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Kasseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

Freitag, 12. August 1927

Saccos und Vmzeltis Hinrichtung verschoben

Der u. August, (gfo Bombenanschlag in Bafel Deutsche Kolonisten

Ist das Berfaffungstoerk vollendet? W 'VVIlIVMIMlipyiMy In einem brasilianischen Sandstüdtchen.

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Newyork, 11. August. (Funkspruch.) DerI Laufe der Nacht nahm die Polizei in einer Pri- llzuas-Ausschuß des Staate- Massachusetts vatwohnung eines Baseler Kommunisten 12 Ber-

Vollzugs-Ausschuß des Staates Massachusetts

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Gebäude größeren Stils.

Den schönsten Schmuck des Ortes

in em von

zu- da»

lung der wirtschaftlichen Beziehungen mit Ruß­land habe, könne doch eine Situation eintreten, wo auch Deutschland es vorteilhafter finden könnte, seine Neutralität gegen Kompensationen seitens der Feinde Rußlands aufzugeben.

Kein Tag ohne Bemonstrationen.

London, 11. August. (Drahtbericht.) Ein Trupp von etwa 10 000 Demonstranten begab sich gestern zur amerikanischen Botschaft, die von einem starken Polizeiaufgebot bewacht wurde. Der Straßenverkehr war vollständig lahmgelegt.

verhindern und den Einfluß der Interessenver­bände zu beschränken. Dringend notwendig ist

Reue Attentate in der Union

Rotterdam, 11. August. (Drahtbericht.) Bis heute früh liegen Meldungen über neue Atten­tate in der Union aus Philadelphia und Balti­more vor. In Philadelphia sind durch eine am Hauptbahnhof explodierte Bombe 19 Personen verletzt und zwei getötet worden. In Baltimore wurde nur Sachschaden am Gerichtsgebäude an- gerichtet. In Newyork haben sich in den letzten 24 Stunden keine neuen Attentate der Sacco- und Banzetti-Anhänger ereignet.

«en, das

ferner die Verminderung der Ministerien in Reich und Ländern, die Berringerung der Mit­gliederzahl der Parlamente und die Vermeh­rung der Selbstverwaltungsbefugnisse in den mittleren und unteren Instanzen.

I« beherzter solche Reformen in Angriff genommen würden, desto inniger würde sich das Voll mit den neuen Zuständen befreunden und desto fester wüchse es zu der Einheitlichkeit

begangen wurden. Nach der inzwischen erfolg­ten Konsolidierung steht nicht mehr zu befürch­ten, daß, wenn da und dort ein mißfarbener Stein herausgelöst wird, der gesamte Bau sammenstürzt. Im Gegenteil, er wird sich durch nur weiter festigen.

Amtliches Organ der Stadt Kassel. 17. Jahrgang

Drei Sowjet-Russen als mutmaßliche Tater verhaftet / Strenge Aeberwachung der schweizerische» Bundesbahnen , Saeeos «nd Vanzettis Galgenfrist bis zum 22. August / Neue Attentate in den Vereinigten Staaten.

Nummer 187. Amtliches Organ der Stadt Kassel.

Anzeigenoreise: Einheimische ®efd)äft8an«taen Seile 20 4. auswärtig« Geschält», auzeigen Seile 20 4. Sannlienaiu. Seile 20 4. Kl. Änz. aus Kassel o. Won 4 4, ausw kl. An». Seile 20 4. Reklamen Seile 75 4. Üffertgebliöi 20 4 (bei Sus. ber Offerten 50 4 Rechnungsbeträge innerh. 5 Tagen zahlbar. k?ür die Richiig- feit aller durch Kernfvrecher aufgegebenen Anzeige»oroie für Aufnahmedaten und Plätze kann nicht garantiert werden, ftür Anzeigen mit besonders schmie­rigem Satz 100 Prozent Aufschlag. Druckerei: Schlachtkositrasse 28/30. Geschäfts­stelle: Kölnische Strafte 5. gegenüber der Svobrktrake. Fernsprecher 931 und 952.

gemetzelt zu werden. Der Aufstand dehne sich auch auf das Gebiet von Clayanta aus. Die Regierung hat Truppen zur Riederdrückitng des Aufstandes in die bedrohten Gebiete gesandt.

Russisches Mißtrauen.

Zweifel an unserer ReutralitSt.

(Eigener Drabtbericht.)

Moskau, 11. August.

Die Schlußresolution des allrussischen Sow- etkongreffes hebt die steigende Kriegsgefahr hervor. Hinsichtlich Deutschlands wird gesagt, wenn eS auch jetzt Interesse an der Entwick-

chen herrscht eine bewundernswerte Fülle von Bambusstauden Araukarien und Kakteen. Fällt der Blick von der Stadtmitte nach allen Seiten frei auf die laubbedeckten Hügel im Kreise, so glaubt man sich nach Thüringen versetzt. Auch die Deutschen da draußen sind dieselben wie vaheim mit allen Fehlern und Vorzügen. Ver- eiusmeierei, Zank und Klatsch sind an der Ta­gesordnung. Politisch stehen sie noch hall« und halb auf dem Boden der Vorkriegszeit, die Flaggenänderung verstehen sie nicht. Natürlich ist es nicht zu vermeiden, daß den im Lande geborenen Deutschen die dortige Landessprache geläufiger wird als die Elternsprache. ES sind oben die Laute, die ständig an ihr Ohr bringen die sie im Geschäftsleben und während des Mi. litärdienstes anwenden müssen. Da ist aber

Di« Kasseler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal nachmittags. Der AbounementSorei» beträgt für Den Monat 2. Jl bei freier SufteOane ins Haus, in der Geschäftsitelle abgeholt 1.80 X. Durch die Polt mongtktch 2. X ansfchlieftli» SultellungSgebübr. «erlag und Redaktion Schlachthofftrafte 28/80. siernfvrecher 9S1 und 952. Für unverlangt eiugefandre Beiträge kann die Re- daktion eine Verantwortung oder Gewähr nt keinem Falle übernehmen Rück- zabtnng des Bezugsgeldes oder «nforüche wegen etwaiger nicht ordnungsmässiger Lieferung tft ausgeschlossen Bollfcheckkouto Frankfurt am Main Nummer 6380.

Unruhen in Rumänien

Ceruvwiy, 11. Aug. (Drahtbericht.) Gestern haben sich die Unruhen gegen die rumänischen Behörden fortgesetzt. Das Militär mußte auf- geboten werden. Zahlreiche Demonstranten würben verletzt.

Der Strefemann-Kurs.

Er hat das ganze Kabinett für sich.

kPrivat-Telegramm.)

Berlin, 11. August.

Der amtliche Bericht über die gestrige Kabi- nettssitzung läßt erkennen, daß irgendwelche be- ondere Beschlüsse nicht gefaßt find. Es gibt keine Aenderung in der Außenpolitik. Mit innerpolitischen Fragen hat sich die KabinettS- fitzung nicht befaßt. Die Tägliche Rundschau bemerkt zu dem amtlichen Bericht:Das Ergeb­nis ist also, dass der Reichsaußenminister für eine Außenpolitik das Kabinett in Einmütig- eit und Geschlossenheit hinter sich hat. Der Reichsaußenminister geht mit freien Händen nach Gens. Der deutsche außenpolitische Kurs ist in keiner Weise festgeleat, sondern wird sich ganz der Entwicklung anpassen, die Dr. Strese- mann in Genf vorfindet." Reichsminister Dr. Stresemann wird sich morgen nach Norderney begeben. Reichskanzler Dr. Marx fetzt feinen Urlaub voraussichtlich Ende der Woche fort. Man rechnet mit der Möglichkeit, daß die Mit­glieder der Reichsrrgierung diese Woche noch einmal zu einer Besprechung über die deutsch- ranzöfischen Handelsvertragsverhandlungen zusammenkommen werden.

Haftungen vor. Drei der Verhafteten sollen die Täter des Bombenattentates fein. Die drei mutmaßlichen Täter sind ans Rußland zugerei­ste Sowjetruffen.

* * *

Drovbr eke an Die Bunde«bahn

Bern 11. Anguss. (Drahtbericht.) Die Di­rektion der schweizerischen Bundesbahnen erhielt Drohbriefe von Anhängern Saccos und Banzet- tis. Infolgedessen sind Maßnahmen zur Ueber- wachung dec Bahnanlagen, besonders der Bia dufte getroffen worden. In Zürich und Gen soll unmittelbar nach der Hinrichtung der bei­den Kommunisten durch die amerikanischen Be­hörden der Generalstreik proklamiert werden.

Anarchisten überall.

Ein Bombenanschlag in Basel.

(Eigener Drahtbericht.)

Basel, 11. August.

Gestern nachmittag fand auf dem Marktplatz eine große Paotestkundgebung zugunsten Saccos und Vanzettis statt. Gegen g Uhr wurde in dem Straßenbahnstationsgedäude am Barfüßerplatz eine Bombe zur Explosion gebracht, durch welche etwa 20 Personen zum Teil schwer verletzt wur­den. Einer der Verletzten durste kaum mtt dem Leben davonkommcn. Der Wartesaal und die Telephonkabine, in der die Bombe gelegt wor­den war, wurden vollständig zerstört. DieMann-

(Sin blutiger Aufstand.

Indianer brandschatzen Bolivia.

lDurch Funkspruch.)

London, 11 August.

ES ist Zeit, sogar hohe Zeit, daß man daS Wahlrechtalter, welches die Verfassung an die Vollendung des 20. Lebensjahres knüpft, heraufsetzt. Es ist Zeit, daß der Zwang zum Rückttitt eines Ministers nicht von der ein­fachen, sondern von der qualifizierten Mehrheit deS Reichstags abhängig gemacht wird. Eben­so sollten die Befugnisse des Reichspräsidenten verstärkt werden. DaS alles im Interesse einer ruhigeren Entwicklung unseres öflenttichen Ledens. Welche Folgen ferner das mühsam zusammen gebrachte Schulkompromiß der Reichsverfassung hat, erleben wir gerade jetzt anläßlich der Beröfentlichung des Schulgesetz­entwurfes. Eine Refonnfreudigkeil hätte sich aber auch auf Gebieten zu zeigen, die nicht durch die Verfassung abgegrenzt sind, deren Be- reinigung indes für den Gang der Politik ent­scheidend wäre. Hierzu zählt vor allem die Besserung des Wahlgesetzes zu dem Zweck den Abgeordneten mit feiner Wählerschaft wieder tgere Fühlung Ju bringen, die Ernennung Abgeordneten durch Parteivorstände zu

in Boston hat nach einer Sitzung, die neun Stunden gedauert hat und an der neben Gou­verneur Fuller auch acht frühere Rechtsanwälte deS Prozesses Sacra und Banzettt teilgenom- men hatten, beschlossen, die Hinrichtung von Saeco und Banzetti auf den 22. August zu ver­schieben. In Boston ist die polizeiliche Bewa­chung vor dem Gefängnis seit gestern nachmit­tag bedeutend verstärkt worden. Alle umliegen­den Straßen sind für den Versehr gesperrt. Der Polizeipräsident hat einen Aufruf an die Be­völkerung erlassen, worin er zur Ruhe auffor­dert, da seine Untergebenen Befehl erhalten hätten, im Falle von Unruhen erbarmungslos vorzugehen. Während Gouverneur Fuller mit dem Exekutivrat im StatshauS konferierte, er­schienen vor dem Gebäude drei Personen mit Plakaten; außerdem sammelten sich mehrere tausend Personen an. Die Polizei nahm vier­zig BerHaftungen vor.

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Von Dr. Hermann Padinidte.

Gesetzlich ist ein Tag für die Verfassungs- feier nicht festgelegt. Versuche dazu führten, toeil ber Reichstag in die Ferien gehen wollte, nicht zum Ziel. Nur auf dem Verordnungs­wege haben Landesregierungen, zu denen die bayerische nicht gehört, den 11. August, dessen Datum di« Verfassung von Weimar trägt, als den Verfassungstag bestimmt. Daß bei Tag, an welchem daS Grundgesetz des Staats er- stand, festlich begangen wird, entspricht einer allgemeinen politischen Gewohnheit. Auch andere Völker haben ihre Gedenktage, an denen sie sich der Gründe und Anlässe bewußt werden, aus denen ihr Staat und seine Form hervorging. Ein Volk ehrt sich selbst, wenn es das Recht ehrt, daS ber Ausdruck seines Willens ist Es will und soll immer von neuem die Blicke auf die Voraussetzungen und Entwicklungsmöglich- keiten seines staatlichen Lebens lenken.

chastcn der Sanitätsschule wurden für die

Rächt in Alarmbereitschaft gehalten. Noch im 'Die Polizei zerstreute die Demonstranten.

Was in Deutschland den Umschwung der staatsrechflichen Verhältnisse herbeigeführt hat, ist oft genug hervorgehoben worden. Die neue Verfassung mußte so schnell toi« möglich zu­stande kommen, weil anderenfalls der Kommu­nismus, ja ber Bolschewismus drohte. Schon als es die Verfassunggebende Nationalver­sammlung nur wählen durste, atmete das Volk auf; denn damit war die Möglichkeit gegcbei den festen Boden zu schaffen, aus dem sich de niedergeworfene Deutschland wieder empor richten konnte. Den Bemühungen der führen­den Männer des Verfaffungsausschuffes gelang es, trotz aller entgegenstehenden gewaltigen Schwierigkeiten das Werk zu vollenden. Aber auch sie verhehlten sich die Unzulänglichkeiten nicht, di« dabei mit in Kauf genommen werden mußten. Jede der vielen Parteien stellte ihre Bedingungen, und jede drohte, zuletzt das Ganze abzulehnen, wenn die Bedingungen un­erfüllt blieben. Ein« Zeitlang war sogar der zweite Hauptteil der Verfassung, der von den Rechten und Pflichten jedes Deutschen handelt, in Gefahr, weil man sich über Einzelheiten nur schwer verständigen konnte. Erst ganz zuletzt fand sich eine Mehrheit zusammen, die die Ver- antwortung übernahm.

Seitdem sind acht Jahre ins Land gegangen, und mit jedem Jahre verankert sich die neue Staatsform fester. Immer weitere Streife er­klären sich zur Mitarbeit auf der Grundlage des Gegebenen bereit Die finanziellen Ausein­andersetzungen mit den ehemals regierenden Fürstenhäusern sind zum großen Teil beendet, und auch ehemals gegnerische Parteien richten ihre Ziele jetzt weniger auf die Wiederkehr des alten als auf Machtgewinnung innerhalb des neuen Staates. Allerdings dürfen auch die Anhänger der Republik nicht vergessen, daß Ge- nrütStoerte für das Neue sich erst bilden, wenn die Fehler verbessert werden, die bei dem Bau

Nach einer Meldung aus La Paz sind inl§^ soeben hier in der Mitte der Stadt einen der bolivianischen Provinz Potosi 7060 Jndia- ?

ner in Aufstand, die mordend und brennendeinzige^nack dem Kriege neu geschaffene umherziehen. Der Pvlizcichef von Cochabamba berichtet, alle Weißen seien tn Gefahr, nieder-

(Ufammen, ohne welche sich eine gedeihliche Innen- und Außenpolitik nicht führen läßt. Gerade am Verfassungstag sollten diese Ziele leuchtend hervortreten und die Hoffnungen auf eine große nationale Zukunft neu beleben.

Die vottzei im JJanjertoagen.

Washington, 11. August (Funkdienst.) Trotz der polizeilichen Vorkehrungen gelang es etwa ztoeitausend Kommunisten in Washington vor dem Weißen Hause zu demonstrieren. Die Poli­zei ging mit der Waffe gegen die Demonstranten vor, ebenso mit zwei Panzerwagen. Zwei De­monstranten sind tödlich, achtzehn leichter verletzt.

* * *

Vereiteltes Attentat.

Aus den Ex-König von Griechenland.

(Eigener Drahtbericht.)

Belgrad, 11. August.

Mit de« gestrigen Orient-Expreß passierte auf dem Wege nach Rumänien der frühere Kö­nig von Griechenland das jugoflawische Gebiet. Als ber Zug in Groß-Kikinda einfuhr, gelang es einem jungen Mann, sich auf das Trittbrett des Wagens zu schwingen. Er wurde rechtzeitig von ber Bahnhofswache bemerkt und verhaftet. Man fand bei ihm einen geladenen Revolver. Er gestand, ein Attentat auf den Ex- König geplant zu haben.

ttebcrall beidfdje Laute! I Im Hotel zu den geben Schwaben. / Der Prinz von Joinville. I Wie in Thüringen. I Der oberste Grundsatz des Landes.

Einen langen Kometenschweif von glühene den Holzfunken nach sich ziehend, tritt der Ra­pidzug aus dem Urwald in die freie Ebene, aus der vereinzelt freundliche Häuschen austau« chen. Die Fahrt verlangsamt sich, und die Wa« genschlange kommt am Bahnhof von Joinville zum Stehen. Joinville im Staate Santa Ca­tharina so fremdartig sein Name, und trotz­dem eine blinkende, blitzende, traute, deutsche Kleinstadt. Elftausend von dem Dutzendtau­send Einwohner reden deutsche Zunge. Sie ist auch nicht fit und fertig vom Himmel gefallen. Fm Gegenteil, schmerzvoll waren ihre Geburts­wehen. Zuerst versuchte es 1851 ein Häuslein mutiger Deutscher mit einigen Norwegern und Schweizern. Aber das Kindlein wollte nicht gedeihen. Gar manchmal dachte man verzagt daran, dasSumpfloch" wieder aufzugeben. Da griff der Prinz von Joinville, ein Schwa­ger Don Pedros II., zusammen mit dem Ham­burger Kolonisationsverein ein und gab bet Niederlassung Namen und Unterstützung. Hier­auf ging8 langsam voran. Und heute ist Join­ville ein

schmuckes, aufblühendes Gartenstädtchen, in dem eine aufstrebende Industrie zu Hause ist: Webwaren, besonders Strümpfe, dann Bau bedarfsarttkel vom Nagel bis zum Firfwaflen. Himmel? ist das ein Leben auf dem kleinen Bahnhof. Das schwätzt und drängt und wim­melt durcheinander. Und nur deutsche Laute, wo man hin hört, bis zu dem Mulattenbengel, der das Handgepäck zu erobern ttachtet. Im Autobus gehfs durch die lange Zufahrtsstraße zum Städtchen. Ueberall an den Häusern deut­sche Namen und Inschriften.Hotel zu den sieben Schwaben von Peter Müller" zur Rech­tenHotel von Heinrich Sorgmeier" zur Linken Und der drallen Bäckersfrau vor dem Laden nebenan, mit den beiden Blondköpfchen an der Schürze und dem Sprößling auf dem Arm, der sieht man, noch ehe sie den Mund aufmacht, an, daß sie aus Westfalen stammen muß. Die gan­ze Straße entlang wehen Fahnen und verwelk­te Girlanden. Gerade hat Joinville seinen 75. Geburtstag eine Woche lang festlich begangen. Noch brummt manchem Joinviller der Schädel. Viel ist geredet und gefeiert worden. Der Präsident des Staates Santa Catharina war selbst erschienen, sogar ein Prinz von Joinville der jetzige Kronprätendent. Von Regierungs­seite hob man den Wert der kolonisatorischen Tätigkeit der Deutschen lobend hervor, pries ihre Zähigkeit und ihren Fleiß. Aber was nützen Worte? Seit dem Krieg sind die

Deutsch-Brasilianer recht unzufrieden.

Man bat die frühere Selbstverwaltung erheb­lich beschnitten. Jetzt führt der brasilianische Beamte das Steuer. Doch das Schiff steht still. Viel Abgaben heißt die Losung, dafür wenig Gegenleistung. Gute alte Straßenna­men werden umgetäuft gerade wie bei uns , und man tut so. als ob brasilianische Ar­beit alles geschaffen habe. Im Zentrum am Cachoeira wirkt Joinville fast großstädtisch. Da reckt sich das vierstöckige Palafchotel zum Him­mel, da stehn sich die beiden schmucken Kirchen gegenüber, werden die Bürgersteige breiter, und die Ladenauslagen mehren sich. Wie zum Aerger für die Deutschen, gerade, wie um zu zeigen,Seht wir können's auch?" hat

bilden feine Gartenanlagen. Die Allee von himmelragenden, schnurgeraden Königspalmen, die 3um Regierungsgebände führt, steht der bekannten Palmenstraße am Manguekanal in Rio kaum an Stattlichkeit nach. Und im neu angelegten Stadtgarten mit dem Musiktempel-