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Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

18. Jahrgang

Einzelpreis: Sonntags 20 Pfennig.

Mittwoch, 4. April 1928

Einzelpreis: Wochentags 10 Pfennig.

Nummer 81

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Man will UNS 32 Milliarden ausbürden.

Die neuesten Schlager

gestellt. Franceschi wird die italinische Polar

Voten le umphteri.

expedition nachderKingSbai begleiten und ihr auch wissenschaftliche Dienste leisten können.

die nötigen Summen für die Bezahlung seiner Kriegsschulden und für die Ausgaben seines Wiederaufbaues.

lichen und Verkehrsfragen, die zweite die Frage deS Aufenthaltsrechtes, der Paßformalitäten und deS kleinen Grenzverkehrs, die dritte Sicher- heits -und Entschädigungsfrage behandeln soll Natürlich ist auch diese halbe Vertagung nach dem Muster von Genf nichts weiter als ein Herumschleichen um den Brandherd, der nun im dunklen Osten friedlich weiter raucht. Aber über Ostern hat man sich wenigstens die schwersten Sorgen von den Schultern geschüttelt. Was nachher kommt, wisien die Götter .

«Sewmersturm auch auf Sizltten.

Palermo. 3. April. (Eigene Drahtmeldung.) Ganz Sizilien wurde von heftigen Gewitterstür­men heimgesucht. Zwei Fischerbarken mit je

sechs und vier Mann werden vermißt. Das Mittelmeer ist äußerst stürmisch.

*

(Sturmopfer und Wasser not in den Lagunen

Rom, 3. April. (Eigene Drahtmeldung.) Bei schwerem Sturm kenterte bei Venedig eine Se gelbarke. Die sechs Insassen sind ertrunken. Die tiefer liegenden Stellen der Stadt sind über schwemmt. Der Motorverkehr in den Kanälen ist erschwert.

Rom, 3. April. (Eigene Drahtmeldung.) In­folge der Ueberschwemmungen sollen in der Pro vinz Venedig achthundert Familien obdachlos sein.

gesamte arbeitende Deutschland muß die RepararionSsummen aufbringen. Hin- ter den Sachgütern und Werten, die die deutsche Volkswirtschaft produziert, stehen rund zwei- unLdreißia Millionen (Erwerbstätige. Selbständige in Stadt, und Land, Angestellte, Arbeiter und Beamte, mithelfende Familienan­gehörige und Hausangestellte. Diese zweiund- dreißig Millionen sind es in erster Linie, die die Reparationsleistungen aufbringen muffen. Legt man die sogenannten Normalleistungen von 2,5 Milliarden jährlich auf die Zahl der Er­werbstätigen um, so ergibt sich, daß

jeder Erwerbstätige im Fahr mehr als achtundsiebzig Reichsmark

für die Reparationsgläubiger erarbeiten muß. Das ist mehr, als t,n Durchschnitt jährlich von ihm an Einkommensteuer verlangt wird for­dert doch diese wichtigste und den größten Perso- nenkreis erfassende Steuer von ihm durchschnitt­lich nur rund siebzig Reichsmark jährlich. Setzen wir den Reparationsbetrag von 2,5 Milliarden in Beziehung lediglich zu der deutschen Arbei­terschaft. um eine ungefähre Vorstellung da­von zu vermitteln, wieviel Arbeitszeit zur Aus­bringung der Reparationsleistungen im Jahre notwendig ist. so ergibt sich folgendes intereflan- tc Bild: in Deutschland gibt es in sämtlichen Wirtschaftszweigen 14,43 Millionen Arbeiter. Würde man auf dieses Heer der schaffenden Hände den Reparationsbetrag umlegen, so ent­fielen

auf jeden Arbeiter jährlich 173,2 Reichsmark. Um diesen Betraa zu verdienen, müßte ein ge- lcrnter Arbeiter 168 Stunden, das heißt bei ei­ner Achtundvierzig-Stundenwoche rund drei­einhalb W o ch e n s ch a f f e n, ein ungelern­ter Arbeiter 232 Stunden oder nahezu fünf Wochen arbeiten. Diese Berechnung gibt eine kleine Vorstellung davon, vievtel Tage und Stunden und wieviel Arbeitskraft daran gewen­det werden muffen, um die uns auferlegte Kriegsentschädigung zu erarbeiten. Eine Vor­stellung von der «Größe des von Deutschland ge­forderten Revarationsbetrages von zweieinhalb Milliarden Reichsmark ermöglichen folgende Vergleiche: der Wert der deutschen Steinkoh­lenproduktion betrug im letzten Vor- krtegsjahre bei rnnd 190 Millionen Tonnen Förderung etwa 2.25 Milliarden Reichsmark. Der Wert der deutschen Brotgetreideern- i e (Rogaen. Weizen, Spelz) erreicht durchschnitt- lich einen Betrag von etwa zwei Milliarden Reichsmark Die Werte, die jeder einzelne die­ser grundlegend wichtigen deutschen Produk­tionszweige jährlich schafft, erreichen also

noch nicht die Höhe der Reparationszahlungen, wie sie die Rormalquoien des Dawesplans von uns fordern Wenn wir die Gesamtjahreslei- stung von zweieinhalb Milliarden nach Zeit­einheiten berechnen, erhalten wir eine an­schauliche Vorstellung von den Summen, die Deutschland fortlaufend aus den Erträge» seiner Arbeit abzufübren bat: täglich 6 849 315 Reichsmark, in der Minute 4 756,5 Reichsmark.

Paris, 3. April. (Eigene Drahtmeldung) Der Pariser Korrespondent der Rewyork Times spricht von Unterhandlungen, durch die das deutsche Reparationsproblem und das Kriegs- schuldenvroblcm gemeinsam gelöst werden sol­len. Zu diesem Zwecke würde die deutsche Re­parationsschuld endgültig aus z w e i u n d d r e ßig Milliarden Goldmark festgesetzt werden. Davon würden sechzehn Milliarden Obligationen ausgcgeben werden (11 Eisenbahn- und 5 Industrie-Obligationen). Die Verztn- ung dieser Obligationen würde durch die Ein­nahmen der deutschen Eisenbahnen und gewisser deutscher Industrien gesichert. Für die übrigen echzehn Milliarden Goldmark hätte da« d e u t- che Budget aufzukommen. Ein Blatt weist auch aflf die Anspielung Poincacres über die Eisenbahn- und Industrie-Obligationen m einer seiner letzten Reden hin.

Sie wollen sichs erst überlegen

132 Milliarden sind ihnen lieber.

Flackernde Streikflammen.

Der Berliner Möbeltransport liegt still.

Berlin, 3. April. Am heutigen Tage sind die Möbeltransportarbeiter, wie angekündigt, in den Ausstand getreten. Die Reichsbahn hat Vor kehrungen getroffen um Störungen zu mindern Gütersperre ist vorläufig nicht beabsichtigt. Auch die Spediteure der Güterbahnhofes Wilmersdorf Friedenau streiken, desgleichen die gesamte Be­legschaft der Paketfahrtgesellschaft in Berlin in Höhe von achthundert Mann, sowie das Perso­nal einiger kleinerer Betriebe.

Nie wieder Arbeit.

Eine Viertel Million englischer Arbeiter lebt von Almosen. Ein Notgroschen des Königs.

London, 3. April. (Gig. Drahtbericht.) Die drei Lordmayors von London, Cardiss und Newcastle haben einen Ausruf zur Unterstüt­zung der notleidenden Bergleute und ihrer Fa­milien in den von der Arbeitslosigkeit beson­ders schwerbetroffenen Bezirken erlassen. An­nähernd 250 000 Bergleute haben keine AuS-

Paris, 3. April. Finanzminister a. D. Harry Beranger äußerte sich über den angeblichen Plan einer Gesamtfestsetzung der deutschen Repara- tionsschuld auf 32 Milliarden Mark und erklärte, bevor Frankreich einer Verminderung der For derung von 132 Milliarde« Mark auf 32 Milliar­den Mark Mummen könnte, müßte eo retchltchc

m ... Franceschi, UniverfitätSrektor und Bor­de? W'uns^au^ der päpstlichen Akademie, zur Verfügung

tion von einem Seelsorger begleiten zu lassen.

Der Papst hat ihm daraus den I e f u i t e n p a -

Warschau, 3. April. (Eigene Drahtmeldung.) Die polnische Presse gibt der Auffassung Aus­druck, daß der in Königsberg erzielte Erfolg der geschickten, vorsichtigen und kaltblütigen Haltung Z a l e »k i S zu danken sei.

Jeder muß es wissen.

Wie wir ausgesogen werden.

Am 1. September beginnen die logemannten Normnlleistnngen Dentitblands gern ab bem Dawesolan m laufen. Sie betragen 2,5 Mil­liarden Reichsmark jährlich. Bitte geradem groteske itibnfftttnme, über deren erdrückende Schwere man sich nicht nttt bei uns, sondern an» im Anslande klar ist. Wer bringt in Deutschland diese Summe anf und was be. deutet Re praktisch?

Zunächst: Es wäre falsch, die Aufbringung der Summen, die für einen noch nicht begrenzten Zeitraum Jahr für Jahr ohne Gegenleistung an die Gläubigermächte abgeführt werden müf­felt. auf die Tragfähigkeit bestimmter Bevölke- rungs- und Erwerbsschichten beschränken zu wollen. Drei Leistungsträger zwar sind nach dem Dawesplan vorhanden: der Reichshaus­halt, die Reichsbahn und die Industrie. Sie aber sind nichts weiter als die Exponenten des gesamten deutschen Volkes, das an der Aufbrin­gung der Zahlungen beteiligt ist. Woher sollten Reich, Reichsbahn und Industrie die Mittel zu den Leistungen nehmen, wenn nicht aus Steu­ern und sonstigen öffentlichen Lasten, aus ge- tet getreu Güter- und Personentarifen, auS erhöhten Anforderungen an die Gesamt­wirtschaft und die in ihr scha sfenden Hän­de? Mit anderen Worten: das

Laßt Geld herein:

Die Städte anf das Ausland angewiesen.

Der Vorstand deS Städtetages richtet ange- sichts der Entwicklung der Gesamtlage an seine Mitgliedsstädte erneut die Bitte, alle Ausgabe»

Madrid, 3. April. (Eigene Drahtmeldung.) In der Gemeinde Nugica wurde während eines urchtbaren Gewitters ein junger Mann in sei­ner Wohnung vom Blitz erschlagen. Ei» anderer Blitz schlug in eine Gruppe Fuß­ballspieler, die vom Spiel zurückkehrten, tötete einen von ihnen und verletzte drei schwer.

Poincarss Trauben. Aegypten-Königsberg.

In seiner letzten großen Wahlrede hat Poin- cars der Weltpolitik wieder einmal einen harten Brocken hingeworfen, an dem sie sich jetzt die Zähne ausknabbern kann. Er verlangte kurz ' und bündig: Beendigung der französischen \ Finanzsanierung und Lösung des Weltschulden- ; Problems. Diese Formel ist die Formel des l Wahlprogramms Poincarös. Wie man zugeben 1 wird, ein wirkungsvolles Wahlprogramm, das : in Frankreich zünden wird und die Chancen des i alten Routiniers unbedingt verbeflert. Aber bei ! der Auswertung solcher Reden, wie sie jungst in Cracaffonne gehalten wurde, beachte man stets das Eine, nämlich, daß sie Wahlreden sind, also Demonstrationen zu einem ganz bestimmten Zweck, der wenig mit der Gestaltung der großen Politik selbst zu tun hat, nur mit der Absicht, die Wählermassen des Landes zu überzeugen, sie an die Wahlurnen heranzuführen zu Rutz und Frommen desjenigen, der eben diese Wahl­rede hielt. Wenn auch der schlaue Fuchs seine Fahrt mit allgemeinen Wendungen so ver- wischte, daß man alles und nichts daraus ent­nehmen kann, so stellt er doch die Verbindung des Schuldenproblems mit dem auf die Dauer unerschwinglichen Dawestribut in den Mittel- punkt, wobei er freilich auf Amerikas Gegen­liebe kaum rechnen kann. Und wir selbst dürfen überzeugt sein, daß seine vorgeschlagene baldige Mobilisierung der Eisenbahn- und Jndustne- obligationen mehr der Regelung der internatio­nalen Schuldenverpflichtungen Frankreichs ent- gegenkommen soll als weniger den deutschen Wünschen auf eine Herabsetzung ober Erleichte­rung der Reparationsverpflichtungen.

Irgendein besonderer Vorteil für Deutschland läßt sich also aus den recht vagen Andeutungen Poincares nicht herauslesen. Wobei in Deutsch­land besonders zu beachten ist, daß Poincare diesen Vorschlag mit dem Vorbehalt verknüpft, das FrankreichSSicherheit garantiert fein müßte, die bekanntlich auf ein Ost-Locarno binausläust. Das Tatsächliche in der Carassone- Rede Poincares ist also derartig miteinander verbunden, daß man beim besten Willen in Deutschland nicht einsehen wird, wo nun etgenr. lich das Entgegenkommen Poincares zu erbuk- ken ist. Auch wollen wir uns ruhig wieder den Honig vom Munde wegwischen, als ob der alte Balser etwa die von uns schon früher gestellte Voraussetzung einer vorherigen Hergabe der Eisenbahn-Obligationen, nämlich die vorzei. tige Räumung des Rheinlandes, ge­meint haben könnte. Logisch wäre es zwar, aber Poincars hat diese logifche Selbstverständlichkeit mit keinem Wort erwähnt. Der meisterhaften Dialektik des französischen Mintsterprästdenten wird es gegebenenfalls ein Leichtes sein, nachzu­weisen. daß diese beiden Frag-n, die Schulden- regehtng und die Rheinlandräumung, wenig miteinander zu tun Haven Mit der Formel der Garantiesicherung läßt sich im Notfall ia alles anfangen. Die Eracassonne-Rede hat im­merhin ein Gutes Sie gibt zu erkennen, daß Poincare, den Wahlkampf auf dem Programm einer VerständigungmitDeutsch land ausnisechen gedenkt . Hier bleibt es nun gleich­gültig, wie Poincars sich diese Verständigung denkt. Ein auf ein: friedliche Auseinander­setzung mit Deutschland abgestimmtes Wablpro- grannn wird unbedingt, vielleicht auch gegen den Willen seines Verfassers, eine antideutsche Stimmung in Frankreich wesentlich entspan- neu Was letzten Endes viel dazu beitragen wird, in der großen Masse des französischen Volkes die Mentalität zu besänftigen, also Raum zu schaffen für eine kommende wirkliche und prakttsche Annäherungspolitik.

Cm Wester stiegt zum Nordpol

Der Jesuitenpater im Luftschiff Nobiles.

Wie eine Bombe hat die jüngste ägyptische Rote in die Kontore der Themsehändler emge- schlagen, die völlige Gleichberechtigung als Verbündeter Englands sowie das Recht ver­langt, den Suezkanal mit der eigenen Armee z» verteidigen, ohne Einmischung britischer Trup­pen. Solchen Forderungen kann die Britische Regierung natürlich schon aus Prestige-Rücksich­ten nicht nachgeben Zunächst einmal hat sie of­fenbar schon als erste Antwort die Funktionen der ägvptischen Polizei durch die eigenen Bc- satzungstruppen übernehmen lassen und angeb­lich König Fuad verboten, das Vereinsgesetz zu unterzeichnen, das vom englischen Parlamen« verabschiedet wurde. Es ist also gar nicht aus geschloffen, daß es ganz einfach zu einem Ab beuch der diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern kommt, so weit dies überhaup: noch möglich ist. Denn Abbruch bedeutet hier weiter nichts als ein Aufhören des gegenseiti­gen Notenwechsels und ein diktatorisches Ein­

greifen Englands mit dem Säbel. Jedenfalls glüht im ägyptischen Bereich ein ziemlich starkes Feuer unter der Asche, dessen Ausbruch unüber­sehbare Folgen haben tarnt

Nicht ganz so heftig, aber doch nicht ganz unbedenklich verläuft dast Osiduell in Kö­nigsberg. Woldemaras leitete gleich mit der sensationellen Nachricht ein ,daß an der Wil naer Grenze in der Nacht vor der Konferenz ein Ueberfall auf die litauische Grenzwacht erfolgt fei, wobei sogar aus Kanonen geschossen worden fein soll. Die Polen erheben gegenüber den litauischen Entschädigungsansprüchen Gegenan­sprüche. Die Litauer haben dagegen eine entmi­litarisierte Zone vorgeschlagen. Nachdem noch gestern Mittag völliger Abbruch der Konferenz in bedrohliche Nahe gerückt schien, hat man sich schließlich auf die Bildung von drei Kommissio­nen geeinigt, von denen die eine die Wirtschaft-

Die polenbanditm geköpft!

Zum erstenmal eine Frau als Zuschauerin.

Paris, 3. April. Heute morgen find die Füh ! gelehnt. Zum ersten Male hat in Frankreich rer der sogenannte» Polenbande W l a d e k o und bei dieser Gelegenheit eine Frau einer Hinrich PatowSki hingerichtet worden. Prästdent tung beigewohnt und zwar die Verteidigerin der Doumergues hatte das Begnadigungsgesuch a b-1 Verurteilten Frau Erlich.

8m Süden zucken schon die Me

In der Wohnung und in der Futzballgruppe.

vv ......... _______ . sicht, in ihrer Industrie wieder beschäftigt zu

Ueberlegungen anstelle». Der Dawesplan sichere werden. Der König eröffnete die Zeichnung mit während eines halben Jahrhunderts Frankreichl500 Pfund Sterling.

Wie sichs poincare denkt.

Wie man Kriegsschuld und Reparationen abdecken will Poincars will stabilisieren.