerer Mehrheit zur Annahme gelangt. Der gemä- tzigte Optimismus in versch. Kreisen dauert an.

Sn der Fürstenbörse.

Der Rechtsausschutz verteilt die Schätze.

Berlin, 26. Juni.

Wie schon in einem Teil der «eitrigen Ausgabe initgeieUt, wurde im Rechtsausschub gestern Paragraph 10 des Fürfteuabsiuduugsgeletzes behandelt, der die Entschädigung für die aus dem Vermögen der Fürsten deut Lande ange­wiesenen Tbeaier, Schlösser, Parkanlagen usw. regelt. Für die Höbe der Entschädigung soll matzgebend fein, ob die Gegenstände bereits vor 1918 zur regelmäßigen öffentlichen Be­nutzung oder Besichtigung sreiaegebeu waren, ob sie für das Land veräntzerlich sind, ob für das Land ein E trag s wert vorhanden ist und ob für das Land mit der Unterhaltung Lasten vorhanden sind. Bei Kuustschätzen für öffentliche Besichtigung darf die Entschädi­gung den Ertragöwert nicht übersteigen. Die AbfiuduugSschlacht verlies «eiter wie folgt: Aus mehreren von den Deutschnationalen eingebrachten Abänderungsanträgen, die später abgelehnt wurden, erwiderte Abg. Schutte (Ztr.), die Mittelparteien seien bereit, den Be­denken der Deutschnationalen gegen den letzten Absatz dadurch entgegenznkommen, daß sie in einem neuen Antrag seine Geltung auf diejeni­gen Kunstschätze beschränken, die bereits vor der Staatsumwälzung von 1918 der öffentlichen Besichtigung frei gegeben waren. Abg. Dr. Ro­senfeld (Soz.) wandte sich gegen die deutsch­nationalen Anträge, aber auch gegen den An­trag Schutte. Der vom Abg. Schulte (Ztr.) begründete Antrag der Mittelparteien wurde mit den Stimmen der Deutschnationalen gegen die Sozialdemokraten und Kommunisten, bei Stimmenthaltung der Völkischen angenommen. Der so geänderte 8 10 wurde gegen dir Kommunisten bei Stimmenthaltung der Sozial­demokraten, Dentschnationalen und Völkischen

fort nach einer zweiten und dritten höhnenden Demütigung im Herbst den Genfer Intriganten mit einer neuen Mächtegruppierung Paroli zu bieten? Und wäre es nicht wieder an derZeit. Briand-Cbamberlains Locarno-Gedächtnis trotz aller Frank- und Streilbela-stung aufzustischen, um dem Rheinland endlich die feierlich ver­bürgte Linderung zu verschaffen? F. R.

Wie uns Amerika vertraut.

Me grötzte Jndustrieanleihe der Welt.

(Durch Funkspruch.l

Newyork, 26. Juni.

Heute werden dreitzig Millionen Dollar fünfundzwanzigjährige 6% prozentige Gold­bonds der Deutschen Stahlwerke zur Zeichnung angeboten werden. Diese Anleihe­operation stellt die grötzte ausländische Jndustrieanleihe dar, die bisher in den Bereinigten Staaten abgeschlossen wurde. Ein amerikanischer Sachverständiger veran­schlagt den Wert des Eigentums des deutsche» Stahltrusts auf 537 671 800 Dollar. Nach einer Schätzung dürfte die Jahresnettoeinnahme für die Zeit von 1927 bis 1931 nach Abzug von Abschreibungen ca. 28 311000 Dollar betragen.

Wie die Müsse schwellen.

Der Oderdamm noch nicht geflickt.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 26. Juni.

Der Neckar bei Rottenburg ist um siebzig Zentimeter gestiegen. Die Fluten führen Feder­vieh, Schafe und Schweine mit sich. Der Dammbruch der Oder bei Niedersathen konnte noch nicht geschloffen werden. Milttär und Tech­nische Nothilfe versteifen die Bruchstelle, um ein weiteres Reißen zu verhindern. Es wurden Maßnahmen getroffen, um sofort in dringenden Fällen Geldmittel zu überweisen.

Gleiche Aufwertung für alle.

Marx rechtfertigt fein Fürftenurteil.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 26. Juni.

Im Rechtsausschutz gab ReichsSanzler Dr. Marr eine Erklärung ab, zu der Behauptung (Dntl.) daß durch die Aufwettungsbestimmun- aeu des Entwurfs die Fürsten ungünstiger be- ti«Ui1 werden als andere Staatsbürger. Der teil. L..nzlcr erklärte dazu: Im Einzelnen be­steht allerdings ein Unterschied zwischen den Angehörigen der Fürstenhäuser und den sonsti- den Staatsbürgern in der Behandlung gewisser Leistungen, die sonst der freien Aufwertung un­terliegen. Bei dieser Ausnahme handelt es sich

Wolken oder Sonnenschein.

Die erste Fürstenprüsung im Rechtsausschuß.

(Eigener Jnformattonsdttnst.)

Berlin, 26. Juni.

Die Deuffche Bolkspattei nimmt sehr ent­schieden gegen eine Auflösung des Reichstags wegen eines etwaigen Scheiterns der Fürsten- absindungssrage Stellung. Schlimmstenfalls könne man die Vertagung der Vorlage bis zum Herbst aussprechen. Auch eine Regie-

Dte Kasieler Neuesten NattrtHten erscheinen wöchentlich sechsmal nachmittag». Der Abonnementspreis beträgt für den Monat 2. Jt bei freier Zustellung tn» Haus, in der Geschäftsstelle --geholt 1.80 Ji. Durch die Post monatlich 2. Jt ausschließlich Zustellungsgebühr. Verlag und Redaktion Schlachthosstraße 29/30. Fernsprecher 951 und 952. Für an verlangt einaefanäte Beitrage kann die Re­daktion eine Verantwortung oder Gewähr in keinem Falle übernehmen. Rück» zadlung des Berngsgeldes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung tft ausgeschlossen. Postscheckkonto Frankfurt am Main Nummer 6380.

Moskau fljö Zankapfel.

CKürrerüF.^t der N-'ttvehrr (Eigener Drahtbericht.)

London, 26. Juni.

Ealllaux greift ein.

Kontrollstelle und Jnflationskunststücke.

(Eigener Drahtbettcht.)

Paris, 26. Juni.

Wenn es den Fürsten sch echt geht

Eine Rente oder Kapital auf Antray.

§ 14 bestimmt: Das Roichssondergericht hat aus Verlangen des Fürstenhauses, soweit die ihm MgeUWesenen Vermögensstücke, fowle sein sonstiges Vermögen, für eine angemessene Le­benshaltung nicht mehr ausreichen, eine ange- messen«, vom Laiche zu zahlende Rente frstzu- setzen. Die Rente darf jedoch kÄnesfalls den Betrag der Einkünfte erreichen, die auff Grund dieses Gesetzes fortgcfaUen sind. Ans Berlan- gen des Landes ist die Rente in eine Kaipital- abfittdung umzuwandeln.

Ein sozialdemokratischer Antrag, der die Rente mit dem 31. Dezember 1950 erlöschen lassen will, wurde abgelehnt und § 14 mit dem üblichen Stimmenverhältnis angenommen. Ebenso wurde § 15 angenommen. § 16 be­stimmt, daß auf dl« Aufwertung die auch sonst geltenden gesetzlichen Bestimmungen Wirkung Haiden sollen. Ter zweite Absatz sagt:An­sprüche aus Auswertung von wiederkehrenden Leitungen für die Zeit vom 1. Januar 1925, gelten als erloschen."

, Aba. Dr. Rosenfeld (Soz.) begründete einen Aenderungsantrag, in dem verlangt wird daß bei der Aufwertung darauf Rücksicht g«^ nommen wird, welcher Gvldmarkbetrag den Leistungen zur Zeit ihrer Festsetzung entsprach. Abg. Dr. Everling (Dntl.z begründete einen Antrag seiner Freunde, auf Streichung des zweiten Absatzes von § 16, da hier ein Enteig­nungsgesetz geschaffen werde. Der deutsch- nationale Antrag auf Streichung des 2. Ab-

nach Billigkeit. Hierbei ist und finanzielle Läge beider , . igcn. Ferner ist die Bolks- verarnumg und die veränderte Stellung der Fürstenhäuser in Betracht zu ziehen. Den Mit­gliedern der vormals regierenden Fürstenhäuser soll indessen eine angemessene Lebenshaltung gewährleistet und die Möglichkeit gvgrben wer­den, ihre Verpflichtungen zum Unterhalte von Fanttlöenangehörigen sowie zur Zählung von Gehattern, Ruhegehältern und Hinterbliebenen- unterstützung, deren Rechtsgrund in der Zeit vor der Staatsumwälzung des Jahres 1918 liegt, zu erfüllen.

Abg. Dr. Rosenfeld (Soz.) beantragte, einen Zusatz, wonach die Garantie der ange­messenen Lebenshaltung auf die jetzt lebenden Mitglieder der Fürstenhäuser beschränkt wird. Der sozialdemokratische Antrag wird mit den Stimmen der Mtttelparteien angenommen. Ein zweiter sozialdemokratischer Antrag, der bei der Garantierung der angemessenen Lebenshaltung die Möglichkeit des Uebergangs zu einem bür­gerlichen Beruf berücksichtigt lassen will, wurde abgelehnt. § 12 wurde mit demselben Stim­menverhältnis wie die vorhergehenden ange nommen, ebenso ohne Debatte § 13.

Vor Toresschluß.

Im Endkampf um Partei- und Strtatsinteressen

Schon in den nächsten Tagen werden die goldenen Ferientore weit aufspringen und eine Flut entnervter, abgespannter, Luft- und son­nenhungriger Kontor-, Amts- und Schulstuben­menschen wird sich bis in dir fernsten Fischer­nester und einsamsten Dorfwinkel ergießen, bis zu den höchsten Bergverstecken und Alpenhütten hinaufschlagen. Millionen Stoßseufzer aber werden zu dem großen Himmelsregisseur Petrus hinanfdringen, dessen Spielplan bis jetzt nur aus Regen-, Ernte, und Wettertragödien, aus Wolken-, Wind- und Nordpolschlagern bestand, die das Volks- und Wirtschaftselend nur noch um viele Grade verdüsterten. Denn immer noch klettert die Arbeitslosenkurve aufwätts, stockt die Ausfuhr und schrmrchft die deutsche Wirt­schaft zusammen, wenn auch der Herr Dawes­zinsvogt die Arbeitskraft und den Gesundungs­prozeß seiner Schlachtopfer mit schmunzelndem Behagen preist, wenn auch der Finanzminifter selbst die schwarzen Prophezeiungen von rechts über ein Riesendefizit und neuer Millionen­stenern vorläufig noch mit rosenrotem Optimis­mus ins Gebiet der Fabel verweist. Nicht ganz so hoffnungsfreudig betrachtet freilich sein Kollege in Preußen die Finanzlage, wenn er auch mit Merlei Rechenkunststücken und Finanz- manövern das Millionenloch im Staatsseckel zu stopfen hofft.

Jedenfalls dürfte neben der Ernüchterung auf der einen und dem Wahlschreck vom Für­sten sonntag auf der anderen Seite dock; euch das heillose und fast unheilbare Volkssiechtum die streitbaren Parteitorreros vor waghalsigen Experimenten mit der Geduld ihrer Wähler zu- rückgeschreckt und sie den Einflüsterungen der Fürstcnkompromitzler gefügiger gemacht haben. Scheint doch auch den Deutschnationalen vor Neuwahlen zu grauen, nachdem selbst das Bol­schewistengespenst so wenig bei den Massen ver­fing. Scheint doch auch der Linksblock nicht mit der abgegriffenen Enteignungsparole der Mas­sen sicher zu sein, zumal namentlich die deutsche Volkspartei bis an die Grenze der Selbstver­leugnung geht, um den unseligen Fürstenban- kert aus der Welt zu schaffen. Vielleicht wirken sogar di« schon heimlich gepackten Ferienkoffrr Wunder und bringen die kantigsten Partei- fchädel unter einen Hut. Auf Me Fälle kann der noch nicht von der Parteien Blässe ange­kränkelte Steuerzahler verlangen, daß nach dem kalten Schlag vom Sonntag die Parteien sich wieder zu positiver Staatsarbeit zu­sammen finden, denn dem gesunden Menschen­verstand will es nicht «inleuchten, daß um auf­geblähter Prestigegötzen willen das Voffswohl Schaden leiden soll.

Der Reichstag sollte eine Stunde früher aus­stehen und auch die Nacht noch zu Hilf« nehmen, wenn es gilt, der niedergedrückten Volksseele unnütze Zentnerlasten abzubürden. Oder will man auch die Zollwunde weiter schwären und den ums nackte Dasein ringenden Mittel­stand unter dem Alpdruck nahender Teuerungs­wellen bis zum Herbst verkümmern lassen? Soll sich überhaupt der politisch« Horizont des Deut­schen zum Krähwinklertum verengen, über allen bergehohen häuslichen Sorgen das Interesse an der Weltgeltung und den Ereignissen um uns herum bis zur Gleichgültigkeit abstumpfrn? Wird in Kassel morgen auf dem Friedrichs- Platz der wuchtig« Aufruf eines Deutschenmärtv- rers die Herzen zu flammender Empörung und ... brüderlicher Hilfsbereitschaft entflammen? Verfolgt man in der Wil Helm straße (dies­mal in Berlin) mit schärfstem Blick die verdäch­tigen Umtriebe hinter den Völkerhundkuliffen, wo nach dem Ausscheiden Brasiliens und wahr­scheinlich auch Spaniens, Mussolini Anstalten